Kommentar, Fach „Erweiterte Erste Hilfe“. Für Ersthelfer.
Erstellungsdatum 17.05.2025
Aktualisierungsdatum: 25.05.2026
Laut dem ICN-Ethikkodex bist du als Pflegefachperson verpflichtet, dich auf „Notfälle, Katastrophen, Konflikte, Epidemien, Pandemien, soziale Krisen und Situationen mit knappen Ressourcen“ vorzubereiten, um im Falle des Falles angemessen reagieren zu können. Ein Blutzuckermessgerät führen jedoch die Wenigsten immer mit. Eine Abgrenzung der Symptome macht in einem Notfall insofern Sinn, dass du deine Beobachtungen an das Notfallteam weiterleiten kannst, Maßnahmen zur Senkung oder Anhebung des Blutzuckerspiegels solltest du allein aufgrund der Symptome jedoch nicht ableiten!
Hypoglykämie und Hyperglykämie mit dem Blutzuckermessgerät feststellen
Experten empfehlen, bei ausnahmslos jedem Notfall auch den Blutzuckerspiegel zu messen, da dies entscheidende Hinweise für die richtige Behandlung liefern kann. Wenn du ein Blutzuckermessgerät zur Hand hast, ist das eine einfache Disziplin.
Hyperglykämie
Mit dem Blutzuckermessgerät gemessen:
Normal: bis 100 mg/dl nüchtern / bis 140 mg/dl postprandial
Erhöhtes Risiko (Prädiabetes): 101–125 mg/dl nüchtern / > 141–199 mg/dl postprandial
Diabetes: ≥ 126 mg/dl nüchtern in zwei unabhängigen Messungen / ≥ 200 mg/dl postprandial
Hyperglykämie: > 250 mg/dl
Werte ab 400 mg/dl können zu bedrohlichen Zuständen führen. Blutzuckerwerte von 600 – 1.000 mg/dl führen mit hoher Wahrscheinlichkeit zu Bewusstseinstrübungen bis hin zum lebensgefährlichen diabetischen Koma. Die Schwellenwerte sind jedoch individuell unterschiedlich – akute Symptome können bereits bei geringeren Blutzuckerwerten auftreten.
Hypoglykämie
niedriger Blutzuckerspiegel: < 70 mg/dl
akute Hypoglykämie: < 54 mg/dl
Blutzuckerwerte ab 45 mg/dl führen mit hoher Wahrscheinlichkeit zu akuten Notfallsituationen. Allerdings sind diese Schwellenwerte individuell unterschiedlich – Personen können bereits bei höheren Werten akute Symptome entwickeln.
Handeln im Notfall
Wenn du in einen Notfall gerätst, rufst du den Notruf, noch bevor du irgendwelche anderen Maßnahmen ergreifst. Du darfst nicht selbstständig Insulin spritzen!
Zeigt die Patientin Symptome, die auf einen zu hohen oder zu niedrigen Blutzucker hindeuten könnten (z.B.: Bewusstseinsstörungen) dann solltest du dir zu allererst ihre Fingerkuppen ansehen. Entdeckst du Einstichstellen, ist das dein erster Hinweis darauf, dass es sich um eine Person mit Diabetes handeln könnte, die regelmäßig ihren Blutzucker misst. Ist die Person ansprechbar, solltest du sie als nächstes fragen, ob sie ein Blutzuckermessgerät und ihren Insulin-Pen bei sich hat. Bring der Person ihre Hilfsmittel.
Unterschiedliche Symptome von Hyperglykämie und Hypoglykämie
Als Ersthelfer wirst du mit hoher Wahrscheinlichkeit häufiger auf Notfälle bei Hypoglykämie stoßen, da sich die Symptome einer Hypoglykämie rasch entwickeln und schneller zu einer akuten Notfallsituation führen. Deshalb empfehlen Notfallteams wie das Rote Kreuz idR die Gabe von Glucose, sobald du eine Diabetikerin mit Symptomen antriffst.
Die einzigen Maßnahmen, die du als Ersthelfer setzen kannst, sind:
• der ansprechbaren Person ihr Blutzuckermessgerät und/oder ihren Insulin-Pen bringen
• der Person beim selbstständigen Blutzucker messen und Insulin spritzen zur Hand gehen, danach Beine hochlagern
• der ansprechbaren Person Glucose (z.B. Traubenzucker) geben, danach Beine hochlagern
• eine bewusstlose Person mit festgestellter Atmung (lt. BA-Schema) in die stabile Seitenlage bringen
• eine bewusstlose Person ohne feststellbare Atmung (lt. BA-Schema) reanimieren
Video: „Notfall bei Zuckerkrankheit“, Rotes Kreuz
Gemeinsame Symptome: Diese akute Symptomatik kann sowohl bei Hyperglykämie als auch bei Hypoglykämie auftreten
• Nausea, Emesis
• Kopfschmerzen
• Schwindel
• Bewusstseinsstörungen (örtlich, zeitlich, persönlich, situativ) bis zum Delir
• quantitative Bewusstseinsstörungen (Benommenheit, Somnolenz, Sopor, Koma)
Abgrenzung der Symptome Hyperglykämie vs. Hypoglykämie
🫏 Eselsbrücke: Bei Hypoglykämie eher hyperaktive Symptome, bei Hyperglykämie eher hypoaktive Symptome. 🫏
Die folgenden Symptome sind typischerweise eher einem der beiden Blutzuckerzustände zuzuordnen.
| Merkmal | Hyperglykämie (zu viel Zucker im Blut) | Hypoglykämie (zu wenig Zucker im Blut) |
|---|---|---|
| Blutzuckerwerte | > 250 mg/dl | < 70 mg/dl (akut < 54 mg/dl) |
| Hauptursache | zu wenig Insulin gespritzt, Insulinresistenz | zu viel Insulin gespritzt, zu wenig Nahrung |
| Symptomentwicklung | langsam (Tage bis Wochen) | schnell (Minuten bis Stunden) |
| Symptome | starker Durst (und dadurch trockener Mund), Polyurie, trockene Haut, Müdigkeit, Schwäche, verschwommenes Sehen bei Azetongeruch bei Atmung, tiefe Atmung | Heißhunger, Zittrigkeit, Tachykardie, Hypertonie, Gereiztheit, Aggressivität, Blässe, Sprechstörungen |
| Risiko | Langzeitfolgen (z. B. Nerven-, Augen-, Nierenschäden) | Akutes Risiko für Krampfanfälle, Delir oder Koma |
| Therapie | Insulin spritzen (nur nach ärztl. Anweisung!) | Traubenzucker, Honig, süße Limonade (nach Blutzuckermessung!) |
Quellen:
Hypoglykämie: Wellion
Hyperglykämie, Wellion
Siehe die Leitlinien der Österreichische Diabetes Gesellschaft (ÖDG)
Info:
Wellion ist ein österreichischer Hersteller von Blutzuckermessgeräten, Insulin-Pens und mehr.
Beitragsbild: pixabay @JamesRein