Aufbereiteter Lehrinhalt, Unterrichtsfach: Behindertenarbeit
13.03.2026
Der aufbereitete Lehrinhalt erklärt die Grundlagen des pädagogischen Ansatzes, zeigt seine Methoden der strukturierten Förderung und verdeutlicht anhand eines praktischen Beispiels, wie Struktur, visuelle Orientierung und klare Arbeitsabläufe Selbstständigkeit im Alltag unterstützen können.
Das muss die FSB-BA/BB ĂĽber das TEACCH-Konzept wissen:
➤ Definition des Begriffes TEACCH inkl. kurze Beschreibung der Prinzipien
➤ Ziele und Zielgruppe des Konzeptes
➤ Bereiche, bei denen TEACCH unterstützen kann
➤ Bedeutung des Prinzips der Miteinbeziehung der Familien
➤ Warum visuelle Unterstützung bei Menschen im Autismusspektrum wichtig ist
➤ praktische Beispiele
TEACCH-Konzept: Definition
Das TEACCH-Konzept ist ein pädagogischer Ansatz zur Unterstützung von Menschen mit Autismus. Die Elemente von TEACCH sind:
1. Strukturierung
2. visuelle Orientierung
3. individuelle Anpassung
4. Miteinbeziehung der Eltern, Familie, direkten Umgebung
Ziel: Orientierung bieten um selbständiges Handeln zu fördern
TEACCH – Treatment and Education of Autistic and related Communication-handicapped CHildren
Zentrale Merkmale des TEACCH-Konzepts
• Strukturierung:
– von Raum (klare Funktionsbereiche)
– von Zeit (Tages- und Ablaufpläne, Arbeitsabläufe, Aufgaben mit erkennbarem Anfang und Ende)
• Visuelle Orientierung:
– Symbole
– Bilder
– Pläne / Planer
– Schritt-fĂĽr-Schritt-Anweisungen
• Individuelle Anpassung
– an Fähigkeiten
– an BedĂĽrfnisse
• Einbeziehung der Familie
– Beratung
– Training
– Schulungen
– gemeinsames Umsetzen der Förderziele in allen Lebenswelten (zu Hause, Lebenswelt Arbeit, Lebenswelt Schule, Lebenswelt Wohnen)
Das Konzept wird heute weltweit in pädagogischen, therapeutischen und sozialpädagogischen Einrichtungen eingesetzt, nicht nur in der Arbeit mit Menschen im Autismus-Spektrum. Es wird teilweise auch angewendet bei Menschen mit:
- kognitiven Beeinträchtigungen
- genetischen Störungen (z.B. Down Syndrom)
- Kommunikationsbeeinträchtigung
- psychiatrischen Erkrankungen
- Lernschwierigkeiten
- Aufmerksamkeits- und Konzentrationsproblemen
Pädagogische Förderdiagnostik
In der Praxis der Behindertenarbeit, Pädagogik und Sozialpsychiatrie wird TEACCH oft konzeptübergreifend genutzt, wenn strukturierende und visuelle Hilfen die Selbstständigkeit und Orientierung im Alltag fördern können. Bevor mit TEACCH gearbeitet werden kann, ist die Erhebung des Ist-Zustands durch eine pädagogische Förderdiagnostik unerlässlich. Basierend auf dieser Diagnostik wird ein individueller TEACCH-Förderplan erstellt.
🔗 Externer Link: Beispiel einer TEACCH-Förderdiagnostik 🔗
Einbeziehung der Familie
Bei TEACCH wird die unmittelbare Umgebung (Eltern, Familie, …) in den Prozess miteingeschlossen. Durch Beratung, Training und Schulungen sollen sie befähigt werden, die gemeinsam bestimmten TEACCH-Förderziele auch in anderen Lebensfeldern (zu Hause, Lebenswelt Arbeit, Lebenswelt Schule, Lebenswelt Wohnen) umsetzen zu können. Auf diese Weise wird die Handlungskompetenz in allen Bereichen gleichermaĂźen gefördert. Die besten Ergebnisse kann man erwarten, wenn das gesamte Umfeld mit am Boot ist.
Visuelle Strukturierung
Die visuelle Strukturierung hilft, Zusammenhänge von Arbeitsaufgaben und Abläufen zu durchschauen und das eigene Verhalten anzupassen. Auf diese Weise wird die Autonomie des Betroffenen gefördert.
Bereiche, bei denen TEACCH unterstĂĽtzen kann
- Alltagsbewältigung, Selbständigkeit
- Kommunikation, Sprache (UK)
- Sozialkompetenz
- Lern- und Arbeitsverhalten
- Kognitive Entwicklung
- sozial-emotionale Entwicklung
- motorische Entwicklung
- Raum- und Zeitorientierung
- Wahrnehmung (z.B. Körperwahrnehmung)
- Kindergarten – Schule – Arbeitswelt
- Freizeitgestaltung
Das TEACCH-Konzept kann auch dafür verwendet werden, um Ordnung und Übersichtlichkeit im Alltag der KlientInnen zu schaffen. Die Struktur hilft vielen Menschen, Reize zu reduzieren, Orientierung zu finden und selbstständiger zu arbeiten. Deshalb wird TEACCH in der Praxis oft auch genutzt, um Ordnung und klare Strukturen in Gruppenräumen, Werkstätten oder Wohnungen zu schaffen.
Praktisches Beispiel fĂĽr das TEACCH-Konzept
Eine Person arbeitet in einer Tagesstätte an einem Sortierarbeitsplatz.
Der Arbeitsplatz ist klar strukturiert:
Links steht eine Box mit bunten Knöpfen, in der Mitte befindet sich die Arbeitsfläche, rechts stehen fünf leere Boxen.
Über dem Arbeitsplatz hängt eine visuelle Anleitung mit Bildern:
- Knöpfe aus der Box links nehmen
- Knöpfe nach Farben sortieren
- In die passende Box legen – Farbe der Box = Farbe des Knopfs
- Wenn alles sortiert ist, die sortierte Box in den Kasten an den dafĂĽr vorgesehenen und visuell markierten Platz stellen
Die Person sieht dadurch sofort:
- Was zu tun ist
- Wie viel Arbeit zu erledigen ist
- Wann die Aufgabe fertig ist
Durch diese klare Struktur kann die Person selbstständig arbeiten, ohne ständig Anleitung zu brauchen.
Hintergrund und Geschichte des TEACCH-Konzepts
Das TEACCH-Konzept wurde von dem deutsch-amerikanischen Psychologen Eric Schopler entwickelt. Er begann in den 1960er-Jahren in den USA mit der Entwicklung dieses Ansatzes für die Förderung von Menschen mit Autismus. Später entstand daraus das TEACCH Autism Program, ein staatliches Unterstützungs- und Forschungsprogramm. Es ist eines der am besten evaluierten Methoden im Bereich der Förderung von Menschen mit Autismus.
Ein wichtiger Grundgedanke von Schopler war, dass nicht nur die Person sich an die Umwelt anpassen muss, sondern auch die Umwelt an die Bedürfnisse der Person angepasst werden soll. Daraus entstand die Methode der strukturierten Förderung mit klarer Raum-, Zeit- und Aufgabenstruktur.
Methodik im TEACCH-Konzept
Die wichtigsten Methoden des TEACCH-Konzepts sind räumliche Strukturierung, Zeitstrukturierung, Arbeitssysteme, strukturierte Aufgaben und visuelle Hilfen, die individuell angepasst werden, um die Selbstständigkeit zu fördern.
1. Strukturierung des Raumes
Der Raum wird klar in Funktionsbereiche gegliedert, damit erkennbar ist, wofĂĽr ein Ort gedacht ist.
Beispiele:
- Arbeitsplatz
- Ruhebereich
- Spielbereich
- Essbereich
2. Strukturierung der Zeit (Zeitpläne)
Abläufe werden mit Tages- oder Wochenplänen dargestellt, meist mit Bildern, Symbolen oder Schrift.
Beispiele:
- Tagesplan mit Symbolkarten
- Wochenplan
- Ablaufplan für einzelne Tätigkeiten
3. Arbeitssysteme
Ein Arbeitssystem zeigt einer Person klar:
- Was zu tun ist
- Wie viel zu tun ist
- Wann die Aufgabe fertig ist
- Was danach passiert
Die Aufgaben sind so vorbereitet, dass sie möglichst selbstständig erledigt werden können.
4. Strukturierte Aufgaben
Aufgaben werden ĂĽbersichtlich und visuell organisiert.
Beispiele:
- Sortieraufgaben mit klaren Fächern
- Materialien in nummerierten Boxen
- Aufgaben mit Anfang und Ende sichtbar
5. Visuelle UnterstĂĽtzung
Informationen werden sichtbar dargestellt, weil viele Menschen Informationen visuell besser verarbeiten.
Beispiele:
- Bilder
- Symbole
- Piktogramme
- Farbmarkierungen
- Schritt-fĂĽr-Schritt-Anleitungen
6. Individualisierung
Alle Strukturen werden an die Fähigkeiten und Bedürfnisse der Person angepasst.
Zum Beispiel:
- Bilder statt Schrift
- einfache statt komplexe Abläufe
TEACCH-Konzept und UnterstĂĽtzte Kommunikation
Das TEACCH-Konzept kann auch mit Unterstützter Kommunikation (UK) kombiniert werden. Der Ansatz von TEACCH arbeitet stark mit visueller Strukturierung. Genau diese visuellen Hilfen – Bilder, Symbole, Piktogramme oder Gegenstände – sind auch zentrale Elemente der Unterstützten Kommunikation. Deshalb lassen sich beide Ansätze in der Praxis sehr gut verbinden.
Beispiele fĂĽr die Verbindung von TEACCH und UnterstĂĽtzter Kommunikation:
• Tagespläne mit Symbolen oder Bildern
• Kommunikationstafeln mit Piktogrammen am Arbeitsplatz oder im Gruppenraum
• Symbolkarten für Bedürfnisse (z. B. Pause, Hilfe, trinken)
• Schritt-für-Schritt-Bildanleitungen
• Bilder, Karten oder Talker, die in strukturierte Arbeitsabläufe integriert werden
Immer dann, wenn klare Strukturen Orientierung, Sicherheit und selbstständiges Handeln fördern können, kommt das TEACCH-Konzept zum Einsatz. Es gehört zu den wichtigsten strukturierenden Ansätzen in der Arbeit mit Menschen mit Autismus und wird heute auch in vielen Bereichen der Behindertenarbeit, Pädagogik und Sozialpsychiatrie eingesetzt.
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