Zum Inhalt springen
Startseite » Eselsbrücke: Die richtige Pflege in jeder Fieberphase

Eselsbrücke: Die richtige Pflege in jeder Fieberphase

Kommentarliteratur zum Fach „Grundzüge und Prinzipien der Akut- und Langzeitpflege inklusive Pflegetechnik (GKPF)“, Thema „Körpertemperatur beobachten“

18.01.2026

Drei Phasen, drei typische Körperreaktionen – und die dazu passenden Pflegemaßnahmen, die du dir logisch ableiten kannst

Infektiöses Fieber verläuft in drei Phasen: Fieberanstieg, Fieberhöhe und Fieberabfall. In jeder Phase reagiert der Körper anders, und genau deshalb braucht der Mensch auch in jeder Fieberphase eine andere Pflege. Wenn du verstehst, warum dem Patienten zuerst kalt ist, dann heiß und trocken, und warum er erst beim Abfall schwitzt, kannst du die Maßnahmen sicher auswählen.

Fieberanstieg: „Mir ist kalt!“

Warum friert der Patient?

Beim Fieberanstieg erkennt der Körper Krankheitserreger. Immunzellen setzen Botenstoffe frei, und im Hypothalamus (dem Temperaturregulationszentrum) wird der Sollwert nach oben gestellt. Nun „denkt“ der Körper, die aktuelle Temperatur ist zu niedrig und erhöht sie von Normaltemperatur von ca. 37,0°C auf z.B. 39°C – dem Patienten wird kalt. Um den neuen Sollwert zu erreichen, produziert der Körper Wärme – die Gefäße verengen sich (Vasokonstriktion) und der Patient wird von Muskelzittern und Schüttelfrost geplagt. Dadurch steigtder Energie- und Sauerstoffbedarf – Stoffwechsel, Herzfrequenz und Atmung laufen hoch.

Pflegemaßnahmen beim Fieberanstieg

  • Wärme geben: Dem Patienten ist kalt. Also wirst du die Raumtemperatur erhöhen, den Patienten zudecken und ggf. Socken, Wärmflasche oder Heizdecke anbieten.
  • Warme Getränke anbieten

Schon in dieser Phase beginnst du damit, die Vitalzeichen regelmäßig zu kontrollieren, hier besonders wegen erhöhtem Kreislauf- und Atembedarf. Du legst eine Flüssigkeitsbilanz bzw. ein Miktionsprotokoll an.

Prophylaxen – ab wann starten?

Sobald der Patient geschwächt oder weniger mobil ist, beginnst du konsequent mit den Prophylaxen:

  • Thromboseprophylaxe: Flüssigkeitszufuhr, passives Bewegen
  • Pneumonieprophylaxe: Frischluft ohne Zugluft, Hygiene, Atemstimulierende Einreibungen (ASE)
  • Dekubitusprophylaxe: Positionierungen, passives Bewegen
  • Obstipationsprophylaxe: Flüssigkeitszufuhr, passives Bewegen, lauwarmes Wasser nüchtern (wenn möglich)

Fieberhöhe: „Mir ist heiß – und ich bin trocken.“

Warum ist dem Patienten heiß?

In der Fieberhöhe hat der Körper die neue Soll-Temperatur erreicht. In unserem Beispiel war das 39°C. Der Anstieg stoppt, die Temperatur bleibt gleichbleibend hoch. Der Patient friert nicht nun mehr, sondern empfindet Hitze. Die Gefäße sind weitgestellt (Vasodilatation): die Haut ist heiß und gerötet.

Warum ist die Haut trocken – und wo ist die Gefahr?

In dieser Phase ist der Körper „sparsam“ mit Flüssigkeit: Die Haut ist trocken, und zugleich steigt mit der Temperatur der Flüssigkeitsbedarf – es besteht Exsikkosegefahr.

Pflegemaßnahmen bei Fieberhöhe

  • Kühlen, ohne auszukühlen: Dem Patienten ist heiß – senke also die Raumtemperatur, ermögliche Frischluftzufuhr, aber vermeide Zugluft.
  • Entlasten: Hilf dem Patienten, sich auszuziehen und lockere Kleidung anzuziehen, entferne die Decken.
  • ggf. fiebersenkende Maßnahmen: Möglicherweise können kühlende Waschungen, fiebersenkende Körperwaschungen oder Wadenwickel (lt. Netzwerk Evidenzbasierte Medizin erst ab hohem Fieber) einen positiven Effekt auf den Patienten haben. Vor allem dann, wenn es dem Patienten mit Fieber sehr schlecht geht. Die Anwendungen bringen dem Patienten ein wenig Erleichterung – schneller gesund wird man davon nicht. Bei sehr hohem Fieber werden Medikamente nach ärztlicher Anordnung (fiebersenkend) gegeben.
  • Getränke anbieten: Biete heiße oder lauwarme Getränke an. Wichtig ist, eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr zu gewährleisten. Exsikkosegefahr!

Vergiss nicht, die Flüssigkeitsbilanz bzw. das Miktionsprotokoll weiterzuführen und konsequent zu dokumentieren. Denke in diesem Zusammenhang auch an die engmaschige Vitalzeichenkontrolle (bei Diabetes zusätzlich regelmäßige Blutzuckerkontrolle) und die konsequente Durchführung der Prophylaxen, denn das Risiko durch Immobilität steigt: Thromboseprophylaxe, Dekubitusprophylaxe, Pneumonieprophylaxe, Obstipationsprophylaxe. Auf Exsikkosezeichen achten! Bei trockenem Mund, eingerissenen Lippen, trockener Zunge, geringer Urinmenge/dunklem Urin, eingesunkenen Augen, Verwirrtheit/Bewusstseinsstörungen und Obstipation musst du den Arzt/gehobenen Dienst informieren!

Fieberabfall: „Jetzt schwitze ich.“

Warum beginnt Schwitzen erst beim Fieberabfall?

Beim Fieberabfall wird der Sollwert im Hypothalamus wieder auf Normaltemperatur gesenkt. Da die Körpertemperatur in unserem Beispiel bei 39°C liegt, erkennt der Körper jetzt, dass ihm zu heiß ist. Der Sollwert ist schließlich die Normaltemperatur von ca. 37°C. Deshalb startet der Körper mit einer aktiven Wärmeabgabe: Er beginnt zu Schwitzen und verwendet dafür die Flüssigkeit, die er während der Fieberhöhe zurückgehalten hat. Das Schwitzen ist also ein Zeichen dafür, dass der Körper die Temperatur wieder herunterregelt.

Zwei Arten des Fieberabfalls: ein gut verträglicher und ein kritischer

Man unterscheidet zwei Arten des Fieberabfalls: einen gut verträglichen und einen kritischen. Beim langsamen Fieberabfall, der als Lysis bezeichnet wird, sinkt die Körpertemperatur über mehrere Tage und wird in der Regel gut vertragen. Der schnelle Fieberabfall, die sogenannte Krisis, erfolgt hingegen innerhalb weniger Stunden und geht häufig mit starken Schweißausbrüchen sowie einer hohen Kreislaufbelastung einher.

Pflegemaßnahmen bei Fieberabfall

Bei der Krisis besteht Kollapsgefahr durch die starke Kreislaufbelastung. Deshalb legst du hier dein Augenmerk besonders auf die engmaschige Vitalzeichenkontrolle (Blutdruck, Puls, Atmung, Temperatur). Auffälligkeiten gibst du sofort weiter. Natürlich gilt auch in dieser Fieberphase: Flüsssigkeit, Flüssigkeit, Flüssigkeit – jetzt präferiert der Patient möglicherweise kühlere Getränke. Die Flüssigkeitsbilanz bzw. das Miktionsprotokoll werden natürlich weitergeführt. Denk daran, dass Schwitzen den Flüssigkeitsverlust erhöht: Pro Anstieg der Körpertemperatur um 1 °C verliert der Körper etwa 500 ml Flüssigkeit durch Schwitzen.

Weitere Pflegemaßnahmen in dieser Fieberphase sind:

  • Bettwäsche und Kleidung wechseln, kühle Waschungen bei Bedarf, Haut gut abtrocknen.
  • Intertrigo- und Dekubitusprophylaxe besonders beachten, weil Feuchtigkeit und Schwäche das Risiko erhöhen.

Wenn du dir nur eine Merkhilfe behalten willst, dann diese Logik: Sollwert rauf = Patient friert → wärmen. Sollwert erreicht = Patient ist heiß und trocken → kühlen und Flüssigkeit sichern. Sollwert runter = Patient schwitzt → Kreislauf eng überwachen, Flüssigkeit ersetzen und trocken pflegen. Vitalzeichenkontrolle, ausreichende Flüssigkeitszufuhr, Exsikkosebeobachtung sowie Flüssigkeitsbilanz und Miktionsprotokoll begleiten alle Phasen durchgehend.

Quellen:


Beitragsbild: pixabay.com, @ExergenCorporation