Aufbereiteter Lehrinhalt, Unterrichtsfach: Pathologie für die Pflegeassistenz
16.05.2026
DIABETES MELLITUS
Definition
Diabetes ist eine chronische Stoffwechselerkrankung. Leitbefund ist ein erhöhter Blutzuckerspiegel. Dies ist entweder auf einen Insulinmangel (Typ-1-Diabetes) oder auf eine Insulinresistenz (Typ-2-Diabetes) zurückzuführen. In beiden Fällen kann Glucose nicht (mehr) effektiv in die Zellen aufgenommen werden, was zu erhöhten Blutzuckerwerten führt. Diabetes gilt als unheilbar, aber sehr gut therapierbar. Die Lebenserwartung von Menschen mit insulinpflichtigem Diabetes nähert sich bei guter Stoffwechseleinstellung, regelmäßiger Kontrolle und moderner Therapie immer stärker der normalen Lebenserwartung an.
Diabetes-Typen
Diabetes ist nicht eine einzige Krankheit, sondern eine Gruppe von Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen, aber unterschiedlichen Ursachen und Behandlungsansätzen.
• Diabetes Typ 1 („Primär insulinabhängiger Diabetes mellitus“, Insulinmangel)
• Diabetes Typ 2 („Nicht primär insulinabhängiger Diabetes mellitus“, Insulinresistenz)
• Schwangerschaftsdiabetes (Gestationsdiabetes)
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Pathogenese, Pathophysiologie
Diabetes Typ 1: Insulinmangel
Die Ursache von Diabetes Typ 1 ist eine Autoimmunerkrankung, bei der die Zellen des körpereigenen Immunsystems die Beta-Zellen der Pankreas angreifen und zerstören. Die insulinproduzierenden Beta-Zellen befinden sich in den Langerhans-Inseln (das ist, wo das Insulin produziert wird). Sie werden daher auch Inselzellen genannt (und das Insulin deshalb „Insulin“).
- Die Beta-Zellen sind für die Produktion von Insulin verantwortlich.
- Sobald ein Großteil dieser Zellen zerstört ist, kann die Bauchspeicheldrüse kein oder nur mehr sehr wenig Insulin produzieren.
- Als Ursache wird ein Zusammenspiel aus genetischer Veranlagung und Umweltfaktoren angenommen; Virusinfektionen (z.B. Enteroviren, Rötelnviren, Mumpsvirus) gelten dabei als mögliche Auslöser oder Beschleuniger, sind aber nicht bei jedem Fall eindeutig nachweisbar.
- Zucker ist (gemeinsam mit Sauerstoff) – der wichtigste Energielieferant im Körper – kann nicht mehr aus dem Blut in die Zellen der Organe aufgenommen werden – der Blutzucker steigt an.
- Es muss Insulin gespritzt werden.
Typ-1-Diabetes tritt häufig schon im Kindes- oder Jugendalter auf und wird nicht durch Lebensstilfaktoren wie Ernährung oder Bewegung verursacht. Grundsätzlich kann jedoch jede Person an Typ-1-Diabetes erkranken. Das Risiko, daran zu erkranken, ist jedoch deutlich erhöht, wenn sie bereits bei nahen Verwandten (Eltern, Geschwistern,…) aufgetreten ist.
📸 Bild: Wo befindet sich die Pankreas? Fa. Pascoe, Hersteller pharmazeutischer Präparate 📸
Diabetes Typ 2: Insulinresistenz
Bei Diabetes Typ 2 liegt eine verminderte Empfindlichkeit der Zellen gegenüber Insulin vor, was als Insulinresistenz bezeichnet wird. Dies bedeutet, dass die Zellen Glucose nicht mehr effektiv aus dem Blut aufnehmen können. Durch die Insulinresistenz verschlechtert sich der Zuckerstoffwechsel.
- Die Zellen (z. B. Muskel-, Fett- und Leberzellen) reagieren nicht mehr ausreichend auf Insulin. Das Hormon kann seine Wirkung, nämlich die Glucose in die Zellen zu transportieren, nicht mehr vollständig entfalten.
- Die Pankreas versucht, dies zu kompensieren, indem es mehr Insulin produziert.
- Die dauerhafte Überproduktion führt mit der Zeit zur Erschöpfung der Beta-Zellen.
- Wenn die Beta-Zellen der Pankreas nicht mehr genug Insulin produzieren können, bleibt die Glucose im Blut und gelangt nicht in die Zellen. Dadurch steigt der Blutzuckerspiegel kontinuierlich an.
- Dies führt zu dauerhaft hohen Blutzuckerwerten (Hyperglykämie) und den typischen Symptomen von Diabetes Typ 2.
- Die hohen Blutzuckerwerte verschlechtern die Insulinresistenz weiter und schädigen langfristig die Beta-Zellen des Pankreas.
Typ-2-Diabetes entsteht über einen langen Zeitraum und wird von den betroffenen Personen oft lange Zeit nicht erkannt.
Der Unterschied zwischen Diabetes Typ 1 und Typ 2:
• Diabetes Typ 1: Insulinmangel. Ursache Autoimmunerkrankung. Das Immunsystem zerstört die Beta-Zellen der Pankreas. Dadurch hat der Körper Probleme den Blutzuckerspiegel zu regulieren. („primär insulinabhängiger Diabetes mellitus“)
• Diabetes Typ 2: Insulinresistenz (lebensstilabhängig). Die Körperzellen reagieren nicht mehr ausreichend auf Insulin. (Altersdiabetes, „nicht primär insulinabhängiger Diabetes mellitus“)
Folgeerkrankungen von Diabetes
Den meisten Folgeerkrankungen liegen Schädigungen der Blutgefäße zugrunde. Chronisch erhöhte Blutzuckerwerte schädigen die kleinen und großen Blutgefäße (Mikroangiopathien, Makroangiopathien), wodurch sich unterschiedliche Folgeerkrankungen entwickeln können.
Arteriosklerose
Bei Diabetes mellitus steht die Arteriosklerose als zentrale pathophysiologische Veränderung im Vordergrund. Der dauerhaft erhöhte Blutzucker schädigt die Gefäßwände, was zu Entzündungen, Verdickungen und Ablagerungen (Plaques) in den Arterien führt. Diese Arteriosklerose ist die Hauptursache für viele Folgeerkrankungen. Erhöhte Blutfette (Dyslipidämie) und Bluthochdruck (Hypertonie) verstärken die Arteriosklerose zusätzlich.
• KHK, pAVK, Herzinfarkt, Herzinsuffizienz
• Augenerkrankungen (aufgrund von Veränderungen in den Kapillaren der Netzhaut (Mikroangiopathien), grauer oder grüner Star)
• Nierenerkrankungen (aufgrund von Veränderungen von Kapillaren in den Nieren, Mikroangiopathien)
• Neuropathien (Mikroangiopathien)
• Infektanfälligkeit (Schädigung der kleinen und großen Blutgefäße schränkt die Blutversorgung ein)
• Wundheilungsstörungen, Diabetischer Fuß (Schädigungen der Gefäße führen zu einer verminderten Durchblutung des Gewebes)
🪢 🧩💡Erinnerungsknoten: PAVK – Die periphere arterielle Verschlusskrankheit💡🧩 🪢
Bild Diabetischer Fuß: doccheck.com
Diabetes Symptome
Frühsymptome: Häufige Symptome bei Typ 1 und Typ 2 Diabetes
- Starker Durst (Polydipsie): Der Körper versucht, den hohen Blutzucker durch vermehrtes Trinken und Ausscheiden von Flüssigkeit auszugleichen.
- Häufiges Wasserlassen (Polyurie): Der Körper scheidet überschüssigen Zucker über den Urin aus, was zu vermehrtem Harndrang führt.
- ! Müdigkeit und Schwäche: Kann ein akutes Symtom sein und auf Hyperglykämie oder Hypoglykämie hinweisen.
- Ungewollter Gewichtsverlust: Besonders bei Typ 1-Diabetes greift der Körper auf Fett- und Muskelreserven zurück, da keine Glucose in die Zellen gelangt.
- ! Hungerattacken: Wenn dies mit anderen Symptomen wie Schwäche, Schwindel oder Bewusstlosigkeit auftritt, kann es auf eine akute Hypoglykämie hinweisen.
- Trockene Haut und Juckreiz: Hoher Blutzucker kann die Haut austrocknen und Juckreiz verursachen.
- Verschlechterte Wundheilung: Wunden heilen langsamer, da hoher Blutzucker die Durchblutung und die Funktion der Immunzellen beeinträchtigt.
- Infektionen: Häufige Infektionen, insbesondere Harnwegs- und Pilzinfektionen, können auftreten, da Zucker ein guter Nährboden für Mikroorganismen ist.
- ! Sehstörungen, wechselnde Sehstärke: Bei plötzlichem Auftreten kann dies ein Anzeichen für eine schwerwiegende Stoffwechselentgleisung sein (z. B. Ketoazidose oder hyperosmolares Koma).
Spätkomplikationen
• Augenschädigung
• Nierenversagen
• Beinamputation (Diabetisches Fußsyndrom)
• Nervenschädigung (Neuropathie)
• Durchblutungsstörungen, Schlaganfall, Herzinfarkt
Spezifische Symptome bei Typ 1 Diabetes
- Plötzlicher Beginn: Die Symptome entwickeln sich oft innerhalb weniger Wochen oder Monate.
- !Diabetische Ketoazidose: Akute Stoffwechselentgleisung. Kann auftreten, wenn der Körper Fett abbaut, um Energie zu gewinnen, was zu einer Übersäuerung des Blutes führt. Symptome sind Nausea, Emesis, Schmerzen im Abdomen (besonders bei Kindern), Atemnot, Kussmaulatmung (abnorm vertieft, aber sehr regelmäßig), azetonartiger Geruch der Atemluft, quantitative Bewusstseinsstörungen (von Benommenheit über Sopor bis Koma). Dieses Symptom erfordert eine Erste-Hilfe-Maßnahme!
Norm-pH-Wert des Blutes:
7,35 – 7,45 (leicht basisch)
Einordnung pH-Wert des Blutes bei Azidose:[3]
Leichte Ketoazidose: pH-Wert ≥ 7,20
Moderate Ketoazidose: pH-Wert ≥ 7,10
Schwere Ketoazidose: pH-Wert <7,10
🪢 🧩💡Erinnerungsknoten: pH-Wert-Tabelle💡🧩 🪢
Wie riecht Azeton und was kann man sich unter azetonartigem Atemgeruch vorstellen?
Azeton hat einen charakteristischen, stechenden und scharfen Geruch. Einige Menschen vergleichen den Geruch des Atems bei Ketoazidose mit dem Geruch von Nagellackentferner, andere sagen, es rieche eher nach vergorenem Obst.
Die Diabetische Ketoazidose ist ein guter Hinweis darauf, dass es sich um einen Typ 1 Diabetes Patienten handelt. Zwar kann dieses Akutsymptom auch bei Diabetes Typ 2 auftreten, jedoch passiert dies im Vergleich wesentlich seltener.
Spezifische Symptome bei Typ 2 Diabetes
- Schleichender Beginn: Die Symptome entwickeln sich oft über Jahre und werden anfangs häufig nicht bemerkt.
- Gewichtszunahme: Anders als bei Typ 1 kann es zu einer Gewichtszunahme kommen, da Insulin die Fettspeicherung fördert.
- Taubheitsgefühle und Kribbeln: In Händen oder Füßen, verursacht durch Nervenschädigungen (diabetische Neuropathie).
Eine frühzeitige Diagnose und Behandlung ist entscheidend, um Komplikationen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Nierenschäden, Nervenschäden oder Erblindung zu vermeiden.
Hyperglykämie (hoher Blutzucker)
Definition: Maßnahmen sollten ab einem Wert von > 250 mg/dl ergriffen werden. Geht dieser Blutzuckerwert mit Symptomen wie Übelkeit, Bauchschmerzen, Azetongeruch einher, könnte eine diabetische Ketoazidose vorliegen – ein Notfall, der ärztliche Hilfe erfordert (Risiko diabetisches Koma).
🪢 🧩💡Erinnerungsknoten: Erste Hilfe: „Hyperglykämie: Welche Maßnahmen setzt du im Notfall?„💡🧩 🪢
Ursachen:
• Unzureichende Insulinwirkung
• Zu viele Kohlenhydrate in der Nahrung
• Bewegungsmangel
• Stress
• Infektionen
Symptome (entwickeln sich meist langsam):
• Starker Durst (Polydipsie)
• Häufiges Wasserlassen (Polyurie)
• Trockene Haut
• Müdigkeit
• Schwäche
• Verschwommenes Sehen
Zusätzlich können weitere Symptome auftreten, die jedoch nicht eindeutig zuordenbar sind, da sie sowohl bei einer Hypoglykämie als auch bei einer Hyperglykämie vorkommen können:
• Nausea, Emesis
• Kopfschmerzen
• Schwindel
• Bewusstseinsstörungen (örtlich, zeitlich, persönlich, situativ)
• Bewusstseinsstörungen bis zum Delir und zum Sopor
• Bewusstseinsverlust bis zum Koma
Langzeitrisiken (bei chronischer Hyperglykämie):
• Schädigung von Nerven, Augen, Nieren und Blutgefäße (Makro- und Mikroangiopathie).
ℹ️ Mehr Infos zum Thema (Kommentarliteratur): Kommentarliteratur: Hyperglykämie und Hypoglykämie im Notfall unterscheiden ℹ️
Hypoglykämie (niedriger Blutzucker)
Definition: Bei Menschen MIT Diabetes sollte der Glukosewert > 70 mg/dl sein. Als akut wird ein Wert < 54 mg/dl angesehen. Bei Menschen OHNE Diabetes ist ein Nüchtern-Glukosewert zwischen 60 und 100 mg/dl normal. Es sind sogar niedrigere Werte ohne Gefahr möglich[1].
Schon ab einem Wert von 70 mg/dl sollte der Bewusstseinszustand der PatientIn engmaschig kontrolliert werden. Bei bekannter Diabeteserkrankung sollte ab einem Wert von 60 mg/dl die erste Maßnahme in der Gabe von Traubenzucker bestehen. Der Blutzuckerwert sollte möglichst nicht unter 54 mg/dl sinken.
Eine Hypoglykämie tritt meist im Zusammenhang mit einer Diabetesbehandlung auf. Das heißt, sie betrifft vor allem PatientInnen, die Insulin erhalten oder orale blutzuckersenkende Medikamente einnehmen. Sie entsteht, wenn die Insulinwirkung zu stark ist im Verhältnis zu Essen, Blutzucker und Bewegung.
Ursachen:
• Zu früh gespritzt / Spritz-Ess-Abstand zu groß
• Zu viel Insulin gespritzt
• Zu wenig gegessen nach dem Spritzen
• Mahlzeit ausgelassen oder verspätet gegessen
• mehr Bewegung als üblich ohne Anpassung der Insulin- oder Kohlenhydratzufuhr
• Alkohol
Symptome (können sich innerhalb von Minuten oder Stunden entwickeln)
• Heißhungerattacken (bereits in diesem Stadium ist eine regelmäßige Kontrolle der Blutzuckerwerte empfehlenswert, um eine mögliche Verschlechterung oder akute Entwicklungen frühzeitig zu verhindern)
• Zittern
• Tachykardie, Herzrasen, Herzklopfen
• Hypertonie
• Verhaltensänderungen, eher hyperaktive Symptome (z.B. Gereiztheit, Aggressivität)
• Kaltschweißigkeit, Blässe
• Sprechstörungen
Zusätzlich können weitere Symptome auftreten, die jedoch nicht eindeutig zuordenbar sind, da sie sowohl bei einer Hypoglykämie als auch bei einer Hyperglykämie vorkommen können:
• Nausea, Emesis
• Kopfschmerzen
• Schwindel
• Bewusstseinsstörungen (örtlich, zeitlich, persönlich, situativ) bis zum Delir
• quantitative Bewusstseinsstörungen, Benommenheit bis Sopor und Koma (Bewusstseinsverlust)
Hypoglykämie ist in der Regel akut gefährlicher als eine Hyperglykämie, da sie schneller zu Bewusstlosigkeit oder Krampfanfällen führen kann.
Risiken (wenn es in weiterer Folge zu einer akuten Hypoglykämie kommt):
• Gehirnzellen können durch Glucosemangel geschädigt werden.
• Lebensbedrohlicher Zustand
🪢 🧩💡Erinnerungsknoten: Erste Hilfe, „Hypoglykämie – Der Notfall„💡🧩 🪢
Ursachen der Hypoglykämie
• Überdosierung von Insulin oder oralen Antidiabetika
• zu geringe Energiezufuhr
• zu hoher Energieverbrauch durch starke körperliche Belastung
• Konsum von Alkohol
• Erbrechen oder Durchfall
• zu großer Spritz-Ess-Abstand
ℹ️ Mehr Infos zum Thema (Kommentarliteratur): Info: So kannst du eine Bewusstseinskontrolle durchführen ℹ️
Referenzwerte
🪢 🧩💡Erinnerungsknoten: Kompetenz der Pflegeassistenz – mit Insulin umgehen: Nüchternblutzuckerwerte💡🧩 🪢
Diabetes Diagnose
Nur der HbA1c Langzeitzuckerwert hat Aussagekraft
Wenn der Blutzucker bei zwei oder mehreren Messungen zu hoch ist, sollte der Langzeitzuckerwert HbA1c-Wert (Hämoglobin A1c) gemessen werden.
Diabetes Diagnose vs. Überwachung des Blutzuckerspiegels: Der Unterschied
Beide Methoden ergänzen sich. Der Langzeitwert ist wichtig für die Diagnose, der aktuelle Wert ist wichtig für die Therapie von Diabetes. Die Messung des Blutzuckers zeigt lediglich den aktuellen Blutzuckerwert. Dieser kann durch Faktoren wie Mahlzeiten, Stress oder körperliche Aktivität stark schwanken. Der HbA1c-Wert gibt einen stabilen Überblick über den durchschnittlichen Blutzuckerspiegel der letzten 8 bis 12 Wochen (2 bis 3 Monate).
Diabetes Therapie
Die Therapie bei Diabetes basiert auf zwei Säulen: Ernährung und Antidiabetika.
Antidiabetika
Diabetes mellitus Typ 1:
• muss immer mit Insulin behandelt werden (insulinpflichtiger Diabetes)
• die meisten Personen mit Diabetes spritzen sich das Insulin selbst ins Unterhautfettgewebe (subkutan, Insulin-Pen, Insulin-Spritzen, Insulin-Pumpen)
Diabetes mellitus Typ 2:
• gesunde, ausgewogene Ernährung (wenig Fett, reichlich Ballaststoffe), ausreichend Bewegung und das Vermeiden von Übergewicht
• Falls dies nicht ausreicht, kommen orale Antidiabetika zur Anwendung
• Wenn diese nicht mehr ausreichen, dann ist der Diabetiker insulinpflichtig
Ernährung
Kohlenhydrate
Bei Diabetes sollte der Fokus auf langsam verdaulichen Kohlenhydraten liegen.
Einfachzucker schießt ins Blut
z.B.: Traubenzucker: Sehr schnelle Aufnahme in die Blutbahn.
Wichtig bei Diabetes: Traubenzucker sollte nur in Notfällen (z. B. bei Hypoglykämie) verwendet werden, da er schnell und effektiv den Blutzucker anhebt. Er ist nicht für den regelmäßigen Verzehr geeignet, da er hohe Blutzuckerschwankungen verursacht.
Weißmehl strömt ins Blut
Mehlprodukte (z. B. Weißbrot, Gebäck, Nudeln aus Weißmehl): Schnelle Aufnahme in die Blutbahn. Führt zu einem raschen Anstieg des Blutzuckerspiegels.
Vollkornprodukte fließen ins Blut
Moderate Aufnahme in die Blutbahn.
Gemüse und Hülsenfrüchte tropfen ins Blut
Langsame und kontinuierliche Aufnahme
Diabetes und Fastenbrechen: Wann muss das Fasten gebrochen werden?
Laut Österreichischer Diabetes Gesellschaft (ÖDG) sollten Diabetes-PatientInnen spätestens ab folgenden Blutzuckerwerten das Fasten brechen:
• Glukosewert < 70 mg/dl[2]
• Glukosewert > 300 mg/dl[2]
• Hypoglykämiesymptome oder eine akute Erkrankung[2]
🪢 🧩💡Erinnerungsknoten: Welche Erste Hilfe Maßnahmen setzt du bei Hyperglykämie?💡🧩 🪢
Weitere Risiken, die Anlass zum Fastenbrechen geben:
• akute Hypoglykämie in den letzten 3 Monaten
• ältere und vorerkrankte Personen
• Blutzucker schlecht eingestellt
• Personen mit Diabetes, die intensive körperliche Arbeit leisten
• Behandlungen mit Medikamenten, die die kognitive Funktion beeinträchtigen können (z.B. Opioide, Benzodiazepine, Neuroleptika, Anticholinergika, Antiepileptika,…)
• Niereninsuffizienz
🪢 🧩💡Erinnerungsknoten: Was ist Ketoazidose? Welche Erste Hilfe Maßnahmen setzt du bei Ketoazidose?💡🧩 🪢
Fachwörter zum Thema Diabetes, die die Pflegeassistenz kennen und (bestenfalls) benutzen soll
Sehr wichtig: fett markiert
| Fachbegriff | Beschreibung |
|---|---|
| Arteriosklerose | Verengung der Arterien aufgrund von Ablagerungen (Plaques) |
| Beta-Zellen | Zellen in der Bauchspeicheldrüse, die für die Produktion und Ausschüttung von Insulin verantwortlich sind |
| Diabetisches Fußsyndrom | Komplikation von Diabetes mellitus, die durch Nervenschäden (Neuropathie) und Durchblutungsstörungen entsteht |
| Gestationsdiabetes | Schwangerschaftsdiabetes |
| HbA1c-Wert | Langzeitzuckerwert |
| Hyperglykämie | hoher Blutzucker |
| hyperosmolares Koma | Stoffwechselentgleisung bei Diabetes mellitus Typ 2, meist bei älteren Menschen |
| Hypoglykämie | Unterzucker |
| Ketoazidose | Stoffwechselentgleisung, die meist bei absolutem Insulinmangel (insbesondere bei Typ-1-Diabetes) auftritt |
| KHK | Koronare Herzkrankheit |
| Makroangiopathie | Erkrankung der großen Arterien, die durch Arteriosklerose zu Verengungen oder Verschlüssen führt |
| Mikroangiopathie | Schädigung der kleinen Blutgefäße, die zu Durchblutungsstörungen und Gewebeschäden führt |
| Neuropathie | Nervenschädigung, die zu Taubheit, Kribbeln, Schmerzen oder Muskelschwäche führt |
| Pankreas | Bauchspeicheldrüse |
| pAVK | Peripher-arterielle Verschlusskrankheit (Schaufensterkrankheit) |
| Polydipsie | starker Durst |
| Polyurie | häufiges Wasserlassen |
Autoritäten in Österreich
Diabetes:
Österreichische Diabetes Gesellschaft
Quellen:
[1] Österreichische Diabetes Gesellschaft (2026) 10.53 – Hypoglykämie, S. 1. Verfügbar unter: https://www.oedg.at/diabetes-alles-klar/10-53-Hypoglykämie.pdf (Zugriff: 17. Mai 2026)
[2] Österreichische Diabetes Gesellschaft (ÖDG) (2019): Diabetes mellitus. Leitlinien für die Praxis. S. 94 Kurzfassung. Ausgabe 2019. Wien: Österreichische Diabetes Gesellschaft. Online verfügbar unter: https://www.oedg.at/pdf/OEDG_Pocket_Guide_2019-07.pdf (Zugriff: 25. Mai 2026).
[3] SpringerMedizin.at (o. J.) Akutkomplikationen. Verfügbar unter: https://www.springermedizin.at/akutkomplikationen/19294422 (Zugriff: 29. Mai 2026).