Aufbereiteter Lehrinhalt
13.03.2026
Die pädagogischen Förderdiagnostik gehört zum Aufgabenbereich der Sozialbetreuung. Es handelt sich dabei nicht um klinische oder medizinische Diagnostik.
Das muss die FSB-BA/BB über Unterstützte Kommunikation wissen:
➤ Anwendung pädagogischer Diagnostik
Pädagogische Förderdiagnostik: Definition
Menschen haben unterschiedliche Bedürfnisse, Fähigkeiten und Lebenssituationen. Für Menschen mit Behinderung eröffnet die Pädagogische Förderdiagnostik vielfältige Fördermöglichkeiten, die helfen können, die Teilhabe im Alltag zu verbessern. Die zentrale Herausforderung besteht dabei darin, die jeweils passende Form der Unterstützung zu finden.
Förderdiagnostik in der sozialpädagogischen Praxis bedeutet:
- Beobachten von Fähigkeiten und Ressourcen
- Einschätzen von Unterstützungsbedarfen
- Erkennen von Entwicklungsmöglichkeiten
- Ableiten von Förderzielen
- Mitwirkung bei der Planung von pädagogischen Maßnahmen
Arten der pädagogischen Förderdiagnostik
Pädagogische Entwicklungsdiagnostik
= pädagogische Einschätzung der allgemeinen Entwicklung.
- motorische Entwicklung
- kognitive Entwicklung
- soziale Entwicklung
- emotionale Entwicklung
Pädagogische Diagnostik Wahrnehmung und Sensorik
- visuelle Wahrnehmung
- auditive Wahrnehmung
- Körperwahrnehmung
- sensorische Verarbeitung
Pädagogische Diagnostik Motorik
- Grobmotorik
- Feinmotorik
- Koordination
- Bewegungsplanung
Pädagogische Sprachdiagnostik
Pädagogische Einschätzung von Sprachverständnis und Sprachproduktion.
- Wortschatz
- Grammatik
- Sprachverstehen
- Kommunikationsfähigkeit
- Unterstützte Kommunikation
Pädagogische emotional-soziale Einschätzung
Pädagogische Einschätzung von sozialem Verhalten und emotionaler Entwicklung.
- Umgang mit Frustration
- Beziehungen zu anderen
- Selbstregulation
- soziale Kompetenzen
Pädagogische Einschätzung der Alltagskompetenzen
Pädagogische Einschätzung von Selbstständigkeit im Alltag.
- Selbstversorgung
- Orientierung
- Umgang mit Materialien
- praktische Fähigkeiten
Pädagogische Einschätzung der Teilhabe
Pädagogische Einschätzung der Teilhabemöglichkeiten in verschiedenen Lebensbereichen.
- Wohnen
- Arbeit
- Freizeit
- soziale Beziehungen
Pädagogisch-biografische Diagnostik
- Lebensgeschichte
- Erfahrungen
- Ressourcen / Stärken
- wichtige Lebensereignisse
Alle diese Formen der Förderdiagnostik haben gemeinsam, dass sie nicht der medizinischen oder psychologischen Diagnose dienen, sondern der Planung pädagogischer Unterstützung und Förderung.
Pädagogische Lern- und Leistungsdiagnostik
Pädagogische Einschätzung von Lernvoraussetzungen und Lernfortschritten. Erfassen von individuellen Lernvoraussetzungen und Entwicklungsmöglichkeiten zur gezielten Förderung von Alltagskompetenzen:
- Kommunizieren
- Lesen (z. B. Symbole erkennen, einfache Texte verstehen, Piktogramme nutzen)
- Schreiben (z. B. Namen schreiben, digitale Hilfen verwenden)
- Rechnen / mathematisches Verständnis (z. B. Mengen erfassen, Geld verstehen, Zeit einschätzen)
- Alltagskompetenzen (z. B. Einkaufen, Orientierung, Selbstversorgung)
- Soziale Kompetenzen (z. B. Interaktion, Regeln verstehen)
- Motorische Fähigkeiten (grobmotorische wie z. B. Gehen, Stehen, Gleichgewicht halten, Treppen steigen, feinmotorische Fähigkeiten wie z. B. Greifen, Schreiben, Knöpfe schließen, mit Besteck essen)
- Wahrnehmung (visuelle Wahrnehmung: Sehen, auditive Wahrnehmung: Hören, taktile Wahrnehmung: Fühlen, Körperwahrnehmung, Raumwahrnehmung)
🔗 Externer Link: Klassifikation der Aktivitäten und Partizipation, Rehadat ICF-Lotse (Deutschland, nur als loser Überblick über die pädagotischen Fördermöglichkeiten) 🔗
ℹ️ Mehr Infos zum Thema: Vorlagen für Pädagogische Förderdiagnostik: Beobachtungs-, Diagnostik- und Analysebögen zur Feststellung des Unterstützungsbedarfs von Menschen mit Behinderung. ℹ️
Aufgaben der Fachsozialbetreuung in Bezug auf Förderdiagnostik
Bei der Fach-Sozialbetreuung handelt es sich um eine Mitwirkung an der pädagogischen Förderdiagnostik. Bei der Diplom-Sozialbetreuung geht die Kompetenz darüber hinaus und umfasst eine eigenverantwortliche Durchführung und fachliche Steuerung der pädagogischen Förderdiagnostik.
Rechtliche Grundlage
In der österreichischen Vereinbarung gemäß Art. 15a B-VG über Sozialbetreuungsberufe[1] wird beschrieben, dass die Fach-Sozialbetreuung:
- Beobachtungen durchführt und dokumentiert
- Maßnahmen evaluiert und dokumentiert
Diese Tätigkeiten sind Teil des professionellen Betreuungsprozesses. Daraus ergibt sich auch die Aufgabe, pädagogische Einschätzungen zur Förderung und Unterstützung einer Person vorzunehmen.
Praktisch übernimmt die Fachsozialbetreuung folgende Tätigkeiten im Zusammenhang mit Förderdiagnostik
- beobachtet und dokumentiert alltagsnah,
- erkennt Förderbedarf,
- arbeitet bei Förderplanung mit,
- setzt Fördermaßnahmen um,
- meldet Veränderungen zurück
Aufgaben der Diplom-Sozialbetreuung in Bezug auf Förderdiagnostik
SozialbetreuerInnen arbeiten eigenverantwortlich in Betreuung, Begleitung, Beratung und Förderung. Die Unterscheidung zwischen Fach- und Diplomniveau ergibt sich laut Vereinbarung gemäß Art. 15a B-VG über Sozialbetreuungsberufe[1] ausdrücklich aus dem Umfang der Tätigkeiten und dem Ausbildungsumfang.
Für die pädagogische Förderdiagnostik ist wichtig: In den Ausbildungsunterlagen zur Sozialbetreuung werden ausdrücklich „Pädagogische Diagnostik in Abgrenzung zu medizinischer Diagnostik“, „Förderdiagnostik“ und „Individuelle Entwicklungsplanung“ genannt. Pädagogische Förderdiagnostik gehört somit fachlich zur Sozialbetreuung – aber eben als pädagogische, nicht als klinische Diagnostik[2].
Die Diplom-Sozialbetreuung arbeitet auf Grundlage der vertieften, wissenschaftlich fundierten Ausbildung mit höherer Selbstständigkeit und Eigenverantwortlichkeit. Zusätzlich übernimmt sie laut Rechtsgrundlagen konzeptive und planerische Aufgaben, entwickelt und evaluiert Konzepte und Projekte, koordiniert MitarbeiterInnen fachlich und wirkt an Qualitätsentwicklung, Reflexion und Evaluation mit[1]. Hier liegt der wesentliche Unterschied für Förderdiagnostik: Diplom-SozialbetreuerInnen sind eher dafür zuständig, diagnostische Beobachtungen zu systematisieren, in Förderkonzepte zu übersetzen, methodisch zu begründen, im Team anzuleiten und zu evaluieren.
Die Diplom-Sozialbetreuung
- formuliert und verantwortet Förderplanung eigenständig,
- wählt und begründet Konzepte/Methoden eigenständig,
- koordiniert das Team fachlich,
- evaluiert Prozesse und entwickelt Angebote eigenständig weiter
Die Grenze verläuft für die Diplom-Sozialbetreuung dort, wo es nicht mehr um pädagogische Einschätzung und Förderplanung geht, sondern um medizinische, klinisch-psychologische, psychotherapeutische Diagnostik. Genau darauf weisen auch schon die Ausbildungsstatuten hin: pädagogische Diagnostik ist von medizinischer und psychologisch-therapeutischer Diagnostik abzugrenzen[2].
Quellen:
[1] RIS: Vereinbarung gem. Art. 15a B-VG zwischen Bund und Ländern über Sozialbetreuungsberufe, Anlage 1, Punkt 3.1 (Aufgaben von Fach-Sozialbetreuer:innen)
[2] Bundesministerium für Bildung, Lehrplan der Schule für Sozialbetreuungsberufe