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Pharmakologie fĂźr die Pflegeassistenz

Aufbereiteter Lehrinhalt


Erstellungsdatum: 22.02.2026
Letzte Aktualisierung: 03.06.2026


Die Pflegeassistenz muss ßber die Grundlagen der Pharmakologie Bescheid wissen, um die verordneten Medikamente korrekt verabreichen zu kÜnnen. Sie muss die Wirkungen und mÜglichen Nebenwirkungen der gängigen Medikamente verstehen und frßhzeitig Gefahren oder unerwßnschte Reaktionen erkennen kÜnnen.

Das muss die Pflegeassistenz Ăźber Pharmakologie wissen:
➤ Die wichtigsten Definitionen in Bezug auf Pharmakologie
➤ Kompetenzen in Bezug auf die Gabe von Medikamenten
➤ Die gängigsten Arzneimittelformen (Darreichungsformen), Wirkungen und Nebenwirkungen
➤ 6-R-Regel
➤ Die Anwendung der Arzneimittelformen nennen.
➤ Die gängigsten Verabreichungsformen nennen.
➤ Die rechtlichen Hintergründe zur Anwendung von parenteralen Lösungen (Injektionen) kennen.
➤ Die Anforderungen an parenterale Lösungen (Injektionen) kennen.
➤ Den Begriff „Subkutane Injektion“ definieren und Injektionsorte nennen.
➤ Die einzelnen Schritte zur Durchführung einer subkutanen Injektion nennen.
➤ Mögliche Komplikationen durch eine s.c. Injektion nennen.
➤ Die einzelnen Schritte zur sachgerechten Applikation von Augentropfen benennen.
➤ Die korrekte Anwendung von Dosieraerosolen nennen.
➤ Die korrekte Anwendung von Nasentropfen nennen.
➤ Die korrekte Anwendung von Ohrentropfen nennen.
➤ Den Verabreichungszeitpunkt von Arzneimitteln nennen.
➤ Den Weg eines Arzneimittels im Organismus und die verschiedenen Phasen kennen (Pharmakokinetik / Pharmakodynamik).
➤ Die therapeutische Breite definieren.
➤ Die Begriffe Arzneimittelgewöhnung und Toleranzentwicklung definieren und voneinander abgrenzen.
➤ Die gängigsten Arzneimittelgruppen definieren
➤ Die Wege der Ausscheidung von Arzneimitteln nennen.
➤ Die richtige Lagerung von Arzneimitteln nennen.
➤ Den Begriff „Placebo“ definieren.
➤ Fertigarzneimittel (Fertigspritzen) erkennen.
➤ Arzneimittelgruppen mit Suchtpotenzial kennen.
➤ Definition „VerweilkanĂźle“

Pharmakologie

Lehre von der Wirkung von Arzneistoffen auf den Organismus.

ist abzugrenzen von:
Galenik: Wissenschaft von der Herstellung von Arzneimitteln
Pharmazie: Wissenschaft von der PrĂźfung (Qualitätskontrolle), Beschaffenheit, Herstellung, Lagerung und Abgabe von Arzneimitteln

Rezept

eine Ă¤rztliche Verordnung eines Arzneimittels. Enthält Angaben zu Wirkstoff, Dosierung, Darreichungsform und Anwendung. Erst das Rezept ermĂśglicht (in Europa) die Abgabe in der Apotheke.

Arzneistoff

Substanz mit natĂźrlicher „biologischer“ Wirkung (Gegensatz: Gift).

Gegenteil: Toxikologie
die Lehre von den Giften und schädlichen Wirkungen von Stoffen (Giften) auf den Organismus.

Arzneimittel

Arzneistoff oder eine Zubereitung aus Arzneistoffen, die zur Vorbeugung, Diagnose, Linderung oder Heilung von Krankheiten eingesetzt wird.

Wirkstoff

eine chemische Substanz, die im KĂśrper eine gezielte pharmakologische Wirkung hervorruft.

Droge

• Wirkstoffe oder Zubereitungen aus Wirkstoffen, die keine Nahrungsmittel sind (sowohl pflanzlich als auch synthetisch)
• Substanzen, die in einem lebenden Organismus Funktionen verändern
• betrifft nicht nur die Funktionen der Psyche sondern auch andere Körperfunktionen

HomĂśopathie

alternativmedizinische Therapieform, die nach dem Prinzip „Ähnliches mit Ähnlichem heilen“ arbeitet und stark verdünnte Substanzen verwendet

Phytotherapie

Behandlung von Krankheiten mit Arzneimitteln pflanzlichen Ursprungs.

Generika

Arzneimittel mit dem gleichen Wirkstoff und gleicher Wirkung wie ein Originalpräparat, die nach Ablauf des Patentschutzes preisgßnstiger hergestellt werden.

Synergismus

gegenseitige Wirkungsverstärkung mehrerer Arzneimittel.

Therapeutische Breite

Abstand zwischen wirksamer und toxischer Dosis eines Arzneimittels.

Toleranzentwicklung

Verminderte Reaktion auf ein Arzneimittel bei längerer Anwendung, sodass eine hÜhere Dosis nÜtig wird.

UnerwĂźnschte Nebenwirkungen

nicht beabsichtigte, schädliche oder belastende Wirkungen eines Arzneimittels bei bestimmungsgemäßer Anwendung.

Arzneimittelmissbrauch

nicht bestimmungsgemäße Anwendung eines Medikaments, z. B. in zu hoher Dosis oder ohne medizinische Indikation.

Arzneimittelabhängigkeit

Zustand psychischer oder kÜrperlicher Abhängigkeit von einem Medikament, häufig mit Entzugssymptomen bei Absetzen.

Placebo

Scheinmedikation ohne pharmakologisch wirksamen Stoff, die durch Erwartungshaltung eine Wirkung entfaltet.

Symptomatische vs. kausale Therapie

symptomatische Therapie: Symptome werden behandelt
kausale Therapie: Ursache wird behandelt

Substitutionstherapie

ZufĂźhren von Substanzen, die der KĂśrper natĂźrlich benĂśtigt, aber nicht mehr selbst herstellen kann (z.B. Insulin). Auch Ersatztzerapie, in der illegale Drogen durch Medikamente ersetzt werden, um Entzugssymptome zu lindern.

Kompetenzen der Pflegeassistenz in Bezug auf die Gabe von Medikamenten

ergeben sich aus § 83 Abs. 4 GuKG, „Mitwirkung bei Diagnostik und Therapie“. In Bezug auf die Gabe von Medikamenten heißt das:

1. Verabreichung von lokal, transdermal sowie Ăźber Gastrointestinal- (Anm.: „oral“) und/oder Respirationstrakt (Anm.: „inhalativ“) zu verabreichenden Arzneimitteln,
2. Verabreichung von subkutanen Insulininjektionen und subkutanen Injektionen von blutgerinnungshemmenden Arzneimitteln,
3. Ab- und Anschließen laufender Infusionen ausgenommen Zytostatika und Transfusionen mit Vollblut und/oder Blutbestandteilen, bei liegendem periphervenösen Gefäßzugang, die Aufrechterhaltung dessen Durchgängigkeit sowie gegebenenfalls die Entfernung desselben,
4. Entfernung von subkutanen und periphervenĂśsen VerweilkanĂźlen,
7. DurchfĂźhrung von Mikro- und Einmalklistieren.

Die DurchfĂźhrung der Tätigkeiten darf nur nach ärztlicher Anordnung und unter Aufsicht von Ärzten oder AngehĂśrigen des gehobenen Dienstes fĂźr Gesundheits- und Krankenpflege erfolgen. Nach Maßgabe des § 15 Abs. 4 Z 2 kann die Anordnung auch durch AngehĂśrige des gehobenen Dienstes fĂźr Gesundheits- und Krankenpflege erfolgen.

🪢 🧩💡Erinnerungsknoten: Welche Kompetenzen hat die Pflegeassistenz lt. Gesetz?💡🧩 🪢

Arbeiterkammer 2025: Was darf die Pflegeassistenz?

Arzneimittelformen (Darreichungsformen)

Art der Zubereitung eines Arzneimittels

Darreichungsformen:
• fest (z.B. Kapseln, Tablette)
• halbfest (z.B. Salben, Zäpfchen)
• flüssig (z.B. Tropfen, Injektionen)
• gasförmig (z.B. Aerosole, Inhalate)
• therapeutische Systeme (TTS=transdermales therapeutisches System, IUP = Intrauterinpessar, auch Spirale genannt)

Pulver (Pulvis)

• feste Darreichungsform
• mehr od. weniger fein zermahlene Arzneimittelstoffe
• je feiner das Pulver desto schneller die Wirkung

🪢 🧩💡Erinnerungsknoten: Wie ist die Vorgehensweise bei bei der Gabe von Pulverpräparaten durch eine PEG-Sonde?💡🧩 🪢

Tablette (Compressa)

• feste Darreichungsform
• Pressen einer Mischung von pulverisierten Arzneimittelstoffen mit Hilfsstoffen
• einfach zu verabreichen
• gut dosierbar
• gut zu unterscheiden (Form, Farbe)

Arten von Tabletten:
• nicht überzogene Tabletten, einfach gepresst
• überzogene Tabletten (Dragees)
• Filmtablette (geringer Überzug)
• Magensaftresistent überzogene Tabletten
• Brausetabletten
• Tabletten zur Anwendung in der Mundhöhle (Lutschtabletten, Sublingualtabletten, Buccaltabletten)
• Tabletten mit verzögerter Arzneimittelfreigabe (Retardtabletten)

🪢 🧩💡Erinnerungsknoten: Was ist bei der Gabe von Retardtabletten durch eine PEG-Sonde zu beachten?💡🧩 🪢

Kapsel (Capsula)

• feste Darreichungsform
• enthält Pulver, Granulate od. ölige Flüssigkeiten
• Weichkapseln (z.B. öliger Inhalt)
• Steckkapseln (Pulver…)

Vorteile
• einfache Einnehmbarkeit
• schlechte Geschmacksstoffe werden isoliert
• gute Dosierbarkeit
• Barriere gegen die Magensäure

Nachteil
• werden durch Feuchtigkeit klebrig oder brüchig

Zäpfchen (Suppositorium)

• halbfeste Darreichungsform
• feste Arzneiform zur rektalen, gelegentlich vaginalen Anwendung

Vorteile
• lokale oder systemische Wirkung
• einfache Anwendung bei Kindern
• Umgehung des Magen-Darmtrakts

Nachteile
• unsichere Aufnahme des Wirkstoffes
• Temperaturempfindlichkeit (schmilzt bei Körpertemperatur)

Anwendung
• Arzneimittel verbleibt im Rektum
• Verletzungen vermeiden
• Ausscheidungen beobachten

LĂśsung (Solutio)

flĂźssige klare Zubereitung, die aus mindestens zwei Stoffen besteht. Die Einnahme erfolgt Ăźber einen LĂśffel.

Vorteil
• bereits gelĂśst – schnellere Aufnahme

Nachteil
• empfindlich gegen Licht, Sauerstoff und mikrobielle Verunreinigungen

Arten von LĂśsungen (Solutiones):
• Sirup (sirup): hoher Anteil an Zucker / Süßstoffe
• Tropfen (guttae): wässrig, alkoholisch oder ölig
• Mixtur (mixtura): wässrig, gesüßt
• Elixier (elixier): stark gesüßt, meist aromatisiert

Abmessung
• Ess- oder Suppenlöffel  = 15 ml
• Dessert oder Kinderlöffel = 10 ml
• Tee oder Kaffeelöffel   = 5 ml

SpĂźl und GurgellĂśsungen
• wiederholtes Spülen notwendig
• nach dem Spülen nicht essen oder trinken

Emulsion (Emulsum)

ist eine feine Verteilung von zwei ineinander nicht lĂśsbaren FlĂźssigkeiten

  • Wasser in Öl (Salbe)
  • Öl in Wasser (Creme)

Suspensionen

• flüssige Darreichungsform
• muss vor Gebrauch geschĂźttelt werden
• wenn sich der Bodensatz nicht aufschütteln lässt muss die Suspension verworfen werden

🪢 🧩💡Erinnerungsknoten: Was ist bei der Gabe von Suspensionen durch eine PEG-Sonde zu beachten?💡🧩 🪢

Verabreichungsformen (Applikationsformen)

der Weg, Ăźber den ein Arzneimittel in den KĂśrper eingebracht wird

oral: Tabletten, Kapseln, Säfte („Ăźber den Gastrointestinaltrakt“)
parenteral: Injektionen, Infusionen, VerweilkanĂźlen
topisch: Salben, Cremes (lokal wirkend)
inhalativ: Sprays, Pulverinhalatoren („Ăźber den Respirationstrakt“)
rektal: Zäpfchen (Suppositorien), Mikroklistier (lokal wirkend)
vaginal: Vaginaltabletten/-zäpfchen (lokal wirkend)
transdermal: Pflaster
lokal: am Ort der Anwendung wirkend

Applikation auf die Haut – cutan

• Lösungen
• Suspensionen
• Emulsionen
• Schaum
• Pflaster
• Paste

Applikation auf Schleimhaut – mukosal

• Mund und Zungenschleimhaut: lingual, sublingual, bukkal (Tabletten, Dragees, Pastillen, Gurgelwässer)
• Magen – Darmschleimhaut: enteral, (per)oral (Tabletten, Dragees, Kapseln, Lösungen, Suspensionen, Emulsionen)
• Rektum -Schleimhaut: rektal (Suppositorien, Rektalkapseln, Salben)
• Nasenschleimhaut: nasal (Tropfen Salben Gele, Sprays)
• Bronchial- u. Alveolarepithel: pulmonal (Aerosole, Inhalate)
• Augen -Bindehaut: konjunktival (Augentropfen, Salben)
• Schleimhäute d. Genitalorgane: intravaginal (Salben, Suppositorien)
• ableitende Harnwege: intraurethral (Infusionslösung, Injektionslösung)

Applikation in das KĂśrperinnere – parenteral

• in das Herz (intrakardial)
• in eine Arterie (intraarteriell)
• in eine Vene (intravenös, i.V.)
• in die Haut (intracutan)
• unter die Haut (subcutan)
• in den Muskel (intramuskulär)
• in die Bauchhöhle (intraperitoneal)
• in den Lumbalsack (intralumbal)
• in den Liquorraum (intrathekal)

Applikation in die oberste Hautsicht – intracutan (i.c.)

• sehr langsam

Applikation in das Unterhautfettgewebe – subcutan (s.c.)

• langsam

Applikation in das Muskelgewebe – intramuskulär (i.m.)

• schnell
• verzögert bei öligen Lösungen

Applikation in die Vene – intravenĂśs (i.v.)

• sofort
• Arzt, DGKP

Applikation in die Arterie – intraarteriell (i.a.)

• sofort
• immer vom Arzt

Die 6-R-Regel: Regel fĂźr sichere Medikamentengabe

Medikamentenkontrolle auf Übereinstimmung mit der Verordnung im Dokumentationssystem

  1. richtiger Patient
  2. richtiges Medikament
  3. richtige Dosierung
  4. richtige Applikation
  5. richtiger Zeitpunkt
  6. richtige Dokumentation

Parenterale LĂśsungen / Injektionen

parenterale LĂśsungen = Parenteralia
Arzneizubereitungen, die unter Umgehung des Magen-Darm-Traktes in den KĂśrper verabreicht werden (idR durch Injektion oder Infusion)

Rechtliche HintergrĂźnde

Kompetenz und Verantwortung

Anordnungsverantwortung: alleinige Verantwortung des Arztes fĂźr die Anordnung und Auswirkung eines Medikaments.
Anordnung = hat schriftlich zu erfolgen (Medikament, Dosis, Verabreichungsart)

DurchfĂźhrungsverantwortung: alleinige Verantwortung der Schwester/des Pflegers fĂźr die DurchfĂźhrung einer Injektion
= Injektionstechnik hat fachgerecht zu erfolgen
Pflegepersonal (z.B. SchĂźlerInnen) haben das Recht und die Pflicht das Spritzen zu unterlassen, wenn sie die Technik nicht beherrschen!

Anforderungen an parenterale LĂśsungen / Injektionen

• absolute Freiheit von lebenden Mikroorganismen (Sterilität)
• Abwesenheit von fiebererzeugenden Stoffen (Pyrogene)
• absolute Dichtheit des Behälters
• Abwesenheit von unlöslichen Partikeln (Schwebstoffen)
• weitgehende Blutisotonie und Einhaltung des Blut-pH-Wertes (Säuerungswert)
• keine Veränderung wie Trübung, Flocken, Verfärbung (ansonsten sofort verwerfen)

GrĂźnde fĂźr eine parenterale Verabreichung

• sofortige Wirkung
• gleichmäßige Konzentration im Körper
• Regulation des Elektrolythaushalts
• Regulation des Säure-Basen-Haushalts
• Auffüllen des Gefäßsystems nach großen Blutverlusten
• parenterale Ernährung
• zeitgenaue Anwendung (Infusiomat, Motorspritze)
• Umgehung des Magen-Darmtrakts

VerweilkanĂźle

gehĂśrt zu den parenteralen Applikationsformen. Ist ein dĂźnner Kunststoffkatheter, der in ein Gefäß oder Gewebe eingefĂźhrt wird und dort Ăźber einen längeren Zeitraum verbleibt, um wiederholte Injektionen oder Infusionen zu ermĂśglichen. Die zwei gängigsten Arten von VerweilkanĂźlen sind subkutane (ins Unterhautfettgewebe, z.B. Palliativversorgung) und periphervenĂśse VerweilkanĂźlen (PVK, auch „periphervenĂśser Gefäßzugang“, in eine oberflächliche periphere Vene). Werden Medikamente Ăźber eine PVK verabreicht, spricht man oft von intravenĂśser Verabreichung (i.v.).

Augentropfen / Ophthalmika

• zur Behandlung und für diagnostische Zwecke
• reizlos
• vor Verabreichung auf Körpertemperatur erwärmen
• steril! keine Fremdkörper!
• nach dem Öffnen 4-6 Wochen verwenden

Verabreichungszeitpunkt Augentropfen:
• nach ärztlicher Verordnung (z. B. mehrmals täglich)
• mĂśglichst gleichmäßig Ăźber den Tag verteilt
• unabhängig von Mahlzeiten
• Praktisch sinnvoll: vor dem Schlafengehen (längere Einwirkzeit, weniger AusspĂźlen durch Blinzeln)
• bei mehreren Augentropfen: Abstand von ca. 5–10 Minuten einhalten

🪢 🧩💡Erinnerungsknoten: Augen eintropfen💡🧩 🪢

Aerosole

fein verteilte feste oder flĂźssige Teilchen in einem Gas, meist zur Inhalation bestimmt.

• vor Sonnenbestrahlung schützen (über 50 °C Explosionsgefahr!)
• meist als Inhalationsaerosol zur Bekämpfung von Atemwegserkrankungen

Dosieraerosole

Inhalationsgeräte, die bei Betätigung eine exakt dosierte Wirkstoffmenge freisetzen.

Verabreichungszeitpunkt:
• nach ärztlicher Verordnung (z. B. 1–2× täglich oder bei Bedarf)
• Dauertherapie: regelmäßig und gleichmäßig Ăźber den Tag verteilt
• Bedarfsmedikation (z. B. Bronchodilatatoren): bei akuter Atemnot
• oft morgens und abends bei Dauermedikation

Wichtig:
• nach kortisonhaltigen Sprays Mund ausspülen (oft bei Sprays gegen Asthma und COPD)

Antiasthmatika

wirken bronchienerweiternd und entzĂźndungshemmend

🪢 🧩💡Erinnerungsknoten: Wie verabreichst du ein Dosieraerosol: Schritt-für-Schritt?💡🧩 🪢

Nasentropfen / Rhinologika

flüssige Arzneimittel zur Anwendung auf der Nasenschleimhaut, meist abschwellend oder befeuchtend. Sind gefäßkontrahierende Substanzen – Abschwellung der Nasenschleimhaut, die Sekretion wird vermindert

• abschwellend
• befeuchtend/pflegend
• kortisonhaltig (mĂśgliche Nebenwirkung: Nasenbluten – Kortison kann die Nasenschleimhaut austrocknen)
• antihistaminikahaltig
• antibiotikahaltig (nicht vorzeitig abbrechen)

Verabreichungszeitpunkt
• nach ärztlicher Verordnung (z. B. mehrmals täglich)
• mĂśglichst gleichmäßig Ăźber den Tag verteilt
• unabhängig von Mahlzeiten
• praktisch sinnvoll vor Mahlzeiten (erleichtert das Trinken)

🪢 🧩💡Erinnerungsknoten: Nasentropfen anwenden💡🧩 🪢

Ohrentropfen

• z.B. bei Otitis (Gehörgangentzündung)
• Arztanordnung
• Kontraindikation: Trommelfellperforation
• Ohrentropfen mit Kortison: erhĂśhtes Risiko fĂźr Pilzinfektionen
• Ohrentropfen mit Antibiotika: unregelmäßige oder zu kurze Anwendung fĂśrdert Resistenzen
• pflegende / befeuchtende Ohrentropfen halten den GehĂśrgang geschmeidig (z. B. Ölpräparate)

Verabreichungszeitpunkt
• nach ärztlicher Verordnung (z. B. 1–3× täglich)
• mĂśglichst gleichmäßig Ăźber den Tag verteilt
• unabhängig von Mahlzeiten
• praktisch sinnvoll: vor dem Schlafengehen (Tropfen können länger im Ohr bleiben)

Die Phasen der Arznei im Organismus

Pharmazeutische Phase

von der Applikation bis zur AuflĂśsung der Wirkstoffe in KĂśrperflĂźssigkeiten
Applikation – Zerfall – Freisetzung des Wirkstoffs – AuflĂśsung

Pharmakokinetische Phase

Der Weg eines Arzneimittels im Organismus.

  • Resorption
    Aufnahme des Wirkstoffs in das Blut.
  • Distribution (Verteilung)
    Verteilung des Wirkstoffs im KĂśrper, also in Organe, Gewebe und KĂśrperflĂźssigkeiten.
  • Metabolismus (Biotransformation)
    Chemische Umwandlung des Wirkstoffs, vor allem in der Leber.
  • Exkretion / Elimination (Ausscheidung)
    Ausscheidung des Wirkstoffs oder seiner Abbauprodukte, hauptsächlich ßber Niere (Urin), aber auch ßber Galle, Stuhl, Lunge, Haut oder Muttermilch.

Diese vier Schritte werden häufig mit dem Begriff ADME zusammengefasst (Absorption, Distribution, Metabolism, Excretion).

Pharmakodynamische Phase

Die Wirkung eines Arzneimittels (Pharmakokdynamik).

• pharmakologischer Effekt (Blockieren, chemische Prozesse bewirken …)
• es kommt zur Wirkung: Die Pharmakodynamik beschreibt die Wirkungen, die ein Arzneimittel im Organismus auslöst.

Halbwertszeit

Dauer, nach der nur noch die Hälfte des Wirkstoffs im KÜrper ist.

Kumulation

Anreicherung des Wirkstoffs im KÜrper (bei Zufßhren des Arzneistoffs in kßrzeren Abständen oder bei verringerter Ausscheidung).

Ausscheidung von Arzneistoffen

• Niere (mit dem Urin – renal)
• Leber und die Galle (mit dem Stuhl = biliär)
• Lunge (mit Atemluft = pulmonal)

weiters Ăźber:
• die Haut
• die Muttermilch

Verabreichungszeitpunkt von Arzneimitteln

viele Medikamente zu den Mahlzeiten

Vor den Mahlzeiten:
• Insulin (Normal-(Alt-)Insulin, Verzögerungsinsulin, Mischinsulin)
• Protonenpumpenhemmer
• können nur so ihre Wirkung entfalten

Nicht nĂźchtern:
• Analgetika â†’ „Analgetika sollen nicht nĂźchtern eingenommen werden!“

Kategorien von Medikamenten mit ähnlichem Wirkmechanismus oder Anwendungsgebiet.

Aus der Praxis
Kommentar, Claudia Felbermayer: Pflegefachlich korrekt sollte auch die Pflegeassistenz in der Lage sein, über die wichtigsten Wirkungen, Risiken, Nebenwirkungen sowie das Verhalten im Alltag in verständlicher Sprache (angepasst an die Person) informieren zu können. Doch nicht jede ist gleichermaßen mit diesen Informationen vertraut. Das gilt besonders dann, wenn noch wenig Berufserfahrung vorhanden ist. Ich konnte in meinen Praktika beobachten, dass aus diesem Grund mehrere Pflegepersonen im Pflegeheim dazu übergegangen sind, vor der ersten Einnahme eines neuen Medikaments gemeinsam mit der betroffenen Person die Packungsbeilage durchzulesen. Auf diese Weise können sie sich selbst einen Überblick verschaffen und gleichzeitig wichtige Informationen verständlich weitergeben. Das schafft Transparenz und erhöht die Sicherheit im Umgang mit dem Medikament. Dieses Vorgehen erfordert natürlich Eigeninitiative, aber aber gerade für unerfahrene Pflegepersonen eine intelligente Strategie, um sich das notwendige Wissen mit der Zeit anzueignen, und irgendwann gezielt und verständlich mündlich erklären zu können.

AbfĂźhrmittel (Laxantien)

• zur Förderung der Darmentleerung (z.B. Mikroklistier)
• Element der Obstipationsprophylaxe (bei Opioidtherapie)

Wirkung
• Quellstoffe: milde Laxantien, z.B.: Leinsamen, Flohsamen 👉 quellen im Darm → erhöhen das Stuhlvolumen
• stimulierende Laxantien: z.B.: Rizinusöl, Extrakte aus Pflanzen wie Aloe 👉 regen die Darmbewegung an
• osmotische Laxantien: Salze, Zucker (z.B. Bittersalz, Glaubersalz, Lactulose, Macrogol) 👉 ziehen Wasser in den Darm → Stuhl wird weicher
• rektale Laxantien: Zäpfchen (z. B. Glycerin), Klistiere / Einläufe 👉 wirken lokal und schnell

🪢 🧩💡Erinnerungsknoten: Ist Leinsamen blutzuckererhöhend?💡🧩 🪢

Osmotische Laxantien: Mechanismus
• ist ein physikalischer Mechanismus
• die Darmwand ist eine teildurchlässige Membran (fĂźr Wasser durchlässig)
• der Wirkstoff bleibt im Darm (gelöste Stoffe wie Lactulose, Macrogol bleiben im Darm)
• erhĂśht dort die Konzentration gelĂśster Teilchen
• Wasser wird in den Darm „gezogen“ (durch Osmose)
• Stuhl wird weicher
• Stuhlvolumen nimmt zu
• Darmbewegung wird angeregt

🪢 🧩💡Erinnerungsknoten: Was ist Osmose?💡🧩 🪢

Indikationen
• Röntgenuntersuchungen oder OP-Vorbereitung
• schmerzhafte Stuhlentleerung (Analfissur)
• versehentliche Einnahme von toxischen Stoffen
• medikamentös bedingte Obstipation (Opiate werden oft gemeinsam mit Laxantien verordnet)

🪢 🧩💡Erinnerungsknoten: Was sind stuhlfördernde Lebensmittel? Wann dürfen sie nicht gegeben werden?💡🧩 🪢

UnerwĂźnschte Wirkungen
• bei einer kurzfristigen Anwendung nur selten wesentliche unerwünschte Wirkungen
• Dehydratation

Mikroklistier

• Einmalklistier
• „kleiner Einlauf“
• rektale Applikation (über den Enddarm)
• gehĂśrt zu den parenteralen / nicht-oralen Applikationsformen, aber lokale Wirkung
• weicht den Stuhl auf
• Anwendung bei Obstipation
• schnelle Wirkung (meist nach wenigen Minuten)

Laxantien: Das muss die Pflege beachten
• Wichtig: bei Diabetikern keine Laxantien mit Zucker verwenden!
• Wichtig: bei Herz- und Niereninsuffizienz nur gezielte Auswahl an Laxantien
• Stuhlbeobachtung
• Flüssigkeitszufuhr (ggf. Flüssigkeitsbilanz)
• Müdigkeit, Krämpfe, Herzrhythmusstörungen = Kontrolle der Elektrolyte veranlassen
• Ursachen der Obstipation mitdenken: Bewegung, ballaststoffreiche Ernährung, Trinkmenge, Laxantien ersetzen keine Ursachenbehandlung
• keine Daueranwendung ohne ärztliche Kontrolle (Opioidtherapie)

Antibiotika

👉 wirken gegen bakterielle Infektionen.
• hemmen das Wachstum von Bakterien oder töten sie ab

Verabreichungszeitpunkt
• genau nach ärztlicher Verordnung
• Einnahmezeiten konsequent einhalten: regelmäßige Einnahme in festen Abständen (z. B. alle 8 oder 12 Stunden) → gleichmäßiger Wirkspiegel

Nebenwirkungen (allgemein)
• Allergische Reaktionen (Anaphylaxie, besonders bei Penicillinen beachten)
• Photosensibilität → erhĂśhte Lichtempfindlichkeit
• Diarrhoe oder Obstipation
• Emesis / Nausea
• Hautausschläge
• Pilzinfektionen
• Störungen der Darmflora

Antibiotika bekämpfen Bakterien, kĂśnnen aber auch die gesunde Flora und Organe beeinflussen.

Antibiotika: Das muss die Pflege beachten
• 6-R-Regel
• Therapie vollständig durchfĂźhren (nicht vorzeitig absetzen)
• zu geringe Gabe oder Einnahme für zu kurze Zeit: Resistenz (z.B. MRSA)
• Stuhlausscheidung beobachten
• MĂśgliche Anzeichen einer Allergie sofort melden
• auf Pilzinfektionen achten
• wenn Medikament innerhalb von 3–4 Tagen nicht anschlägt: Information an den Arzt weitergeben
• immer derselbe Einnahmezeitpunkt (gleichmäßiger Wirkstoffspiegel im Blut, wenn Wirkstoffspiegel zu stark absinkt, können sich Bakterien wieder vermehren und Resistenzen bilden

🪢 🧩💡Erinnerungsknoten: Was bedeutet Resistenz?💡🧩 🪢

Virostatika / Antivirale Arzneimittel

👉 wirken gegen Virusinfektionen

Verabreichungszeitpunkt:
• so frĂźh wie mĂśglich im Krankheitsverlauf (besonders wichtig!)

Virostatika: Das muss die Pflege beachten
• Resistenzbildung (großes Problem bei Viren), Einnahmeintervalle genau beachten (z. B. alle 8 oder 12 Stunden)
• Nebenwirkungen früh erkennen und melden
• Harnbeobachtung (wichtig, weil viele Virostatika renal ausgeschieden werden und die Niere belasten kĂśnnen)

BlutverdĂźnner: Antikoagulanzien + Thrombozytenaggregationshemmer

hemmen die Blutgerinnung.

👉 wirken gegen Blutgerinnsel (Thrombosen), werden zur Embolieprophylaxe eingesetzt

• Antikoagulanzien: Heparin, Fragmin, Marcomar (hemmen die Fibrinbildung, wirken auf die sekundäre Hämostase)
• Thrombozytenaggregationshemmer: Acetylsalicylsäure (ASS), Handelsnamen Aspirin, Thrombo Ass (hemmen das Zusammenkleben der Thrombozyten, wirken auf die primäre Hämostase)

🪢 🧩💡Erinnerungsknoten: Was passiert in der sekundären Hämostase?💡🧩 🪢

Gefahr
• Blutungen (wichtigste Nebenwirkung!)

Heparine

Wirkungsgebiet: sekundäre Hämostase (verhindern die Bildung von Fibrin đŸ‘‰ verhindert, dass sich ein Fibrinnetz bilden kann)

• ist ein Antikoagulans
• kann auch die Bildung von schon vorhandenem Thromben aufheben (in hohen Dosierungen sogar Hemmung der Plättchenaggregation)
• eher Kurzzeittherapie

🪢 🧩💡Erinnerungsknoten: Was passiert bei der Plättchenaggregation?💡🧩 🪢

Indikationen
• Prophylaxe / Therapie von venösen Thrombosen / Lungenembolien, z.B.:
• bei Immobilität
• nach Operationen
• bei akuten Erkrankungen mit eingeschränkter Mobilität
• bei bestehender Thrombose
• Reduktion thromboembolischer Komplikationen im Rahmen eines Herzinfarkts (Akutphase), Lungenembolie (Akuttherapie)

UnerwĂźnschte Wirkungen
• Blutungen im Körper

Heparine: Das muss die Pflege beachten
• kĂśnnen eine kĂźnstliche Blutungsneigung verursachen („kĂźnstlicher Bluter“) – Hautbeobachtung, Ausscheidungen beobachten
• Blutungsrisiko beachten (z. B. Verletzungen, Operationen)
• P/B Ăźber Verletzungsgefahr und Blutungszeichen informieren:
„Dieses Medikament (Heparin) macht das Blut dĂźnner und verhindert Blutgerinnsel. Dadurch kĂśnnen Sie leichter bluten. Anhaltende Blutungen bitte sofort melden. Auch bei Schwindel, Schwäche oder Blässe Bescheid geben.“
• blaue Flecken (Hämatome) treten schneller auf
• Nasenbluten oder Zahnfleischbluten
• Wunden bluten länger als sonst
• rote oder dunkle Verfärbung im Urin oder Stuhl
• ungewĂśhnlich starke oder lange Menstruationsblutung
• Verletzungen vermeiden
• Blutungszeichen beobachten
• bei Kontrollen oder Behandlungen über Antikoagulantien informieren
• keine Selbstmedikation ohne Rücksprache
• regelmäßige Gerinnungskontrollen

🪢 🧩💡Erinnerungsknoten: Subcutan spritzen Schritt-für-Schritt💡🧩 🪢

Cumarine

Wirkungsgebiet: sekundäre Hämostase (verhindern die Bildung von Fibrin đŸ‘‰ verhindert, dass sich ein Fibrinnetz bilden kann)

• ist ein Antikoagulans
• Wird NICHT injiziert, sondern oral eingenommen ⇔ Pflegeassistenz verabreicht auch Cumarine, nicht nur Heparin!
• eher Langzeittherapie

Indikation
• Prophylaxe / Therapie von venösen Thrombosen / Lungenembolien
• z.B. bei Vorhofflimmern

Cumarine: Das muss die Pflege beachten
• Gefahr des Verblutens bei Verletzungen
• P/B Ăźber Verletzungsgefahr und Blutungszeichen informieren:
„Dieses Medikament (Cumarine) verhindert Blutgerinnsel. Dadurch kĂśnnen Sie leichter und länger bluten. Bitte melden Sie sich sofort, wenn
• Blutungen nicht aufhĂśren oder ungewĂśhnlich stark sind (auch Monatsblutung)
• Nasen- oder Zahnfleischbluten häufig oder länger auftritt
• blaue Flecken sehr groß sind
• Blut im Urin (rot/braun) oder Stuhl (schwarz/blutig) auffällt
• Erbrechen blutig oder kaffeesatzartig ist“
• Therapie überwachen durch regelmäßige Blutabnahmen veranlassen, anfangs öfters, um die therapeutische Breite festzustellen
• Bluterpass (INR-Ausweis) sollte immer mitgetragen werden
• Blutungszeichen beobachten
• bei Kontrollen oder Behandlungen Bluterpass zeigen
• keine Selbstmedikation ohne Rücksprache
• regelmäßige Gerinnungskontrollen

Thrombozytenaggregationshemmer

Acetylsalizylsäure, z.B. Thrombo AssŽ
Wirkungsgebiet: primäre Hämostase

• hindern die Thrombozyten daran, sich zu einem Pfropf zu verkleben (Thrombo ASS)

Acetylsalicylsäure (ASS): Das muss die Pflege beachten
• Vor operativen Eingriffen darf keine Acetylsalizylsäure eingenommen werden – Arzt informieren (Blutungsgefahr)
• erhĂśhte Blutungsneigung (v. a. Schleimhäute, Magen-Darm-Trakt, Nasenbluten, Hirnblutungen)
• Magenreizung / Ulkusrisiko beachten (nach dem Essen einnehmen, ggf. Magenschutz)
• Magenverträglichkeit beobachten (z. B. Dolor, Nausea)
• Vorsicht bei Kombination mit anderen blutverdĂźnnenden Medikamenten (Blutungsrisiko ↑)
• P/B über Verletzungsgefahr und Blutungszeichen informieren:
„Dieses Medikament (Acetylsalicylsäure) macht das Blut dĂźnner. Dadurch kĂśnnen Sie leichter und länger bluten. Sie sind damit zwar kein kĂźnstlicher Bluter, aber melden Sie, wenn:
• Blutungen nicht aufhĂśren oder ungewĂśhnlich stark sind (auch Monatsblutung)
• Nasen- oder Zahnfleischbluten häufig oder länger auftritt
• sehr große blaue Flecken entstehen
• Blut im Urin (rot/braun) oder Stuhl (schwarz/blutig) auffällt
• Erbrechen blutig oder kaffeesatzartig ist
• starke Magenschmerzen auftreten“
• Medikamente regelmäßig einnehmen
• Verletzungen vermeiden
• Blutungszeichen beobachten
• bei allen Kontrollen und Behandlungen über Antikoagulantien informieren
• keine Selbstmedikation ohne Rücksprache
• regelmäßige Gerinnungskontrollen

Herz-Kreislaufmittel

Arzneimittel zur Behandlung von Erkrankungen des Herzens und der Blutgefäße, z.B. bei Hypertonie, Herzinsuffizienz, koronaren Herzerkrankungen oder HerzrhythmusstĂśrungen. KĂśnnen auf Blutdruck, Herzfrequenz, Gefäßweite, Blutgerinnung oder Herzleistung wirken.

• Koronarmittel
• Herzinsuffizienztherapie

Koronarmittel

• Calciumkanalblocker/Calciumantagonisten
• Betablocker
• Nitrate

Unterschied Calciumkanalblocker / Nitrate / Betablocker
Calciumkanalblocker = Dauermedikation, blutdrucksenkend
Betablocker = Dauermedikation, Herz arbeitet langsamer und schwächer
Nitrate = Notfallstandard

Calciumkanalblocker / Calciumantagonisten

👉 senken den Blutdruck
👉 Wirkungsgebiet: v. a. Gefäße
• „Calciumkanalblocker“ und „Calciumantagonist“ sind Synonyme
• erweitern die Blutgefäße (Vasodilatation)
• entlasten das Herz (Sauerstoffbedarf ↓)
• hemmen den Calcium-Einstrom in der Gefäßmuskulatur → Gefäße entspannen sich → Blutdruck sinkt
• Einsatz bei Bluthochdruck, Angina pectoris, Herzrhythmusstörungen
• Dauermedikation – regelmäßige Einnahme wichtig fĂźr gleichmäßige Wirkung
• kĂśnnen auch rasch wirken, heute aber nicht mehr Standard im akuten Notfall (Bluthochdruckkrise), v. a. Nifedipin zurĂźckhaltender

Agonist: Wirkstoff, der an einen Rezeptor bindet und ihn aktiviert. Dadurch wird eine Wirkung ausgelĂśst.
Antagonist: Wirkstoff, der an einen Rezeptor bindet, und ihn blockiert. Dadurch wird die Wirkung eines Agonisten gehemmt.

Darreichungsformen:
• Tabletten
• Spray

Calciumkanalblocker / Calciumantagonisten: Das muss die Pflege beachten
• Ă–deme beobachten → häufig KnĂśchelĂśdeme (v. a. bei Dihydropyridinen)
• Flush (plĂśtzliches WärmegefĂźhl) → typische Nebenwirkungen durch Gefäßerweiterung
• P/B informieren: „Dieses Medikament erweitert die Blutgefäße und senkt den Blutdruck. Dadurch kann es zu einem Flush, Schwindel oder Kreislaufproblemen kommen – bitte langsam aufstehen. Bitte melden Sie sich, wenn Schwellungen an den Beinen entstehen.“
• Sturzprophylaxe (Sturzrisiko bei Blutdruckabfall)
• Wechselwirkungen beachten (z. B. mit Grapefruitsaft)
• regelmäßige Vitalzeichenkontrolle

Betablocker

👉 verlangsamt den Herzschlag (und senkt den Blutdruck)
👉 Wirkungsgebiet: v. a. Herz
• setzt die Kontraktionskraft des Herzens herab
• Sauerstoffbedarf des Herzens ↓
• Langzeittherapie

Betablocker: Das muss die Pflege beachten
• nicht abrupt absetzen! (führt zu Rebound-Effekt, Blutdruckanstieg, Tachykardie, Arryhtmien, Angina Pectoris, Myokardinfarkt)
• P/B informieren: „Dieses Medikament verlangsamt den Herzschlag und senkt den Blutdruck. Dadurch wird das Herz entlastet. Es kann zu Schwindel oder Benommenheit (v. a. beim Aufstehen), langsamem Puls, MĂźdigkeit und Leistungsabfall sowie zu kalten Händen und Füßen kommen. Melden Sie sich, wenn der Puls sehr langsam ist oder unregelmäßig wirkt. Setzen Sie das Medikament niemals abrupt ab, da dies zu einem Rebound-Effekt fĂźhren kann.“
• Sturzprophylaxe (Sturzrisiko bei Blutdruckabfall)
• Wechselwirkungen beachten (z. B. zusätzliche blutdrucksenkende Mittel wie Diuretika, ACE-Hemmer, Calciumkanalblocker)
• regelmäßige Vitalzeichenkontrolle

Nitrate

z. B. Nitroglycerin

👉 klassische Akutmedikation
👉 wirken stark gefäßerweiternd
👉 Wirkungsgebiet: v.a. Venen und Koronargefäße
• wirken sehr schnell (Minuten)
• bei akutem Angina-pectoris-Anfall
• kurzfristige Behandlung
• Standard beim Angina-pectoris-Anfall
• gezielt fĂźr den Notfall entwickelt

Nitrate: Das muss die Pflege beachten
• nicht abrupt absetzen! (Wiederauftreten von Angina pectoris mĂśglich)
• keine Kombination mit bestimmten Potenzmitteln (Viagra) â†’ Gefahr eines massiven Blutdruckabfalls
• Blutdruckabfall beachten
• Toleranzentwicklung mĂśglich â†’ Nitratpause einhalten (z.B. Pflaster am Morgen → abends abnehmen, Retardtablette → so dosieren, dass nachts Pause entsteht)
• P/B informieren: „Dieses Medikament erweitert die Blutgefäße und verbessert die Durchblutung des Herzens. Dadurch kann es zu häufig v.a. am Anfang der Therapie zu Kopfschmerzen kommen. Auch Schwindel oder ein WärmegefĂźhl (Flush) kann vorkommen. Bitte stehen Sie langsam auf, um Kreislaufprobleme zu vermeiden.
Melden Sie sich, wenn:
• starker Schwindel oder Ohnmacht auftrit
• starke Kopfschmerzen bestehen
• Brustschmerzen trotz Einnahme nicht besser werden“
• Sturzprophylaxe (besonders hohes Risiko zu Therapiebeginn)
• regelmäßige Vitalzeichenkontrolle

🪢 🧩💡Erinnerungsknoten: Bei welchen Indikationen wirst du den Blutdruck regelmäßig messen?💡🧩 🪢

Herzinsuffizienz Therapie

Herzglykoside

👉 steigert die Kontraktionskraft des Herzmuskels
👉 Wirkungsgebiet: Herz
• Verlangsamung der Schlagfrequenz
• bei chronischer Herzinsuffizienz
• Einsatz auch bei Tachykardien, Vorhofflattern und Vorhofflimmern

Herzglykoside: Das muss die Pflege berĂźcksichtigen
• geringe therapeutische Breite (Digitalis)! Dosierung genau einhalten – es kann sehr rasch zur Überdosierung kommen!
• nicht abrupt absetzen! (rasche Verschlechterung der Herzinsuffizienz mĂśglich)
• Puls kontrollieren vor Gabe â†’ bei Bradykardie (z. B. < 60/min) RĂźcksprache halten
• Symptome bei Überdosierung
• Arrhythmien
• Benommenheit
• Kopfschmerzen
• Sehstörungen (gelbsehen)
• Emesis/Nausea
• Verwirrtheitszustände und Halluzinationen (oft bei älteren Menschen)
• Elektrolyte beachten (v. a. Kalium!) → Hypokaliämie erhĂśht Intoxikationsrisiko (regelmäßige Blutkontrollen veranlassen / einhalten)
• kaliumreiche Ernährung fĂśrdern (nach ärztlicher RĂźcksprache)
• ggf. Kaliumsubstitution notwendig (ärztlich verordnet)
• Wechselwirkungen beachten (z. B. Diuretika → Kaliumverlust!)
• P/B informieren: „Dieses Medikament stärkt die Schlagkraft des Herzens und verlangsamt den Puls. Dadurch kann es zu Schwindel oder Übelkeit kommen.
Melden Sie sich, wenn
• starker Schwindel oder Ohnmacht auftritt
• der Puls sehr langsam oder unregelmäßig ist
• Übelkeit, Erbrechen oder Appetitlosigkeit auftreten
• SehstĂśrungen (z. B. Gelbsehen, verschwommenes Sehen) auftreten.
Medikament nicht eigenmächtig absetzen oder doppelt einnehmen!“
• regelmäßige Kontrolle von Puls
• Sturzprophylaxe (besonders hohes Risiko zu Therapiebeginn)
• regelmäßige Vitalzeichenkontrolle

Antiarrhythmika

👉 zur Behandlung von Herzrhythmusstörungen

Antiarrhythmika: Das muss die Pflege berĂźcksichtigen
• Antiarrhythmika können selbst Arrhythmien auslösen → Puls, Rhythmus und Elektrolyte engmaschig überwachen.
• nicht abrupt absetzen! (rasche Verschlechterung von HerzrhythmusstĂśrungen mĂśglich)
• Puls und Herzrhythmus kontrollieren vor Gabe â†’ bei Bradykardie oder Unregelmäßigkeiten RĂźcksprache halten
• Blutdruck beachten (Gefahr von Hypotonie)
• bei Überdosierung:
• neue oder verstärkte Arrhythmien
• Schwindel, Benommenheit
• Synkopen (Ohnmacht)
• Bradykardie oder Tachykardie
• ggf. SehstĂśrungen, Verwirrtheit (je nach Wirkstoff)
• Elektrolyte beachten (v. a. Kalium und Magnesium!) Abweichungen erhĂśhen das Arrhythmierisiko → regelmäßige Blutkontrollen veranlassen / einhalten
• kalium- und magnesiumreiche Ernährung fĂśrdern (nach ärztlicher RĂźcksprache)
• ggf. Kalium- oder Magnesiumsubstitution notwendig (ärztlich verordnet)
• Vorsicht! Bei Niereninsuffizienz Risiko fĂźr Hyperkaliämie / Hypermagnesiämie. Daher keine eigenständigen Ernährungsumstellungen!
• P/B informieren: „Dieses Medikament stabilisiert Ihren Herzrhythmus. Melden Sie sich, wenn:
• starker Schwindel oder Ohnmacht auftritt
• Herzstolpern, sehr schneller oder sehr langsamer Puls auffällt
• Brustschmerzen oder Atemnot auftreten. Medikament nicht eigenmächtig absetzen oder doppelt einnehmen! Keine eigenständige Dosisänderung!“
• regelmäßige Kontrolle von Puls und Herzrhythmus (EKG veranlassen / einhalten)
• Wechselwirkungen beachten (v. a. mit anderen herzwirksamen oder blutdrucksenkenden Medikamenten)
• Sturzprophylaxe
• regelmäßige Vitalzeichenkontrolle
• Herzrhythmus überwachen
• Puls kontrollieren
• auf Symptome achten:
→ Schwindel
→ Herzstolpern
→ Ohnmacht
👉 sofort melden

Entwässerungsmittel / Diuretika

fĂśrdern die Ausscheidung von Wasser Ăźber die Niere.

👉 Ziel: Ausschwemmung von Wasser (und Salz)
👉 Wirkungsgebiet: Niere
• bei Ödemen, Herzinsuffizienz, Hypertonie (wirken auch blutdrucksenkend)

• Osmotische Diuretika: mittel bis stark wirksam
• Schleifendiuretika: starke Wirkung
• Thiaziddiuretika: mittlere Wirkung
• Kaliumsparende Diuretika: schwache Wirkung

Osmotische Diuretika
• Wasser wird „mitgezogen“ durch osmotischen Effekt
• müssen intravenös appliziert werden
• bindet große Wassermengen bei geringem Elektrolytverlust
• Anwendung oft bei Vergiftungen
• Einsatz bei Hirndruck / Ödemen

UnerwĂźnschte Nebenwirkungen
• Polyurie
• Ăœberwässerung (initial) â†’ später Dehydratation
• Elektrolytverschiebungen
• Vorsicht bei Herzinsuffizienz

Schleifendiuretika
• sehr stark, schnell → viel Wasser + Na⁺, K⁺, Cl⁝ werden ausgeschieden
• sehr wirksame Methode, um Flüssigkeit auszuschwemmen, jedoch hoher Natrium-Kalium-Verlust
• auch bei Niereninsuffizienz wirksam
• Notfallmedikament (z. B. Lungenödem)

UnerwĂźnschte Nebenwirkungen
• Polyurie
• starker Elektrolytverlust (v. a. Kalium, Natrium)
• Dehydratation
• Hypotonie

Thiaziddiuretika
• mittelstark, länger anhaltend
• Elektrolytverlust nicht ganz so hoch wie die Schleifendiuretika
• Standard bei Bluthochdruck
• weniger wirksam bei schwerer Niereninsuffizienz

UnerwĂźnschte Nebenwirkungen:
• Polyurie
• hoher Natrium- und Kaliumverlust
• Hyperglykämie (Thiaziddiuretika kĂśnnen den Blutzucker erhĂśhen, daher vermehrt Blutzuckerkontrollen bei Menschen mit Diabetes)
• kann langfristig die Entstehung von Gicht begĂźnstigen

Kaliumsparende Diuretika
• schwach, aber → Kalium bleibt im KĂśrper
• schonende Vorgangsweise
• geringere Wirksamkeit
• oft als Kombinationstherapie mit anderen Diuretika

UnerwĂźnschte Nebenwirkungen:
• Polyurie
• Hyperkaliämie (gefährlich!)
• bei Spironolacton → hormonelle Nebenwirkungen

Diuretika: Das muss die Pflege beachten
• Hauptprobleme / alle Diuretika:
• Dehydratation
• Elektrolytstörungen
• Kreislaufprobleme
• Flüssigkeitsbilanz
• tägliche Gewichtskontrolle (möglichst gleiche Zeit)
• Elektrolyte überwachen (Blutabnahmen veranlassen / ermöglichen)
• Kreislauf beobachten
• Beobachtung auf Wirkung
• nimmt Ödem ab
• verbessert sich die Atmung? (z. B. bei Lungenstauung)

Analgetika

Schmerzmittel. Arzneimittel zur Linderung oder Ausschaltung von Schmerzen, ohne dabei das Bewusstsein wesentlich zu beeinflussen.

• Schmerz ist eine subjektive und persönliche Empfindung (ein biopsychosoziales Phänomen)
• Schmerzskala: Patient gibt die persönlich empfundene Schmerzintensität an

WHO-Stufenschema: stufenweiser Ansatz zur medikamentĂśsen Schmerztherapie
1. nicht‑opioide Analgetika, bei leichten bis mäßigen Schmerzen (z.B. Paracetamol, Ibuprofen, Novalgin)
2. niederpotente Opioide, bei mittelstarken Schmerzen (z.B. Tramadol, Codein)
3. hochpotente Opioide, bei starken, oft tumorbedingten Schmerzen (z.B. Morphin, Oxycodon, Fentanyl)

Wenn normale Schmerzmedikamente nicht ausreichend wirken, kĂśnnen Schmerzmittel auch invasiv rĂźckenmarksnah verabreicht werden.

• peripher wirkend (am Ort der Schmerzentstehung)
• zentral wirkend (im Gehirn und RĂźckenmark)

Nicht-opioid-Analgetika: Peripher wirkende Analgetika

Prostaglandine stehen in engem Zusammenhang mit den Nicht-Opioid-Analgetika. Diese Medikamente hemmen die Bildung von Prostaglandinen. Dadurch wirken sie:

• schmerzlindernd: weil Prostaglandine Schmerzrezeptoren empfindlicher machen
• entzündungshemmend: weil Prostaglandine Entzündungsreaktionen fördern
• fiebersenkend: weil Prostaglandine im Gehirn auf das Temperaturzentrum wirken

Da Prostaglandine aber auch wichtige Schutzfunktionen im Körper haben, kann ihre Hemmung auch Nebenwirkungen verursachen. Wird ihre Bildung gehemmt, ist die Magenschleimhaut schlechter geschützt. Dadurch steigt das Risiko für Magenschmerzen, Gastritis, Magengeschwüre und Blutungen. Auch die Durchblutung der Niere kann beeinträchtigt werden, wodurch das Risiko für Nierenprobleme steigt. Zusätzlich können NSAR die Blutdruckregulation beeinflussen, weil Prostaglandine auch an der Gefäßweite beteiligt sind. Durch die Hemmung der Prostaglandine kann es zu Wassereinlagerung und Blutdruckanstieg kommen.

🪢 🧩💡Erinnerungsknoten: Anatomie: Was sind Prostaglandine?💡🧩 🪢

MĂśgliche Nebenwirkungen von NSAR:
• Magenschmerzen
• Nausea
• Emesis
• Magenschleimhautschäden (Gastritis, Ulcus ventriculi, Mukositis)
• Magenblutungen
• Gastritis
• Ulcus ventriculi
• bei Menschen mit Herz-Kreislauf-Problemen, Bluthochdruck und eingeschränkter Nierenfunktion: Blutdruckanstieg, Nierenschäden
• allergische Reaktionen (z.B. Hautausschlag, Juckreiz, Quaddeln)

Opioide: Zentral wirksame Analgetika

• alle Opiode wirken zentral z. B. Morphin, Tramadol (klassische zentral wirksame Analgetika)
• haben ihren Wirkungsort im Gehirn und im Rückenmark
• wirken in kleineren Dosen analgetisch, in hohen Dosen narkotisch → Lähmung des Atemzentrums → Tod
• Einsatz zentral wirkender Analgetika sollte auf sehr starke Schmerzen beschränkt bleiben
• Dämpfung des ZNS (Schmerzlosigkeit, Beruhigung, Euphorie)

Auch einige Nicht-Opioide, z.B. Novalgin und Paracetamol, wirken zentral – beeinflussen das kĂśrpereigene Cannabinoid-System, jedoch ohne Abhängigkeitspotenzial.[3]

Opioide: Das muss die Pflege beachten
• nicht abrupt absetzen! (Entzugssymptome mĂśglich: Unruhe, Schwitzen, Schmerzen)
• Suchtgefahr! (sollen nicht länger als 14 Tage eingenommen werden – Ausnahmefälle: chronische Schmerzen, Tumorschmerzen und palliative Situationen )
• für chronische, nicht‑tumorbedingte Schmerzen gilt eine eigene Leitlinie zur engmaschigen Überwachung bei längerfristiger Anwendung
• Blutdruck beachten (Gefahr von Hypotonie)
• Nebenwirkungen / Risiken bei Überdosierung:
• Atemdepression → Atmung beobachten (= Bradypnoe + Hypoventilation)
• Euphorie oder Sedierung
• Benommenheit / Somnolenz / Sopor / Bewusstlosigkeit → Bewusstsein beobachten
Hypoventilation)
• Pupillenverengung
• Nausea, Emesis, Vertigo
• Verwirrtheit
• häufig Obstipation als Nebenwirkung → Laxantien (Standard bei Opioidtherapie)
• Ileus
• Flüssigkeit, Bewegung und Ernährung unterstützen
• P/B informieren: „Dieses Medikament lindert starke Schmerzen. Es kann aber auch zu MĂźdigkeit, Schwindel, Übelkeit und Verstopfung kommen.
Melden Sie sich, wenn Sie eine Nebenwirkung an sich bemerken. Bei Überdosierung kann es zu Atemproblemen oder Bewusstlosigkeit fĂźhren. Setzen Sie das Medikament nicht eigenmächtig ab, nehmen Sie es nicht doppelt ein! Achten Sie darauf, es nicht Ăźberzudosieren! Keine eigenständige Dosisänderung! Bei zu langer Einnahme besteht Suchtgefahr!“
• Wechselwirkungen beachten (z. B. mit Sedativa / Alkohol → verstärkte Dämpfung)
• Sturzprophylaxe
• regelmäßige Vitalzeichenkontrolle
• Analgetika sollen generell nicht nüchtern eingenommen werden!

Atemdepression:
Atemdepression → Hypoventilation → Blutgase ↑ CO₂ im Blut → ↓ pH-Wert (ab 7,1 kritisch) → respiratorische Azidose; zusätzlich: ↓ O₂ im Blut → Hypoxämie/Hypoxie

Je höher der CO₂-Gehalt im Blut, desto saurer wird es (pH-Wert sinkt).

🪢 🧩💡Erinnerungsknoten: pH-Wert-Tabelle 💡🧩 🪢

Transdermale Pflaster

= TTS (transdermales therapeutisches System)
• Medikamente, die auf die Haut aufgeklebt werden
• geben die enthaltenen Wirkstoffe kontinuierlich in den Blutkreislauf ab
• Dauertherapie
• Umgehung des Verdauungstrakts
• typische Wirkstoffe: Fentanyl, Nicotin, Nitroglycerin

Anwendung:
– Parkinson-Krankheit
– EmpfängnisverhĂźtung
– Alzheimer
– Angina pectoris, Herzinsuffizienz, Bluthochdruck
– Schmerzen
– RaucherentwĂśhnung

Aufkleben des Pflasters:
• auf eine saubere, vollkommen trockene, unverletzte Hautstelle aufkleben
• Nicht auf geschädigter oder gereizter Haut anwenden
• auf eine relativ unbehaarte Stelle aufkleben – NICHT direkt vor der Anwendung rasieren (Zeitabstand mindestens drei Tage).
• geeignete Hautstellen: Gesäß, die Aussenseite des Oberarms, Rücken
• Nicht auf die Brüste aufkleben
• Klebefläche nicht berühren
• Nach dem Aufkleben ca. 30 Sekunden mit der flachen Hand auf die Haut drücken
• nicht mit einem Stift anschreiben
• nicht zerschneiden

Andere Analgetika

Salizylate (Wirkstoff Acetylsalizylsäure)
• werden zur Schmerz- und Fieberbekämpfung eingesetzt (Aspirin)
• in niedriger Dosierung hemmen sie das Zusammenlagern von Blutplättchen (Thrombo ASS)
• Vor operativen Eingriffen darf keine Acetylsalizylsäure eingenommen werden

Anilinderivate (Wirkstoff Paracetamol)
• wirken fiebersenkend, z.B. Mexalen

Pyrazolderivate (Wirkstoff Pyrazolon)
• Sie wirken fiebersenkend, analgetisch und entzündungshemmend, z.B. Parkemed, Novalgin
Nebenwirkungen:
• Reizung der Magen-Darm-Schleimhaut
• Magengeschwüre
• Magenblutungen
• Leberschäden
• Blutbildschäden

Glucokortikoide

• gehören zur Arzneimittelgruppe der Kortikosteroide
• wirken indirekt schmerzlindernd
• Cortison
• ist kein Analgetikum, wirkt aber ebenfalls schmerzlindernd
• Cortisol ist ein lebenswichtiges, körpereigenes Hormon, das in der Nebennierenrinde produziert wird
• ist als Medikament der stärkste Entzündungshemmer
• bei Asthmaanfall, allergischen Schock oder bei rheumatischen oder immunologischen Erkrankungen
• gehört zu den steroidalen Antirheumatika
• starke Nebenwirkungen:
• Immunsuppression â†’ erhĂśhte Infektanfälligkeit
• Hyperglykämie â†’ Diabetesrisiko (Blutzuckeranstieg)
• Hypertonie (Blutruckanstieg)
• Osteoporose (Knochenabbau)
• Muskelabbau, Muskelschwäche
• Gewichtszunahme / Fettumverteilung („Stammfettsucht“, Vollmondgesicht „Cushing-Syndrom“)
• Hypertonie 
• Ödeme 
• Magenprobleme â†’ Ulkusrisiko
• Hautveränderungen â†’ dĂźnne, rissige Haut, schlechte Wundheilung, Hämatome
• psychische Veränderungen â†’ Unruhe, Stimmungsschwankungen, Depression, Psychosen, SchlafstĂśrungen
• Katarakt (grauer Star)
pflegerisch von besonderer Bedeutung:
• Magenreizungen / Ulkusrisiko â†’ oft Magenschutz / nicht auf nĂźchternen Magen einnehmen
• mĂśglichst morgens verabreichen (kĂśrpereigener Rhythmus, imitieren der natĂźrlichen Produktion des Hormons Cortisol)
• nicht abrupt absetzen! Ausschleichen lassen!

🪢 🧩💡Erinnerungsknoten: Was ist die Wirkweise von Cortison und wie lässt sich dadurch erklären, dass die Einnahme die Infektanfälligkeit erhöht?💡🧩 🪢

Antidiabetika

Insuline

🪢 🧩💡Erinnerungsknoten: s. „Kompetenz der Pflegeassistenz: Umgang mit Insulin„💡🧩 🪢

Orale Antidiabetika

• v.a. bei Typ-2-Diabetes (wenn noch eigenes Insulin vorhanden ist)
• Hypoglykämie möglich
• regelmäßig Blutzucker kontrollieren
• Ernährung & Bewegung bleiben zentral

Orale Antidiabetika: Das muss die Pflege beachten
• Blutzucker regelmäßig kontrollieren
• Einnahmezeitpunkt beachten
• regelmäßige Einnahme sicherstellen
• Nieren- und Leberfunktion beachten
• Ernährung beachten (regelmäßige Kohlenhydratzufuhr wichtig)
• Alkoholkonsum berĂźcksichtigen (→ kann Hypoglykämie verstärken!)
• bei Infekten / Stress Blutzucker engmaschiger kontrollieren
• P/B informieren: „Diese Medikamente senken den Blutzucker. Achten Sie auf eine regelmäßige Einnahme und darauf, Mahlzeiten nicht auszulassen. Eine Unterzuckerung kann sich durch Zittern, Schwitzen oder Schwindel bemerkbar machen. Melden Sie Nebenwirkungen wie Magen-Darm-Beschwerden oder ungewĂśhnliche Schwäche.“
• Notfallmanagement kennen (Hypoglykämie sofort behandeln → schnelle Zuckerzufuhr!)

Weitere Arzneimittelgruppen

Antiparkinsonmittel / Parkinson-Medikamente

Arzneimittel zur Behandlung der Parkinson-Erkrankung. Zielen darauf ab, das Gleichgewicht der Botenstoffe im Gehirn (Dopamin) zu verbessern. Lindern typische Symptome von Parkinson-Patienten (z.B. Tremor, Rigor, Bradykinesie).

👉 wirken auf den Dopaminstoffwechsel im Gehirn

EntzĂźndungshemmende Arzneimittel / Antiphlogistika

Man unterscheidet:

  • steroidale Antirheumatika: Kortikosteroide (z. B. Glukokortikoide wie Cortison)
  • nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR): z. B. Ibuprofen, Diclofenac

Beide wirken sowohl entzĂźndungshemmend als auch schmerzlindernd, aber Ăźber unterschiedliche Mechanismen.

Steroidale Antirheumatika
• stark entzĂźndungshemmend und immunsuppressiv (s. unter „Cortison„)
• nicht abrupt absetzen (Ausschleichen!)
• erhĂśhtes Infektionsrisiko (immunsuppressiv)
• Blutzuckeranstieg möglich
• Magenreizungen / Ulkusrisiko â†’ oft Magenschutz
• mĂśglichst morgens verabreichen (kĂśrpereigener Rhythmus)

NSAR / nicht-steroidale Antirheumatika
• = nicht-opioide Analgetika
• z.B. Paracetamol, Ibuprofen, Diclofenac
• häufig nicht nur entzündungshemmend und schmerzlindernd (ohne opioide Wirkung), sondern auch fiebersenkend
• Blutungsneigung erhöht, Ulkus-, Blutungsrisiko (ggf. Magenschutz, nicht nüchtern einnehmen!)
• Nierenfunktion beachten (Harnbeobachtung)
• Vorsicht bei Ă¤lteren Menschen
MĂśgliche Nebenwirkungen von NSAR:
• Magenschmerzen, -schleimhautschäden, -blutungen
• Nausea
• Nierenschäden
• Blutdruckanstieg
• allergische Reaktionen

Thyreostatika

SchilddrĂźsenhormone

Statine

Cholesterinsenker

Magen-Darm-Mittel

• wirken auf das Verdauungssystem (Magen)
• Antiemetika – wirken gegen Nausea/Emesis (erhĂśhtes Sturzrisiko, Sturzprophylaxe)
• H2-Rezeptorblocker – verringern die Säureproduktion im Magen

Protonenpumpenhemmer (PPI)
• hemmen die Bildung von Magensäure und schützen dadurch die Schleimhaut, was die Heilung fördert
• vor dem Essen einnehmen, nicht unnötig lange geben
Indikation
• Gastritis
• Ulcus ventriculi
• Ulcus duodeni
• Refluxkrankheit

Antazida
• neutralisieren die vorhandene überschüssige Magensäure und bildet eine Schutzschicht auf der Schleimhaut (Sucralfat)
• andere Medikamente werden schlechter aufgenommen: mind. 2 Stunden Abstand zwischen der Gabe von anderen Medikamenten

Unterschied Protonenpumpenhemmer – Antazida – H2-Rezeptorblocker:
hemmen Säureproduktion – neutralisieren ĂźberschĂźssige Säure – reduzieren Säureproduktion

Immunsuppressiva

unterdrĂźcken das Immunsystem (Infektionsgefahr stark erhĂśht!, auf Hygiene und Infektzeichen achten)

Antihistaminika

Medikament gegen Allergien (erhĂśhtes Sturzrisiko / Sturzprophylaxe)

Antitussiva

wirken hustenreizdämpfend (nicht bei produktivem Husten! Sekretstau)

Expektoranzien

wirken schleimlĂśsend und sekretfĂśrdernd (viel trinken! – verbessert die Wirkung, nicht abends – vermehrter Hustenreiz nachts)

Dermatika

wirken auf die Haut (lokal)

Zytostatika

wirken wachstumshemmend auf sich schnell teilende Zellen, greifen jedoch auch gesunde Zellen an
Chemotherapie
Der Pflegeassistenz ist die Verabreichung von Zytostatika nicht gestattet![2]

Spasmolytika

= KrampflĂśser

Antidementiva

Es gibt zwei Gruppen von Antidementiva:
• Acetylcholinesterase-Hemmer
• Glutamat-Antagonisten

Antikonvulsiva

Antiepileptika. Verhindern Krampfanfälle.

Einnahme:
• regelmäßig und genau nach Verordnung einnehmen. Ausgelassene Dosen kĂśnnen Anfälle auslĂśsen; vergessene Anfallsmedikamente ist die häufige Ursache fĂźr Anfälle
• nicht plĂśtzlich absetzen. Ein abruptes Absetzen kann Anfälle auslĂśsen.
• bei vergessener Einnahme nicht doppelt einnehmen
• Nebenwirkungen beobachten. MĂźdigkeit, Schwindel, Konzentrationsprobleme, Stimmungsschwankungen, Hautausschlag, Veränderungen von Gewicht, Appetit oder Verhalten sollten ärztlich rĂźckgemeldet werden.
• Wechselwirkungen beachten. Antikonvulsiva kĂśnnen mit anderen Medikamenten, Alkohol oder hormonellen VerhĂźtungsmitteln wechselwirken.

Antimykotika / Anti-Pilz-Arzneimittel

wirken pilzhemmend bzw. pilzabtĂśtend (Therapie konsequent durchfĂźhren, nicht zu frĂźh abbrechen!)

Psychopharmaka

wirken auf das zentrale Nervensystem
beeinflussen Stimmung, Denken, Wahrnehmung, Antrieb oder Verhalten
u.a. bei Depressionen, AngststĂśrungen oder Psychosen
Sedativa – Beruhigungsmittel
Hypnotika – Schlafmittel, vor allem bei Insomnie
Tranquilizer – angstlĂśsende Medikamente
• nicht abrupt absetzen
• Sturzgefahr! Sturzprophylaxe
• Abhängigkeitsrisiko

Benzodiazepine:
starke Schlafmittel wirken atemdepressiv und blutdrucksenkend (vor allem nach intravenÜser Verabreichung und in Kombination mit anderen zentral dämpfenden Arzneimitteln). Die Pflegenden beobachten daher nach Gabe solcher Arzneimittel den Blutdruck und die Atmung des Patienten. Bei häufiger oder dauerhafter Einnahme von Schlafmitteln besteht die Gefahr der GewÜhnung.

Impfstoffe

wirken immunisierend (Aufbau von Schutz vor Krankheitserregern)

Fertigspritzen / Spritzampullen

enthalten die applikationsfertige LĂśsung in einer Einmalspritze
Einmalgebrauch
bei Fertigspritzen für die subcutane Verabreichung NICHT aspirieren – nicht notwendig!

fett = besonders wichtig

BezeichnungBeschreibung
AnalgetikaSchmerzmittel
AntikoagulanzienGerinnungshemmer
peripher wirkendan Ort und Stelle wirkend
zentral wirkendauf das Zentralnervensystem wirkend

Quellen:
[1] „Long-acting insulin is a type of insulin that you inject once or twice a day. It works throughout the day and night to provide you with low levels of insulin all the time. Long-acting insulin is sometimes also known as basal insulin.“
About long-acting insulin, nhs.uk, Staatliches Gesundheitssystem in UK
[2] Gehobener Dienst fĂźr Gesundheits- und Krankenpflege: „Die Kompetenzen bei medizinischer Diagnostik und Therapie umfassen gem § 15 insbesondere: Verabreichung von Arzneimitteln, einschließlich Zytostatika und Kontrastmitteln.“
GUKG NOVELLE 2016, infofueraerzte.at, LINZER INSTITUT FÜR GESUNDHEITSSYSTEM – FORSCHUNG (LIG)
[3] Hircin et al. (2025) Metamizol. DocCheck Flexikon. VerfĂźgbar unter: https://flexikon.doccheck.com/de/Metamizol (Zugriff: 31. Mai 2026)


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