Aufbereiteter Lehrinhalt, Unterrichtsfach: GrundzĂĽge und Prinzipien der Akut- und Langzeitpflege inklusive Pflegetechnik (GKPF)
07.05.2026
Das muss die Pflegeassistenz ĂĽber Verbandswechsel wissen:
TF 4/2: Unterstützung der Lebensaktivitäten von Menschen mit chronischen Wunden
spezifische und unspezifische Zeichen/Symptome bei der Entstehung und im Verlauf chronischer Wunden
➤ Beobachtung und Beschreibung
➤ Erleben und Bedeutung
➤ Verbandmaterialien und Entsorgung
➤ Hygienerichtlinien (u. a. Händedesinfektion, Eigenschutz)
➤ Pflegestandards (kennen)
➤ mögliche Pflegediagnosen (kennen) wie z. B. Selbstfürsorgedefizit Waschen
➤ Hautschädigung
TF 5/1 Haut- und Hautanhangsgebilde & Regulation des Wärmehaushalts
TF 5/2 der Haut und chronische Wunden inklusive Symptomatik, Diagnostik und Therapie
Erkrankungen der Haut und chronische Wunden inklusive Symptomatik, Diagnostik und Therapie
➤ medizinische Pflegetechnik
➤ septischer/aseptischer Verbandwechsel (Grundzüge)
➤ einfacher Wundverband
➤ Grundzüge der Wundbeschreibung
GRUNDLEGENDES
Verbandswechsel: Was darf die Pflegeassistenz?
§ 83 Abs. 4 Z 6 GuKG, „Tätigkeitsbereich der Pflegeassistenz“[1]:
„Die Mitwirkung bei Diagnostik und Therapie gemäß Abs. 1 Z 3 umfasst: DurchfĂĽhrung einfacher Wundversorgung, einschlieĂźlich Anlegen von Verbänden, Wickeln und Bandagen.“
• einfache Wundversorgung
• Verbandwechsel
• nach ärztlicher Anweisung
• in stabilen Pflegesituationen
Gemäß § 83 Abs. 4 Z 6 GuKG umfasst der Tätigkeitsbereich der Pflegeassistenz die Mitwirkung bei Diagnostik und Therapie, wozu auch die Durchführung einer einfachen Wundversorgung zählt. Sie darf nach ärztlicher Anordnung und in stabilen Pflegesituationen Verbände, Wickel und Bandagen anlegen. Dabei ist stets sicherzustellen, dass es sich um eine einfache Maßnahme handelt, die keine besonderen medizinischen Kompetenzen erfordert.
🪢 🧩💡Erinnerungsknoten: In welchen Pflegesituationen darf die Pflegeassistenz tätig werden? Welche Ausnahme besteht?💡🧩 🪢
Die Haut
🪢 🧩💡Erinnerungsknoten: Anatomie: Aus welchen Schichten besteht die Haut? 💡🧩 🪢
Blutversorgung der Haut
🪢 🧩💡Erinnerungsknoten: Anatomie: Wie wird die Haut mit Blut versorgt und was durchzieht die Haut?💡🧩 🪢
Weiterleitung von Sinnesreizen ĂĽber die Haut
🪢 🧩💡Erinnerungsknoten: Anatomie: Was befindet sich in der Haut, das Sinnesreize weiterleitet?💡🧩 🪢
BASISWISSEN WUNDE
Definition:
Eine Wunde ist ein Barriereverlust zwischen Körper und Umgebung. Sie entsteht durch eine Schädigung oder Zerstörung von Körpergewebe, wodurch Keime in den Körper eindringen und Infektionen verursachen können.[2]
Wunden gehen oft mit Schmerzen (dolor) und Funktionseinschränkungen (functio laesa), bei einer Infektion mit den klassischen 5 Entzündungszeichen einher.
🪢 🧩💡Erinnerungsknoten: Anatomie: Was ist eine Entzündung?💡🧩 🪢
Pathophysiologie
Durchtrennung oder oberflächliche Beschädigung der Haut oder Schleimhaut und ggf. der darunter liegenden Strukturen → Unterbrechung der Schutzbarriere zwischen Körperinneren und Umgebung → Keime können ungehindert in tiefere Hautschichten eindringen → Infektion → Risiko Sepsis (lebensbedrohlich)
Klassifizierung von Wunden
- Nach Art der Entstehung
- Nach Heilungsverlauf
- Nach der Keimbesiedelung
- Nach Kontaminationsklasse
- Nach Tiefe und Ausdehnung des Defekts
- Nach Verletzungshergang
Ursache einer Infektion ist nie das Eindringen eines Keimes allein. Ob es zu einer Infektion kommt, hängt von der Anzahl der Erreger und der Stärke der körpereigenen Abwehr (Immunsystem) ab.
Nach Art der Entstehung
• mechanische (z.B. Platz und Risswunden, Intertrigo „durch Reibung und Mazeration“, Dekubitus I „durch Druck- und Scherkräfte“)
• thermische (durch Strom, Hitze oder Kälte)
• chemische (z.B. durch Säuren und Laugen)
• strahlenbedingte (z.B. durch Strahlentherapie, ähneln Brandwunden und heilen eher problematisch)
Anm.: Streng genommen ist ein Dekubitus Grad 1 noch keine Wunde, ab Grad 2 kann er als (oberflächliche) Wunde eingeordnet werden.
🪢 🧩💡Erinnerungsknoten: Definition Dekubitus: Was ist ein Dekubitus? Wie zeigt sich ein Dekubitus Grad 2 im Wundbild?💡🧩 🪢
Nach Heilungsverlauf
- Primäre Wundheilung
- Sekundäre Wundheilung
- akute (z.B. Stichverletzung) und chronische Wunden (z.B. Dekubitus)
Primäre Wundheilung (verschlossene Wunde)
• meist nach einem chirurgischen Schnitt
• Wunde wird verschlossen – Klammern, Naht
• ist nicht infektiös (= aseptische Wunde)
• eine primäre Wundheilung gelingt meist bei aseptischen Wunden und frischen Verletzungen
• Wundränder sind glatt begrenzt und liegen dicht beieinander
• verheilen idR innerhalb von 6-8 Tagen
• sehr gute Heilungsprognose, selten Komplikationen (solange Sterilität gewährleistet)
• ist nur möglich, wenn die Wundversorgung max. 6h nach der Verletzung durchgeführt wird
Sekundäre Wundheilung (offene Wunde)
• Wunde wird nicht verschlossen sondern heilt von unten nach oben ab
• ist idR bei infizierten und chronischen Wunden (Ulcus cruris, Dekubitus,…) der Fall
• größere Narbenbildung
• verzögerte Wundheilung
• höhere Gefahr einer Sekundärinfektion
Akute Wunden
Eine Wunde, die in spätestens 8 Wochen abgeheilt ist.
Chronische Wunden
• Eine Wunde, die nach 8 Wochen nicht abgeheilt ist oder immer wieder auftritt wird als chronisch bezeichnet.
• Unabhängig von dieser zeitlich orientierten Definition, gibt es Wunden, die von Beginn an als chronisch anzusehen sind, da ihre Behandlung eine Therapie der weiterhin bestehenden Ursache erfordert (z.B. Diabetischer Fußulcus, PAVK, Ulcus cruris venosum oder Dekubitus).
Feuchte Wundbehandlung fĂĽr chronische Wunden: die Wunde wird mit geeigneten Wundauflagen so versorgt, dass ein feuchtes, aber nicht zu nasses Wundmilieu entsteht. Das unterstĂĽtzt die Wundheilung.
Nach der Keimbesiedelung
• aseptisch (keimfrei)
• kontaminiert (verunreinigt)
• kolonisiert (Infektionsrisiko)
• septisch (infiziert)
Aseptische Wunden
• keimfrei
• heilen primär
• frei von Entzündungszeichen
• Entstehung unter sterilen Bedingungen (z.B. Operationen)
• auch kleinere, saubere Verletzungen, die keiner Keimbesiedelung ausgesetzt sind, können als aseptisch gelten
• Wundränder sind glatt durchtrennt, liegen dicht aneinander
Kontaminierte Wunden
• frei von Entzündungszeichen
• heilen sekundär
• Besiedlung von sich nicht vermehrenden Bakterien vorhanden
Beispiele:
• Verbrennungen
• Chronische Wunden (Dekubitus, Ulcus cruris venosum, Diabetische Fußulcus)
• bewusst offen gehaltene Wunden – z.B. Tracheostoma
Kolonisierte und kritisch kolonisierte Wunden
• vermehrungsfähige Bakterien vorhanden, Wundheilung jedoch nicht nachhaltig beeinflusst
• heilen sekundär
• kritisch kolonisiert: Infektionsrisiko! Übergangsstadium zur septischen Wunde
Septische (infizierte) Wunde
• hohe Keimzahlen im Gewebe
• 5 Entzündungszeichen
Weitere typische Symptome:
• Große Mengen an Exsudat (schmierig)
• Unangenehmer Geruch (faulig)
• Verfärbt (gelblich-weiß, eitrige Sekrete)
🪢 🧩💡Erinnerungsknoten: Wie lauten die klassischen 5 Entzündungszeichen?💡🧩 🪢
Eine septische (also eine infizierte) Wunde ist eine gefĂĽrchtete Komplikation im Heilungsprozess. Sie entsteht, wenn Krankheitserreger in die Wunde eindringen und dort eine EntzĂĽndungsreaktion hervorrufen. BegĂĽnstigt wird eine Infektion durch:
• mangelnde Wundhygiene
• schlechte Durchblutung
• ein geschwächtes Immunsystem
• chronische Erkrankungen wie Diabetes mellitus
• oder durch eine unzureichende Sauerstoffversorgung des Gewebes (zu wenig Sauerstoff 👉 langsame Wundheilung 👉 Krankheitserreger können sich leichter vermehren)
Die Wundheilung verläuft bei einer septischen Wunde erheblich verzögert, da der Körper seine Energie auf die Bekämpfung der Erreger anstatt auf die Wundheilung konzentrieren muss. Die Entzündung führt zu einer Schädigung des umliegenden Gewebes, was die Bildung von Granulationsgewebe behindert. Bei einer mikrobiologischen Gewebeuntersuchung lassen sich häufig sehr hohe Keimzahlen nachweisen.
🪢 🧩💡Erinnerungsknoten: Wundabstrich: Nach welchem Schema gehst du vor?💡🧩 🪢
Wird eine septische Wunde nicht rechtzeitig erkannt und behandelt, kann sich die Infektion ausbreiten und im schlimmsten Fall zu einer Sepsis (Blutvergiftung, akut!) fĂĽhren.
Sepsis
Eine Sepsis ist die schwerste Form einer systemischen Reaktion auf eine Infektion. Dabei kommt es zu einer lebensbedrohlichen Organdysfunktion durch eine fehlregulierte Reaktion des Körpers auf die Infektion.
Sepsis: Symptome
- Fieber[5]
- SchĂĽttelfrost[4]
- schneller, schwacher Puls, Herzrasen (Tachykardie)[4]
- niedriger Blutdruck (Hypotonie)[4]
- Kurzatmigkeit, schnelle Atmung (Tachypnoe)[4]
- Schwitzen, kalte Extremitäten[4]
- Schwäche, starkes Krankheitsgefühl[4]
- verminderte Urinausscheidung[4]
- starke Schmerzen[4]
- Verwirrtheit, Desorientiertheit[4]
- Hautveränderungen (Petechien)[4]
🪢 🧩💡Erinnerungsknoten: Ist Fieber eine Form der Hyperthermie?💡🧩 🪢
Nach Kontaminationsklasse
Eine wichtige Rolle beim Risiko des Auftretens einer Wundinfektion spielt die Kontamination. Je nach AusmaĂź und Grad der Kontamination werden Wunden in unterschiedliche Kontaminationsklassen eingeteilt :
- Klinisch sauber: aseptisch, OP-Wunden (z.B. direkter Verschluss durch Naht): keine erkennbare Kontamination, sehr geringes Infektionsrisiko
- Klinisch sauber, kontaminiert (z.B. frisch traumatisierte Wunden): geringe Kontamination, Keime können vorhanden sein, aber noch ohne deutliche Infektionszeichen
- Kontaminierte Wunden (z.B. Biss-, Schuss- oder Quetschwunde): deutliche Kontamination, erhöhte Keimzahl und erhöhtes Infektionsrisiko
- Infizierte Wunden (z.B. verzögerte Versorgung, alte Verletzungswunde, fäkale Kontamination [Dekubitus im Sakralbereich], MRSA, …): septisch, starke Kontamination bis Infektion, oft Eiter, ĂĽbler Geruch (5 klassische EntzĂĽndungszeichen)
Nach Tiefe und Ausdehnung des Defekts
- geschlossene Wunden: tiefe, unter intakter Haut entstandene Wunden wie z.B. Frakturen, Hämatome, Quetschungen
- offene Wunden: oberflächliche, perforierende, komplexe Wunden (z.B. Dekubitus Grad IV) inkl. tiefe Hautschichten oder Organe (sekundäre Wundheilung)
Nach Verletzungshergang
• akut (z.B. Stichverletzung)
• chronische Wunden (z.B. Dekubitus)
Andere Einteilungen
• oberflächlich (z.B. Schürfwunde am Knie)
• perforiert (z.B. Schnittwunde)
• komplex (z.B. tiefe Stichwunde)
• iatrogen (z.B. Punktionswunde [Blutabnahme], Operationswunde)
Die Periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK)
Definition:
Die Periphere arterielle Verschlusskrankheit (PAVK) ist eine chronisch-progrediente Erkrankung der Arterien, die meist die Beine und Füße betrifft. Gefäßverengungen führen dabei zu Durchblutungsstörungen, im fortgeschrittenen Verlauf kann die Erkrankung akut werden (vollständiger Gefäßverschluss). In den meisten Fällen ist die Ursache eine Arteriosklerose. Die pA wird auch Schaufensterkrankheit genannt, weil die Betroffenen beim Gehen Schmerzen haben und stehen bleiben müssen.
Ulcus cruris (Offenes Bein) – Pathologie
Definition:
Ein Ulcus cruris ist ein chronisches, schlecht heilendes Geschwür am Unterschenkel, entstanden aufgrund unzureichender Durchblutung des Gewebes infolge einer gestörten Gefäßversorgung.[6]
📸 Foto: Ulcus cruris, doccheck.com 📸
Mögliche Ursachen
Ulcus cruris venosum: Folge einer langjährigen chronich-venösen Insuffizienz (CVI)[6]
Ulcus cruris arteriosum: Folge einer periphere arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK)[6]
Ein Ulcus cruris kann sowohl das venöse (Ulcus cruris venosum) als auch das arterielle System (Ulcus cruris arteriosum) betreffen.[6]
Ulcus cruris Symptome
- chronische, tiefe, schlecht heilende Wunden mit oft nässendem Belag, teilweise fibrinös (Debridement!)[6]
- häufig umgebende Hautveränderungen wie Verhärtungen, Hyperpigmentierungen, Ödeme, Exzeme[7]
- starke Schmerzen, insbesondere bei der arteriellen Form[7]
- Schwellungen bei venöser Ursache[6]
Die Wundbehandlung eines Ulcus cruris venosum ist nur mit einer entsprechenden Kompressionstherapie effektiv und erfolgreich.[7] Beim Ulcus cruris arteriosum KEINE routinemäßige Kompressionstherapie wie beim venösen Ulcus. Zuerst muss die arterielle Durchblutung abgeklärt werden.
Aus der Praxis: Die Pflegeassistenz führt keinen Verbandswechsel mit Debridement durch, da es sich dabei um einen komplexen Wundverband handelt. Sie übernimmt nur einfache Verbandswechsel (z. B. Ulcus cruris ohne Wundbelag). Ein Debridement wird im gesetzlichen Kompetenzprofil der Pflegeassistenz nicht als durchzuführende Tätigkeit ausgewiesen.[8,9]
Unterschied Ulcus cruris venosum und Ulcus cruris arteriosum
| Ulcus cruris venosum | Ulcus cruris arteriosum |
|---|---|
| häufigste Form[6] | weniger häufig[6] |
| Ursache: langjährige chronisch-venöse Insuffizienz (CVI)[6] | Ursache: periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK)[6] |
| venöser Rückstau und erhöhter Druck im Gewebe durch die CVI stehen im Vordergrund[10] | Minderdurchblutung durch pAVK steht im Vordergrund[10] |
| meist im Bereich des Innenknöchels[6] | oft an den Zehen oder dem äußeren Unterschenkel[6] |
| häufig Schwellungen (Ödeme)[6] | Ödeme untypisch[11] |
| Wundbild oft nässend[6] | Wundbild oft tief, teilweise nekrotisch[7] |
| Wundrand eher unscharf begrenzt[6] | Wundrand eher scharf begrenzt[15] |
| umgebende Haut häufig Ödeme, Hyperpigmentierung, Verhärtung/Ekzem[7] | umgebende Haut eher blass, kühl, dünn[11] |
| Kniekehlenpuls (A. poplitea), Leistenpuls (A. femoralis), Fußpuls (A. dorsalis pedis) meist tastbar[12] | Kniekehlenpuls, Leistenpuls oder Fußpuls abgeschwächt oder nicht tastbar[13] |
| Bein meist warm[12] | FuĂź/Bein eher kĂĽhl[12] |
| häufig keine bis milde Schmerzen[7], Hochlagerung kann Schmerzen bessern[13] | häufig starke Schmerzen[7], Hochlagerung kann Schmerzen verstärken[11] |
| Kompression: zentrale Therapie bei ausreichender arterieller Durchblutung[14] | nicht einfach durchführen; zuerst arterielle Durchblutung abklären[10] |
Lt. Österreichischem Gesundheitsportal ist bei etwa 10 von 100 PatientInnen mit Ulcus cruris eine arterielle Durchblutungsstörung die Ursache.[6]
Aus der Praxis: Beispiel Dokumentation
31.08.2026, 08:20, Patientin wach und orientiert, Allgemeinzustand unverändert. Gibt Schmerzen im Bereich des rechten AuĂźenknöchels mit 6/10 in Ruhe an. Bestehenden Verband lt. Anordnung entfernt. Bekannter Ulcus cruris arteriosum am rechten AuĂźenknöchel ca. 2,5 Ă— 1,8 cm. Wundrand klar begrenzt. Geringe seröse Exsudation, kein auffälliger Wundgeruch. Wundumgebung blass und kĂĽhl, keine Schwellung. Im Wundgrund neu aufgetretenes schwarz-braunes, fest haftendes nekrotisches Areal festgestellt. Veränderung gegenĂĽber dem zuletzt dokumentierten Wundzustand – Fotodokumentation. Kein Debridement und keine Manipulation der Nekrose durchgefĂĽhrt. Wundveränderung um 08:30 Uhr telefonisch an zuständige DGKP weitergeleitet. Weitere fachliche Wundbeurteilung und Abklärung einer komplexen Wundversorgung bzw. eines erforderlichen Debridements veranlasst. Bis zur weiteren Versorgung Wunde ohne Manipulation der Nekrose gemäß bestehender schriftlicher Anordnung steril geschĂĽtzt und mit einfachem Verband abgedeckt. Keine Kompression durchgefĂĽhrt. Patienten ĂĽber die Weiterleitung und das weitere Vorgehen informiert. Verband bei Abschluss sauber und trocken. Patient verbleibt in stabilem Allgemeinzustand.
Fachgerechte Wundversorgung eines Ulcus cruris
- Anordnung und Wundversorgungsplan prĂĽfen
- PatientIn informieren
- Vorbereitung PatientIn / Umfeld / Material
- bequem positionieren
- Wunde gut zugänglich lagern
- bei bekannten Schmerzen angeordnete Schmerztherapie vor dem Verbandswechsel
- Fenster und TĂĽren schlieĂźen
- Personen aus dem Arbeitsbereich bitten
- sterile Wundauflage
- sterile Tupfer
- sterile Pinzette
- Einmalhandschuhe
- NaCl- oder Ringerlösung
- Fixiermaterial
- Verbandmaterial
- Abwurfbehälter
- Hygienische Händedesinfektion
- Handschuhe anziehen
- alten Verband entfernen
- alten Verband beurteilen
- Menge des Exsudats
- Farbe bzw. Art des Sekrets
- Blutbeimengungen
- auffälliger Geruch
- benutzten Verband unmittelbar entsorgen; reines und unreines Material dĂĽrfen nicht vermischt werden
- Handschuhe ausziehen, abwerfen
- Hände erneut desinfizieren
- neue Handschuhe anziehen
- ggf. Fotodokumentation
- Handschuhe abstreifen, abwerfen
- Hände erneut desinfizieren
- neue Handschuhe anziehen
- Wunde nach dem Prinzip der Non-Touch-Technik versorgen
- Wunde nach Anordnung reinigen, z. B. mit steriler NaCl- oder Ringerlösung. Antiseptika werden nur nach entsprechender Anordnung eingesetzt (z.B. bei lokaler Wundinfektion)
- Wunde beobachten (GREIS-Schema)
- Wundgrund: Größe, Tiefe, Farbe, Beläge, Granulationsgewebe, Blutungen
- Wundrand: z. B. unauffällig, scharf oder unscharf begrenzt, mazeriert
- Exsudat: Menge, Farbe, Beschaffenheit, Geruch
- Inflammation: Rubor, Tumor, Calor, Functio laesa, Dolor
- subjektive Symptome: Schmerzen nach Schmerzskala, Juckreiz, SpannungsgefĂĽhl
- Kompetenzgrenze beachten
- Findet die PA beispielsweise Nekrosen, stärkere Fibrinbeläge oder andere Veränderungen, die eine komplexere Wundbehandlung erfordern, führt sie kein Debridement durch. Das Entfernen nekrotischen Gewebes, von Fremdkörpern oder Biofilm ist nicht als Aufgabe der einfachen Wundversorgung der Pflegeassistenz vorgesehen.
- Die Veränderung wird an die zuständige DGKP bzw. entsprechend der organisatorischen Vorgabe weitergeleitet.
- Wundrand bzw. Wundumgebung versorgen
- falls angeordnet, Wundrandschutz bzw. Hautschutz anwenden
- neue Wundauflage auflegen (Non-Touch-Technik!)
- Verband fixieren
- Der Verband wird so fixiert, dass er sicher hält, aber nicht einschnürt. Ein zu straffer Verband kann den Blutfluss beeinträchtigen und Schmerzen bzw. zusätzliche Gewebeschäden verursachen.
- Hautpflege durchfĂĽhren
- Falls vorgesehen, umliegende Hautareale pflegen.
- Handschuhe entsorgen, verwerfen
- hygienische Händedesinfektion
- beim Ulcus cruris sollte zusätzlich auf Veränderungen der Durchblutungssituation und auf den Pulsstatus geachtet werden
- Dokumentieren
BIOLOGISCHE GRUNDLAGEN DER WUNDHEILUNG
Die 3 Phasen der Wundheilung
Damit sich zerstörtes Körpergewebe überhaupt wieder regenerieren kann, beginnt schon wenige Minuten nach der Verletzung ein komplexer Wundheilungsprozess:
1. Exsudationsphase (= Reinigungsphase, erste Stunden)
2. Proliferationsphase (= Granulationsphase, 3. – 10. Tag)
3. Epithelisierungsphase (= Regenerationsphase, 7. Tag bis Monate)
🪢 🧩💡Erinnerungsknoten: Welche Blutzellen sind an der Wundheilung beteiligt und welche Aufgaben übernehmen sie dabei?💡🧩 🪢
📸 Foto: Exsudationsphase, draco.de 📸
📸 Foto: Proliferationsphase, draco.de 📸
📸 Foto: Epithelisierungsphase, convatec.com 📸
Exsudationsphase (Reinigungsphase)
• die initiale Blutung leitet die Heilung ein = Voraussetzung für die Wundreinigung und die Steigerung des Zellwachstums
• Thrombozyten heften sich an verletzte Blutgefäße und bilden einen Pfropf zur Blutstillung (primäre Hämostase)
• Blutgerinnung setzt ein (Gerinnungskaskade): ein Fibrinnetz stabilisiert das Gerinnsel (sekundäre Hämostase)
• es entsteht ein Blutgerinnsel, das die Blutung stoppt und die Wunde vorläufig verschließt (das ist dasselbe wie ein Thrombus in einem Gefäß)
• Entzündungsreaktion: Wundödem/Schwellung (Flüssigkeitsansammlung) zur Wundreinigung
• Makrophagen (Fresszellen): Auflösung von Gewebetrümmern + Mikroorganismen (Infektabwehr)
• Wundexsudat schwemmt feste Partikel, Fremdkörper und Keime aus der Wunde
🪢 đź§©đź’ˇErinnerungsknoten: Anatomie – Das Blut: Was ist Fibrinogen?💡🧩 🪢
Proliferationsphase/Granulationsphase
• Bildung von Granulationsgewebe (rötlich, glänzend, kollagenreich)
• Herstellung von Bindegewebe (Kollagenbildung)
• Neubildung von Gefäßen
• Wundödem/Schwellung geht zurück
Das, was in der Exsudationsphase das Fibrinogen, ist in der Granulationsphase das Kollagen. Beide Proteine erfüllen genau dieselbe Kernaufgabe – die Sicherung der strukturellen Stabilität.
Epithelisierungsphase (Regenerationsphase)
• Haut (Epithelzellen) wächst von den Wundrändern her ĂĽber den Wundgrund – Epithelisierung (Neubildung von Haut)
• Wundkontraktion – Wunde zieht sich zusammen (eine sauber granulierende Wunde verkleinert sich im Durchmesser täglich um rund 1 – 2 mm)
• Narbe
🪢 🧩💡Erinnerungsknoten: Diätetik: Woraus besteht Kollagen, und wie kann man Menschen mit Wunden durch geeignete Nahrungsmittel bei der Kollagenbildung unterstützen?💡🧩 🪢
Beeinflussung der Wundheilung
Systemische Faktoren: hohes Lebensalter, Begleiterkrankungen (z. B. Diabetes mellitus), Vitaminmangel, Ernährungszustand (Adipositas, Kachexie), Medikamente (z. B. Cortison)
Lokale Faktoren: Hämatome, Infektionen, Wundrandnekrosen
Wunde: Beobachtungskriterien
- Ausscheidung / Wundsekret (deutet auf eine Infektion hin)
• klar (serös)
• blutig (hämorrhagisch)
• eitrig (purulent) - Wundbeläge
• gelblich (fibrinös)
• schwarz (nekrotisch) - Geruch
• fauliger Geruch weist häufig auf eine bakterielle Infektion oder Gewebezerfall
Pathologisch-anatomische Veränderungen von Wunden
• exsudativ: Bildung von Wundsekret
• fibrinös: Ablagerung von Belägen
• purulent: Bildung von Eiter
• hämorrhagisch: blutige Erscheinung
• nekrotisierend: ulceröse Gewebeschäden
• gangräneszierend: verjauchend, stinkende Gewebeveränderungen
Wundbeurteilung
Wundgrund
Der Wundgrund ist der vom Wundrand umgebene Gewebedefekt. Er kann von Wundbelägen bedeckt sein.[3] Die Begriffe „Wundgrund“ und „Wundfläche“ werden oft synonym verwendet.
Wundrand
Der Wundrand ist die Grenze zwischen Wundfläche und Wundumgebung.[3] Ein gesunder Wundrand ist leicht rosig und zeigt beginnende Neubildung von Haut.
z.B. scharf begrenzt, regelmäßig
Wundexsudat
Alle FlĂĽssigkeiten, die von einer Wunde freigesetzt werden (Lymphe, Blut, Proteine, Keime, Zellen, Zellreste).[3]
Wundumgebung
Das Hautareal, das die Wunde umgibt.[3]
z.B. unauffällig, Bläschen, Erythem
Wundbelag
Bedeckt den Wundgrund. Besteht aus abgestorbenem Gewebe und/oder körpereigenen Substanzen und ggf. Biofilm.[3]
Farbe und Geruch Wundbelag:
• weißlich, schwach gelb, neutral (Fibringerüste, Leukozyten, keine Infektion vorhanden)
• gelblich braun mit orange (Infektion)
• bläulich grün, süßlich (Infektion)
• schwarz, faulig (Gangrän)
Mögliche Folgen einer Wunde
- Keime können in tiefere Hautschichten eindringen
- Infektion
- im schlimmsten Fall kann die Infektion lebensbedrohlich werden
- Schmerzen
- Mobilitätsminderung
- Aktivitätsminderung
- Schonhaltung
- eingeschränkte Lebensqualität
WUNDHEILUNG: RISIKEN
Gefahr einer Wundinfektion: Erkennungsmerkmale
Eine Wundinfektion ist immer eine iatrogene Infektion.
Mangelnde Hygiene
Ein Wundinfektion entsteht häufig durch mangelnde Beachtung hygienischer Grundsätze. Wird unsteril gearbeitet, besteht eine erhöhte Gefahr der Keimverschleppung. Auch das Nichttragen von Schutzkleidung wie Einmalhandschuhen oder Einmalschürzen begünstigt eine Kontamination der Wunde. Eine weitere Ursache ist die Vernachlässigung der Händedesinfektion.
In der häuslichen Pflege kann eine mangelnde Körperhygiene das Risiko einer Infektion weiter verstärken.
Nekrosen und Fibrinbeläge
Nekrosen oder Fibrinbeläge stellen einen idealen Nährboden für Bakterien dar. Auf der Wundoberfläche begünstigen sie daher eine Infektion.
Mazeration
Mazeration ist ein Zeichen für unzureichendes Exsudatmanagement. Kommt es zu einer Mazeration der Haut durch zu viel Feuchtigkeit, erhöht dies das Risiko einer Keimansiedelung.
Lokalisation der Wunde
Ein Dekubitus in der Sakralregion oder Bauchwunden in direkter Nähe zu Stomaanlagen sind besonders infektionsgefährdet, da sie in hygienisch schwierigen Körperregionen liegen und mit Sekreten in Kontakt kommen können.
Ein Keimnachweis durch einen Wundabstrich bestätigt den Verdacht auf eine Infektion und dient als Grundlage für die gezielte Auswahl eines geeigneten antiseptischen oder antibiotischen Behandlungsverfahrens.
Wundabstrich
Ein Wundabstrich ist eine mikrobiologische Probenentnahme aus Wunden, die mittels Bakterienkulturen auf Krankheitserreger untersucht werden. Er wird bei Verdacht einer Wundinfektion abgenommen. Liefert Ergebnisse zu Art und Menge der Erreger sowie deren Resistenzen.
Essener Wundkreisel
- reinigen (mit Natriumchloridlösung, von innen nach auĂźen) – NICHT DESINFIZIEREN!
- kreisende Bewegungen von außen nach innen (innerhalb der Wundfläche) mit Stäbchen
- nicht am Wundrand ankommen!
Levine Technik
Der Abstrich wird aus einem ca. 1cm2 groĂźen Areal aus einem klinisch infiziert erscheinenden Areal der Wunde entnommen.
Um herauszufinden, welches Antibiotikum gegen die Erreger am besten wirkt, wird ein Antibiogramm erstellt.
VERBANDSWECHSEL: INSTRUMENTE, MATERIALIEN UND AUSSTATTUNG
Hygiene am Verbandswagen
- Ausstattung: Händedesinfektionsmittelspender, Handschuhspender, geschlossene Fächer, Laden für Sterilgut, Schleimhautdesinfektionsmittel, Abwurfbehälter für Instrumente, Abfallsack
- glatte, wischdesinfizierbare Oberflächen
- ausreichend Arbeitsfläche
- Lade: Sterilgut, NaCl, Ringerlösung, Scheren, Pinzetten, ausreichend Verbandmaterial, Tupfer, Gaze, Einmal-Sets
- Die VW-Materialien sind auf einem Tablett zurechtstellen
- Die Verbindende darf während des VW nicht auf den Verbandswagen greifen
- mit Verbandswagen nicht ins Zimmer fahren
Sterilgut
Anforderungen an die Verpackung und Entnahme:
🪢 🧩💡Erinnerungsknoten: Sterilgut, Hygiene💡🧩 🪢
DER EINFACHE VERBANDSWECHSEL IN DER PFLEGERISCHEN PRAXIS
Verbände: Unterscheidung nach Funktion
Wundverband:
Aufsaugen von Wundsekreten und Schutz vor UmwelteinflĂĽssen
Druckverband:
Blutstillung
StĂĽtzverband:
Ruhigstellung verletzter Körperteile
Funktioneller Verband:
Schutz, Entlastung geschädigter oder gestörter Abschnitte des Bewegungsapparates
Ziel des Verbandswechsels
• Wundkontrolle
• Wundbeurteilung und Therapieanpassung
• Verhinderung der Einschleppung von Keimen und Bakterien (nosokomiale Keime)
• Bekämpfung einer bereits bestehenden oder beginnenden Infektion
Wundreinigung
erfolgt in den Phasen der:
• Regeneration
• Reparation
Die Wundreinigung wird mit Natriumchloridlösung durchgeführt. Antiseptikum wird zur Wundreinigung NUR NACH ÄRZTLICHER ANWEISUNG verwendet.
Mehrere Wunden versorgen: Die richtige Reihenfolge
1. aseptisch
2. kontaminiert
3. infiziert Wunden
Die klare Trennung zwischen unterschiedlichen Wundarten ist sowohl beim selben Patienten als auch beim Wechsel zwischen den Patienten zu achten.
Bei der Versorgung mehrerer Wunden ist die richtige Reihenfolge deshalb von groĂźer Bedeutung, da dadurch eine Keimverschleppung vermieden werden kann. Es gilt die Reihenfolge: zuerst aseptisch, danach kontaminiert, zuletzt infiziert.
Diese Reihenfolge ist deshalb wichtig, da bei aseptischen Wunden kein Keimeintrag erfolgen darf. Würde man zuerst eine infizierte oder kontaminierte Wunde versorgen, könnten Bakterien über Hände, Instrumente oder Verbandsmaterialien in die aseptische Wunde übertragen werden. Das Risiko einer sekundären Infektion wäre dadurch erhöht.
Nach jeder Wundversorgung müssen die Hände nach dem allgemein gültigen Hygienestandard desinfiziert werden, ebenso wie alle verwendeten Instrumente und Flächen (Vermeidung von Kreuzkontamination). Sterile Materialien und Einmalinstrumente (dazu gehört z.B. auch die Verbandschere) müssen verworfen werden. Ein frisches Paar Handschuhe ist für jeden Patienten obligatorisch.
Vorbereitung
Infektionsschutz (Eigen- und Fremdschutz):
• Händedesinfektion
• Haarschutz und Mundschutz bei großflächigen Wunden tragen
• Schutzkleidung
• Einmalhandschuhe (idR sind unsterile Handschuhe ausreichend)
Raum und Umfeld:
• Fenster und Türen schließen
• Besucher aus dem Zimmer bitten
• es werden keine sonstigen Tätigkeiten durchgeführt
Patientenbezogen:
• Information
• Bett auf Arbeitshöhe
• positionieren
• Schmerztherapie 20 Minuten vorher
Material:
• Verbandsmaterial und Einmalmaterial (inkl. Pinzette) steril
• Pinzette steril (Non-Touch-Technik)
• Handschuhe
Anlegen des Verbandes: Darauf ist zu achten
Beim Anlegen eines Verbandes muss darauf geachtet werden, dass er zwar straff genug sitzt, um die Wunde zu schützen, aber nicht zu fest, um Kontraktionen (Einschnürung) zu vermeiden. Ein zu fester Verband verhindert den Blutfluss und führt zu Schwellungen und Schmerzen. Bei längerem Bestehen führt dies durch die Minderdurchblutung zu Schädigungen des umliegenden Gewebes.
Non-Touch-Technik
Die Non-Touch-Technik bezeichnet eine Vorgehensweise in der Wundversorgung, bei der die direkte BerĂĽhrung mit der Wunde oder dem Wundbereich vermieden wird (sterile Arbeitsweise), um eine Keimverschleppung (Infektion) zu verhindern.
Verbandswechsel durchfĂĽhren: Reihenfolge
- Hände desinfizieren
- Handschuhe anziehen (unsteril ist ausreichend)
- alten Verband entfernen
- Inspektion des alten Verbandes (Art und Menge des Exsudats, Blutmenge, Geruch) – rein und unrein darf nicht vermischt werden (Ablage)
- Handschuhe verwerfen
- Händedesinfektion
- neue Handschuhe anziehen (unsteril ist ausreichend)
- Wundreinigung laut ärztlicher Anweisung (Non-Touch-Technik)
- Gereinigte Wunde inspizieren, Wundränder versorgen, eventuell Wundrandschutz
- Fixierung des Verbandes
- Hautpflege der umliegenden Hautareale
- Handschuhe verwerfen
- Händedesinfektion
- Wunddokumentation
Wunde reinigen
Wie:
Wunddebridement – das Entfernen von Schmutzpartikeln, Fremdkörpern, nekrotischem Gewebe oder Biofilm ist nicht Aufgabe der Pflegeassistenz (“einfache Wundversorgung in stabilen Pflegesituationen”)
Wundantiseptika – evtl. in Verbindung mit systemischen Antibiotika (keine lokale AB-Therapie), nur auf ärztliche Anordnung
Die Wundreinigung erfolgt mit dem Ziel, mögliche Schadstoffe (z.B. Verunreinigungen, Noxen, Toxine, Mikroorganismen) aus der Wunde zu entfernen.
Womit:
mit steriler Natriumchloridlösung oder Ringerlösung, ggf. Schleimhautdesinfektionsmittel wie Octenidin oder Jod – nach ärztlicher Anweisung.
Wunde reinigen immer von innen nach auĂźen!
Keine Kombination unterschiedlicher Antiseptika! Kann zur Bildung toxischer Abbauprodukte, Wirkungsabschwächung oder Wirkungsverstärkung führen. ℹ️ Mehr Infos zum Thema (Kommentarliteratur): Octenisept und Jod ist dem Profi sein Tod! ℹ️
Wunddesinfektion: Wischrichtung beim Verbandswechsel
Veraltet: Wischrichtung bei aseptischen Wunden von innen nach auĂźen, bei septischen Wunden von auĂźen nach innen.
z.B. Hygienerichtlinien MedUni Wien.
moderne Sichtweise: Wischrichtung beim Reinigen und Desinfizieren ist immer von innen nach auĂźen. Pro Wischgang wird ein neuer steriler Tupfer verwendet. MaĂźgeblich sind immer die hausinternen SOPs (Standard Operating Procedures). z.B. Wundzentrum Hamburg: „Jede Wunde ist aseptisch zu behandeln“.
Vergleiche:
Wischrichtung Wundabstrich: von auĂźen nach innen (Essener Wundkreisel)
Wischrichtung Wunddesinfektion: von innen nach auĂźen
Dokumentation der Wundversorgung
Wundbeschreibung nach GREIS:
G – Wundgrund
R – Wundrand (grenzt an die Wundumgebung)
E – Exsudat
I – Inflammation
S – Subjektive Symptomatik
G – Wundgrund
Zustand der Wundfläche: Größe, Tiefe, Wundheilungsphase, Infektionszeichen, Blutungen, Beläge, Farbe, Beschaffenheit des Gewebes. siehe Wundbeurteilung
R – Wundrand
= Ăśbergang zwischen Wundgrund und gesunder Haut. siehe Wundbeurteilung
E – Wundexsudat
Art, Menge, Farbe und Geruch des Wundsekrets. Dokumentation der Austrittsstelle von Drainagen und Exsudat. siehe Wundbeurteilung
I – Wundumgebung / Inflammation
Dokumentation der Wundumgebung bzgl. Infektionszeichen, Nekrosen, Mazeration, Hämatome, allergische Hautreaktionen und Hautdefekte.siehe Wundbeurteilung
S – Subjektive Symptomatik
Schmerzen (Art, Intensität, Zeitpunkt), Juckreiz, Spannungsgefühl, psychische Belastung, etc.
AUĂźERDEM:
• Veränderungen melden (Vorbeugung schwerwiegender Komplikationen)
• Pulsstatus (gibt Hinweise auf die Durchblutungssituation)
• Fotodokumentation (nachvollziehbare und objektive Verlaufsbeurteilung)
• Schmerzdokumentation (um ggf. die Schmerztherapie anzupassen)
Drainage
Definition:
Ein Schlauch- oder Saug-System, das Wundsekret, Blut, Eiter oder Luft nach einer Operation oder bei einer EntzĂĽndung ableitet (z. B. Wunddrainage, Thoraxdrainage).
Therapeutische Intervention
Allgemeine Definition:
Therapeutische Interventionen sind geplante Maßnahmen zur Wiederherstellung der Selbstständigkeit, die über die bloße Kompensation von Defiziten hinausgehen.
Definition im Rahmen des Wundmanagements:
Im Rahmen des Wundmanagements spricht man von einer therapeutischen Intervention, wenn es sich um
• pharmakologische
• chirurgische oder
• supportive Maßnahmen
handelt, welche
• die Förderung des Wundverschlusses
• die Abheilung der chronischen Wunde
• den Erhalt der Lebensqualität oder
• die Verbesserung der Lebensqualität
zum Ziel haben.
FACHWĂ–RTER, DIE DIE PFLEGEASSISTENZ KENNEN SOLLTE
fett = besonders wichtig
| Begriff | Beschreibung |
|---|---|
| aseptisch | keimfrei oder ohne Krankheitserreger |
| septisch | durch Krankheitserreger verunreinigt oder infiziert |
Quellen:
[1] § 83 Abs. 4 Z 6 GuKG, „Tätigkeitsbereich der Pflegeassistenz“, RIS
[2] Protz, K. und Timm, J.H. (2022), S12: Moderne Wundversorgung. 10. Auflage. MĂĽnchen: Elsevier. VerfĂĽgbar unter: https://shop.elsevier.de/media/s3/Germany/extrait/9783437278877_protz_wunden_.pdf (Zugriff am: 6. Mai 2026).
[3] vgl. Diagnostik und Therapie chronischer Wunden, S. 7, Initiative Chronische Wunden, medizinische Fachgemeinschaft, Deutschland
[4] Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz (2024): Konsensuspapier zur Prävention, Diagnostik, Behandlung und Nachbetreuung von Sepsis. Wien. Verfügbar unter: https://www.sozialministerium.at/dam/jcr%3Aa926033b-8ebb-43bf-a233-c25dc945c684/Konsensuspapier_Sepsis_BMSGPK_2024.pdf (Zugriff: 21.08.2026);
[5] Bundesministerium fĂĽr Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz, Ă–ffentliches Gesundheitsportal Ă–sterreichs (2026): Sepsis. Letzte Aktualisierung: 13. April 2026. VerfĂĽgbar unter: https://www.gesundheit.gv.at/krankheiten/immunsystem/sepsis-blutvergiftung.html (Zugriff: 21.08.2026);
[6] Bundesministerium fĂĽr Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz, Ă–ffentliches Gesundheitsportal Ă–sterreichs (2022): Ulcus cruris. Letzte Aktualisierung: 26. August 2022. ExpertenprĂĽfung: MR a.o. Univ.-Prof. Dr. Erich Minar, Facharzt fĂĽr Innere Medizin, Zusatzfach Angiologie. VerfĂĽgbar unter: https://www.gesundheit.gv.at/krankheiten/haut-haare-naegel/ulcus-cruris.html (Zugriff: 30.08.2026);
[7] Medizinische Universität Wien, Universitätsklinik für Dermatologie, Wiener Medizinische Wochenschrift, Böhler, K. (2016): Das venöse Ulcus cruris. https://link.springer.com/article/10.1007/s10354-016-0487-5 (Zugriff: 31.08.2026);
[8] Gesundheit Ă–sterreich GmbH (GĂ–G) (o. J.): Curricula Pflegefachassistenz und Pflegeassistenz. https://goeg.at/Curricula_Pflegefachassistenz_Pflegeassistenz (Zugriff: 31.08.2026);
[9] Gesundheit Österreich GmbH (GÖG), Pfabigan, D. & Rottenhofer, I. (2017): Inhalte der Ausbildung für Pflegeassistenzberufe. Inhaltliche Konkretisierung der Themenfelder gemäß Pflegeassistenzberufe-Ausbildungsverordnung. 3. Version. Im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit und Frauen. Wien. https://jasmin.goeg.at/id/eprint/49/1/Inhalte%20der%20Ausbildung%20f%C3%BCr%20Pflegeassistenzberufe_3.pdf(Zugriff: 31.08.2026);
[10] Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz (BMASGPK) (2026): Qualitätsstandard Integrierte Versorgung Chronische Wunden. Wien. https://jasmin.goeg.at/id/eprint/5524/1/QS_IV_Chronische_Wunden_bf.pdf (Zugriff: 31.08.2026);
[11] Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V. (AWMF), Deutsche Gesellschaft für Angiologie – Gesellschaft für Gefäßmedizin e. V. (DGA) (2024): S3-Leitlinie zur Diagnostik, Therapie und Nachsorge der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit. Version 4.3, https://register.awmf.org/assets/guidelines/065-003l_S3_Diagnostik-Therapie-Nachsorge-periphere-arterielle-Verschlusskrankheit_2024-11_2.pdf (Zugriff: 31.08.2026);
[12] World Health Organization (WHO), Macdonald, J. M. & Geyer, M. J. (2010): Wound and lymphoedema management. Geneva. WHO Reference Number: WHO/HTM/NTD/GBUI/2010.1. ISBN 978-92-4-159913-9. https://iris.who.int/server/api/core/bitstreams/e7c73ddf-0925-4cdd-b784-ce8202c70b15/content (Zugriff: 31.08.2026);
[13] European Society of Cardiology (ESC), E-Journal of Cardiology Practice (2021): Peripheral arterial disease – indications for intervention: from open surgery to endovascular and hybrid repair. https://www.escardio.org/communities/councils/cardiology-practice/scientific-documents-and-publications/ejournal/volume-20/peripheral-arterial-disease-indications-for-intervention-from-open-surgery-to-endovascular-and-hybrid-repair/ (Zugriff: 31.08.2026);
[14] Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V. (AWMF), Deutsche Gesellschaft fĂĽr Phlebologie und Lymphologie e. V. (DGPL) (2024): S2k-Leitlinie Diagnostik und Therapie des Ulcus cruris venosum. Version 4.1, AWMF-Registernummer 037-009, https://register.awmf.org/assets/guidelines/037-009l_S2k_Diagnostik-Therapie-Ulcus-cruris-venosum__2024-01_1.pdf (Zugriff: 31.08.2026);
[15] Elsevier, Urban & Fischer. Protz, K. und Timm, J. H. (2016): Moderne Wundversorgung. Praxiswissen, Standards und Dokumentation. 8. Auflage. MĂĽnchen: ISBN 978-3-437-173028;
Literaturempfehlungen:
Initiative chronische Wunden – Anerkennungs- und Zertifizierungsstelle fĂĽr Bildungsträger
Diagnostik und Therapie chronischer Wunden – Standards der ICW, 01/2026
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