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Hygiene für die Pflegeassistenz

Aufbereiteter Lehrinhalt


Erstellt am: 13.09.2025
Aktualisiert am: 19.07.2026

Curriculum für die Ausbildung nach den Vorgaben der WHO – Kompetenzniveau: Grundlagen
Dieser Lehrinhalt orientiert sich am IPC-Curriculum der WHO. Das Kompetenzniveau richtet sich an das gesamte Gesundheits- und Betreuungspersonal – unabhängig von Funktion, Berufserfahrung oder Arbeitsbereich und soll dazu befähigen, angemessen zur Prävention und Kontrolle von Infektionen beizutragen.

SKRIPTUM FÜR DEN UNTERRICHT

Bei diesem Dokument handelt es sich um ein Skriptum für Lehrerinnen und Lehrer, das für den Gebrauch im Unterricht vorgesehen ist. Das Skriptum ist als Whitelabel-Dokument gestaltet. Es ist gestattet, es mit dem eigenen Schulstempel oder dem eigenen Logo zu versehen.

HERUNTERLADEN


Das muss die Pflegeassistenz wissen / können:
➤ erläutert Hygiene und Infektionslehre in ihren Grundzügen und zeigt ihre Relevanz bei der Pflege auf;
➤ kann die Bedeutung hygienischer Maßnahmen erklären;
➤ besitzt grundlegendes Basiswissen in puncto Infektionslehre und Mikrobiologie;
➤ identifiziert Gegebenheiten, welche die Sicherheit der pflegebedürftigen Menschen fördern bzw. gefährden wie zum Beispiel Infektionsquellen;
➤ kann den Begriff „Hospitalismuskeim“ definieren;
➤ erläutert am Beispiel nosokomiale Infektion, wie Hygienemaßnahmen settingspezifisch in das tägliche Handeln integriert werden können;
➤ erläutert zentrale Pflegephänomene im Zusammenhang mit Infektionserkrankungen;
➤ integriert Hygienemaßnahmen in Kenntnis ihrer Bedeutung und Konsequenz settingspezifisch in das tägliche Handeln;
➤ nennt Richtlinien der angewandten Hygiene im häuslichen Bereich;
➤ setzt Richtlinien der angewandten Hygiene im häuslichen Bereich um;
➤ beschreibt Einfluss- und Risikofaktoren (z. B. hygienische und umgebungsbedingte Faktoren) und zieht daraus Schlüsse für das pflegerische Handeln;
➤ integriert Hygienemaßnahmen in Kenntnis ihrer Bedeutung und Konsequenz für den akut kranken Menschen;
➤ setzt in Bezug auf Hygiene fachlich adäquate Maßnahmen zum Selbst- und Fremdschutz;
➤ identifiziert potenzielle gesundheitsbezogene Gefahren im eigenen Arbeitsumfeld und setzt Maßnahmen im Zusammenhang mit angewandter Hygiene zum Selbst- und Fremdschutz;
➤ entwickelt persönliche Strategien zur Psychohygiene und Stressbewältigung;
➤ ist sich der gesundheitlichen Bedeutung von Psychohygiene und konstruktiver Stressbewältigung bewusst;
➤ besitzt grundlegendes Basiswissen in puncto Immunsystem, Infektionslehre, Mikrobiologie sowie Schutzimpfungen im Sinne der Gesundheitsprävention;
➤ nennt Richtlinien der angewandten Hygiene im häuslichen Bereich

Grundlagen der Mikrobiologie

Mikrobiologie

ist die Lehre von den Mikroorganismen (Bakterien, Pilze und Protozoen), nichtzellulären biologischen Systemen (Viren) und infektiösen Proteinen (Prionen). Sie erforscht ihre Bedeutung für Gesundheit, Krankheit und Umwelt.

Mikroorganismen

  • sind Kleinstlebewesen (Bakterien, Pilze und Protozoen)
  • auch: „Mikroben“
  • pathogene (krankmachende) Mikroorganismen können im Organismus Entzündungen, Fieber, Funktionsstörungen, Sepsis, etc. auslösen
  • können durch Aufbereitungsprozesse (Desinfektion, Sterilisation,…) abgetötet bzw. inaktiviert werden
  • Viren gehören zur Gruppe der Mikroorganismen, werden jedoch von den übrigen Vertretern dieser Gruppe durch die Bezeichnung „nichtzelluläre biologische Systeme“ abgegrenzt

Infektionen entstehen aus der Perspektive der Mikroben als Nebenwirkung ihrer Suche nach Nährstoffen. Für Organismen bedeuten diese Strategien Erkrankungen; für die Mikroorganismen sind es Erfolgsrezepte der natürlichen Selektion.

📸 Foto: Die schönsten Bilder von Mikroorganismen finden Sie auf der Seite Magnificent Microorganisms von evidentscientific.com.

Krankheitserreger: Synonyme

  • (Infektions-, Krankheits-) -Erreger
  • Pathogene
  • pathogener Mikroorganismus
  • pathogener Keim

Beispiel Dokumentation:
18.07.2026, 09:30 Uhr:
Laut Information der DGKP wurde im Wundabstrich ein pathogener Mikroorganismus nachgewiesen. Die angeordneten Hygienemaßnahmen zum Schutz vor der Übertragung von Pathogenen wurden eingehalten.

Bakterien

  • bestehen aus einer einzigen Zelle (Einzeller)
  • sind Kleinstlebewesen
  • besitzen einen eigenen Stoffwechsel und einen eigenen Zellaufbau (aber keinen Zellkern)
  • vermehren sich durch Teilung (z.B. E.coli teilt sich alle 20 –30 min. bei optimalen Bedingungen)
  • vermehren sich sehr schnell
  • müssen wie jedes andere Lebewesen Nahrung aufnehmen
  • einige Bakterien sind pathogen (krankmachend), die meisten jedoch sind apathogen (nicht krankmachend, z.B. Darmbakterien, transiente Hautflora)
  • manche Bakterien können Giftstoffe bilden
  • das stärkste von Bakterien produzierte Gift ist Botulinumtoxin (Botox)
  • es gibt grampositive und gramnegative Bakterien
  • Mithilfe der Gram-Färbung lässt sich feststellen, zu welcher der beiden Gruppen ein Bakterium gehört: Grampositive Bakterien färben sich blau/violett, gramnegative Bakterien rot/rosa
  • Diese Unterscheidung ist wichtig, weil sie Hinweise darauf gibt, welche Antibiotika zur Behandlung einer Infektion wirksam sein können.
  • Faktoren, die das Überleben von Bakterien fördern: Wärme, Feuchtigkeit, gutes Nährstoffangebot (z.B. Blut), genügend Zeit zur Vermehrung (unzureichende Hygiene, fehlende Reinigung, Desinfektion)
  • Ungünstige Lebensbedingungen für Bakterien: Hitze (ab 60°C) oder Kälte, Trockenheit, fehlendes Nährstoffangebot

Übung 1, Auflösung:
Füllen Sie die vom World Federation for Hospital Sterilization Sciences (WFHSS) zur Verfügung gestellte Übung auf Seite 10 aus. Hier finden Sie die Auflösung:

Untersuchtes MaterialNeinJaVieleEher wenigeGefährlichNützlich
Hände
Harn eines gesunden Menschen
Eitrige Wunde
Stuhl
Sputum
Haut
Blut eines gesunden Menschen
Leitungswasser
Joghurt
Rohmilch
frisch gekochte Rindsuppe
frisch gekochte Nudeln
rohes Hendl
Eier
ungeöffnete, intakte Konserve
Semmel direkt aus dem Backofen
Flusswasser
Erde
Fußboden
gereinigte, nicht desinfizierte Fläche
Waschbecken
sterilisiertes chirurgisches Instrument
Türschnalle
Münzen
Luft

Bemerkung: Kalte Fließgewässer sind unter vergleichbaren Bedingungen häufig hygienisch günstiger als warme Stillgewässer, weil die Strömung das Wasser stärker durchmischt und örtliche Verunreinigungen (z.B. Abschwemmungen aus landwirtschaftlichen Flächen nach Starkregen) verdünnt und weitertransportiert.

Beispiel Dokumentation:
18.07.2026, 10:15 Uhr:
Unterstützung bei der Körperpflege: Verband am re. Unterschenkel feucht und mit Blut durchtränkt. Wundumgebung gerötet und überwärmt. Herr K. gab Schmerzen mit 5 von 10 an. Körpertemperatur: 38,1 °C. Instabile Pflegesituation. Verband nicht weiter berührt und DGKP umgehend informiert.

Viren

  • sind kleiner als Bakterien
  • besitzen keinen eigenen Stoffwechsel
  • sind keine selbständigen Lebewesen (im Gegensatz zu Bakterien) – können also auch nicht „absterben“
  • gehören zur Gruppe der Mikroorganismen, werden jedoch von den übrigen Vertretern dieser Gruppe durch die Bezeichnung „nichtzelluläre biologische Systeme“ abgegrenzt
  • unterscheiden sich grundlegend von Bakterien: sind keine Einzeller, besitzen keinen eigenen Zellaufbau
  • benötigen eine fremde Zelle, um sich zu vermehren; außerhalb von Zellen werden sie inaktiv
  • können mit einem Samenkorn verglichen werden – erst, wenn das Samenkorn in die Erde (Wirtszelle) gelangt, erwacht es zum „Leben“ (vorher ist es inaktiv)
  • Ungünstige Lebensbedingungen für Viren: außerhalb des Wirts

Beispiel Dokumentation:
18.07.2026, 07:40 Uhr: Bewohner klagt über Übelkeit und hatte innerhalb einer Stunde 2 x wässrigen Stuhl sowie 1 x Erbrechen. Körpertemperatur: 37,8 °C. Zwei andere BewohnerInnen derzeit mit Magen-Darm-Infektion auf der Station. DGKP informiert. Bewohner bis zur weiteren Abklärung im Zimmer betreut. Schutzkleidung gemäß Hygieneplan getragen. Erbrochenes und Ausscheidungen sicher entsorgt. Kontaktflächen mit einem viruziden Desinfektionsmittel laut Hygieneplan gereinigt. Bewohner zur gründlichen Händehygiene angeleitet. Weitere Beobachtung von Temperatur, Allgemeinzustand und Ausscheidungen.

Praxisfrage 1: Welche Schutzausrüstung tragen Sie als Pflegeassistenz in diesem Fall?
Antwort am Seitenende

Sporen

Sporen sind Bakterien, die sich in einer besonderen Überlebensform befinden. Sie haben sich aufgrund ungünstiger Lebensbedigungen zur Spore zurückgebildet und befinden sich in einem inaktiven Ruhezustand. Im Sporenstadium vermehren sich die Bakterien nicht. Sobald aber wieder günstige Bedingungen herrschen, können die Sporen auskeimen und in die normale (vegetative) Bakterienform zurückkehren – dann können sie sich wieder teilen und Krankheiten verursachen. Manche Bakterien überleben durch diese Überlebensstrategie sogar mehrere Jahrhunderte.

Günstige Lebensbedingungen für Sporen: Wärme, Feuchtigkeit, gutes Nährstoffangebot (z.B. Blut)

Pilze

  • sind größer als Bakterien
  • besitzen einen eigenen Zellkern
  • besitzen einen eigenen Stoffwechsel
  • können beim Menschen Mykosen verursachen (Fußpilz, Nagelpilz,…) und durch Bildung von Giftstoffen (Toxinen) Lebensmittel verderben
  • einige Pilze sind für den Menschen sehr nützlich, z.B. wird aus dem Schimmelpilz Penicillium das Antibiotikum Penicillin hergestellt
  • Hefepilze können sehr nützlich sein (z.B. Germteig, Bierbrauerei), bei schlechter Abwehrlage können sie aber auch Krankheiten hervorrufen (Soor)
  • Faktoren, die das Überleben von humanpathogenen (krankmachenden) Hefen (z.B. Candida albicans) fördern: feuchte, warme, nährstoffreiche, sauerstoffarme, leicht saure Umgebungen mit einem Nährstoffangebot wie Zucker, genügend Zeit zur Vermehrung (unzureichende Hygiene, fehlende Reinigung, Desinfektion). Dasselbe gilt für andere humanpathogene Pilze, jedoch mit dem Unterschied, dass sie sauerstoffreiche Umgebungen bevorzugen (z.B. Zehennagel, Lunge). Ein geschwächtes Immunsystem bietet ihnen kaum Abwehr.
  • Ungünstige Lebensbedingungen für humanpathogene Hefen und Pilze: Trockenheit, fehlende organische Nährstoffe, Hitze über 60°C, eine funktionierende Immunabwehr

Beispiel Dokumentation:
18.07.2026, 08:20 Uhr: Bei der morgendlichen Mundpflege weißliche, teilweise abstreifbare Beläge auf der Zunge und an der Wangenschleimhaut festgestellt. Mundschleimhaut gerötet. Frau S. gibt Brennen im Mund und Schmerzen beim Schlucken an. Bewohnerin trägt eine Zahnprothese und erhält derzeit ein Antibiotikum. DGKP informiert. Mundpflege nach Anordnung durchgeführt, Zahnprothese gereinigt und trocken aufbewahrt. Keine zuckerhaltigen Getränke angeboten. Weitere Beobachtung der Mundschleimhaut und der Nahrungsaufnahme vereinbart.

Praxisfrage 2: Welchen Verdacht hegt die Pflegeassistenz, weshalb sie diese Beobachtung an die DGKP weitergibt?
Antwort am Seitenende

Parasiten

  • sind einzellige oder mehrzellige Lebewesen (z.B. Giardien, Würmer, Skabies)
  • überleben und vermehren sich nur im Wirt (Endoparasiten) oder am Wirt (Ektoparasiten)
  • übertragen auch andere Krankheitserreger wie Bakterien, Viren und Parasiten
  • Parasitäre Infektionen kommen weltweit vor. Für einzelne Parasitosen beschreibt die WHO höhere Infektionsraten in warmen und feuchten tropischen oder subtropischen Regionen, besonders bei unzureichender Trinkwasser-, Sanitär- und Hygieneversorgung. Einige Parasiteninfektionen verlaufen häufig symptomlos, während andere insbesondere bei Kindern, mangelernährten oder immungeschwächten Menschen schwere Erkrankungen und Todesfälle verursachen können.
  • Faktoren, die das Überleben von Parasiten fördern: feuchtwarme Umgebungen, genügend Zeit zur Vermehrung (unzureichende Hygiene, fehlende Reinigung, Desinfektion); hohe Temperaturen beschleunigen oft ihre Entwicklungszyklen.
  • Ungünstige Lebensbedingungen für Parasiten: Trockenheit, Hitze, UV-Strahlung, Nährstoffmangel

Beispiel Dokumentation:
18.07.2026, 09:30 Uhr: Bewohnerin berichtet über starken Juckreiz, besonders in der Nacht. An den Handgelenken und zwischen den Fingern mehrere Kratzspuren sowie feine rötliche Linien festgestellt. DGKP informiert. Direkten Hautkontakt vermieden und Schutzhandschuhe sowie Schutzkittel gemäß Hygieneplan getragen. Getragene Kleidung und Bettwäsche von der Wäsche der anderen BewohnerInnen getrennt gesammelt.

Praxisfrage 3: Welchen Verdacht hegt die Pflegeassistenz, weshalb sie die Information an die DGKP weiterleitet?
Antwort am Seitenende

🪢 🧩💡Erinnerungsknoten: Durch welches Lebensmittel kann (unter anderem) eine parasitäre Infektion ausgelöst werden? 💡🧩 🪢

Prionen

  • sind infektiöse Eiweisskörper
  • werden biologisch nicht zu den Mikroorganismen im eigentlichen Sinn gezählt, aber trotzdem gemeinsam mit Mikroorganismen genannt, weil sie wie Bakterien, Viren, Pilze und Parasiten Infektionskrankheiten verursachen und übertragen werden können
  • besitzen keine Zelle
  • keinen eigenen Stoffwechsel
  • weder DNA noch RNA
  • keine selbstständige Fortpflanzung
  • sind die Erreger von BSE beim Rind, Scrapie beim Schaf und der Creutzfeld-Jakob-Krankheit (CJK) beim Menschen
  • Menschen können durch den Verzehr von Lebensmitteln, die mit dem BSE-Erreger kontaminiert sind, an dieser neuen Variante der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (vCJK) erkranken
  • Besonders viele Prionen befinden sich bei erkrankten Rindern in bestimmten Risikogeweben, vor allem:
  • Gehirn
  • Rückenmark
  • bestimmten Teilen des Nervensystems
  • weltweite jährliche Häufigkeit ca. 1-2 Fälle/Million Einwohner
  • lange Inkubationszeit – kurzer klinischer Verlauf – immer tödlicher Ausgang
  • CJK-Symptome: neurologisch-psychiatrische Krankheitsbilder, Demenz bis zum völligen geistigen Verfall
  • Faktoren, die das Überleben von Prionen fördern: metallische Oberflächen, widerstandsfähig gegen Hitze, Kälte und chemische Einwirkungen, pH-Wert < 10, unzureichende Hygiene
  • Ungünstige Lebensbedingungen für Prionen: pH-Wert über 10 (alkalischer Bereich)
  • bei Instrumenten, die mit prionenreichem Risikogewebe in Kontakt kommen können (Gehirn, Rückenmark, Dura mater, Hirnnerven, Hornhaut, hinterer Augenabschnitt, Netzhaut), sind spezielle Maßnahmen erforderlich, die aus einer Kombination aus Reinigung und Sterilisation bestehen:
    • Antrocknen von Blut verhindern
    • Reinigung auf alkalischem Niveau mit einer Einwirkzeit von mehr als 10 Minuten und einer Temperatur unter 55 °C
    • Anschließende Dampfsterilisation bei 134 °C für 18 Minuten
    • soweit möglich Einmalinstrumente verwenden
    • lückenlose Rückverfolgbarkeit sicherstellen

Eigenschaften von Erregern

Das Risiko, an einer Infektion zu erkranken, wird von verschiedenen Eigenschaften des Erregers bestimmt.

  • Infektiosität (Übertragbarkeit)
  • Pathogenität (Fähigkeit zur Krankheitserzeugung)
  • Virulenz (Giftigkeit, Aggressivität)
  • Kontagiosität (Ansteckungskraft)

pathogen: krankmachend
apathogen: nicht krankmachend

Nachweis von Mikroorganismen in der medizinischen Diagnostik

Der Nachweis von Mikroorganismen hilft dabei, die Ursache einer Infektion zu erkennen und eine passende Behandlung auszuwählen. Im mikrobiologischen Labor können Bakterien, Viren, Pilze und Parasiten nachgewiesen werden. Dafür werden beispielsweise Blut, Stuhl, Sputum, Rachen- und Wundabstriche, Liquor sowie Gewebe untersucht.

  • Kultur: die Probe wird auf einen geeigneten Nährboden gegeben. Sind vermehrungsfähige Mikroorganismen vorhanden, können sie dort wachsen und anschließend genauer bestimmt werden.
  • Antigennachweise: suchen nach bestimmten Bestandteilen eines Erregers.
  • Molekularbiologische Verfahren: weisen das Erbmaterial von Mikroorganismen nach.
  • Mikroskopie: die Probe wird unter dem Mikroskop betrachtet, um Mikroorganismen anhand ihrer Form, Größe und Färbung zu erkennen.

Wird ein krankmachendes Bakterium gefunden, kann zusätzlich geprüft werden, gegen welche Antibiotika es empfindlich oder resistent ist (Antibiogramm).

Aus der Praxis:
Die Pflegeassistenz gewinnt Proben (Blut, Stuhl, Sputum, Rachen- und Wundabstriche) nach Anordnung. Sie achtet dabei auf eine hygienische Arbeitsweise, die richtige Beschriftung und die rasche Weiterleitung. Verunreinigungen bei der Probenentnahme können das Ergebnis verfälschen.

Grundlagen der Infektionslehre

Infektion

Definition: Erreger dringen in den Körper ein und entwickeln oder vermehren sich. Das muss noch keine Erkrankung sein.

Eine Infektion wird häufig durch eine Kolonisation eingeleitet. Von einer Kolonisation spricht man, wenn Körperoberflächen (wie Haut oder Darm) durch pathogene oder apathogene Mikroorganismen besiedelt werden.

Beispiel:
Wenn Viren in den Körper eindringen, aber inaktiv bleiben, liegt eine Infektion vor, obwohl keine Krankheitszeichen bestehen. (z.B. Herpes)

Stumme Infektion
Infektion ohne Symptome

Formen von Infektionen nach ihrer Ausbreitung im Körper

Lokale Infektion
Infektion eines bestimmten Bereichs. In diesem Bereich siedeln und vermehren sich krankmachende Mikroorganismen. Die Gesamtheit dieser Erreger wird als Infektionsflora bezeichnet, beispielsweise bei einem Furunkel, einem Abszess oder einer infizierten Wunde.

Systemische Infektion
Infektion, die sich über den Blutweg im gesamten Körper ausbreitet

Formen von Infektionen nach nach ihrem Ursprung

endogene Infektion
entsteht durch Bakterien, die bereits im Körper vorhanden sind, jedoch normalerweise keine Infektion verursachen, z.B.: Darmbakterien, z.B. E. coli, führen zu einem Harnwegsinfekt

exogene Infektion
Krankheitserreger dringen von außen in den Körper ein und verursachen eine Infektion, z.B. Influenza

Formen von Infektionen nach zeitlicher Abfolge

Infektionen können in verschiedenen Formen auftreten, abhängig davon, wann sie den Körper betreffen.

  • Primärinfektion: Erstinfektion, also der erste Kontakt eines Organismus mit einem Krankheitserreger (z.B.: eine Person infiziert sich zum ersten Mal mit dem Grippevirus). Sie löst die initiale Immunreaktion aus und führt oft zur Ausbildung einer spezifischen Immunität (Gedächtniszellen).
  • Sekundärinfektion: Eine zusätzliche Infektion mit einem anderen Erreger, die nach einer Primärinfektion auftritt (z.B.: eine Person, die sich mit einem Grippevirus infiziert hat, entwickelt eine zusätzliche bakterielle Lungenentzündung)
  • Superinfektion / Suprainfektion: Eine erneute Infektion nach einer Primärinfektion mit demselben Erreger, während das Immunsystem noch geschwächt ist.

Infektionskrankheit

Bei einer Infektionskrankheit verursachen eingedrungene Erreger nach der Infektion eine Erkrankung.

HIV-Infektion

  • Humanes Immundefizienz-Virus
  • Retrovirus befällt das Immunsystem
  • Infektion durch Blut
  • Krankheit ist in diesem Stadium noch nicht ausgebrochen

AIDS

  • Acquired Immune Deficiency Syndrome (erworbene Abwehrschwäche)
  • das durch HIV verursachte Krankheitsstadium (Immunschwäche) mit Symptomen
  • Auftreten bestimmter Infektionen, Tumorerkrankungen oder anderer AIDS-definierender Erkrankungen

HIV: Infektion mit dem HIV-Virus
AIDS: Infektionskrankheit, Ausbruch der Erkrankung (mit Symptomen)

Schutzmaßnahmen in der Pflege:
Die Pflegeassistenz hat die Aufgabe, sich selbst und andere Patienten durch hygienische Maßnahmen vor Infektionen zu schützen. Eine HIV-Infektion allein erfordert jedoch weder eine Isolierung noch besonderes Geschirr, eigene Toiletten oder eine routinemäßige Verwendung von Handschuhen und Mund-Nasen-Schutz. HIV wird nicht durch Husten, Niesen, Berühren, Umarmen, Speichel, Schweiß, Tränen, Stuhl oder Harn übertragen. Die Schutzmaßnahmen sind exakt dieselben wie bei allen anderen PatientInnen auch (siehe „Schutzmaßnahmen der Pflegeassistenz“).

Hepatitis C

  • Hepatitis C wird hauptsächlich über Blut übertragen
  • Hepatitis-Viren
  • ist seit einigen Jahren durch antiviral wirkende Medikamente innerhalb von 8–12 Wochen vollständig ausheilbar
  • mehr als 95 Prozent der Fälle können geheilt werden
  • gegen Hepatitis C gibt es keine Schutzimpfung, nur gegen Hepatitis A und B
  • sowohl Hepatitis C als auch Hepatitis B gelten als Berufserkrankung des medizinischen Personals. In der Pflege gilt die Impfung als eine Schutzmaßnahme gegen Hepatitis B.

Die 5 klassischen Entzündungszeichen

Infektionen gehen oft mit einer Entzündung einher, deshalb wird in der Praxis oft auch von den „5 Infektionszeichen“ gesprochen.

Rubor: Rötung
Calor: Überwärmung
Dolor: Schmerzen
Functio laesa: Bewegungseinschränkung
Tumor: Schwellung

Die Stadien einer Infektionskrankheit

Eine Infektionskrankheit durchläuft verschiedene Stadien, die den Verlauf von der Ansteckung bis zum Auftreten spezifischer Symptome beschreiben.

  • Inkubationsstadium: Eindringen der Erreger und Vermehrung
  • Generalisationsstadium: Erreger verteilen sich über das Blut im ganzen Körper mit ersten Symptomen wie z.B. Fieber (Allgemeinsymptom).
  • Organmanifestationsstadium: Betroffene Organe zeigen spezifische Symptome (Kardinalsymptome).

Inkubationszeit: der Zeitraum von der Infektion (Eindringen der Erreger) bis zum Auftreten der ersten Symptome.

Arten von Symptomen bei Infektionskrankheiten

  • Allgemeinsymptome: unspezifische Symptome (z.B. Fieber)
  • Leitsymptome bzw. Kardinalsymptome: spezifische Symptome (zB Hautausschlag bei Masern)

Verlaufsformen von Infektionskrankheiten

Die Verlaufsformen geben Aufschluss darüber, wie schnell sich die Infektion im Körper ausbreitet.

fulminant: sehr plötzlich, heftig, schnell, mit hohem Fieber (Lebensgefahr)
akut: plötzlicher Beginn, ohne Lebensgefahr
subakut: zwischen akutem und chronischem Verlauf
chronisch: langsamer, schleichender Beginn mit subfebrilen (leicht erhöhten) Temperaturen, mäßig eingeschränktes Allgemeinbefinden

🫏 Eselsbrücke: Aseptik fördert sichere Chirurgie. 🫏

Resistenzen von Mikroorganismen

„Die Entstehung von Antibiotika­resistenzen kann nicht verhindert, sondern höchstens verlangsamt werden. Antibiotika­resistenzen nehmen weltweit zu. Sie sind eine der größten Heraus­forderungen für die globale Gesundheit dieser Zeit.“
Robert-Koch-Intitut

Antimikrobielle Arzneimittel wie Antibiotika, Virostatika und Antimykotika erzeugen einen Selektionsdruck: Empfindliche Mikroorganismen werden abgetötet oder in ihrem Wachstum gehemmt, während resistente Mikroorganismen überleben und sich vermehren können. Auf diese Weise nimmt der Anteil resistenter Mikroorganismen innerhalb einer Population zu. Resistenzen können sich dadurch zunehmend ausbreiten und die Wirksamkeit antimikrobieller Arzneimittel einschränken. Antibiotika verursachen Resistenzen nicht gezielt, ihr unnötiger oder unsachgemäßer Einsatz begünstigt jedoch die Auswahl resistenter Bakterien. Dazu gehören beispielsweise die Anwendung bei Virusinfektionen, die Wahl eines ungeeigneten Wirkstoffs oder die falsche Dosierung. Die unregelmäßige Einnahme, das Auslassen einzelner Dosen sowie das eigenmächtige vorzeitige Absetzen von Antibiotika können dazu führen, dass Bakterien nicht vollständig abgetötet werden und resistente Bakterien einen Überlebensvorteil erhalten. Es gehört daher zu den Aufgaben der Pflegeassistenz, darauf zu achten, mit antimikrobiellen Arzneimitteln richtig umzugehen.

Österreich verfolgt ausdrücklich das Ziel, Infektionen vorzubeugen und den Einsatz von Antibiotika zu reduzieren, um die Entstehung und Ausbreitung von Antibiotikaresistenzen zu verlangsamen. Die Pflegeassistenz leistet dazu einen wichtigen Beitrag. Durch konsequente Umsetzung der Hygienemaßnahmen, die korrekte Anwendung von Schutzmaßnahmen sowie die frühzeitige Beobachtung und Weitergabe möglicher Infektionszeichen hilft sie dabei, Infektionen und die Übertragung resistenter Erreger zu verhindern. Darüber hinaus unterstützt die Pflegeassistenz den sachgerechten Einsatz von Antibiotika. Sie verabreicht angeordnete Antibiotika korrekt und achtet darauf, dass sie ohne Unterbrechung, jeweils zum vorgesehenen Zeitpunkt, bis zum Ende der verordneten Behandlungsdauer eingenommen und nicht vorzeitig abgesetzt werden. Werden Infektionen verhindert, müssen weniger Antibiotika eingesetzt werden.

Die WHO fasst diesen Zusammenhang so zusammen

„Every infection prevented is an antibiotic avoided.“

WHO

Hospitalismuskeim / Nosokomiale Infektion

  • Hospitalismuskeime sind Krankheitserreger, die typischerweise in medizinischen Einrichtungen wie Krankenhäusern oder Arztpraxen vorkommen. Sie sind oft gegen verschiedene Antibiotika resistent, was ihre Behandlung erschwert (z.B. MRSA).
  • Nosokomiale Infektion bezeichnet eine Infektion, die in einer medizinischen Einrichtung erworben wurde. Oft sind nosokomiale Infektionen iatrogen.

Zusammengefasst: Der Unterschied zwischen Hospitalismuskeimen und nosokomialen Infektionen liegt darin, dass der erste Begriff die Erreger selbst beschreibt, während der zweite die Art und den Ort der Infektion betrifft: Hospitalismuskeime sind Erreger, die häufig in Krankenhäusern oder anderen medizinischen Einrichtungen vorkommen. Nosokomiale Infektionen sind infektiöse Erkrankungen, die in solchen Einrichtungen erworben werden

Häufigkeit und Verteilung von Nosokomialen Infektionen in verschiedenen Ländern und Gesundheitseinrichtungen
Nosokomiale Infektionen treten weltweit in Krankenhäusern, Langzeitpflegeeinrichtungen und anderen Einrichtungen der Gesundheitsversorgung auf. Weltweit sind jährlich Hunderte Millionen Menschen davon betroffen, etwa jede zehnte behandelte Person ist betroffen. Ihre Häufigkeit unterscheidet sich unter anderem nach Land und PatientInnengruppe sowie nach der Ausstattung und Umsetzung von Maßnahmen zur Infektionsprävention (und -kontrolle). Wirksame Hygiene- und IPC-Programme (Maßnahmen zur Infektionsprävention) können einen großen Teil dieser Infektionen verhindern.

Häufige Arten von Nosokomialen Infektionen
• Harnwegsinfektionen
• Wundinfektionen nach Operationen
• Lungenentzündungen
• Blutstrominfektionen, beispielsweise im Zusammenhang mit Gefäßkathetern bzw. Gefäßzugängen

Betroffene Personengruppen
• Gesundheits- und Betreuungspersonal
• ältere Menschen
• Neugeborene
• schwerkranke Personen
• Menschen mit geschwächtem Immunsystem

Risikofaktoren
• Krankenhausaufenthalt von mehr als sieben Tagen
• invasive Eingriffe
• Operationen
• zentralvenöse und liegende Harnkatheter
• Endotrachealtubus bzw. künstliche Beatmung
• längere Krankenhausaufenthalte
• geschwächte Immunabwehr
• Immunsuppression
• unzureichend eingehaltene Hygienemaßnahmen
• unzureichende Anwendung von Maßnahmen der Infektionsprävention und -kontrolle (IPC)

Folgen
• verlängerte Krankenhausaufenthalte
• zusätzliche Behandlungen notwendig
• bleibende gesundheitliche Schäden
• Todesfälle
• erhöhen die Kosten des Gesundheitssystems
• fördern Resistenzen

Nosokomiale Infektionen können für PatientInnen Schmerzen, Angst, längere Krankenhausaufenthalte und dauerhafte gesundheitliche Einschränkungen bedeuten. Auch die Familien werden durch Sorgen, zusätzliche Betreuung, Veränderungen des Alltags und finanzielle Kosten belastet.

Iatrogene Infektion

Durch medizinische Eingriffe, Therapien oder Handlungen des Arztes verursachte Krankheit (griech. „iatros“ = Arzt).

Der Unterschied zwischen iatrogener Infektion und nosokomialer Infektion: Eine nosokomiale Infektion ist eine Infektion, die idR im Krankenhaus erworben wird (= Hospitalismuskeim). Eine iatrogene Infektion ist eine Infektion, die durch eine ärztliche Behandlung auftritt.

Die korrekte Durchführung einer Hautdesinfektion an PatientInnen / BewohnerInnen

  1. Hygienische Händedesinfektion
  2. Schutzhandschuhe anziehen
  3. Hautdesinfektionsmittel aufsprühen oder mit Tupfer abreibend auftragen
  4. Einwirkzeit mind. 15 Sekunden (Herstellerangabe beachten)
  5. Einstichstelle muss trocken sein
  6. Einstichstelle mit Tupfer oder Pflaster abdecken

MRSA

Definition: Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus. Bakterienstämme, die gegen viele Antibiotika resistent sind. Sie setzen sich oft im Nasenvorhof, im Rachen, in den Achselhöhlen und in den Leisten an (siehe „Günstige Lebensbedingungen für Bakterien“). Ist ein klassischer Hospitalismuskeim.

MRSA verbreitet sich in erster Linie durch Kontaktinfektion (direkte Infektion). Die Infektiosität von MRSA bei gesunden Menschen ist sehr gering. Eine Übertragung ist zwar möglich, im Alltag aber meistens unproblematisch, solange keine offenen Wunden oder engen pflegerischen Kontakte bestehen. Auch bei pflegerischen Kontakten gilt jedoch: Gesunde Personen erkranken nur selten schwer, da ihr Immunsystem Infektionen gut abwehren kann. MRSA ist vor allem für Menschen gefährlich, deren Abwehrkräfte geschwächt sind, also in erster Linie PatientInnen in Krankenhäusern oder Pflegeeinrichtungen, da hier häufig offene Wunden, Katheter oder andere Zugänge in den Körper bestehen.

🫏 Eselsbrücke „Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus“:
Methicillin: Penicillin ist das bekannteste Antibiotikum.
Staphylococcus: MRSA stellt auch ein gewisses Risiko für das Personal („Staff“ – „Staph“) im Krankenhaus dar.

Eine Tröpfcheninfektion von MRSA ist im Alltag praktisch nicht relevant. In Krankenhäusern kann sie jedoch bei MRSA-Besiedlung der Atemwege vorkommen (Husten, Tracheostoma).

Meldepflichtige Infektionskrankheiten

Zu den meldepflichtigen Infektionskrankheiten gehören unter anderem:

  • Kinderkrankheiten wie Masern, Röteln, Scharlach, Keuchhusten und Kinderlähmung
  • Virushepatitiden wie Hepatitis A, B, C, D und E
  • durch Lebensmittel oder Wasser übertragene Infektionen wie Cholera, Typhus und Lebensmittelvergiftungen
  • Zoonosen wie Hundebandwurm, Fuchsbandwurm, Vogelgrippe, Tollwut, Milzbrand und Pest
  • Tropen- und Reisekrankheiten wie Gelbfieber und Malaria
  • Atemwegsinfektionen wie Tuberkulose, SARS, MERS und Legionärskrankheit
  • seltene Infektionskrankheiten wie Lepra und Pocken
  • Geschlechtskrankheiten wie AIDS, Syphilis, Tripper

🪢 🧩💡Erinnerungsknoten: Weitere Erkrankungen lt. geltenden Bundesgesetzen, s. Recht für die Pflegeassistenz.💡🧩 🪢

Grundlagen der Epidemiologie

Die Infektionskette

Die Infektionskette ist ein epidemiologisches Modell, das beschreibt, wie Infektionskrankheiten übertragen werden. Damit eine Infektion entstehen kann, müssen mehrere Schritte hintereinander ablaufen:

  1. Es gibt einen Infektionserreger.
  2. Der Infektionserreger befindet sich in einem Reservoir, also an einem Ort, an dem ein Krankheitserreger lebt, überlebt oder sich vermehrt (die Infektionsquelle).
  3. Der Erreger verlässt das Reservoir über eine Austrittspforte.
  4. Er wird über einen bestimmten Übertragungsweg / Infektionsweg weitergegeben.
  5. Über eine Eintrittspforte gelangt er in einen neuen Körper.
  6. Trifft der Erreger dort auf einen empfänglichen Wirt, kann eine Infektion entstehen.

Infektionserreger → Reservoir → Austrittspforte → Übertragungsweg → Eintrittspforte → empfänglicher Wirt

Das Modell der Infektionskette ist besonders aussagekräftig, wenn es aus der Perspektive des One-Health-Konzepts betrachtet wird. One Health erkennt an, dass die Gesundheit von Menschen, Tieren und Umwelt untrennbar miteinander verbunden ist. Um die Infektionskette wirksam zu unterbrechen, ist ein Eingreifen in die Schnittstellen dieser drei Bereiche erforderlich. Etwa 60 % aller bekannten menschlichen Infektionskrankheiten sind zoonotischen Ursprungs (Zoonosen). Viele Infektionskrankheiten werden durch Insekten übertragen (z.B. Malaria) und betreffen damit direkt die Schnittstelle zwischen Umwelt, Tier und Mensch.

Wenn Erreger zwar übertragen werden, aber nicht in den Körper eindringen können, entsteht keine Infektion. In der Wundlehre würde man von einer kontaminierten (verunreinigten) oder kolonisierten (Infektionsrisiko) Wunde sprechen.

1. Infektionserreger

Eine Infektion kann je nach Herkunft der Erreger endogen oder exogen entstehen.

Arten von Krankheitserregern

• Bakterien (und Sporen)
• Viren
• Pilze
• Protozoen und Helminthen (Parasiten)

🪢 🧩💡Erinnerungsknoten: Welche Mikroorganismen können die Ursache einer Pneumonie sein?💡🧩 🪢

2. Reservoir

Ein Ort, an dem Krankheitserreger überleben können.[11]

  • Mensch
  • Equipment
  • Wasser

Infektionsquellen

Infektionsquellen können ein Reservoir, ein Objekt oder eine Substanz sein.[12]

  • Boden 
  • Wasser 
  • Nahrungsmittel 
  • kontaminierte Gegenstände und Flächen
  • Sekrete
  • Exkrete
  • Blut
  • Tröpfchen

Dauerausscheider
Personen, die Erreger noch längere Zeit nach einer durchgemachten Krankheit ausscheiden (z.B. nach überstandener Typhuserkrankung noch bis zu 6 Monate).[12]

Keimträger
Personen, die Krankheitserreger beherbergen, ohne akut erkrankt zu sein. Sie waren entweder nie akut erkrankt oder haben eine asymptomatische Infektion durchgemacht und bleiben Träger des Erregers.

3. Austrittspforten

Austrittspforten können dieselben Körperstellen sein, die auch als Eintrittspforten dienen.

  • Sekrete
  • Exkrete
  • Tröpfchen
  • Hautkontakt

Sekrete
sind Flüssigkeiten, die von Drüsen oder Zellen gebildet und abgegeben werden. Sie erfüllen meist eine bestimmte Aufgabe im Körper.
z.B.: Speichel, Tränenflüssigkeit, Muttermilch, Sperma.
Alle Sekrete – mit Ausnahme von Schweiß – sind als potenziell infektiös zu betrachten.

Exkrete
sind Stoffe, die der Körper ausscheidet, weil er sie nicht mehr benötigt oder weil sie Abfallstoffe enthalten.
z.B. Urin, Stuhl, Erbrochenes.
Alle Exkrete sind als potenziell infektiös zu betrachten.

Blut gehört weder zu den Sekreten noch zu den Exkreten, sondern ist ein flüssiges Gewebe. Es ist als potenziell infektiös zu betrachten.

4. Übertragungsweg / Infektionsweg

Ein Infektionserreger kann auf unterschiedliche Weise von seinem natürlichen Reservoir auf einen empfänglichen Wirt übertragen werden.

Übertragung durch Blut

durch Geschlechtsverkehr, Verletzungen, Nadelstichverletzungen (= perkutane Infektion). Im Gesundheitswesen besteht die Hauptsorge in der Übertragung von HIV sowie Hepatitis B und C durch Verletzungen mit spitzen oder scharfen Gegenständen oder durch Blutspritzer.

Übertragung durch die Luft (aerogen)

Inhalation infektiöser Partikel, die länger in der Luft schweben und sich im Raum verteilen können, z.B. über Staub (= inhalative Infektion)

Tröpfchenübertragung

ebenfalls durch Inhalation. Verbreitung über kurze Entfernung direkt auf die Schleimhäute (z.B. Mund, Nase, Augen). Die Tröpfchenübertragung unterscheidet sich von der aerogenen Übertragung, dass die Partikel größer sind und deshalb nicht in der Luft schweben bleiben (= Tröpfcheninfektion). Die Verbreitung erfolgt daher durch engen Kontakt mit infizierten Personen, die niesen, husten oder sprechen beziehungsweise bei denen Eingriffe an den Atemwegen wie eine Intubation oder Bronchoskopie durchgeführt werden.

Kontaktübertragung

durch direkten oder indirekten Kontakt
Direkter Kontakt: Übertragung durch direkten Kontakt, z.B. beim Händeschütteln (= Kontaktinfektion)
Indirekter Kontakt: Übertragung über unbelebte Gegenstände wie z.B. Türklinken (= Schmierinfektion)

Übertragung über gemeinsame Übertragungsmedien

z.B. durch Lebensmittel, Wasser, Arzneimittel, Blut, Sekrete, Exkrete (z.b. fäkal-orale Infektion)

Vektorielle Übertragung

durch Vektoren wie Stechmücken und Zecken; auch Kakerlaken, Ameisen und Fliegen können Infektionen übertragen (= vektorielle Infektion)

Für das klinische Umfeld sind vor allem die Kontakt-, Tröpfchen- und aerogene Übertragung von Bedeutung.

Der Unterschied zwischen direkter und indirekter Infektion

Direkte Infektion: Infektion von Wirt zu Wirt ohne Zwischenstation. (= Kontaktinfektion)
Indirekte Infektion: Infektion über kontaminierte Gegenstände (wie Türgriffe), mit denen zuvor der erkrankte Wirt in Kontakt gekommen ist, durch Nahrungsmittel (z.B. Salmonellen) oder durch Vektoren (z.B. Insekten) (= z.B. Schmierinfektion & vektorbezogene Infektion)

Zusatzinfo: Auch endogene Infektionen sind direkte Infektionen.

5. Eintrittspforten

Eintritts- und Austrittspforten sind erforderlich, damit Erreger aus Infektionsquellen übertragen werden können. Im Gesundheitswesen gehören hier speziell intravenöse Zugänge, Harnkatheter, Wunden und Medizinprodukte dazu.

  • verletzte Haut | perkutane Infektion, parenterale Infektion
  • Schleimhaut | permuköse Infektion, genitale Infektion
  • Magen-Darm-Trakt | enterale Infektion
  • Atemwege | inhalative Infektion
  • Harnwege | genitale Infektion, urogenitale Infektion

Arten von Infektionen nach Eintrittspforte

  • perkutane Infektion: durch eine Verletzung der Haut (z.B. Malaria, FSME, Tetanus, Nadelstichverletzung)
  • parenterale Infektion: den Verdauungstrakt umgehend und daher direkt ins Blut (z.B. Bluttransfusion)
  • permuköse Infektion: über die Schleimhäute (z.B. Gonorrhoe/Tripper)
  • enterale Infektion: über den Verdauungstrakt (oral z.B. durch Nahrungsaufnahme)
  • inhalative Infektion: über die Atemwege (z.B. Corona)
  • genitale Infektion: über die Geschlechtsorgane (z.B. HIV)
  • urogenitale Infektion: über den Harntrakt (z.B. Harnwegsinfektion, endogene Infektion)

Eine weitere Form der Infektion ist die intrauterine Infektion. Sie lässt sich keiner der fünf genannten Eintrittspforten eindeutig zuordnen. Sie ist eine besondere Form der vertikalen Übertragung von der Mutter auf das ungeborene Kind (z.B. HIV).

6. Empfänglichkeit des Wirts

  • Neugeborene
  • DiabetikerInnen
  • Immunsuppression
  • Kardiopulmonale Erkrankungen
  • Ältere Menschen

Individuelle Krankheitsbereitschaft einer Person für einen bestimmten Erreger. Dabei spielen Alter, Gesundheitszustand, Grundleiden eine besondere Rolle. Multimorbide oder immunsupprimierte PatientInnen sind im Krankenhaus besonders empfänglich für Infektionen. Der Empfänglichkeit stehen die Resistenz (grundsätzliche Unempfänglichkeit) und die Immunität (erworbene Nichtempfänglichkeit nach Erkrankung oder nach aktiver Immunisierung) gegenüber.

Gesundheitsbezogene Kennzahlen

  • Morbidität: Erkrankungshäufigkeit einer Bevölkerung
    z.B.: Die Morbidität von Diabetes in einer Population gibt an, wie viele Menschen in dieser Gruppe an Diabetes erkranken.
  • Mortalität: Sterblichkeit einer Bevölkerung an einer bestimmten Erkrankung
    z.B.: Die Mortalität von Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Deutschland gibt an, wie viele Menschen jährlich daran sterben.
  • Letalität: Todesfälle in Bezug auf die Anzahl der Erkrankten
    z.B.: Die Letalität von Tollwut ist extrem hoch, da fast alle unbehandelten Fälle tödlich verlaufen.
  • Prävalenz: Rate der bereits Erkrankten
    z.B.: „In Österreich leiden aktuell rund 8 % der erwachsenen Bevölkerung an einer Depression.“ Diese Angabe beschreibt, wie viele Menschen in einer bestimmten Bevölkerungsgruppe zu einem bestimmten Zeitpunkt von der Erkrankung betroffen sind.
  • Inzidenz: Rate der Neuerkrankungen in einem Zeitraum
    z.B. „Im Jahr 2024 wurden in Österreich 15.000 neue Fälle von Typ-2-Diabetes diagnostiziert.“ Diese Angabe zeigt, wie viele neue Erkrankungen in einem bestimmten Zeitraum (hier: ein Jahr) in einer definierten Bevölkerung aufgetreten sind.

Ausbreitung von Infektionskrankheiten: Epidemie, Endemie, Pandemie

Endemie
dauerhaftes Vorkommen in einer bestimmten Region (z.B. Malaria in Teilen Afrikas)

Epidemie
massenhaftes Auftreten einer Krankheit in einer bestimmten Region (z.B.: Masernausbruch in einer österreichischen Region 2019)

Pandemie
weltweiter Ausbruch einer Krankheit (z.B.: COVID-19-Pandemie)

Hygiene

Definition: “Hygiene bezeichnet Bedingungen und Praktiken, die dazu beitragen, die Gesundheit zu erhalten und die Ausbreitung von Krankheiten zu verhindern.“ WHO

Die Ziele der Hygiene

Die Ziele der Hygiene laut WHO:

  • Gesundheit erhalten / Krankheit vorbeugen
  • Entstehung und Ausbreitung von Krankheiten verhindern

Die Teilbereiche der Hygiene

Hygiene umfasst verschiedene Bereiche:

  • Krankenhaushygiene / Arbeitshygiene
  • Persönliche Hygiene
  • Umwelthygiene
  • Wasserhygiene
  • Lebensmittelhygiene
  • Sozialhygiene
  • Epidemiologie
  • Psychohygiene

Krankenhaushygiene
alle Maßnahmen zur Verhütung und Kontrolle von Infektionen in Krankenhäusern und anderen Gesundheitseinrichtungen.

Persönliche Hygiene (Individualhygiene)
alle Maßnahmen der Körperpflege, die geeignet sind, um die eigene Gesundheit zu erhalten und Krankheiten vorzubeugen.

Arbeitshygiene
alle Maßnahmen, die geeignet sind, um gesundheitsschädliche Einflüsse am Arbeitsplatz zu erkennen, zu vermeiden oder zu verringern.

Umwelthygiene
befasst sich mit den Auswirkungen von Luft, Boden, Wasser, Abfällen und anderen Umweltfaktoren auf die menschliche Gesundheit.

Wasserhygiene
alle Maßnahmen, die eine gesundheitlich unbedenkliche Qualität von Trink-, Bade- und Nutzwasser sicherstellen.

Lebensmittelhygiene
alle Maßnahmen, die eine Verunreinigung von Lebensmitteln verhindern und ihre gesundheitliche Unbedenklichkeit gewährleisten.

Sozialhygiene
befasst sich mit dem Einfluss sozialer Lebensbedingungen auf die Gesundheit und entwickelt Maßnahmen zur Verbesserung der Gesundheit der Bevölkerung.

Epidemiologie
befasst sich mit der Häufigkeit, Verteilung und Ursachen von Krankheiten in Bevölkerungsgruppen.

Psychohygiene
alle Maßnahmen, die der Erhaltung und Förderung der psychischen Gesundheit dienen.

Krankenhaushygiene

Die Infektionsprävention ist durch die WHO weltweit organisiert. Die gebräuchliche Abkürzung für IPC ist Infection Prevention and Control. Internationale Leitlinien verwenden die englische Bezeichnung, damit Fachpersonen aus unterschiedlichen Ländern die Inhalte verstehen können.

IPC: infection prevention and control

Das Ziel der IPC ist, PatientInnen und Beschäftigte im Gesundheitswesen vor gesundheitssystem-assoziierten (nosokomialen) Infektionen (HAI) zu schützen. 

HAI – healthcare-associated infections

In Österreich beruht die Krankenhaushygiene (IPC) auf gesetzlichen Vorgaben und einrichtungsbezogenen Regelungen. Empfehlungen der WHO, des ECDC, der ÖGKH und des Bundesministeriums für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz (BMASGPK) dienen als fachliche Orientierung.

Erste Anlaufstelle, wenn es darum geht, geltende Regelungen im Gesundheitsbereich herauszufinden, sind die einschlägigen Bundes- und Landesgesetze sowie die dazugehörigen Verordnungen. Für die konkrete praktische Umsetzung sind die internen Vorgaben der jeweiligen Einrichtung maßgeblich, zum Beispiel Hygienepläne, Richtlinien, Standards und Arbeitsanweisungen. Empfehlungen der WHO, des ECDC und von Fachgesellschaften dienen als fachliche Orientierung, sind jedoch nicht automatisch rechtlich verbindlich. Eine wichtige rechtliche Grundlage für die Überwachung, Verhütung und Bekämpfung übertragbarer Krankheiten ist das Epidemiegesetz 1950 (EpiG).

Aufgrund der engen fachlichen Zusammenarbeit mit Deutschland ist in Österreich neben dem Begriff „Krankenhaushygiene“ auch die deutsche Bezeichnung für IPC – „Infektionsprävention und -kontrolle“ – gebräuchlich.

Unterschied Hygiene – Krankenhaushygiene:
Hygiene: ist ein allgemeiner Begriff; Ziele sind allgemein gehalten
Krankenhaushygiene: bezieht sich konkret auf Akut- und Langzeiteinrichtungen, beinhaltet konkrete Ziele, Anforderungen sind genau festgelegt und werden streng kontrolliert

Kontrolle der Krankenhaushygiene

Die Krankenhaushygiene wird in Österreich streng kontrolliert, und das auf mehreren Ebenen:

1. Interne Kontrolle durch das Hygieneteam

Jede bettenführende Krankenanstalt muss ein Hygieneteam haben. Dieses erstellt den Hygieneplan und kontrolliert, ob die darin festgelegten Maßnahmen eingehalten werden. Dazu gehören regelmäßige Begehungen (Hygieneaudits), bei denen überprüft wird, ob bei den Arbeitsabläufen die Vorgaben zur Händehygiene, Reinigung, Desinfektion und Sterilisation eingehalten werden.

2. Überwachung von Krankenhausinfektionen

Das Auftreten von nosokomialen Infektionen wird durch eine Surveillance fortlaufend erfasst und ausgewertet. Auffällige Häufungen können dadurch erkannt und entsprechende Schutzmaßnahmen eingeleitet werden. Die Krankenanstalten stellen dem zuständigen Bundesministerium hierzu  jährlich anonymisierte Daten zur Verfügung.

Surveillance: fortlaufende, systematische Beobachtung, Erfassung und Auswertung von Gesundheitsdaten.

Ein Beispiel für Surveillance ist das österreichische Überwachungssystem ANISS, dessen wissenschaftliche Leitung der Medizinischen Universität Wien obliegt. Von ANISS werden die Daten zu postoperativen Wundinfektionen in Österreich erfasst. Die Daten werden an der Medizinischen Universität Wien zusammengeführt und ausgewertet. Aus den Ergebnissen werden österreichische Referenzdaten für bestimmte Operationen erstellt. Krankenanstalten können dadurch ihre eigenen Infektionszahlen mit den österreichischen Vergleichswerten vergleichen, auffällige Abweichungen erkennen und bei Bedarf ihre Hygiene- und Arbeitsabläufe verbessern.

3. Technisch-hygienische Kontrollen

Auch technische Anlagen und Geräte wie beispielsweise Wasseranlagen, Lüftungsanlagen sowie Geräte zur Reinigung, Desinfektion und Sterilisation von Medizinprodukten werden überprüft.

4. Kontrolle durch die Gesundheitsbehörde

Die externe Kontrolle erfolgt im Rahmen der sanitären Aufsicht durch die Bezirksverwaltungsbehörden unter Beiziehung von AmtsärztInnen. Die Kontrollorgane dürfen die Krankenanstalt betreten und Einsicht in Unterlagen nehmen, die den Betrieb betreffen. Werden Verstöße gegen sanitäre Vorschriften festgestellt, kann die Behörde die Beseitigung der Missstände anordnen.

Aus der Lernpraxis: Wenn Sie nach Quellen zu einem bestimmten Thema aus dem Themenkreis Krankenhaushygiene suchen, werden Sie auch auf Seiten aus Deutschland stoßen. Quellen, die Sie auch in Österreich verwenden können, kommen von der KRINKO (Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention) vom RKI (Robert Koch-Institut).

Fachsozialbetreuung: Hygieneplan für Einrichtungen der Tagesstruktur oder des vollbetreuten Wohnens

In Österreich müssen auch Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen hygienische Anforderungen einhalten. Sie sind jedoch nicht automatisch verpflichtet, sämtliche Krankenhaushygiene- oder IPC-Richtlinien unverändert anzuwenden. Bei Tagesstätten, Werkstätten und Wohngruppen ist die Hygiene eher mit betrieblicher Hygiene und Arbeitnehmerschutz vergleichbar als mit der umfassenden Krankenhaushygiene. Die konkreten Vorgaben richten sich nach dem Bundesland.

Ein Beispiel enthält das Chancengleichheitsgesetz Wien. Die Regelung gilt ausdrücklich für Einrichtungen der Tagesstruktur und des vollbetreuten Wohnens.

In § 32 heißt es:

„Die Behörde hat im Rahmen der Aufsicht regelmäßig zu prüfen, ob die Ausstattung der Einrichtung den […] hygienischen […] Erfordernissen […] entspricht.“

Die Erstellung eines Dokuments mit der Bezeichnung “Hygieneplan” wie in Krankenhäusern oder Altenpflegeheimen ist in Einrichtungen der Tagesstruktur und des vollbetreuten Wohnens nicht verpflichtend. Die notwendigen Hygienemaßnahmen können in einem einrichtungsbezogenen Hygieneplan, einem Reinigungs- und Desinfektionsplan oder in internen Arbeitsanweisungen festgelegt werden. Die zuständige Behörde kann dazu konkrete Auflagen erteilen und deren Einhaltung regelmäßig kontrollieren.

Hygienemaßnahmen in Gesundheitseinrichtungen

Zu den Hygienemaßnahmen in Gesundheitseinrichtungen gehören:

  • Händehygiene
  • Atemwegshygiene
  • Sichere Injektionspraktiken
  • Bekleidungsvorschriften
  • persönliche Schutzausrüstung
  • Reinigung und Desinfektion der Umgebung
  • Umgang mit Wäsche
  • Entsorgung von Abfällen aus Gesundheitseinrichtungen
  • Dekontamination und Sterilisation medizinischer Instrumente
  • Isolierung/Quarantäne
  • Gesundheitsuntersuchungen von Beschäftigten im Gesundheitswesen vor der Einstellung und in regelmäßigen Abständen, Impfungen und arbeitsmedizinische Betreuung
  • Screening und Prävention multiresistenter Mikroorganismen sowie anderer für die Infektionsprävention und -kontrolle relevanter Krankheitserreger
  • Vorbereitung auf Ausbrüche sowie deren Erkennung, Untersuchung und Bewältigung

🔴 Podcast: Krankenhaushygiene – Vorbeugung und Schutz | Klinikum Lüneburg | youtube

Der Hygieneplan

Ein Hygieneplan ist ein schriftliches, auf die jeweilige Einrichtung abgestimmtes Qualitätshandbuch. Darin wird festgelegt, welche Hygienemaßnahmen durchgeführt werden müssen, um Infektionen zu erkennen, zu verhindern und zu bekämpfen und dadurch BewohnerInnen, MitarbeiterInnen und andere Personen zu schützen. Er gilt für alle in der Einrichtung tätigen Personen.

Ein Hygieneplan enthält beispielsweise:

  • hygienische Standards für pflegerische Tätigkeiten,
  • Vorgaben zur Händehygiene und persönlichen Schutzausrüstung,
  • einen Reinigungs- und Desinfektionsplan,
  • Regeln zur Aufbereitung von Pflegehilfsmitteln und Medizinprodukten,
  • Vorgaben zur Wasser-, Wäsche-, Lebensmittel- und Abfallhygiene,
  • Zuständigkeiten und Kontrollmaßnahmen,
  • Maßnahmen beim Auftreten übertragbarer Erkrankungen.

Aus der Praxis: Die Pflegeassistenz findet im Hygieneplan beispielsweise die geltenden Standards zur Aufbereitung von Blutdruckmessgeräten, Pulsoxymetern, Duschhockern und Badewannen. Im Hygieneplan ist ebenso nachzulesen, welche Hygienemaßnahmen bezüglich des Pflegewagens und des Medikamentenkühlschranks gelten. Darüber hinaus enthält das Dokument Vorgaben zur Händehygiene, zum Handschuhwechsel, zum Umgang mit Ausscheidungen, zur Flächendesinfektion sowie zur Wäsche- und Abfallhygiene und zur erforderlichen Dokumentation. Alle MitarbeiterInnen müssen nachweislich über die Standards des Hygieneplans unterwiesen werden. Von ihnen wird verlangt, dass sie den Hygieneplan kennen und ihre Arbeit nach den darin festgelegten Vorgaben durchführen.

Hygienische Grundsätze beim Bettenmachen in Langzeit- und Akuteinrichtungen

  1. Keimverschleppung vermeiden
  2. Eigenschutz beachten
  3. hausinterne SOPs berücksichtigen

1. Keimverschleppung vermeiden
• Hände desinfizieren
• Schmuck entfernen
• Brusttascheninhalt entfernen
• Ablagefläche für Polster und Decken vorbereiten
• saubere und verschmutzte Wäsche getrennt halten
• saubere Wäsche soll nicht den Boden berühren
• verschmutzte Wäsche sofort in den Abwurf
• Ablageflächen desinfizieren
• Decke und Polster nicht stark aufschütteln

2. Eigenschutz beachten
• ggf. Schutzmantel anziehen

3. hausinterne SOPs berücksichtigen

Persönliche Hygiene in Gesundheitseinrichtungen

Bekleidung

Die persönliche Hygiene im Gesundheitsbereich betrifft folgende Bereiche:

persönliche Hygiene
Abb. 2: persönliche Hygiene im Krankenhaus

Haare
– zusammenbinden
– Schutzhaube muss sämtliche Kopfhaare bedecken

Gesicht
– Schutzbrille
– Schutzmaske

Körper
– Dienstkleidung nur am Arbeitsplatz tragen
– Wechsel täglich & sofort bei sichtbarer Verschmutzung
– zu Hause waschen verboten
– Schutzkleidung: Schutzmantel, Schürze
– nicht arbeitsbeeinträchtigende Kettchen dürfen getragen werden
– OP-Bereich: keinerlei sichtbarer Schmuck
– Tattoo, Piercings, kein Problem, sofern nicht infiziert, bei frischen Piercings oder Tattoos sowie Infektionen: Schutzmaßnahmen (Verband).

Hände
– kein Handschmuck
– persönliche Schutzausrüstung: Einmalhandschuhe

Haut
– sauber und gepflegt (vor Austrocknung bewahren)
– bei Verletzungen besondere Schutzmaßnahmen (Eintrittspforte für Erreger; Pflaster, Verband, Schutzhandschuhe)

Fingernägel
– kurz
– sauber
– keine künstlichen Fingernägel
– kein Nagellack

Füße
– Dienstschuhe: rutschfest und sicher (guter Halt, keine hohen Absätze), leicht zu reinigen (keine Wildleder-, Filz- und Stoffschuhe)
regelmäßige Reinigung (etwa wöchentlich) und bei sichtbarer Verschmutzung

Persönliche Schutzausrüstung

Im Gesundheitsbereich stehen folgende Maßnahmen zum persönlichen Schutz zur Verfügung:

– Schutzbrille
– Schutzhandschuhe
– Schutzmantel
– Schutzschürze
– Mund-Nasen-Schutz
– Haube
– Bereichskleidung

🫏 Eselsbrücke: S, S, S, S, M, H, B  🫏

Der Schutzmantel wird immer dann angezogen, wenn…

…mit potenziell infektiösen Sekreten, Exkreten oder Blut gearbeitet wird

z.B.:
– Duschen
– Wechsel von Inkontinenzmaterialien
– Instrumentenaufbereitung
– Flächendesinfektion
– Umgang mit Desinfektionsmittelkonzentraten (hautreizend, schädigt die Kleidung)

Händehygiene

Residente Hautflora

= physiologische Hautflora mit nützlichen Keimen.

Die residente Hautflora besteht aus Mikroorganismen, die dauerhaft auf der Haut leben und normalerweise nicht krank machen. Einige dieser Mikroorganismen schützen die Haut vor krankmachenden Erregern. Ist die Haut verletzt oder wird ihre Schutzbarriere durchbrochen, können auch nützliche Keime ins Körperinnere gelangen und dort (endogene) Infektionen auslösen. Die residente Hautflora ist dauerhaft vorhanden und durch Desinfektionsmaßnahmen nicht vollständig entfernbar.

Transiente Hautflora

= Hautflora, auf der sich vorübergehend Kontaktkeime ansiedeln.

Pflegepersonen kommen im Pflegealltag fortlaufend mit potenziell infektiösem Material in Kontakt. Bei jedem Kontakt findet ein wechselseitiger Austausch von Mikroorganismen statt. Dadurch verändert sich die transiente Hautflora an den Händen ständig. Im Krankenhaus können sich Mikroorganismen auf diese Weise innerhalb weniger Stunden ausbreiten.

Die transiente Hautflora stellt die Hauptursache nosokomialer Infektionen dar, ist jedoch durch eine hygienische Händedesinfektion weitgehend beseitigbar.

Die 5 Momente des Händewaschens

Händewaschen ist in der Pflege wichtig; zu häufiges Händewaschen jedoch die Hautbarriere schwächen und das Infektionsrisiko erhöhen. Daher sollten Händewaschungen auf das notwendige Minimum reduziert werden.

– VOR Arbeitsbeginn
– NACH Arbeitsende
– BEI SICHTBARER Verschmutzung OHNE gleichzeitige Infektionsgefahr
– VOR dem Essen
– NACH der Toilette

Wenn die Hände sichtbar verschmutzt sind und gleichzeitig eine Infektionsgefahr besteht: Hände waschen & desinfizieren

Hygienische Händedesinfektion

Die hygienische Händedesinfektion ist die wirksamste Maßnahme zur Unterbrechung von Infektionsketten. Zusätzlich dient sie dem Selbstschutz.

Die 5 Momente der Händedesinfektion

Die „5 Momente der Desinfektion“ dienen als Leitfaden, um sicherzustellen, dass die Hygiene in kritischen Situationen eingehalten wird: 

– VOR Patientenkontakt
– NACH Patientenkontakt
– VOR aseptischen Tätigkeiten
– NACH Kontakt mit der direkten Umgebung der PatientIn
– NACH Kontakt mit potenziell infektiösem Material

Zusätzlich wird zum Eigenschutz empfohlen: vor dem Essen, nach dem Ausziehen von Schutzhandschuhen, nach Niesen, Husten, Naseputzen, nach dem Toilettengang

Bild: WHO, 5 Moments of Hand Hygiene

Den Desinfektionsspender bedienen

nur mit dem Ellenbogen

Die 6 Schritte der hygienischen Händedesinfektion

lt. WHO

1. Handflächen und Handgelenke
2. Handrücken
3. Zwischen den Fingern
4. Außenseiten der Finger
5. Daumen in der geschlossenen Faust
6. Fingerkuppen in der gegenüberliegenden Handfläche

Hygienische Händedesinfektion: Regeln

  • Desinfektion nur auf sauberen, trockenen Händen durchführen (nie auf nassen Händen, weil dadurch eine Verdünnung des Desinfektionsmittels entsteht)
  • 3 ml Desinfektionsmittel (ca. 3 Hübe) verwenden, Hände 30 Sekunden feucht halten (bei schneller Austrocknung noch 1 Extra-Hub
  • Handgelenke mit desinfizieren!
  • Daumen, Fingerkuppen und Fingerzwischenräume besonders beachten!

Einmalhandschuhe sind zu tragen bei…

Nicht-sterile Handschuhe dienen in erster Linie dem Selbstschutz; sterile Handschuhe sowohl dem Selbst- als auch dem Fremdschutz.

– bei Kontakt mit Körperflüssigkeiten und Gegenständen, die sichtbar mit Körperflüssigkeiten kontaminiert sind
– bei direktem Kontakt mit PatientInnen (Ausnahmen: Blutdruck messen, Essen reichen, bei intakter Haut)
– beim Umgang mit potenziell infektiösen Material

Bei Verletzungen an Händen und Unterarmen sollten ebenfalls Schutzhandschuhe getragen werden.

Die Pflegeassistenz trägt sterile Handschuhe bei

  • Absaugen aus einem frischen Tracheostoma (abgeheiltes Tracheostoma: saubere unsterile Einmalhandschuhe bei konsequenter Non-Touch-Technik möglich)

Das Tragen von Handschuhen ist nicht indiziert beim…

  • Blutdruck messen
  • Temperatur und Puls messen
  • Umgang mit der Patientenakte
  • Augen und Ohren versorgen (sofern keine Sekrete vorhanden sind)
  • wenn ein Kontakt mit Körperflüssigkeiten nicht zu erwarten ist

Unnötiger Handschuhgebrauch ist eine Verschwendung von Ressourcen.

Diese Situationen machen einen Handschuhwechsel unbedingt erforderlich

– Wechsel zwischen PatientInnen bzw. Arbeitsplätzen
– Wechsel zwischen unreinen und reinen Tätigkeiten beim gleichen Patienten (z.B. Verbandswechsel)
– sichtbare Beschädigung der Handschuhe
– Kontamination mit Körperflüssigkeiten

Desinfektion von Handschuhen

Desinfektion von Handschuhen ist nicht zulässig, außer wenn der Handschuhwechsel den Arbeitsfluss unterbrechen würde. In diesem Fall müssen folgende Punkte zutreffen (Robert-Koch-Institut)

• chemikalienbeständiger Handschuh (nicht jeder Einmalhandschuh ist automatisch für jedes Reinigungs- oder Desinfektionsmittel geprüft)
• es wird an ein- und demselben Patienten weitergearbeitet
• keine sichtbare Perforation oder Kontamination des Handschuhs

Zwischendesinfektion

ist bei jedem Handschuhwechsel durchzuführen

Schutzmaßnahmen der Pflegeassistenz

PflegesituationErforderliche Schutzmaßnahme
Mobilisation, Essen reichen, Blutdruck messen, Körperkontakt bei intakter Hautkeine Handschuhe, kein Mund-Nasen-Schutz, Händehygiene (außer bei infektiösen PatientInnen bzw. nicht intakter Haut)
Erwarteter Kontakt mit Blut, blutigem Sekret, Schleimhäuten oder nicht intakter HautEinmalhandschuhe
Gefahr einer Verunreinigung der ArbeitskleidungSchutzkittel oder Schutzschürze
Gefahr von Spritzern in Augen, Nase oder MundMund-Nasen-Schutz und Schutzbrille bzw. Gesichtsschutz
Blutabnahme, Injektion oder Umgang mit scharfen GegenständenSichere Arbeitsweise, Nadeln nicht wieder in die Schutzkappe stecken, unmittelbar in stichfester Kanülenbox entsorgen
Kontakt mit kontaminierten Instrumenten oder Flächenvorgeschriebene Reinigung lt. Hygieneplan, Desinfektion und Aufbereitung nach Hygieneplan
Nach dem Ausziehen von HandschuhenHändedesinfektion

Quelle dieser Auflistung ist die WHO-Handschuhpyramide.

Reinigung und Desinfektion der Umgebung

Reinigung / Desinfektion

Reinigung
Schmutz, Blut, Lebensmittelreste werden entfernt mit dem Ziel der optischen Sauberkeit (und zur Verhinderung eines Eiweißfehlers)

Desinfektion
reduziert die Anzahl pathogener Mikroorganismen auf ein ungefährliches Niveau mit dem Ziel der Verhinderung von Infektionen (auf Haut und Oberflächen angewendet)

Chemische, thermische und chemothermische Desinfektion

Chemische Desinfektion
Abtötung bzw. Verringerung der Anzahl von pathogenen Mikroorganismen mittels chemischer Verfahren (z.B. Alkohol)

Thermische Desinfektion
Abtötung bzw. Verringerung der Anzahl von pathogenen Mikroorganismen durch Hitze.

Chemothermische Desinfektion
Abtötung bzw. Verringerung der Anzahl von pathogenen Mikroorganismen mittels einer Kombination aus chemischen (z.B. Alkohol) und thermischen Verfahren (z.B. Hitze).

„Der thermischen Desinfektion in Reinigungs-Desinfektionsgeräten ist der Vorrang vor chemischen oder chemothermischen Verfahren zu geben.“
Robert-Koch-Institut

Das ist beim Umgang mit Desinfektionsmitteln zu beachten

• Einwirkzeit lt. Hersteller (z. B. 15, 30 Sekunden …)
• richtiges Desinfektionsmittel wählen (Händedesinfektion, Schleimhautdesinfektion, Oberflächendesinfektion)
• Desinfektionsflasche nicht offenlassen
• Hautpflege bei oftmaligem Desinfizieren der Hände (wie in Gesundheitsberufen üblich)
• Handschuhe bei Reinigungsarbeiten tragen

7 Arten von Desinfektionsmitteln nach Anwendungsgebiet

Antiseptika:

  • Hautantiseptika
  • Schleimhautantiseptika
  • Händeantiseptika
  • Wundantiseptika

Desinfektionsmittel:

  • Flächendesinfektionsmittel
  • Instrumentendesinfektionsmittel
  • Wäschedesinfektionsmittel

Bei der Anwendung auf Haut und Schleimhäuten spricht man fachsprachlich von Antiseptik.

Eiweißfehler

Bei einer Verschmutzung mit eiweißhaltigen Stoffen (z. B. Blut, Eiter, Sekrete) kann bei der Desinfektion ein Eiweißfehler auftreten. Die Wirkung des Desinfektionsmittels verbraucht sich dann mit den Eiweißbestandteilen anstatt mit den Erregern. Eiweißreste binden das Desinfektionsmittel und neutralisieren seine Wirksamkeit. Deshalb müssen Oberflächen und stark verschmutzte Haut zuerst gereinigt – und erst dann desinfiziert werden. Es gibt auch Mittel, die keinen oder nur einen geringen Eiweißfehler haben, dennoch ist das Reinigen vor der Desinfektion die Methode der Wahl, um einen solchen zu vermeiden.

Die korrekte Durchführung einer Oberflächendesinfektion

  1. Flächenreinigung in regelmäßigen Abständen durchführen
  2. Reinigung dient auch dem Werterhalt
  3. Ziel ist die Abtötung pathogener Mikroorganismen bzw. deren Reduktion auf ein ungefährliches Niveau
  4. Handschuhe tragen
  5. zuerst reinigen, dann desinfizieren
  6. Desinfektion ersetzt nicht die Reinigung (Desinfektionsmittel wirken schlechter, wenn die Oberfläche stark verschmutzt ist – Eiweißfehler)

Die 3 Anlassfälle der Flächendesinfektion

  • Routinemäßige Desinfektion: zur standardisierten Qualitätssicherung, Flächen in patientennahen Bereichen und in medizinisch genutzten Räumen, die Frequenzen werden im Reinigungs‐ und Desinfektionsplan festgelegt
  • Gezielte Desinfektion: bei sichtbarer oder vermuteter Kontamination mit potentiell infektiösem Material (Blut, Speichel, Stuhl, Urin, Sputum, Trachealsekret etc.)
  • Abschlussdesinfektion: anlassgegeben nach Entlassung/Verlegung, R/D aller Oberflächen einschließlich des Bodens und des Sanitärbereiches

Desinfektion: Ein Wischtuch – eine Richtung – eine Oberfläche

Desinfektion erfordert eine systematische Arbeitsweise.

Ein Wischtuch
Für eine festgelegte Fläche wird ein sauberes Wischtuch verwendet. Ist das Tuch verschmutzt, trocken oder für den vorgesehenen Bereich vollständig benutzt, wird es gewechselt und nicht erneut in die Reinigungslösung eingetaucht.

Eine Richtung
Die Fläche wird in gleichmäßigen, überlappenden Bahnen nur in eine Richtung gewischt. Kreisende Bewegungen sowie ein wiederholtes Hin- und Herwischen sollen vermieden werden, weil dabei bereits aufgenommene Verunreinigungen erneut auf der Fläche verteilt werden können.

Eine Oberfläche
Nach der Bearbeitung einer festgelegten Oberfläche wird das Tuch gewechselt beziehungsweise eine noch unbenutzte Tuchseite verwendet – entsprechend dem Hygieneplan der Einrichtung. Ein bereits für eine verunreinigte Fläche verwendetes Tuch darf nicht anschließend auf einer sauberen Fläche eingesetzt werden.

Besonders häufig berührte Flächen, beispielsweise Türklinken, Bettgitter, Lichtschalter und Rufanlagen, müssen regelmäßig gereinigt und desinfiziert werden.

Dekontamination und Sterilisation medizinischer Instrumente

Dekontamination: Im Gesundheitsbereich spricht man von einer Beseitigung einer vorhandenen mikrobiellen Kontamination. Dazu können Reinigung, Desinfektion und gegebenenfalls Sterilisation gehören.

Sterilisation: Eine physikalische oder chemische Behandlung, durch die Oberflächen oder Gegenstände von allen Mikroorganismen mit dem Ziel der Verhinderung von Infektionen befreit werden. Die Sterilisation wird meist auf Instrumenten angewendet.

Sterilgut

Sterilisierte chirurgische Instrumente (z.B. Kanülen) sowie Einmalmaterialien (z.B. Verbandsmaterial) wurden in einen keimfreien Zustand gebracht.

Sterilgut muss folgende Angaben enthalten:

  • Art der Sterilisation
  • Datum der Sterilisation
  • Verfallsdatum
  • Chargennummer (zur Rückverfolgbarkeit)
  • Ersichtlichkeit des Inhalts
  • Kontrollstreifen, die sich bei Erreichen der Sterilisationstemperatur verfärben

steril = frei von vermehrungsfähigen Mikroorganismen mit einer Wahrscheinlichkeit von 1:1,000.000

Infektionsbekämpfung

Wirkungsarten: nach Art der Wirkung

Diese Adjektive werden sowohl für Desinfektionsmittel als auch bei Arzneimitteln verwendet – jedoch nicht alle Begriffe in beiden Bereichen gleich häufig.

  • bakterizid: Abtötung von Bakterien
  • bakteriostatisch: Wachstumshemmung von Bakterien
  • fungizid: Abtötung von Pilzen
  • fungistatisch: Wachstumshemmung von Pilzen (begrenzt)
  • viruzid: Inaktivierung von Viren (können sich außerhalb einer Wirtszelle nicht vermehren, deshalb gibt es keine „virustatische Desinfektion“)
  • sporizid: Abtötung von Sporen (vermehren sich nicht aktiv im Sporenstadium, können nur „überleben“ und unter günstigen Bedingungen wieder zu einer aktiven Bakterienzelle auskeimen, deshalb gibt es keine „sporistatische Desinfektion“)
  • mikrobizid: Mikroorganismen abtötend beziehungsweise irreversibel inaktivierend
  • mikrobiostatisch: Wachstum und Vermehrung von Mikroorganismen hemmend

Gegen Prionen ist kein übliches Desinfektionsmittel hinreichend wirksam. Zur Inaktivierung sind spezielle Maßnahmen erforderlich, die aus einer Kombination aus Reinigung und Sterilisation bestehen. Die Standardhygiene ist zum Schutz gegen Prionen ausreichend.

Eselsbrücke:
Endung -zid = Abtötung / Inaktivierung
Endung -statisch = Wachstumshemmung

Wirkungsweisen: Nach Art der Erreger

antibakteriell
„gegen Bakterien“, Arzneimittel und Verfahren, die das Wachstum von Bakterien hemmen (bakteriostatisch) oder diese abtöten (bakterizid)

antimikrobiell
„gegen Mikroben“, Verfahren, das das Wachstum aller Mikroorganismen hemmt (mikrobiostatisch) oder diese abtötet (mikrobizid). Ein Oberbegriff ohne spezifische Zielrichtung. Mikrobe ist ein Synonym für Mikroorganismus.

antiseptisch
Verfahren zur Reduktion von Mikroorganismen auf lebendem Gewebe (z. B. Hautdesinfektion vor einer Injektion).

antiviral
„gegen Viren“, inaktiviert Viren (viruzid)

Ein Antibiotikum kann antibakteriell sein und bakterizid oder bakteriostatisch wirken.

Antibiotikum

ist eine Substanz, die Bakterien abtötet (bakterizid) oder ihre Vermehrung hemmt (bakteriostatisch).

Umgang mit Kontaktkeimen

Kontaktkeime sind pathogene Erreger, die durch direkten (z.B. Händeschütteln nach dem Niesen) oder indirekten (z.B. Oberflächen) Kontakt auf Menschen übertragen werden können.

Maßnahmen:
• Schutzhandschuhe tragen
• Schutzhandschuhe zur richtigen Zeit wechseln
• Händedesinfektion
• Desinfektion von Oberflächen

Wann wird der Begriff „Kontaktkeime“ im medizinischen Kontext verwendet?
Hautfremde Kontaktkeime werden als Teil der transienten Hautflora gesehen.

Ein Zitat aus einer Diplomarbeit zur Erlangung des akademischen Grades der Zahnheilkunde: “Durch diese Art der Desinfektion wird versucht die Kontaktkeime (transiente Hautflora), wie z.B. Staphylokokkus aureus oder Pseudomonas aeruginosa zu beseitigen.” (Mauritsch, H. A., 2013, S. 33)

Isolierung/Quarantäne

Definition
ist eine Hygienemaßnahme in Gesundheitseinrichtungen. Bezeichnet die räumliche Trennung von infektiösen PatientInnen mit einem Erreger mit hoher Infektiosität. Das Ziel ist die Verhinderung einer weiteren Verbreitung und Ansteckung. Die infektiösen PatientInnen werden in Einzelzimmern/Isolierzimmern untergebracht. Für das Personal und die BesucherInnen gelten spezielle Hygieneregeln, zum Beispiel das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes.

Impfung: Aktive / Passive Immunisierung

Unter Immunisierung versteht man in der Medizin die gezielte Erzeugung einer Immunität gegen einen bestimmten Krankheitserreger. Man unterscheidet zwei Arten von Immunisierung:

  • aktive Immunisierung: Erreger werden in toter oder abgeschwächter Form in den Körper eingeschleust, um die Bildung von Antikörpern und Gedächtniszellen anzuregen. Die aktive Immunisierung bietet langfristigen Schutz.
  • passive Immunisierung: Abwehrstoffe werden in den Körper gebracht, um dem Körper bei der Bekämpfung von Erregern zu helfen. Im Gegensatz zur aktiven Immunisierung bietet die passive Immunisierung nur kurzfristigen Schutz, da keine Gedächtniszellen gebildet werden.

🫏 Eselsbrücke: „Immunisierung“ ist nicht „Immunität“! 🫏

🪢💡Erinnerungsknoten: Nenne die zwei Arten der Immunität 💡🪢

Das Antibiogramm

mikrobiologisches klinisch-diagnostisches Verfahren zur Bestimmung, gegen welches Antibiotikum ein Erreger empfindlich reagiert (Abstrich). Auch Antibiotikaresistenz ist damit nachweisbar.

Beim Antibiogramm wird getestet:
• welches Antibiotikum wirkt
• gegen welches Antibiotikum der Erreger resistent ist

Aseptisches Arbeiten

Antiseptisch und aseptisch bedeuten nicht dasselbe:

antiseptisch: Verfahren zur Reduktion von Mikroorganismen auf lebendem Gewebe (z. B. Haut, Schleimhäute). Mikroorganismen auf lebendem Gewebe (z.B. Haut, Schleimhäute) werden abgetötet oder inaktiviert.

aseptisch: Technik, um eine Verunreinigung mit Mikroorganismen zu verhindern. (z.B. sterile Instrumente verwenden, Non-Touch-Technik, aseptischer Verbandwechsel)

Antiseptik beseitigt oder reduziert vorhandene Mikroorganismen. Asepsis verhindert, dass Mikroorganismen überhaupt in einen Bereich gelangen.

Maßnahmen zur Umsetzung des Prinzips der Nicht-Kontamination

Kontamination = Verunreinigung mit Krankheitserregern

Um das Risiko der Kontamination zu minimieren, ist es wichtig, eine Reihe von Schutzmaßnahmen zu beachten:

  • Verwendung von Handschuhen
  • Berührungslose („non touch“) Techniken
  • Vorbereitung (um unnötiges Umherlaufen zu vermeiden)
  • Vermeidung von Handberührung (z.B. Ellenbogenhebel für Wasserarmaturen, Seifen- und Desinfektionsmittelspender, Türklinken, …)
  • Unfallsichere Entsorgung (z.B. Kanülenbox)

Öffnen und Entnahme von Sterilgut

Sterilgut = sterile Instrumente und Materialien

  • Kontrolle der Verpackung (bei Beschädigungen, Feuchtigkeit, überschrittenem Verfalldatum nicht verwenden)
  • ausreichend große Arbeitsfläche
  • Arbeitsfläche desinfizieren
  • hygienische Händedesinfektion
  • non-touch-Technik (aseptische Technik) anwenden
  • über steriles Arbeiten informieren, damit die Sterilität nicht versehentlich von Anderen aufgehoben wird
  • Verpackung erst unmittelbar vor Benutzung des Sterilguts öffnen
  • vorsichtig an der Peel-Öffnung auseinanderziehen – nicht durchstoßen oder aufreißen
  • während des Öffnens: nicht sprechen, husten oder niesen, Staubaufwirbelungen vermeiden
  • Inhalt auf sterilem Arbeitsfeld ablegen
  • Steriles Material von unsterilem Material trennen

Atemwegshygiene

Zu den Bestandteilen der Atemwegshygiene/Hustenetikette gehören:

  • die Schulung des Personals der Gesundheitseinrichtung, der PatientInnen und der BesucherInnen;
  • gut sichtbare Hinweisschilder mit Anweisungen für PatientInnen sowie begleitende Angehörige;
  • das Bedecken von Mund und Nase mit einem Taschentuch beim Husten und die sofortige Entsorgung benutzter Taschentücher;
  • das Tragen einer Maske, sofern dies toleriert wird und angemessen ist;
  • Händehygiene nach Kontakt mit Atemwegssekreten;
  • eine räumliche Trennung von Personen mit Atemwegsinfektionen in gemeinsam genutzten Wartebereichen mit einem Abstand von idealerweise mehr als 1 Meter.

Die Hustenetikette ist auch für PatientInnen mit Asthma, allergischer Rhinitis oder COPD sinnvoll, die Maske ist jedoch nicht zwingend erforderlich. Es kann auch ein Taschentuch beim Husten vor Mund und Nase gehalten werden. Das Fehlen von Fieber schließt eine Atemwegsinfektion nicht aus. Dem Gesundheitspersonal wird empfohlen, bei der Versorgung von PatientInnen mit Anzeichen einer Atemwegsinfektion eine Maske zu tragen und Händehygiene durchzuführen. Dem Gesundheitspersonal mit einer Atemwegsinfektion wird empfohlen, direkten Kontakt mit HochrisikopatientInnen zu meiden. Ist dies nicht möglich, sollte während der Versorgung eine Maske getragen werden. Das ECDC (European Center for Disease Prevention and Control) empfiehlt sogar grundsätzlich, Beschäftigte mit Symptomen einer viralen Atemwegsinfektion von klinischen Tätigkeiten zu entbinden.

Sichere Injektionspraktiken

Ausbrüche von Virushepatitis in den USA

Die staatliche Gesundheitsbehörde der USA (CDC) hat unlängst vier große Ausbrüche von Infektionen mit dem Hepatitis-B-Virus und dem Hepatitis-C-Virus bei PatientInnen in ambulanten Gesundheitseinrichtungen untersucht. Daraufhin wurden die Richtlinien für sichere Injektionspraktiken verschärft. Die wichtigsten Verstöße gegen die Infektionsprävention, die zu den Infektionsausbrüchen beitrugen, waren:

  • das erneute Einführen gebrauchter Nadeln in eine Mehrdosis-Durchstechflasche;
  • das erneute Einführen gebrauchter Nadeln in einen Kochsalzbeutel;
  • die Verwendung einer einzigen Nadel zur intravenösen Verabreichung von Medikamenten an mehrere PatientInnen;
  • bei einem Ausbruch wird vermutet, er könnte durch die Vorbereitung von Medikamenten am selben Arbeitsplatz, an dem gebrauchte Nadeln und Spritzen auseinandergenommen wurden, verursacht worden sein.

Diese Ausbrüche von Virushepatitis hätten ganz einfach durch die Einhaltung des Prinzips der Nicht-Kontamination verhindert werden können:

  • die Verwendung einer sterilen Einweg-Nadel bzw. Einweg-Spritze;
  • die unfallsichere Entsorgung in einer stichfesten Kanülenbox;
  • das Vermeiden einer Kontamination von Injektionsmaterialien und Medikamenten;
  • Einzeldosis-Durchstechflaschen sind gegenüber Mehrdosis-Durchstechflaschen zu bevorzugen, insbesondere wenn Medikamente mehreren PatientInnen verabreicht werden.

Ausbrüche im Zusammenhang mit unsicheren Injektionspraktiken zeigen, dass Angehörige der Gesundheitsberufe in den Vereinigten Staaten die grundlegenden Prinzipien der Infektionskontrolle und der Nicht-Kontamination nicht kennen, nicht verstehen oder nicht einhalten. Eine Befragung von Gesundheitsfachkräften in den USA ergab, dass 1 bis 3 % dieselbe Nadel und/oder Spritze bei mehreren PatientInnen verwenden.

Untersuchte Ausbrüche von Virushepatitis in Europa

Auch in Europa wurden zahlreiche iatrogene Übertragungen des Hepatitis-B-Virus und des Hepatitis-C-Virus durch medizinische Behandlungen untersucht. Eine europäische Übersichtsarbeit erfasste 91 Übertragungsereignisse in Gesundheitseinrichtungen aus 16 Ländern, bei denen insgesamt 442 PatientInnen neu infiziert wurden.

In 65 Veröffentlichungen aus 16 Ländern wurden insgesamt 91 Übertragungsereignisse festgestellt:

  • 43 Ereignisse mit dem Hepatitis-B-Virus;
  • 48 Ereignisse mit dem Hepatitis-C-Virus;
  • insgesamt 442 neu infizierte PatientInnen;
  • 25 Todesfälle, davon fünf unmittelbar mit Hepatitis verbunden;
  • bei einzelnen Ereignissen wurden zwischen einer und 53 Personen infiziert;

Besonders viele Ereignisse wurden aus Italien, Deutschland, dem Vereinigten Königreich und Spanien veröffentlicht. Fünf größere Ausbrüche mit jeweils mehr als 20 Infizierten ereigneten sich in Polen, Belgien, Ungarn und der Slowakei. Österreich gehört zu den Ländern, in denen die wenigsten iatrogenen Übertragungen festgestellt worden sind. (zur Grafik)

Besonders häufig betroffen waren:

  • Bluttransfusionen beziehungsweise Blutprodukte: 21 %
  • Dialyseeinrichtungen: 18 %
  • Krankenhausstationen: 14 %
  • Pflegeheime: 11 %
  • hämatologische und onkologische Einrichtungen: 11 %

Etwa 49 % der Ereignisse ereigneten sich im stationären und 21 % im ambulanten Bereich. Auch in vermeintlich weniger riskanten Bereichen wie CT- und MRT-Einheiten wurden Ausbrüche festgestellt.

Bei 78 % der Ereignisse konnte ein möglicher Übertragungsweg angegeben werden. Genannt wurden insbesondere:

  • Übertragung durch Blutprodukte: 26 %
  • unsichere kapillare Blutentnahmen: 10 %
  • kontaminierte Mehrdosis-Durchstechflaschen: 4 %
  • Hämodialysegeräte: 3 %
  • unsicher verwendete Kontrastmittelinjektoren: 3 %
  • nicht näher bezeichnete Verstöße gegen die Infektionsprävention: 30 %

Auch in Europa berichteten die Untersuchungen über die mehrfache Verwendung von Einwegnadeln.

Schutz vor Nadelstichverletzungen

  • den Umgang mit spitzen und scharfen Gegenständen auf ein Minimum zu beschränken;
  • gebrauchte Nadeln nicht wieder mit der Schutzkappe zu versehen;
  • gebrauchte Nadeln nicht zu verbiegen oder abzubrechen;
  • Nadeln sofort nach der Verwendung direkt am Anwendungsort in der stichfesten Kanülenbox zu entsorgen;
  • die Kanülenbox nicht zu überfüllen;
  • Nadelstichverletzungen entsprechend den örtlichen Vorgaben zu melden.
  • auf Sicherheitslanzetten für Blutzuckermessungen, Sicherheitskanülen und -spritzen für Injektionen und Sicherheitsvorrichtungen für die Entsorgung von Nadeln laut geltender Nadelstichverordung zu bestehen

Risikobeurteilung

Die Pflegeassistenz schätzt vor jedem PatientInnenkontakt ein, ob und auf welche Weise es zu einem Kontakt mit Krankheitserregern kommen könnte. Anhand dieser Einschätzung werden die erforderlichen Schutzmaßnahmen ausgewählt (z.B. Maske oder Schutzbrille).

Dabei wird insbesondere beurteilt, ob ein Kontakt möglich ist mit:

  • Blut, Sekreten oder Exkreten (Handschuhe);
  • Spritzern oder Sprühnebel (Maske, Schutzbrille);
  • nicht intakter Haut oder Schleimhäuten (Handschuhe);
  • kontaminierten Geräten oder Oberflächen (Handschuhe);
  • PatientInnen mit Symptomen einer Infektion (Handschuhe, Maske, Schutzbrille).

Auch die Gesundheitseinrichtung selbst führt Risikobeurteilungen durch und legt darauf aufbauend Präventionsmaßnahmen und Schulungen fest. 

Praxisfrage 4

Aufgaben funktionieren nur, wenn Sie selbst denken und nicht eine KI für sich denken lassen!

Arbeiten Sie mit der Empfehlung der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) beim Robert Koch-Institut.

Aufgabe 1: Laut der Empfehlung der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) beim Robert Koch-Institut: Welche Schutzmaßnahme (Art und Dauer der Maßnahme) gilt bei folgenden Erregern als Standardmaßnahme? Sie finden die Antwort auf den Seiten 1163 bis 1167.

  1. Rötelnvirus
  2. Mumpsvirus
  3. Salmonella
  4. Streptococcus pyogenes
  5. Mycobakterium leprae
  6. Rotavirus
  7. Mycobakterium tuberculosis complex, offen
  8. Mycobakterium tuberculosis complex, geschlossen
  9. HIV
  10. Herpes simplex virus 1 und 2

Aufgabe 2: Warum gibt es bei den 6 verschiedenen Arten von Hepatitis-Erregern unterschiedliche Schutzmaßnahmen?

Umgang mit Wäsche

  • Trennung von sauberer und verunreinigter Wäsche;
  • weder saubere noch verunreinigte Wäsche auf den Boden legen,
  • möglichst geringe Staubaufwirbelung beim Umgang mit sauberer oder verschmutzter Wäsche;
  • persönliche Schutzausrüstung beim Hantieren mit verunreinigter Wäsche tragen;
  • saubere Wäsche vor Kontamination schützen.

Entsorgung von Abfällen

Kontaminierte Abfälle sollen bereits am Ort ihrer Entstehung getrennt und in den dafür vorgesehenen Abfallbehälter gegeben werden.

Dabei gilt:

  • bei möglichem Kontakt mit kontaminiertem Material geeignete Schutzausrüstung tragen und danach Händehygiene durchführen;
  • Abfälle, die mit Blut, Sekreten oder Exkreten verunreinigt sind, nicht in den gewöhnlichen Restmüll geben;
  • Abfälle nicht nachträglich mit den Händen sortieren oder aus einem Abfallbehälter herausnehmen;
  • Spitze oder scharfe Gegenstände sofort in einer stichfesten Kanülenbox entsorgen;
  • Kanülenbox sicher verschließen und entsprechend den Vorgaben behandeln.

Gesundheitsuntersuchungen von Beschäftigten in regelmäßigen Abständen, Impfungen

In Österreich gibt es keine pauschale Pflicht zu regelmäßigen Gesundheitsuntersuchungen für das gesamte Gesundheits- und Betreuungspersonal. Sind Beschäftigte biologischen Arbeitsstoffen der Risikogruppen 2 (z.B. Legionellen, Tetanuserreger und Polioviren) 3 (z.B. Tuberkuloseerreger, Milzbranderreger und SARS-CoV-2) oder 4 (z.B. Ebola- und Lassa-Viren) ausgesetzt, muss der Arbeitgeber ermöglichen, dass sie sich auf eigenen Wunsch vor Beginn der Tätigkeit und bei Fortdauer der Tätigkeit in regelmäßigen Zeitabständen ärztlich untersuchen lassen. Die Kosten der arbeitsmedizinischen Untersuchungen trägt grundsätzlich der Arbeitgeber, soweit sie nicht von einem Versicherungsträger übernommen werden.

In Österreich sind beruflich erforderliche Impfungen nach dem ArbeitnehmerInnenschutzrecht grundsätzlich anzubieten; eine unmittelbare Impfpflicht ergibt sich daraus nicht. Zusätzlich können jedoch landesrechtliche Vorschriften des Krankenanstalten- und Hygienerechts einen bestimmten Impfstatus für Gesundheitspersonal vorschreiben. Ohne diesen Impfstatus kann der Zutritt oder Einsatz in bestimmten Bereichen einer Krankenanstalt ausgeschlossen sein.

Screening und Prävention multiresistenter Mikroorganismen sowie anderer für die Infektionsprävention und -kontrolle relevanter Krankheitserreger

Personen mit einem erhöhten Risiko für eine Besiedelung mit multiresistenten Erregern werden in Österreich vor bzw. bei der Aufnahme in ein Krankenhaus oder Pflegeheim durch Abstriche untersucht. Bei einem positiven Nachweis werden gezielte Hygienemaßnahmen wie Händedesinfektion, persönliche Schutzausrüstung, Einzelzimmerunterbringung und Reinigung beziehungsweise Desinfektion durchgeführt, um eine Übertragung auf andere Personen zu verhindern.

Vorbereitung auf Ausbrüche sowie deren Erkennung, Untersuchung und Bewältigung

Österreichische Krankenanstalten haben die Pflicht, durch Hygienepläne, festgelegte Zuständigkeiten und die laufende Überwachung von Infektionen auf Ausbrüche vorbereitet zu sein. Ungewöhnliche Häufungen werden dem Hygieneteam gemeldet und untersucht; bei anzeigepflichtigen Krankheiten muss zusätzlich innerhalb von 24 Stunden eine Meldung an die zuständige Gesundheitsbehörde erfolgen. Durch die gezielte Kontrolle, schnelle Reaktion und regelmäßige Reinigungs-, Desinfektions- und Isolierungsmaßnahmen soll eine Übertragung verhindert werden.

Psychohygiene

Beschäftigte in Pflege- und Betreuungsberufen können durch Zeitdruck, Personalmangel, Schichtarbeit, schwierige Gespräche, den Umgang mit Krankheit und Leid sowie durch Aggression oder Gewalt psychisch belastet werden. Psychohygiene bezeichnet alle Maßnahmen, die dem Schutz, der Pflege und dem Erhalt der psychischen Gesundheit dienen. Dazu gehören Lebensgewohnheiten und Verhaltensweisen, die dabei helfen, Belastungen und Stress zu bewältigen.

Zur Psychohygiene gehören:

  • ausreichend Schlaf;
  • ausreichend Bewegung und körperliche Aktivität;
  • soziale Beziehungen und Kontakt zu unterstützenden Menschen;
  • regelmäßige Pausen;
  • angenehme Tätigkeiten und persönliche Interessen als Ausgleich zur Arbeit;
  • eigene Belastungsgrenzen wahrnehmen und einhalten, frühzeitige Meldung von Überlastung;
  • sich nicht dauerhaft zu viel zumuten;
  • Möglichkeiten zum fachlichen Austausch, Fallbesprechungen;
  • Vermeiden von häufigen Unterbrechungen bei der Arbeit;
  • unklare Arbeitsabläufe klären;
  • professionelle Grenzen;
  • Supervision;
  • bei anhaltender Belastung rechtzeitig Unterstützung suchen.

Psychohygiene darf nicht ausschließlich als persönliche Aufgabe der Beschäftigten verstanden werden. Auch die Einrichtung muss psychisch belastende Arbeitsbedingungen erkennen und möglichst an der Beseitigung ihrer Ursache mitwirken, beispielsweise durch eine geeignete Arbeitsorganisation, ausreichende Erholungszeiten, klare Zuständigkeiten, gute Führung und Möglichkeiten zum fachlichen Austausch. Das Arbeitsinspektorat informiert darüber, dass Betriebe in Österreich psychische Arbeitsbedingungen in die Arbeitsplatzevaluierung miteinbeziehen müssen. Das ArbeitnehmerInnenschutzgesetz versteht unter Gesundheit ausdrücklich sowohl die körperliche als auch die psychische Gesundheit.

Die Fachbegriffe sind am besten mithilfe des Fachwörterbuchs Infektionsschutz und Infektionsepidemiologie des Robert Koch-Instituts zu lernen.

Viel Glück bei der Prüfung!

Quellen:
s. Skriptum

Antworten auf Praxisfragen:
1. Schutzkittel, Einmalhandschuhe und Mund-Nasen-Schutz
2. Die Pflegeassistenz hat den Verdacht auf Mundsoor, also eine Pilzinfektion der Mundschleimhaut durch Hefepilze wie Candida albicans.
3. Die Pflegeassistenz hat den Verdacht auf einen Befall mit Ektoparasiten, möglicherweise Krätzmilben.
4. Weil „Hepatitis“ nur eine Entzündung der Leber bezeichnet und es unterschiedliche Viren gibt, die Hepatitis auslösen. Die Schutzmaßnahmen unterscheiden sich, weil die Viren, die Hepatitis auslösen, unterschiedliche Übertragungswege besitzen.


Beitragsbild: pixabay, @IMGMIDI
Abb. 2: eigene Darstellung, KI
Abb. 1: eigene Darstellung, KI