Unterrichtsfach: Grundzüge und Prinzipien der Akut- und Langzeitpflege inklusive Pflegetechnik (GKPF)
09.01.2026
Perioperative Pflege: Definition
Perioperativ bedeutet, dass sich etwas auf den gesamten Zeitraum rund um eine Operation bezieht. Die perioperative Pflege umfasst also die präoperative, intraoperative und postoperative pflegerische Versorgung.
Präoperative Pflege: Definition
= pflegerische Versorgung vor der Operation („präoperative Phase“)
Information und Voruntersuchung
Es wird zwischen geplanten (elektiven) und ungeplanten Eingriffen (Notoperationen) unterschieden. Bei elektiven Operationen werden die notwendigen Voruntersuchungen sowie die Aufklärungsgespräche in der Regel ambulant durchgeführt. Die Aufklärung des Patienten umfasst dabei sowohl das chirurgische als auch das anästhesiologische Aufklärungsgespräch durch die jeweiligen Fachärzte.
Gängige Untersuchungen vor der Operation
Erwachsene:
Freigabe vom Internisten oder Hausarzt
inkl. EKG (nicht älter als 10 Tage)
Blutprobe (nicht älter als 2 Wochen, Blutgruppe und AK-Suchtest,Blutbild, Gerinnung, Blutzucker, Nierenwerte, Leberwerte, Hepatitis- + HIV-Test)
Lungenröntgen (max. ein halbes Jahr alt)
🪢 🧩💡Erinnerungsknoten: Was ist ein EKG?💡🧩 🪢
Einüben postoperativer Fähigkeiten
= Techniken, die Komplikationen wie Thrombose, Pneumonie und Stürzen vorbeugen.
Präoperatives Abführen
Die präoperativen Abführmaßnahmen orientieren sich am geplanten operativen Eingriff sowie an den jeweiligen SOPs (Standard Operating Procedures) des Hauses. Ziel ist es, eine situationsangemessene Darmentleerung zu erreichen, ohne den Organismus unnötig zu belasten. Bei operativen Eingriffen außerhalb des Intestinaltrakts, etwa an den Extremitäten, am Kopf oder im Halsbereich, ist in der Regel keine vollständige Darmentleerung erforderlich. In diesen Fällen wird häufig eine gezielte Entleerung der Rektumampulle empfohlen, die mittels eines Mikroklistiers durchgeführt wird. Diese Maßnahme erfolgt üblicherweise entweder am Vorabend der Operation oder am Morgen des Eingriffstages und dient vor allem dem Patientenkomfort sowie der hygienischen Vorbereitung.
Bei operativen Eingriffen im oberen Intestinaltrakt mit Eröffnung des Peritoneums (Bauchfell), beispielsweise bei Operationen am Magen, am Dünndarm oder an der Gallenblase, ist eine sorgfältigere präoperative Darmentleerung erforderlich. In diesen Fällen wird in der Regel ein Klistier mittels Darmrohr zur Entleerung des Dickdarms empfohlen, um den Darm möglichst frei von Stuhl zu halten. Abhängig vom geplanten Eingriff und von den SOPs des Hauses kann zusätzlich am Morgen des Operationsvortages die Gabe eines oralen Laxans angeordnet werden. Diese Maßnahmen dienen der besseren Übersicht im Operationsgebiet sowie der Reduktion möglicher Komplikationen während und nach dem operativen Eingriff.
Bei operativen Eingriffen am Dickdarm ist eine besonders gründliche präoperative Darmvorbereitung erforderlich. Bereits ein bis zwei Tage vor der Operation erhält der Patient ausschließlich flüssige Kost, wie Tee, klare Suppen oder spezielle Trinknahrung, um die Stuhlbildung zu reduzieren. Am Tag vor dem Eingriff wird eine orthograde Darmlavage durchgeführt, mit dem Ziel, den gesamten Dickdarm mechanisch zu reinigen. Hierfür muss der Patient in einem begrenzten Zeitraum drei bis fünf Liter einer speziellen Spüllösung vollständig trinken. Nach Abschluss der Darmlavage ist nur noch die Aufnahme von klarer Brühe und Flüssigkeit erlaubt, um den Darm bis zur Operation möglichst leer zu halten und optimale Bedingungen für den chirurgischen Eingriff zu schaffen.
Psychische Betreuung
Ängste, Unsicherheiten oder auffällige Verhaltensänderungen können den perioperativen Verlauf beeinflussen. Neben der körperlichen Vorbereitung spielt daher heute auch die psychische Betreuung des Patienten vor einer Operation eine wichtige Rolle. Die psychische Situation des Patienten sollte aufmerksam beobachtet werden. Bei Auffälligkeiten ist der behandelnde Arzt zeitnah zu informieren, um geeignete Maßnahmen einleiten zu können. Informations- und Aufklärungsgespräche werden im Rahmen des modernen OP-Managements heute häufig von der OP-Pflege durchgeführt und dienen dazu, dem Patienten Sicherheit zu vermitteln, offene Fragen zu klären und Ängste vor dem Eingriff zu reduzieren.
Maßnahmen am OP-Tag
am Operationstag:
• Nahrungskarenz
• Haarentfernung im OP-Gebiet
• Nagellack entfernen
• präoperative Körperreinigung: Nabelbereich und Hautfalten reinigen
• Make-up entfernen
• Schmuck und Piercings entfernen
• MTS anlegen
• OP-Hemd anziehen
• Prämedikation verabreichen → danach Bettruhe
Transport zum OP:
• Zahnprothesen, Sehhilfen und Körperprothesen entfernen
• OP-Unterlagen mitnehmen (OP-Dokumenten (Patientenkurve, Einverständniserklärungen,
• Anästhesieprotokoll mit Prämedikationsanordnung, alle aktuellen
• Befunde und alten Krankenunterlagen, ggf. die präoperative
Checkliste)
Operationsvorraum:
• Perücken und Haartoupets entfernen
Einschleusen:
• Übergabe an das Operationspersonal: Patienten dem OP-Personal mit Namen, geplanter Operation, Station vorstellen
🪢 🧩💡Erinnerungsknoten: Was sind MTS?💡🧩 🪢
Präoperative Nüchternheit
Nahrungskarenz:
2 h vor der OP NICHT rauchen
2 h vor der OP KEINE Flüssigkeit
4 h vor der OP KEINE feste Nahrung
2 h vor der OP KEINE Bonbons oder Kaugummis
Medikation:
Dauermedikation am Morgen auf Anordnung
KEINE blutverdünnenden Medikamente
KEINE oralen Antidiabetika
Insulinabgabe auf Anordnung
Postoperative Pflege
Die postoperative Pflege hat das Ziel, Komplikationen zu verhindern bzw. frühzeitig zu erkennen und angemessen darauf zu reagieren. Im Vordergrund stehen eine kontinuierliche, aufmerksame Beobachtung sowie eine sorgfältige und fachlich fundierte pflegerische Versorgung. Durch die engmaschige Überwachung können Veränderungen des Gesundheitszustandes frühzeitig erkannt, fachgerecht beurteilt und zeitnah die notwendigen pflegerischen oder medizinischen Maßnahmen abgeleitet werden.
Postaggressionssyndrom
nach großen Traumata und OPs, Verbrennungen, schweren Infektionen:
• Tachykardie, Hypertonie
• Tachypnoe mit oberflächlicher Atmung
• erhöhte Körpertemperatur
• Hyperglykämie
• Abnahme des Serumkaliums
• Durst und Oligurie
• Appetitlosigkeit
• Müdigkeit, Interessenlosigkeit, Depression
Kreislaufsituation
• Puls
• Blutdruck
• Atmung:
Volumenmangel?
Hypoxie?
Orientierung und Bewusstsein
• Narkoseüberhang?
• neurologische Störungen?
Körpertemperatur
Resorptionsfieber bis 5 Tage nach der OP normal,
Temperatur sollte nicht über 38,5°C steigen:
• Wundinfektion?
• Sepsis?
Wundverband und Drainagen
• Nachblutungen?
• erhöhter Füllstand der Drainage?
Flüssigkeitshaushalt und Ausscheidung
Wasserlassen 8-12 Stunden nach der OP: postoperative Harnretention?
Übernahme des Patienten aus dem Aufwachraum
Übernahme durch eine DGKPS
Übergabe von:
• OP Art und Verlauf
• Art der Anästhesie
• Verabreichte Infusionen, Transfusionen
• Liegende Sonden, Drainagen, Katheter ect.
• Verlauf der Aufwachphase: Vitalzeichen, Schmerzen, Bewusstsein, weitere Beschwerden?
• Durchgeführte Maßnahmen im Aufwachraum: O2 Gabe oder Schmerzmittel?
• Angeordnete Therapien: Labor, Röngten, ect.
Überwachungsparameter
• Bewusstsein
• Atmung
• Körpertemperatur
• Ausscheidung
• Verband, Gips
• Drainagen
• Schmerz
• Laborkontrollen
• Untersuchungen
• Vitalzeichen
Bewusstsein
• Narkose
• Durchgangssyndrom
• Stroke
🪢 🧩💡Erinnerungsknoten: Was ist ein Durchgangssyndrom? Was können Auslöser des Durchgangssyndroms sein?💡🧩 🪢
Puls, RR: liefert wichtige, aber allein nicht ausreichende Informationen. Ermöglicht aber Rückschlüsse auf die Kreislaufstabilität des Patienten. Veränderungen des Blutdrucks und der Pulsfrequenz können unter anderem Hinweise auf Blutverlust geben. Auffälligkeiten dieser Werte können beispielsweise auf einen hypovolämischen Schock oder auf Zustände der Hypo- bzw. Hypertonie hinweisen.
Der zentrale Venendruck (ZVD) gibt Auskunft über den Füllungszustand des venösen Systems und damit über das zirkulierende Blutvolumen sowie über die Belastung des rechten Herzens. Veränderungen des ZVD können auf Volumenmangel, Volumenüberladung oder eine eingeschränkte Herzleistung hinweisen und sind daher insbesondere bei Verdacht auf eine Herzinsuffizienz von Bedeutung. Die kontinuierliche Beobachtung dieser Parameter ist ein wesentlicher Bestandteil der postoperativen Überwachung und dient der frühzeitigen Erkennung von Kreislaufstörungen.
Atmung
Störungen der Atemfunktion zählen zu den häufigsten und zugleich gefährlichsten Komplikationen nach operativen Eingriffen. Eine Ateminsuffizienz kann insbesondere als Folge einer Narkose auftreten, da Atemantrieb, Schutzreflexe und Muskelspannung vorübergehend eingeschränkt sein können.
Darüber hinaus besteht postoperativ die Gefahr einer Verlegung der Atemwege, etwa durch angesammelte Sekrete oder Erbrochenes. Auch starke Schmerzen können zu einer flachen Schonatmung führen und dadurch die Ventilation verschlechtern sowie das Risiko für weitere pulmonale Komplikationen erhöhen.
Eine weitere schwerwiegende postoperative Komplikation ist die Lungenembolie, die sich unter anderem durch plötzlich einsetzende Atemnot, beschleunigte Atmung oder einen Abfall der Sauerstoffsättigung äußern kann und eine sofortige medizinische Abklärung erfordert.
Besondere Aufmerksamkeit erfordert zudem der Laryngospasmus, der durch mechanische Reize im Rahmen einer Intubation oder Extubation ausgelöst werden kann. Dabei kommt es zu einem krampfartigen Verschluss der Stimmbänder, der eine akute Atemwegsverlegung verursacht. Aus diesen Gründen ist eine kontinuierliche Überwachung der Atmung, einschließlich Atemfrequenz, Atemtiefe, Atemgeräusche und Sauerstoffsättigung, ein zentraler Bestandteil der postoperativen Pflege.
Körpertemperatur
• Respirationsfieber: Eine Körpertemperatur von über 38 °C zwischen dem Operationstag und dem 10. postoperativen Tag kann auf eine postoperative Komplikation hinweisen und bedarf einer genauen Abklärung.
• Resorptionsfieber (aseptisches Fieber): Tritt meist in den ersten ein bis zwei Tagen nach der Operation auf und ist nicht infektiös bedingt. In der Regel liegt die Körpertemperatur dabei unter 38,5 °C und normalisiert sich ohne spezifische Therapie von selbst. Eine sorgfältige Beobachtung ist dennoch erforderlich, um das Resorptionsfieber von anderen Ursachen zu unterscheiden.
• Toxisches Fieber: Temperatur kann deutlich erhöht sein und geht häufig mit einem ausgeprägten Krankheitsgefühl einher. Eine genaue Ursachenklärung ist notwendig.
• Cerebrales Fieber: Spricht häufig nur unzureichend auf fiebersenkende Maßnahmen an.
• Infektiöses Fieber: Tritt häufig ab dem dritten postoperativen Tag auf. Mögliche Ursachen sind Wundinfektionen, Atemwegsinfekte, Harnwegsinfekte oder eine Sepsis. Geht oft mit weiteren Entzündungszeichen einher und erfordert eine rasche diagnostische Abklärung sowie eine gezielte Therapie.
🪢 🧩💡Erinnerungsknoten: Ursachen von Fieber💡🧩 🪢
Ausscheidung
Urin:
• spätestens nach 8 Stunden
• reflektorischer Harnverhalt
• Nach OP in Urogenitaltrakt
• Nierenversagen
• Menge
• Konzentration, Trübung, blutig
Reflektorischer Harnverhalt: Der reflektorische Harnverhalt ist eine häufige postoperative Komplikation, bei der es trotz gefüllter Harnblase zu keiner spontanen Miktion kommt. Ursache sind meist reflektorische Störungen der Blasenentleerung infolge von Schmerzen, Angst, Immobilität, der Wirkung von Narkose- oder Schmerzmitteln sowie von operativen Eingriffen im Bauch-, Becken- oder Genitalbereich.
Postoperativ ist daher eine sorgfältige Überwachung der Urinausscheidung erforderlich. Anzeichen eines reflektorischen Harnverhalts können ein fehlender oder stark verminderter Harnabgang, ein Druck- oder Spannungsgefühl im Unterbauch sowie eine tast- oder sichtbar gefüllte Blase sein. Wird der Harnverhalt nicht rechtzeitig erkannt und behandelt, kann es zu einer Überdehnung der Blase und zu weiteren Komplikationen kommen, weshalb frühzeitig pflegerische oder medizinische Maßnahmen eingeleitet werden müssen.
🪢 🧩💡Erinnerungsknoten: Welche Störungen der Miktionshäufigkeit kennst du?💡🧩 🪢
Stuhl:
• spätestens nach 2-3 post OP Tag
• Magen-Darm-Atonie
• Übelkeit, Erbrechen
• Reflux: Magensaft, Galle
• Obstipation, Blähungen
• hartes Abdomen: Blutung, Entzündung, Abwehrspannung
Magen-Darm-Atonie: Postoperative Komplikation, bei der es zu einer vorübergehenden Lähmung der Darmtätigkeit kommt. Tritt häufig infolge von Narkose, operativen Eingriffen im Bauchraum, Schmerzen, Immobilität oder der Wirkung bestimmter Medikamente auf. Durch die eingeschränkte Peristaltik wird der Weitertransport des Darminhalts verzögert oder unterbrochen.
Im Rahmen der postoperativen Überwachung ist daher auf Anzeichen wie fehlende Darmgeräusche, Blähungen, Völlegefühl, Übelkeit, Erbrechen sowie ausbleibenden Stuhl- und Windabgang zu achten. Eine Magen-Darm-Atonie kann zu erheblichen Beschwerden führen und das Risiko weiterer Komplikationen erhöhen, weshalb eine frühzeitige Erkennung und entsprechende pflegerische sowie medizinische Maßnahmen notwendig sind.
Verband, Gips
• Nachblutung
• Verband zu eng: Schwellung
• Nahtinsuffizienz
• Wundinfektion
Drainagen
• Verlegung: keine zu wenig Förderung
• Nachblutung
Schmerz
• Postoperativer Wundschmerz
• 1-10 Schmerzskala
Laborkontrollen
• ärztliche Anordnung
• Blutbild
• Gerinnung
• Elektrolyte
• Blutgase
• Blutzucker
Untersuchungen
• Röngten
• CT
• MRI
• Sonographie
• EKG
Vitalzeichen: Puls, RR, O2
• lt. SOPs der Station
• Überwachungsprotokoll:
1. Stunde: 4 x alle 15 min
2-3. Stunde: 4 x alle 30 min
4-7. Stunde: 4 x jede Stunde
8-11. Stunde: 1 x alle 4 Stunden
danach: 2-3 mal täglich und bei Veränderungen
Postoperative Mobilisierung
• Positionierung: abhängig von OP, Schmerz
• bequem
• Dekubitusprophylaxe
• Positionierungsplan
• auf Schläuche Kabel achten
• Kreislaufsituation des Pat.!
• verordnete Bettruhe
• Belastbarkeit Einschränkung (Fuß)
• um so früher mit der Mobilisierung begonnen wird, desto weniger Komplikationen
• Pneumonieprophylaxe
• Thromboembolieprophylaxe
• Standardpositionierung = Rückenpositionierung: Oberkörper leicht erhöht
• Knierolle: Bauchdeckenentspannung
• flache Rückenpositionierung: nach Wirbelsäulen-OP
• seitliche Positionierung flach: kann notwendig sein, wenn die Gefahr des Erbrechens besteht
• Positionierung einer Extremität: (Schiene) Hochlagerung der betroffenen Extremität
Ernährung
Wichtig: ärztliche Anordnung!
außerhalb von Darm OP kann gleich gegessen werden jedoch nach Vollnarkose leichte Nahrung
Wenn OP im Magen-Darmdrakt:
• Nahrungskarenz: Infusionen
• Aufbaukost
🪢 🧩💡Erinnerungsknoten: Wie kann eine Aufbaukost aussehen? Welche Lebensmittel sind geeignet? Welche nicht?💡🧩 🪢
Schmerztherapie
• Positionierung
• Medikamente lt. AO
siehe Palliativpflege
Apparative Unterstützung in der Patientenbeurteilung
Sofern eine apparative Beurteilung des Patientenzustandes möglich ist, sind die Parameter (Blutdruck, periphere Sauerstoffsättigung und Blutzuckerspiegel) zu messen sowie die erhobenen Werte zu dokumentieren.
Abnorme Befunde („Warnzeichen“)
• O2 <90% akut – erfordert sofortige ärztliche Abklärung (weist auf Unterversorgung der Organe – Hypoxie hin)
• O2 < 95% unter O2-Gabe
• Blutdruck systolisch < 90 mmHg
• Blutdruck systolisch > 180 mmHG in Kombination mit Atemnot, Brustschmerzen oder Halbseitenzeichen
• Blutzucker < 50 mg / dl bzw. > 300 mg / dl
• AZ „schlecht“
Das Vorliegen eines Warnzeichens stellt nicht in jedem Fall eine Indikation für den Notarzt dar, beispielsweise bei einem Blutzuckerwert von 35 mg/dl bei einem bewusstseinsklaren, kooperativen Patienten, der selbstständig Traubenzucker einnehmen kann.
Pulsoxymetrie
Definition
dient der nichtinvasiven Erfassung der peripheren Sauerstoffsättigung (SpO₂), der Herzfrequenz und damit der indirekten Beurteilung der respiratorischen Funktion (erkennt Hypoxämie). Gemessen wird die Sauerstoffsättigung (Spo2) im Kapillarblut.
Zusatzinfo: Der Unterschied zwischen Hypoxie und Hypoxämie
Hypoxie und Hypoxämie werden oft gemeinsam genannt, sind aber nicht dasselbe. Beide Begriffe beschreiben einen Sauerstoffmangel, nur an unterschiedlichen „Orten“ im Körper.
Definitionen
Eine Hypoxämie liegt vor, wenn der Sauerstoffgehalt im arteriellen Blut zu niedrig ist, also zu wenig Sauerstoff „transportiert“ wird[1].
Eine Hypoxie bedeutet, dass im Gewebe beziehungsweise an den Organen zu wenig Sauerstoff ankommt oder genutzt werden kann, sodass die Zellfunktion nicht ausreichend aufrechterhalten wird[2].
Zusammenhang und Gemeinsamkeiten
Hypoxämie ist eine häufige Ursache von Hypoxie, weil aus „zu wenig Sauerstoff im Blut“ häufig „zu wenig Sauerstoff im Gewebe“ wird[3]. Umgekehrt kann Hypoxie auch ohne Hypoxämie auftreten, zum Beispiel bei Anämie, Kreislauf-/Perfusionsstörungen (Schock) oder bei Störungen der Sauerstoffnutzung auf Zellebene (z. B. bestimmte Intoxikationen)[3]. In der Praxis ähneln sich die Beschwerden häufig, weil beide Zustände eine unzureichende Sauerstoffversorgung von Organen nach sich ziehen können, etwa mit Dyspnoe, Tachykardie, Unruhe oder Bewusstseinsveränderungen[4].
Leitsymptom und wichtigste pflegerische Maßnahme
Leitsymptom der Hypoxämie ist eine erniedrigte arterielle Sauerstoffsättigung[1]. Die wichtigste pflegerische Maßnahme ist die rasche Sicherung und Verbesserung der Oxygenierung (atemerleichternde Positionierung, Sauerstoffgabe nach Anordnung, engmaschige Überwachung und Eskalation bei Verschlechterung – Notfall!).
🪢 🧩💡Erinnerungsknoten: Wie viel Liter Sauerstoff darf die Pflegeassistenz im Notfall bei akuter Atemnot (ohne ärztliche Anweisung) verabreichen?💡🧩 🪢
Leitsymptom der Hypoxie ist eine Funktionsstörung des betroffenen Organs, klinisch oft zuerst erkennbar als Unruhe, Verwirrtheit oder Bewusstseinsveränderung bei zerebraler Minderoxygenierung[4]. Die wichtigste pflegerische Maßnahme ist ist Verbesserung der Oxygenierung, und neben der Atmung auch den Kreislauf im Blick zu behalten, Vitalzeichen engmaschig zu überwachen und bei Hinweisen auf Organbeteiligung unverzüglich zu eskalieren.
Wie stellt man Hypoxämie fest?
Die Pulsoxymetrie (SpO₂) ist für Screening und Verlauf sehr nützlich.
Wie stellt man Hypoxie fest?
Für Hypoxie gibt es keinen einzelnen Wert, der in allen Situationen „der“ Goldstandard ist, weil Hypoxie die Gewebeebene betrifft und organspezifisch sein kann.
Die Symptome von Hypoxämie (zu wenig Sauerstoff im Blut) und von Hypoxie (zu wenig Sauerstoff im Gewebe und in den Organen) sind häufig dieselben. Bei Hypoxie stehen aber zusätzlich oft Zeichen der Organunterversorgung im Vordergrund, zum Beispiel Bewusstseinsstörungen, Verwirrtheit, Leistungsabfall oder im Verlauf Bewusstlosigkeit.
Wichtig: Eine Hypoxie kann auch bei normaler SpO₂ vorkommen (z. B. bei Anämie oder schlechter Durchblutung), deshalb sind Symptome allein nicht eindeutig.
Messprinzip
Sauerstoffbeladenes Hämoglobin absorbiert Licht in einer anderen Wellenlänge als nicht sauerstoffbeladenes.
Fehlerquellen
• Liegt eine Schock oder Unterkühlung vor, werden periphere Körperteile schlecht durchblutet, daher nicht brauchbare Werte.
• Störungen durch Bewegungen des Patienten.
• Bei CO Vergiftung schöne Werte trotz massiven Sauerstoffmangels.
• Behinderungen der Durchleuchtung durch Nagellack, Schmutz oder Hautcreme.
• Umgebungslicht bei schlecht abgeschirmten Sensoren.
Nie nur den Monitor beobachten, sondern den Patienten.
Normalwerte
- 95 bis 100 %
- 90-94 %: Handlungsbedarf – Sauerstoffinhalation
- <90% akut – erfordert sofortige ärztliche Abklärung (weist auf Unterversorgung der Organe – Hypoxie hin)
- < 80 %: maschinelle Beatmung
unter O2-Gabe
< 95% unter O2-Gabe akut!
Quellen:
[1] Hypoxemia Definition, Mayo Clinic, mayoclinic.org
[2] Hypoxia, NCBI, ncbi.nlm.nih.gov
[3] Emergency assessment of oxygenation, Acute Care Testing, acutecaretesting.org
[4] Hypoxia, Cleveland Clinic, my.clevelandclinic.org
Bildquellennachweis: ©pixabay.com @CaringforCare