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Kompetenz der Sozialbetreuung: Persönliche Zukunftsplanung

Aufbereiteter Lehrinhalt


Erstellt am: 22.10.2025
Aktualisiert am: 14.10.2026

Persönliche Zukunftsplanung in der Behindertenarbeit

Die Persönliche Zukunftsplanung (PZP) ist ein sozialpädagogisches Konzept, das Menschen mit Behinderungen dabei unterstützt, selbstbestimmt über ihre Zukunft nachzudenken, Ziele zu formulieren und Unterstützungsnetzwerke zu aktivieren. PZP ist neben der Planung auf Basis der ICF-Kodierung eine von mehreren Methoden zur Umsetzung der personenzentrierten Lebensplanung.

Personenzentrierte Lebensplanung und Persönliche Zukunftsplanung: Der Unterschied
Die personenzentrierte Lebensplanung ist ein beruflicher Auftrag an die Diplom-Sozialbetreuung mit den Schwerpunkten Behindertenarbeit (BA) und Behindertenbegleitung (BB). Sie ist in der Vereinbarung gemäß Art. 15a B-VG über Sozialbetreuungsberufe, Anlage 1, Punkt 4.1.3[14], ausdrücklich verankert. Eine festgelegte Methode zur Durchführung des Konzepts gibt es nicht. Neben der Persönlichen Zukunftsplanung kann zur Durchführung einer Personenzentrierten Lebensplanung auch mit der ICF-Klassifikation als Basis gearbeitet werden.

PZP stammt ursprünglich aus der Behindertenarbeit und dient der Förderung von Selbstbestimmung, Teilhabe und Lebensqualität. Heute wird PZP nicht nur in der Behindertenbegleitung eingesetzt, sondern auch in der Jugendarbeit, der Altenarbeit und der Psychiatrie.

Typische Fragen, die bei PZP gestellt und beantwortet werden:

1. Wer bin ich?
– Was ist mir wichtig im Leben?
– Was kann ich gut, worauf bin ich stolz?
– Was macht mir Freude, was tut mir gut?
– Was stresst mich oder tut mir nicht gut?

2. Wo stehe ich jetzt?
– Wie sieht mein Alltag im Moment aus?
– Wer sind die wichtigen Menschen in meinem Leben?
– Wo und mit wem lebe und arbeite ich?
– Was funktioniert gut, was weniger?

3. Was wünsche ich mir für die Zukunft?
– Wie möchte ich wohnen, arbeiten oder meine Freizeit gestalten?
– Welche Träume habe ich, auch wenn sie groß erscheinen?
– Was möchte ich verändern oder erreichen?

4. Was brauche ich, um dorthin zu kommen?
– Welche Unterstützung wünsche ich mir?
– Wer kann mir helfen, meine Ziele zu erreichen?
– Welche Fähigkeiten oder Hilfsmittel brauche ich?

5. Was sind die nächsten Schritte?
– Was wird als Erstes getan?
– Wer ist wofür verantwortlich?
– Wann wird überprüft, ob sich etwas verändert hat?

🎬 Video: Die Persönliche Zukunftsplanung, Tubi, youtube 🎬

Wer darf die Persönliche Zukunftsplanung anwenden?

Grundsätzlich darf jede Person, die personenzentriert arbeitet, PZP anwenden[13]. Dazu gehören zum Beispiel Fachkräfte der Sozialbetreuung oder Lehrkräfte. In der Praxis wird die PZP häufig von einer qualifizierten Moderation durchgeführt.

Die Geschichte der Persönlichen Zukunftsplanung

Das Konzept PZP wurde in den 1980er-Jahren in den USA und Kanada von US-amerikanischen und kanadischen Sozial- und Bildungswissenschaftern unter dem englischen Oberbegriff Person-Centered Planning entwickelt. Es entstehen konkrete Planungsmethoden, darunter MAPS (Making Action Plans) und später PATH (Planning Alternative Tomorrows with Hope).

Ein wichtiger Vertreter aus dem deutschsprachigen Raum ist der Sozialpädagoge Dr. Stefan Doose. Er veröffentlichte 1996 die erste Auflage von I want my dream[15]. 

2012 wird bei einer Fachtagung in Linz das deutschsprachige Netzwerk Persönliche Zukunftsplanung gegründet.

Heute ist die PZP in Deutschland als Verfahren zur Berufsplanung mit Jugendlichen mit Behinderung und bei der Erstellung der Integrierten Teilhabeplanung (ITP) empfohlen.

In Österreich ist die Persönliche Zukunftsplanung zwar (noch) kein gesetzlich geregeltes oder bundeseinheitlich standardisiertes Verfahren, wird jedoch in zahlreichen Projekten und Praxisfeldern erfolgreich angewendet.

Methoden der Persönlichen Zukunftsplanung

Es gibt eine Vielzahl unterschiedlicher Methoden, um Klientinnen dabei zu helfen, über die eigene Zukunft nachzudenken. Dabei handelt es sich nicht um einen starren Rahmen oder einen festgelegten Handlungsablauf, sondern um vielfältige Möglichkeiten, kreativ und selbst aktiv zu werden. Jede Methode verfolgt dasselbe Ziel: Es sollen klare und erreichbare Ziele für die persönliche Zukunft der Klientin entwickelt und festgelegt werden.

Methoden

  • MAPS
  • PATH
  • Mini-Methoden

Die MAPS-Methode

Die MAPS-Methode (Making Action Plan) gliedert sich in 6 Schritte:

  1. Die Geschichte
  2. Der Traum
  3. Der Albtraum
  4. Die Gaben
  5. Was es braucht
  6. Der Aktionsplan

Die Schritte bei MAPS

Begrüßung

Alle Personen aus dem Unterstützungskreis stellen sich vor. Die Einstiegsfrage für sie lautet: „Warum ist es mir wichtig, heute hier zu sein?“. Die Moderation und die Chronistin (die zeichnet, malt und schreibt) stellen sich vor. Es werden ihre Rollen erläutert, der Ablauf des Prozesses sowie die Gesprächsregeln.

Schritt 1: Die Geschichte

Der Hauptperson erzählt drei Geschichten aus ihrem Leben. Diese sollen etwas mit den aktuellen Veränderungen bzw. Veränderungswünschen zu tun haben. Zwei Geschichten sollen dabei aus der Vergangenheit kommen, eine aus der Gegenwart. In der Regel erzählt die Hauptperson die Geschichten selbst, bei kleinen Kindern erzählen Eltern oder Vertraute. Der Unterstützerkreis hört genau zu. Die Chronistin macht sich derweil Notizen und erste Skizzen, anhand derer sie jede Geschichte zusammenfasst. Bei Unklarheiten wird die Hauptperson um Unterstützung bei der Umsetzung des Bildes auf dem Plakat gebeten. Sie gibt Auskunft darüber, wie das Bild gezeichnet werden soll.

Schritt 2: Der Traum

Die Hauptperson erzählt ihren Traum.

„Was ist mein Traum? Was möchte ich wirklich im Leben?“

Die Chronistin entwickelt gemeinsam mit der Hauptperson ein passendes Bild dazu. Dabei fragt sie nach, wie Details des Traums genau aussehen oder was das Wichtigste daran ist. Bei kleinen Kindern kann neben dem Traum des Kindes (wenn er zu erkunden ist), auch der Traum der Eltern für ihr Kind im Vordergrund stehen. Sie können wie eine Fee oder ein Zauberer dargestellt werden, der/die gute Wünsche für das Kind hat.

Schritt 3: Der Albtraum

Der Albtraum soll aufzeigen, was das Schlimmste ist, was passieren könnte. Der Albtraum wird genannt, aber im Gespräch nicht weiter vertieft. Die Chronistin entwickelt gemeinsam mit der Hauptperson ein ein einfaches Bild für den Albtraum. 

Schritt 4: Die Gaben

Nun werden die Menschen aus dem Unterstützerkreis aktiv. Sie sollen über die Gaben der Person nachdenken. Die Moderation sucht gemeinsam mit ihnen Schlüsselbegriffe aus der Sammlung heraus und trägt sie in den Pfeil um den Kreis herum ein (siehe Bild). Die Chronistin erstellt dazu ein passendes Bild, das die Gaben symbolisiert und stellt es ebenfalls in den Kreis.

🔗 Arbeitsblatt: MAPS Arbeitsblatt, inklusion-als-menschenrecht.de 🔗

Schritt 5: Was braucht es?

Nun beginnt die eigentliche Arbeit. Der Unterstützerkreis geht gemeinsam mit der Hauptperson und der Moderation der Frage nach, welche Bedingungen notwendig sind, damit die Hauptperson ihre Gaben bestmöglich einbringen kann. Die Moderation fragt sie, was sie tun könnte, um ihre Gaben besser in den Vordergrund rücken zu können. Die Chronistin fängt Schlüsselbegriffe ein und malt schnelle Bilder dazu – ähnliche Begriffe werden geclustert. Bei besonders wichtigen Bedingungen fragt die Chronistin die Hauptperson nach Details für das Bild. 

Schritt 6: Der Aktionsplan

Die Moderation fragt zum Abschluss den Unterstützungskreis, was sie denken, was die notwenigen nächsten Handlungsschritte sein werden:

  • Menschen, die informiert und einbezogen werden müssen
  • Möglichkeiten, nach denen gesucht werden soll
  • Veränderungen, die ausgehandelt werden müssen

Die Chronistin notiert die Ideen. Dann werden die Menschen im Unterstützerkreis gefragt, welche zwei bis drei Aktionen jetzt ihrer Meinung nach für den Start die wichtigsten sind. Dann wird die Hauptperson gefragt, ob zu diesen Punkten konkrete Schritte geplant werden sollen. In das Plakat wird eingetragen, wer was bis wann macht.

Abschluss

Zum Abschluss kann die Hauptperson den Unterstützungskreis einladen, das MAPS–Plakat zu unterzeichnen. 

Die Moderation schließt das Treffen mit der Bitte, ein Gefühl zu dem MAPS-Treffen zu äußern.

MAPS erfordert eine erfahrene Moderation und eine erfahrene Chronistin. MAPS dauert mindestens zweieinhalb Stunden und kann, je nach Thema der Zukunftsplanung, auf bis zu einen halben Tag ausgedehnt werden.

🎬 Video: Erklärfilm Persönliche Zukunftsplanung, Netzwerk Persönliche Zukunftsplanung e.V. 🎬

Die PATH-Methode

Bei der PATH handelt es sich um eine visualisierte Darstellung des konkreten Ablaufs zur Erreichung der Ziele. Aus dem Unterstützerkreis wird eine Person (die „Agentin“) benannt, die den weiteren Prozess organisiert, die Entwicklung im Auge behält und an die betreffende Person zurückmeldet.

  • Nachdem verschiedene Ideen und Möglichkeiten gesammelt wurden, entscheidet die Klientin selbst, welche dieser Ideen sie weiterverfolgen möchte.
  • Anschließend werden konkrete Schritte vereinbart: Es wird festgelegt, was als Nächstes getan wird, wer dafür verantwortlich ist und bis wann die jeweilige Aufgabe umgesetzt sein soll.
  • Der gesamte Zukunftsplan wird in überschaubare Meilensteine gegliedert. Dabei wird Schritt für Schritt vorgegangen – so bleibt die Planung realistisch, nachvollziehbar und an den Bedürfnissen der Person orientiert.

Die PATH-Methode gliedert sich in 6 Schritte:

  1. Den Nordstern lokalisieren
  2. Die Vision
  3. Die Gegenwart
  4. Unterstützung finden
  5. Stärke entwickeln
  6. Die wichtigsten Schritte herausfinden
  7. Die im Folgemonat anfallenden Schritte herausarbeiten
  8. Sich auf die nächsten Schritte einigen

Die Schritte bei PATH

Begrüßung

Das Treffen wird von der Hauptperson oder einer vertrauten Person eröffnet. Die Menschen aus dem Unterstützungskreises werden begrüßt und der Anlass und die Zielsetzung des PATH-Prozesses erläutert. Jeder Mensch im Unterstützungskreis stellt sich vor und beantwortet die Einstiegsfrage: „Warum ist es dir wichtig, heute dabei zu sein?“ Die Moderation und die Chronistin stellen sich ebenfalls vor und erläutern ihre Rolle, den Ablauf sowie die PATH-Gesprächsregeln.

Schritt 1: Den Nordstern lokalisieren

Der Nordstern ist das Ziel der Hauptperson. Die Chronistin zeichnet gemeinsam mit der Hauptperson das Bild, das den Nordstern symbolisiert. Die Moderation bittet den Unterstützungskreis um Feedback. Voraussetzung: Hier werden noch keine Herausforderungen genannt. 

Schritt 2: Die Vision

Die Hauptperson wird gemeinsam mit ihrem Unterstützungskreis von der Moderation eingeladen, ein Zukunftsbild des angestrebten Zieles zu entwerfen: Wie sieht es aus, wenn das Ziel erreicht ist, und was konnte in den vergangenen ein bis zwei Jahren geschafft werden? Dazu unternehmen alle gemeinsam eine imaginäre Zeitreise ein bis zwei Jahre in die Zukunft. Beginnend und endend bei der Hauptperson beschreiben alle im Präsens, welche positiven Veränderungen dank des Engagements der Hauptperson und ihres Unterstützungskreises eingetreten sind, was die gegenwärtige (fiktional vergangene) Situation so zufriedenstellend macht und welche zentralen Schritte und Erfolgsfaktoren dazu geführt haben.

Die Chronistin schreibt, malt und clustert zusammengehörige Schlüsselbegriffe und Bilder in den großen Kreis auf dem Plakat, der Platz in der Mitte bleibt frei. Danach bittet die Moderation die Hauptperson, zu sagen, welche Möglichkeiten ihr am wichtigsten sind. Die Chronistin und die Hauptperson arbeiten dann ein paar Minuten daran, ein passendes Bild zu erschaffen, welches den Kern der positiven Veränderungen widerspiegelt. Dieses wird in der Mitte des Kreises platziert. 

Schritt 3: Die Gegenwart

Die Chronistin überschreibt die erste Spalte mit „Jetzt“ und dem Datum des Tages. Die Moderation fasst die Vision der gewünschten Zukunft kurz zusammen und fragt dann nach den Details, die die Gegenwart ausmachen. Die Hauptperson beginnt, der Unterstützerkreis hilft mit. Hier sollen wichtige Fakten gesammelt werden. Die Chronistin malt jetzt keine Bilder mehr, sondern listet einfach Punkte auf. Am Ende wird die Hauptperson gefragt, ob es ein Bild für ihren jetzigen Zustand gibt, das sie vor ihrem inneren Auge sieht.

Schritt 4: Unterstützung finden

Nachdem die Hauptperson entschieden hat, ob sie den Plan verfolgen will wird der Unterstützerkreis von der Moderation eingeladen, sich auf dem Plakat einzutragen, wenn sie an der Verwirklichung des Zukunftsplanes mitwirken wollen. Es können auch nicht anwesende Personen identifiziert und aufgeschrieben werden, die zusätzlich eingeladen werden sollten, um an diesem Prozess mitzuwirken. Ihre Mitwirkung sollte positiv sein und möglich erscheinen. 

Schritt 5: Stärke entwickeln 

In diesem Schritt planen die Hauptperson und der Unterstützerkreis gemeinsam, wie sie sich gegenseitig stärken können. Über welche Kompetenzen, Ressourcen und Verbindungen verfügen sie bereits, welche müssen sie noch entwickeln? Dazu macht der Unterstützungskreis mithilfe des Plakats „Stärker werden“ ein kurzes Brainstorming in Stichworten, welche Kompetenzen und Ressourcen bereits vorhanden sind und was zusätzlich gebraucht wird. Es geht dabei um die Bereiche:

  • Menschen und Beziehungen: Wen kennen wir?
  • Organisationen, Vereine und Gruppen: Wo gehören wir dazu? Wo sind wir Mitglied?
  •  Know-how: Welche Informationen, Kenntnisse und Fertigkeiten haben wir?
  • Systeme: Was können die vorhandenen Systeme für uns tun? Welche Rechtsansprüche haben wir?
  • Persönliche Energie und Gesundheit: Was können wir persönlich tun, um fit zu bleiben und uns zu stärken? 

Danach werden die wichtigsten Punkte ausgewählt und auf dem Plakat in der Spalte „Stärke entwickeln“ eingetragen.

🔗 Arbeitsblatt: Plakat „Stärker werden“, inklusion-als-menschenrecht.de 🔗

Schritt 6: Die wichtigsten Schritte herausfinden 

Ziel dieses Schrittes ist es, zu reflektieren, welche Entwicklungen etwa zur Halbzeit des geplanten Zeitraums sichtbar sein sollten, um der Zukunftsvision näherzukommen. Dabei werden zwei bis drei zentrale Meilensteine herausgearbeitet, die für das Erreichen des Gesamtziels wesentlich sind. Jeder dieser Meilensteine wird anschließend durch zwei bis drei konkrete Teilziele oder Handlungsschritte ergänzt.

Schritt 7: Die im Folgemonat anfallenden Schritte herausarbeiten

Im ersten Monat nach dem Treffen geht es darum, erste detaillierte Absprachen unter den Beteiligten zu treffen, andere Personen mit einzubeziehen und Informationen einzuholen. Die Hauptperson findet nun gemeinsam mit dem Unterstützerkreis Ziele für den ersten Monat. Danach wird festgelegt, wer welche Schritte unternimmt und wer dabei unterstützt. Der Chronist* schreibt das Ziel und daneben die Namen auf. Dann werden die Menschen im Unterstützungskreises gefragt, ob sie der Hauptperson auch bei der Erreichung weiterer Meilensteine helfen können und ob sie dies mit jemand zusammen tun wollen. Angebote, die die Hauptperson angenommen hat, werden notiert. Es wird vereinbart, wie die Hauptperson über die Ergebnisse der Aktivitäten der Unterstützer* informiert wird.

Schritt 8: Sich auf die nächsten Schritte einigen

In diesem Schritt werden Vereinbarungen getroffen, damit die Hauptperson und der Unterstützungskreis sofort mit der Umsetzung beginnen können. Die Moderation bittet nun alle, darüber nachzudenken, was sie in den nächsten 2 bis 3 Tagen tun können, um der Zukunftsvision einen kleinen Schritt näher zu kommen. Das kann zum Beispiel sein, jemanden über das Planungstreffen zu informieren oder einen Kontakt herstellen. Die Hauptperson beginnt und sagt, was sie als nächstes tun möchte. Dann machen die anderen, die sich bereit erklärt haben, Unterstützung anzubieten, nach der Reihe ihre Angebote. Die Hauptperson entscheidet, ob sie diese annehmen möchte. Die Aktionen werden auf dem Plakat in einer Tabelle „Was macht wer bis wann“ unter „Nächste Schritte“ notiert.

🔗 Arbeitsblatt: Der PATH-Prozess, inklusion-als-menschenrecht.de 🔗

Abschluss

Die Moderation lädt nun alle dazu ein, den gesamten PATH noch einmal zu betrachten, und bittet um einen passenden Titel. Sobald ein Vorschlag gefunden ist, der der Hauptperson zusagt, trägt die Chronistin den Titel ein.

Die Moderation schließt das Treffen mit der Bitte, ein Gefühl zu dem PATH-Treffen zu äußern.

PATH erfordert eine erfahrene Moderation und einen erfahrenen Chronisten*. PATH dauert mindestens zweieinhalb Stunden und kann, je nach Thema der Zukunftsplanung, auf bis zu einen halben Tag ausgedehnt werden.

PZP Mini-Methoden

Passende Unterstützung finden

Für Menschen, die auf Assistenz angewiesen sind, sind diese Reflexionsfragen besonders wichtig. Sie helfen dabei herauszufinden, welche persönlichen Eigenschaften und Fähigkeiten die Assistenzperson mitbringen sollte, um die Hauptperson so zu unterstützen, dass sie eine möglichst hohe Lebensqualität erreichen kann. Die Antworten können auch zur Erstellung einer Stellenbeschreibung herangezogen werden.

  1. In welchen Bereichen wünscht oder benötigt die Person Unterstützung?
  2. Welche Fähigkeiten benötigen die Unterstützerinnen für diese Aufgabe?
  3. Wie sollte die Unterstützerin sein? Über welche persönlichen Charaktereigenschaften sollte sie verfügen?
  4. Was sind die gemeinsamen Ziele und Interessen?

🔗 Externer Link: Passende Unterstützung finden, Seite 28ff 🔗

Sozialraum erarbeiten

Das Ziel ist, das Umfeld der Person sichtbar zu machen und neue Anknüpfungspunkte für Teilhabe zu finden. Auf einem großen Bogen Papier oder einem Whiteboard wird in der Mitte der Namen der Hauptperson notiert. Dann werden gemeinsam konkrete Orte aus dem Alltag notiert, die bereits genutzt werden oder interessant sein könnten. Zusätzlich können auch die Wege dorthin, die Öffnungszeiten, die Barrierefreiheitsaspekte und die Kontaktpersonen notiert werden. Die Hauptperson wird gefragt, wie wohl sie sich an den einzelnen Orten fühlt und was sie dort tun möchte. Auf dieselbe Weise können auch konkrete oder potenzielle Unterstützungspersonen erfasst und deren mögliche Rolle bei der Verwirklichung von Zielen erarbeitet werden.

Lebensweg

Das Ziel ist, die eigene Geschichte wertschätzend zu ordnen und Perspektiven für die Zukunft zu öffnen. Dazu wird eine einfache Zeitlinie von „früher“ bis „heute“ mit Platz für „morgen“ vorbereitet. Die Geschichte kann auf unterschiedliche Weise erarbeitet werden – zum Beispiel mit Bildkarten, Fotos oder Schrift. In der Durchführung wird die Hauptperson gebeten, Ereignisse, Erfolge und Wendepunkte zu setzen. Im nächsten Schritt werden ein bis zwei stärkende Motive genannt, die künftig häufiger Platz bekommen sollen. Im letzten Schritt wird eine konkrete Handlung vereinbart, die schon in der laufenden Woche möglich ist und der Erfüllung einer Zukunftsperspektive dient. Diese Methode kann der Zukunftsorientierten Biografiearbeit zugeordnet werden.

Was ich an Dir schätze/mag

Das Ziel ist, Wertschätzung sichtbar zu machen und Selbstwert zu stärken. Es werden Karten oder Zettel vorbereitet, auf denen eine kurze Botschaften Platz hat. Jede Teilnehmerin soll auf ihre Karten für jede andere Teilnehmerin eine Eigenschaft, eine Stärke oder ein schönes Erlebnis notieren und der jeweiligen Person überreichen. Bei Menschen ohne Schriftkompetenz kann diese Mini-Methode mithilfe von Karten oder Piktogrammen durchgeführt werden. Jede Person aus der Gruppe bekommt dabei gleich viele Komplimente.

Die Waage

Das Ziel ist, ein faires Gleichgewicht zwischen dem, was der Person selbst wichtig ist, und dem, was Bezugspersonen wichtig finden, herzustellen. Dazu werden zwei Waagschalen aufgezeichnet. Eine Schale wird mit „wichtig für mich“ beschriftet, die andere mit „wichtig für andere“. Danach werden die Anliegen beider Seiten auf Zetteln gesammelt und in die jeweilige Schale eingetragen. In der Auswertung wird die Frage gestellt, was die Waage ausbalanciert.

Beispiel:
Der Hauptperson ist „gutes Essen“ wichtig. Dazu gehört für sie auch viel Süßes. Sie liebt Schokoladetorte und -eis und isst am liebsten täglich davon.
Den Betreuerinnen ist „gesunde Ernährung“ wichtig, da sie wissen, dass die Hauptperson Prädiabetes hat.
Die Balance könnte so aussehen, dass die Hauptperson nur noch 3 x pro Woche Schokoladetorte und -eis isst und die restlichen Tage ihren Appetit auf Süßes durch Obst ersetzt.

Was läuft gut – was läuft nicht gut

Eine schnelle Methode, um unterschiedliche Sichtweisen im Einzel- oder Gruppengespräch sichtbar zu machen. Die Hauptperson beantwortet sich die Frage zunächst für sich selbst und notiert sie, ohne sie jemandem zu offenbaren. Danach äußern sich unterstütztende Personen, die die Hauptperson und das aktuelle Thema kennen. Die unterschiedlichen Blickwinkel werden nachfolgend besprochen und eingeordnet.

🔗 Externer Link: Was läuft gut – was läuft nicht gut, Seite 24 🔗

Lebensqualität-Mandala

Mit dem Lebensqualität-Mandala wird erkundet, welche Bereiche für die eigene Lebensqualität besonders wichtig sind. Die Arbeit mit diesem Arbeitsblatt bietet einen geeigneten Denkrahmen für die persönliche Zukunftsplanung.

Arbeit mit dem Lebensqualität-Mandala:

  • 1. Kreis, ganz innen: die 8 wichtigsten Lebensbereiche festlegen
  • 2. Kreis, mittig: aktuelle Aktivitäten, die den jeweiligen Lebensbereich lebenswert machen
  • 3. Kreis, außen: zukünftige Aktivitäten, die den jeweiligen Lebensbereich lebenswert machen
  • Wolken, ganz außen: der erste Schritt zur Umsetzung der zukünftigen Aktivität

Variationen zur praktischen Arbeit mit dem Lebensqualität-Mandala sind ausdrücklich erwünscht (z.B. eine Variante mit Piktogrammen für Menschen ohne Schriftkompetenzen).

🔗 Externer Link: Lebensqualität-Mandala, Seite 22ff 🔗

Kartensets

Kartensets können außerhalb eines größer organisierten Rahmens angewendet werden. Sie dienen dazu, mit der Person ins Gespräch zu kommen. In den meisten Fällen eignen sich die Karten sowohl für die Arbeit mit Gruppen als auch für Einzelgespräche.

Kartensets von Persönliche Zukunftsplanung e.V. / Stefan Doose

  • Lebensstilkarten (Welcher Lebensstil passt zu mir?)
  • Traumkarten (Welchen Traum habe ich?)
  • Hutkarten (Welcher Hut passt mir?)

Andere Kartensets für die Zukunftsplanung

  • Wunschwege Traumkarten, Abramsen B. und Müller C.
  • Gut Leben Wunsch- und Traumkarten, Emrich C., Gromann P., Niehoff U.
  • Lebenswert & Sternstunden Netzwerkkarten, Hansen U.
  • Skillcards, Lechleitner K. (Berufsorientierung)
  • Ich-kann-Karten für Menschen mit Lernschwierigkeiten

🔗 Kartensets, persoenliche-zukunftsplanung.eu 🔗

🔗 Skillcards 🔗

Literatur zur Persönlichen Zukunftsplanung:
Netzwerk Persönliche Zukunftsplanung e.V.
Online-Handbuch Inklusion als Menschenrecht
Talking Mats, Free Support Materials – Symbole zur freien Nutzung
Vorlage für die Persönliche Lagebesprechung inklusive Falt-Anleitung

Quellen:
[1] Handbuch Bedarfsermittlung mit dem BEI_NRW, LWL Inklusionsamt Soziale Teilhabe, lwl-inklusionsamt-soziale-teilhabe.de
[2] BEI_BW: Bedarfsermittlungsinstrument Baden-Württemberg, Sozialministerium Baden-Württemberg, sozialministerium.baden-wuerttemberg.de
[3] Zur Erfassung des individuellen Hilfebedarfs von Personen mit geistiger und/oder mehrfacher Behinderung mittels eines ICF-basierten Beurteilungsbogens, Eine Evaluation des Assessmentverfahrens in der Steiermark, Forschungsnetzwerk AMS, forschungsnetzwerk.ams.at
[4] Befundbericht Wohnen und Pflege, Fonds Soziales Wien, fsw.at
[5] Bedarfsplanung von Einrichtungen für Menschen mit intellektueller Behinderung in Niederösterreich, Land Niederösterreich, noe.gv.at
[6] WHODAS 2.0, World Health Organization Disability Assessment Schedule, psydix.org
[7] Mini-ICF-APP-Selbstbeurteilung, psydix.org
[8] Vineland Adaptive Behavior Scale, wikipedia.org
[9] WHODAS 2.0, World Health Organization Disability Assessment Schedule 2.0, psychiatry.org
[10] International Classification of Functioning, Disability and Health (ICF), englische Version, WHO, who.int
[11] ICF – Internationale Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit, Deutsches Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte, bfarm.de
[12] Die Persönliche Lagebesprechung von Stefan Doose, inklusion-als-menschenrecht.de
[13] Persönliche Zukunftsplanung, Diakonie Akademie, behindertenarbeit.at
[14] Vereinbarung gemäß Art. 15a B-VG zwischen dem Bund und den Ländern über Sozialbetreuungsberufe, Anlage 1, Punkt 4.1.3, RIS
[15| I want my dream, Persönliche Zukunftsplanung, Dr. Stefan Doose, OpenSource


Bildquellennachweis: ©pixabay.com @Pexels

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