Aubereiteter Lehrinhalt, Unterrichtsfach: Grundzüge und Prinzipien der Akut- und Langzeitpflege inklusive Pflegetechnik (GKPF)
04.02.2026
Ob wärmend oder kühlend, beruhigend oder anregend – Wickel, Umschläge und Packungen gehören zu den ältesten und wirkungsvollsten pflegerischen Anwendungen. Hier erfahren PflegeassistentInnen, wie man sie gezielt einsetzt und sicher durchführt.
Definitionen
Wickel
ein Körperteil wird in zwei oder drei Tücher gewickelt. Das Innerste wird mit einer Wickellösung getränkt oder mit Zusätzen beschichtet.
Wickel werden entweder nach den Körperteilen oder der Temperatur benannt:
Halswickel, Brustwickel, Bauchwickel, Lendenwickel, Wadenwickel, Fußwickel, fiebersenkender Wickel
Temperaturneutrale Wickel – Wickel mit Zusatz (Bienenwachs, Zwiebel, Kamille, Öle, Topfen – warm oder kalt)
Umschläge, Kompressen, Auflagen
Tücher werden nicht gewickelt, sondern auf die betreffende Körperstelle gelegt.
Wirkung von Wickeln nach Temperatur
Kühle Wickel:
schmerzlindernd (analgetische Wirkung bei Schmerzen und akuten Entzündungen). Dürfen nur bei warmem Körper angewendet werden!
Kalte Wickel:
Stärkere Verengung der Blutgefäße, noch bessere Wirkung bei Schmerzen. z.B. Eisbeutel, Gelbeutel
Fiebersenkende Wadenwickel:
Wickel muss anhaltend kalt sein! Ein zu kurzer Kältereiz führt zur Erwärmung!
Warme Wickel:
bei chronischen Schmerzen
Heiße Wickel:
bei Verspannung und Krämpfen
Richtwerte für Wärme- und Kälteanwendungen
| Heiß | 40 – 45 °C |
| Warm | 36 – 40 °C |
| Lauwarm | 27 – 35 °C |
| Kühl | 19 – 26 °C |
| Kalt | 10 – 18 °C |
So reagiert der Körper bei Zufuhr von Wärme
- Gefäßerweiterung (Vasodilatation)
- Entspannung der Muskulatur
- erhöhter Zellmetabolismus
- Wärme wirkt sich positiv auf das allgemeine Wohlbefinden aus
- zu große Hitze ist belastend, besonders bei Erkrankungen
- grundsätzlich angewendet werden kann Wärme bei Gelenkschmerzen, Muskelverspannungen, chronischen Schmerzen, Krämpfen
So reagiert der Körper bei Zufuhr von Kälte
- Gefäßverengung (Vasokonstriktion)
- verringerte Muskelverspannung
- verminderter Zellmetabolismus
- lokale Anästhesie
- kurzzeitige Kälteapplikationen sind eher angenehm
- länger andauernde Kälteapplikationen sind eher unangenehm
- grundsätzlich angewendet werden kann Kälte bei Schmerzen, akuten Entzündungen, Schwellungen, Prellungen, Blutergüssen, und zur Senkung von Fieber
Wadenwickel Handlungsschema
Wadenwickel werden in der Fieberhöhe (bei hohem Fieber, > 39°C) zur Unterstützung der Wärmeabgabe des Körpers angelegt.
🪢 🧩💡Erinnerungsknoten: Ab wann spricht man von hohem Fieber?💡🧩 🪢
Grundregeln beim Anlegen eines Wadenwickels
- Eine Wärmeabgabe ist nur dann möglich, wenn die Gefäße weitgestellt sind (Vasodilatation) – also nur dann, wenn die Extremitäten warm sind
- vorher Körpertemperatur kontrollieren
- Wassertemperatur max. 5-10°C unter gemessener Körpertemperatur – eiskaltes Wasser führt zu einer zu starken Vasokonstriktion – warmes Blut kann dann nicht mehr in die Haut und in die Waden gelangen
- Wickel wechseln, bevor diese warm sind
- Wickel 3-5 x erneuern, einmalige Anwendung führt zu mehr Wärmebildung im Körper
- nur wärmedurchlässiges Material verwenden (Baumwolle, Leinen)
- Gelenke aussparen – kann zu rheumatischen Beschwerden führen
- Fieber max. um 1,5°C absenken, zu schnellen Fieberabfall vermeiden (Kreislaufkollaps!)
- Vitalparameter kontinuierlich überprüfen (v.a. Temperatur) – bei zu schnellem Fieberabfall Anwendung beenden
- Erfolgskontrolle am Ende der Anwendung: Temperaturmessung, Dokumentation
Kontraindikation Wadenwickel
• Fieberanstieg / Fieberabfall
• Vasokonstriktion (kalte Extremitäten, Frösteln, Frieren)
• Kreislaufstörungen
Warnzeichen Wadenwickel – Maßnahme sofort abbrechen bei:
• zu schnellem Fieberabstieg
• frieren, frösteln
• Schüttelfrost
• Unwohlgefühl des P/B
• kalte Extremitäten
• Kreislaufstörungen
• Temperaturabfall von mehr als 1,5°C
Vorbereitung
- mit Arzt oder gehobenen Dienst absprechen
- AZ des P/B in der Pflegedokumentation überprüfen
- P/B informieren: Wirkungsweise, Durchführung, Lokalisation, Anwendungsdauer
- P/B fragen, was er selbst tun kann oder möchte (z.B. Beobachtung und Mitteilung von Zittern, Rötungen, Zyanose, Blässe, brennendes, prickelndes Gefühl; Unempfindlichkeit, Maßnahmen zum Schutz der Haut, Entfernung des Materials)
- Kontrolle der Vitalparameter, Körpertemperatur
- Materialien bereitstellen in der richtigen Temperatur:
zwei Leinen- oder Baumwolltücher
zwei Handtücher (Frottee)
Schüssel mit Wasser
Thermometer zur Bestimmung der Wassertemperatur
Einmalunterlage
Durchführung
- P/B unterstützen beim Einnehmen einer bequemen Haltung
- P/B gut zudecken, nur die zu behandelnde Stelle bleibt frei
- Einmalunterlage unter die Waden legen
- Leinen- oder Baumwolltücher anfeuchten, auswringen, zwischen Knie und Knöchel positionieren und umwickeln, Frotteetücher darüber wickeln (um schnelles Verdunsten zu vermeiden)
- Kontakt zum P/B halten, nach Hautreaktionen erkundigen
- Innentücher alle 8-10 min. wechseln, dabei jedes Mal Vitalparameter kontrollieren, Haut auf Abweichungen, Verfärbungen kontrollieren und Patienten nach dem Befinden fragen
- Wadenwickel 3-5 x wiederholen (Anwendung kann also rund 1 Stunde dauern, je nachdem, wie P/B reagiert)
- abschließend Vitalwerte messen
Nachbereitung - Materialien wegräumen
- Pflegedokumentation inkl. Reaktionen des P/B, Beobachtungen zu unerwünschten Effekten, Vitalwerte vor und nach der Applikation
Topfenauflage
Wirkung:
- Schmerzlindernd
- Kühlend
- Entzündungshemmend
- Abschwellend
Indikationen:
- Verstauchungen
- Prellungen
- Oberflächliche Thrombophlebitis
- Sonnenbrand
- Insektenstichen
- Halsschmerzen
- Mastitis
Kontraindikationen:
Milcheiweißkontaktallergie und offene Wunden
Topfenauflage: Handlungsschema
Vorbereitung:
- Magertopfen (= fester)
- Mullkompressen/Baumwolltuch
- Spatel oder Messer
- dünne Mullbinde oder Wickeltuch
- für heiße Topfenauflage zusätzlich: Zwischentuch z.B. Frotteehandtuch / Außentuch z.B. Schal zum Fixieren / Topf/Schüssel mit kochend heißem Wasser und darüber gestelltem Teller
Durchführung:
- Händedesinfektion
- benötigte Gegenstände auf desinfizierter Arbeitsfläche (z.B. Tablett) richten und auf Vollständigkeit überprüfen
- P/B informieren; evtl. Toilettengang; ihn bitten, sich hinzulegen
- Fenster/Türen schließen, Besucher verlassen den Raum
- störende Kleidungsstücke entfernen, Intimsphäre wahren
- Kühle Topfenauflage:
1 cm dick in der Größe der zu bedeckenden Stelle auf ausgefaltete Kompresse streichen, die z.B. über Teller gebreitet wurde
Päckchen schließen
mit der dünnen Gazestreifenseite direkt auf die Haut legen
solange die Kühlung als angenehm empfunden wird, belassen
Anwendungsdauer im Akutfall nur 20 Min., sonst mindestens 30 Min. bis 2 Stunden
Anwendungshäufigkeit im Akutfall halbstdl. möglich, sonst 1 bis mehrmals tgl.
Blick zurück: wurde Auflage richtig platziert und fixiert? - Körperwarme Topfenauflage:
Vorbereitetes Päckchen wird nun kurz auf den Teller über heißes Wasser gelegt und auf Körpertemperatur angewärmt
Frotteehandtuch als Zwischentuch
Schal zur Fixierung
Anwendungsdauer mind. 30 Min. bis mehrere Stunden
Anwendungshäufigkeit 1x tgl., Anwendung über mehrere Tage möglich
Topfenauflage in Restmüll entsorgen
Haut abtrocknen
P/B soll ruhen
Blick zurück: wurde Auflage richtig platziert und fixiert? - Nachbereitung:
P/B beim Rücklagern/Anziehen helfen
vor Verlassen des P/B nach Bedürfnissen erkundigen: Fenster öffnen, Getränk erwünscht?
gebrauchte Materialien sachgerecht ver- bzw. entsorgen
Dokumentation
Feucht-warmer Brustwickel zur Sekretverflüssigung
Ein Tuch wird in warmem Wasser getränkt, gut ausgewrungen und eng um den Brustkorb gelegt, darüber kommt ein trockenes Tuch. Er wirkt schleimlösend, durchblutungsfördernd und atemerleichternd.
🎬 Video: AUBERG Brustwickel feuchtwarm | mit Wickel Salz Prinz Ficht, AUBERG Salzkammergut, youtube 🎬
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