Aufbereiteter Lehrinhalt, Unterrichtsfach: GrundzĂźge und Prinzipien der Akut- und Langzeitpflege inklusive Pflegetechnik (GKPF)
08.05.2026
Die Beobachtung und Dokumentation von Harn, Stuhl und anderen Ausscheidungen zählt zum Kern der beruflichen Verantwortung der Pflegeassistenz. Wer hier Fachwissen ßber pathologische Abweichungen, Inkontinenzformen und Stomaversorgung nennt, beweist eine hohe pflegerische Kompetenz.
Das muss die Pflegeassistenz Ăźber Ausscheidung wissen:
⤠Die normale Harnausscheidung sowie pathologische Abweichungen erkennen, dokumentieren und weiterleiten.
⤠Strategien im Umgang mit Ekel anwenden.
⤠Beobachtungskriterien der Harnausscheidung und Stuhlausscheidung nennen.
⤠Normale Harn- und Stuhlausscheidung sowie pathologische Abweichungen erkennen, dokumentieren und weiterleiten.
⤠Die Arten der Uringewinnung kennen und beschreiben kÜnnen.
⤠Die Methoden zur Urinuntersuchung kennen und beschreiben.
⤠Umfassend Auskunft ßber die Flßssigkeitsbilanz geben.
⤠Prophylaktische MaĂnahmen von Harnwegsinfektionen kennen.
⤠MaĂnahmen und Verhaltensweisen im Umgang mit transurethralen Blasenkatheter kennen.
⤠Die pflegerischen MaĂnahmen bei DiarrhĂś kennen.
⤠Umfassend ßber die Obstipationsprophylaxe Bescheid geben kÜnnen.
⤠Methoden zur Stuhlgewinnung kennen und beschreiben.
⤠PflegemaĂnahmen zur UnterstĂźtzung bei Miktion und Defäkation.
⤠Die Anwendung von Hilfsmitteln fßr die Harn-/Stuhlentleerung beschreiben.
⤠Die Begriffe Kontinenz und Inkontinenz gegenßberstellen
⤠Auswirkungen und belastende Faktoren von inkontinenten Personen nennen.
⤠Risikofaktoren der Harninkontinenz nennen.
⤠Formen der Harninkontinenz beschreiben.
⤠Beobachtungen nennen, die auf die Inkontinenz hinweisen kÜnnen.
⤠Instrumente zur Einschätzung der Harninkontinenz beschreiben.
⤠AusfĂźhrlich Auskunft Ăźber die MaĂnahmen der KontinenzfĂśrderung geben.
⤠Unterschiedlichen Hilfsmittel kennen, die bei Harninkontinenz eingesetzt werden.
⤠Die Grade der Stuhlinkontinenz benennen kÜnnen.
⤠Die Ursachen der Stuhlinkontinenz nennen.
⤠Die Stuhlinkontinenzsituation einschätzen kÜnnen.
⤠Konservative Behandlungsmethoden der Stuhlinkontinenz beschreiben.
⤠Verschiedene Enterostomaarten kennen und beschreiben.
⤠Auswirkungen und belastende Faktoren von Personen mit Enterostoma kennen.
⤠Stoma-Versorgungssysteme beschreiben.
⤠Handlungsschema Stomapflege beschreiben.
⤠Die Versorgungsprobleme und Komplikationen von Enterostomata und mĂśgliche MaĂnahmen benennen.
⤠Häufige Wirkungen bestimmter Nahrungsmittel auf die Stuhlbeschaffenheit bei Stomaträgern nennen.
Ein gesunder Darm ist die Grundlage fĂźr ein starkes Immunsystem
Ein gesunder Darm ist der SchlĂźssel zu einem gesunden Leben – denn er spielt eine Hauptrolle, wenn es um unsere Gesundheit geht. Der Darm ist nicht nur der Hauptakteur bei der Verdauung, sondern auch bei der Abwehr. Etwa 80 % unseres Immunsystems befindet sich im Darm.
Es sind in erster Linie nicht die äuĂeren Barrieren, die uns vor Krankheiten schĂźtzen â sondern die inneren Schutzmechanismen des Darms! Der Darm beherbergt Milliarden von Bakterien, die die sogenannte Darmflora bilden und neben der Verdauung auch vor Krankheitserregern schĂźtzen. In der Fachsprache spricht man hier vom darm-assoziierten Immunsystem (GALT â gut-associated lymphoid tissue), einem weit verzweigten Netzwerk von Immunzellen, das Infektionen erkennt, abwehrt und die Immunantwort steuert.
Zu den bekanntesten Mikroorganismen im Darm gehÜren Bifidobakterien und Laktobazillen. Sie fÜrdern ein gesundes Milieu, hemmen das Wachstum schädlicher Keime und tragen zur Stabilisierung der Darmschleimhaut bei. Darßber hinaus existieren zahlreiche weitere Bakterienstämme, die gezielt Entzßndungsprozesse regulieren und zum immunologischen Gleichgewicht beitragen.
Eine weitere Komponente ist das enterische Nervensystem â auch bekannt als das Bauchhirn. Es besteht aus Ăźber 100 Millionen Nervenzellen, die eigenständig agieren, aber auch in enger Verbindung mit dem zentralen Nervensystem stehen. Dieses Netzwerk erklärt, warum psychische Belastungen wie Angst oder chronischer Stress häufig mit Verdauungsproblemen einhergehen. Viele Menschen reagieren in solchen Situationen mit Symptomen wie Reizdarmsyndrom, Durchfall, Verstopfung oder Bauchschmerzen â ein direktes Zusammenspiel von Psyche und Darm. Man kĂśnnte daher auch sagen, dass die Pflegeassistenz den Psychiater verhindert â denn sie kĂźmmert sich um den Darm. Und wer den Darm pflegt, der pflegt die Seele. Durch gezielte Pflege und wirksame Prophylaxe hilft sie also nicht nur, kĂśrperliches Leiden zu vermeiden, sondern leistet auch einen Beitrag zur seelischen Stabilität. Das ist eine holistische Form der präventiven GesundheitsfĂśrderung auf mehreren Ebenen.
Artikel: „ScheiĂe lĂźgt nicht: Die Pflegeassistenz als Pissprophetin“
Miktion: Definiton
Miktion Definition:
Physiologische (schmerzlose und willkĂźrliche) Entleerung der Blase.
Ausscheidung pro Strahl beim Erwachsenen:
200-400 ml
Urinausscheidung: Beobachtungskriterien
Beobachtungskriterien:
⢠Miktionshäufigkeit und -menge
⢠Farbe und -transparenz
⢠Geruch
⢠pH-Wert
Der pH-Wert
Sowohl stark saure als auch stark basische (alkalische) Stoffe sind ätzend.
| Einordnung | pH-Wert | Vergleichsstoffe |
|---|---|---|
| SAUER | 0-2 | Säure |
| 2-3 | Essig | |
| 3-4 | Sauerkraut | |
| 4-5 | Joghurt | |
| 6 | schwarzer Kaffee | |
| NEUTRAL | 7 | Wasser |
| BASISCH | 8 | Meerwasser |
| 9-10 | Backpulver-LĂśsung | |
| 10-11 | Glasreiniger | |
| 11-12 | Seifenlauge, Ammoniak | |
| 13-14 | Ătznatron, Kalilauge |
pH-Wert von Urin:
je nach Tageszeit zwischen 4,5 â 8 (meist leicht sauer), der Morgenurin ist saurer
Physiologische Beschaffenheit von Urin
Beschaffenheit:
⢠hell- bis dunkelgelb
⢠klar
⢠nahezu geruchlos
Je mehr FlĂźssigkeit zugefĂźhrt wird, desto heller und klarer ist der Urin. Je konzentrierter er ist, desto dunkler ist er auch.
Tägliche Miktionsmenge und Miktionshäufigkeit bei gesunden Erwachsenen:
1500-2000 ml / 24h (ca. 4-6-mal am Tag)
Die physiologische Miktion erfolgt willkĂźrlich und schmerzlos.
Die Urinmenge ist abhängig von:
⢠Flßssigkeitszufuhr (Getränke, Infusionen, Nahrungsmittel)
⢠Flßssigkeitsausfuhr (Haut, Atmung, Schwitzen)
⢠Funktionsfähigkeit der Niere
Infusion Definition:
langsame, kontrollierte Verabreichung von FlĂźssigkeit oder Medikamenten in den KĂśrper, meistens Ăźber eine Vene.
Abweichungen von der physiologischen Urinausscheidung
⢠Miktionshäufigkeit
⢠Urinfarbe
⢠Uringeruch
Abweichungen in der Miktionshäufigkeit
physiologisch: im Alter nimmt die Miktionshäufigkeit meist zu
pathologisch:
⢠Polyurie
⢠Oligurie
⢠Anurie
⢠Nykturie
⢠Pollakisurie
⢠Dysurie
⢠Harnverhalt (Harnretention)
⢠Restharn
Die Miktion kann gestĂśrt sein durch:
⢠Schmerzen, z.B. bei Zystitis
⢠Harnverhalt
⢠Kontrollverlust ßber die Blasenfunktion
⢠Schwellungen (z.B. Prostataerkrankungen)
Beim unbehandeltem Harnverhalt kann Urin aus der Harnblase in die Niere zurĂźck gestaut werden (Reflux) â Nierenschädigung!
Polyurie
vermehrte Harnausscheidung: >3000 ml / 24h
Physiologisch: erhĂśhte FlĂźssigkeitszufuhr, Ăberdosierung von Diuretika
Pathologisch: Hyperglykämie
Achtung: Es besteht die Gefahr der Dehydration!
â ď¸đ An welchen Symptomen erkennst du Hyperglykämie und wie handelst du im Notfall? â ď¸đ
Oligurie
verminderte Harnausscheidung: < 500 ml / 24 h
Kann ein Anzeichen eines akuten Nierenversagens sein!
Physiologisch: geringe FlĂźssigkeitsaufnahme, groĂe FlĂźssigkeitsverluste z.B. starkes Schwitzen
Pathologisch: Dehydration, Fieber, chronische Niereninsuffizienz, Verlegung der Harnwege, ggf. verstopfter Blasenkatheter
Achtung: wenn der Patient normal trinkt, aber wenig oder gar nicht ausscheidet kann es zum FlĂźssigkeitsĂźberschuss im Gewebe kommen! â Ădeme!
Alten Menschen leiden oft an Oligurie infolge eines verminderten DurstgefĂźhls. â Immer wieder zum Trinken auffordern!
Anurie
keine Harnausscheidung: < 100 ml / 24 h
Leitsymptom akuten Nierenversagens, urologische Notfall!
Unterschieden wird:
– Echte Anurie: Nierenschädigung mit der Gefahr des akuten Nierenversagens
– Falsche Anurie: Harnsperre z.B. durch einen HarnrĂśhrenverschluss
â ď¸đ Achtung: Eine Anurie ist ein Notfall, der sofort behandelt werden muss, da es ansonsten zur Urämie (Harnvergiftung) kommt. â ď¸đ
⢠Nykturie: vermehrtes nächtliches Wasserlassen (z.B. Prostataerkrankungen)
⢠Pollakisurie: Häufiges Wasserlassen in nur kleinen Mengen, Harndrang bei bereits geringer Blasenfßllung (z.B. Blasenentzßndung)
⢠Dysurie: erschwertes oder unangenehmes Wasserlassen (z.B. Prostataerkrankungen)
⢠Harnverhalt (Harnretention): zurßckhalten des Harns. Kann mechanisch oder psychisch bedingt sein. Beobachtungskriterium in der postoperativen Pflege.
⢠Restharn: unvollständige Entleerung der Blase, bezeichnet den Harn, der nach dem Ablassen des Harns noch in der Blase verbleibt (z.B. Prostataerkrankungen)
𪢠đ§ŠđĄErinnerungsknoten: Was kann unter anderem in Bezug zur Urinausscheidung postoperativ auftreten?đĄđ§Š đŞ˘
Abweichungen in der Urinfarbe
Abweichungen:
⢠farbverändert
⢠milchig bis flockig-trßb
⢠rÜtlich bis fleischfarben-getrßbt
⢠bierbraun bis grßnlich-schwarz, schaumig
âšď¸ Mehr Infos zum Thema (Kommentarliteratur): ScheiĂe lĂźgt nicht: Die Pflegeassistenz als PissprophetIn âšď¸
⢠Farbveränderungen, durch Medikamente; rot, orange, grßn, blau
⢠milchig bis flockig-trßb; z.B. Eiterzellen bei Infektionen (Eiter im Harn = Pyurie), bei Entzßndungen
⢠rÜtlich bis fleischfarben-getrßbt; z.B. sichtbares Blut im Urin, Entzßndungen, Nierensteine, Harnsteine, Tumore
⢠bierbraun bis grßnlich-schwarz mit gelbem Schßttelschaum; durch Beimengungen des Gallenfarbstoffs Bilirubin (Bilirubinurie), z.B. bei Erkrankungen der Leber (Hepatitis, Leberzirrhose)
Abweichungen im Uringeruch
physiologisch:
⢠nach Genuss von Spargel
⢠Einnahme verschiedener Medikamente (z.B. Vit. B, Antibiotika, âŚ)
⢠wenn Urin fßr längere Zeit in der Harnflasche bleibt, kommt es zur Zersetzung der Inhaltsstoffe und es entsteht Ammoniakgeruch
Ăbelriechender Urin weist meist auf eine Krankheit hin.
⢠faulig: z.B. Tumorerkrankungen
⢠obstartig (Azetongeruch): Stoffwechselentgleisungen, z.B. bei Diabetes mellitus
⢠ßbelriechend: z.B. bakterielle Entzßndung
Anregungen zum spontanen Wasserlassen
- sitzende Position
- einige Schritte gehen
- Intimsphäre wahren
- Wasserhahn aufdrehen
- Getränk anbieten (z.B. Blasentee)
- kalten Waschlappen auf den Unterbauch legen
- an einen Wasserfall denken
Methoden zur Uringewinnung
Vor der Uringewinnung Intimpflege durchfĂźhren.
Die 6 Methoden der Uringewinnung:
⢠Spontanurin
⢠Mittelstrahlurin
⢠Sammelurin
⢠Katheterurin
⢠Blasenpunktion
⢠Urin aus dem Steckbecken
FĂźr bakteriologische Untersuchungen mĂźssen sterile GefäĂe verwendet werden! Auffanggefäà mit Vor- und Nachnamen sowie dem Geburtsdatum beschriften.
Spontanurin
In ein sauberes oder steriles GefäĂ. Ist fĂźr die meisten Untersuchungen ausreichend. Gewinnung als Mittelstrahlurin oder als (konzentrierter) Morgenurin.
Mittelstrahlurin
Nur die mittlere Harnportion wird aufgefangen. Dadurch wird das Risiko einer Kontamination reduziert.
(Konzentrierter) Morgenurin
der erste Urin nach dem Aufstehen am Morgen.
Sammelurin
Ăber 12 bis 24 Stunden gesammelter Harn. Der erste Harngang wird verworfen, jede weitere Miktion wird in einem Gefäà gesammelt. Urin während des Sammelns kĂźhl aufbewahren. Nach Ablauf der Sammelzeit wird die Gesamtmenge des Urins gemessen und dokumentiert.
Katheterurin
Bei liegendem Blasenverweilkatheter. Wird mit einer Spritze und einer KanĂźle aus der Silikonmembran des Katheters entnommen. Katheter ca. 10 Minuten vor der Entnahme abklemmen, damit sich der Urin staut. Soll der Urin bakteriologisch untersucht werden, wird die Kathetermembran vor der Entnahme desinfiziert. Nachdem Entnahme der Probe Klemme wieder lĂśsen.
Wird die Klemme am Katheter vergessen, kommt es zu einem Harnstau!
Die Entnahme einer Urinprobe kann in speziellen Fällen auch per Einmalkatheterisierung erfolgen.
Methoden zur Urinuntersuchung
Streifen-Schnelltests (Point-of-Care-Test)
Zur raschen Untersuchung von Urin mittels Urin-Stix; Teststreifen, die mit dem Urin reagieren und sich dabei verfärben.
Gibt orientierende diagnostische Hinweise auf:
⢠Leukozyten
⢠pH-Wert
⢠EiweiĂ
⢠Glukose
⢠Keton
⢠Bilirubin
⢠Urobilinogen
⢠Blut
⢠Hämoglobin im Urin
DurchfĂźhrung:
- Frischen Urin verwenden
- Teststreifen kurz tauchen – alle Testfelder mĂźssen benetzt sein
- Beim Herausnehmen ĂźberschĂźssigen Harn am GefäĂrand abstreifen
- Teststreifen gerade halten bzw. auf einem Becher ablegen, damit der Urin auf den Farbfeldern verbleibt
- Nach 60 Sek. (Leukozytentestfeld nach 120 Sek.) Reaktionsfarbe mit der Farbskala des Behälters vergleichen
- Ablesen des Teststreifens, ohne den Behälter zu berßhren
Achtung:
– trocken Aufbewahren
– kurzes Ăffnen zur Entnahme eines Teststreifens â Luftfeuchtigkeit verändert die Reagenzien
– Die Testfelder dĂźrfen nicht mit den Fingern berĂźhrt werden â verfälschtes Ergebnis
Ergebnis
Urinkultur
Die Plättchen mit den NährbÜden werden in einen steril aufgefangenen Mittelstrahl- oder Katheterurin getaucht.
Liefert Informationen zu Krankheitserregern im Urin und Resistenzen auf Antibiotika.
Spezifisches Gewicht
Feststellung des spezifischen Gewichts des Urins (Urinosmolarität, Dichte der gelÜsten Teilchen). Kann im Labor oder im stationären Bereich per Streifenschnelltest sowie mittels Urometer (Harnwaage) und Messzylinder bestimmt werden.
Pathologische Urinbestandteile:
- Zucker
- EiweiĂ
- Blut
- Bakterien
- KetonkĂśrper
- Bilirubin
- Hämoglobin
- Leukozyten
FlĂźssigkeitsbilanzierung
Definition FlĂźssigkeitsbilanz:
Vergleich der Einfuhr im Verhältnis zur Ausfuhr. In der Pflege das wichtigste Instrument zur Beobachtung der Urinproduktion.
Definition Einfuhr:
Dem KÜrper oral, parenteral oder enteral zugefßhrte Flßssigkeiten (Getränke, Infusionen, Speisen).
Definition Ausfuhr:
Vom KĂśrper ausgeschiedene FlĂźssigkeiten (z.B. Urin, SchweiĂ, Erbrochenes, Blut, Wundsekret, Punktat, Abfluss Ăźber Sonden,…)
Die Differenz zwischen Ein- und Ausfuhr fĂźhrt entweder zu einer:
⢠positiven Bilanz
⢠negativen Bilanz
⢠ausgeglichenen Bilanz
Die FlĂźssigkeitsbilanzierung wird weiter unterteilt in:
⢠registrierbar (nur die registrierbare Ein- und Ausfuhr wird registriert)
⢠effektiv (auch Oxidationswasser, Verlust Ăźber Haut und Atmung, Schwitzen – 500ml/1°TemperaturerhĂśhung)
Zystitisprophylaxe
Zystitis Definition:
Harnwegsinfektion. Meist eine bakteriell verursachte EntzĂźndung der Harnblase (Vesica urinaria).
Eine bakterielle Infektion der Harnwege erfolgt zumeist aufsteigend, von der HarnrÜhrenÜffnung in die Blase (Blasenentzßndung). In einigen Fällen kann sie bis zu den Nieren vordringen (Harnwegsinfekt). Frauen und Mädchen erkranken häufiger an einer Zystitis, da sie eine kßrzere HarnrÜhre haben.
Fachbegriffe:
EntzĂźndung der HarnrĂśhre:
Urethritis
EntzĂźndung der Harnblase:
Zystitis
Prophylaxe gegen Harnwegsinfektion:
Die beste Zystitisprophylaxe ist Trinken. Durch die natĂźrliche Ausscheidung werden die Harnwege auf natĂźrliche Weise gespĂźlt. Weitere prophylaktische MaĂnahmen:
⢠sorgfältige Intimpflege (von der Symphyse zum Anus, nach jedem Wischen Stelle des Waschlappens wechseln)
⢠gut abtrocknen, um ein feuchtes Milieu zu vermeiden
⢠sorgfältige Pflege des transurethralen Blasenkatheters (Katheter und HarnrÜhrenÜffnung mit Wasser und pH-neutraler Seife von der HarnrÜhre weg reinigen, Verkrustungen entfernen, die Katheterpflege erfolgt vor der Intimpflege)
⢠regelmäĂiger Toilettengang
⢠regelmäĂige Inkontinenzversorgung
⢠warme Kleidung, um eine Unterkßhlung zu vermeiden
⢠Blase vollständig entleeren
⢠Kälte und Nässe im Intimbereich vermeiden
⢠1 Glas Cranberrysaft täglich kann das Zystitisrisiko senken
Umgang und Pflege bei liegendem transurethralen Blasenkatheter
Blasenkatheter Definition
auch Blasenverweilkatheter. Ein steriler Schlauch, der Ăźber die HarnrĂśhre oder Ăźber die Bauchdecke in die Harnblase eingefĂźhrt wird, um Urin abzuleiten.
Umgang
⢠hygienische Händedesinfektion
⢠Tragen von Handschuhen
⢠1-2 x tgl. Katheter und HarnrÜhrenÜffnung mit Wasser und pH-neutraler Seife reinigen, Verkrustungen entfernen
⢠keine speziellen Desinfektions- oder Reinigungsmittel verwenden (zerstÜrt die natßrliche Keimflora)
⢠Beobachtung des Urins auf Veränderungen
⢠Motivation zu ausreichender Flßssigkeitszufuhr (Infektionsprävention)
⢠Durchgängigkeit des Katheters kontinuierlich ßberprßfen, der ableitende Schlauch muss stets ohne Knicke und Schlaufen sein
⢠Katheter und Harnableitungssystem nicht voneinander trennen (diskonnektieren). Bei versehentlicher Trennung Kontaktstelle vor dem Zusammenfßgen grßndlich desinfizieren
⢠Zug auf den Katheter vermeiden
⢠Katheterbeutel stets unter Blasenniveau anbringen
⢠Zum Entleeren des Beutels separates Auffanggefäà benutzen
⢠Ablassstutzen darf nicht in Kontakt mit Gefäà kommen, anschlieĂend desinfizieren und wieder in Vorrichtung stecken
⢠Ablassstutzen nach dem Ausleeren in die Lasche zurßckstecken
⢠P/B darf nicht auf dem Schlauch liegen (Harnstauung, Druckstellen)
⢠Urinauffangbeutel muss sicher fixiert sein und gerade hängen
Pflege
⢠Reinigung des Katheters von proximal zu distal
⢠schon kleine Ausflussmengen aus der HarnrÜhrenÜffnung kÜnnen eine Reaktion des Organismus auf den FremdkÜrper sein
⢠auffällige Beimengungen (z.B. Eiter oder Blut) oder Geruchsbildung mßssen dokumentiert bzw. die Information an den gehobenen Dienst / behandelnden Arzt weitergegeben werden
⢠sterile, eingeschnittene Kompresse bei bettlägerigen P/B zum Aufsaugen von Sekreten
Informationspflicht:
Infektionsgefahr, Prophylaxen, Befestigung des Auffangbeutels, Symptome einer Zystitis
Stuhl: Beobachtungskriterien
Stuhl Definition:
Endprodukt der Verdauung.
Stuhl Fremdworte:
Fäzes, Kot
Vorgang der Stuhlentleerung Fremdwort:
Defäkatation
Beobachtungskriterien:
⢠Defäkation (z.B. schmerzhaft, mit starkem Pressen verbunden)
⢠Menge
⢠Häufigkeit (Defäkationsfrequenz)
⢠Zeitpunkt
⢠Konsistenz
⢠Farbe
⢠Geruch
⢠Beimengungen
⢠Blähungen
Pathologische Veränderungen
- Schmerzen
- Verstärkte Anstrengung, ĂźbermäĂiges Pressen
- UnwillkĂźrlicher Abgang zu einem nicht gewĂźnschten Zeitpunkt
- UnterdrĂźcken des Stuhlgangs nicht mĂśglich
Menge
ist abhängig vom Entwicklungsstand und der Art der Ernährung
- Ballaststoffarme Ernährung, während des Fastens: < 100g/Tag
- Ausgewogene Mischkost: 100-500 g/Tag
- Ballaststoffreiche Ernährung: < 1000g/Tag
Pathologische Veränderungen:
- Niedrige Stuhlmenge:
– Verstopfung
– Hungerstuhl: schwarz-grĂźnlich, besteht lediglich aus Schleim und Darmzellen - Hohe Stuhlmenge:
– ballaststoffreiche Ernährung
– Maldigestion (unzureichende Verdauung): z.B. Laktoseintoleranz
– Malabsorption (AufnahmestĂśrung): z.B. chronisch-entzĂźndlichen Erkrankungen des Darms - Ausbleiben des Stuhls: Obstipation oder Darmverschluss (Ileus)
Häufigkeit
Normale Häufigkeit: 3-4 x wÜchentlich bis zu 2-3 x täglich.
Pathologische Veränderungen:
⢠Durchfall / DiarrhÜ
– > 3 Stuhlentleerungen / 24 Stunden mit einem ĂźbermäĂig hohen Wasseranteil. Breiig-flĂźssiger bis flĂźssig-schleimiger Stuhl.
– Begleitsymptome: Fieber, Erbrechen, Ăbelkeit, Appetitlosigkeit, Bauchschmerzen, Blähungen, Kopfschmerzen, Gliederschmerzen, Blut oder Schleim im Stuhl
– Akut auftretende DiarrhĂś: z.B. bei Vergiftungen, Darminfektionen, psychische Belastungssituationen
– Chronisch verlaufende DiarrhĂś: z.B. chronische Erkrankungen des Dick- und DĂźnndarms
– Reizkolon (= Colon irritabile, Reizdarmsyndrom) ist eine funktionelle StĂśrung des Darms ohne nachweisbare organische Ursache.
Stuhlverstopfung / Obstipation
– Entleerung < 3 x / Woche. Stuhl ist fest und hart. Defäkation ist schmerzhaft und mit starkem Pressen verbunden.
– Organische Obstipation: Erkrankungen wie Divertikulitis, neurologische StĂśrungen (z.B. Schlaganfall, Querschnittslähmung)
– Funktionelle Obstipation: verlangsamte Stuhlausscheidung aufgrund ungĂźnstiger Ernährungsgewohnheiten
Symptome:
- erschwerter Stuhlgang
- harter, klumpiger Stuhl
- niedrige Mengen an Stuhl
- Schmerzen bei der Darmentleerung
- Gefßhl einer unvollständigen Entleerung
- Unwohlsein, Ăbelkeit, Erbrechen
- geblähtes Abdomen, Blähungen
- Bauchschmerzen, Bauchkrämpfe
- VĂśllegefĂźhl
- Appetitlosigkeit
- Unruhe
- Paradoxe Durchfälle
Ursachen:
- Diuretika
- Diabetes mellitus
- Veränderungen des Darms, der Analregion (mechanisch â tumorbedingt)
- Zeitnot, Hektik, StÜrung der Intimsphäre
- Adipositas
- langjähriger Missbrauch von Abfßhrmitteln
- StÜrungen der Darmmotilität
- FlĂźssigkeits- und Bewegungsmangel
Darmverschluss / Ileus
Mechanischer Ileus:
- krampfartige Schmerzen
- Erbrechen, Koterbrechen
- laute und klingende Darmgeräusche
- Stuhl- und Windverhalten
- geblähtes Abdomen
Paralytischer Ileus:
- druckempfindlicher Leib
- Erbrechen, Koterbrechen
- âTotenstilleâ im Abdomen (keine Darmgeräusche)
- Stuhl- und Windverhalten
- geblähtes Abdomen
Konsistenz
normaler Stuhl = homogen breiig bis fest. EiweiĂreiche Ernährung macht ihn fester, kohlenhydratreiche weicher. Viel FlĂźssigkeit macht Stuhl weicher, wenig FlĂźssigkeit verfestigt.
Pathologische Veränderungen:
- Breiig-wässrig: z.B. Magen-Darminfektione, Nahrungsunverträglichkeit
- Fest-hart: Flßssigkeitsmangel (wenig Flßssigkeit, ballaststoffarme Ernährung)
- Extrem hart und eingedickt: Kotsteine (Fekalom) durch chronische Obstipation
- BleistifffĂśrmig: Verengung des Enddarms
- Blutig-schleimig, eitrig: Colitis ulcerosa, Morbus Crohn
Farbe
normale Farbe: hell- bis dunkelbraun (Bilirubin färbt den Kot braun)
Nahrungsmittel und Medikamente kĂśnnen die Farbe des Kots verändern. Schwarzer Stuhl kann bei Gabe von Kohle- oder Eisenpräparaten auftreten, weiĂer Stuhl nach Untersuchungen mit Bariumsulfat (RĂśntgenkontrastmittel, weiĂes Pulver, färbt den Stuhl mechanisch.
Pathologische Veränderungen:
- GrĂźnlich: schwere Durchfallerkrankungen
- Grau und lehmfarben (acholisch): Fehlen des Gallenfarbstoffes (z.B. Gallensteine, Pankreastumore, Hepatitis)
- Rotbraun marmoriert: Blutungen im unteren Dickdarmabschnitt
- Rotbraun bis dunkelrot: Blutungen im oberen Dickdarmabschnitt
- Hellrote Auflagen: Blutungen im Enddarm (z.B. Hämorrhoiden, Fissuren oder Dickdarmpolypen)
- schwarz (Teerstuhl oder Meläna): Blutungen aus dem oberen Verdauungstrakt (z.B. Magengeschwßre)
Geruch
normaler Stuhlgeruch: nicht besonders unangenehm. Verantwortlich fĂźr den typischen Geruch sind die Abbauprodukte unverdaulicher EiweiĂe und Aminosäuren.
Pathologische Veränderungen:
- faulig, stinkend: Krebserkrankungen
- säuerlich stechend: StÜrung der Kohlenhydratverdauung
- jauchig, faulig: StĂśrung der EiweiĂverdauung
Beimengungen
normaler Stuhl enthält keine Beimengungen oder Auflagerungen. Bei ballaststoffreicher Ernährung werden oft unverdaute KÜrner und Maisreste ausgeschieden.
Pathologische Veränderungen:
- Blutauflagerungen: Hämorrhoiden, Entzßndungen, Tumore
- Schleim: Reizdarmsyndrom, Tumore
- Blut-, Schleim-, Eiterauflagerungen: Colitis ulcerosa, Morbus Crohn
- Unverdaute Nahrung: zu wenig gekaut, VerdauungsstĂśrungen
- Parasiten (Schmarotzer): z.B. Ăźber Haustiere oder Nahrung, verursachen Juckreiz am After
– MadenwĂźrmer (fadenfĂśrmig, 4-12 mm lang, hohe Zahl)
– SpulwĂźrmer (grau, regenwurmähnlich, 15-40 cm lang)
– Rinder- oder Schweinebandwurmglieder (weiĂ, glatt, fingernagelgroĂ) - Okultes Blut: z.B. Darmkrebs, Polypen
- Pathogene Keime: z.B. Salmonellen, Enterobakterien
Blähungen
Blähungen Fachbegriff:
Meteorismus
Luft- bzw. Gasansammlung in Magen-Darm-Trakt mit Abgang von Darmgasen.
normale Flatusfrequenz: bis zu 20 Flatulenzen
Pathologische Veränderungen:
ErhÜhte Flautsfrequenz (> 20 Winde/Tag) mit quälendem Gefßhl des Aufgeblähtseins
Ursachen:
- EntzĂźndungen im Magen-Darm-Trakt
- Medikamentennebenwirkungen
- Reizdarmsyndrom
DiarrhĂś
ist eine StĂśrung der Stuhlentleerung. Liegt vor, wenn es zu mehr als drei ungeformten, flĂźssigen Stuhlentleerungen pro Tag kommt.
- erhĂśhte Stuhlmenge (> 200â250 g/Tag)
- verminderte Konsistenz (flĂźssig)
MĂśgliche Ursachen
- Infektionen (Viren, Bakterien)
- Nahrungsmittelunverträglichkeiten
- Medikamente
- chronische Darmerkrankungen
PflegemaĂnahmen bei DiarrhĂś
Beobachtung
– lt. Beobachtungskriterien
– Hautturgor
– Haut in der Analgegend
– Vitalzeichen
– FlĂźssigkeitsprotokoll
Beschwerdelinderung
– bei Bauchschmerzen: Knierolle, Wärmeflasche, warmer Bauchwickel
FlĂźssigkeit und Elektrolyte
– FlĂźssigkeit bereitstellen
– Elektrolytverlust: Ausgleich lt. ärztlicher Anweisung, isotone TrinklĂśsung
– Schwarztee
Ernährung
– Nahrungskarenz
– stopfende Nahrungsmittel: WeiĂbrot, Banane, trockener Reis (auĂer bei schlechter Kohlenhydratverdauung)
– Vermeiden von blähenden, fettreichen Speisen
Intimpflege und Hautschutz
– weiches Toilettenpapier benutzen
– nicht reiben, sondern tupfen
– Waschen mit klarem Wasser und ĂltĂźchern
– fettfreie Creme zum Hautschutz
Prophylaxen
– Infektionsgefahr: Zystitis, Infektion von Wunden
– Zystitisprophylaxe (von der Symphyse zum Anus)
– Intertrigoprophylaxe (Hautbeobachtung)
Hygiene
– persĂśnliche Hygiene beachten: Handschuhe, PlastikschĂźrze, Händedesinfektion, Wäschewechsel bei Bedarf
– wenn Seife notwendig: nur milde Seife
– LĂźften
Alte Menschen kĂśnnen den Elektrolythaushalt schlecht kompensieren!
âšď¸ Kostaufbau nach DiarrhĂś: Kostaufbau bei Enteritis âšď¸
Isotone TrinklĂśsung zubereiten:
1 L Kamillentee
+ 3 EL Zucker
+ 1/2 TL Salz
+ 1/2 TL Speisesoda
Obstipationsprophylaxe – PflegemaĂnahmen bei Obstipation
Ernährung
⢠in Ruhe essen
⢠grßndlich kauen
⢠mehrere kleine Mahlzeiten
⢠ballaststoffreiche Ernährung (ca. 35â40 g/Tag mit reichlich FlĂźssigkeit – Darm kann sonst âverklebenâ und Ileus begĂźnstigen)
⢠fermentierte Nahrungsmittel anbieten (Sauermilch, Buttermilch, Joghurt, Kefir, Sauerkraut)
⢠darmanregende Nahrungsmittel, z.B. Zwetschgen, Milchzucker
⢠stimulierende Tees (Apfel-Orangen-Schlehenblßten)
⢠stopfende Nahrungsmittel vermeiden, z.âB. Schokolade, Banane, Kakao, Schwarztee
⢠ein Glas lauwarmes Wasser auf nßchternen Magen
Therapien
⢠Laxantien als Begleittherapie zu Opioiden (Movicol)
⢠Osmotische Laxantien (Lactulose)
FlĂźssigkeitszufuhr
⢠mind. 2 l / Tag, bei Kontraindikationen wie z.âB. Nieren- oder Herzinsuffizienz RĂźcksprache mit dem Arzt
⢠vorwiegend Mineralwasser, Kräutertee, Obst- bzw. Gemßsesaft trinken (Zwetschgen- und Sauerkrautsaft)
Bewegung
⢠aktives und passives Bewegen, schon allein das Bewegen der Beine im Bett fÜrdert die Darmperistaltik
Ausscheidung
⢠GewÜhnung an feste Ausscheidungszeiten
⢠Zeit lassen
⢠Stuhldrang nie unterdrßcken
⢠Hocksitzhaltung
Kolonmassage nach Vogler
⢠Dickdarm in Verlaufsrichtung von dexter inferior nach sinister inferior massieren, Lotion verwenden
⢠groĂe oder spiralfĂśrmig kreisende Bewegungen im Uhrzeigersinn
⢠leichten Druck während der Ausatmung, Druck bei der Einatmung reduzieren
⢠Dauer: mind. 5 Min
đŹ Video: Colon Massage bei Verstopfung, Visna Stief đŹ
Feucht-warme Bauchauflage
⢠warm befeuchtetes Handtuch
⢠15-20 min vor dem Essen
⢠auf den Bauch legen
⢠Wärmflasche oder warmes Kirschkernkissen sowie trockenes Handtuch darßberlegen
⢠15â20 min belassen
đŹ Video: Feucht-warme Bauchauflage, Petra BĂźeler đŹ
Leibwaschung nach Kneipp
⢠Rßckenlage mit angezogenen Beinen
⢠mit kaltem, nassen Waschlappen 20-30 x Dickdarmverlauf im Uhrzeigersinn nachfahren
⢠leichter Druck mit den Fingerkuppen
đŹ Video: Leibwaschung nach Kneipp, Salzgrotte Sondernau đŹ
Digitale Stimulation
⢠wird als sehr unangenehm empfunden, daher zuvor andere MaĂnahmen auswählen
⢠Seitenlage mit angewinkelten Beinen
⢠ruhiges Ein- und Ausatmen
⢠fetthaltige Creme auf Finger auftragen
⢠SchlieĂmuskel locker lassen
⢠Zeigefinger langsam und vorsichtig ca. 3â5 cm in den Mastdarm einfĂźhren und fĂźr ca. 15 Sekunden kreisende Bewegungen entlang der Darmwand ausfĂźhren
⢠Vorgang bis zur Entleerung wiederholen
⢠Kontraindikationen: Hämorrhoiden, Fissuren, Operationen im Bereich des Anus, Rektalkarzinom
đŹ Video: How to Perform Digital Stimulation đŹ
Evaluation
fĂźhren die prophylaktischen MaĂnahmen nicht zum Erfolg, kann bei akuter Obstipation nach ärztlicher Anweisung ein Klistier oder ein Einlauf verabreicht werden.
Dokumentation
Obstipation – Therapie
Mikroklistier
⢠nach ärztlicher Verordnung
⢠Spritzen evtl. einfetten
⢠Klistiere nach der Entleerung in zusammengedrßckten Zustand entfernen
⢠bei Salbentuben den Inhalt erst nach dem Einfßhren (beim langsamen Herausziehen) drßcken
Erbrechen
s. Beobachtung des Ernährungszustands
INKONTINENZPROPHYLAXE
Definition
umfasst alle MaĂnahmen, die darauf abzielen, die Kontinenz mĂśglichst lange zu erhalten.
MaĂnahmen zur Inkontinenzprophylaxe
đ Ziel: entweder präventiv oder kontinenzfĂśrdernd
⢠Toilettentraining / Motivation zum Toilettengang / feste Uhrzeiten
⢠FlĂźssigkeitszufuhr (konzentrierter Urin verstärkt Inkontinenz) – Achtung! Bei Niereninsuffizienz und Herzinsuffizienz mit dem Arzt abklären!
⢠Gewichtsreduktion
⢠Obstipationsprophylaxe (Obstipation: Stuhl im Enddarm drßckt auf die Blase)
⢠FÜrderung einer kontinenzfÜrdernden Umgebung:
– räumliche Orientierung (Weg zur Toilette zeigen)
– kurze Wege zur Toilette
– Rufglocke in Griffnähe
– Hilfsmittel in Griffnähe (Inkontinenzmaterialien)
– leichte Handhabbarkeit von TĂźren
– Barrierefreiheit (z.B. Haltegriffe)
– ausreichende Beleuchtung
– Wahrung der Intimsphäre
⢠kontinenzfÜrdernde Kleidung:
– leicht zu Ăśffnen (ReiĂverschlĂźsse, KlettverschlĂźsse statt KnĂśpfen)
– weite Kleidung
– Kleidung, die bei 60 °C waschbar ist
– geschlossene Schuhe
Hautpflege bei Inkontinenz
⢠Haut trockentupfen – Feuchtigkeit fĂźhrt zur Mazeration und Urin reizt die Haut
⢠saugende und atmende Bekleidung tragen lassen – Wärme begĂźnstigt eine Inkontinenz-assoziierte Dermatitis
⢠waschen mit weichen ĂltĂźchern oder Einmalwaschlappen mit Wasser – häufiges Waschen mit Seife schädigt die Haut
⢠Haut beobachten (RÜtungen, Risse, Schwellungen, Blasenbildung, Irritationen)
⢠bei Nässe unverzßglich Einlage tauschen
⢠zum Hautschutz fettfreie Cremes verwenden – nur dĂźnn auftragen
⢠keine Pasten, kein Puder (Wärmestau)
Hinweise auf eine mĂśgliche Inkontinenz
⢠Häufige Toilettengänge
⢠Hautsymptome wie Juckreiz oder Brennen (perianal) durch Benetzung der Haut mit Sekret und vermehrtes Kratzen
⢠Ablehnung notwendiger Unterstßtzung bei der KÜrperpflege, oft vehement oder aggressiv
⢠plÜtzlicher Wunsch, das Bett selbst zu beziehen
⢠Wegwerfen bzw. vermehrtes Fehlen von Wäsche
⢠âHeimlicherâ Gebrauch von Inkontinenzhilfsmitteln
⢠Aufgabe sozialer Aktivitäten
Miktionsprotokoll (Urinprotokoll)
wird vor allem bei Blasenproblemen verwendet (z. B. Inkontinenz).
⢠Trinkmenge und Harnabgang wird detailliert dokumentiert (in ml)
1 Glas â 200â250 ml
1/2 Glas â 100â125 ml
1 groĂes Glas â 300 ml
1/2 groĂes Glas â 150 ml
1Ă Wasserlassen (Miktion) â 200â300 ml
Stuhlinkontinenz
unwillkĂźrlicher Verlust von flĂźssigem oder festem Stuhl. Ist eine FunktionsstĂśrung des Darms bzw. des SchlieĂmuskelsystems.
Grad 1: Teilinkontinenz / Leichte Form
bei Belastung und DiarrhÜ, unkontrollierter Abgang von Darmgasen. Unterwäsche ist gelegentlich verschmutzt.
Grad 2: Teilinkontinenz / Mittlere Form
mit gelegentlichem Abgang von dßnnem Stuhl und Darmgasen. Unterwäsche ist häufig verschmutzt.
Grad 3: Totalinkontinenz / Schwere Form
mit vollständig unkontrolliertem Abgang von Stuhl und Darmgasen.
FlĂźssigkeitsbilanz
erfasst die gesamte FlĂźssigkeitsmenge, nicht nur die Miktion.
- Einfuhr: Trinken, Infusionen, Nahrung
- Ausfuhr: Urin, Stuhl (bei DiarrhĂś), Erbrechen, Drainagen
Ziel: Ăberblick Ăźber den FlĂźssigkeitshaushalt (z. B. bei Herz- oder Nierenproblemen)
Stuhl, Erbrechen, flßssigkeitsreiche Mahlzeiten und Drainagen in ml erfasst, mÜglichst durch Messen, sonst durch Schätzen:
Stuhl:
kleine Menge â ca. 100â200 ml
mittlere Menge â ca. 200â400 ml
groĂe Menge â > 400 ml
Erbrechen:
kleine Menge â ca. 50â100 ml
mittlere Menge â ca. 100â300 ml
groĂe Menge â > 300 ml
Drainagen:
werden immer genau gemessen (z. B. in Auffangbeuteln mit Skala)
Infusionen:
werden immer genau gemessen
1 Infusion â häufig 500 ml oder 1000 ml (Angabe am Beutel)
flĂźssigkeitsreiche Mahlzeiten:
alles, was bei Raumtemperatur flßssig ist oder wird, zählt zur Flßssigkeit
anteilig in ml angerechnet, je nach Wassergehalt
Suppe (klar/gebunden) â ca. 200â300 ml pro Teller
Joghurt / Pudding â ca. 100â150 ml pro Becher
Kompotte / Obstmus â ca. 100â150 ml
Eis â ca. 50â100 ml
Arten von Stomata
Gastrostoma: kĂźnstlicher Magenausgang
Enterostoma: kĂźnstlicher Darmausgang
Urostoma: kĂźnstlicher Blasenausgang
Tracheostoma: kĂźnstlicher LuftrĂśhrenausgang
Stomapflege Handlungsschema
Der Beutelwechsel wird bei Bettlägerigen in Rßckenlage vorgenommen, mobile Patienten kÜnnen den Wechsel im Stehen vor einem Spiegel durchfßhren.
Vorbereitung
Material
- Kompressen (steril und unsteril)
- wasserfeste Unterlage
- Pflasterentferner (nur wenn anders nicht mĂśglich – schädigt die Haut)
- Einmalrasierer
- Watteträger
- Nierenschale
- Papier
- warmes Wasser
- Hautschutz
- Stomasystem
- Schablone fĂźr die Basisplatte
- gebogene Schere
- unsterile Handschuhe
- Stomapaste, Modellierstreifen oder Modellierringe
- Abwurf
- Sichtschutz
DurchfĂźhrung
System entfernen, Enterostoma reinigen
⢠Handschuhe anziehen
⢠gebrauchter Beutel und die Hautschutzplatte (Basisplatte) entfernen
⢠Pflasterentferner sollte nur im Notfall benutzt werden, da er auch gesunde Haut empfindlich schädigen kann (er trocknet sie stark aus)
⢠Sekret sollte nicht mit der Haut in Kontakt kommen
⢠Haut um das Stoma herum (peristomal) mit angefeuchteten Kompressen zum Stoma hin reinigen, abtrocknen mit Kompressen.
Die Schleimhaut des nach auĂen gelegten Darmes ist empfindlich und muss sehr vorsichtig behandelt werden.
Kontrolle des Enterostomas
⢠Hautläsionen (Hautveränderungen)
⢠Entzßndungen
Bei Auffälligkeiten Fotodokumentation anlegen (Einwilligung des Patienten einholen).
Neues System anbringen
⢠Handschuhe verwerfen
⢠Hände desinfizieren
⢠neue Handschuhe anziehen
⢠ggf. peristomale Haut vom Stoma weg rasieren (Einwegrasierer)
⢠ggf. Hautschutz auftragen
⢠Schablone fĂźr die Basisplatte mithilfe mitgelieferter Messschablone anfertigen und mit Datum und Namen des Patienten versehen – die Schleimhaut (=Darmausgang) liegt frei.
Der Darmausgang darf durch die PlattenĂśffnung nicht eingeengt sein – Nekrosen, Ădeme oder Blutungen kĂśnnen die Folge sein.
⢠Narben und Unebenheiten mit Stomapaste ausgleichen (mit angefeuchtetem Watteträger)
⢠Hautschutzplatte vorsichtig von unten nach oben anbringen und mit leichtem Druck andrßcken (starker Druck kann Schmerzen auslÜsen)
⢠bei zweiteiligen System wird nach Anbringen der Basisplatte der Beutel durch Anheben des Rasterrings mit beiden Händen angebracht (verhindert schmerzhaften Druck auf den Bauch)
Nachsorge
⢠Material entsorgen
⢠Hände desinfizieren
⢠Material wegräumen
⢠Arbeitsplatz reinigen
⢠PflegemaĂnahme dokumentieren
Medikamente richtig verabreichen
Was hat die Verabreichung von Medikamenten mit der Ausscheidung zu tun?
Kontrolle der Medikamentenwirkung: Wird ein Medikament nicht ausgeschieden (z.B. eingeschränkte Nierenfunktion) kommt es im KĂśrper zu einer Kumulation â Ăberdosierung / Vergiftungsgefahr. (z.B. bei Niereninsuffizienz = stark eingeschränkte Ausscheidung = hohe Gefahr der Akkumulation von Wirkstoffen)
Die Ausscheidung ist ein direkter Spiegel der Organfunktion
⢠Veränderungen in der Ausscheidung geben sofort Hinweise auf die Leistungsfähigkeit wichtiger Organe
⢠Niere als zentrales Ausscheidungsorgan spielt dabei eine entscheidende Rolle: scheidet Arzneimittel und deren Abbauprodukte ßber den Urin
⢠aus Veränderungen, z.B. verminderte Urinmenge oder auffälliger Farbe kann auf eine eingeschränkte Nierenfunktion hinweisen
⢠die Beobachtung der Ausscheidung ist die Grundlage, um frßhzeitig StÜrungen zu erkennen und die Wirkung und Verträglichkeit von Medikamenten einzuschätzen
Mit der Ausscheidung wird der FlĂźssigkeitshaushalt beobachtet
⢠Menge und Beschaffenheit der ausgeschiedenen Flßssigkeit lassen direkte Rßckschlßsse auf die Flßssigkeitsbalance des KÜrpers zu
⢠die Urinmenge zeigt, ob ausreichend Flßssigkeit aufgenommen und ßber die Niere wieder abgegeben wird
⢠verminderte Ausscheidung kann unter anderem auf Flßssigkeitsmangel hinweisen (oder eine eingeschränkte Nierenfunktion)
⢠Farbe und Konzentration des Urins geben ebenfalls Hinweise auf den Hydrationszustand
⢠fßr die Pflege ist die Beobachtung der Ausscheidung daher wesentlich:
Zu wenig FlĂźssigkeit â
đ Medikamente werden langsamer ausgeschieden
đ Kumulation
Bei veränderter Ausscheidung: Arzt informieren!
DiarrhĂś: Medikamente werden evtl. zu schnell ausgeschieden
Obstipation: verzĂśgerte Ausscheidung â Kumulation
𪢠đ§ŠđĄErinnerungsknoten: Wann spricht man in der Pharmakologie von „Kumulation“?đĄđ§Š đŞ˘
FrĂźherkennung von Nebenwirkungen:
Veränderungen bei:
⢠Urinmenge
⢠Farbe
⢠Geruch / Konsistenz
kÜnnen Hinweise auf Schädigungen durch Medikamente sein
Medikamente richtig verabreichen:
⢠in aufrechter KÜrperhaltung verabreichen
⢠aureichend Flßssigkeit dazu reichen (Ulkusgefahr, wenn die Tablette in der SpeiserÜhre liegen bleibt)
⢠evtl. im MÜrser zerkleinern (Retardtabletten nicht!)
⢠evtl. im Wasser zerfallen lassen
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