Zum Inhalt springen
Startseite Âť Akut- & Langzeitpflege / Pflegetechnik fĂźr die Pflegeassistenz Âť Kompetenz der Pflegeassistenz: Ausscheidung beobachten

Kompetenz der Pflegeassistenz: Ausscheidung beobachten

Aufbereiteter Lehrinhalt, Unterrichtsfach: GrundzĂźge und Prinzipien der Akut- und Langzeitpflege inklusive Pflegetechnik (GKPF)


08.05.2026

Die Beobachtung und Dokumentation von Harn, Stuhl und anderen Ausscheidungen zählt zum Kern der beruflichen Verantwortung der Pflegeassistenz. Wer hier Fachwissen ßber pathologische Abweichungen, Inkontinenzformen und Stomaversorgung nennt, beweist eine hohe pflegerische Kompetenz.

Das muss die Pflegeassistenz Ăźber Ausscheidung wissen:
➤ Die normale Harnausscheidung sowie pathologische Abweichungen erkennen, dokumentieren und weiterleiten.
➤ Strategien im Umgang mit Ekel anwenden.
➤ Beobachtungskriterien der Harnausscheidung und Stuhlausscheidung nennen.
➤ Normale Harn- und Stuhlausscheidung sowie pathologische Abweichungen erkennen, dokumentieren und weiterleiten.
➤ Die Arten der Uringewinnung kennen und beschreiben können.
➤ Die Methoden zur Urinuntersuchung kennen und beschreiben.
➤ Umfassend Auskunft über die Flüssigkeitsbilanz geben.
➤ Prophylaktische Maßnahmen von Harnwegsinfektionen kennen.
➤ Maßnahmen und Verhaltensweisen im Umgang mit transurethralen Blasenkatheter kennen.
➤ Die pflegerischen Maßnahmen bei Diarrhö kennen.
➤ Umfassend über die Obstipationsprophylaxe Bescheid geben können.
➤ Methoden zur Stuhlgewinnung kennen und beschreiben.
➤ Pflegemaßnahmen zur Unterstützung bei Miktion und Defäkation.
➤ Die Anwendung von Hilfsmitteln für die Harn-/Stuhlentleerung beschreiben.
➤ Die Begriffe Kontinenz und Inkontinenz gegenüberstellen
➤ Auswirkungen und belastende Faktoren von inkontinenten Personen nennen.
➤ Risikofaktoren der Harninkontinenz nennen.
➤ Formen der Harninkontinenz beschreiben.
➤ Beobachtungen nennen, die auf die Inkontinenz hinweisen können.
➤ Instrumente zur Einschätzung der Harninkontinenz beschreiben.
➤ Ausführlich Auskunft über die Maßnahmen der Kontinenzförderung geben.
➤ Unterschiedlichen Hilfsmittel kennen, die bei Harninkontinenz eingesetzt werden.
➤ Die Grade der Stuhlinkontinenz benennen können.
➤ Die Ursachen der Stuhlinkontinenz nennen.
➤ Die Stuhlinkontinenzsituation einschätzen können.
➤ Konservative Behandlungsmethoden der Stuhlinkontinenz beschreiben.
➤ Verschiedene Enterostomaarten kennen und beschreiben.
➤ Auswirkungen und belastende Faktoren von Personen mit Enterostoma kennen.
➤ Stoma-Versorgungssysteme beschreiben.
➤ Handlungsschema Stomapflege beschreiben.
➤ Die Versorgungsprobleme und Komplikationen von Enterostomata und mögliche Maßnahmen benennen.
➤ Häufige Wirkungen bestimmter Nahrungsmittel auf die Stuhlbeschaffenheit bei Stomaträgern nennen.

Ein gesunder Darm ist die Grundlage fĂźr ein starkes Immunsystem

Ein gesunder Darm ist der SchlĂźssel zu einem gesunden Leben – denn er spielt eine Hauptrolle, wenn es um unsere Gesundheit geht. Der Darm ist nicht nur der Hauptakteur bei der Verdauung, sondern auch bei der Abwehr. Etwa 80 % unseres Immunsystems befindet sich im Darm.

Es sind in erster Linie nicht die äußeren Barrieren, die uns vor Krankheiten schützen – sondern die inneren Schutzmechanismen des Darms! Der Darm beherbergt Milliarden von Bakterien, die die sogenannte Darmflora bilden und neben der Verdauung auch vor Krankheitserregern schützen. In der Fachsprache spricht man hier vom darm-assoziierten Immunsystem (GALT – gut-associated lymphoid tissue), einem weit verzweigten Netzwerk von Immunzellen, das Infektionen erkennt, abwehrt und die Immunantwort steuert.

Zu den bekanntesten Mikroorganismen im Darm gehÜren Bifidobakterien und Laktobazillen. Sie fÜrdern ein gesundes Milieu, hemmen das Wachstum schädlicher Keime und tragen zur Stabilisierung der Darmschleimhaut bei. Darßber hinaus existieren zahlreiche weitere Bakterienstämme, die gezielt Entzßndungsprozesse regulieren und zum immunologischen Gleichgewicht beitragen.

Eine weitere Komponente ist das enterische Nervensystem – auch bekannt als das Bauchhirn. Es besteht aus über 100 Millionen Nervenzellen, die eigenständig agieren, aber auch in enger Verbindung mit dem zentralen Nervensystem stehen. Dieses Netzwerk erklärt, warum psychische Belastungen wie Angst oder chronischer Stress häufig mit Verdauungsproblemen einhergehen. Viele Menschen reagieren in solchen Situationen mit Symptomen wie Reizdarmsyndrom, Durchfall, Verstopfung oder Bauchschmerzen – ein direktes Zusammenspiel von Psyche und Darm. Man könnte daher auch sagen, dass die Pflegeassistenz den Psychiater verhindert – denn sie kümmert sich um den Darm. Und wer den Darm pflegt, der pflegt die Seele. Durch gezielte Pflege und wirksame Prophylaxe hilft sie also nicht nur, körperliches Leiden zu vermeiden, sondern leistet auch einen Beitrag zur seelischen Stabilität. Das ist eine holistische Form der präventiven Gesundheitsförderung auf mehreren Ebenen.

Artikel: „Scheiße lĂźgt nicht: Die Pflegeassistenz als Pissprophetin“

Miktion: Definiton

Miktion Definition:
Physiologische (schmerzlose und willkĂźrliche) Entleerung der Blase.

Ausscheidung pro Strahl beim Erwachsenen:
200-400 ml

Urinausscheidung: Beobachtungskriterien

Beobachtungskriterien:
• Miktionshäufigkeit und -menge
• Farbe und -transparenz
• Geruch
• pH-Wert

Der pH-Wert

Sowohl stark saure als auch stark basische (alkalische) Stoffe sind Ă¤tzend.

EinordnungpH-WertVergleichsstoffe
SAUER0-2Säure
2-3Essig
3-4Sauerkraut
4-5Joghurt
6schwarzer Kaffee
NEUTRAL7Wasser
BASISCH8Meerwasser
9-10Backpulver-LĂśsung
10-11Glasreiniger
11-12Seifenlauge, Ammoniak
13-14Ätznatron, Kalilauge

pH-Wert von Urin:
je nach Tageszeit zwischen 4,5 – 8 (meist leicht sauer), der Morgenurin ist saurer

Physiologische Beschaffenheit von Urin

Beschaffenheit:
• hell- bis dunkelgelb
• klar
• nahezu geruchlos

Je mehr FlĂźssigkeit zugefĂźhrt wird, desto heller und klarer ist der Urin. Je konzentrierter er ist, desto dunkler ist er auch.

Tägliche Miktionsmenge und Miktionshäufigkeit bei gesunden Erwachsenen:
1500-2000 ml / 24h (ca. 4-6-mal am Tag)

Die physiologische Miktion erfolgt willkĂźrlich und schmerzlos.

Die Urinmenge ist abhängig von:
• Flüssigkeitszufuhr (Getränke, Infusionen, Nahrungsmittel)
• Flüssigkeitsausfuhr (Haut, Atmung, Schwitzen)
• Funktionsfähigkeit der Niere

Infusion Definition:
langsame, kontrollierte Verabreichung von FlĂźssigkeit oder Medikamenten in den KĂśrper, meistens Ăźber eine Vene.

Abweichungen von der physiologischen Urinausscheidung

• Miktionshäufigkeit
• Urinfarbe
• Uringeruch

Abweichungen in der Miktionshäufigkeit

physiologisch: im Alter nimmt die Miktionshäufigkeit meist zu

pathologisch:
• Polyurie
• Oligurie
• Anurie
• Nykturie
• Pollakisurie
• Dysurie
• Harnverhalt (Harnretention)
• Restharn

Die Miktion kann gestĂśrt sein durch:
• Schmerzen, z.B. bei Zystitis
• Harnverhalt
• Kontrollverlust über die Blasenfunktion
• Schwellungen (z.B. Prostataerkrankungen)

Beim unbehandeltem Harnverhalt kann Urin aus der Harnblase in die Niere zurück gestaut werden (Reflux) → Nierenschädigung!

Polyurie

vermehrte Harnausscheidung: >3000 ml / 24h
Physiologisch: erhöhte Flüssigkeitszufuhr, Überdosierung von Diuretika
Pathologisch: Hyperglykämie

Achtung: Es besteht die Gefahr der Dehydration!

⚠️🚑 An welchen Symptomen erkennst du Hyperglykämie und wie handelst du im Notfall? ⚠️🚑

Oligurie

verminderte Harnausscheidung: < 500 ml / 24 h
Kann ein Anzeichen eines akuten Nierenversagens sein!
Physiologisch: geringe Flüssigkeitsaufnahme, große Flüssigkeitsverluste z.B. starkes Schwitzen
Pathologisch: Dehydration, Fieber, chronische Niereninsuffizienz, Verlegung der Harnwege, ggf. verstopfter Blasenkatheter

Achtung: wenn der Patient normal trinkt, aber wenig oder gar nicht ausscheidet kann es zum Flüssigkeitsüberschuss im Gewebe kommen! → Ödeme!

Alten Menschen leiden oft an Oligurie infolge eines verminderten Durstgefühls. → Immer wieder zum Trinken auffordern!

Anurie

keine Harnausscheidung: < 100 ml / 24 h
Leitsymptom akuten Nierenversagens, urologische Notfall!

Unterschieden wird:
– Echte Anurie: Nierenschädigung mit der Gefahr des akuten Nierenversagens
– Falsche Anurie: Harnsperre z.B. durch einen HarnrĂśhrenverschluss

⚠️🚑 Achtung: Eine Anurie ist ein Notfall, der sofort behandelt werden muss, da es ansonsten zur Urämie (Harnvergiftung) kommt. ⚠️🚑

• Nykturie: vermehrtes nächtliches Wasserlassen (z.B. Prostataerkrankungen)
• Pollakisurie: Häufiges Wasserlassen in nur kleinen Mengen, Harndrang bei bereits geringer Blasenfüllung (z.B. Blasenentzündung)
• Dysurie: erschwertes oder unangenehmes Wasserlassen (z.B. Prostataerkrankungen)
• Harnverhalt (Harnretention): zurückhalten des Harns. Kann mechanisch oder psychisch bedingt sein. Beobachtungskriterium in der postoperativen Pflege.
• Restharn: unvollständige Entleerung der Blase, bezeichnet den Harn, der nach dem Ablassen des Harns noch in der Blase verbleibt (z.B. Prostataerkrankungen)

🪢 🧩💡Erinnerungsknoten: Was kann unter anderem in Bezug zur Urinausscheidung postoperativ auftreten?💡🧩 🪢

Abweichungen in der Urinfarbe

Abweichungen:
• farbverändert
• milchig bis flockig-trüb
• rötlich bis fleischfarben-getrübt
• bierbraun bis grünlich-schwarz, schaumig

ℹ️ Mehr Infos zum Thema (Kommentarliteratur): Scheiße lügt nicht: Die Pflegeassistenz als PissprophetIn ℹ️

• Farbveränderungen, durch Medikamente; rot, orange, grün, blau
• milchig bis flockig-trüb; z.B. Eiterzellen bei Infektionen (Eiter im Harn = Pyurie), bei Entzündungen
• rötlich bis fleischfarben-getrübt; z.B. sichtbares Blut im Urin, Entzündungen, Nierensteine, Harnsteine, Tumore
• bierbraun bis grünlich-schwarz mit gelbem Schüttelschaum; durch Beimengungen des Gallenfarbstoffs Bilirubin (Bilirubinurie), z.B. bei Erkrankungen der Leber (Hepatitis, Leberzirrhose)

Abweichungen im Uringeruch

physiologisch:
• nach Genuss von Spargel
• Einnahme verschiedener Medikamente (z.B. Vit. B, Antibiotika, …)
• wenn Urin für längere Zeit in der Harnflasche bleibt, kommt es zur Zersetzung der Inhaltsstoffe und es entsteht Ammoniakgeruch

Übelriechender Urin weist meist auf eine Krankheit hin.

• faulig: z.B. Tumorerkrankungen
• obstartig (Azetongeruch): Stoffwechselentgleisungen, z.B. bei Diabetes mellitus
• übelriechend: z.B. bakterielle Entzündung

Anregungen zum spontanen Wasserlassen

  • sitzende Position
  • einige Schritte gehen
  • Intimsphäre wahren
  • Wasserhahn aufdrehen
  • Getränk anbieten (z.B. Blasentee)
  • kalten Waschlappen auf den Unterbauch legen
  • an einen Wasserfall denken

Methoden zur Uringewinnung

Vor der Uringewinnung Intimpflege durchfĂźhren.

Die 6 Methoden der Uringewinnung:
• Spontanurin
• Mittelstrahlurin
• Sammelurin
• Katheterurin
• Blasenpunktion
• Urin aus dem Steckbecken

Für bakteriologische Untersuchungen müssen sterile Gefäße verwendet werden! Auffanggefäß mit Vor- und Nachnamen sowie dem Geburtsdatum beschriften.

Spontanurin

In ein sauberes oder steriles Gefäß. Ist für die meisten Untersuchungen ausreichend. Gewinnung als Mittelstrahlurin oder als (konzentrierter) Morgenurin.

Mittelstrahlurin

Nur die mittlere Harnportion wird aufgefangen. Dadurch wird das Risiko einer Kontamination reduziert.

(Konzentrierter) Morgenurin

der erste Urin nach dem Aufstehen am Morgen.

Sammelurin

Über 12 bis 24 Stunden gesammelter Harn. Der erste Harngang wird verworfen, jede weitere Miktion wird in einem Gefäß gesammelt. Urin während des Sammelns kühl aufbewahren. Nach Ablauf der Sammelzeit wird die Gesamtmenge des Urins gemessen und dokumentiert.

Katheterurin

Bei liegendem Blasenverweilkatheter. Wird mit einer Spritze und einer KanĂźle aus der Silikonmembran des Katheters entnommen. Katheter ca. 10 Minuten vor der Entnahme abklemmen, damit sich der Urin staut. Soll der Urin bakteriologisch untersucht werden, wird die Kathetermembran vor der Entnahme desinfiziert. Nachdem Entnahme der Probe Klemme wieder lĂśsen.

Wird die Klemme am Katheter vergessen, kommt es zu einem Harnstau!

Die Entnahme einer Urinprobe kann in speziellen Fällen auch per Einmalkatheterisierung erfolgen.

Methoden zur Urinuntersuchung

Streifen-Schnelltests (Point-of-Care-Test)

Zur raschen Untersuchung von Urin mittels Urin-Stix; Teststreifen, die mit dem Urin reagieren und sich dabei verfärben.
Gibt orientierende diagnostische Hinweise auf:
• Leukozyten
• pH-Wert
• Eiweiß
• Glukose
• Keton
• Bilirubin
• Urobilinogen
• Blut
• Hämoglobin im Urin

DurchfĂźhrung:

  • Frischen Urin verwenden
  • Teststreifen kurz tauchen – alle Testfelder mĂźssen benetzt sein
  • Beim Herausnehmen ĂźberschĂźssigen Harn am Gefäßrand abstreifen
  • Teststreifen gerade halten bzw. auf einem Becher ablegen, damit der Urin auf den Farbfeldern verbleibt
  • Nach 60 Sek. (Leukozytentestfeld nach 120 Sek.) Reaktionsfarbe mit der Farbskala des Behälters vergleichen
  • Ablesen des Teststreifens, ohne den Behälter zu berĂźhren

Achtung:
– trocken Aufbewahren
– kurzes Öffnen zur Entnahme eines Teststreifens → Luftfeuchtigkeit verändert die Reagenzien
– Die Testfelder dĂźrfen nicht mit den Fingern berĂźhrt werden → verfälschtes Ergebnis
Ergebnis

Urinkultur

Die Plättchen mit den NährbÜden werden in einen steril aufgefangenen Mittelstrahl- oder Katheterurin getaucht.
Liefert Informationen zu Krankheitserregern im Urin und Resistenzen auf Antibiotika.

Spezifisches Gewicht

Feststellung des spezifischen Gewichts des Urins (Urinosmolarität, Dichte der gelÜsten Teilchen). Kann im Labor oder im stationären Bereich per Streifenschnelltest sowie mittels Urometer (Harnwaage) und Messzylinder bestimmt werden.

Pathologische Urinbestandteile:

  • Zucker
  • Eiweiß
  • Blut
  • Bakterien
  • KetonkĂśrper
  • Bilirubin
  • Hämoglobin
  • Leukozyten

FlĂźssigkeitsbilanzierung

Definition FlĂźssigkeitsbilanz:
Vergleich der Einfuhr im Verhältnis zur Ausfuhr. In der Pflege das wichtigste Instrument zur Beobachtung der Urinproduktion.

Definition Einfuhr:
Dem KÜrper oral, parenteral oder enteral zugefßhrte Flßssigkeiten (Getränke, Infusionen, Speisen).

Definition Ausfuhr:
Vom KĂśrper ausgeschiedene FlĂźssigkeiten (z.B. Urin, Schweiß, Erbrochenes, Blut, Wundsekret, Punktat, Abfluss Ăźber Sonden,…)

Die Differenz zwischen Ein- und Ausfuhr fĂźhrt entweder zu einer:
• positiven Bilanz
• negativen Bilanz
• ausgeglichenen Bilanz

Die FlĂźssigkeitsbilanzierung wird weiter unterteilt in:
• registrierbar (nur die registrierbare Ein- und Ausfuhr wird registriert)
• effektiv (auch Oxidationswasser, Verlust Ăźber Haut und Atmung, Schwitzen – 500ml/1°TemperaturerhĂśhung)

Zystitisprophylaxe

Zystitis Definition:
Harnwegsinfektion. Meist eine bakteriell verursachte EntzĂźndung der Harnblase (Vesica urinaria).

Eine bakterielle Infektion der Harnwege erfolgt zumeist aufsteigend, von der HarnrÜhrenÜffnung in die Blase (Blasenentzßndung). In einigen Fällen kann sie bis zu den Nieren vordringen (Harnwegsinfekt). Frauen und Mädchen erkranken häufiger an einer Zystitis, da sie eine kßrzere HarnrÜhre haben.

Fachbegriffe:
EntzĂźndung der HarnrĂśhre:
Urethritis
EntzĂźndung der Harnblase:
Zystitis

Prophylaxe gegen Harnwegsinfektion:
Die beste Zystitisprophylaxe ist Trinken. Durch die natürliche Ausscheidung werden die Harnwege auf natürliche Weise gespült. Weitere prophylaktische Maßnahmen:

• sorgfältige Intimpflege (von der Symphyse zum Anus, nach jedem Wischen Stelle des Waschlappens wechseln)
• gut abtrocknen, um ein feuchtes Milieu zu vermeiden
• sorgfältige Pflege des transurethralen Blasenkatheters (Katheter und Harnröhrenöffnung mit Wasser und pH-neutraler Seife von der Harnröhre weg reinigen, Verkrustungen entfernen, die Katheterpflege erfolgt vor der Intimpflege)
• regelmäßiger Toilettengang
• regelmäßige Inkontinenzversorgung
• warme Kleidung, um eine Unterkühlung zu vermeiden
• Blase vollständig entleeren
• Kälte und Nässe im Intimbereich vermeiden
• 1 Glas Cranberrysaft täglich kann das Zystitisrisiko senken

Umgang und Pflege bei liegendem transurethralen Blasenkatheter

Blasenkatheter Definition
auch Blasenverweilkatheter. Ein steriler Schlauch, der Ăźber die HarnrĂśhre oder Ăźber die Bauchdecke in die Harnblase eingefĂźhrt wird, um Urin abzuleiten.

Umgang
• hygienische Händedesinfektion
• Tragen von Handschuhen
• 1-2 x tgl. Katheter und Harnröhrenöffnung mit Wasser und pH-neutraler Seife reinigen, Verkrustungen entfernen
• keine speziellen Desinfektions- oder Reinigungsmittel verwenden (zerstört die natürliche Keimflora)
• Beobachtung des Urins auf Veränderungen
• Motivation zu ausreichender Flüssigkeitszufuhr (Infektionsprävention)
• Durchgängigkeit des Katheters kontinuierlich überprüfen, der ableitende Schlauch muss stets ohne Knicke und Schlaufen sein
• Katheter und Harnableitungssystem nicht voneinander trennen (diskonnektieren). Bei versehentlicher Trennung Kontaktstelle vor dem Zusammenfügen gründlich desinfizieren
• Zug auf den Katheter vermeiden
• Katheterbeutel stets unter Blasenniveau anbringen
• Zum Entleeren des Beutels separates Auffanggefäß benutzen
• Ablassstutzen darf nicht in Kontakt mit Gefäß kommen, anschließend desinfizieren und wieder in Vorrichtung stecken
• Ablassstutzen nach dem Ausleeren in die Lasche zurückstecken
• P/B darf nicht auf dem Schlauch liegen (Harnstauung, Druckstellen)
• Urinauffangbeutel muss sicher fixiert sein und gerade hängen

Pflege
• Reinigung des Katheters von proximal zu distal
• schon kleine Ausflussmengen aus der Harnröhrenöffnung können eine Reaktion des Organismus auf den Fremdkörper sein
• auffällige Beimengungen (z.B. Eiter oder Blut) oder Geruchsbildung müssen dokumentiert bzw. die Information an den gehobenen Dienst / behandelnden Arzt weitergegeben werden
• sterile, eingeschnittene Kompresse bei bettlägerigen P/B zum Aufsaugen von Sekreten

Informationspflicht:
Infektionsgefahr, Prophylaxen, Befestigung des Auffangbeutels, Symptome einer Zystitis

Stuhl: Beobachtungskriterien

Stuhl Definition:
Endprodukt der Verdauung.

Stuhl Fremdworte:
Fäzes, Kot

Vorgang der Stuhlentleerung Fremdwort:
Defäkatation

Beobachtungskriterien:
• Defäkation (z.B. schmerzhaft, mit starkem Pressen verbunden)
• Menge
• Häufigkeit (Defäkationsfrequenz)
• Zeitpunkt
• Konsistenz
• Farbe
• Geruch
• Beimengungen
• Blähungen

Pathologische Veränderungen

  • Schmerzen
  • Verstärkte Anstrengung, Ăźbermäßiges Pressen
  • UnwillkĂźrlicher Abgang zu einem nicht gewĂźnschten Zeitpunkt
  • UnterdrĂźcken des Stuhlgangs nicht mĂśglich

Menge

ist abhängig vom Entwicklungsstand und der Art der Ernährung

  • Ballaststoffarme Ernährung, während des Fastens: < 100g/Tag
  • Ausgewogene Mischkost: 100-500 g/Tag
  • Ballaststoffreiche Ernährung: < 1000g/Tag

Pathologische Veränderungen:

  • Niedrige Stuhlmenge:
    – Verstopfung
    – Hungerstuhl: schwarz-grĂźnlich, besteht lediglich aus Schleim und Darmzellen
  • Hohe Stuhlmenge:
    – ballaststoffreiche Ernährung
    Maldigestion (unzureichende Verdauung): z.B. Laktoseintoleranz
    – Malabsorption (AufnahmestĂśrung): z.B. chronisch-entzĂźndlichen Erkrankungen des Darms
  • Ausbleiben des Stuhls: Obstipation oder Darmverschluss (Ileus)

Häufigkeit

Normale Häufigkeit: 3-4 x wÜchentlich bis zu 2-3 x täglich.

Pathologische Veränderungen:

• Durchfall / Diarrhö
– > 3 Stuhlentleerungen / 24 Stunden mit einem Ăźbermäßig hohen Wasseranteil. Breiig-flĂźssiger bis flĂźssig-schleimiger Stuhl.
– Begleitsymptome: Fieber, Erbrechen, Übelkeit, Appetitlosigkeit, Bauchschmerzen, Blähungen, Kopfschmerzen, Gliederschmerzen, Blut oder Schleim im Stuhl
Akut auftretende DiarrhĂś: z.B. bei Vergiftungen, Darminfektionen, psychische Belastungssituationen
Chronisch verlaufende DiarrhĂś: z.B. chronische Erkrankungen des Dick- und DĂźnndarms
Reizkolon (= Colon irritabile, Reizdarmsyndrom) ist eine funktionelle StĂśrung des Darms ohne nachweisbare organische Ursache.

Stuhlverstopfung / Obstipation
– Entleerung < 3 x / Woche. Stuhl ist fest und hart. Defäkation ist schmerzhaft und mit starkem Pressen verbunden.
Organische Obstipation: Erkrankungen wie Divertikulitis, neurologische StÜrungen (z.B. Schlaganfall, Querschnittslähmung)
Funktionelle Obstipation: verlangsamte Stuhlausscheidung aufgrund ungßnstiger Ernährungsgewohnheiten

Symptome:

  • erschwerter Stuhlgang
  • harter, klumpiger Stuhl
  • niedrige Mengen an Stuhl
  • Schmerzen bei der Darmentleerung
  • GefĂźhl einer unvollständigen Entleerung
  • Unwohlsein, Übelkeit, Erbrechen
  • geblähtes Abdomen, Blähungen
  • Bauchschmerzen, Bauchkrämpfe
  • VĂśllegefĂźhl
  • Appetitlosigkeit
  • Unruhe
  • Paradoxe Durchfälle

Ursachen:

  • Diuretika
  • Diabetes mellitus
  • Veränderungen des Darms, der Analregion (mechanisch – tumorbedingt)
  • Zeitnot, Hektik, StĂśrung der Intimsphäre
  • Adipositas
  • langjähriger Missbrauch von AbfĂźhrmitteln
  • StĂśrungen der Darmmotilität
  • FlĂźssigkeits- und Bewegungsmangel

Darmverschluss / Ileus

Mechanischer Ileus:

  • krampfartige Schmerzen
  • Erbrechen, Koterbrechen
  • laute und klingende Darmgeräusche
  • Stuhl- und Windverhalten
  • geblähtes Abdomen

Paralytischer Ileus:

  • druckempfindlicher Leib
  • Erbrechen, Koterbrechen
  • „Totenstille“ im Abdomen (keine Darmgeräusche)
  • Stuhl- und Windverhalten
  • geblähtes Abdomen

Konsistenz

normaler Stuhl = homogen breiig bis fest. Eiweißreiche Ernährung macht ihn fester, kohlenhydratreiche weicher. Viel Flüssigkeit macht Stuhl weicher, wenig Flüssigkeit verfestigt.

Pathologische Veränderungen:

  • Breiig-wässrig: z.B. Magen-Darminfektione, Nahrungsunverträglichkeit
  • Fest-hart: FlĂźssigkeitsmangel (wenig FlĂźssigkeit, ballaststoffarme Ernährung)
  • Extrem hart und eingedickt: Kotsteine (Fekalom) durch chronische Obstipation
  • BleistifffĂśrmig: Verengung des Enddarms
  • Blutig-schleimig, eitrig: Colitis ulcerosa, Morbus Crohn

Farbe

normale Farbe: hell- bis dunkelbraun (Bilirubin färbt den Kot braun)

Nahrungsmittel und Medikamente können die Farbe des Kots verändern. Schwarzer Stuhl kann bei Gabe von Kohle- oder Eisenpräparaten auftreten, weißer Stuhl nach Untersuchungen mit Bariumsulfat (Röntgenkontrastmittel, weißes Pulver, färbt den Stuhl mechanisch.

Pathologische Veränderungen:

  • GrĂźnlich: schwere Durchfallerkrankungen
  • Grau und lehmfarben (acholisch): Fehlen des Gallenfarbstoffes (z.B. Gallensteine, Pankreastumore, Hepatitis)
  • Rotbraun marmoriert: Blutungen im unteren Dickdarmabschnitt
  • Rotbraun bis dunkelrot: Blutungen im oberen Dickdarmabschnitt
  • Hellrote Auflagen: Blutungen im Enddarm (z.B. Hämorrhoiden, Fissuren oder Dickdarmpolypen)
  • schwarz (Teerstuhl oder Meläna): Blutungen aus dem oberen Verdauungstrakt (z.B. MagengeschwĂźre)

Geruch

normaler Stuhlgeruch: nicht besonders unangenehm. Verantwortlich für den typischen Geruch sind die Abbauprodukte unverdaulicher Eiweiße und Aminosäuren.

Pathologische Veränderungen:

  • faulig, stinkend: Krebserkrankungen
  • säuerlich stechend: StĂśrung der Kohlenhydratverdauung
  • jauchig, faulig: StĂśrung der Eiweißverdauung

Beimengungen

normaler Stuhl enthält keine Beimengungen oder Auflagerungen. Bei ballaststoffreicher Ernährung werden oft unverdaute KÜrner und Maisreste ausgeschieden.

Pathologische Veränderungen:

  • Blutauflagerungen: Hämorrhoiden, EntzĂźndungen, Tumore
  • Schleim: Reizdarmsyndrom, Tumore
  • Blut-, Schleim-, Eiterauflagerungen: Colitis ulcerosa, Morbus Crohn
  • Unverdaute Nahrung: zu wenig gekaut, VerdauungsstĂśrungen
  • Parasiten (Schmarotzer): z.B. Ăźber Haustiere oder Nahrung, verursachen Juckreiz am After
    – MadenwĂźrmer (fadenfĂśrmig, 4-12 mm lang, hohe Zahl)
    – SpulwĂźrmer (grau, regenwurmähnlich, 15-40 cm lang)
    – Rinder- oder Schweinebandwurmglieder (weiß, glatt, fingernagelgroß)
  • Okultes Blut: z.B. Darmkrebs, Polypen
  • Pathogene Keime: z.B. Salmonellen, Enterobakterien

Blähungen

Blähungen Fachbegriff:
Meteorismus

Luft- bzw. Gasansammlung in Magen-Darm-Trakt mit Abgang von Darmgasen.

normale Flatusfrequenz: bis zu 20 Flatulenzen

Pathologische Veränderungen:

ErhÜhte Flautsfrequenz (> 20 Winde/Tag) mit quälendem Gefßhl des Aufgeblähtseins

Ursachen:

  • EntzĂźndungen im Magen-Darm-Trakt
  • Medikamentennebenwirkungen
  • Reizdarmsyndrom

DiarrhĂś

ist eine StĂśrung der Stuhlentleerung. Liegt vor, wenn es zu mehr als drei ungeformten, flĂźssigen Stuhlentleerungen pro Tag kommt.

  • erhĂśhte Stuhlmenge (> 200–250 g/Tag)
  • verminderte Konsistenz (flĂźssig)

MĂśgliche Ursachen

  • Infektionen (Viren, Bakterien)
  • Nahrungsmittelunverträglichkeiten
  • Medikamente
  • chronische Darmerkrankungen

Pflegemaßnahmen bei Diarrhö

Beobachtung
– lt. Beobachtungskriterien
– Hautturgor
– Haut in der Analgegend
– Vitalzeichen
– FlĂźssigkeitsprotokoll
Beschwerdelinderung

– bei Bauchschmerzen: Knierolle, Wärmeflasche, warmer Bauchwickel
FlĂźssigkeit und Elektrolyte

– FlĂźssigkeit bereitstellen
– Elektrolytverlust: Ausgleich lt. ärztlicher Anweisung, isotone TrinklĂśsung
– Schwarztee
Ernährung

– Nahrungskarenz
– stopfende Nahrungsmittel: Weißbrot, Banane, trockener Reis (außer bei schlechter Kohlenhydratverdauung)
– Vermeiden von blähenden, fettreichen Speisen
Intimpflege und Hautschutz
– weiches Toilettenpapier benutzen
– nicht reiben, sondern tupfen
– Waschen mit klarem Wasser und ÖltĂźchern
– fettfreie Creme zum Hautschutz
Prophylaxen

– Infektionsgefahr: Zystitis, Infektion von Wunden
– Zystitisprophylaxe (von der Symphyse zum Anus)
– Intertrigoprophylaxe (Hautbeobachtung)
Hygiene

– persĂśnliche Hygiene beachten: Handschuhe, PlastikschĂźrze, Händedesinfektion, Wäschewechsel bei Bedarf
– wenn Seife notwendig: nur milde Seife
– LĂźften

Alte Menschen kĂśnnen den Elektrolythaushalt schlecht kompensieren!

ℹ️ Kostaufbau nach Diarrhö: Kostaufbau bei Enteritis ℹ️

Isotone TrinklĂśsung zubereiten:
1 L Kamillentee
+ 3 EL Zucker
+ 1/2 TL Salz
+ 1/2 TL Speisesoda

Obstipationsprophylaxe – Pflegemaßnahmen bei Obstipation

Ernährung

• in Ruhe essen
• gründlich kauen
• mehrere kleine Mahlzeiten
• ballaststoffreiche Ernährung (ca. 35–40 g/Tag mit reichlich FlĂźssigkeit – Darm kann sonst „verkleben“ und Ileus begĂźnstigen)
• fermentierte Nahrungsmittel anbieten (Sauermilch, Buttermilch, Joghurt, Kefir, Sauerkraut)
• darmanregende Nahrungsmittel, z.B. Zwetschgen, Milchzucker
• stimulierende Tees (Apfel-Orangen-Schlehenblüten)
• stopfende Nahrungsmittel vermeiden, z. B. Schokolade, Banane, Kakao, Schwarztee
• ein Glas lauwarmes Wasser auf nüchternen Magen

Therapien

• Laxantien als Begleittherapie zu Opioiden (Movicol)
• Osmotische Laxantien (Lactulose)

FlĂźssigkeitszufuhr

• mind. 2 l / Tag, bei Kontraindikationen wie z. B. Nieren- oder Herzinsuffizienz RĂźcksprache mit dem Arzt
• vorwiegend Mineralwasser, Kräutertee, Obst- bzw. Gemüsesaft trinken (Zwetschgen- und Sauerkrautsaft)

Bewegung

• aktives und passives Bewegen, schon allein das Bewegen der Beine im Bett fördert die Darmperistaltik

Ausscheidung

• Gewöhnung an feste Ausscheidungszeiten
• Zeit lassen
• Stuhldrang nie unterdrücken
• Hocksitzhaltung

Kolonmassage nach Vogler

• Dickdarm in Verlaufsrichtung von dexter inferior nach sinister inferior massieren, Lotion verwenden
• große oder spiralförmig kreisende Bewegungen im Uhrzeigersinn
• leichten Druck während der Ausatmung, Druck bei der Einatmung reduzieren
• Dauer: mind. 5 Min

🎬 Video: Colon Massage bei Verstopfung, Visna Stief 🎬

Feucht-warme Bauchauflage

• warm befeuchtetes Handtuch
• 15-20 min vor dem Essen
• auf den Bauch legen
• Wärmflasche oder warmes Kirschkernkissen sowie trockenes Handtuch darüberlegen
• 15–20 min belassen

🎬 Video: Feucht-warme Bauchauflage, Petra Büeler 🎬

Leibwaschung nach Kneipp

• Rückenlage mit angezogenen Beinen
• mit kaltem, nassen Waschlappen 20-30 x Dickdarmverlauf im Uhrzeigersinn nachfahren
• leichter Druck mit den Fingerkuppen

🎬 Video: Leibwaschung nach Kneipp, Salzgrotte Sondernau 🎬

Digitale Stimulation

• wird als sehr unangenehm empfunden, daher zuvor andere Maßnahmen auswählen
• Seitenlage mit angewinkelten Beinen
• ruhiges Ein- und Ausatmen
• fetthaltige Creme auf Finger auftragen
• Schließmuskel locker lassen
• Zeigefinger langsam und vorsichtig ca. 3–5 cm in den Mastdarm einfĂźhren und fĂźr ca. 15 Sekunden kreisende Bewegungen entlang der Darmwand ausfĂźhren
• Vorgang bis zur Entleerung wiederholen
• Kontraindikationen: Hämorrhoiden, Fissuren, Operationen im Bereich des Anus, Rektalkarzinom

🎬 Video: How to Perform Digital Stimulation 🎬

Evaluation

führen die prophylaktischen Maßnahmen nicht zum Erfolg, kann bei akuter Obstipation nach ärztlicher Anweisung ein Klistier oder ein Einlauf verabreicht werden.

Dokumentation

Obstipation – Therapie

Mikroklistier

• nach ärztlicher Verordnung
• Spritzen evtl. einfetten
• Klistiere nach der Entleerung in zusammengedrückten Zustand entfernen
• bei Salbentuben den Inhalt erst nach dem Einführen (beim langsamen Herausziehen) drücken

Erbrechen

s. Beobachtung des Ernährungszustands

Definition

umfasst alle Maßnahmen, die darauf abzielen, die Kontinenz mĂśglichst lange zu erhalten.

Maßnahmen zur Inkontinenzprophylaxe

👉 Ziel: entweder präventiv oder kontinenzfördernd

• Toilettentraining / Motivation zum Toilettengang / feste Uhrzeiten
• FlĂźssigkeitszufuhr (konzentrierter Urin verstärkt Inkontinenz) – Achtung! Bei Niereninsuffizienz und Herzinsuffizienz mit dem Arzt abklären!
• Gewichtsreduktion
• Obstipationsprophylaxe (Obstipation: Stuhl im Enddarm drückt auf die Blase)
• Förderung einer kontinenzfördernden Umgebung:
– räumliche Orientierung (Weg zur Toilette zeigen)
– kurze Wege zur Toilette
– Rufglocke in Griffnähe
– Hilfsmittel in Griffnähe (Inkontinenzmaterialien)
– leichte Handhabbarkeit von TĂźren
– Barrierefreiheit (z.B. Haltegriffe)
– ausreichende Beleuchtung
– Wahrung der Intimsphäre
• kontinenzfördernde Kleidung:
– leicht zu Ăśffnen (ReißverschlĂźsse, KlettverschlĂźsse statt KnĂśpfen)
– weite Kleidung
– Kleidung, die bei 60 Â°C waschbar ist
– geschlossene Schuhe

Hautpflege bei Inkontinenz

• Haut trockentupfen – Feuchtigkeit fĂźhrt zur Mazeration und Urin reizt die Haut
• saugende und atmende Bekleidung tragen lassen – Wärme begĂźnstigt eine Inkontinenz-assoziierte Dermatitis
• waschen mit weichen ÖltĂźchern oder Einmalwaschlappen mit Wasser – häufiges Waschen mit Seife schädigt die Haut
• Haut beobachten (Rötungen, Risse, Schwellungen, Blasenbildung, Irritationen)
• bei Nässe unverzüglich Einlage tauschen
• zum Hautschutz fettfreie Cremes verwenden – nur dĂźnn auftragen
• keine Pasten, kein Puder (Wärmestau)

Hinweise auf eine mĂśgliche Inkontinenz

• Häufige Toilettengänge
• Hautsymptome wie Juckreiz oder Brennen (perianal) durch Benetzung der Haut mit Sekret und vermehrtes Kratzen
• Ablehnung notwendiger Unterstützung bei der Körperpflege, oft vehement oder aggressiv
• plötzlicher Wunsch, das Bett selbst zu beziehen
• Wegwerfen bzw. vermehrtes Fehlen von Wäsche
• „Heimlicher“ Gebrauch von Inkontinenzhilfsmitteln
• Aufgabe sozialer Aktivitäten

Miktionsprotokoll (Urinprotokoll)

wird vor allem bei Blasenproblemen verwendet (z. B. Inkontinenz).

• Trinkmenge und Harnabgang wird detailliert dokumentiert (in ml)

1 Glas ≈ 200–250 ml
1/2 Glas ≈ 100–125 ml
1 großes Glas ≈ 300 ml
1/2 großes Glas ≈ 150 ml
1× Wasserlassen (Miktion) ≈ 200–300 ml

Stuhlinkontinenz

unwillkürlicher Verlust von flüssigem oder festem Stuhl. Ist eine Funktionsstörung des Darms bzw. des Schließmuskelsystems.

Grad 1: Teilinkontinenz / Leichte Form
bei Belastung und DiarrhÜ, unkontrollierter Abgang von Darmgasen. Unterwäsche ist gelegentlich verschmutzt.
Grad 2: Teilinkontinenz / Mittlere Form
mit gelegentlichem Abgang von dßnnem Stuhl und Darmgasen. Unterwäsche ist häufig verschmutzt.
Grad 3: Totalinkontinenz / Schwere Form
mit vollständig unkontrolliertem Abgang von Stuhl und Darmgasen.

FlĂźssigkeitsbilanz

erfasst die gesamte FlĂźssigkeitsmenge, nicht nur die Miktion.

  • Einfuhr: Trinken, Infusionen, Nahrung
  • Ausfuhr: Urin, Stuhl (bei DiarrhĂś), Erbrechen, Drainagen

Ziel: Überblick Ăźber den FlĂźssigkeitshaushalt (z. B. bei Herz- oder Nierenproblemen)

Stuhl, Erbrechen, flĂźssigkeitsreiche Mahlzeiten und Drainagen in ml erfasst, mĂśglichst durch Messen, sonst durch Schätzen:

Stuhl:
kleine Menge → ca. 100–200 ml
mittlere Menge → ca. 200–400 ml
große Menge → > 400 ml
Erbrechen:
kleine Menge → ca. 50–100 ml
mittlere Menge → ca. 100–300 ml
große Menge → > 300 ml
Drainagen:
werden immer genau gemessen (z. B. in Auffangbeuteln mit Skala)
Infusionen:
werden immer genau gemessen
1 Infusion â†’ häufig 500 ml oder 1000 ml (Angabe am Beutel)
flĂźssigkeitsreiche Mahlzeiten:
alles, was bei Raumtemperatur flĂźssig ist oder wird, zählt zur FlĂźssigkeit
anteilig in ml angerechnet, je nach Wassergehalt
Suppe (klar/gebunden) â†’ ca. 200–300 ml pro Teller
Joghurt / Pudding â†’ ca. 100–150 ml pro Becher
Kompotte / Obstmus â†’ ca. 100–150 ml
Eis â†’ ca. 50–100 ml

Arten von Stomata

Gastrostoma: kĂźnstlicher Magenausgang
Enterostoma: kĂźnstlicher Darmausgang
Urostoma: kĂźnstlicher Blasenausgang
Tracheostoma: kĂźnstlicher LuftrĂśhrenausgang

Stomapflege Handlungsschema

Der Beutelwechsel wird bei Bettlägerigen in Rßckenlage vorgenommen, mobile Patienten kÜnnen den Wechsel im Stehen vor einem Spiegel durchfßhren.

Vorbereitung

Material

  • Kompressen (steril und unsteril)
  • wasserfeste Unterlage
  • Pflasterentferner (nur wenn anders nicht mĂśglich – schädigt die Haut)
  • Einmalrasierer
  • Watteträger
  • Nierenschale
  • Papier
  • warmes Wasser
  • Hautschutz
  • Stomasystem
  • Schablone fĂźr die Basisplatte
  • gebogene Schere
  • unsterile Handschuhe
  • Stomapaste, Modellierstreifen oder Modellierringe
  • Abwurf
  • Sichtschutz

DurchfĂźhrung

System entfernen, Enterostoma reinigen

• Handschuhe anziehen
• gebrauchter Beutel und die Hautschutzplatte (Basisplatte) entfernen
• Pflasterentferner sollte nur im Notfall benutzt werden, da er auch gesunde Haut empfindlich schädigen kann (er trocknet sie stark aus)
• Sekret sollte nicht mit der Haut in Kontakt kommen
• Haut um das Stoma herum (peristomal) mit angefeuchteten Kompressen zum Stoma hin reinigen, abtrocknen mit Kompressen.

Die Schleimhaut des nach außen gelegten Darmes ist empfindlich und muss sehr vorsichtig behandelt werden.

Kontrolle des Enterostomas

• Hautläsionen (Hautveränderungen)
• Entzündungen

Bei Auffälligkeiten Fotodokumentation anlegen (Einwilligung des Patienten einholen).

Neues System anbringen

• Handschuhe verwerfen
• Hände desinfizieren
• neue Handschuhe anziehen
• ggf. peristomale Haut vom Stoma weg rasieren (Einwegrasierer)
• ggf. Hautschutz auftragen
• Schablone fĂźr die Basisplatte mithilfe mitgelieferter Messschablone anfertigen und mit Datum und Namen des Patienten versehen – die Schleimhaut (=Darmausgang) liegt frei.

Der Darmausgang darf durch die PlattenĂśffnung nicht eingeengt sein – Nekrosen, Ödeme oder Blutungen kĂśnnen die Folge sein.

• Narben und Unebenheiten mit Stomapaste ausgleichen (mit angefeuchtetem Watteträger)
• Hautschutzplatte vorsichtig von unten nach oben anbringen und mit leichtem Druck andrücken (starker Druck kann Schmerzen auslösen)
• bei zweiteiligen System wird nach Anbringen der Basisplatte der Beutel durch Anheben des Rasterrings mit beiden Händen angebracht (verhindert schmerzhaften Druck auf den Bauch)

Nachsorge

• Material entsorgen
• Hände desinfizieren
• Material wegräumen
• Arbeitsplatz reinigen
• Pflegemaßnahme dokumentieren

Medikamente richtig verabreichen

Was hat die Verabreichung von Medikamenten mit der Ausscheidung zu tun?
Kontrolle der Medikamentenwirkung: Wird ein Medikament nicht ausgeschieden (z.B. eingeschränkte Nierenfunktion) kommt es im KĂśrper zu einer Kumulation → Überdosierung / Vergiftungsgefahr. (z.B. bei Niereninsuffizienz = stark eingeschränkte Ausscheidung = hohe Gefahr der Akkumulation von Wirkstoffen)

Die Ausscheidung ist ein direkter Spiegel der Organfunktion
• Veränderungen in der Ausscheidung geben sofort Hinweise auf die Leistungsfähigkeit wichtiger Organe
• Niere als zentrales Ausscheidungsorgan spielt dabei eine entscheidende Rolle: scheidet Arzneimittel und deren Abbauprodukte Ăźber den Urin
• aus Veränderungen, z.B. verminderte Urinmenge oder auffälliger Farbe kann auf eine eingeschränkte Nierenfunktion hinweisen
• die Beobachtung der Ausscheidung ist die Grundlage, um frühzeitig Störungen zu erkennen und die Wirkung und Verträglichkeit von Medikamenten einzuschätzen

Mit der Ausscheidung wird der FlĂźssigkeitshaushalt beobachtet
• Menge und Beschaffenheit der ausgeschiedenen Flüssigkeit lassen direkte Rückschlüsse auf die Flüssigkeitsbalance des Körpers zu
• die Urinmenge zeigt, ob ausreichend Flüssigkeit aufgenommen und über die Niere wieder abgegeben wird
• verminderte Ausscheidung kann unter anderem auf Flüssigkeitsmangel hinweisen (oder eine eingeschränkte Nierenfunktion)
• Farbe und Konzentration des Urins geben ebenfalls Hinweise auf den Hydrationszustand
• für die Pflege ist die Beobachtung der Ausscheidung daher wesentlich:

Zu wenig Flüssigkeit →
👉 Medikamente werden langsamer ausgeschieden
👉 Kumulation

Bei veränderter Ausscheidung: Arzt informieren!

DiarrhĂś: Medikamente werden evtl. zu schnell ausgeschieden
Obstipation: verzĂśgerte Ausscheidung → Kumulation

🪢 🧩💡Erinnerungsknoten: Wann spricht man in der Pharmakologie von „Kumulation“?💡🧩 🪢

FrĂźherkennung von Nebenwirkungen:
Veränderungen bei:
• Urinmenge
• Farbe
• Geruch / Konsistenz
kĂśnnen Hinweise auf Schädigungen durch Medikamente sein

Medikamente richtig verabreichen:
• in aufrechter Körperhaltung verabreichen
• aureichend Flüssigkeit dazu reichen (Ulkusgefahr, wenn die Tablette in der Speiseröhre liegen bleibt)
• evtl. im Mörser zerkleinern (Retardtabletten nicht!)
• evtl. im Wasser zerfallen lassen



Bildquellennachweis: Špixabay.com, @Yamsri