Zum Inhalt springen
Startseite » Einen Museumsbesuch wert: Disability History Project

Einen Museumsbesuch wert: Disability History Project

News: Die Geschichte der Menschen mit Behinderung im Haus der Geschichte

13.01.26

Mit dem „Disability History Project“ will das Haus der Geschichte Österreich (hdgö) die Geschichte von Menschen mit Behinderungen sichtbarer machen. In diesem neuen Sammlungsprojekt werden Objekte und Geschichten gesammelt, die den politischen Aktivismus und den Kampf um Selbstbestimmung von Menschen mit Behinderungen dokumentieren. Die Resonanz ist enorm: Über 400 Objekte und Dokumente sind bereits zusammengekommen, weshalb das Projekt nun bis 2027 verlängert wurde.

Ein neues Projekt im Haus der Geschichte Österreich, das auf seinesgleichen lange gewartet hat

„Über die Disability History ist in der Gesellschaft leider immer noch sehr wenig bekannt, und gerade auch im Museumsbereich wird dieser Teil der österreichischen Geschichte nicht wirklich repräsentiert“, erklärt die Kuratorin des Projekts, Vanessa Tautter[1]. Aus diesem Grund startete das Haus der Geschichte Österreich im April 2024 gemeinsam mit dem Sozialministerium das Disability History Project. Ziel des Projekts ist es, die Geschichte aus der Perspektive von Menschen mit Behinderungen stärker im kulturellen Erbe Österreichs zu verankern.

Erfahrungen und Objekte erzählen persönliche Geschichten

Die Bandbreite der bisherigen Beiträge ist groß und spiegelt die Vielfalt der Erfahrungen von Menschen mit Behinderungen wider. Von Protestplakaten und technischen Hilfsmitteln bis hin zu persönlichen Fotos und Kunstwerken – jedes Objekt in der Sammlung erzählt eine eigene Geschichte. Unter den gesammelten Stücken befinden sich etwa zeitgeschichtliche Dokumente wie ein altes Fotoalbum aus dem Jahr 1926, das Einblick in eine der ersten Selbstvertretungsgruppen von Menschen mit Behinderungen gibt . Darin sieht man Frauen und Männer in Werkstätten – die sogenannte „erste österreichische Krüppelarbeitsgemeinschaft“ (eine Selbsthilfegruppe, die sich damals selbst so nannte) kämpfte vor fast 100 Jahren für bessere Arbeitsmöglichkeiten, Wohnraum, Bildung und Unterstützung, da Menschen mit Behinderungen damals oft in Armut leben mussten. Auch jüngere Objekte spiegeln aktuelle Anliegen wider. So wurde ein gelbes Protestplakat aus den letzten Jahren in die Sammlung aufgenommen, auf dem eine Frau mit Lernschwierigkeiten das Recht auf Liebe und Beziehungen einfordert. Dieses Plakat entstand im Rahmen eines Frauenrechte-Workshops und war bei Demonstrationen zum Internationalen Frauentag im Einsatz. Gerade das Thema Recht auf Liebe, Beziehungen und Sexualität wird Menschen mit Behinderungen – vor allem Frauen – immer noch oft abgesprochen.

Beteiligung ausdrücklich erwünscht!

Das Disability History Project geht den Weg der partizipativen Museumsarbeit. Über die hdgö-Website können Interessierte Fotos und Geschichten von Objekten hochladen. Die Geschichten und Fotos der Objekte können auf die Website hochgeladen werden. Alternativ können Beiträge auch per E-Mail, Telefon oder Post an das Museum geschickt werden. Wenn jemand bereit ist, einen Gegenstand dauerhaft dem Museum zu überlassen, wird dieser Teil der österreichischen Bundessammlungen – das heißt, er steht unter Denkmalschutz und bleibt für die Zukunft erhalten. Parallel zum Einsammeln der Objekte werden Oral-History-Interviews mit jenen Personen durchgeführt, von denen die Exponate stammen. Jede neue Geschichte hilft dabei, das Bild der österreichischen Geschichte um bislang fehlende Perspektiven zu ergänzen.

„Selbst bestimmt!“ – Web-Ausstellung und Museum

Die gesammelten Objekte und Geschichten sind in einer Web-Ausstellung mit dem Titel „Selbst bestimmt!“[2] zu sehen . Diese digitale Ausstellung wächst stetig weiter, da kontinuierlich neue Beiträge hochgeladen und kuratiert werden. Künftig sollen die im Projekt gesammelten Stücke zentral in die Ausstellungen des Hauses der Geschichte einfließen. Monika Sommer, die Direktorin des hdgö, erklärte dazu, dass durch die Neuzugänge bisherige Lücken in der Darstellung der österreichischen Geschichte geschlossen werden konnten. Die Perspektiven von Menschen mit Behinderungen seien nun dauerhaft Teil des kulturellen Erbes – ein Meilenstein für die Museumslandschaft. Das Disability History Project läuft vorerst bis 2027 weiter. Bis dahin wird die Sammlung weiterwachsen und noch mehr bislang übersehene Geschichten ans Licht bringen.

Das Disability History Project bietet für viele etwas Interessantes, doch besonders profitieren können jene, die sich mit sozialer Arbeit, Bildung oder Geschichte beschäftigen. Pädagoginnen und Schülerinnen gewinnen durch die Ausstellung einen lebendigen Einblick in die historische Entwicklung der Behindertenrechte und in die Lebensrealitäten von Betroffenen – ein wertvoller Impuls für den Unterricht in Geschichte, Sozialkunde oder Ethik. Auch Sozialbetreuerinnen und Sozialarbeiterinnen erhalten neue Perspektiven: Sie können aus erster Hand erfahren, welche Barrieren Menschen mit Behinderungen überwunden haben und welche Errungenschaften der inklusiven Bewegung es gibt.

Öffnungszeiten und Besuchsinformation

Das Haus selbst ist barrierefrei zugänglich und bemüht sich um eine möglichst inklusive Gestaltung des Angebots. Informationen stehen in verschiedenen Formaten bereit, etwa in Leichter Sprache und in Gebärdensprache, damit wirklich alle Interessierten teilnehmen können. Die Web-Ausstellung[2] kann von überall online besucht werden. Für den Museumsbesuch vor Ort (Neue Hofburg, Heldenplatz in Wien) gelten die regulären Öffnungszeiten und Eintrittspreise (siehe unten). Gruppen wie Schulklassen können auf Anfrage auch Führungen oder Workshops erhalten, um das Thema vertiefend zu erschließen.

Das Haus der Geschichte Österreich kann zu den regulären Museumszeiten besucht werden. Geöffnet ist Dienstag bis Sonntag von 10:00 bis 18:00 Uhr, donnerstags sogar bis 20:00 Uhr. Montags und an Feiertagen ist das Museum geschlossen. Der Eintritt beträgt für Erwachsene 10 €, ermäßigt 7,50 €; Kinder und Jugendliche unter 19 Jahren haben freien Eintritt. Das Museum befindet sich in der Neuen Hofburg am Heldenplatz in Wien. Informationen zu Anfahrt, Barrierefreiheit und Führungsangeboten sind auf der Webseite des hdgö abrufbar. Bei Fragen können Sie das Museumsteam per E-Mail (office@hdgoe.at) oder Telefon kontaktieren.

Quellen:
[1] Objekte für neues Sammlungsprojekt gesucht, ORF, science.orf.at
[2] Web-Ausstellung „Selbst-bestimmt!“, Haus der Geschichte Österreich, hdgoe.at
[3] Öffnungszeiten, Anfahrt, Führungsangebote / Barrierefreiheit, hdgoe.at


Bild: ©pixabay @Bru-nO