Aufbereiteter Lehrinhalt, Fach Pathologie
Datum Erstellung: 14.05.2026
Letzte Aktualisierung: 12.06.2026
Aufbereiteter Lehrinhalt: Das Thema Schmerz gehört nicht primär zur Pathologie, sondern ist ein Symptom bzw. Leitsymptom vieler Erkrankungen.

SKRIPTUM FÜR DEN UNTERRICHT
Bei diesem Dokument handelt es sich um ein Skriptum für Lehrerinnen und Lehrer, das für den Gebrauch im Unterricht vorgesehen ist. Das Skriptum ist als Whitelabel-Dokument gestaltet. Es ist gestattet, es mit dem eigenen Schulstempel oder dem eigenen Logo zu versehen.
Definition
• unangenehme sensorische und emotionale Erfahrung (WHO)
• biopsychosoziales Phänomen
• man unterscheidet akuten und chronischen Schmerz
• akut: Warn‑ und Schutzfunktion für eine Gewebeschädigung, löst eine Verhaltensanpassung (Schonung) aus (WHO)
• chronisch: hat den direkten Bezug zum auslösenden Ereignis verloren
• die Einstufung der Schmerzintensität erfolgt immer durch den Patienten
• der Schmerz existiert, es ist unerheblich, ob er nachweisbar ist oder nicht
Schmerz = Körper + Psyche + Umfeld
Arten von Schmerz

• nach zeitlicher Dauer:
– akut
– chronisch
• nach Mechanismus:
– nozizeptiv (schmerzreizbedingt)
– neuropathisch (nervenbedingt)
– psychosomatisch (psychisch bedingt)
Nach zeitlicher Dauer
Akuter Schmerz
• plötzlich beginnend
• zeitlich begrenzt
• in engem Zusammenhang mit einer aktuellen Gewebereizung oder ‑schädigung (z. B. Verletzung)
• Warn- und Schutzfunktion (Symptome z.B. Hypertonie, Tachykardie, Tachypnoe)
• Beispiel: Herzinfarkt (Myokardinfarkt); Gefäßverschluss → Ischämie → Hypoxie → Nekrose von Herzmuskelgewebe → Brustschmerz
Chronischer Schmerz
• > 3 Monate
• persistierend oder rezidivierend
• hat den direkten Bezug zum auslösenden Ereignis verloren
• häufig wird chronischer Schmerz zum dominierenden klinischen Problem mit eigenem Behandlungsbedarf (= neuropathischer Schmerz)
• eigenständiges Krankheitsbild: chronisches Schmerzsyndrom
Nach Mechanismus
Nozizeptiver Schmerz

wird in…
– somatische (Wunden, Knochenbrüche) und
– viszerale (Organe) Schmerzen
…unterteilt.
kann weiter unterteilt werden in…
– ischämisch, thermisch, mechanisch, chemisch, inflammatorisch
geht häufig mit einer Entzündung einher
Schmerz und Nozizeption sind unterschiedliche Phänomene
Nozizeption: körperlicher Vorgang, bei dem Nervenzellen eine Gewebeschädigung registrieren
Schmerz: persönliches Erleben dieser Reize
Neuropathischer Schmerz
• Schmerz, der infolge einer Schädigung im Nervensystem entsteht (Nervenfasern)
• Ursachen sind z.B. Diabetes (z.B. diabetische Neuropathie), Amputationen (Phantomschmerzen),…
• Neuropathische Schmerzen werden häufig chronisch
• Klassische Entzündungszeichen sind nicht typisch
Psychosomatischer Schmerz
• Schmerz, der infolge psychologischer, seelischer und/oder sozialer Faktoren entsteht
• Emotionen aktivieren ähnliche Hirnareale wie somatisch bedingte Schmerzen
• Klassische Entzündungszeichen sind nicht typisch
Körperliche Reaktionen auf Schmerz
• Schonhaltung / Schonatmung
• Unruhe
• vegetative Reaktionen (Schwitzen, Tachykardie, Tachypnoe, Hypertonie)
• Delir
• Funktionsbeeinträchtigungen / Funktionsverlust (z.B. „wehes Knie“ – die Funktion des ‘aus der Hocke auftstehen‘ ist beeinträchtigt)
Pathogenese, Pathophysiologie von Nozizeption
Ein Schmerzreiz wird über die Nervenbahnen zum Rückenmark und weiter zum Gehirn geleitet (afferent). Das Gehirn setzt Entzündungs‑ und Schmerzbotenstoffe frei (z.B. Serotonin, Histamin und Prostaglandine).
🪢 🧩💡Erinnerungsknoten: Was sind afferente und was efferente Nerven?💡🧩 🪢
Schmerzeinschätzung
Schmerz ist, was die PatientIn sagt
Schmerz ist subjektiv, und Menschen können ihn unterschiedlich wahrnehmen und beschreiben. Gesundheitsfachpersonen müssen die von PatientInnen selbst angegebenen Schmerzintensitäten respektieren und glauben.
Schmerzintensität
- quantitatives Ausmaß des Schmerzes („Wie viel?“, „Wie stark?“)
- durch Schmerzskalen
- kann nicht beobachtet oder gemessen werden
Ausnahme: Menschen mit eingeschränkter Kommunikationsfähigkeit (Menschen mit Behinderung, Demenz) – spezielle Beobachtungsskalen
Schmerzqualität
- Beschreibung der subjektive Schmerzempfindung („Wie?“)
- gibt oft einen Hinweis auf die Ursache
Affektive Schmerzqualität
heftig, quälend, beängstigend, belastend, erschöpfend, lähmend, vernichtend usw.
Sensorische Schmerzqualität
stechend, bohrend, brennend, drückend, ziehend usw.
Beobachtungsmerkmale, die auf Schmerzen hinweisen
wichtig bei Menschen mit eingeschränkter Kommunikationsfähigkeit:
• Veränderungen der Mimik
• Lautäußerungen
• Körpersprache
• Schonhaltung
• Schutz‑ bzw. Abwehrbewegungen
• Unruhe
• reduzierte Mobilität
• reduzierte Funktionsfähigkeit
Schmerzwahrnehmung
Schmerzschwelle: der Punkt, ab dem ein Schmerzreiz als schmerzhaft empfunden wird
Schmerztoleranz: der Punkt, bis zu dem ein Mensch keine Analgetika benötigt, um mit den Schmerzen zurechtzukommen
Schmerzunempfindlichkeit
• verändert die Interpretation von Schmerzberichten
• kann auf eine Erkrankung hinweisen, z.b. bei Diabetes‑bedingter Neuropathie reduziertes Schmerz- und Temperaturempfinden
• in seltenen Fällen angeboren (Analgesie)
• erhöht das Risiko unbemerkter Verletzungen
🫏 Eselsbrücke: ANALgetika (Schmerzmittel) – ANALgesie – (Schmerzfreiheit durch Medikamente, Schmerzunempfindlichkeit aufgrund einer Erkrankung) 🫏
Schmerzskalen
- numerische Rating-Skala (NRS),
- visuelle Analog-Skala (VAS)
- Gesichter‑Skalen (z.B. für Kinder)
- verbale Rating-Skala (kein, niedrig, mittel, stark, sehr stark)
Für die Arbeit mit den Schmerzskalen ist gute Kommunikationsfähigkeit wichtig.
Schmerzskalen für Menschen mit eingeschränkter Kommunikationsfähigkeit
- BESD (z.B. Demenzpatienten)
- ECPA (eingeschränkte Kommunikationsfähigkeit – z.B. Menschen mit Behinderung)
Schmerztherapie
Analgetika
- schmerzstillende Medikamente („analgetische Wirkung“, „P/B wird analgetisch behandelt“)
- Wirkung:
- am Ort der Schmerzentstehung – „peripher“ (nicht-opioide Analgetika)
- im Gehirn und Rückenmark – „zentral“ (Opioide)
🪢 🧩💡Erinnerungsknoten: Welches Risiko besteht bei der Einnahme von zentral wirkenden Analgetika? Auf wie viele Tage sollte die Einnahme deshalb beschränkt bleiben?💡🧩 🪢
Gruppen von Analgetika
🪢 🧩💡Erinnerungsknoten: In welche 3 Gruppen teilt die WHO Analgetika ein?💡🧩 🪢
Pflege und Schmerzmanagement
- die Pflege:
- dokumentiert Schmerzen, Schmerzcharakter, subjektive Schmerzerfahrung und Verlauf
- evaluiert Maßnahmen
- beobachtet Nebenwirkungen
🪢 🧩💡Erinnerungsknoten: Die 6-R-Regel beachten! Wie lautet diese?💡🧩 🪢
Persönliche Dokumentation: Das Schmerztagebuch
- für Schmerzpatienten
- erfasst die subjektive Schmerzintensität zu vorgesehenen Zeitpunkten und zu schmerzverstärkenden oder schmerzlindernden Aktivitäten (z.B. Einnahme von Schmerzmitteln)
FACH- UND FREMDWÖRTER
| Begriff | Bedeutung |
|---|---|
| affektiv | emotional gefärbt |
| akut | plötzlich |
| Analgetika | Schmerzmittel (Medikamente), Schmerzunempfindlichkeit (Erkrankung) |
| BESD | Schmerz Beobachtungsskala Demenz |
| ECPA | Schmerz Beobachtungsskala Menschen mit Behinderung |
| Analgesie | Schmerzfreiheit, auch Schmerzunempfindlichkeit (Erkrankung) |
| lokal | örtlich |
| Multikausalität | Vielursächlichkeit |
| Neuropathie | Nervenschädigung |
| neuropathisch | nervenbedingt |
| nozizeptiv | schmerzreizbedingt |
| Nozizeptoren | Schmerzrezeptoren |
| NSAR | nichtsteroidale Antirheumatika |
| persistierend | anhaltend |
| Prostaglandine | Entzündungsbotenstoffe |
| Qualität / qualitativ | Antwort auf die Frage nach dem „Wie?“ |
| Quantität / quantitativ | Antwort auf die Frage nach dem „Wie viel?“ oder „Wie stark?“ (Intensität) |
| rezidivierend | wiederkehrend |
| Sedierung | Beruhigung |
| sensorisch | die Sinne betreffend |
| sensorische Neuronen | Sinnesnervenzellen |
| Serotonin | Schmerz- und Entzündungsmediator, Botenstoff |
| somatisch | den Körper betreffend |
| VAS | visuelle Analogskala |
| vegetativ | unwillkürlich gesteuert |
| viszeral | die Eingeweide betreffend |