Aufbereiteter Lehrinhalt
Erstellt am: 21.05.2025
Aktualisiert am: 30.06.2026
Speziell aufbereiteter Lehrinhalt für den Unterricht in Österreich: Hier erfährst du, was die Pflegeassistenz über die Anatomie des Gehirns wissen muss.

SKRIPTUM FÜR DEN UNTERRICHT
Bei diesem Dokument handelt es sich um ein Skriptum für Lehrerinnen und Lehrer, das für den Gebrauch im Unterricht vorgesehen ist. Das Skriptum ist als Whitelabel-Dokument gestaltet. Es ist gestattet, es mit dem eigenen Schulstempel oder dem eigenen Logo zu versehen.
DAS GEHIRN
Das Gehirn (Enzephalon) ist das Steuerorgan des menschlichen Körpers. Es ist Hauptschaltstelle und Informationsspeicher des Nervensystems. Gemeinsam mit dem Rückenmark bildet das Gehirn das zentrale Nervensystem.
Mit einem durchschnittlichen Gewicht von etwa 1300 Gramm ist das menschliche Gehirn relativ schwer im Verhältnis zur Körpergröße. Es besteht aus rund 86 Milliarden Nervenzellen (Neuronen), die über ein komplexes Netzwerk miteinander verbunden sind.
Ein frei einsehbares Pflege- oder Medizinlehrbuch, das beide Angaben in genau dieser Form bestätigt, habe ich nicht gefunden.
Als sehr gut verwendbare Alternative gibt es eine Veröffentlichung der Medizinischen Universität Innsbruck. Auf der gedruckten Seite 5 steht, dass das Gehirn „rund 1300 Gramm“ wiegt und „schätzungsweise 86 Milliarden Nervenzellen“ besitzt. Außerdem wird erklärt, dass Nervenzellen über Kontaktstellen miteinander verbunden sind.
Medizinische Universität Innsbruck: Forum MedizinUni, S. 5
Das menschliche Gehirn wiegt durchschnittlich etwa 1300 Gramm. Es besteht aus schätzungsweise 86 Milliarden Nervenzellen (Neuronen), die über zahlreiche Kontaktstellen miteinander verbunden sind.
Das Gehirn besteht aus:
- Großhirn: Denken, Gedächtnis
- die wichtigsten Funktionen spielen sich in der Großhirnrinde (Cortex, Neocortex) ab:
- linke Hemisphäre: Sprache, abstraktes Denken
- rechte Hemisphäre: bildhafte Zusammenhänge, räumliches Denken
- beide Hemisphären: Bewertung von Sinneseindrücken
- Wernicke-Zentrum (sensorisches Sprachzentrum)
- Broca-Zentrum (motorisches Sprachzentrum)
- die wichtigsten Funktionen spielen sich in der Großhirnrinde (Cortex, Neocortex) ab:
- Kleinhirn: koordiniert Gleichgewicht und Bewegung
- Limbisches System: Emotionen, Motivation, Triebverhalten, unbewusste Reaktionen (Kampf oder Flucht)
- Zwischenhirn: Regulation lebenswichtiger automatischer Funktionen, Filterung und Weiterleitung von Sinnesreizen
- Thalamus: „Das Tor des Bewusstseins“, Auswahl und Weiterleitung von Sinnesreizen
- Hypothalamus: Hunger- und Durstgefühl, Temperaturregulation, Sexualtrieb
- Epithalamus: Zirbeldrüse (Schlaf-Wach-Rhythmus)
- Hirnstamm:
- Mittelhirn: Substantia nigra (bekannt für Parkinson)
- Brücke: verbindet das Großhirn mit dem Kleinhirn
- verlängertes Rückenmark: Atmung, Herzschlag, Blutdruck, Lidschluss-, Schluck- und Hustenreflex.
- das Gehirn ist umgeben von den Hirnhäuten: zwischen den Hirnhäuten zirkuliert die Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit (Liquor – Schutz bei Erschütterungen)
- Dura mater (harte Hirnhaut) – liegt direkt am Knochen an
- Arachnoidea (Spinngewebshaut)
- Pia mater (weiche Hirnhaut) – liegt am Gehirn bzw. dem Rückenmark auf
Warum ist dieses Wissen für die Pflegeassistenz wichtig?
Beobachtung und Dokumentation:
Zu den Aufgaben der Pflegeassistenz gehören die Beobachtung des Gesundheitszustands und die Dokumentation. Grundwissen über das Gehirn versetzt sie in die Lage, fachlich korrekt zu dokumentieren.
Dokumentation, Beispiel:
09:15 Uhr: Frau M. wirkt heute deutlich verwirrter als am Vortag. Sie nennt ihren Namen richtig, kann aber den Ort nicht benennen. Auf Fragen antwortet sie erst nach längerer Zeit und sucht mehrmals nach Wörtern. Beim Aufstehen zeigt sie einen unsicheren Gang und hält sich an der Bettkante fest. Sie sagt, dass ihr „schwindelig“ ist. Der rechte Arm wird beim Anziehen weniger eingesetzt als sonst. Frau M. versteht einfache Aufforderungen, benötigt jedoch Wiederholungen. Beim Trinken von Wasser hustet Frau M. einmal. Atmung ruhig, keine sichtbare Atemnot. Zuständige diplomierte Pflegeperson um 09:20 Uhr über die Veränderungen informiert. Frau M. bis zur weiteren Abklärung beim Aufstehen begleitet und nicht allein gehen lassen. (Worauf ist dieser Symptomkomplex verdächtig? Antwort unten, s. a)
Kommunikation fördern:
Auch das Fördern von Kommunikation gehört zu ihren Aufgaben. Einfache, alltagsnahe Informationen können Sicherheit geben und Ängste verringern. Die Pflegeassistenz kann zum Beispiel erklären, warum eine Person nach einem Schlaganfall Schwierigkeiten beim Sprechen oder Bewegen haben kann. Für die Aufklärung ist die ÄrztIn zuständig! Bei Fragen zu Diagnosen, Untersuchungen, Therapien oder Prognosen verweist die PA an die zuständigen Fachpersonen.
Kommunikation, Beispiel:
Patient: „Warum kann ich plötzlich nicht richtig sprechen? Ich weiß doch, was ich sagen will.“
Pflegeassistenz: „Das kann verunsichern. Im Gehirn gibt es Bereiche, die beim Verstehen und Sprechen mithelfen. Nach einem Schlaganfall kann es sein, dass diese Bereiche gerade nicht so gut zusammenarbeiten wie vorher. Das heißt aber nicht, dass dies auch langfristig so bleibt. Das Gehirn ist neuroplastisch – es kann sich anpassen und neue Verbindungen nutzen. Bei der Rehabilitation wird deshalb geübt, was gerade schwerfällt. Durch viele kleine Wiederholungen kann sich die Sprache wieder verbessern. Dazu heißt es aber: Viel üben!“
Die Hirnhäute
Die Hirnhäute sind bindegewebige Schichten, die das Gehirn umhüllen. Zwischen den Hirnhäuten zirkuliert der Liquor (Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit), der Schutz bei Erschütterungen bietet.
Die Hirnhäute bestehen aus drei Schichten, die sich von außen nach innen wie folgt anordnen:
• Dura mater (harte Hirnhaut) – liegt direkt am Knochen an
• Arachnoidea (Spinngewebshaut)
• Pia mater (weiche Hirnhaut) – liegt am Gehirn bzw. dem Rückenmark auf
Zwischen den Hirnhäuten können Hirnblutungen entstehen. Hirnhautentzündung kann in schweren Fällen zu bleibenden neurologischen Schäden, Entwicklungsstörungen oder einer Hörbehinderung führen.
📸 Bild: Hirn- und Rückenmarkshäute, wikipedia 📸
Das Großhirn
Das Großhirn ist verantwortlich für Funktionen wie Denken und Gedächtnis.
Das Großhirn stellt mit etwa 80 % des Gesamtgewichts den größten Teil des menschlichen Gehirns dar. An der Oberfläche des Großhirns befinden sich zahlreiche Furchen und Windungen, die für die typische gefaltete Struktur des Gehirns verantwortlich sind und die das Gehirn optisch an eine Walnuss erinnern lassen. Diese Faltungen vergrößern die Oberfläche der Großhirnrinde und ermöglichen so eine höhere Dichte an Nervenzellen.
Wie bei der Walnuss ist das Großhirn in zwei Hälften, die sogenannten Hemisphären, unterteilt – einer linken und einer rechten Gehirnhälfte. Jede dieser Hemisphären ist wiederum in vier verschiedene Lappen unterteilt: den Stirnlappen (Frontallappen), den Scheitellappen (Parietallappen), den Schläfenlappen (Temporallappen) und den Hinterhauptslappen (Okzipitallappen).
Die beiden Hemisphären stehen über ein breites Nervenbündel, den sogenannten Balken, in Verbindung. Er dient dem Informationsaustausch zwischen beiden Gehirnhälften.
Jede Hirnhälfte hat sich im Laufe der Entwicklung auf bestimmte Funktionen spezialisiert. In der linken Hemisphäre befinden sich bei den meisten Menschen die Zentren für Sprache und abstraktes Denken, während die rechte Hemisphäre eher für bildhafte Zusammenhänge oder räumliches Denken zuständig ist.
Die Großhirnrinde
Die äußere Schicht des Großhirns wird als Großhirnrinde (Cortex) bezeichnet. Sie ist stark gefaltet und misst etwa zwei bis fünf Millimeter in der Dicke. Trotz ihrer geringen Dicke beherbergt sie die zentralen Bereiche für Lernen, Sprache und Logik. In der Hirnrinde laufen zudem sämtliche Informationen aus den Sinnesorganen zusammen. Dort werden sie verarbeitet, bewertet und schließlich im Gedächtnis gespeichert. Unter der Großhirnrinde liegt das Großhirnmark.
Der Cortex ist in verschiedene funktionelle Bereiche unterteilt (Rindenfelder), die jeweils für bestimmte Aufgaben (Lernen, Sprache, Logik) zuständig sind. Eintreffende sensorische Informationen aus dem Körper (Afferenzen) werden an Rindenfelder weitergeleitet und dort verarbeitet.
- Ein wichtiger Bereich ist das sensorische Sprachzentrum (Wernicke-Zentrum). Es ist dafür zuständig, das Gehörte zu verstehen. Ist dieser Bereich gestört, kann das Sprachverständnis beeinträchtigt sein (Wernicke-Aphasie), obwohl Betroffene weiterhin sprechen können. Eine solche Funktionsstörung kann zum Beispiel durch einen Schlaganfall ausgelöst werden.
- Das motorische Sprachzentrum (Broca-Zentrum) spielt eine Rolle bei der Sprachproduktion. Eine Schädigung dieses Bereichs (z.B. durch einen Schlaganfall) führt häufig zu Wortbildungsstörungen (Broca-Aphasie). Betroffene haben Schwierigkeiten, Wörter korrekt zu formen oder flüssig zu sprechen. Das Sprachverständnis ist dabei meist besser erhalten.
Wenn Sprachbereiche der Großhirnrinde geschädigt werden, z.B. durch einen Schlaganfall, kann es zu einer Aphasie (Beeinträchtigung der Kommunikation) kommen.
Das Kleinhirn
Das Kleinhirn koordiniert Gleichgewicht und Bewegung.
Das Kleinhirn überwacht und korrigiert Bewegungsabläufe, erzeugt jedoch selbst keine Bewegungen. Es wirkt wie ein feinabstimmendes Kontrollzentrum, das sicherstellt, dass Bewegungen geschmeidig und zielgerichtet ausgeführt werden.
Wenn die Funktion des Kleinhirns gestört ist, leiden Betroffene unter motorischen Störungen, die sich beispielsweise in einem unsicheren Gang oder einem Verlust des Gleichgewichts äußern. Schon alltägliche Aufgaben, wie das sichere Stehen auf einem Bein, können dann kaum noch bewältigt werden.
Die Dandy-Walker-Malformation ist eine angeborene Fehlbildung des Kleinhirns. Sie kann zu Gangstörung, Gleichgewichts- oder Koordinationsstörung (Ataxie) sowie zu Entwicklungsverzögerungen führen.
Das Limbische System
Beim Limbischen System handelt es sich nicht um einen eigenen, klar abgegrenzten Teil des Gehirns, sondern um ein Netzwerk verschiedener Strukturen, die sich in unterschiedlichen Bereichen des Gehirns befinden.
Im Limbischen System werden Emotionen, Motivation, Triebverhalten und unbewusste Reaktionen (Kampf oder Flucht) verarbeitet.
Da es dem Cortex (also dem denkenden Teil des Gehirns) vorgeschaltet ist, kann es Reaktionen auslösen, ohne dass das Denkvermögen aktiv wird (Kampf oder Flucht). Sinneseindrücke und Reize aus der Umwelt werden vom limbischen System unmittelbar auf Basis gespeicherter Erfahrungen emotional bewertet, was die Reaktionsfähigkeit dieses Systems bemerkenswert hoch macht. Eine vorherige rationale Analyse erfolgt nicht.
Das Zwischenhirn
Das Zwischenhirn ist vor allem an der automatischen Regulation lebenswichtiger Funktionen sowie an der Auswahl und Weiterleitung von Sinnesreizen beteiligt.
• Thalamus: „Das Tor des Bewusstseins“, Auswahl und Weiterleitung von Sinnesreizen
• Hypothalamus: Hunger- und Durstgefühl, Temperaturregulation, Sexualtrieb
• Epithalamus: Zirbeldrüse (Schlaf-Wach-Rhythmus)
Thalamus
Ein besonders wichtiger Bestandteil des Zwischenhirns ist der Thalamus. Er wird häufig als „Tor zum Bewusstsein“ bezeichnet, da er entscheidet, welche Sinneseindrücke in unser Bewusstsein gelangen.
Hypothalamus
Neben dem Thalamus ist auch der Hypothalamus ein wichtiger Bestandteil des Zwischenhirns. Der Hypothalamus reguliert lebenswichtige Körperfunktionen wie den Schlaf-Wach-Rhythmus, das Hungergefühl, die Temperaturregulation und den Durst. Darüber hinaus beeinflusst er auch den Sexualtrieb und ist an der Verarbeitung von Schmerzempfindungen beteiligt.
ℹ️ Mehr Infos zum Thema (Kommentarliteratur): Der Hypothalamus – das Temperaturregulationszentrum ℹ️
Ein hypothalamisches Hamartom ist eine angeborene Fehlbildung im Bereich des Hypothalamus. Es kann zu epileptischen Anfällen, Entwicklungsverzögerungen und Verhaltensauffälligkeiten führen.
Epithalamus
Der Epithalamus ist ein Teil des Zwischenhirns und umfasst unter anderem die Zirbeldrüse. Die Zirbeldrüse spielt eine wichtige Rolle bei der Regulation des Schlaf-Wach-Rhythmus.
Der Hirnstamm
Der Hirnstamm ist ein entwicklungsgeschichtlich alter Teil des Gehirns (umgangssprachlich „Reptiliengehirn“) und verbindet das Gehirn mit dem Rückenmark. Er übernimmt grundlegende Aufgaben, die für das Überleben unverzichtbar sind – weitgehend unwillkürliche Funktionen. Dazu zählen die Atmung, der Herzschlag, und der Blutdruck. Außerdem befinden sich im Hirnstamm wichtige Schutzreflexe, zum Beispiel der Lidschluss-, Schluck- und Hustenreflex.
Teile des Hirnstamms:
• Mittelhirn (Substantia nigra)
• Brücke
• verlängertes Rückenmark (Atmung, Herzschlag, Blutdruck, Lidschluss-, Schluck- und Hustenreflex)
Das Mittelhirn
Das Mittelhirn ist der oberste Abschnitt des Hirnstamms. Eine wichtige Struktur im Mittelhirn ist die Substantia nigra. Sie ist im Zusammenhang mit Morbus Parkinson bekannt.
Die Substantia nigra
Die Substantia nigra trägt ihren Namen aufgrund ihrer dunklen Färbung, welche durch einen hohen Gehalt an Eisen und Melanin entsteht. Melanin befindet sich in den Haarfollikeln, der Iris des Auges, dem Innenohr und in der Substantia nigra.
In der Substantia nigra wird Dopamin produziert. Dopamin beeinflusst die motorischen Funktionen. Bei Morbus Parkinson kommt es zu einem fortschreitenden Absterben der dopaminproduzierenden Nervenzellen in der Substantia nigra. Dieser Zellverlust führt zu einem Dopaminmangel, was die typischen motorischen Symptome wie Zittern, Muskelsteifheit und Bewegungsverlangsamung zur Folge hat.
Das verlängerte Rückenmark
Das verlängerte Rückenmark ist ein Teil des Hirnstamms. Es markiert den Übergang vom Rückenmark zum Gehirn. Hier beginnt funktionell das Gehirn.
Das verlängerte Rückenmark übernimmt lebenswichtige Funktionen wie:
• Atmung
• Herzschlag
• Blutdruck
• Lidschlussreflex
• Schluckreflex
• Hustenreflex
Der Pons (Brücke) verbindet das Großhirn mit dem Kleinhirn.
Bei der pontozerebellären Hypoplasie sind die Brücke als Teil des Hirnstamms und das Kleinhirn nicht ausreichend entwickelt. Betroffene können verzögerte oder fehlende kognitive und motorische Entwicklung, geistiges Defizit, Spastizität (erhöhter Muskeltonus), Chorea / Dyskinesie (Bewegungsstörungen), Schluckbeschwerden und epileptische Anfälle haben. Zusätzlich kann eine Mikrozephalie auftreten.
DAS RÜCKENMARK
Wie das Gehirn ist auch das Rückenmark (Medulla spinalis) von den drei Hirnhäuten umgeben:
• harte Hirnhaut (Dura mater)
• Spinnwebenhaut (Arachnoidea mater)
• weiche Hirnhaut (Pia mater)
Die Hirnhäute und die Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit (Liquor) schützen das Rückenmark vor Erschütterungen. Zusätzlich liegt das Rückenmark im knöchernen Wirbelkanal und ist dadurch vor mechanischen Einwirkungen geschützt.
Spina bifida („offener Rücken“) ist eine angeborene Fehlbildung der Wirbelsäule. Dabei kann auch das Rückenmark betroffen sein. Die Fehlbildung entsteht sehr früh in der Schwangerschaft, wenn sich das Neuralrohr nicht vollständig schließt. Typische Folgen einer Spina bifida können Lähmungserscheinungen (Muskelschwäche, Lähmungen, Gangstörungen, Querschnittlähmung) und Empfindungsstörungen (eingeschränktes Schmerz-, Temperatur- oder Berührungsempfinden, Harn- oder Stuhlinkontinenz) sein. Zusätzlich kann ein Hydrozephalus („Wasserkopf“) auftreten. Wie ausgeprägt die Folgen sind, hängt vor allem davon ab, an welcher Stelle der Wirbelsäule die Fehlbildung liegt und wie stark Rückenmark und Nerven betroffen sind. Kognitiv kann Spina bifida sehr unterschiedlich ausgeprägt sein. Die Behinderung bedeutet nicht automatisch eine intellektuelle Beeinträchtigung. Bei leichteren Formen, etwa Spina bifida occulta, ist die kognitive Entwicklung häufig unauffällig.
Die Liquorflüssigkeit
Die Liquorflüssigkeit (Gehirn- und Rückenmarks-Flüssigkeit) ist eine klare Körperflüssigkeit, die das Gehirn und das Rückenmark vollständig umspült. Sie wird hauptsächlich in den Hirnkammern (Hirnventrikeln) gebildet.
Eine der wichtigsten Funktionen des Liquors besteht im mechanischen Schutz des Gehirns und des Rückenmarks. Gehirn und Rückenmark „schwimmen“ im Liquor. Dadurch wirkt er wie ein Polster: Er dämpft Erschütterungen und verringert die Belastung des empfindlichen Nervengewebes.
Neben dieser Schutzfunktion ist der Liquor auch an der Versorgung des Gehirns mit Nährstoffen beteiligt. Da der Liquor ständig in Bewegung ist, kann er Stoffwechselprodukte und Abfallstoffe aus dem Nervengewebe aufnehmen. Anschließend werden diese über das venöse System abtransportiert. Durch den kontinuierlichen Fluss des Liquors kann ein stabiles Milieu im Gehirn aufrechterhalten werden.
Die Liquordiagnostik
Die Liquordiagnostik ist ein wichtiges Untersuchungsverfahren in der Neurologie. Da der Liquor nicht nur das Gehirn, sondern auch das Rückenmark umspült, lässt sich durch eine sogenannte Lumbalpunktion – also die Entnahme von Liquor im Bereich der Lendenwirbelsäule – auf Entzündungen oder Infektionen von Gehirn, Rückenmark und Hirnhäuten schließen.
Eine Lumbalpunktion dient der Entnahme von Liquor zur Diagnostik neurologischer Erkrankungen.
Bei Multipler Sklerose zum Beispiel findet man im Liquor häufig Entzündungsmarker (Zeichen einer Entzündungsreaktion im zentralen Nervensystem) und in einigen Fällen eine leicht erhöhte Zahl von Abwehrzellen (Lymphozyten).
Die Liquordiagnostik kommt beispielsweise zum Einsatz bei Verdacht auf folgende Erkrankungen:
• Entzündungen der Hirnhäute und des Gehirns (Meningitis, Enzephalitis)
• Autoimmunerkrankungen (Multiple Sklerose)
• infektiöse Erkrankungen (Neuroborreliose)
DAS NERVENSYSTEM
Nervensystem im Schnelldurchlauf
besteht aus
- Gehirn
- Rückenmark
- alle Nervenbahnen des Körpers
Einteilung nach Funktion
- willkürliches (somatisches) und unwillkürliches (vegetatives / autonomes) Nervensystem:
- somatisch: gezielte Steuerung der Skelettmuskulatur
- autonom: Sensibilität und Motorik der inneren Organe, Verdauung, Herzschlag, Atmung, Stoffwechsel, Sympathikus (Anspannung) / Parasympathikus (Entspannung)
Einteilung nach Lage
- Zentrales und Peripheres Nervensystem
- Zentrales Nervensystem: Gehirn und Rückenmark
- Peripheres Nervensystem: Nervenbahnen inklusive der 12 Gehirnnerven, leitet Informationen aus dem Körper an das ZNS weiter
Peripheres Nervensystem
- die Reizleitung erfolgt über Nervenbahnen, die sich im Peripheren Nervensystem befinden:
- es gibt sensorische und motorische Nervenbahnen
- die Reizleitung kann willkürlich (somatisch) oder unwillkürlich (motorisch) geschehen
- Reflexe laufen unwillkürlich (motorisch) ab und dienen der schnellen Gefahrenabwehr (Physiologische Reflexe = Lidschlussreflex, Hustenreflex, Schluckreflex, Niesreflex, Primitivreflexe, Pathologische Reflexe = entstehen infolge einer Schädigung des Zentralen Nervensystems)
Das Nervensystem, genauer
Das Nervensystem besteht aus dem Gehirn, dem Rückenmark und allen Nervenbahnen des gesamten Körpers. Es verbindet Gehirn und Rückenmark mit den Sinnesorganen, Muskeln und Organen. Das Nervensystem ist der Sitz des Gedächtnisses, des Bewusstseins (Wachheit, Orientierung und Reaktionsfähigkeit), des Denkens und des Empfindens.
Das Nervensystem steuert alle lebenswichtigen Körperfunktionen und ermöglicht Reaktionen auf innere und äußere Reize. Wenn das Nervensystem beeinträchtigt ist, können zum Beispiel Bewusstseinsstörungen oder Veränderungen von Atmung und Kreislauf auftreten.
Zweck des Nervensystems:
Das Nervensystem wandelt Erregung in Aktion um.
• Reizaufnahme
• Reizweiterleitung
• Reizverarbeitung
• Auslösung und Steuerung von Reaktionen
Reize werden über spezialisierte Rezeptoren – z. B. für Temperatur, Druck oder Schmerz – aufgenommen, in elektrische Signale (Aktionspotentiale) umgewandelt und über die Nervenbahnen zum Gehirn weitergeleitet. Dort werden sie verarbeitet, bewertet und mit gespeicherten Erfahrungen verknüpft. Auf dieser Grundlage kann der Körper passend reagieren.
Praxisbeispiel Dokumentation:
10:30 Uhr: Herr S. berührte beim Trinken versehentlich die noch heiße Tasse mit der rechten Hand. Er zog die Hand sofort zurück und sagte: „Das ist heiß, das brennt.“ An der rechten Handfläche leichte Rötung sichtbar, keine Blasen erkennbar. Hand unter kühles, nicht eiskaltes Wasser gehalten. Herr S. gab danach an, dass der Schmerz nachlässt. Rechte Hand wird beobachtet.
Dieses Beispiel zeigt, dass auch bei scheinbar unauffälligen Situationen eine sinnvolle Dokumentation (anstatt „keine Vorkommnisse“ zu schreiben) möglich ist. Obwohl kein besonderes Vorkommnis vorliegt, wird festgehalten, dass Herr S. Temperatur- und Schmerzreize wahrnimmt, unmittelbar darauf reagiert und den Schmerz benennen kann.
Einteilung des Nervensystems
Funktionelle Einteilung
• willkürliches Nervensystem (somatisches)
• unwillkürliches Nervensystem (vegetatives oder autonomes)
Lage-Einteilung
• zentrales Nervensystem (ZNS)
• peripheres Nervensystem (PNS)
Das somatische und das vegetative (autonome) Nervensystem
Die funktionelle Gliederung des Nervensystems unterscheidet zwei Hauptbereiche: das somatische und das vegetative (autonome) Nervensystem.
Das somatische Nervensystem ist für willkürliche, bewusste Bewegungen und Sinneswahrnehmungen zuständig. Es ermöglicht die gezielte Steuerung der Skelettmuskulatur und regelt die Beziehung des Körpers zur Außenwelt. Dazu verfügt es über afferente und efferente Bahnen, über die es Reize entweder aus der Umwelt ans Gehirn (z. B. Schmerz) oder vom Gehirn an die Muskeln weiterleitet.
Das vegetative (autonome) Nervensystem ist ein unwillkürliches, also unbewusst arbeitendes System. Es ist verantwortlich für die Sensibilität und Motorik der inneren Organe und reguliert die Beziehung zur körperlichen Innenwelt. So steuert es unter anderem die Verdauung, den Kreislauf, die Atmung und den Stoffwechsel. Innerhalb des vegetativen Nervensystems unterscheidet man zwei gegensätzlich wirkende Anteile: den Sympathikus und den Parasympathikus.
Sympathikus
Der Sympathikus tritt aus dem Brust- und Lendenbereich in das periphere Nervensystem ein. Er ist vor allem in Stresssituationen aktiv und bereitet den Körper auf Kampf oder Flucht vor – zum Beispiel durch eine Erhöhung des Herzschlags, Erweiterung der Bronchien und Hemmung der Verdauung.
Parasympathikus
Der Parasympathikus hingegen entspringt überwiegend dem Kopfbereich und wirkt als Gegenspieler des Sympathikus. Er ist aktiv in Phasen der Ruhe, Regeneration und Verdauung. Seine Funktion besteht darin, den Körper in einen Zustand der Erholung zu versetzen.
Das zentrale Nervensystem (ZNS)
besteht aus:
• Gehirn
• Rückenmark
Beide Strukturen werden vom Liquor umspült und sind von Gehirnhäuten umgeben.
Warum muss die Pflegeassistenz das wissen?
Kopf, Nacken und Wirbelsäule müssen besonders geschützt werden. Zum Beispiel darf eine Person nach einem Sturz mit möglichen Verletzungen an Kopf oder Wirbelsäule nicht unnötig bewegt werden. Die Pflegeassistenz beobachtet und dokumentiert Bewusstsein, Orientierung, Pupillen, Bewegung, Gefühl, Schmerzen oder Übelkeit und informiert sofort den Notruf (bzw. den gehobenen Dienst).
Praxisbeispiel Dokumentation:
10:15 Uhr: Bewohnerin im Bad neben dem WC am Boden vorgefunden. Bewohnerin gibt an, beim Sturz mit dem Kopf an die Wand gestoßen zu sein. Wach, ansprechbar und räumlich, örtlich, zeitlich und situativ orientiert. Pupillen beidseits gleich groß. Bewegung von Armen und Beinen möglich, keine Gefühlsstörungen angegeben. Bewohnerin berichtet über Kopfschmerzen und leichte Übelkeit. Bewohnerin nicht mobilisiert, Kopf und Nacken ruhig gehalten. Gehobener Dienst um 10:18 Uhr informiert. Weitere Vorgehensweise durch den gehobenen Dienst veranlasst.
Spastizität ist eine krankhaft erhöhte Muskelspannung (Muskeltonus) infolge einer Schädigung des zentralen Nervensystems. Eine mögliche Ursache für Spastizität ist der Schlaganfall. Dadurch können unter anderem spastische Hemiparese oder Hemiplegie auftreten. Frühkindliche Schädigungen und angeborene Fehlbildungen, bei denen Spastizität auftreten kann, sind unter anderem die infantile Zerebralparese und bestimmte Formen der Spina bifida („offener Rücken“). Bei der infantilen Zerebralparese liegt eine Schädigung des Gehirns vor. Bei Spina bifida handelt es sich um eine angeborene Fehlbildung der Wirbelsäule, bei der auch das Rückenmark betroffen sein kann.
Das periphere Nervensystem (PNS)
Das periphere Nervensystem (PNS) besteht aus allen Nervenbahnen, die außerhalb des ZNS (also außerhalb von Gehirn und Rückenmark) verlaufen, inklusive der 12 Hirnnervenpaare. Es leitet Informationen aus der Umwelt an das ZNS weiter (afferent) und überträgt Befehle vom ZNS an Muskeln und Drüsen (efferent).
Aufgabe des PNS: efferente Reizleitung vom ZNS weg und afferente Reizleitung zum ZNS hin
Reizweiterleitung
Die Reizweiterleitung im Nervensystem erfolgt über zwei Hauptwege:
• afferente Nervenbahnen
• efferente Nervenbahnen
Afferente und efferente Nervenbahnen
Die Nervenbahnen sorgen für die Kommunikation zwischen dem Körper und dem zentralen Nervensystem. Sie befinden sich im Peripheren Nervensystem. Afferente Nervenbahnen leiten Reize zum ZNS hin, efferente Nervenbahnen leiten Befehle vom ZNS weg.
🫏 Eselsbrücke: A wie Aufstieg (ins Gehirn), E wie Effekt (auf die Muskeln) 🫏
Afferente Nerven leiten sensorische Reize aus der Umwelt oder aus dem Körperinneren zum Gehirn, z.B. sehen → afferente Nervenfasern → Gehirn. Zu den sensorischen Reizen aus der Umwelt gehören alle Sinneswahrnehmungen wie Sehen, Hören, Fühlen, Riechen und Schmecken. Über afferente Nervenbahnen werden auch Informationen über Schmerz und Temperatur zum Gehirn geleitet. (Merksatz: afferent = Aufstieg)
Efferente Nerven leiten Befehle (motorische Reize) vom zentralen Nervensystem zu Muskeln und Drüsen. Sie steuern sowohl willkürliche Bewegungen der Skelettmuskulatur als auch unwillkürliche Vorgänge in inneren Organen und Drüsen. Viele dieser Nervenbahnen kreuzen sich auf ihrem Weg in Richtung Muskeln. Deshalb steuert die linke Gehirnhälfte meist die rechte Körperseite und die rechte Gehirnhälfte meist die linke. (Merksatz: efferent = Effekt)
Sensorische und motorische Nervenfasern
• Sensorische Nervenfasern leiten Sinnesreize ans Gehirn (afferente Nervenbahnen, Afferenzen)
• Motorische Nervenfasern leiten Befehle vom ZNS zu den Muskeln (efferente Nervenbahnen, Efferenzen)
Sprung zurück zur Großhirnrinde:
Wir haben bereits gehört, dass das Wernicke-Zentrum ein wichtiger Bereich der Großhirnrinde (Rindenfeld) ist. Es wird als sensorisches Sprachzentrum bezeichnet: Damit Sprache verstanden werden kann, müssen Sinnesinformationen über afferente sensorische Nervenfasern vom Ohr zum Gehirn gelangen.
Wir haben gehört, dass das Broca-Zentrum ein motorisches Sprachzentrum ist und eine wichtige Rolle bei der Sprachproduktion spielt. Von dort werden Befehle über efferente motorische Nervenfasern zu den Sprechmuskeln weitergeleitet, zum Beispiel zu Zunge, Lippen und Kehlkopf.
Arten der Reizweiterleitung
Die Reizweiterleitung im Nervensystem lässt sich in zwei Arten unterscheiden:
• die willkürliche (bewusste) Reizleitung (z.B. Gehen oder Greifen)
• die unwillkürliche (unbewusste) Reizleitung (z.B. Herzschlag, Verdauung, Reflexe)
Reflexe
Reflexe sind automatische Reaktionen des Nervensystems, die zum Schutz des Körpers dienen. An einem Reflexbogen sind sowohl das PNS als auch das ZNS beteiligt, weil die Verarbeitung häufig im Rückenmark erfolgt.
Da einige Reaktionen über das Gehirn zu lange dauern würden, hat der Körper ein eigenes schnelles System entwickelt, um in Gefahrensituationen rasch reagieren zu können – den Reflexbogen. Ein Reflexbogen läuft unwillkürlich über das Rückenmark ab und sorgt so für eine schnelle Gefahrenabwehr.
Reflexbogen = Rezeptor → afferente Bahn → Rückenmark/Hirnstamm → efferente Bahn → Muskel/Organ
Physiologische und pathologische Reflexe
- Physiologische Reflexe sind bei gesunden Menschen auslösbare, unwillkürliche Reaktionen auf einen Reiz. Dazu gehören zum Beispiel der Lidschlussreflex, Hustenreflex, Schluckreflex, Pupillenreflex und Niesreflex. Primitivreflexe gehören zu den physiologischen Reflexen. Sie sind bei Säuglingen physiologisch und verschwinden im Verlauf der neurologischen Reifung.
- Pathologische Reflexe können ein Hinweis auf eine Schädigung des Zentralen Nervensystems sein, z.B. der Babinski-Reflex: Wird die Fußsohle gereizt, spreizen sich die Großzehe nach oben und die übrigen Zehen reihen sich fächerförmig („Fächerzeichen“). Dieses Reflexverhalten ist bei Säuglingen normal, beim Erwachsenen gilt es als Hinweis auf eine mögliche Schädigung des zentralen Nervensystems.
Praxisbeispiel Dokumentation:
14:10 Uhr: Frau B. trank Wasser in aufrechter Sitzposition. Nach einem Schluck hustete sie zweimal kräftig und setzte die Tasse selbstständig ab. Sie sagte: „Das ist in den falschen Hals gekommen.“ Danach keine sichtbare Atemnot, Atmung ruhig. Frau B. wirkte nicht verängstigt und wollte nach kurzer Pause weitertrinken. Weitere Flüssigkeitsgabe nur in kleinen Schlucken.
Dieses Beispiel zeigt, dass auch bei unauffälligen Situationen eine sinnvolle Dokumentation möglich ist. Statt nur „keine Vorkommnisse“ festzuhalten, wird sichtbar, dass Frau B. an diesem Tag getrunken hat, wie sie auf den Hustenreiz reagierte und dass anschließend keine Atemnot erkennbar war. (Was könnte der Hintergrund dieses Eintrags sein? Warum könnte die PA das dokumentiert haben? Antwort unten, s. b)
DIE NERVENZELLE (NEURON)
Nervenzelle im Schnelldurchlauf
es werden unterschieden:
- Neuronen
- Gliazellen
Grundaufbau der Nervenzelle:
- Zellkörper (mit Zellkern)
- Dendriten (auf denen Synapsen sitzen)
- Axon („Nervenfaser“, umschlossen von Myelinscheiden und den Ranvierschen Schnüren)
- Kollaterale (auf denen Synapsen sitzen)
Reizweiterleitung zwischen den Nervenzellen:
- außerhalb der Nervenzelle durch chemische Botenstoffe (Neurotransmittersubstanzen wie Acetylcholin, Dopamin, Noradrenalin, Serotonin)
- innerhalb der Nervenzelle als elektrischer Impuls
Myelinscheiden:
- umschließen die Nervenfasern (Axone) der Nervenzellen, Schutz
- im ZNS werden die Myelinscheiden von Oligodendrozyten gebildet, im PNS von den Gliazellen
graue und weiße Substanz:
- graue Substanz besteht aus Nervenzellkörpern (Großhirnrinde, im Inneren des Rückenmarks)
- weiße Substanz besteht aus Nervenfasern (Axonen, durch die Myelinscheiden weiß) (Großhirnmark, Rückenmark außen)
Ranviersche Schnürringe:
- sind regelmäßige Unterbrechungen der Myelinscheide entlang der Nervenfaser (Axon)
- das elektrische Signal, das entlang eines Axons weitergeleitet wird, springt von einem Schnürring zum nächsten: schnelle Reizweiterleitung
Nervenzelle, genauer
Die Hauptaufgabe der Nervenzelle liegt in der Aufnahme und Weiterleitung von Informationen.
Wie Herzmuskelzellen besitzen auch Nervenzellen nicht die Fähigkeit zur Zellteilung. Lange Zeit galt daher die Annahme, dass das Gehirn keine Nervenzellen nachbilden kann. Heute wissen wir, dass das Gehirn neuroplastisch ist und die Fähigkeit besitzt, Nervenzellen durch Training und Wiederholung neu zu bilden (Neurogenese).
Wie fast jede Zelle besitzt auch die Nervenzelle Organellen (das sind Zellbestandteile: z. B. Zellkern), die im Zellkörper liegen.
🪢 🧩💡Erinnerungsknoten: Welche Zelle besitzt keinen Zellkern?💡🧩 🪢
Das menschliche Gehirn besitzt ungefähr 86 Milliarden Nervenzellen, also rund 86.000.000.000 Neuronen.
Ein funktionstüchtiges Nervensystem ermöglicht eine schnelle Kommunikation zwischen Gehirn, Rückenmark und dem restlichen Körper. Die Funktionstüchtigkeit des Nervensystems kann gestört sein, z.B. wenn Nervenzellen oder Myelinscheiden geschädigt sind. Dies kann bei Multipler Sklerose (Myelinscheiden werden zerstört) oder Morbus Parkinson (dopaminproduzierende Zellen gehen unter) der Fall sein. Auch bei Behinderungen, die durch eine Schädigung oder Entwicklungsbesonderheit des Gehirns, des Rückenmarks oder der Nerven entstehen, kann die Funktionstüchtigkeit des Nervensystems beeinträchtigt sein. Beispiele dafür sind Infantile Zerebralparese (Schädigung des Gehirns) und Spina bifida (Schädigung von Wirbelsäule und Rückenmark).
Die 2 Zelltypen des Nervensystems
Das Nervensystem besteht aus zwei grundlegenden Zelltypen, die eng zusammenarbeiten:
• Neuronen (= Nervenzelle)
• Gliazellen (= Stütz- und Versorgungszellen des Nervensystems)
Aufbau der Nervenzelle
• Die Nervenzelle besitzt einen Zellkörper, in dem sich der Zellkern und die Zellorganellen befinden.
• Vom Zellkörper gehen mehrere kurze Fortsätze, die sogenannten Dendriten, aus. Sie nehmen eintreffende Reize auf und leiten sie zum Zellkörper weiter.
• Zusätzlich verfügt jede Nervenzelle über einen langen Fortsatz, das Axon („Nervenfaser“). Es ist meist länger als die Dendriten und leitet elektrische Signale im Zellkörper weiter.
• Am Ende der Nervenfaser (Axon) verzweigt sich dieses in Kollaterale, an denen Synapsen sitzen. Dort wird das elektrische Signal in chemische Reize (Neurotransmitter) umgewandelt und an die nächste Nervenzelle übertragen.
Grober Aufbau:
• Zellkörper (mit Zellkern)
• Dendriten (auf denen Synapsen sitzen)
• Axon („Nervenfaser“, umschlossen von Myelinscheiden und den Ranvierschen Schnüren)
• Kollaterale (auf denen Synapsen sitzen)

Neuronale Reizweiterleitung
- Dendriten nehmen an Synapsen Signale von anderen Nervenzellen auf.
- Der Zellkörper empfängt Informationen von den Dendriten und gibt sie an die Nervenfaser (Axon) weiter.
- Nervenfasern (Axone) leiten elektrische Impulse zu den Kollateralen.
- Kollaterale leiten die Information über die Synapsen an andere Neuronen weiter.
- Synapsen sind die Kontaktstelle zum nächsten Neuron. Sie sitzen sowohl an den Kollateralen von Axonen als auch an den Dendriten.
Der Weg der Informationsweiterleitung von Neuron zu Neuron
Nervenzellen erzeugen elektrische Impulse und leiten diese chemisch zur nächsten Nervenzelle weiter:
Der chemische Reiz (Neurotransmitter), der von Nervenzelle1 zu Nervenzelle2 weitergeleitet wird, wird von der Nervenzelle2 in einen elektrischen Impuls umgewandelt → bevor der Impuls an Nervenzelle3 weitergeleitet wird, wird der elektrische Impuls wieder in einen chemischen Reiz umgewandelt.
„Die Information im Gehirn erfolgt elektrisch. Die Synapsen selbst kommunizieren jedoch über chemische Botenstoffe, die besagten Neurotransmitter.“
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn (2020): Antikörper im Gehirn lösen Epilepsie aus. Bonn: Universität Bonn, 24.03.2020, o. S. Verfügbar unter: https://www.uni-bonn.de/de/neues/073-2020 [Zugriff: 05.07.2026].
- Dendriten empfangen über Synapsen chemische Botenstoffe (Neurotransmitter) von anderen Nervenzellen und wandeln diese in elektrische Impulse um.
- Nervenfasrn (Axone) leiten diese elektrischen Impulse an die Synapsen weiter.
- Synapsen wandeln die elektrischen Impulse wieder in chemische Botenstoffe um und reichen sie an die Dendriten der nächsten Nervenzelle weiter.
Chemische Botenstoffe: Neurotransmittersubstanzen
Neurotransmittersubstanzen sind chemische Botenstoffe. Sie sind an allen physischen und psychischen Prozessen beteiligt – von der Bewegung bis zur Stimmungslage.
Zu den wichtigsten Neurotransmittern zählen:
- Acetylcholin
- Glutamat
- Dopamin
- Noradrenalin
- Serotonin
Acetylcholin
Acetylcholin ist an der Reizübertragung zwischen Nerven und Muskeln beteiligt. Im Gehirn spielt Acetylcholin auch bei Lern- und Gedächtnisprozessen eine Rolle. Ein Mangel an Acetylcholin wird unter anderem mit Alzheimer-Krankheit in Verbindung gebracht.
Warum ist das für die Pflegeassistenz wichtig?
Anticholinergika sind Medikamente, die die Wirkung des Neurotransmitters Acetylcholin hemmen oder blockieren. Das spielt zum Beispiel bei Dranginkontinenz und COPD eine Rolle. Zudem spielen Acetylcholinesterase-Hemmer eine Rolle bei Demenz-PatientInnen.
Die Pflegeassistenz muss wissen, wenn eine PatientIn Anticholinergika oder Acetylholinesterase-Hemmer einnimmt, um mögliche Nebenwirkungen beobachten und gegebenenfalls den gehobenen Dienst verständigen zu können.
Das Nervengift Botox unterbindet die Ausschüttung des Botenstoffs Acetylcholin, der die Signale von Nerven- auf Muskelzellen überträgt. Es verursacht Lähmungen, wodurch der gewünschte Effekt erzielt wird.
Glutamat
Glutamat unterstützt Lern- und Gedächtnisprozesse.
Warum ist das für die Pflegeassistenz wichtig?
Glutamat ist im Zusammenhang mit Antidementiva wichtig. Neben Acetylcholinesterase-Hemmern gibt es auch Glutamat-Antagonisten zur Behandlung von Demenzen.
Wenn die Pflegeassistenz weiß, dass Schwindel, Müdigkeit, Schläfrigkeit, Kopfschmerzen, Gleichgewichtsstörungen, Verstopfung und erhöhter Blutdruck mögliche Nebenwirkungen sein können, weiß sie, dass sie besonders auf Sturz- und Obstipationsprophylaxe achtet.
Idealerweise wird der Pflegeassistenz durch den gehobenen Dienst mitgeteilt, welche Wirkstoffe eine PatientIn einnimmt und auf welche Nebenwirkungen besonders geachtet werden muss. Ist dies nicht der Fall, sichtet die Pflegeassistenz selbst die Beipackzettel der Medikamente, die eine PatientIn einnimmt. Die Sichtung wird in der Dokumentation vermerkt. Anschließend achtet die Pflegeassistenz gezielt auf mögliche Auffälligkeiten. Beobachtete Nebenwirkungen werden dem gehobenen Dienst mitgeteilt und dokumentiert.
Dokumentation, Beispiel 1:
05.07.2026, 09:15 Uhr: Beipackzettel zu den aktuell eingenommenen Medikamenten eingesehen. Auf mögliche Nebenwirkungen wie Schwindel, Müdigkeit, Verwirrtheit und Gleichgewichtsstörungen wird gezielt geachtet. Derzeit keine Auffälligkeiten beobachtet. Bei Auffälligkeiten wird der gehobene Dienst informiert.
Dokumentation, Beispiel 2:
07.07.2026, 14:30 Uhr: Patientin berichtet über neu aufgetretenen Schwindel. Beim Aufstehen zeigt sie einen unsicheren Gang und benötigt Unterstützung. Patientin wird beim Gehen begleitet und auf die Sturzgefahr hingewiesen. Der gehobene Dienst wurde um 14:35 Uhr informiert. Weitere Beobachtung erfolgt.
Dopamin
Dopamin ist an der Steuerung von Bewegungen beteiligt. Ein Mangel an Dopamin, wie er bei Parkinson-Patienten auftritt, führt dazu, dass Bewegungsimpulse nicht mehr korrekt übermittelt werden.
L-Dopa (Levodopa) ist die Vorstufe von Dopamin. Es wird bei Parkinson eingesetzt, weil es ins Gehirn gelangt und dort zu Dopamin umgewandelt wird. Es kann Parkinson-Beschwerden lindern, heilt die Erkrankung aber nicht.
Noradrenalin
Noradrenalin hat Einfluss auf Aufmerksamkeit, Wachheit und Konzentrationsfähigkeit. Es wird vermehrt in Stresssituationen ausgeschüttet.
Noradrenalin wird in der Notfall- und Intensivmedizin bei akuter Hypotonie eingesetzt. Es verengt akut die Blutgefäße (Vasokonstriktion) und regt die Herzkraft an was zu einem akuten Anstieg des Blutdrucks führt.
Serotonin
Serotonin ist ein Neurotransmitter, der an der Regulation der Stimmungslage, dem sozialen Verhalten, dem Schlaf-Wach-Rhythmus, der Thermoregulation, dem Appetit und dem Sexualverhalten ist.
Serotonin ist auch ein Schmerzmediator: bei Gewebeschädigung und Entzündung kann Serotonin gemeinsam mit anderen Botenstoffen Nozizeptoren reizen und dadurch Schmerzsignale auslösen bzw. die Schmerzwahrnehmung verstärken oder hemmen. Ob Serotonin Schmerzen verstärkt oder hemmt, hängt unter anderem davon ab, wo es im Körper wirkt und an welche Rezeptoren es bindet.
Ein Ungleichgewicht oder Mangel an Dopamin, Noradrenalin und Serotonin wird aktuell mit Depression in Verbindung gebracht. Bislang existieren jedoch keine diagnostischen Verfahren, mit denen eine Depression objektiv anhand neurochemischer Parameter festgestellt werden kann.
Myelinscheiden
Myelinscheiden umschließen die Nervenfasern (Axone) der Nervenzellen und stellen eine schützende Isolationsschicht dar. Dies ermöglicht die schnelle Weiterleitung elektrischer Nervenimpulse.
Die graue und die weiße Substanz
Die graue Substanz im Gehirn besteht aus den Körpern von Nervenzellen, die weiße aus Nervenfasern (Axone, umschlossen von Myelinscheiden). Die Großhirnrinde (Cortex) besteht aus grauer Substanz. Das darunterliegende Großhirnmark besteht aus weißer Substanz.
Im Gehirn liegt die graue Substanz außen, die weiße Substanz innen. Im Rückenmark ist die Anordnung umgekehrt. Dort liegt die weiße Substanz außen. Die graue Substanz liegt innen und ist im Querschnitt schmetterlings-förmig angeordnet.
Ranviersche Schnürringe
Ranviersche Schnürringe sind regelmäßige Unterbrechungen der Myelinscheide entlang einer Nervenfaser (eines Axons). An diesen Stellen fehlt die Myelinscheide. Die Axonmembran ist dort daher nicht elektrisch isoliert, wodurch an diesen Stellen eine schnellere Informationsübertragung möglich ist.
Die elektrische Erregung wird saltatorisch (sprunghaft) weitergeleitet: Sie „springt“ von einem Schnürring zum nächsten. Dadurch ist eine erhöhte Geschwindigkeit der Reizweiterleitung möglich – Informationen werden schneller übertragen.
FACHWÖRTER FÜR DIE PFLEGEASSISTENZ
| Bezeichnung | Definition |
|---|---|
| afferent | vom PNS zum ZNS |
| efferent | vom ZNS zu den Muskeln |
| Enzephalon | Gehirn |
| Hirnventrikel | Hirnkammern |
| Liquor | Gehirn- und Rückenmarksflüssigkeit |
| Lumbalpunktion | Entnahme von Liquor im Bereich der Lendenwirbelsäule |
| Lymphozyten | Abwehrzellen |
| Muskeltonus | Muskelspannung |
| Neocortex | Hirnrinde |
| Neurogenese | Neubildung von Nervenzellen (durch Training und Wiederholung) |
| Neuron | Nervenzelle |
| Neuroplastizität | die Fähigkeit des Gehirns, sich anzupassen (z.B. nach dem Untergang von Nervenzellen nach eine Schlaganfall) |
| Neurotransmitter | chemische Botenstoffe |
| Parasympathikus | wirkt beruhigend und regenerierend, z. B. Förderung der Verdauung, Senkung der Herzfrequenz |
| Pathogene | Krankheitserreger |
| peripheres Nervensystem | alle Nerven, die nicht zum zentralen Nervensystem gehören, willkürliches Nervensystem |
| somatisches Nervensystem | willkürliches Nervensystem |
| Sympathikus | wirkt aktivierend und bereitet den Körper auf Leistung und Stressreaktionen vor, z. B. „Kampf-oder-Flucht“-Reaktion |
| vegetatives oder autonomes Nervensystem | unwillkürliches Nervensystem |
| zentrales Nervensystem | Gehirn und das Rückenmark, willkürliches Nervensystem |
Antworten auf Fragen im Text:
a) hochgradig verdächtig auf einen akuten Schlaganfall
b) es besteht ein Aspirationsrisiko
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