Aufbereiteter Lehrinhalt, Unterrichtsfach: Grundzüge und Prinzipien der Akut- und Langzeitpflege inklusive Pflegetechnik
Datum Erstellung: 10.10.24
Letzte Aktualisierung: 08.08.26
Die Pflegeassistenz muss in der Lage sein, geeignete Maßnahmen zu ergreifen, um sicherzustellen, dass PatientInnen ihre Mahlzeiten sicher einnehmen können. Sie muss Schluckstörungen erkennen, die richtige Positionierung während der Mahlzeiten wählen und die Nahrungskonsistenz anpassen, um Aspirationsgefahren zu vermeiden.

SKRIPTUM FÜR DEN UNTERRICHT
Bei diesem Dokument handelt es sich um ein Skriptum für Lehrerinnen und Lehrer, das für den Gebrauch im Unterricht vorgesehen ist. Das Skriptum ist als Whitelabel-Dokument gestaltet. Es ist gestattet, es mit dem eigenen Schulstempel oder dem eigenen Logo zu versehen.
Nahrungsaufnahme: Das muss die Pflegeassistenz wissen/können:
➤ weiß, was Dysphagie bedeutet;
➤ kennt die Gefahren/Folgen einer Dysphagie;
➤ kann die Anzeichen einer Dysphagie nennen;
➤ kann umfassend Auskunft geben über die Aspirationsprophylaxe;
➤ beschreibt die Hilfestellungen bei Störungen der Nahrungsaufnahme;
➤ beschreibt die Unterstützung beim Essen und Trinken;
➤ beschreibt das Essenreichen bei Schluckstörungen;
➤ kennt Gründe, die die Nahrungsaufnahme beeinträchtigen;
➤ wirkt im Rahmen ihres Handlungsspielraums bei der Erhebung von Informationen zu den Themen Essen und Trinken mit und leitet die Informationen strukturiert weiter;
➤ erkennt offensichtliche Veränderungen im Pflegeverlauf und kann diese nachvollziehbar dokumentieren;
➤ unterstützt Menschen mit Schluckstörungen beim Essen und Trinken fachgerecht;
➤ beschreibt die Bedeutung der Biografiearbeit für den Beziehungsaufbau und die Förderung der Selbstbestimmung in der Pflege;
➤ erhebt im Rahmen der Biografiearbeit unter Einhaltung von Kommunikationsregeln Informationen zu Lebensaktivitäten, Gewohnheiten;
➤ kann Kriterien der Beobachtung des Essverhaltens sowie des Ernährungs- und Flüssigkeitszustands benennen;
➤ setzt grundlegende Techniken und Hilfsmittel der Mobilisation und Positionierung unter Berücksichtigung der alters, entwicklungs- und krankheitsbedingten Belastbarkeit ein;
Aus „Curricula für die Ausbildungen Pflegeassistenz und Pflegefachassistenz„, im Auftrag des Bundesministeriums für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz, 2020
Definition Pflegeintervention
Eine Pflegeintervention ist eine Maßnahme, die von einer Pflegekraft durchgeführt wird, um einer pflegebedürftigen Person dabei zu helfen, ihre individuellen Bedürfnisse zu erfüllen.
Jede Pflegeintervention besteht aus drei Bestandteilen:
1. Vorbereitung: Umfasst alle notwendigen Schritte, die vor der Durchführung der Intervention getroffen werden.
2. Durchführung: Beschreibt den eigentlichen Ablauf der Intervention.
3. Nachsorge: Beinhaltet die Schritte, die nach der Durchführung notwendig sind, inklusive der Dokumentation.
🪢 🧩💡Erinnerungsknoten:
Was besagt die Sorgfaltspflicht?
Welche Verantwortung ergibt sich daraus für die Pflegeassistenz?
Was bedeutet Fahrlässigkeit in der Pflege?
Was besagt der Sorgfaltsmaßstab?
Was bedeutet das für die Pflegeassistenz?💡🧩 🪢
Intakte Nahrungsaufnahme
Der Schluckakt wird in vier Phasen unterteilt:
- präorale Phase (willentlich initiierbar): kauen
- orale Phase (willkürlich initiierbar): schlucken
- pharyngeale Phase (automatisch ablaufend): Verschluss der Atemwege
- ösophageale Phase (automatisch ablaufend): Transport des Bissens in peristaltischen Wellen durch den Ösophagus
Eine intakte Nahrungsaufnahme ist dadurch gekennzeichnet, dass alle vier Phasen des Schluckakts problemlos und koordiniert ablaufen. Die Betroffene kann die Nahrung normal kauen, schlucken und sie gelangt sicher in den Magen.
Unterstützung beim Essen und Trinken – Handlungsschema
VORBEREITUNG
1. Informationen einholen
• muss die PatientIn nüchtern bleiben?
• Hilfsbedürftigkeit erfragen (Dokumentation, Kollegen)
• Dysphagie? Diabetiker?
2. Angenehme Atmosphäre schaffen
• für angenehme Raumtemperatur sorgen (evtl. lüften, nicht zu kühl)
• Besteck, Glas, Serviette richtig positioniert (niedriges Geschirr nach vorne, hohes nach hinten)
• Aufregung vor Mahlzeiten vermeiden
3. Auf Sauberkeit achten
• sauberer Essplatz
• Händehygiene, hygienische Arbeitskleidung (evtl. Wechsel)
• Servietten oder Geschirrtücher zum Reinigen des Mundes
4. PatientIn vorbereiten
• evtl. Zahnprothese richten
• in Essposition bringen (aufrechte Sitzposition, Oberkörper hoch – durch Handtuch vor Rutschen schützen, Unterstützung im Rücken)
• Medikamenteneinnahme vor dem Essen (nicht, während man isst)
DURCHFÜHRUNG
1. Informationen einholen
• Überprüfung der Übereinstimmung der verordneten Diät und der gelieferten Kost
2. Angenehme Atmosphäre schaffen
• auf eine Höhe mit der PatientIn begeben
• Unterbrechungen vermeiden
• keine pflegerische Handlung während des Essens (z. B. Körperpflege oder Inkontinenzversorgung der ZimmernachbarIn)
• Geduld beim Essen entgegenbringen
• Warmhaltedeckel öffnen, damit die PatientIn die Speise sieht
• Teller appetitlich anrichten
• für sehbehinderte Personen beschreiben, was am Teller ist
3. Auf Sauberkeit achten
• PatientInnen den Mund mit der Serviette (nicht mit dem Kleidungsschutz) abwischen
5. Sicherheitsmaßnahmen beachten
• auf die richtige Temperatur achten (vor allem bei Suppe in Trinkbechern), Prüfen an der Innenseite des Armes
• evtl. mundgerecht vorbereiten (z. B. Fleisch nicht auf einmal schneiden, Kartoffeln zerkleinern/zerdrücken, verschiedene Speisen nicht miteinander vermengen)
• sich genügend Zeit lassen
• ggf. benötigtes spezielles Geschirr und Besteck griffbereit halten
6. Ressourcen berücksichtigen / Selbständigkeit fördern
• Unterstützung beim Essen, nur soweit wie nötig (z. B.: PatientIn soll den Löffel selbst halten, Hand der PatientIn führen)
• die PatientIn bestimmt Reihenfolge der Speisen und die Geschwindigkeit der Essenseinnahme
• zwischendurch Getränke anbieten
• Ess- und Trinkhilfen anbieten
Die PatientIn wird nicht „gefüttert“; es wird das“Essen verabreicht / angereich“, „Essen eingegeben“, „Nahrung verabreicht / angereicht“)! Die Nahrung wird nie mit Gewalt eingegeben! Die PatientIn trägt kein „Barterl“, sondern einen Kleidungsschutz.
NACHSORGE
1. Informationen einholen
• Wie viel wurde gegessen? (Diabetiker)
• Hat es geschmeckt?
• Warum nicht gegessen?
• Wurden Medikamente eingenommen?
2. Angenehme Atmosphäre schaffen
• evtl. lüften
3. Auf Sauberkeit achten
• Essplatz säubern, verschmutzte Servietten zur Wäsche geben
• Möglichkeit der Mund- und Handreinigung geben
4. Sicherheitsmaßnahmen beachten
• erst ca. 30 Minuten nach dem Essen wieder bequem positionieren oder ins Bett bringen (z. B. Prophylaxe bei Dysphagie)
DOKUMENTATION
• Wie viel wurde gegessen? (Diabetiker)
• Hat es geschmeckt?
• Warum nicht gegessen?
• Wurden Medikamente eingenommen?
• zusätzlich melden, wenn die PatientIn Beschwerden hat oder Veränderungen aufgetreten sind
Essen eingeben bei intakter Nahrungsaufnahme: Die wichtigsten Punkte
• muss eine PatientIn nüchtern bleiben? (Informationen einholen)
• Hilfsbedürftigkeit erfragen (Dokumentation, Kollegen)
• Dysphagie?
• sauberer Essplatz
• Händehygiene, hygienische Arbeitskleidung (evtl. Wechsel)
• evtl. Zahnprothese richten
• in Essposition bringen (aufrechte Sitzposition, Oberkörper hoch – durch Handtuch vor Rutschen schützen, Unterstützung im Rücken)
• Medikamenteneinnahme vor dem Essen (nicht, während man isst)
• Überprüfung der Übereinstimmung der verordneten Diät und der gelieferten Kost
• keine pflegerische Handlung während des Essens (z. B. Körperpflege oder Inkontinenzversorgung der ZimmernachbarIn)
• Unterstützung beim Essen, nur soweit wie nötig (z. B.: PatientIn soll den Löffel selbst halten, Hand der PatientIn führen)
• zwischendurch Getränke anbieten
• Ess- und Trinkhilfen anbieten
• Wie viel wurde gegessen? (Diabetiker)
• erst 30 Minuten nach dem Essen wieder bequem positionieren oder ins Bett bringen (z. B. Prophylaxe bei Dysphagie)
• DOKUMENTATION
• zusätzlich melden, wenn die PatientIn Beschwerden hat oder Veränderungen aufgetreten sind
Besonders wichtig beim Essen ist die Oberkörperhochpositionierung. Sie dient der Aspirationsprophylaxe, unterstützt die Verdauung, reduziert das Risiko des Verschluckens und beugt Erbrechen vor.
Gestörte Nahrungsaufnahme
Während bei einer intakten Nahrungsaufnahme alle vier Phasen des Schluckakts problemlos und koordiniert ablaufen, treten bei Dysphagie Störungen in zumindest einer Phase des Schluckakts auf. Die Gründe dafür sind sehr unterschiedlich und können Krankheiten des Verdauungsapparates, angeborene Fehlbildungen, Bewusstseinsstörungen und kognitive Defizite und psychogene Ursachen umfassen.
Präorale Phase: Schwierigkeiten beim Kauen
Orale Phase: Probleme bei der Einleitung des Schluckreflexes
Pharyngeale Phase: Fehlender Verschluss der Atemwege (👉 Aspiration)
Ösophageale Phase: verminderte peristaltische Bewegung, Verengungen (Tumore),…
Hilfsmittel bei gestörter Nahrungsaufnahme
Besteck mit verdickten Griffen – z. B. Parkinson
rutschfeste Unterlagen – z. B. SchlaganfallpatientInnen
Trinkbecher mit Deckeln oder Strohhalmen – z. B. Dysphagie
Besteck mit gebogenen Griffen – z. B. Arthritis
Beim Essen verabreichen darauf Rücksicht nehmen, dass man sich bei unterschiedlichen Lähmungen auch unterschiedlich nähert (entweder von der gesunden oder von der betroffenen Seite).
🪢 🧩💡Erinnerungsknoten: Von welcher Seite näherst du dich bei Neglect? Von welcher bei Pusher-Symptomatik?💡🧩 🪢
Schluckstörungen (Dysphagie)
Dysphagie = ein gestörter Schluckvorgang.
Gründe für Dysphagie
• Schlaganfall („Schlaganfall-assoziierte Dysphagie“), Parkinson, Demenz, MS
• Entzündung im Bereich von Mund, Rachen oder Speiseröhre (👉 oft mit Schmerzen verbunden)
• Tumore des Ösophagus (mechanische Schluckprobleme, oft mit Schmerzen verbunden)
• Vergrößerung der Schilddrüse (mechanische Schluckprobleme, Engegefühl oder „Kloß im Hals“)
Die vier Gefahren der Dysphagie
1. Aspiration, Stille Aspiration: zeigt keine oder wenige Symptome; ggf. eine feucht klingende, gurgelnde Stimme. Ein abnormer Hustenreflex [übermäßig oder fehlend] gemeinsam mit verminderter Kehlkopfhebung sowie eine Stimmverschlechterung können auf eine Stille Aspiration hindeuten.
2. Aspirationspneumonie: Die Stille Aspiration bleibt zunächst unbemerkt und löst eine Pneumonie aus.
3. chronische Bronchitis: oft durch stumme Aspiration ausgelöst
4. Penetration; Stille Penetration: Eindringen von Nahrung in die oberen Atemwege; dringt nicht – wie bei der Aspiration – bis in die Luftröhre oder die tieferen Atemwege ein
Aus der Praxis: Eine PatientIn mit gurgelnder Stimme wird aufgefordert, sich zu räuspern und dann noch einmal zu schlucken.
Folgen / Anzeichen einer Dysphagie
Zusätzlich zu den vier Gefahren bringt die Dysphagie weitere mögliche Folgen mit sich. Viele davon sind sichtbar und können als Hinweise auf eine Dysphagie betrachtet werden. Sie sollten daher dokumentiert / gemeldet werden:
• Gewichtsabnahme / Unterernährung / Mangelernährung (Malnutrition)
• Dehydration (👉 Schwindel, Müdigkeit und Nierenprobleme)
• Erstickungsanfälle (👉 bis zur Zyanose)
• Angst vor dem Verschlucken (👉 psychische Belastung, sozialer Rückzug, Ausspucken der Nahrung)
• willentliche Auslösung des Schluckens ist erschwert (wird als anstrengend und unnatürlich empfunden)
• Husten nach dem Schlucken
• Nahrungsreste im Mund (orale Residuen)
• Fremdkörpergefühl im Brustbereich
• bei Tracheostoma: nasses Tracheostoma
zu Dehydration:
Dysphagie betrifft nicht nur feste Nahrung, sondern auch Flüssigkeiten. Menschen mit Schluckstörungen trinken aus Angst vor dem Verschlucken häufig zu wenig. Dehydration kann Schwindel, Müdigkeit und Nierenprobleme verursachen.
Logopädie
Definition: Logopädie beschäftigt sich mit der Diagnostik, Therapie, Beratung und Prävention von Störungen der Sprache, des Sprechens, der Stimme, des Hörens und des Schluckens.
Logopädinnen und Logopäden arbeiten unter anderem mit Menschen mit:
- Sprachstörungen, z. B. nach einem Schlaganfall
- Sprechstörungen
- Stimmstörungen
- Kommunikationsstörungen
- Schluckstörungen (Dysphagie)
Die wichtigsten Berührungspunkte zwischen Pflegeassistenz und Logopädie bestehen bei Menschen mit Dysphagie. Die Pflegeassistenz beobachtet Auffälligkeiten in Bezug auf Schluckstörungen, dokumentiert diese und gibt diese an den Gehobenen Dienst weiter. Für die LogopädIn sind folgende Beobachtungen wertvolle Informationen:
• Husten oder Räuspern beim Essen und Trinken
• „gurgelnde“ oder feuchte Stimme nach dem Schlucken
• Nahrung bleibt im Mund zurück
• häufiges Verschlucken
• erschwertes oder verzögertes Schlucken
• auffällig lange Mahlzeiten
• Nahrungs- oder Flüssigkeitsverweigerung
• Atemprobleme oder Würgen während oder nach der Nahrungsaufnahme
• Speichel läuft aus dem Mund
• Schmerzen beim Schlucken
• Anzeichen von Dehydration (Oligurie, Anurie, herabgesetzter Hautturgor, trockene Mundschleimhaut, trockene Lippen, Rhagaden)
• deutlicher Gewichtsverlust
• Fieber
Aspirationsprophylaxe
Aspiration = Eindringen von flüssigen oder festen Stoffen (Flüssigkeiten, Speisen, Speichel, Erbrochenes) in die Atemwege. Aspirationsprophylaxe beschreibt alle Maßnahmen, die einer Aspiration bestmöglich vorbeugen.
Dysphagie 👉 Risiko Aspiration!
Risikofaktoren, die eine Aspiration begünstigen
- Dysphagie
- unzureichend gekaute Nahrung, zu hastiges Essen, Schlucken von zu großen Bissen
- Mundtrockenheit
- Nahrungsaufnahme im Liegen
- Bewusstseinsstörung / Verwirrtheit
- ausgeprägte körperliche Schwäche
- lange Nahrungskarenz (z. B. bei PEG-Sonde)
- schwacher oder fehlender Hustenreflex
Aspirationsprophylaxe
- bei unklarer Situation zuerst diagnostische Abklärung und Schlucktraining (Logopäde)
- Vigilanz überprüfen – bei stark bewusstseinsgetrübten Patientinnen nichts oral eingeben, Ernährung erfolgt dann zumeist enteral/parenteral (z. B. PEG-Sonde)
- Zahnprothese (gut sitzend) tragen lassen
- PatientIn husten lassen – Husten muss funktionieren, sonst keine Nahrung eingeben!
- Oberkörper aufrecht positionieren, Kopf nach vorne gebeugt
- Mundpflege vor der Nahrungsaufnahme inkl. Anfeuchten der Mundschleimhaut – das kann mit einem Schluck Wasser (eingedickt) geschehen. Auf diese Weise kann beobachtet werden, ob die PatientIn schlucken kann – dabei handelt es sich um keinen standardisierten Wasserschlucktest!
- halbfeste Speisen reichen (ggf eindicken) – trockene, fasrige und krümelnde Speisen meiden (gleichzeitiges Schlucken von festen und flüssigen Bestandteilen fällt schwer)
- Ruhe bei der Nahrungsaufnahme
- PatientIn anleiten, nur kleine Mengen in den Mund zu nehmen
- individuell festlegen, welches Maß an Unterstützung und Beaufsichtigung während der Mahlzeiten erforderlich ist. Bei hohem Aspirations- oder Erstickungsrisiko ununterbrochene 1:1-Beaufsichtigung
- ggf. Tabletten auflösen (bei hohem Aspirations- oder Erstickungsrisiko, nicht alle Tabletten können aufgelöst werden)
- Mundpflege nach der Nahrungsaufnahme (Mundhöhle kontrollieren)
- sitzende Position 20-30 Minuten nach dem Essen aufrechterhalten
Aktuell führt die Pflege keinen standardisierten Wasserschlucktest durch. Dies könnte sich in Zukunft jedoch ändern, da die interprofessionelle Arbeitsgruppe „Dysphagie“ der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie derzeit darüber diskutiert, einen solchen Test einzuführen.
Die Sinnhaftigkeit der gängigen Praxis, Tabletten für PatientInnen mit Schluckstörungen zu zerkleinern, wird aktuell hinterfragt. S. Studie „Tabletten bei Schluckstörungen: Im Ganzen sicherer als zerkleinert“ vom Oktober 2025 der Karl Landsteiner Privatuni für Geundheitswissenschaften.
Essen eingeben bei Dysphagie – Handlungsschema
Bevor der PatientIn Nahrung angeboten wird, vergewissern, dass die PatientIn schlucken kann. Bei Fehlen des Schluck- und Hustenreflexes (überprüfen!) muss wegen der Aspirationsgefahr jede orale Nahrungszufuhr unterbleiben. Die Pflegeassistenz muss über ein angemessenes Maß an Fertigkeiten und Wissen verfügen, um PatientInnen beim Essen zu unterstützen.
Es gibt in Österreich Pflegekräfte, die speziell in Dysphagie und Dysphagiemanagement geschult sind.
Das Handlungsschema entspricht grundsätzlich demselben wie bei der „Unterstützung beim Essen und Trinken“. Beim Verabreichen von Nahrung und Flüssigkeit an Menschen mit Dysphagie müssen jedoch zusätzliche Punkte berücksichtigt werden. Diese sind im Folgenden gelb markiert.
VORBEREITUNG
1. Informationen einholen
• muss die PatientIn nüchtern bleiben?
• Hilfsbedürftigkeit erfragen (Dokumentation, Kollegen)
• Schluckstörung? Diabetiker?
2. Angenehme Atmosphäre schaffen
• für angenehme Raumtemperatur sorgen (evtl. lüften, nicht zu kühl)
• Besteck, Glas, Serviette richtig positioniert (niedriges Geschirr nach vorne, hohes nach hinten)
• Aufregung vor Mahlzeiten vermeiden
3. Auf Sauberkeit achten
• sauberer Essplatz
• Händehygiene, hygienische Arbeitskleidung (evtl. Wechsel)
• Servietten oder Geschirrtücher zum Reinigen des Mundes
4. PatientIn vorbereiten
• evtl. Zahnprothese richten
• in Essposition bringen (aufrechte Sitzposition, Oberkörper hoch – durch Handtuch vor Rutschen schützen, Unterstützung im Rücken)
• Medikamenteneinnahme vor dem Essen (nicht, während man isst) – bei Dysphagie und hohem Aspirationsrisiko Medikamente mörsern
DURCHFÜHRUNG
1. Informationen einholen
• Überprüfung der Übereinstimmung der verordneten Diät und der gelieferten Kost
2. Angenehme Atmosphäre schaffen
• auf die gleiche Höhe wie die PatientIn begeben
• Unterbrechungen vermeiden
• keine pflegerische Handlung während des Essens (z. B. Körperpflege oder Inkontinenzversorgung des Zimmernachbars)
• Geduld beim Essen entgegenbringen
• Warmhaltedeckel öffnen, damit die PatientIn die Speise sieht
• Teller appetitlich anrichten
• für sehbehinderte Personen beschreiben, was am Teller ist
3. Auf Sauberkeit achten
• Mund mit der Serviette (nicht mit dem Kleidungsschutz) abwischen
5. Sicherheitsmaßnahmen beachten
• auf die richtige Temperatur achten (vor allem bei Suppe in Trinkbechern), Prüfen an der Innenseite des Armes
• evtl. mundgerecht vorbereiten (z. B. Fleisch nicht auf einmal schneiden, Kartoffeln zerkleinern/zerdrücken, verschiedene Speisen nicht miteinander vermengen)
• sich genügend Zeit lassen
• ggf. benötigtes spezielles Geschirr und Besteck griffbereit halten
Sicherheitsmaßnahmen speziell bei Dysphagie:
• Konsistenz anpassen (eindicken)
• Bolusgabe anpassen (kleine Mengen in den Mund nehmen)
• beim Schlucken muss der Mund geschlossen sein (keine Gespräche während des Essenreichens
• Pausen machen, für Menschen mit Dysphagie stellt Essen eine hoch anspruchsvolle Tätigkeit dar
• Nach jedem Bissen nachschlucken lassen (Kehlkopfbewegung beobachten), ggf. nachtrinken lassen, auffordern zum Nachschlucken
• gute Mundhygiene vor und nach jeder Mahlzeit
6. Ressourcen berücksichtigen / Selbständigkeit fördern
• Unterstützung beim Essen, nur soweit wie nötig (z. B.: PatientIn soll den Löffel selbst halten, Hand des Patienten führen)
• die PatientIn bestimmt Reihenfolge der Speisen und die Geschwindigkeit der Essenseinnahme
• zwischendurch Getränke anbieten
• Ess- und Trinkhilfen anbieten
Ressourcen berücksichtigen speziell bei Dysphagie:
• Hilfsmittel verwenden (z. B. Trinkbecher mit Deckeln oder Strohhalmen)
Die PatientIn wird nicht „gefüttert“! Die Nahrung wird nie mit Gewalt eingegeben! Sie trägt kein „Barterl“, sondern einen Kleidungsschutz.
NACHSORGE
1. Informationen einholen
• Wie viel wurde gegessen? (Diabetiker)
• Hat es geschmeckt?
• Warum nicht gegessen?
• Wurden Medikamente eingenommen?
2. Angenehme Atmosphäre schaffen
• evtl. lüften
3. Auf Sauberkeit achten
• Essplatz säubern, verschmutzte Servietten zur Wäsche geben
• Möglichkeit der Mund- und Handreinigung geben
4. Sicherheitsmaßnahmen beachten
• erst ca. 30 Minuten nach dem Essen wieder bequem positionieren oder ins Bett bringen (z. B. Prophylaxe bei Dysphagie)
DOKUMENTATION
• Wie viel wurde gegessen? (Diabetiker)
• Hat es geschmeckt?
• Warum nicht gegessen?
• Wurden Medikamente eingenommen?
• zusätzlich melden, wenn die PatientIn Beschwerden hat oder Veränderungen aufgetreten sind
Hilfestellung / Pflege bei Erbrechen
MITNEHMEN (Vorbereitung)
• Nierenschale oder Waschschüssel
• Tücher
• Handtücher
HILFESTELLUNG (Durchführung)
• Oberkörper hoch
• Zahnprothesen auf Wunsch entfernen
• Gesicht reinigen (Teilwaschung anbieten)
DANACH (Nachsorge)
• Fenster öffnen
• Mundpflege
• ggf. Kleidung und Bettwäsche wechseln
• Ursachen erkennen und nach Möglichkeit behandeln lassen (ÄrztIn)
• ggf. Nahrungsmittelkarenz (entscheidet der Gehobene Dienst oder die ÄrztIn?)
• ggf. Antiemetika nach ärztlicher Verordnung
• Vitalzeichen kontrollieren
• Ausscheidung beobachten lt. Beobachtungskriterien
• dokumentieren
🪢 🧩💡Erinnerungsknoten: Erste Hilfe: Wie gehen Sie im Notfall bei Bewusstlosigkeit und Erbrechen vor? Wie gehen Sie mit dem Erbrochenen um (in einer zivilen Notsituation / im Krankenhaus)?💡🧩 🪢
FACHWÖRTER ZUM THEMA ESSEN VERABREICHEN, DIE DIE PFLEGEASSISTENZ KENNEN MUSS
| Begriff | Beschreibung |
|---|---|
| Aspiration | flüssige oder feste Stoffe gelangen in die Atemwege |
| Aspirationspneumonie | aspirationsindizierte Lungenentzündung |
| Aspirationsprophylaxe | Vorbeugung vor dem versehentlichen Einatmen von flüssigen oder festen Stoffen |
| Bolus | Bissen |
| Dysphagie | Schluckstörung |
| Logopädie | Wissenschaft, die sich mit Sprach-, Sprech-, Stimm-, Schluck- oder Hörbeeinträchtigung beschäftigt |
| Malnutrition | Mangelernährung |
| Morbus Parkinson | neurologische Erkrankung |
| Nierenschale / Nierentasse | nierenförmige Schüssel zum Auffangen von Flüssigkeiten |
| Ösophagus | Speiseröhre |
| Parkinson | neurologische Erkrankung |
| PEG-Sonde | künstliche enterale Ernährung |
| Penetration | Eindringen von Nahrung in die oberen Atemwege |
| Pflegeintervention | Pflegemaßnahme |
| Pneumonie | Lungenentzündung |
| Residuen, orale | Nahrungsreste im Mund |
| Singultus | Schluckauf |
| Tracheostoma | chirurgisch geschaffene, künstliche Öffnung in der Luftröhre zur Sicherstellung der Atmung |
| Vigilanz | Wachheit |
| Zyanose | bläuliche Verfärbung der Haut aufgrund von Sauerstoffmangel |
VIEL GLÜCK BEI DER PRÜFUNG! 🍀
Quellen:
s. Skriptum
Bild: pixabay, @congerdesign