Aufbereiteter Lehrinhalt
26.02.2026
Arthrose
Definition
degenerative Gelenkserkrankung, Gelenkverschleiß. Der Gelenkknorpel wird im Laufe der Zeit abgebaut, was zu eingeschränkter Beweglichkeit führt.
Pathophysiologie, Pathogenese
fortschreitender Verschleiß des Gelenkknorpels (dient normalerweise als Schutzschicht zwischen den Knochen und ermöglicht eine schmerzfreie Bewegung) → durch Alterungsprozesse, Fehlbelastungen oder Überbeanspruchung wird der Knorpel dünner und verliert seine Elastizität → Knochenflächen reiben aneinander → Schmerzen, Bewegungseinschränkungen und Entzündungsreaktionen → es können sich knöcherne Veränderungen bilden und der Gelenkspalt wird schmäler
Symptome
• Bewegungseinschränkung
• Belastungsschmerzen, Anlaufschmerz nach Ruhephasen, später auch Ruheschmerzen → eingeschränkte Mobilität, Gangunsicherheit
• Gelenksteifigkeit
• Schwellungen und Entzündungen möglich
• Knirschen oder Reibegeräusche im Gelenk
• Schonhaltung
Diagnostik
• Anamnese und körperlicher Untersuchung (Beweglichkeit, Schmerzbeurteilung)
• Röntgen
• ggf. Arthroskopie
Im Röntgen können typische Veränderungen erkannt werden:
• verschmälerter Gelenkspalt
• Knochenverdichtungen (Knochen werden dichter und härter)
• knöcherne Veränderungen
Therapie
Konservative Therapie:
• Physiotherapie
• Muskelaufbau
• Gewichtsreduktion
• Schmerztherapie
• Wärme- oder Kälteanwendungen
• Gehhilfen oder andere Hilfsmittel
Medikamentöse Therapie:
• Nicht-Opioidanalgetika (Paracetamol), ggf. kurzzeitig Opioide bei starken Schmerzen
• entzündungshemmende Medikamente (NSAR, auch topisch (Salben, Gele), Cortison-Injektionen bei akuter Entzündung
Operative Therapie:
• künstliches Gelenk
🪢 🧩💡Erinnerungsknoten: Welche Wirkung haben NSAR? Nenne Beispiele für NSAR. Welche Nebenwirkungen haben NSAR?💡🧩 🪢
Arthritis
Definition
ist eine chronisch-entzündliche Gelenkerkrankung. Ursachen können Bakterien oder rheumatische Erkrankungen sein. Typische Symptome sind Rubor, Tumor, Calor, Dolor und Functio laesa.
🪢 🧩💡Erinnerungsknoten: Immunsystem: Was ist eine chronische Entzündung?💡🧩 🪢
Pathophysiologie, Pathogenese
Bei einer rheumatoiden Arthritis handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung → Immunsystem greift eigene Gelenkschleimhaut an → chronische Entzündung im Gelenk → fortschreitenden Zerstörung von Knorpel und Knochen
Symptome
• dolor
• tumor
• rubor
• functio laesa
• calor
weitere:
• Gelenkerguss
Diagnostik
• Anamnese (Morgensteifigkeit > 60 Min., symmetrischer Befall)
• Labor: Entzündungsmarker, Rheumafaktor, Antikörper
• Gelenkpunktion (bei Erguss)
• Röntgen oder MRT (Erosionen, Gelenkdestruktion)
Therapie
• Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR)
• Cortison
• physikalische Therapie (z.B. Kälte- oder Wärmetherapie, Elektrotherapie)
• Lebensstiländerung
Gicht
Definition:
Stoffwechselerkrankung. Schmerzhafte Gelenkentzündung durch Harnsäure.
Pathophysiologie, Pathogenese
erhöhte Harnsäurekonzentration im Blut → Harnsäurekristalle legen sich in den Gelenken ab → plötzlich auftretende, sehr starke Schmerzen und Entzündungen (Gichtanfall)
Symptome
• dolor
• tumor
• rubor
• calor
• Bewegungseinschränkung
• chronische Symptome
Diagnostik
• Anamnese (plötzlicher Beginn, häufig Großzehengrundgelenk)
• Labor: Harnsäure im Blut erhöht
• Gelenkpunktion mit Nachweis von Harnsäure-Kristallen (Goldstandard)
Therapie
• schnelle Entzündungs- und Schmerzhemmung mit NSAR (z. B. Ibuprofen, Diclofenac) und Cortison
• Harnsäurespiegel senken
• Lebensstil ändern
Osteoporose
Definition:
Knochenschwund. Chronische Erkrankung des Skelettsystems, bei der die Knochen an Festigkeit und Stabilität verlieren („poröse Knochen“). Sie wird als „stille Erkrankung“ bezeichnet, da der Knochenabbau oft über viele Jahre hinweg unbemerkt und schmerzfrei verläuft.
Pathophysiologie / Pathogenese
• Unser Skelett erneuert sich ein Leben lang komplett.
• Bei Osteoporose ist das Gleichgewicht zwischen knochenabbauenden und -aufbauenden Zellen gestört.
• Es entsteht eine negative Bilanz: Es wird mehr Knochen abgebaut, als nachgebaut werden kann.
• Folge: Das feine Gitterwerk im Inneren des Knochens wird dünner und reißt ab. Der Knochen wird innerlich hohl, instabil und brüchig.
• Hauptauslöser:
– Östrogenmangel (die natürliche „Bremse“ für den Knochenabbau fällt weg)
– Alterungsprozesse
– Cortison-Therapien
Symptome
• Brüche durch harmlose Alltagssituationen, häufig an Wirbelkörpern, Oberschenkelhals, Oberarm oder Handgelenk.
• Rückenschmerzen: akut (durch Wirbeleinbrüche) oder chronisch (durch Fehlhaltungen und Muskelverspannungen).
• Verlust an Körpergröße: Eine Abnahme von mehr als 4 cm gilt als Warnzeichen (durch in sich zusammensackende Wirbelkörper).
• Haltungsänderungen: Krümmung der Wirbelsäule nach vorn mit Entstehung eines „Witwenbuckels“ (Rundrücken) und typischen Hautfalten am Rücken („Tannenbaum-Phänomen“).
Diagnostik
• Anamnese & körperliche Untersuchung: Prüfung von Risikofaktoren, Sturzrisiko und Körpergröße
• Labordiagnostik: Blut- und Urinproben (Calcium, Vitamin D, Phosphat, Schilddrüsenwerte)
• Knochendichtemessung: Mittels DXA-Scan (digitales Röntgen mit niedriger Strahlendosis) an Lendenwirbelsäule und Hüfte
• Röntgen: Wird bei Verdacht auf Wirbelkörperfrakturen eingesetzt
Therapie
• Ziele: Knochensubstanz erhalten oder aufbauen, Knochenbrüche verhindern, Schmerzen reduzieren und Mobilität sichern.
• Basistherapie: Ausreichende Versorgung mit Calcium (als Baustoff) und Vitamin D (fördert die Aufnahme aus dem Darm).
• Medikamente: Einsatz von Bisphosphonaten, Denosumab oder Romosozumab (hemmen den Abbau, fördern teils den Aufbau), Östrogenen/Raloxifen (knochenschützend) oder Teriparatid (stimuliert Knochenneubildung).
• Lebensstil: Gezieltes Kraft- und Ausdauertraining, eine kalzium- und eiweißreiche Ernährung sowie Verzicht auf Rauchen und zu viel Alkohol.
Wirbelsäulenerkrankungen
Definition:
Krankheiten oder Schädigungen der Wirbelsäule. Sie können betreffen:
• Wirbelkörper (Knochen)
• Bandscheiben
• Nervenwurzeln
• Rückenmark
Folgen sind häufig Schmerzen, neurologische Störungen und Bewegungseinschränkungen.
Pathophysiologie / Pathogenese
Je nach Ursache entstehen Erkrankungen durch:
• Degeneration → Alterung, Überlastung der Bandscheiben
• Fehlstellungen → veränderte Statik der Wirbelsäule
• Entzündungen → Autoimmunreaktionen
• Trauma → Unfälle, Stürze
• Tumoren → Raumforderung mit Druck auf Nervenstrukturen
Einteilung
A) Degenerative Erkrankungen
Skoliose
• Seitliche Verkrümmung mit Verdrehung der Wirbelkörper
Bandscheibenvorfall
• Riss des Faserrings
• Austritt von Bandscheibenmaterial
• Reizung oder Kompression von Nerven
Bandscheibenprotrusion
Vorwölbung der Bandscheibe, Faserring bleibt intakt
Spinalkanalstenose
• Verengung des Wirbelkanals
• Nervenkompression
• Gangunsicherheit, Schmerzen, Sensibilitätsstörungen
Risikofaktoren
• Alter
• Bewegungsmangel
• Übergewicht
• Fehlbelastung
• Schwere körperliche Arbeit
• Genetische Faktoren
B) Fehlstellungen & Deformitäten
Kyphose
• Nach hinten gerichtete Krümmung
Lordose
• Nach vorne gerichtete Krümmung
Morbus Scheuermann
• Wachstumsstörung der Wirbelsäule
• Auftreten im Jugendalter
Mögliche Folgen
• Schmerzen
• Bewegungseinschränkungen
• Muskelverspannungen
• Organbeeinträchtigungen
Therapie
• Physiotherapie
• Haltungsschulung
• Korsettversorgung
• Schmerztherapie
Operation bei:
• starker Verkrümmung
• rascher Verschlechterung
• neurologischen Ausfällen
C) Entzündliche Erkrankungen
Morbus Bechterew (Ankylosierende Spondylitis)
• chronisch-entzündliche Erkrankung der Wirbelsäule
• betroffen: Kreuzbein, LWS, BWS
Typische Symptome
• Rückenschmerzen
• Morgensteifigkeit
• Besserung durch Bewegung
• Bewegungseinschränkung
Diagnostik
• Anamnese
• Blutuntersuchung
• Röntgen
• MRT
Therapie
• NSAR
• Kortison
• Biologika
• Bewegungstherapie
Komplikationen
• Versteifung der Wirbelsäule
• Fehlhaltung
• Eingeschränkte Lungenfunktion
D) Traumatische Erkrankungen
Ursachen
• Stürze
• Verkehrsunfälle
• Osteoporose
• Sportverletzungen
Beispiel: Wirbelkörperfraktur
• Starke Schmerzen
• Bewegungseinschränkung
• Eventuell Lähmungen
Querschnitt
• Schädigung des Rückenmarks
• Vollständig oder unvollständig
Sofortmaßnahmen
• Ruhigstellung
• Keine unnötige Bewegung
• Notruf
• Achsengerechte Lagerung
Langzeitfolgen
• Chronische Schmerzen
• Lähmungen
• Blasen- und Darmstörungen
E) Tumoren & Raumforderungen
Arten
• Primäre Tumoren (Entstehung in der Wirbelsäule)
• Metastasen (Tochtergeschwülste anderer Organe)
Beispiele
• Neurinome (Nerventumoren)
• Meningeome (Tumoren der Hirnhäute)
Symptome
• Rückenschmerzen
• Neurologische Ausfälle
• Lähmungen
Diagnostik
• MRT
• CT
• Röntgen
• Biopsie
F) Neurologisch bedingte Erkrankungen
Radikulopathie
• Reizung oder Schädigung einer Nervenwurzel
• Ausstrahlende Schmerzen
Myelopathie
• Schädigung des Rückenmarks
• Ursache: Druck, Entzündung, Durchblutungsstörung
Cauda-equina-Syndrom (Notfall!)
• Kompression der Nerven im Lendenbereich
• Gefahr von:
o Lähmungen
o Sensibilitätsverlust im Genitalbereich
o Blasen- und Darminkontinenz
o Sofortige Operation notwendig
Allgemeine Symptome von Wirbelsäulenerkrankungen
• Rückenschmerzen
• Ausstrahlende Schmerzen in Arme oder Beine
• Taubheitsgefühle, Kribbeln
• Muskelschwäche
• Lähmungen
• Gangunsicherheit
• Bewegungseinschränkung
Diagnostik
• Anamnese
• Körperliche Untersuchung
• Neurologischer Status
• Bildgebung:
o Röntgen
o CT
o MRT
• Blutuntersuchungen (bei entzündlichen Erkrankungen)
Therapie
Konservativ
• Physiotherapie
• Bewegungstherapie
• Schmerzmedikation
• Entzündungshemmende Medikamente
• Orthopädische Hilfsmittel (z. B. Korsett)
Operativ
• schweren Verläufen
• neurologischen Ausfällen
• Tumoren
• Cauda-equina-Syndrom
Fachwörter zum Thema Erkrankungen des Bewegungsapparats, die die Pflegeassistenz kennen und (bestenfalls) benutzen soll
| Bandscheibenvorfall | Austritt von Bandscheibenmaterial |
| degenerativ | Abnutzung |
| Homöostase | Balance, Gleichgewicht in physiologischen Körperfunktionen |
| idiopathisch | unbekannte Ursache |
| Kyphose | ausgeprägter Rundrücken („Witwenbuckel“) |
| NSAR | Nicht-steroidale-Antirheumatika, schmerz- und entzündungshemmend |
| Skoliose | Verkrümmung der Wirbelsäule |
| Stenose | Verengung |
| topische NSAR | NSAR als Salbe oder Gel |
Bild: ©pixabay, @Taokinesis