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Kompetenz d. Pflegeassistenz: Positionierungs- und Transfertechniken

Lehrinhalte der Unterrichtsfächer: Aktivierung, Akut- und Langzeitpflege, Pflegetechnik



Datum erstellt: 01.02.2025
Aktualisierungsdatum: 26.07.206

Positionierungstechniken muss die Pflegeassistenz sicher beherrschen. Sie spielen eine Hauptrolle, wenn es um Prophylaxen, Atemerleichterung, Schmerzlinderung und Wahrnehmungsförderung geht. Fachsozialbetreuer wenden Positionierungstechniken ebenfalls an – fĂĽr sie ist dieses Wissen besonders in der Arbeit mit Menschen mit Schwer- oder Mehrfachbehinderungen relevant.

Das muss die Pflegeassistenz wissen / können:
➤ führt präventive Positionierungen (Lagerungen) unter Anwendung von für den Fachbereich standardisierten Techniken, Konzepten (Kinästhetik) und Hilfsmitteln durch, beobachtet die Wirkung;
➤ führt therapeutische Positionierungen (Lagerungen) durch und beobachtet deren Wirkung;
➤ wendet im Rahmen der Mobilisation definierte Prinzipien, Techniken und Konzepte (z. B. Kinästhetik, basale Stimulation) sowie Mobilisationshilfen an;
➤ unterstützt und fördert die körperlichen, geistigen, psychischen und sozialen Ressourcen der unterschiedlichen Zielgruppen und erkennt Veränderungen;
➤ führt standardisierte präventive Maßnahmen durch und erkennt Anpassungsbedarf;
➤ instruiert Pflegeempfänger/innen sowie pflegende Angehörige und sonstige nahestehende Personen in der selbstständigen Durchführung von Pflegemaßnahmen im Bereich der Lebensaktivitäten (Grundtechniken);
➤ integriert pflegende Angehörige und sonstige nahestehende Personen situativ in die übertragenen Pflegemaßnahmen und erkennt Unterstützungs- bzw. Entlastungsbedarf sowie Veränderungen;
➤ setzt Prinzipien vorgegebener, sich auf Selbstpflegeerfordernisse/Alltagskompetenzen im Bereich der Lebensaktivitäten beziehende Konzepte um (z.B. wahrnehmungs- und körperbezogene Konzepte, verhaltensorientierte Konzepte, Konzepte zur Erhöhung der Selbstkompetenz) und beobachtet beeinflussende Faktoren und Reaktionen;

Positionierung

PatientInnen, die ihre Position im Bett nicht mehr selbständig verändern können sowie jene mit erhöhtem Risiko für Dekubitus, Kontraktur oder Pneumonie müssen regelmäßig umpositioniert werden. Die Positionierung kann aktiv, passiv oder aktiv-assistierend erfolgen.

Die Ziele der Positionierung

Prophylaktische ZieleTherapeutische Ziele
DekubitusprophylaxeAtemunterstĂĽtzung
KontrakturprophylaxeWahrnehmungsförderung
SpitzfuĂźprophylaxeSchmerzlinderung
Pneumonieprophylaxe

Wahrnehmungsförderung

Positionierungen fördern die kinästhetische und die somatische Wahrnehmung.

Positionierungen sind nicht nur allgemeine pflegerische und medizinische MaĂźnahmen, sondern werden auch als wahrnehmungsfördernde Angebote im Konzept der Basalen Stimulation eingesetzt[1]. Durch BerĂĽhrung und Druck bei der Positionsveränderung erhält die PatientIn deutliche Informationen ĂĽber ihren Körper[1].

Die PatientIn kann dadurch:

  • vorhandene Eigenbewegungen bewusster einsetzen;
  • ihre Körpergrenzen besser spĂĽren;
  • die Lage einzelner Körperteile wahrnehmen;
  • Schwerkraft und Bewegung erfahren;
  • sich im eigenen Körper besser orientieren.

Kinästhetische Wahrnehmung: Wahrnehmung von Eigenbewegungen und inneren Reizen
Somatische Wahrnehmung: Spüren des eigenen Körpers durch Berührung, Druck, Temperatur und Schmerz

Erkrankungen, Störungen und Behinderungen, bei denen Positionierungstechniken zur Wahrnehmungsförderung eingesetzt werden

Wahrnehmungsfördernde Positionierungen sind besonders für Menschen geeignet, deren Körperwahrnehmung durch Erkrankung oder Behinderung eingeschränkt ist[2]:

  • immobile oder lange bettlägerige Menschen;
  • Menschen mit neurologischen Erkrankungen (Neglect, Parese, Plegie,…);
  • Menschen mit Lähmungen oder Spastik;
  • Menschen nach einem Schlaganfall oder einer Hirnverletzung;
  • Menschen mit fortgeschrittener Demenz;
  • Menschen im Koma oder Wachkoma;
  • Menschen mit schweren körperlichen Behinderungen (Zerebralparese, Spina bifida, Tetraplegie, Schwerstmehrfachbehinderungen);
  • sterbende Menschen.

„Gelähmte und bewegungslose Menschen spĂĽren sich und die Umwelt wenig und verlieren dadurch ihre Orientierung. […] Tonuserhöhung scheint bei manchen Patienten der Versuch zu sein, mehr zu spĂĽren.“ (Nydahl, 2005: 136, zit. nach Mathys & Straub).

🔗 Lesetipp zum besseren Verständnis der Hintergründen von Positionierung als Werkzeug in der Basalen Stimulation: Bewegung erleben trotz Spastizität, Mathys, R. und Straub, J. (2011), Internationaler Fördervereins Basale Stimulation e. V.

Schmerzlinderung

Eine an die Beschwerden angepasste Positionierung kann schmerzende Körperbereiche entlasten und dadurch Schmerzen verringern.

Positionierung und Transfer mit Hilfsmitteln

  • Erhöhung der Sicherheit fĂĽr PatientInnen und Beschäftigte;
  • Belastungsreduzierung fĂĽr die Beschäftigten;
  • Steigerung der Pflege- und Betreuungsqualität;
  • UnterstĂĽtzung einer komfortablen Position z. B. Sitzen, Liegen;

Durch das Heben, Tragen, Umsetzen, Drehen oder Hochziehen von Menschen entstehen hohe Druckkräfte, besonders an der Lendenwirbelsäule und der Bandscheibe. Häufig übernehmen Beschäftigte dabei einen erheblichen Teil des Körpergewichts der betreuten Person. Langfristig können daraus Rückenbeschwerden, Muskel-Skelett-Erkrankungen und bandscheibenbedingte Erkrankungen entstehen. Die österreichische Arbeitsinspektion[3] und die Allgemeine Unfallversicherungsanstalt (AUVA) fordern daher schon seit Langem, das manuelle Positionieren und Mobilisieren durch den konsequenten Einsatz geeigneter Hilfemittel[4] zu vermeiden. Der Einsatz von Hilfsmitteln sollte in die Pflegeplanung und das Qualitätsmanagement aufgenommen und die Beschäftigten aktiv an der engeren Auswahl von Hilfsmitteln beteiligt werden. Ziel ist es, die Gesundheit der Beschäftigten zu erhalten, arbeitsbedingte Beschwerden und Erkrankungen zu vermeiden und ihnen dadurch zu ermöglichen, ihren Beruf möglichst lange auszuüben.

Die AUVA bietet zum Thema „Ergonomie in unterstützenden Berufen“ Videoanleitungen für sichere und rückenschonende Bewegungsabläufe. Diese sollen Beschäftigte dabei unterstützen, körperlich belastende Alltagssituationen möglichst schonend zu bewältigen:

🎬 Video: Sichere Bewegungs­abläufe für eine gute Pflege, auva.at

Hilfsmittel zur schonenden Positionierung:

  • Gleithilfen
  • Drehkissen
  • FuĂźstuhl
  • Anti-Rutschmatten
  • Rollbrett
  • BettzĂĽgel
  • Halte- oder MobilisationsgĂĽrtel
  • Beingurt
  • Rutschbrett
  • Keile
  • Kissen
  • Decken
  • HandtĂĽcher
  • Rollen und Halbrollen
  • Seitenschläferkissen

Transfer

Transfer bezeichnet in der Pflege das Bewegen einer Person von einer Position oder einem Ort in einen anderen, zum Beispiel vom Bett in den Rollstuhl, vom Sitzen zum Stehen oder auf die Toilette. Der Transfer kann aktiv, passiv oder aktiv-assistierend erfolgen.

Hilfsmittel fĂĽr einen schonenden Transfer

  • Patientenlifter / Hebelifter
  • Drehteller
  • Transfergurt / HaltegĂĽrtel
  • Strickleitern
  • Transfergleittuch
  • Pflegeschlinge

Ansätze zur Anwendung von Positionierungs- und Transfertechniken: aktiv – assistierend – passiv

In der Pflege unterscheidet man drei Arten der Anwendung von Positionierungs- und Transfertechniken:

  • Aktive Positionierung / aktiver Transfer: Die PatientIn kann nahezu alle Bewegungen selbstständig ausfĂĽhren, ohne auf fremde Hilfe angewiesen zu sein. Sie benötigt lediglich Motivation, Aktivierung und Anleitung.
  • Assistierende Positionierung / assistierender Transfer: Die PatientIn ist in der Lage, die meisten Bewegungen selbst auszufĂĽhren, benötigt jedoch gelegentlich etwas Hilfe.
  • Passive Positionierung / passiver Transfer: Die PatientIn benötigt viel Hilfe.

Je nach Ressourcen der PatientIn werden die Positionierungstechniken unterschiedlich ausgefĂĽhrt.

Zentrale Körperpunkte beim Positionieren und beim Transfer

Beim Positionieren und beim Transfer greifen PflegassistentInnen häufig an bestimmten Körperpunkten zu, die sich besonders gut für sicheren Halt und effizientes Heben eignen.

  • Schulterbereich: stabilisiert den Oberkörper der Patientin
  • HĂĽfte/Becken: bietet eine gute Hebelwirkung, um den unteren Teil des Körpers zu bewegen oder zu drehen
  • Knie: stabilisiert die Beine
  • Unterarme/Hände: gibt Sicherheit

Positionierungen

Arten von Positionierungen

Diese 13 Arten der Positionierungen sollte die Pflegeassistenz beherrschen:

  1. 30° Positionierung
  2. 90° Positionierung
  3. 135° Positionierung
  4. Beinpositionierung (zur Ruhigstellung nach Frakturen und zur postoperativen Entlastung)
  5. Beinpositionierung zur SpitzfuĂźprophylaxe
  6. Freipositionierung der Fersen (Dekubitusprophylaxe)
  7. Mikropositionierungen
  8. Schiefe Ebene
  9. Dehnpositionierung in Seitenlage (atemunterstĂĽtzend)
  10. Dehnpositionierung in RĂĽckenlage (atemunterstĂĽtzend)
  11. Drehdehnpositionierung (atemunterstĂĽtzend)
  12. C- bzw. Halbmond-Positionierung (atemunterstĂĽtzend)
  13. VATI-Positionierungen (atemunterstĂĽtzend)

Beine eines bettlägrigen Patienten aufstellen

  1. Bett auf Arbeitshöhe stellen
  2. Die Beine werden dermaĂźen aufgestellt, dass die Knie gebeugt sind und die FĂĽĂźe flach auf dem Bett stehen.
  3. Position der PA: seitlich der Patientin.
  4. „Ich werde Ihnen jetzt helfen, die Beine aufzustellen.“
  5. Beinbeugung im Kniegelenk – dabei nicht direkt in die Kniekehle greifen, sondern etwas darĂĽber. Zuerst das Bein, das weiter entfernt ist.
  6. Griff an den FuĂźrĂĽcken. Daumen liegt gegenĂĽber.
  7. Mittels Hebelwirkung FuĂź aufstellen.

🎬 Video: Beine aufstellen und stabilisieren, KUBIVENT GmbH, youtube (Anm.: hier wird eine Antirutschmatte als Hilfsmittel verwendet)

Von Rückenlage in 90° Seitenlage

Entlastet Druckpunkte (Fersen, Kreuzbein, Schulterblätter). Die Last wird auf Hüfte und Schultern (= weniger sensible Stellen) verteilt.

AusfĂĽhrung

Die PatientIn wird immer in Richtung Pflegeperson gedreht. Die unmittelbare Nähe der Pflegeperson vermittelt Halt und kann die Sorge vor einem Sturz aus dem Bett verringern. Das nimmt der PatientIn die Angst vor dem Herausfallen aus dem Bett.

  1. PatientIn ĂĽber den geplanten Vorgang informieren: „Ich werde Ihnen jetzt helfen, sich auf die Seite zu drehen.“
  2. Pflegeassistenz steht neben der PatientIn seitlich am Bett
  3. Bett auf Arbeitshöhe stellen
  4. Auf Nässe und Brösel im Bett achten. Wegwischen.
  5. Arm vom Körper weg positionieren (auf diese Seite wird gedreht)
  6. Information geben: „Zuerst stellen wir die Beine auf.“
  7. Beine aufstellen (s. vorhergehende Technik)
  8. Arm auf den Brustkorb ablegen
  9. Information: „Ich werde Sie jetzt drehen.“
  10. Griff an den HĂĽftknochen + vorsichtige Drehbewegung

🎬 Video: „Anleitung zur Lagerung von PflegebedĂĽrftigen“, PfiFf, youtube (Anm.: hier wird eine zusammengelegte Decke als Hilfsmittel verwendet)

Anm.: Heute wird nicht mehr von „Lagerung“, sondern von „Positionierung“ gesprochen.

🎬 Video: Seitenlagerung des PflegebedĂĽrftigen, PerVita24®, youtube (Anm: Seitenlagerung ohne Hilfsmittel)

🎬 Video: 90°-Seitenlage, KUBIVENT GmbH, youtube (Anm: hier wird ein Seitenschläferkissen als Hilfsmittel verwendet)

Kontraindikationen und Herausforderungen

In einigen Fällen kann die Seitenpositionierung schwierig oder sogar kontraindiziert sein:

  • Frakturen im Bereich der HĂĽfte, des Beckens oder der Wirbelsäule → Schmerzen und Instabilität
  • RippenbrĂĽche → Atembeschwerden und Schmerzen
  • HĂĽft- oder Kniegelenkersatz → Schmerzen
  • Fehlstellungen der Wirbelsäule (z.B.: Skoliose oder Kyphose) → manchmal keine bequeme Positionierung in Seitenlage möglich
  • Lähmung (Hemiplegie) auf einer Körperseite nach einem Schlaganfall → betroffene Seite kann schmerzempfindlich sein oder gar kein GefĂĽhl mehr haben → Patient kann nicht auf Druck reagieren → erhöhtes Risiko von DruckgeschwĂĽren
  • Muskelspastiken oder Kontrakturen (VerkĂĽrzungen von Muskeln und Sehnen) aufgrund von neurologischen Erkrankungen: erschwert die Seitenlage durch unkontrollierte Muskelverkrampfungen → sorgfältige Polsterung und Stabilisierung erforderlich
  • chronischen Atemwegserkrankungen (z.B. COPD) → Lungen geraten unter Druck (besser: Oberkörper hoch)
  • Herzinsuffizienz (Herzschwäche) → Atemnot (besser: Oberkörper hoch)
  • als Dekubitusprophylaxe nur noch selten eingesetzt → hoher Auflagedruck auf Trochanter, Schulter und Knöchel → kritisch fĂĽr die Dekubitusentstehung. Die 90° Positionierung sollte daher NICHT mehr als Standardpositionierung eingesetzt werden[5]

Transfers

Arten von Transfers

  • Transfer vom Bett in den Rollstuhl oder Sessel
  • Transfer vom Rollstuhl zurĂĽck ins Bett
  • Transfer vom Rollstuhl auf die Toilette
  • Transfer vom Bett auf eine Liege oder Trage
  • Hochbewegen im Bett
  • Von RĂĽckenlage ins Querbett
  • Umsetzen mit einem Drehtransfer

Hochbewegen im Bett mit Durchzug: Passive Ausführung durch zwei Pflegekräfte

Diese Ausführungs-Art eignet sich für die Positionierung von PatientInnen, die viel Hilfe benötigen. Das Hochziehen sollte so schonend wie möglich durchgeführt werden, um die PatientIn vor Verletzungen zu schützen. Es sind bei dieser Variante des Hochziehens zwei Pflegekräfte nötig.

DurchfĂĽhrung:

• PatientIn informieren
• Bett auf Arbeitshöhe
• PatientiIn liegt auf einem Durchzug
• auf beiden Seiten des Bettes, nahe am Becken der PatientIn, stehen
• Hände der PatientIn am Körper positionieren
• Bettschutzunterlage nahe am Körper der PatientIn greifen
• auf ein vereinbartes Kommando PatientIn sanft nach oben heben
• die PatientIn wird nur leicht angehoben, sodass der Druck auf die Haut und die Knochen minimal ist
• Bettposition der PatientIn anpassen
• diese Technik kann auch zum Hinunterziehen der PatientIn genutzt werden

Die Vorteile dieser Technik

  • Schonend fĂĽr die PatientIn: Durch den Einsatz der Bettschutzunterlage wird die Haut nicht unnötig belastet.
  • Erleichterung fĂĽr die Pflegekräfte: Die Methode reduziert den Kraftaufwand, da die Pflegekräfte die PatientIn nur indirekt anheben.

Die Kinästhetik lehrt, dass auch PatientInnen, die viel Hilfe benötigen, ohne Kraftaufwand im Bett nach oben bewegt werden können. Pflegekräfte, die in der Lage sind, kinästhetische Methoden anzuwenden, reduzieren ihren körperlichen Kraftaufwand um ein Vielfaches. Kinästhetik schützt den Bewegungsapparat und damit die Gesundheit der Pflegeperson und gibt der PatientIn Selbstwirksamkeit und Vertrauen. Sogar bewusstseinsgetrübte, narkotisierte und teilweise komatöse Menschen können unter kinästhetischen Gesichtspunkten bewegt werden.

Kontraindikationen und Herausforderungen

  • frische Frakturen → beeinträchtigt den Heilungsprozess von Frakturen im Becken- oder Wirbelsäulenbereich bzw. verschlimmert die Fraktur
  • schwere Osteoporose → selbst leichte mechanische Kräfte können zu KnochenbrĂĽchen fĂĽhren
  • Dekubitus (DruckgeschwĂĽre) → Reibung beeinträchtigt die Wundheilung, Schmerzen
  • schwere Herz- oder Atemwegserkrankungen → Atemnot
  • starke Kontrakturen oder Spastiken → Hochziehen kann zu unkontrollierten Muskelkrämpfen fĂĽhren

Von RĂĽckenlage ins Querbett (an die Bettkante)

Querbett Definition: Sitzen am Bettrand, Beine ragen aus dem Bett.

Diese Technik ermöglicht es der PatientIn, sich in eine aufrechte Position zu bringen, sei es für den nächsten Schritt des Aufstehens oder zur Durchführung von pflegerischen Maßnahmen.

Variante 1, passiv: 

• informieren
• Bett auf Arbeitshöhe (Hüfthöhe) bringen
• PatientIn in die Seitenlage bringen (s. oben)
• Fersen vorsichtig über die Bettkante führen
• Rückenteil des Bettes anheben, bis die PatientIn nahezu eine sitzende Position (Fowler-Position) erreicht
• die PatientIn drückt sich mit der Hand am Bett ab, um sich vollständig aufzusetzen
• das Bett absenken, bis die PatientIn mit den Fersen den Boden berührt

đź”— Externer Link: Fowler-Position, Wikipedia

Variante 2, passiv: 

• informieren
• sicherstellen, dass alle Seiten des Bettes zugänglich sind
• Bett auf Arbeitshöhe (Hüfthöhe)
• Rückenteil des Bettes absenken
• der PatientIn noch in Rückenlage die Schuhe anziehen
• auf die entgegengesetzte Seite des Bettes gehen (die Seite, auf der die PatientIn nicht aufgesetzt wird) 
• mit beiden Händen unter das Becken greifen und PatientIn mit den Unterarmen zu sich heranziehen – Patientin dreht sich auf die entgegengesetzte Seite
• Oberkörper heranziehen
• zur anderen Seite zurückkehren (die Seite, auf die die PatientIn aufgesetzt wird)
• die Fersen der PatientIn langsam über die Bettkante führen
• das Bett absenken, bis die PatientIn mit den Füßen den Boden berührt
• eine Hand auf das Schulterblatt legen
• die andere Hand an die Hüfte legen (PatientIn informieren)
• Oberkörper in eine aufrechte Sitzposition bringen

🎬 Video: „Mobilisation an die Bettkante mit viel Hilfe“, TABLU-die Pflege-App, youtube

Variante 3, assistierend 

• informieren
• Bett auf Arbeitshöhe (Hüfthöhe) bringen
• PatientIn noch in RĂĽckenlage die Schuhe anziehen 
• Bett absenken damit die Füße den Boden berühren können
• einen Teil des Seitengitters (wenn vorhanden) am Bettrand aufstellen (ansonsten andere Möglichkeit eines “Haltegriffs” suchen)
• PatientIn anleiten, die Fersen langsam über die Bettkante zu schieben, evtl. an den Waden berühren und dadurch eine Initialbewegung auslösen
• Eine Hand auf die HĂĽfte und die andere Hand auf die Schulter legen (die PatientIn informieren) und PatientIn anleiten, sich aufzurichten. 

Variante 4, aktiv

• informieren
• Bett absenken, damit Patientin die Füße leicht auf den Boden stellen kann
• einen Teil des Seitengitters am Bettrand aufstellen (wenn vorhanden, ansonsten andere Möglichkeit eines “Haltegriffs” suchen) 
• PatientIn anleiten, die Fersen langsam über die Bettkante zu schieben, evtl. an den Waden berühren und dadurch eine Initialbewegung auslösen
• Patientin anleiten, sich am Seitengitter abzustützen
• beim Anziehen der Schuhe helfen

Kontraindikationen

  • Frakturen oder Verletzungen der Wirbelsäule, der HĂĽfte oder des Beckens → gefährdet den Heilungsprozess oder verschlimmert die Verletzung
  • schwere Osteoporose → selbst leichte mechanische Kräfte können zu KnochenbrĂĽchen fĂĽhren
  • Dekubitus → reizt die betroffenen Stellen
  • schwere Herzinsuffizienz → Atemnot
  • neurologische Störungen wie Lähmungen oder Spastiken → erschweren die Positionierung, unkontrollierte Muskelkrämpfe
  • Gelenksteifigkeit (Kontrakturen) → Schmerzen

Erforderliche MaĂźnahmen vor dem Sitzen im Querbett

• Pulswerte
• Blutdruck-Werte
• Hautdurchblutung beobachten
= objektives momentanes Befinden

Wenn Werte im Normbereich, kann mit der Mobilisation begonnen werden.

VORGEHEN
vor der Mobilisation:
• Puls, Blutdruck, Hautfarbe kontrollieren
• Information des P/B
• Befinden erfragen
• Beine bandagieren / Kompressionsstrümpfe anlegen (aktiviert die Venenpumpe)
• Niveau des Bettes einstellen
Mobilisation:
• P/B legt sich an den Bettrand
• bei Wohlbefinden wird der P/B zum Querbettsitzen gedreht
nach der Mobilisation:
• Beine zudecken
• P/B wird angehalten, Zehen und Füße zu bewegen, ruhig und tief zu atmen, im Raum umherschauen
• Hausschuhe anziehen
• ggf. Brille, Handy, ev. Lesestoff reichen, ggf. Frühstück vorschneiden
• bequeme Sitzposition
• Glocke in Reichweite legen

POSTOPERATIV ZUSÄTZLICH:
• Schmerzmittel vor der Mobilisation (nach ärztlicher Anordnung) verabreichen
• Katheter und Drainagen sichern
• schrittweises Mobilisieren und Beobachten
• Mobilisieren en bloc (im Ganzen) nach Abdomen und Thorax-OP notwendig, um Zug auf die OP-Wunde zu vermeiden; dabei soll der P/B ganz leicht einen Gegendruck auf die Wunde ausüben
• nach der Mobilisation Vitalwerte kontrollieren, um den Grad der Belastung einzuschätzen

Transfer Bett – Stuhl mit Kniestabilisierung

In manchen Fällen ist beim Transfer von Bett zu Stuhl eine Kniestabilisierung („Knieblock“) von Vorteil. Der Knieblock gewährleistet die Sicherheit von PatientInnen, die UnterstĂĽtzung beim Transfer benötigen und eine eingeschränkte Stabilität in den Knien haben. Durch die Kniestabilisierung schafft die Pflegekraft eine feste, stabile Basis, die der PatientIn hilft, ihr Gleichgewicht zu halten.

AusfĂĽhrung passiv:

• informieren
• Bremsen am Rollstuhl anziehen
• Armlehne nach oben klappen oder herausziehen und weglegen
• Fußstützen nach oben klappen oder herausziehen und weglegen
• PatientIn die Schuhe anziehen
• Bett so einstellen, dass die PatientIn mit den Füßen den Boden berührt
• Knie der PatientIn mit den eigenen Knien stabilisieren
• PatientIn bitten, sich mit ihrem Brustbein anzulehnen – ihr Kopf kann seitlich auf Schulter der Pflegeassistenz liegen
• eine Hand unter das Sitzbein schieben, andere Hand fährt unter den Arm durch und greift den Rücken (oder: beide Hände umgreifen den Oberkörper der Patientin)
• Transfer geschieht ab dem Zeitpunkt, an dem sich der Griff sicher anfühlt

🎬 Video: „Patiententransfer vom Bett in den Rollstuhl mit Kniestabilisierung“, TZMO Group, youtube

Kontraindikationen und Herausforderungen

  • frische Knie- oder HĂĽftoperationen → Belastung kann die Heilung beeinträchtigen
  • schwere GelenkentzĂĽndungen (Arthritis) → verstärkte Schmerzen im Kniegelenk durch Knieblock
  • schwache oder schmerzhafte Beinmuskulatur → Kontrollverlust ĂĽber die Beine trotz Knieblock
  • neurologische Störungen oder Lähmungen → Knieblock unterstĂĽtzt nicht
  • starke Spastiken → plötzliche unkontrollierbare Bewegungen
  • schwere Osteoporose → selbst leichte mechanische Kräfte können zu KnochenbrĂĽchen fĂĽhren
  • Herz- und Atemwegserkrankungen (z. B. COPD) → Atembeschwerden, Kreislaufprobleme, Atemnot
BezeichnungDefinition
30° PositionierungRückenpositionierung
90° PositionierungSeitenpositionierung
135° PositionierungBauchpositionierung
BeinpositionierungPositionierung eines Beins zur Ruhigstellung nach Frakturen und zur postoperativen Entlastung
Beinpositionierung zur SpitzfuĂźprophylaxePositionierung beider Beine als MaĂźnahme zur SpitzfuĂźprophylaxe
C-PositionierungatemunterstĂĽtzende Positionierung
Dehnpositionierung in RĂĽckenlageatemunterstĂĽtzende Positionierung in RĂĽckenlage
Dehnpositionierung in SeitenlageatemunterstĂĽtzende Positionierung in Seitenlage
DrehdehnpositionierungatemunterstĂĽtzende Positionierung
Durchzugquer ĂĽber das Pflegebett gelegtes Tuch oder Bettschutzunterlage, „Inkodackerl“
Freipositionierung der FersenPositionierung beider Beine als MaĂźnahme zur Dekubitusprophylaxe
Halbmond-PositionierungatemunterstĂĽtzende Positionierung
Kinästhetische WahrnehmungWahrnehmung von Eigenbewegungen und inneren Reizen
KnieblockSicherheit bei der Mobilisation von PatientInnen mit einer eingeschränkten Stabilität in den Knien
KontraindikationGegenanzeige, medizinischer Umstand, der gegen die Anwendung einer bestimmten Behandlung, Operation oder eines Medikaments spricht
Mikropositionierungenkleine Lageveränderungen
Mobilisationbeweglich machen, aktivieren
PositionierungPositionierung von PatientInnen zur Prophylaxe, Schmerzlinderung, Atemunterstützung und Wahrnehmungsförderung
postoperativnach einer Operation
Schiefe EbeneMikropositionierung mit Keilen unter der Matratze
Somatische WahrnehmungSpüren des eigenen Körpers durch Berührung, Druck, Temperatur und Schmerz
TransferBewegen einer Person von einer Position oder einem Ort in einen anderen
QuerbettSitzen an der Bettkante
VATI-Positionierungenvier unterschiedliche Positionierungen zur AtemunterstĂĽtzung

Antworten: Bewegung erleben trotz Spastizität
a. Nein
b. Berührung, Bewegung, Emotionen (Angst, Ärger oder auch grosse Freude), Tempo (Eile, Stress), Schmerz, Belastungszustände, Unsicherheit, Kälte, Lärm
c. Informationen über ihren Körper und ihre Umgebung
d. Eigenbewegung
e. es sollen keine Ăśberdehnungen oder VerkĂĽrzungen der Muskulatur entstehen

Quellen:
[1] Internationaler Fördervereins Basale Stimulation e. V., Mathys, R. und Straub, J. (2011): „Bewegung erleben trotz Spastizität“. In: NOVA – Das Fachmagazin fĂĽr Pflege und Betreuung, Nr. 1/2011; Ausgabe 19. VerfĂĽgbar unter: https://basale-stimulation.de/wp-content/uploads/2024/01/Basale-Stimulation-fuer-Menschen-mit-hoher-Koerperspannung_Spastik.pdf (Zugriff: 24.07.2026).
[2] Internationaler Förderverein Basale Stimulation e. V. (2025): Basale Stimulation nach Prof. Dr. Fröhlich® – Akutpflege. Berlin. Verfügbar unter: https://basale-stimulation.de/wp-content/uploads/2025/11/20251103_Flyer_Sponsoring_Akut.pdf (Zugriff: 24.07.2026)
[3] Arbeitsinspektion Ă–sterreich, Wieland, M. (2007): Erhebung zur Verwendung von Hebe- und Tragehilfen in österreichischen Krankenanstalten. Wien. VerfĂĽgbar unter: https://www1.arbeitsinspektion.gv.at/ew07/artikel/artikel04-05.htm (Zugriff: 24.07.2026).
[4] Arbeitsinspektion Ă–sterreich (2026): Muskel-Skelett-Belastungen. Wien: Bundesministerium fĂĽr Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz, Sektion Arbeitsrecht und Zentral-Arbeitsinspektorat. VerfĂĽgbar unter: https://www.arbeitsinspektion.gv.at/Gesundheit_im_Betrieb/arbeitsbedingte_Erkrankungen/Manuelle_Lasthandhabung.html (Zugriff: 24.07.2026).
[5] AUVA (2012): Ganzheitliche Rehabilitation: eine multiprofessionelle Aufgabe. Handbuch fĂĽr die Praxis. 7., vollständig ĂĽberarbeitete Auflage. Wien: Allgemeine Unfallversicherungsanstalt, S. 144. VerfĂĽgbar unter: https://forschungsnetzwerk.ams.at/dam/jcr%3Ad55cb0e4-77be-4940-af07-2434c7db063e/2012_auva_Handbuch_Ganzheitliche_Rehabilitation.pdf (Zugriff: 25.07.2026).


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