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Pathologie: Herz-Kreislauf- und Gefäßerkrankungen

Aufbereiteter Lehrinhalt, Unterrichtsfach: Pathologie für die Pflegeassistenz


Datum Erstellung: 28.03.2026
Letzte Aktualisierung: 28.05.2026


Folgen von Herzerkrankungen:
beeinträchtigen die Leistungsfähigkeit erheblich
• Müdigkeit
• Atemnot
• Schwindel
• allgemeine Schwäche

Erkrankungen des Herzens beeinflussen die Fähigkeit, ausreichend Blut in den Körper zu pumpen 👉 Organe bekommen zu wenig Sauerstoff. Im schlimmsten Fall führt eine Herzerkrankung zum Tod.

Allgemeine Unterteilung von Herzerkrankungen:
chronische und akute Herzerkrankungen
akut: Symptome treten plötzlich auf

⚠️🚑 ERSTE HILFE MAßNAHME NOTWENDIG! ⚠️🚑 Welche Notfallmaßnahmen setzt du bei Dyspnoe?

Definition

Akuter Verschluss einer Koronararterie (Herzkranzarterien). Leitsymptom ist Brustschmerz/Brustenge. Ein Herzinfarkt ist ein akuter Notfall.

Pathophysiologie

Durch den Verschluss einer Koronararterie kommt es zu einer Mangeldurchblutung (Ischämie) – und damit zur Unterversorgung des Herzmuskels mit Sauerstoff, was eine Nekrose des Herzmuskelgewebes (also zum Absterben von Teilen des Herzmuskels) zur Folge hat. Abgestorbene Herzmuskelzellen können sich nicht mehr regenerieren, die Stelle vernarbt und beeinflusst die Funktion des Herzens (Herzinsuffizienz).

STEMI / NSTEMI
STEMI: kompletter Verschluss (NOTFALL)
NSTEMI: inkompletter Verschluss

Unterschied KHK und Herzinfarkt:
KHK: chronische Erkrankung der Herzkranzgefäße, Gefäße sind verengt
Herzinfarkt: akute Komplikation der KHK, Gefäß ist akut verschlossen, Herzmuskel stirbt ab

Die wichtigsten Lokalisationen des Myokardinfarktes:
• Vorderwandinfarkt
• Hinterwandinfarkt
• Rechtsherzinfarkt
• Linksherzinfarkt

Herzinfarkt Komplikationen
Ein Herzinfarkt kann schwerwiegende Komplikationen nach sich ziehen:
• Herzinsuffizienz (chronisch oder akut)
• Arrhythmien
• Aneurismen
• Perikarditis
• Kammerflimmern, kardiogener Schock, Tod

Schwerer oder leichter Herzinfarkt?
Die Schwere des Herzinfarkts hängt von dem betroffenen Gefäß (großes Gefäß oder kleines Ästchen) ab und von der Zeit, die es dauert, bis die Blutversorgung wiederhergestellt wird.

Stummer Herzinfarkt
Ein Stummer Herzinfarkt zeigt nicht die typischen Symptome wie brennende Schmerzen in der Brust. Frauen, ältere Menschen und Menschen mit Diabetes oder Herzschwäche spüren oft gar nichts oder leiden „lediglich“ an Luftnot, Nausea oder Emesis. Der Stille Herzinfarkt wird oft nicht entdeckt und bleibt unbehandelt, was das Risiko für Herzinsuffizienz oder plötzlichen Herztod erhöht. Um diesem Risiko entgegenzuwirken, sollten PatientInnen frühzeitig damit beginnen, die bekannten Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Diabetes, hohe Cholesterinwerte und Rauchen zu kontrollieren, auch wenn keine Symptome vorhanden sind. Wenn der stumme Herzinfarkt entdeckt wird, dann idR erst später zufällig durch ein EKG.

Symptome

🪢 🧩💡Erinnerungsknoten: Symptome eines Herzinfarkts.💡🧩 🪢

⚠️🚑 ERSTE HILFE MAßNAHME NOTWENDIG! Welche Maßnahmen setzt du bei einem Herzinfarkt außerhalb der Klinik? Kammerflimmern oder Vorhofflimmern: Wann ist der Einsatz eines Defibrillators notwendig? ⚠️🚑

Erste Hilfe Maßnahmen in der Klinik

• Herzalarm
• Sauerstoffgabe 6-8 Liter
• Reanimationsbereitschaft herstellen (Notfalltasche, Defi)
• Überwachung mit Monitor, Pulsoximetrie 
• Vorbereiten für Untersuchungen (Blut, EKG)

Der Unterschied zwischen einem Angina-Pectoris-Anfall und einem Herzinfarkt:
Angina-pectoris-Anfall: Durchblutung des Herzmuskels vorübergehend vermindert, Beschwerden anfangs nur bei Belastung, klingen durch Ausruhen oder durch die Anwendung von Notfallsmedikamenten wieder ab 
Herzinfarkt: Herzkranzgefäß vollständig verschlossen

Hauptursache

Die Hauptursache für einen Herzinfarkt ist die KHK (koronare Herzkrankheit), verursacht durch Arteriosklerose in den Herzkranzgefäßen. Plaques (Fett, Kalk, Eiweiß) lagern sich auf den Arterien ab, verstopfen diese, was folglich den Blutfluss unterbricht. Fließt zu wenig Blut zum Herzmuskel, kann dieses nicht mehr mit ausreichend Sauerstoff versorgt werden. Nicht durchblutetes Herzmuskelgewebe stirbt binnen 15-20 Minuten ab.

Risikofaktoren

Arteriosklerose
• Stress und psychische Belastung
• Alter und Geschlecht (änner sind insgesamt häufiger von Herzinfarkt betroffen als Frauen)
• Genetische Faktoren

Diagnose

Goldstandard:
• Blutuntersuchung: Trop-T, CK-MB (beides Herzenzyme)
EKG (Ruhe-EKG)
Koronarangiografie (Herzkatheter)

weitere:
– Cor-Pulmo
– CT
– Stress-Echokardiographie

Herzkatheterintervention: Bei einem akuten Infarkt gilt die Herzkatheterintervention als wichtigster Schritt, da Diagnostik und Therapie in einer Sitzung möglich sind. Das verengte Gefäß wird zunächst mit einem Ballon geweitet oder direkt mit einem Stent versorgt. (PTCA=Ballonkatheter, PCI=Herzkatheter)

Trop-T-Test
• bei einer Schädigung des Herzmuskels (also zum Beispiel durch einen Herzinfarkt) wird das Protein Troponin freigesetzt
• Menge des Proteins Troponin im Blut wird gemessen
• schnelle Diagnose akuter Herzerkrankungen (Ergebnis nach ca. 10-15 Minuten)

Therapie

möglichst schnelle Wiedereröffnung des verschlossenen Koronargefäßes. Danach absolute Bettruhe.

Akut:
• intensivmedizinische Betreuung
• Antikoagulantien (Heparin)
• Thrombozytenaggregationshemmer (ASS)
• Herzkatheterintervention

Zusätzliche Maßnahmen können sein:
Sauerstoffgabe
Beatmung

Medikamentöse Maßnahmen:
Analgetika (oft Morphin)
Sedativa (bei sehr aufgeregten/ängstlichen Patienten)
Thrombolyse / Fibrinolyse (Auflösen des Thrombus): Eine Thrombolyse erfolgt heutzutage idR nur noch, wenn es für die Person mit Herzinfarkt unmöglich ist, rasch genug (innerhalb von weniger als 2 Stunden) eine Klinik mit Herzkatheterlabor zu erreichen. (Gefahr des Verblutens)

Warum kann bei der Lungenembolie eine Thromboektomie durchgeführt werden und beim Herzinfarkt nicht?

Weiterführende Therapien:
• Stent – Aufdehnung eines Gefäßes, dient als „Gefäßstütze“
• Bypass – verengtes Herzkranzgefäß wird durch eine chirurgisch angelegte „Umleitung“ umgangen, um die Durchblutung wiederherzustellen.

Reinfarkt Prophylaxe:
• Reha
• Normalisierung des Körpergewichts
• Rauchstopp
• Antikoagulantien

Herzenzyme

Enzyme sind Proteine die unterschiedliche Vorgänge in Zellen ermöglichen. Jedes Enzym ist hochspezifisch. Ein Beispiel sind Verdauungsenzyme wie Amylase, die Stärke in Zucker aufspaltet. Bei einer Schädigung von Zellen können bestimmte Enzyme ins Blut freigesetzt werden. Wenn das Herz geschädigt wird, sterben Herzmuskelzellen ab, wodurch Enzyme wie z.B. Troponine und CK-MB in den Blutkreislauf gelangen.

Point-of-Care-Test zur Feststellung eines Herzinfarkts

Der Trop-T-Test wird als Schnelltest für den Nachweis von Troponin T im Blut verwendet.

Wiedereröffnung des betroffenen Koronargefäßes (Herzkatheter)

Die Wiedereröffnung eines verschlossenen Herzkranzgefäßes, ist die wichtigste Maßnahme bei einem akuten Herzinfarkt. In der Regel werden betroffene Patienten vom Notarzt direkt in eine Klinik mit einem Herzkatheterlabor gebracht, um eine schnelle und effektive Behandlung zu ermöglichen.

Entscheidend für die Prognose ist der Zeitpunkt der Therapieeinleitung. Um eine Ausdehnung des Infarktareals zu verhindern, sollte die Wiederherstellung der Durchblutung idealerweise innerhalb der ersten 90 Minuten nach Schmerzbeginn erfolgen. Dabei hängt die genaue Vorgehensweise von der Ausstattung des jeweiligen Krankenhauses ab.

  1. Katheterisierung: Ein Katheter wird über die Leisten- oder Armarterie bis zur verengten Stelle vorgeschoben.
  2. Ballondilatation (PTCA): Ein kleiner Ballon wird aufgeblasen, um das Gefäß zu erweitern.
  3. Stent-Implantation: Ein Stent (meistens medikamentenbeschichtet) wird platziert, um das Gefäß offen zu halten.
  4. Rückzug des Katheters: Der Katheter wird entfernt, der Stent bleibt dauerhaft im Gefäß.

Wann wird ein Stent eingesetzt?

  • Koronare Herzkrankheit (KHK) → Verengungen der Herzkranzgefäße
  • Akuter Herzinfarkt (STEMI, NSTEMI) → Akuter Gefäßverschluss
  • Verengung der Carotis (Halsschlagader, Schlaganfall-Risiko)
  • Periphere arterielle Verschlusskrankheit (PAVK) → Gefäßverengungen in den Beinen
  • Aortenaneurysmen → Stent als alternative Therapie zur offenen Operation

Lungenembolie

Definition

Akuter Verschluss einer Lungenarterie durch eingeschwemmten Embolus (meist infolge einer TVT). 

Pathophysiologie

Durch den Verschluss einer Lungenarterie kommt es zu einer Mangeldurchblutung – und damit zur Unterversorgung mit Sauerstoff, was eine Nekrose des Lungengewebes (also zum Absterben von Teilen der Lunge) zur Folge hat.

1. In den tiefen Venen bildet sich ein Thrombus (TVT), begünstigt durch die Virchow-Trias.
2. Der Thrombus oder ein Teil davon löst sich und wird als Embolus mit dem venösen Blutstrom über die untere Hohlvene in das rechte Herz und nachfolgend über die Lungenarterie in die Lunge transportiert.
3. Der Embolus bleibt in einer Lungenarterie oder einem ihrer Äste stecken und verschließt die Arterie teilweise oder vollständig.
4. Der Blutfluss in einem Teil der Lunge ist blockiert.
5. Der pulmonale Gefäßwiderstand erhöht sich, da die betroffenen Lungenabschnitte nicht mehr durchblutet werden. Das rechte Herz muss gegen einen plötzlich erhöhten Widerstand pumpen, was zu einer Rechtsherzbelastung führt.
6. Der Gasaustausch ist gestört. Die reduzierte Sauerstoffaufnahme führt zu Hypoxämie und Hypoxie (Dyspnoe, Zyanose, Tachypnoe).
7. Rechtsherzbelastung – Kollaps der betroffenen Lungenbereiche. Bei einer massiven Embolie = kardiogener Schock durch Rechtsherzversagen.

Eine Lungenembolie kann potenziell tödlich verlaufen, insbesondere wenn größere Blutgefäße der Lunge betroffen sind. Sind lediglich kleine Gefäße blockiert, treten meist nur milde Symptome auf.

⚠️🚑 ERSTE HILFE MAßNAHME NOTWENDIG! ⚠️🚑 siehe: Erste Hilfe, Kardiogener Schock

Der Unterschied zwischen Thrombus und Embolus
…ist die Beweglichkeit des Blutgerinnsels.
Thrombus = unbewegliches Gerinnsel
Embolus = bewegliches Gerinnsel

Der Embolus wird durch den Blutstrom transportiert und führt oft zu einem plötzlichen Gefäßverschluss. Der Embolus ist meist ein abgelöster Teil eines Thrombus.

Risikofaktoren einer Lungenembolie

  • höheres Lebensalter
  • Herz- und Lungenerkrankungen
  • starkes Übergewicht
  • Rauchen
  • Schwangerschaft
  • Einnahme der Anti-Baby-Pille oder Hormonersatztherapien, besonders in Kombination mit Rauchen
  • längere Flugreisen/Bewegungsmangel/Bettlägerigkeit
  • Thrombosen bei Familienangehörigen
  • schweres Trauma
  • Operationen wie ein Hüft- oder Kniegelenkersatz
  • Krebserkrankung und Chemotherapie

Symptome einer Lungenembolie

Schmerzen beim Einatmen → Hypoxämie → Hypoxie → Tachypnoe, Dyspnoe, Zyanose, Tachykardie → Rechtsherzbelastung → Schock (Blutdruckabfall, Pulsqualität fadenförmig & schnell: sehr schwach, kaum tastbar) → Bewusstlosigkeit Atem-Kreislauf-Versagen

weitere:
• Bluthusten (kleine Gefäße können geschädigt werden → Blut tritt in die Atemwege über)

⚠️🚑 ERSTE HILFE MAßNAHME NOTWENDIG! ⚠️🚑 Erste Hilfe bei Dyspnoe / Erste Hilfe bei Bewusstlosigkeit mit oder ohne Atmung

Diagnose einer Lungenembolie

Eine CT-A (CT-Angiografie, Goldstandard)

weitere:
• D-Dimere
D-Dimere sind Abbauprodukte von Blutgerinnseln.

davor: D-Dimer-Test zur Ausschlussdiagnostik: Negativ → LE unwahrscheinlich. Positiv → bildgebendes Verfahren

🪢 🧩💡Erinnerungsknoten: Mit welchem Medium arbeitet das CT-A? Wie wird das CT-A noch genannt?💡🧩 🪢

Alternative Diagnostische Verfahren

  • Echokardiographie: zeigt Rechtsherzbelastung
  • EKG zur Feststellung möglicher Herzbelastungen
  • Röntgen-Thorax zum Ausschluss anderer Ursachen
  • Szintigrafie zur Beurteilung der Lungendurchblutung
  • Blutgasanalyse: niedriger Sauerstoffpartialdruck

Therapie

Goldstandard:
Medikamentös: Thrombolyse (Lyse), bei massiver LE (hohe Dosen Heparin)

Bei schweren Verläufen:
Embolektomie: wenn Lyse erfolglos, chirurgisch
Thrombektomie: kathetergestützt (minimal-invasiv)

In Ausnahmesituationen:
Vena-Cava-Filter: bei rezidivierenden Lungenembolien trotz ausreichender Antikoagulation, bei großen TVTs mit hohem Risiko, dass sich ein Thrombus löst, verbleibt oft nur temporär

Eine Lungenembolie kann zu einem kardiogenen Schock führen!

Lungenembolie: plötzlich + Atemnot + Kreislaufkollaps
Schock = Blutdruckabfall + Zeichen der Minderdurchblutung

Bei Patienten, die aufgrund einer Lungenembolie einen kardiogenen Schock erleiden, ist es entscheidend, die Thromben so schnell wie möglich aufzulösen. Dadurch soll die Durchblutung der Lunge wiederhergestellt werden. Dies wird häufig durch eine Thrombolyse erreicht (Medikamente). Alternativ kann der Verschluss mithilfe eines Katheters aufgelöst oder abgesaugt werden (Thrombektomie). In einigen Fällen wird auch eine chirurgische Entfernung des Thrombus (Embolektomie: am offenen Herzen, ohne Katheter) durchgeführt. Nach der akuten Behandlung ist es wichtig, die Gerinnungsneigung weiterhin zu kontrollieren. Daher müssen Patienten in der Regel über einen Zeitraum von mindestens drei Monaten Antikoagulantien einnehmen, um das Risiko erneuter Thrombosen zu minimieren.

👉 Lungenembolie + Blutdruckabfall = Notfall! 🚑
→ sofortige Therapie (z. B. Lyse)

🪢 🧩💡Erinnerungsknoten: Erste Hilfe bei Kardiogenem Schock💡🧩 🪢

Die Koronare Herzkrankheit (KHK / Ischämische Krankheit)

Definition

• Erkrankung der Herzkranzgefäße (Koronargefäße)
• verursacht durch Arteriosklerose → Verengungen der Koronararterien (Herzkranzarterien)
• chronische Erkrankung

Unbehandelt kann KHK zu Herzinfarkten führen.

Ursachen

• Arteriosklerose (aufgrund von Übergewicht, zu wenig Bewegung, Rauchen, Bluthochdruck, Diabetes)

Pathophysiologie

• dauerhafte Unterversorgung der Koronargefäße mit Sauerstoff aufgrund von Arteriosklerose
• Verengungen führen zu einer Minderdurchblutung des Herzmuskels (Ischämie)
• macht sich bemerkbar unter Belastung
• es besteht vorerst keine Lebensgefahr, Zustandsverschlechterung jedoch jederzeit möglich

Akutes Koronarsyndrom (ACS)

• plötzliche Verschlechterung der chronischen KHK, dazu zählt unter anderem auch der Herzinfarkt

⚠️🚑 ERSTE HILFE MAßNAHME NOTWENDIG! Welche Maßnahmen setzt du bei einem Herzinfarkt? ⚠️🚑

KHK Symptome

• Leitsymptom Angina Pectoris
• Folge einer KHK kann ein Myokardinfarkt sein
• Herzrhythmusstörungen
• Herzinsuffizienz
• schnelle Erschöpfung
• Kurzatmigkeit unter Belastung

🪢 🧩💡Erinnerungsknoten: Was sind die Symptome einer Angina Pectoris?💡🧩 🪢

Risikoeinschätzung KHK

• bei Personen unter 45 Jahren hat nur 1 von 100 Personen eine KHK
• danach steigt die Zahl überproportional an
• ab dem 75. Lebensjahr leiden rund 16% der Frauen und 24% der Männer an einer KHK
• Hypertonie
• Diabetes
• Lebensstil (Rauchen, Bewegung, Stress,…)

KHK Diagnose

• Blutuntersuchung: Troponin, CK-MB (beides Herzenzyme)
EKG (Ruhe-EKG, Langzeit-EKG, Belastungs-EKG)
Herzkatheter (Koronarangiografie) – Herzkatheterintervention: Bei einem akuten Infarkt gilt die Herzkatheterintervention als wichtigster Schritt, da Diagnostik und Therapie in einer Sitzung möglich sind. Das verengte Gefäß wird zunächst mit einem Ballon geweitet oder direkt mit einem Stent versorgt. (PTCA=Ballonkatheter, PCI=Herzkatheter)

Vor diesen Verfahren: Anamnese, Blutbild, Ausschluss von Differenzialdiagnosen (z.B. Lungenembolie)

KHK Therapie

• ASS zur Verhinderung einer Blutgerinnung
• Statine zur Einstellung des Cholesterinspiegels
• ggf. optimale Diabetes-Einstellung
• ggf. Einstellung der Hypertonie
• ggf. Einstellung des Blutdrucks
• Stent
• Bypass
• Lebesstiländerung (Gewichtsreduktion, Diät, Bewegung, Nikotin ex, Alkohol ex=

Pflege bei KHK

Wahrnehmen und Beobachten
Beobachten typischer Symptome wie Atemnot (Dyspnoe), Brustschmerzen und vermehrtes Schwitzen
Ernährung
leicht verdauliche, cholesterinarme und nicht blähende Kost
Informieren
• gesunde Lebensweise mit ausreichend Bewegung und Stressmanagement
• Richtige Medikamenteneinnahme: Patienten sollten nicht nur wissen, welche Medikamente sie einnehmen müssen, sondern auch deren Wirkung und mögliche Nebenwirkungen verstehen. Nur so kann eine optimale Therapie gewährleistet werden.
• Notfallprophylaxe: Patienten sollten wissen, wie sie sich im Falle eines akuten Angina-Pectoris-Anfalls verhalten müssen.

🎬 Video, 15 Minuten: Koronare Herzkrankheit (KHK) und tödliche Folgen – Arteriosklerose im Herzen, DoktorWeigel, youtube 🎬

Angina Pectoris

Angina Pectoris ist die kurzfristige Minderdurchblutung des Herzmuskels, Leitsymtpom einer KHK und eines Myokardinfarkts. Vor allem die linke Körperhälfte zeigt sich dabei betroffen. Es kann aber auch in die rechte Körperhälfte ausstrahlen.

Pathophysiologie

Beim Angina-pectoris-Anfall bekommt das Herz vorübergehend nicht genug Sauerstoff aufgrund einer Minderdurchblutung der Herzkranzgefäße. Heute wird jede Angina Pectoris als instabile Form angesehen (veraltet: instabile und stabile Angina Pectoris). Tritt zunächst anfallsartig bei Belastung auf und klingt durch Ausruhen oder durch die Anwendung von Notfallsmedikamenten wieder ab. 

Schweregrade der Angina pectoris

Grad 1: Beschwerden bei hoher Belastung (z.B. Sport)
Grad 2: Beschwerden bei alltäglicher Belastung (z.B. Treppensteigen, Kälte) 
Grad 3: Beschwerden bei leichten Alltagstätigkeiten (z.B. beim normalen Gehen, Ankleiden).
Grad 4: Beschwerden in Ruhe

Symptome

🪢 🧩💡Erinnerungsknoten: Symptome einer Angina Pectoris💡🧩 🪢

Angina Pectoris Anfall: Auslöser

• körperliche Belastung (erhöhte Sauerstoffbedarf des Herzens kann nicht gedeckt werden)
• Essen (Verdauung führt zu einer Umverteilung des Blutflusses)
• Kälte (Vasokonstriktion)

Risikofaktoren

• Alter
• Lebensstil (Rauchen, Diät, Bewegung, Stress)
• Diabetes
• genetische Prädisposition

Diagnostik

Basisdiagnostik:
• Ruhe-EKG
• Belastungs-EKG

gegebenenfalls:
• Herzkatheter (Koronarangiografie)

Differentialdiagnose
• andere kardiovaskuläre Erkrankungen
• Lungenerkrankungen
• psychiche Erkrankungen

Angina Pectoris Therapie

Goldstandard akut:
• Nitrate („Nitrospray“, Nitroglycerin) erweitern die Herzkranzgefäße

Langzeittherapie:
• Beta-Blocker
• Thrombozytenaggregationshemmer (z.B. ASS) zur Verhinderung einer Blutgerinnung
• Statine zur Einstellung des Cholesterinspiegels („gegen Arteriosklerose“)
• Nitropflaster (transdermal, Nitroglycerin)

Konservative Therapien:
• Ruhe, Stressvermeidung

weiters:
• ggf. Stent – wenn Beschwerden trotz medikamentöser Therapie weiter bestehen
• ggf. Bypass-OP – wenn Stent nicht möglich oder nicht ausreichend

Pflege bei Angina Pectoris

Akut (bei Angina-pectoris-Anfall):

👉 Ziel: Sauerstoffbedarf senken, Angst reduzieren

  • PatientIn beruhigen
  • Oberkörper hoch
  • Schonung
  • enge Kleidung öffnen, für frische Luft sorgen
  • Vitalzeichen kontrollieren (Puls, Blutdruck)
  • verordnetes Nitrospray verabreichen
  • Schmerzen und Zustand beobachten
  • dokumentieren

⚠️ Wenn Beschwerden länger als wenige Minuten anhalten oder sich verschlimmern → Verdacht auf Myokardinfarkt

Herzinsuffizienz

Definition:

Bei der Herzinsuffizienz (Herzschwäche) ist das Herz nicht mehr in der Lage, genügend Blut in den Körper zu pumpen. Dadurch wird der Körper nicht mehr mit ausreichend Sauerstoff versorgt 👉 instabiler Stoffwechsel. Herzinsuffizienz kann akut auftreten oder chronisch verlaufen.

Herzinsuffizienz kann in jedem Alter auftreten. Ein besonderes Risiko tragen jedoch ältere Menschen. Die Koronare Herzkrankheit (KHK) ist eine der häufigsten Ursachen für Herzinsuffizienz.

Die Ursachen für Herzinsuffizienz

• KHK
• Myokardinfarkt
• Angina-Pectoris-Anfall
• Herzklappenfehler
• Hypertonie
• Myokarditis

Symptome

• Dyspnoe
• Müdigkeit
• Leistungsminderung
• Ödeme
• Nykturie
• Tachykardie
• Tachypnoe

Linksherzinsuffizienz:
(Blutrückstau in den Lungenkreislauf): Lungenödeme (Rasselgeräusche, rostbraunes Sputum), Tachypnoe, Zyanose, zerebrale Funktionsstörungen (z.B. Entzündungen, Stoffwechselstörungen)

Rechtsherzinsuffizienz:
(Blutrückstau in den Körperkreislauf): Ödeme an Knöcheln und Unterschenkeln, Gewichtszunahme, Venenstauung am Zungengrund, Stauungsgastritis

Akute Herzinsuffizienz

Notfall!, Sofortige medizinische Hilfe nötig!
• entwickelt sich innerhalb von Stunden oder Tagen
• Auslöser: meist ein Herzinfarkt, auch Angina Pectoris Anfall oder Herzrhythmusstörungen können Auslöser sein
• es kann zu Kammerflimmern, Herzstillstand und kardiogenem Schock (Herz-Kreislauf-Versagen) kommen
⚠️🚑 ERSTE HILFE MAßNAHME NOTWENDIG! Welche Maßnahmen setzt du bei akuter Herzschwäche im Notfall? ⚠️🚑

Chronische Herzinsuffizienz

Eine chronische Herzschwäche entwickelt sich schleichend über einen längeren Zeitraum (Monate oder Jahre), kann jedoch z.B. im Zuge eines Angina-Pectoris-Anfalls ebenfalls zu einem akuten Krankheitsbild werden. In der Regel entwickelt sich eine chronische Herzinsuffizienz aufgrund einer fortschreitenden KHK.

Kompensierte und dekompensierte Herzinsuffizienz
Zu Beginn der chronischen Herzinsuffizienz kann der Körper die Herzschwäche noch kompensieren (kompensierte Herzinsuffizienz). Mit fortgeschrittenem Krankheitsverlauf versagen diese Kompensationsmechanismen und die Symptome nehmen zu (dekompensierte Herzinsuffizienz).

Anzeichen einer Dekompensation
• geringe Belastbarkeit
• nächtliche Atemnot
• zunehmende Ödeme

Herzinsuffizienz Stadien
Stadium I: asymptomatisch (aber Nachweis einer beginnenden Belastung im EKG)
Stadium II: Leistungsminderung (bei hoher Belastung)
Stadium III: Belastungsbeschwerden (bei niedriger Belastung)
Stadium IV: Ruhebeschwerden

Herzinsuffizienz Diagnose

wichtigste Untersuchung:
• Blutuntersuchung (BNP Test, herzspezifische Biomarker)
• Echokardiografie

weiterführende Untersuchungen:
• Röntgen-Thorax (z.B. Nachweis Herzvergrößerung)
• EKG, Langzeit-EKG (z.B. Nachweis von Herzrhythmusstörungen)
• Linksherzkatheteruntersuchung bei unklarer oder schwerer Herzinsuffizienz (weil die Ursache oft in der linken Herzhälfte liegt, Abklärung der Ursache v. a. KHK)

Der BNP Test

Der BNP-Test (Brain Natriuretic Peptide-Test) ist ein Bluttest zur Diagnose und Überwachung einer Herzinsuffizienz. Gemessen wird ein Hormon, das vom Herzmuskel (besonders aus den Ventrikeln) ausgeschüttet wird, wenn das Herz überlastet oder gedehnt ist, wie z. B. bei Herzinsuffizienz.

Pflege bei akuter Herzinsuffizienz

• PatientIn möglichst nicht allein lassen und Ruhe vermitteln
• Hilfe holen
• Herzbettpositionierung
• ggf. Fenster öffnen
• ggf. Sauerstoff verabreichen (nach Arztanweisung)
• Vitalparameter (inkl. Sauerstoffsättigung)
• Blutentnahme vorbereiten, nach Anweisung Blutabnahme für BNP Test
• Vorbereitung, Gabe und Überwachung der medikamentösen Therapie

Pflege bei chronischer Herzinsuffizienz

Wahrnehmen und Beobachten:
Dyspnoe, (Reiz-)husten, schaumiger Auswurf, Rasselgeräusche, Zyanose – kann auf ein beginnendes Lungenödem hindeuten, tägliche Gewichtskontrollen, um Ödeme schnell zu erkennen
Flüssigkeitszufuhr:
Bei zu viel Flüssigkeit 👉 Risiko Dekompensation!
Mobilisation:
Schonung, ggf. Bettruhe (lt. Anordnung)
Prophylaxen:
Obstipationsprophylaxe (aufgrund eingeschränkter Flüssigkeitszufuhr)
Information:
Bewegung (z.B. regelmäßig spazieren gehen, Herzsportgruppen, eingeschränkte Flüssigkeitszufuhr)
Notfallprophylaxe
Über die Anzeichen einer Dekompensation informieren. Bei Anzeichen einer Dekompensation Arzt verständigen.
Bei Dekompensation: Dehydrationsprophylaxe: Flüssigkeitsbilanzierung, Miktionsprotokoll
Medikamentenmanagement:

  • Digitalispräparate haben eine geringe therapeutische Breite – auf Überdosierung achten:
    • Nausea, Emesis
    • Farbsehstörungen (gelbstichiges Sehen)
    • in schwereren Fällen Bradykardie 👉 Risiko Asystolie
    • neurologische Symptome wie Bewusstseinsveränderungen und Halluzinationen 👉 Anzeichen einer Überdosierung

Herzinsuffizienz Therapie

• bestmögliche Behandlung der Ursachen (z.B. Blutdruck, Blutfette, Blutzucker gut einstellen)
• Änderung des Lebensstils (bei dekompensierter Herzinsuffizienz Bettruhe, bei kompensierter Herzinsuffizienz angemessene Bewegung)
• Medikamentöse Therapie (Beta-Blocker, ACE-Hemmer, Diuretika, Herzglykoside)
• Invasive Therapie (Schrittmacher, Herztransplantation bei terminaler Herzinsuffizienz)

Bei Herzinsuffizienz ist das Herz zu schwach, um das Blut ausreichend durch den Körper zu pumpen. Wenn man dann zu viel Flüssigkeit trinkt, steigt die Blutmenge im Kreislauf. Das schwache Herz muss dadurch noch mehr arbeiten. Das kann Ödeme und Atemnot verursachen. Bei Herzinsuffizienz wird die Trinkmenge daher ärztlich empfohlen.

Herzrhythmusstörungen (Arrhythmien)

Definition

  • pathologische Veränderung des Herzrhythmus und/oder Herzfrequenz, unregelmäßiger Herzschlag
  • Arrhythmien können harmlos sein, aber auch schwerwiegende Konsequenzen haben.

🪢 🧩💡Erinnerungsknoten: Definiere den Herzrhythmus und die Herzfrequenz 💡🧩 🪢

🪢 🧩💡Erinnerungsknoten: Welche Arten von Arrhythmien gibt es? 💡🧩 🪢

Ursachen für Herzrhythmusstörungen

• Störung im Reizleitungssystem
• Hormone
• Medikamente
• Störungen des Elektrolythaushalts

Symptome bei Herzrhythmusstörungen

• in vielen Fällen asymptomatisch
• Herzklopfen
• Herzrasen
• Herzstolpern (Palpitationen)
• Zwillingspuls (Extrasystolen)

Diagnose

Goldstandard:
• EKG (Ruhe-, Langzeit- oder Belastungs-EKG)

Alternativen:
• Echokardiografie bei Verdacht auf strukturelle Ursachen (z.B. Herzklappen)
• Herzkatheteruntersuchung (Koronarangiografie) bei Verdacht auf Durchblutungsstörungen der Herzkranzgefäße (KHK)

Therapie

• Antiarrhythmika
• Kaliumgabe (oral oder intravenös)
• Herzschrittmacher

Herzschrittmacher

Ein Herzschrittmacher (Pacemaker) ist ein elektrisches Gerät, das den Herzrhythmus kontinuierlich überwacht und bei Bedarf elektrische Impulse abgibt, um eine Muskelkontraktion des Herzens auszulösen. Dadurch können die Herzfrequenz und der Herzrhythmus reguliert werden. Über das venöse System wird eine Sonde in das rechte Herz eingeführt und dort entweder im Atrium oder im Ventrikel fixiert.

Je nach Anwendungsbereich unterscheidet man zwischen passageren (vorübergehend eingesetzten ) und permanenten Herzschrittmachern (dauerhaft implantiert). Ein passagerer Herzschrittmacher ist ein temporär eingesetztes Gerät, bei dem sich sowohl die Steuereinheit als auch die Stromversorgung außerhalb des Körpers befinden.

Zusätzlich gibt es spezielle Herzschrittmacher, die mit einer Defibrillatorfunktion ausgestattet sind und neben der Taktgebung auch gefährliche Herzrhythmusstörungen durch gezielte Schockabgaben behandeln können.

Abweichungen vom normalen Blutdruck: Die Hypertonie

🪢 🧩💡Erinnerungsknoten: Wie lautet die Definition für Blutdruck?💡🧩 🪢

Unbehandelter Bluthochdruck kann schwerwiegende Komplikationen mit sich bringen. Eine häufige Folge sind Herzerkrankungen wie die KHK (Arteriosklerose als primäre Ursache) oder eine hypertensive Herzkrankheit (Schädigung durch langjährigen Bluthochdruck).

Risiken:
• Netzhautschäden
• eingeschränkte Nierenfunktion 👉 chronisches Nierenversagen im fortgeschrittenen Stadium

🪢 🧩💡Erinnerungsknoten: Was sind die Symptome von Hypertonie?💡🧩

Diagnose Hypertonie

wichtigste Diagnosemethode:
• Blutdruckmessung
• Langzeitblutdruckmessung (24-Stunden-Messung)

Hypertonie bemerkt man auch an der Pulsqualität: schwache Pulsqualität, Puls ist nur schwach spürbar.

weiterführende Untersuchtungen:
• EKG (z.B. Vorhofflimmern?)
• Urinuntersuchung (z.B. Nierenerkrankungen als Auslöser der Hypertonie?)
• Blutuntersuchung (z.B. Verschiebung der Elektrolyte oder Diabetes als Auslöser der Hypertonie?)
• Abdomensonografie (z.B. Gefäßverengungen als Auslöser der Hypertonie?)

Untersuchungen auf hypertensive Folgeschäden
• Herzechokardiografie (z.B. bereits Herzinsuffizienz als Folge?)
• Augenhintergrunduntersuchung (z.B. bereits Retinopathie als Folge?)
• Duplexuntersuchungen der Hals- und Beinarterien (z.B. bereits Arteriosklerose als Folge?)

🪢 🧩💡Erinnerungsknoten: Ab welchem Wert spricht man von Hypertonie (und zwar sowohl bei jungen Erwachsenen als auch bei alten Menschen)? 💡🧩 🪢

Therapie

• Lebensstiländerung (Übergewicht, Rauchen, Alkohol, salzreduzierte Diät)
• ausreichende Flüssigkeitszufuhr für eine normale Nierenfunktion, Gleichgewicht d. Elektrolyte (Achtung Niereninsuffizienz, Herzinsuffizienz!)
• körperliche Bewegung (Stärkung d. Herz-Kreislauf-Systems)
• medikamentöse Therapie (Beta-Blocker oder ACE-Hemmer) wenn Lebensstiländerungen allein nicht ausreichen

Bei sekundärer Hypertonie Therapie der Primärerkrankung (z.B. bei Arteriosklerose)

🪢 🧩💡Erinnerungsknoten: Welche Notfallmaßnahmen setzt du bei einer Bluthochdruckkrise?💡🧩 🪢

Folgeerkrankungen

• Arteriosklerose
• Herzinfarkt (Myokardinfarkt)
• Schlaganfall
• PAVK (Periphere arterielle Verschlusskrankheit)
• Herzinsuffizienz (Herzschwäche) 
• Aneurysmen (Gefäßaussackungen)
• Niereninsuffizienz (Nierenschwäche) 
• Hypertensive Retinopathie

Abweichungen vom normalen Blutdruck: Die Hypotonie

🪢 🧩💡Erinnerungsknoten: Ab welchem Wert spricht man von Hypotonie? 💡🧩 🪢

Diagnose:

wichtigste Diagnosemethode:
• Blutdruckmessung
• Langzeitblutdruckmessung (24-Stunden-Messung)

Bei Verdacht auf sekundäre Hypotonie
• Schellong Test (Blutdruck und Herzfrequenz in Ruhe und nach schnellem Aufstehen werden gemessen – orthostatische Hypotonie)
• EKG (z.B. Herzrhythmusprobleme)

🪢 🧩💡Erinnerungsknoten: Was sind die Symptome von Hypotonie?💡🧩

Therapie Hypotonie

Allgemeine Maßnahmen (Basis, oft ausreichend):

  • Ausreichend trinken (ca. 2–3 Liter/Tag, Achtung Herzinsuffizienz, Niereninsuffizienz)
  • salzreichere Ernährung (auf Arztanweisung)
  • langsames Aufstehen (Orthostase vermeiden)
  • regelmäßige Bewegung (Kreislauftraining)
  • Wechselduschen / kalte Duschen (Gefäßtraining, auf Arztanweisung)
  • Kompressionsstrümpfe (unterstützen den venösen Rückfluss)

Akutmaßnahmen (bei Beschwerden wie Schwindel):

  • Hinlegen und Beine hochlagern (Schocklagerung)
  • Frische Luft, enge Kleidung öffnen

Medikamentöse Therapie (wenn notwendig):

• Antihypotonika

Bei der sekundären Hypotonie steht nicht der Blutdruck selbst im Mittelpunkt, sondern die Behandlung der Ursache.

Definition

• Entzündung des Herzbeutels

Pathophysiologie

• tritt häufig im Zusammenhang mit rheumatischen Erkrankungen (rheumatoide Arthritis, Lupus erythematodes) oder Infektionskrankheiten auf
• kann als Folge einer Myokarditis entstehen

Therapie

• richtet sich nach der Ursache der Entzündung:
• bakterielle Infektion – Antibiotika
• Entzündungshemmer
• operativer Eingriff – in schweren Fällen
• körperliche Schonung, Bettruhe

Myokarditis

Definition

= Entzündung des Herzmuskels.

Pathophysiologie

• entsteht häufig als Folge einer Infektionskrankheit, virale Infektionen wie Grippe, Diphtherie, Scharlach oder Streptokokkeninfektionen

Folge

• Herzinsuffizienz
• Herzrhythmusstörungen

Therapie

• richtet sich nach der Ursache der Entzündung:
• bakterielle Infektion – Antibiotika
• Diuretika
• Nitrate
• bei schwerwiegenden Herzrhythmusstörungen 👉 Herzschrittmacher
• körperliche Schonung, Bettruhe

Endokarditis

Definition

Entzündung der Herzinnenhaut

Pathophysiologie

kann durch eine rheumatische Erkrankung (z.B. rheumatisches Fieber) oder eine bakterielle Infektion (z.B. Streptokokken) verursacht werden

Diagnose

Blutuntersuchungen:
• hohe Entzündungsmarker, erhöhte Leukozytenzahl sowie stark beschleunigte Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG) deuten auf eine entzündliche Reaktion hin
• C-reaktive Protein (CRP) häufig stark erhöht
Echokardiografie

Therapie

• hochdosierten Antibiotika
• Schonung, Bettruhe
• in schweren Fällen kann ein chirurgischer Eingriff erforderlich werden

Die Lysetherapie

Definition:
Die Lysetherapie ist eine effektive Methode zur Behandlung von Gefäßverschlüssen, die nicht nur beim Herzinfarkt (Myokardinfarkt), sondern auch bei einem Schlaganfall (Stroke, Insult) oder einer Lungenembolie (Pulmonalembolie) eingesetzt werden kann. Ziel dieser Therapie ist es, das verstopfte Blutgefäß wieder durchgängig zu machen, indem gerinnungshemmende Medikamente direkt in den Blutkreislauf verabreicht werden.

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen zwei Formen der Lysetherapie: der systemischen und der lokalen Lyse. Bei der systemischen Lyse werden die Medikamente über eine Infusion verabreicht und verteilen sich über den gesamten Körper. Im Gegensatz dazu erfolgt die lokale Lyse gezielt an der verschlossenen Stelle. Dabei wird ein dünner Katheter in das betroffene Gefäß eingeführt, über den das thrombusauflösende Medikament direkt am Verschluss abgegeben wird.

Ein entscheidender Faktor für den Erfolg der Lysetherapie ist die Zeit. Besonders beim Schlaganfall gilt: Je früher die Therapie eingeleitet wird, desto besser ist die Wirkung.

Die kritische Grenze für eine effektive Behandlung liegt bei 4,5 Stunden nach Symptombeginn. Wird das betroffene Gewebe über diesen Zeitraum hinweg nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt, stirbt es irreversibel ab und kann nicht mehr gerettet werden.

Die Risiken einer Lysetherapie

Die Lysetherapie ist eine wirksame Methode zur Auflösung von Blutgerinnseln, birgt jedoch auch ein erhebliches Risiko für schwere Blutungen. Besonders bei der systemischen Lyse, bei der das Medikament über eine Infusion im gesamten Körper verteilt wird, besteht die Gefahr unkontrollierbarer Blutungen, insbesondere von Hirnblutungen. Daher ist eine strikte Indikationsstellung erforderlich, und der behandelnde Arzt muss die medizinischen Richtlinien genau einhalten, um Risiken zu minimieren.

Aufgrund dieser Komplikationsgefahr wird die lokale, kathetergesteuerte Lyse bevorzugt. Bei diesem Verfahren, auch kathetergesteuerte Thrombolyse genannt, wird das Blutgerinnsel gezielt über einen eingeführten Katheter aufgelöst. Der Vorteil dieser Methode liegt darin, dass das thrombusauflösende Medikament direkt an der verschlossenen Stelle wirkt und dort in einer höheren Konzentration vorliegt, während es im restlichen Körper nur in einer geringen Dosis verteilt wird. Dadurch wird das Risiko für systemische Blutungen erheblich reduziert, was diese Therapieform bei geeigneten Patienten sicherer macht.

Die Herzbettpositionierung

Definition:
Die Herzbettpositionierung wird bei Patienten mit kardial bedingter Dyspnoe angewendet. Sie entlastet das Herz und erleichtert das Atmen.

Besonders bei Patienten mit einem akuten Koronarsyndrom (ACS) und Lungenödemen kann diese Lagerung von Vorteil sein. Durch das Hochlagern des Oberkörpers wird die Atmung erleichtert und der Druck auf die Lungen verringert. In schweren Fällen, wie beim kardiogenen Schock kann die richtige Lagerung eine entscheidende Maßnahme zur Stabilisierung der PatientIn sein. Auch Patienten mit Herzinsuffizienz, Herzinfarkt, koronarer Herzkrankheit (KHK) profitieren von dieser Lagerung.

Dyspnoe aufgrund von:
• Herzinsuffizienz
• Herzinfarkt
• Akutes Koronarsyndrom (ACS)
• Koronare Herzkrankheit (KHK)
• Lungenödem
• Kardiogener Schock

📸 Bild: Herzbettlagerung, pflegerio.de 📸

Arteriosklerose

Definition

• chronische Erkrankung der Arterien (NICHT DER VENEN!)
• es sammeln sich Ablagerungen (Plaques) von Kalk, Fett und Eiweißen an den Innenwänden der Blutgefäße an
• dies führt bei den ohnehin nicht sehr dehnfähigen Arterien zu einer Verhärtung oder Verengung 👉 schädigt die Gefäßwand 👉 beeinträchtigt den Blutfluss 👉 Risiko für Thromben steigt

🪢 🧩💡Erinnerungsknoten: Welche Eigenschaften haben Arterien im Gegensatz zu den Venen? Welche Funktionen erfüllen sie im menschlichen Körper?💡🧩 🪢

Risikofaktoren

• Rauchen
• Hypertonie
• Erhöhte Blutfette (v. a. LDL-Cholesterin)
• Diabetes mellitus
• Adipositas
• Bewegungsmangel
• Ungesunde Ernährung (viel Fett, Zucker, wenig Ballaststoffe)

Arteriosklerose Folgeerkrankungen

• wenn sich ein Thrombus in den Koronararterien (Herzkranzgefäße) bildet und das Gefäß vollständig verschließt 👉 Herzinfarkt
PAVK
• wenn eine Hirnarterie durch arteriosklerotische Plaques stark verengt oder vollständig verschlossen wird 👉 Insult

🫏 Eselsbrücke: Vereinfacht gesagt kann man sagen „Arterien = Herzinfarkt, Venen = Lungenembolie“. 🫏

Pflege bei Arteriosklerose

Beobachtung / Kontrolle:

  • Hautfarbe und Temperatur der Extremitäten (Durchblutung)
  • Schmerzen (z. B. belastungsabhängig)
  • Pulsstatus (Pulse tastbar?)
  • Vitalzeichen (v. a. Blutdruck)

Förderung der Durchblutung:

  • Bewegung fördern (angepasst an Belastbarkeit)
  • Beine nicht hochlagern bei arteriellen Durchblutungsstörungen (wichtig!)
  • auf warme Umgebung achten (keine Kälte → Vasokonstriktion)

Risikofaktoren reduzieren:

  • Rauchstopp unterstützen
  • gesunde Ernährung fördern (fettarm, ausgewogen)
  • Gewichtskontrolle
  • Unterstützung bei der Einstellung von Blutdruck und Blutzucker (nach Arztanordnung)

Information:

  • Bedeutung von Bewegung erklären
  • Umgang mit Erkrankung und Warnzeichen vermitteln
  • Symptome eines Herzinfarkt und Schlaganfals erklären

Die Thrombose komm42e

Definition

Eine Thrombose ist eine akute Gefäßerkrankung, bei der sich ein Blutgerinnsel (Thrombus) innerhalb einer Arterie oder Vene bildet. Am häufigsten tritt sie in den tiefen Beinvenen auf. Eine Thrombose benötigt immer eine schnelle ärztliche Abklärung.

Thrombose, meine laienhafte Erklärung:
Ein Schorf auf der Haut und ein Thrombus im Gefäß beruhen auf demselben biologischen Grundmechanismus: der Blutgerinnung. Während Schorf ein äußerlich eingetrocknetes Gerinnsel ist, ist ein Thrombus ein noch weiches, feuchtes Gerinnsel in einem Blutgefäß.

🪢 🧩💡Erinnerungsknoten: Wie und warum entsteht Schorf? Welcher Blutbestandteil spielt dabei eine Hauptrolle? 💡🧩 🪢

Thrombus
• Blutgerinnsel entsteht an Ort und Stelle
• bleibt im Gefäß haften
• kann Gefäß verschließen

Embolus
• Abgelöster Thrombus oder Fremdkörper
• wird mit dem Blutstrom weitertransportiert
• verursacht Gefäßverschluss an anderer Stelle

Beispiel: Thrombus löst sich aus den Beinvenen → kann in die Lunge gelangen → Lungenembolie

Erkrankungen, bei denen Thrombose eine Rolle spielt:
• TVT (tiefe Venenthrombose)
• PAVK
• Herzinfarkt
• Schlaganfall
• Vorhofflimmern
• Lungenembolie
• Krampfadern
• Arteriosklerose

Arten von Thrombosen

• TVT
• Thrombophlebitis

Folgeerkrankungen

• Postthrombotisches Syndrom
• Chronisch-venöse Insuffizienz
• Ulcus cruris

Pathogenese, Pathophysiologie

häufig in den tiefen Beinvenen → Thrombusbildung durch verlangsamten Blutfluss, Gefäßwandschaden oder erhöhte Gerinnungsneigung → Behinderung des venösen Rückflusses → Blutstauung, Schwellung und Schmerzen → bei Ablösung Verschleppung über das rechte Herz in die Lunge → Risiko Lungenembolie

Ursache: Virchow Trias komm45e

Die Virchow-Trias (benannt nach Dr. Virchow) beschreibt die drei Hauptursachen der Thromboseentstehung.

1. Verlangsamung des Blutflusses (Geschwindigkeit) – „Kreislauffaktor“ („Stase“)
2. Veränderung der Blutgefäß-Innenwände (Verletzungen, Entzündungen, Arteriosklerose) – „Wandfaktor“
3. Veränderung der Blutgerinnung (Blutviskosität) – „Blutfaktor“

🫏 Eselsbrücke:
V + V + V = V
Verlangsamung + Veränderung + Veränderung = Virchowsche Trias
B + B + B
Blutfluss, Blutgefäß, Blutgerinnung 🫏

Verlangsamung des Blutflusses (Kreislauffaktor), z.B.:
• langes Sitzen im Flugzeug
• Immobilität
• Bettlägerigkeit

Veränderung der Blutgefäße (Wandfaktor), z.B.:
• Rauchen
• Verletzungen
• Arteriosklerose

Veränderung der Blutgerinnung (Blutfaktor), z.B.:
• Gerinnungsstörungen
• Dehydration
• hormonelle Einflüsse

Die Virchow-Trias in 60 Sekunden, Pflege-Kanal, youtube

Symptome

Die Gerinnselbildung führt sekundär zu einer entzündungsähnlichen Reaktion, was die typischen Symptome hervorruft.
• gerötete Haut (oder livide, zyanotisch) (Rubor)
• warme Haut (Calor)
• Schmerz, Druckschmerz (an der Thrombosestelle), Druckempfindlichkeit, Muskelkrämpfe (Dolor)
• Schwellungen (Ödeme) und Spannungsgefühle, Hautglanz, prall gespannte Haut (Tumor)
• Schmerzen beim Hochlagern des Fußes oder bei Bewegung (Fußsohlen-, oder Wadenschmerz) (Functio Laesa)
• Fußpuls ist tastbar (weil der arterielle Blutfluss nicht behindert ist, z.B. A. poplitea)

🎬 Video: Arteria poplitea tasten: peripheral vascular disease made easy, youtube 🎬

Risikofaktoren einer Thrombose komm46e

• Bewegungsmangel (Muskelpumpe der Beine arbeitet kaum, Blut fließt langsamer zurück zum Herzen, staut sich leichter in den Beinvenen)
• Flüssigkeitsmangel (Veränderte Blutviskosität)
• Immobilität, Bettlägerigkeit (Gipsverbände, nach OPs)
• Medikamente, z.B. Kontrazeptiva (hormonelle Verhütungsmittel)
• COPD (Sauerstoffmangel kann die Gefäße und Gerinnung beeinflussen, Bewegungsmangel)
• frühere Thrombosen (bereits geschädigte Venenklappen oder Gefäßwände, Bewegungsmangel)
• Krebserkrankungen (Tumorerkrankungen können die Blutgerinnung aktivieren, Chemotherapie erhöht das Risiko, Bewegungsmangel)
• Schwangerschaft (Hormone)
• Verletzungen / Traumata (Gefäßverletzungen bzw. Gewebsverletzungen aktivieren die Gerinnung)
• Venenkatheter / Infusionen (Thrombophlebitis)
• Varizen (führen zu verlangsamtem Blutfluss, Venenklappen schließen schlechter)
• höheres Lebensalter (> 60, Gefäße/Venenklappen vorgeschädigt, Begleiterkrankungen wie Herzinsuffizienz, Krebs, geringere Mobilität)
• Vorhofflimmern
• Herzinsuffizienz

Infolge dieser Ereignisse/Erkrankungen kann es ebenfalls zu einer Thrombose kommen:
• PAVK
• Herzinfarkt
• Schlaganfall
• Lungenembolie
• Arteriosklerose

Pflegeinterventionen: Die 3 Säulen der Thromboseprophylaxe

• Basismaßnahmen (Flüssigkeitszufuhr, Bewegung)
• Physikalische Maßnahmen (Strümpfe, Bandagen)
• Medikamentöse Maßnahmen (Antikoagulantien)

weitere:
• Hautbeobachtung
• Schmerzbeobachtung
• Atembeobachtung
• Information über Risikofaktoren: Rauchen, Immobilität, Flüssigkeit, Adipositas, lange Reisen
• Mobilisation

Gefahren einer Thrombose

Die Gefahren hängen davon ab, wo sich der Thrombus befindet und ob er sich löst (Embolus) oder bestehen bleibt.

Lungenembolie (bei venösen Thrombosen)
• Insult oder Myokardinfarkt (bei arteriellen Thrombosen)
• Postthrombotisches Syndrom: chronische Stauungserscheinungen, eine Form der Chronisch-venösen-Insuffizienz, Folge einer langjährigen CVI: Ulcus cruris
Wiederholte Thrombosen

Prävention

Primärprävention:
• Nikotin ex
• gesunde Ernährung
• Sport / Bewegung
• Flüssigkeit
• Gewichtsnormalisierung

Sekundärprävention:
• Gerinnungshemmung
• Kompressionstherapie

Diagnose

• Anamnese und klinische Untersuchung (Schmerzen, Schwellung, Überwärmung,…)

Goldstandard:
• Sonographie (Doppler-Sono)

vorher:
• D-Dimer-Test (Aussprache)
D-Dimere sind Abbauprodukte von Blutgerinnseln.

weitere:
• Angiografie (genauer gesagt eine Phlebographie, Kontrastmitteluntersuchung der Venen, ist eine Form der Angiografie)

Thrombose Therapie

Goldstandard:
Antikoagulanzien (hemmen die Blutgerinnung), z.B. Heparin, Marcoumar
Thrombozytenaggregationshemmer (verhindern das Verkleben der Blutplättchen), z.B. ASS

komplementär, gemeinsam mit Antikoagulanzien:
Kompressionstherapie: Strümpfe (reduzieren Schwellung, fördern Abfluss, nach Arztanordnung) = Therapie und Prophylaxe 
Mobilisation: Aktiviert Muskelpumpe = Therapie und Prophylaxe

weitere:
Thrombolyse (Lyse): Medikamentöse Auflösung bei massiver Thrombose (= hohe Dosen Heparin)
Thrombektomie: operative Entfernung (selten)
Vena-Cava-Filter: „Schirmchen“ bei Kontraindikation für Antikoagulation

🎬 Video: Thrombektomie, Wiener Gesundheitsverbund, youtube 🎬
🎬 Video: Antikoangulanzien & Thrombolyse, Pflege Kanal, youtube 🎬

Die Tiefe Venenthrombose (TVT) / Phlebothrombose

Definition

ist eine Thrombose in einer tiefen Beinvene. Es besteht das Risiko einer Lungenembolie, wenn der Embolus in die Lunge wandert.

Gefährliche Komplikation: Lungenembolie
Löst sich der Thrombus:
→ gelangt er über das rechte Herz in die Lungenarterien
→ Gefäßverschluss in der Lunge

🪢 🧩💡Erinnerungsknoten: Mit welchem bildgebenden diagnostischen Verfahren kann eine TVT festgestellt werden?💡🧩 🪢

Pflege: Richtiges Handeln bei Verdacht auf eine TVT

⚠️🚑 MAßNAHME NOTWENDIG! ⚠️🚑 Wenn eine Pflegeperson den Verdacht auf eine tiefe Venenthrombose (TVT) hat, ist schnelles und richtiges Handeln entscheidend, um Komplikationen wie eine Lungenembolie zu vermeiden.

1. Symptome der TVT erkennen
2. Hochlagern (nicht zu hoch, ideal ca. 20°)
3. Ruhigstellen (keine aktive Bewegung oder Massage – könnte Thrombus lösen!) Patient nicht umherlaufen lassen
4. Keine Wärmeanwendungen (z. B. Wärmflaschen oder heiße Wickel), da Wärme die Gefäße erweitert → Emboliegefahr
5. engmaschig Vitalzeichen überwachen
6. Arzt oder Notdienst verständigen
7. Thromboseprophylaxe anpassen, falls erforderlich (z. B. Heparin-Gabe nach ärztlicher Anweisung)

Thrombophlebitis

Definition:
Eine Thrombophlebitis ist eine Venenerkrankung. Es handelt sich um eine Entzündung einer oberflächlichen Vene, die mit der Bildung eines Blutgerinnsels (Thrombus) einhergeht. Häufig bei langer Liegezeit einer peripheren Verweilkanüle, z.B. auf dem Handrücken.

🪢 🧩💡Erinnerungsknoten:Was sind die 5 Entzündungzeichen?„💡🧩 🪢

Ulcus cruris

Definition

  • chronisches, schlecht heilendes Geschwür am Unterschenkel, entstanden aufgrund unzureichender Durchblutung des Gewebes
  • Folge einer langjährigen venösen Insuffizienz

📸 Foto: Ulcus cruris, doccheck.com 📸

Kann sowohl das venöse als auch das arterielle System betreffen:

  • Ulcus cruris venosum:
    • häufigste Form
    • entsteht durch eine chronisch-venöse Insuffizienz (CVI)
    • der gestörte venöse Rückfluss führt zu einem erhöhten Druck in den Venen – mangelhafte Sauerstoffversorgung im Gewebe
    • dadurch entstehen schlecht heilende Wunden
    • meist im Bereich des Innenknöchels
  • Ulcus cruris arteriosum:
    • entsteht durch eine arterielle Durchblutungsstörung, häufig aufgrund von Arteriosklerose
    • Minderversorgung des Gewebes mit Sauerstoff führt zu Nekrosen und schmerzhaften Geschwüren
    • oft an den Zehen oder dem äußeren Unterschenkel

Ulcus cruris Symptome

  • chronische, tiefe, schlecht heilende Wunden mit oft nässendem Belag
  • häufig umgebende Hautveränderungen wie Verhärtungen oder Pigmentierungen
  • Schmerzen, insbesondere bei der arteriellen Form
  • Schwellungen bei venöser Ursache

Die Wundbehandlung eines Ulcus cruris ist nur mit einer entsprechenden Kompressionstherapie effektiv und erfolgreich.

Ulcus cruris und PAVK sind nicht dasselbe. Ulcus cruris ist eine chronische Wunde am Unterschenkel. PAVK ist eine arterielle Durchblutungsstörung. Eine PAVK kann jedoch Ursache für ein Ulcus cruris arteriosum sein.

Die Periphere arterielle Verschlusskrankheit (PAVK)

Definition

Die Periphere arterielle Verschlusskrankheit (PAVK) ist eine chronisch-progrediente Erkrankung der Arterien, Gefäßverengungen führen zu Durchblutungsstörungen, im fortgeschrittenen Verlauf kann die Erkrankung akut werden (vollständiger Gefäßverschluss). Betrifft meist die Beine und Füße. In den meisten Fällen ist die Ursache eine Gefäßverkalkung (Arteriosklerose). Sie wird auch Schaufensterkrankheit genannt, weil die Betroffenen beim Gehen Schmerzen haben und stehen bleiben müssen.

Diabetisches Fußsyndrom (DFS)
• PAVK spielt eine große Rolle als Komplikation von Diabetes mellitus
• das DFS ist eine Kombination aus: Diabetes mellitus → Nervenschäden (Neuropathie) + Durchblutungsstörungen (wie z.B. PAVK)
• beim DFS entstehen Wunden am Fuß, die schlecht heilen
• diese Faktoren zusammen führen zum typischen „diabetischen Fuß“
• mit PAVK kann selbst eine kleine Verletzung beim diabetischen Fuß zur komplexen Wunde werden
• kann bis zur Beinamputation führen
Symptome: schlecht heilende Wunden, Taubheitsgefühl, Kribbeln, trockene Haut, Entzündungen mit den 5 klassichen Entzündungszeichen. Da das Schmerzempfinden oft gestört ist, werden Verletzungen erst spät bemerkt.

Pathophysiologie

Blutgefäße verengen sich durch Ablagerungen (Plaques) von Kalk, Fett und Eiweißen
→ Gefäße verhärten – verlieren ihre Elastizität
→ Blutfluss im betroffenen Gefäß wird dadurch reduziert oder kommt vollständig zum Erliegen, wenn das Gefäß komplett verschlossen ist

Stadieneinteilung nach Fontaine

Stadium I: asymptomatisch
Es liegen Verkalkungen in den Arterien vor, die aber noch keine Beschwerden verursachen.
Stadium II: Belastungsschmerz (Claudicatio intermittens)
Unter Belastung und Betätigung der Muskeln (in den Waden, Oberschenkeln, im Gesäß) treten Schmerzen auf, zum Beispiel beim Gehen; sie verstärken sich bei höherer Belastung, etwa beim Bergauflaufen. Schmerzen verschwinden nach kurzer Ruhepause. Puls in der betroffenen Extremität kaum tastbar. Beträgt die schmerzfreie Gehstrecke mehr als 200 Meter, liegt das Stadium II vor; liegt diese unter 200 Meter, haben Betroffene das Stadium III erreicht.
Stadium III: Ruheschmerz
Jetzt treten die Schmerzen nicht nur bei Bewegung, sondern auch in Ruhe auf, wenn die Muskeln nicht arbeiten, vor allem im Liegen. Patienten hängen das Bein oft aus dem Bett, da die Schwerkraft die Durchblutung leicht verbessert. Blasse, kühle Haut. Verminderte Sauerstoff- und Nährstoffversorgung. Kein Puls an der Extremität mehr tastbar.
Stadium IV: Gewebeschäden
Kompletter Verschluss – akut! Nicht heilende Wunden (Ulkus), besonders an Zehen, Ferse oder anderen druckbelasteten Stellen – Extremität ist bläulich-blass und kalt. Schlecht durchblutetes Gewebe stirbt ab – schwarz verfärbtes Gewebe (Nekrosen/Gangrän) durch absterbende Zellen. Das Risiko einer Amputation steigt erheblich. Akute Ischämie. Kein Puls an der Extremität mehr tastbar.

🪢 🧩💡Erinnerungsknoten: Anatomie 2: Was ist eine Nekrose?💡🧩 🪢

Stadium IV ist sehr ernst und muss dringend ärztlich behandelt werden.

Wenn der Puls abgeschwächt oder nicht tastbar ist, kann dies auf eine Gefäßverengung oder einen Verschluss einer Arterie hindeuten.

Risikofaktoren

• Rauchen
• Diabetes mellitus
• Bluthochdruck
• Fettstoffwechselstörungen
• Bewegungsmangel
• Übergewicht

Symptome

• kalte Extremität
• Blässe
• Schmerzen beim Gehen
• „Schaufensterkrankheit“
• Puls abgeschwächt, nicht tastbar (z.B. A. poplitea)

Diagnose PAVK

• Anamnese, Pulse kontrollieren

Goldstandard:
Knöchel-Arm-Index (Blutdruckmessung am Knöchel und am Arm, Ermittlung Verhältnis zwischen den beiden Werten)

ergänzend:
Sonografie (Doppler-Sono)
Angiografie (Kontrastmitteluntersuchung der Gefäße)

Vor diesen Verfahren:
• Pulstasten
• Gehstreckentest

Therapie

Goldstandard:
Gehtraining (strukturierte Bewegungstherapie)

weitere konservative Maßnahmen: 
• Rauchstopp 
• Gewichtsreduktion 
• gesunde Ernährung 

Medikamente: 
• Thrombozytenaggregationshemmer (z. B. ASS) 
• Cholesterinsenker (Statine) 
• Blutdruckmedikamente 

invasive Verfahren:
• Ballondilatation 
• Stent 
• Bypass: „Gefäß-Umleitung“, meist aus einer körpereigenen Vene
• Amputation: bei irreparabler Gewebeschädigung

Diabetischer Fuß: Prophylaxe

• engmaschige Blutzuckerkontrolle
• strenge Einstellung des Blutzuckers 
• engmaschige Kontrolle der Füße
• Hautpflege (trockene/spröde Haut → kleine Einrisse → Rhagaden → Einfallstor für Keime, mit feuchtigkeitsspendenden oder harnstoffhaltigen (Urea-) Produkten)
• Füße nicht zu lange baden (Haut weicht sonst zu stark auf → Mazeration → natürliche Schutzbarriere geschwächt)
• nach der Waschung gut abtrocknen
• Druckentlastung des Fußes (spezielle druckfreie Entlastungsschuhe, Hochlagerung als Erleichterung aber ohne therapeutischen Nutzen)
• spezialisierte Fußpflege beim diabetischen Fuß (die Pflege schneidet keine Zehen- oder Fingernägel!)

Therapie beim diabetischen Fuß

• regelmäßige Wundpflege
• Antibiotika bei Infektionen
• Débridement (Entfernung von abgestorbenem Gewebe) 
• Amputation bei schweren Fällen 

Eine PAVK ist KEINE Thrombose!

Die PAVK ist eine chronische Erkrankung, die durch Arteriosklerose verursacht wird. Diese Ablagerungen führen zu einer Verengung oder einem vollständigen Verschluss der Arterien, die die Extremitäten mit Blut versorgen. Betroffene Gefäße sind die Arterien. Eine PAVK entwickelt sich langsam und führt zu Nekrosen oder anderen Gewebeschäden.

Abgrenzung PAVK – TVT

MerkmalPAVK (periphere arterielle Verschlusskrankheit)TVT (tiefe Venenthrombose)
Entwicklunglangsam (chronisch)akut
MechanismusAblagerungen aus Fett, Cholesterin und Kalk verengen oder verschließen die ArterienVirchowsche Trias
Betroffene GefäßeArterien (führen Blut vom Herzen weg)Venen (führen Blut zurück zum Herzen)
Ursache des VerschlussesArteriosklerose Blutgerinnsel (Thrombus)
Folge des VerschlussesSauerstoffmangel (Hypoxie) aufgrund einer Minderduchblutung (Ischämie) → Schmerzen, Gewebeschäden (Nekrose)Rückstau des Blutes → Schwellung, Schmerzen, erhöhtes Risiko für Lungenembolie
SymptomeSchmerzen beim Gehen (Claudicatio intermittens), kalte, blasse Haut, kein tastbarer Puls, im Spätstadium Gewebeschäden (Nekrosen, Gangrän), kalte FüßeSchwellung, Überwärmung, Rötung (Rubor), Spannungsgefühl im betroffenen Bein, evtl. Lungenembolie als Komplikation
DiagnostikDoppler-Sonografie, Knöchel-Arm-Index (ABI), AngiografieDuplex-Sonografie der Venen, D-Dimer-Test, Phlebografie

📸 Foto: PAVK, apotheken.de 📸

Sehr wichtig: fett markiert

FachbegriffBeschreibung
ACE-HemmerBlutdrucksenker 
Analgetikaschmerzlindernde Arzneistoffe 
Aneurysmagefährliche, ballonartige Erweiterung einer geschwächten Arterienwand 
Angina pectorisBrustenge 
Antihypertensiva (= ACE-Hemmer)Blutdrucksenker
AntihypotonikaBlutdrucksteigernde Medikamente
Antikoagulantien Blutgerinnungshemmer (z.B. Heparin)
ArterioskleroseAblagerung von Cholesterin und Fetten in den Arterienwänden, führt zu Verhärtung und Verengung 
ASS – AcetylsalicylsäureThrombozytenaggregationshemmer (verhindert die Verklumpung von Blutplättchen)
nicht steroidales Antirheumatika (NSAR, schmerzlindernd, entzündungshemmend, fiebersenkend)
Beta-Blocker Blutdrucksenker
CarotisHalsschlagader
Débridement 🔗[de-briːd-ˈmɑ̃ː]🔗Entfernung von abgestorbenem Gewebe. 
D-DimereAbbauprodukte von Blutgerinnseln 
DyspnoeAtemnot 
Embolieteilweise oder vollständiger Verschluss eines Gefäßes, verursacht durch einen Embolus
Fibrinschichtaus dem körpereigenem Protein Fibrin bestehende Auflagerung auf Wunden um diese zu verschließen 
Flüssigkeitsbilanzerfasst gesamten Flüssigkeitshaushalt, inklusive aller Zu- und Abgänge wie Infusionen, Erbrechen, Schweiß etc.
IschämieMinderdurchblutung eines Organs infolge mangelnder arterieller Zufuhr von Blut (führt zu Sauerstoffmangel – Hypoxie)
Koronararterie Herzkranzarterien
Lyse / ThrombolyseMedikamentöse Gerinnselauflösung
Miktionsprotokoll Trinkmenge und Harnentleerung im Zusammenhang mit der Blasenfunktion dokumentieren
MyokardinfarktHerzinfarkt 
NeuropathieSchädigung von Nerven 
PerfusionDurchfluss von Flüssigkeit durch Organe, Gewebe, Blutgefäße aufgrund von Druckunterschieden 
Plaques„fleckförmige, plattenartige oder herdförmige Veränderung“: Veränderung in der Arterienwand
RupturenRiss einer Gewebsstruktur 
SedativaBeruhigungsmittel 
SpasmenVerkrampfungen 
ThrombozytenBlutplättchen 
Thrombozytenaggregationshemmerverhindert das Verklumpen von Blutblättchen (ASS)
ThrombusBlutgerinnsel 
TroponinProtein in Herz- und Skelettmuskulatur, essenziell für die Muskelkontraktion, wird bei Herzinfarkt vermehrt ausgeschüttet 
TVTTiefe Beinvenenthrombose 
Virchow Trias3 Hauptfaktoren der Thromboseentstehung 
Zyanosebläuliche Verfärbung aufgrund von Sauerstoffmangel

Bild: ©pixabay, @David_SMC, weiterbearbeitet