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Kompetenz der Pflegeassistenz: Thromboembolieprophylaxe

Aufbereiteter Lehrinhalt, Unterrichtsfach: GrundzĂĽge und Prinzipien der Akut- und Langzeitpflege inklusive Pflegetechnik (GKPF)


26.03.2026

Blutgerinnsel können schwerwiegende Folgen haben – von einer tiefen Venenthrombose bis hin zu einer potenziell lebensbedrohlichen Lungenembolie. Doch mit den richtigen Maßnahmen lassen sich solche Risiken gezielt minimieren.


Das muss die Pflegeassistenz ĂĽber Thromboembolieprophylaxe wissen:
➤ Den Begriff Thrombose definieren und das individuelle Thromboserisiko einschätzen können.
➤ Die Tiefe Beinvenenthrombose (TVT) erkennen und deren Folgen einschätzen können.
➤ Das Postthrombotische Syndrom und die Chronisch-venöse Insuffizienz als Folge einer unbehandelten TVT verstehen.
➤ Die Ursachen und Risikofaktoren für eine Thrombose verstehen.
➤ Maßnahmen zur Thromboseprophylaxe anwenden können.

Thrombose

🪢 đź§©đź’ˇErinnerungsknoten:Was ist eine Thrombose?„💡🧩 🪢

Tiefe Beinvenenthrombose (TVT)

🪢 đź§©đź’ˇErinnerungsknoten:Was ist eine Tiefe Venenthrombose (TVT) und wie wird sie noch genannt?„💡🧩 🪢

Thrombose: Ursachen und Risikofaktoren

📸 Bild: Virchow Trias, die-zwei-in-reflexstreifen.blog 📸

Ein gesunder Mensch nutzt seine Muskel-Venen-Pumpe. Die Wadenmuskulatur wird durch Aktivitäten wie Gehen, Treppensteigen oder Radfahren aktiviert, wodurch sie sich zusammenzieht und so den Bewegungsablauf unterstĂĽtzt. Bei jeder aktiven Bewegung drĂĽckt der Muskel gegen die Venenwand, wodurch das Gefäß verengt wird. Das beschleunigt den Blutfluss und verbessert den venöse RĂĽckstrom. 

🪢 đź§©đź’ˇErinnerungsknoten:Die Ursachen einer Thrombose„💡🧩 🪢

Thromboseprophylaxe

Ziel:
Verhinderung einer TVT und einer möglichen Lungenembolie durch Verbesserung des venösen BlutrĂĽckflusses.  

Die Prophylaxe wird interdisziplinär durchgefĂĽhrt: 
• venösen Rückfluss steigern
• Schäden an den Venenwänden vermeiden
• Blutgerinnungsneigung senken

Die 3 Säulen der Thromboseprophylaxe

• Basismaßnahmen
• Physikalische Maßnahmen
• Medikamentöse Maßnahmen

Bei Patienten mit einem niedrigen Thromboserisiko reichen die Basismaßnahmen. In manchen Fällen werden diese durch das Tragen medizinischer Thromboseprophylaxestrümpfe (MTPS, MTS) ergänzt (z.B. nach einer OP). Personen mit einem mittleren oder hohen Risiko benötigen zusätzlich blutverdünnende Medikamente (Antikoagulanzien), um die Gerinnungsfähigkeit des Blutes zu reduzieren.

BasismaĂźnahmen

• Mobilisation / Bewegung
• Flüssigkeitszufuhr (Achtung bei Kontraindikationen wie z. B. Nieren- oder Herzinsuffizienz Rücksprache mit dem Arzt!)

Mobilisation
Die frühzeitige Mobilisation ist ein wesentlicher Bestandteil der Thromboseprophylaxe. Die Pflegeassistenz informiert den Patienten über die Bedeutung der Bewegung und unterstützt ihn dabei, so früh wie möglich aufzustehen. Falls das nicht möglich ist, sollte zumindest eine Bewegung der Beine oder eine Mobilisation im Bett erfolgen. Die Aktivierung der Muskel-Venen-Pumpe durch Bewegung fördert den venösen Rückfluss und verbessert die Durchblutung. Dies kann durch zusätzlich unterstützende Maßnahmen wie physikalische Anwendungen weiter verstärkt werden.

Bewegung
Regelmäßige Bewegungsübungen aktivieren die Muskel-Venen-Pumpe und helfen, den venösen Blutstrom in Richtung Herz aufrechtzuerhalten. Neben gezielten Übungen, die von Physiotherapeuten angeleitet werden, sollten bettlägerige Patienten nach Möglichkeit selbst aktiv bleiben. Dazu gehören das Anwinkeln und Strecken der Beine, das Kreisen der Füße, das Heben und Senken der Beine sowie Bewegungen wie „Fahrradfahren“ im Liegen. Auch das bewusste Anspannen und Entspannen der Zehen trägt zur Durchblutungsförderung bei.

Falls der Patient sich nicht eigenständig bewegen kann oder bei Patienten mit kognitiven Beeinträchtigungen kann die Pflegeassistenz unterstützend passive Bewegungsübungen durchführen, z.B. Beine mehrfach aufstellen oder Arme über den Kopf bewegen (Vorsicht bei Patienten mit Frakturen oder Gelenkersatz!).

FlĂĽssigkeitszufuhr
Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr verhindert eine zu hohe Blutviskosität. Ist zu wenig Flüssigkeit im Körper, steigt die Konzentration der festen Blutbestandteile, was das Thromboserisiko erhöht. Ein verringerter Hautturgor oder trockene Haut können Anzeichen für eine unzureichende Flüssigkeitsaufnahme sein. Die Pflegeassistenz sollte Patienten aktiv zum Trinken ermutigen, insbesondere auch bei kognitiven Einschränkungen. Achtung bei Kontraindikationen wie z. B. Nieren- oder Herzinsuffizienz Rücksprache mit dem Arzt!

Physikalische MaĂźnahmen / Kompressionstherapie

1. Medizinische KompressionsstrĂĽmpfe (MKS)
2. Medizinische ThromboseprophylaxestrĂĽmpfe (MTPS)
3. Intermittierende pneumatische Kompression (IPK)
4. Bandagen / Phlebologischer Kompressionsverband (PKV)
5. StĂĽtzstrĂĽmpfe

Medizinische KompressionsstrĂĽmpfe (MKS)

Venen- oder Lympherkrankungen (z.B. chronisch-venöse Insuffizienz, Tiefe Venenthrombose, Lymphödem)
– auf ärztliche Verordnung
– individuell an den Patienten angepasst
– 4 Kompressionsklassen (“Druckstärken”)
– werden nur am Tag getragen (ĂĽber Nacht ausgezogen)
– morgens anziehen, wenn die Beine noch nicht geschwollen sind
– langfristige Therapie

📸 Foto MKS: Wikipedia 📸

Medizinische ThromboseprophylaxestrĂĽmpfe (MTPS, „LiegestrĂĽmpfe“)

Vermeidung von Thrombosen
– vorĂĽbergehende MaĂźnahme
– werden Tag und Nacht getragen (im Unterschied zu den MKS)
– immobile Patienten, z.B. nach OPs, im Krankenhaus oder Pflegeheim
– beschleunigen den Blutfluss in den tiefen Venen
– ärztliche Verordnung

Handhabung von MTPS:
• Das Material muss glatt auf der Haut anliegen, ohne Falten oder Einschnürungen
• Regelmäßige Hautkontrolle 
• Strumpfwechsel täglich morgens – Hautkontrolle, Körperpflege
• StrĂĽmpfe gehören gewaschen, verlieren davon jedoch ihre Kompressionskraft 

MPTS anziehen:
• Patient in Rückenlage mit hochgelagerten Beinen vorbereiten
• Strümpfe zunächst auf links drehen, bis zur Ferse umklappen und von der Zehenspitze aus vorsichtig über den Fuß und das Bein ziehen
• Gleichmäßiges Verteilen, ohne Falten oder Verdrehungen, um Druckstellen zu vermeiden
• Kontrolle der Durchblutung und des Hautzustands nach dem Anziehen

MTPS Kontraindikationen:
• periphere-arterielle Verschlusserkrankungen
• dekompensierte Herzinsuffiziez
• massive Beinödeme
• lokale Infektionen
• Polyneuropathien
• Materialunverträglichkeit

📸 Foto MTPS: Wikipedia 📸

Intermittierende pneumatische Kompression (IPK)

– vorĂĽbergehende MaĂźnahme
– auf Intensivstationen
nach OPs bei Patienten mit hohem Thromboserisiko
– groĂźe, weiche Luftpolster, liegen „wie StrĂĽmpfe ĂĽber den Beinen“
– wie „automatische Massage“ fĂĽr die Beine
– erzeugt eine wellenförmige Druckbewegung
– werden in regelmäßigen Abständen mit Luft gefĂĽllt und entleert
– verbessert den venösen RĂĽckstrom
– bedarf einer ärztlichen Verordnung

📸 Foto IPK: Wikipedia 📸

Bandagen / Phlebologischer Kompressionsverband (PKV)

– wird heute in den Leitlinien nicht mehr als StandardmaĂźnahme der Thromboseprophylaxe genannt[1]
– heute kaum noch genutzt
– stattdessen wird MTPS oder MKS empfohlen (je nach Therapieziel)
– ärztliche Verordnung

Indikationen fĂĽr den Phlebologischen Kompressionsverband:
• anstatt MTPS oder MKS
• fehlende passende Strümpe
• Unverträglichkeit gegenüber Strumpfmaterialien
• eher als vorübergehende Versorgung nach Operationen oder Verletzungen (statt MTPS)

Anwendung des phlebologischen Kompressionsverbands:
• kann als Wechselverband oder als Dauerverband angelegt werden
• Wechselverband wird abends abgewickelt und täglich neu angelegt
• Dauerverband wird 24 Stunden getragen
• Bindenmaterialien Kurzzugbinde oder Mittelzugbinde
• Bandage nach Fischer = Kurzzugbinde
• Beine bis knapp 2 cm unterhalb der Kniekehle bandagierten
• Kompressionsstärke muss von distal nach proximal kontinuierlich abnehmen
• nicht zu viel Druck ausĂĽben (Fingertest) – Druck auch nach dem Anlegen kontinuierlich kontrollieren
• über die Ferste bandagieren und wieder zurück
• entweder ährenförmig oder spiralförmig binden

Phlebologischer Kompressionsverband – Kontraindikationen:
• lokale Defekte, Nekrosen, Verletzungen
• peripher arterielle Durchblutungsstörungen
• schwere Neuropathien

📸 Foto PKV: Wikipedia 📸

StĂĽtzstrĂĽmpfe

Sind keine medizinischen Produkte
– werden nicht im klinischen Bereich eingesetzt

📸 Foto Stützstrümpe: bauerfeind.at*1) 📸

Medikamentöse Maßnahmen

• gerinnungshemmende Medikamente (Antikoagulanzien)

Ein wesentlicher Faktor bei der Entstehung von Thrombosen ist die Blutgerinnungsneigung, die medikamentös reduziert werden kann. Hierbei kommen gerinnungshemmende Medikamente (Antikoagulanzien) zum Einsatz (z.B. Heparin).

In der Thromboseprophylaxe werden vor allem Heparine über einen begrenzten Zeitraum verabreicht. Diese Medikamente wirken schnell und werden idR subkutan injiziert. Die Verabreichung kann durch die Pflegeassistenz erfolgen. Einstichstelle auf mögliche Nebenwirkungen wie Hämatome oder Entzündungen überwachen!

Subcutane Injektion (s.c.)

Subcutane Injektion (s.c.), Definition:
Einspritzen eines Arzneimittels in das Unterhautfettgewebe (Subcutis). Wird angewendet, wenn ein Wirkstoff langsam und gleichmäßig resorbiert werden soll (z.B Insulin oder Heparin).

🪢 🧩💡Erinnerungsknoten: Pflegetechnik und Recht: Injektion anordnen, Injektion verabreichen: Wer hat wann die Verantwortung?💡🧩 🪢

Kontraindikationen subcutan spritzen
• Ödeme
• Hauterkrankungen im Injektionsgebiet
• Schockzustände, unzureichende Durchblutung
• Entzündungen
• Störungen der Hautdurchblutung

🪢 🧩💡Erinnerungsknoten: Was ist die wichtigste Nebenwirkung von Heparin? Was musst du daher unbedingt tun, bevor du einem P/B das erste Mal Heparin spritzt?💡🧩 🪢

SUBCUTAN SPRITZEN SCHRITT-FĂśR-SCHRITT

Vorbereitung
• Händedesinfektion
• Injektionskanüle
• Alkoholtupfer
• trockener Tupfer
• Abwurfbehälter (Sicherheitsbox)
• Arzneimittel kontrollieren: 6-R-Regel
• Insulin Pen einstellen

DurchfĂĽhrung
• Hände desinfizieren
• geeignete Injektionsstelle festlegen (rund um den Bauchnabel, 2–3 cm entfernt, OberschenkelauĂźenseite oder Oberschenkelvorderseite. Oberarm ist weniger gut geeignet – Risiko fĂĽr eine Injektion in den Muskel, Rotationsprinzip beachten – Injektionsstellen regelmäßig wechseln)
• Hautkontrolle (Kontraindikation Ödeme, Hauterkrankungen im Injektionsgebiet, Schockzustände, unzureichende Durchblutung, Entzündungen, Störungen der Hautdurchblutung)
• Hautdesinfektion durchfĂĽhren – Einwirkzeit abwarten
• Hautfalte machen – senkrecht (90°) oder schräg im Winkel von ca. 45° einstechen (bei kachektischen Patienten – gerader Einstichwinkel, bei längerer KanĂĽle schräger Einstichwinkel)
• NICHT aspirieren – bei Fertigspritzen nicht notwendig!
• einstechen bis zum Kanülenansatz
• langsam injizieren
• KanĂĽle zĂĽgig entfernen, Hautfalte loslassen, Einstichstelle mit einem trockenen Tupfer komprimieren (nicht komprimieren und rausziehen – erst nach dem Rausziehen komprimieren)

Nachsorge
• mit dem Tupfer Einstichstelle komprimieren, bis sie nicht mehr blutet
• regelmäßig Einstichstellen auf Infektionszeichen und Hämatome kontrollieren
• ggf. heparinhältige Salbe auftragen, um Hämatome und oberflächliche Thrombosen vorzubeugen bzw. zu behandeln (Arztanordnung! Beschleunigt die Resorption.)

📸 Bild: Insulin Spritzkalender – focus-gesundheit.de 📸

Mögliche Komplikationen durch eine s.c. Injektion

Hämatombildung
• Anstechen eines Gefäßes (Kompression mit Tupfer, evtl. Pflasterstreifen)
Abbrechen der KanĂĽle
• Materialfehler, zu tiefe Injektion (chirurgische Entfernung)
allergische Reaktion
• Unverträglichkeit (Arztinfo, Medikamentwechsel)
EntzĂĽndung / Abszess
• unsteriles Arbeiten (Entzündungszeichen! aseptische Arbeitsweise)
Verhärtung
• Injektionen immer an der selben Stelle, Medikamentenunverträglichkeit (Wechsel der Injektionsstelle)

INFO: Warum du als Pflegekraft auf die Arbeit mit einer Sicherheitsspritze bzw. SicherheitskanĂĽle Wert legen solltest, kannst du unter „Nadelstichverordnung“ im Fach „Recht fĂĽr die Pflegeasissenz“ nachlesen.

Hämatom Definition:
Gefäßverletzung mit Einblutung ins Gewebe[2]

🪢 🧩💡Erinnerungsknoten: Wundklassifikation nach Tiefe und Ausdehnung des Defekts: Gehört das Hämatom zu den offenen oder geschlossenen Wunden?💡🧩 🪢

Venenpflege

• regelmäßige Bewegung zur Aktivierung der Muskel-Venen-Pumpe
• ausreichende FlĂĽssigkeitszufuhr (Achtung bei Kontraindikationen wie z. B. Nieren- oder Herzinsuffizienz RĂĽcksprache mit dem Arzt!)
• Hochlagern der Beine zur Entlastung (kein nachgewiesener Prophylaxe-Effekt, aber fördert das Wohlbefinden) 
• Vermeidung von langem Stehen oder Sitzen 
• KompressionsstrĂĽmpfe oder medizinische MaĂźnahmen bei bestehenden Venenerkrankungen 

Warum muss man bei Nieren- oder Herzinsuffizienz auf die FlĂĽssigkeitsmenge achten?

• weil der Körper Wasser nicht mehr richtig regulieren kann

Zu hohe FlĂĽssigkeitszufuhr bei Herzinsuffizienz:
Das Herz ist zu schwach, um das Blut effektiv weiterzupumpen.

Folge:
• Blut staut sich zurück
• Flüssigkeit tritt ins Gewebe aus
• es entstehen Ă–deme (z. B. in den Beinen) bzw. es kommt zu Wasser in der Lunge (Lungenödem → Atemnot)

Zu hohe FlĂĽssigkeitszufuhr bei Niereninsuffizienz:
Die Nieren können Wasser und Abfallstoffe nicht mehr ausreichend ausscheiden.

Folge:
• Flüssigkeit bleibt im Körper
• es kommt zu Wassereinlagerungen
• Giftstoffe sammeln sich im Blut

Info:
*1) bauernfeind.at ist ein deutscher Hersteller medizinischer Hilfsmittel wie Bandagen, Orthesen, medizinischen Kompressionsstrümpfen und orthopädischen Einlagen.

Quellen:

[1] AWMF-S3-Leitlinie: Prophylaxe der venösen Thromboembolie (VTE); Version 4.1; Januar 2026, Portal der wissenschaftlichen Medizin, awmf.org (Die AWMF-S3-Leitlinie ist keine österreichische Rechtsnorm, kann aber in Österreich als hochwertige fachliche Orientierung herangezogen werden, da sie eine evidenzbasierte fachliche Orientierung bietet.)
[2] Gesundheit.gv.at (o. J.): Hämatom. Ă–ffentliches Gesundheitsportal Ă–sterreichs. VerfĂĽgbar unter: https://www.gesundheit.gv.at/lexikon/H/haematom.html (Zugriff am: 7. Mai 2026).



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