Aufbereiteter Lehrinhalt, Fach „Kultur- und Sozialgeschichte fĂĽr die Fachsozialbetreuung“
Erstellt am: 14.04.2025
Aktualisiert am: 04.09.2026
Aufbereiteter Lehrinhalt: Die Antike legte das Fundament fĂĽr das Gesundheitswesen des mittelalterlichen Europas. Viele ihrer Konzepte und Prinzipien wirken bis in die Gegenwart fort.
Pflege im antiken Ägypten
ANTIKES ÄGYPTEN: DAS WICHTIGSTE IN STICHPUNKTEN
Die ägyptische Pflege und Medizin war zweigeteilt: hochwertige medizinisch-rituelle Versorgung für die Oberschicht, familiäre Pflege für die Bevölkerung[14]
Theorien: Krankheit als Einwirkung eines Gottes, einer Göttin, eines Untoten oder einer Untoten[16], aber auch Vorstellungen von körperlichen Ursachen, Verletzungen, schädlichen Stoffen, medizinische Texte kombinieren Diagnose/Prognose, Arzneimittel und Beschwörungen[17]
Therapien: Heilpflanzen[16], einfache chirurgische Eingriffe[13], kultische Handlungen[16], Heilgöttinen waren weiblich[21,22]
Zugang zu hochwertiger Pflege und Medizin: Pharao, seine Familie, hohe Beamte[18], aber auch Ärzte für Arbeiter und Soldaten[19]
Ärzte: Arzt/Heiler, Beschwörer der Serqet (z. B. bei Schlangen- und Skorpionbissen), Priester der Göttin Sekhmet,[20] es gab auch Ärztinnen (Peseshet)[23]
Pflege: informelle Pflege, meist durch Frauen[15]
Wichtige Namen: Imhotep, Papyrus Ebers, Papyrus Edwin Smith
Krankheits- und Heilkonzepte
Im antiken Ägypten konnten Krankheiten als Einwirkung eines Gottes, einer Göttin, eines Untoten oder einer Untoten verstanden werden.[16] Gleichzeitig gab es auch Vorstellungen von körperlichen Ursachen, Verletzungen und schädlichen Stoffen. Medizinische Texte aus dieser Zeit verbinden Diagnose, Prognose, Arzneimittel und Beschwörungen miteinander.[17] Der Edwin-Smith-Papyrus, eine altägyptische medizinische Schriftrolle mit Fallbeschreibungen, behandelt „Wunden, Brüche, Verrenkungen, Zerrungen, Geschwüre und Geschwülste“.[13]
Therapien und Heilmethoden
Die medizinische Behandlung im antiken Ägypten umfasste Heilpflanzen, Wund- und Verletzungsbehandlungen sowie kultische und magisch-religiöse Handlungen. Der Papyrus Ebers, eine altägyptische medizinische Schriftrolle aus dem 16. Jahrhundert v. Chr., enthält Hunderte Rezepturen mit pflanzlichen, tierischen und mineralischen Bestandteilen, darunter beispielsweise Koriandersamen, Wacholderbeeren und Honig.[16]
Zugang zu Pflege und medizinischer Versorgung
Der Zugang zu professioneller Pflege und medizinischer Versorgung war im antiken Ägypten sozial unterschiedlich. Der Pharao, seine Familie und Angehörige der gesellschaftlichen Elite konnten persönliche Betreuung und Ärzte leichter in Anspruch nehmen. Ein großer Teil der alltäglichen Pflege kranker Menschen fand jedoch im häuslichen und familiären Umfeld statt. Pflege war schon im antiken Ägypten weiblich. Die Tätigkeiten sind in den erhaltenen Quellen jedoch deutlich schlechter dokumentiert als die Tätigkeit von Ärzten.[18]
Gleichzeitig gab es Ausnahmen von einer rein schichtabhängigen Versorgung: Besonders gut nachgewiesen ist dies für Deir el-Medina, die Arbeitersiedlung der Menschen, die an den königlichen Grabanlagen im Tal der Könige arbeiteten. Dort bestand durch staatliche Unterstützung ein vergleichsweise gut organisiertes Versorgungsnetz.[19] Kranke Arbeiter konnten medizinische Behandlung erhalten und wurden zugleich durch Familienangehörige und ihr persönliches soziales Umfeld gepflegt und versorgt.[14] Auch bei größeren staatlichen Arbeits-, Bergbau- und Militärexpeditionen wurden Ärzte zur Versorgung von Arbeitern und Soldaten eingesetzt.[19]
Ärztinnen und Ärzte im antiken Ägypten
Nicht alle Ärzte im antiken Ägypten waren Priester. Das University College London unterscheidet mehrere Gruppen von Heilkundigen. Dazu gehörten Ärzte bzw. Heiler, Beschwörer der Göttin Serqet, sowie Priester der Göttin Sekhmet. Ärzte, Priester und andere Heilkundige bildeten unterschiedliche Gruppen, deren Tätigkeiten sich teilweise überschneiden konnten.[20]
Serqet (auch Selket/Serket) war eine Schutz- und Heilgöttin gegen Gift. Ihr Name wurde mit dem Schutz vor giftigen Tieren verbunden. Deshalb wurden die Priester der Göttin Serqet vor allem bei Skorpion- und Schlangenbissen aufgesucht.[21] Sekhmet war eine mächtige Löwengöttin, die mit Krankheit, Seuchen, Zerstörung und Heilung verbunden war. Sie wurde als Göttin dargestellt, die Krankheiten bringen, aber auch wieder abwehren konnte.[22] Ihre Priester hatten deshalb ebenfalls eine wichtige Rolle im Bereich der Heilkunst.
Die erhaltenen offiziellen Heiltitel sind fast ausschließlich männlich überliefert. Daraus folgt jedoch nicht, dass Frauen nicht heilkundlich tätig waren. Erwähnenswert ist zum Beispiel Peseshet, die „Aufseherin der Ärztinnen“.[23]
Imhotep – ein Priester wird zum Heilgott
Imhotep war ein bedeutender Würdenträger des Alten Ägypten. Er war Baumeister bzw. Architekt und hatte zugleich ein hohes Priesteramt inne. Erst viele Jahrhunderte nach seinem Tod wurde Imhotep vergöttlicht und als Gott mit Heilung und Krankheit verbunden. In griechisch-römischer Zeit setzten die Griechen ihn schließlich mit ihrem Heilgott Asklepios gleich.
Das Papyrus Ebers
Das Edwin-Smith-Papyrus
Der Edwin-Smith-Papyrus gehört zu den bedeutendsten überlieferten medizinischen Texten des Alten Ägypten. Der Text, auf dem der heute erhaltene Papyrus beruht, wurde später unter anderem Imhotep zugeschrieben. Diese Annahme gilt heute jedoch als höchst unwahrscheinlich.
Von besonderer Bedeutung für die Pflege- und Medizingeschichte ist der Edwin-Smith-Papyrus, weil sich darin bereits ein erstaunlich systematischer und rationaler Umgang mit Krankheiten und Verletzungen erkennen lässt. Die beschriebenen Fälle folgen häufig einem geordneten Vorgehen: Der Patient wird untersucht, körperliche Zeichen werden beobachtet, anschließend werden Diagnose und Prognose gestellt und schließlich wird eine Behandlung festgelegt. Erkrankungen und Verletzungen werden damit nicht ausschließlich durch Magie oder übernatürliche Kräfte erklärt, sondern anhand beobachtbarer körperlicher Befunde und logischer Schlussfolgerungen beurteilt. In der historischen Forschung wird der Edwin-Smith-Papyrus deshalb als ein früher Ausdruck analytischen medizinischen Denkens bezeichnet.
Besonders bemerkenswert ist die Einteilung der beschriebenen Fälle nach ihrer Prognose. Im Edwin-Smith-Papyrus werden drei Kategorien unterschieden:
- „Eine Krankheit, die ich behandeln werde“ → Die Behandlung erscheint erfolgversprechend.
- „Eine Krankheit, mit der ich kämpfen werde“ → Eine Behandlung wird versucht, der Ausgang zwischen Genesung und Tod ist jedoch ungewiss.
- „Eine Krankheit, die nicht zu behandeln ist“ → Eine Heilung wird nicht erwartet; unterstützende Maßnahmen konnten dennoch erfolgen.
Diese Einteilung zeigt, dass nicht nur eine Diagnose gestellt, sondern auch eingeschätzt wurde, wie wahrscheinlich eine erfolgreiche Behandlung war. Das ist bemerkenswert nah an einer modernen Prognosestellung.
Ein großer Teil der im Edwin-Smith-Papyrus überlieferten Fälle betrifft Verletzungen und deren Behandlung:
- die Versorgung von Wunden, etwa durch Reinigung, Abdeckung und Ruhigstellung,
- die Behandlung von Knochenbrüchen,
- sowie die Verwendung verschiedener einfacher Materialien und Substanzen, darunter:
- Honig,
- frisches Fleisch zur Wundbehandlung,
- Ă–l und Fett,
- Nähfaden,
- Leinenverbände,
- Myrrhe,
- Weihrauch,
- Koniferenharz,
- KreuzkĂĽmmel,
- Bier,
- Salz.
Der Edwin-Smith-Papyrus zeigt damit besonders deutlich, dass im Alten Ägypten neben magisch-religiösen Vorstellungen bereits Beobachtung, Untersuchung, Diagnose, Prognose und praktische Behandlung wichtige Bestandteile medizinischen Handelns sein konnten.
„Daraufhin sagst du ĂĽber ihn: „Einer mit einer Wunde in seinem Nasenloch, die aufgeweicht/eingetieft/eingesunken(?) ist:
eine Krankheit, die ich behandeln werde. Dann musst du folglich fĂĽr ihn/sie (den Patienten oder die Wunde) zwei Stränge aus Leinenstoff machen. Dann musst du folglich jedes GewĂĽrm aus Blut (d.h. jedes Blut-Gerinnsel), das im Innern seiner beiden Nasenhöhlen verknotet (d.h. geronnen) ist, abwischen. Dann musst du sie (die Wunde) folglich am ersten Tag zusammen mit frischem Fleisch verbinden. Wenn ihre (der Wunde) Naht sich löst, nachdem du ihr/ihm (der Wunde oder dem Patienten) das frische Fleisch abgenommen hast, dann musst du sie (die Wunde) folglich täglich mit Ă–l/Fett, Honig und Faserbausch verbinden, bis es ihm (dem Patienten) besser geht / so dass er sich (wieder) wohl fĂĽhlt.“
Papyrus Edwin Smith[13]
„Wenn du eine Frau untersuchst, die an Magenschmerzen leidet, die Menstruation kommt nicht zu ihr, und in/an der Oberseite ihres Bauchnabels findest du etwas, Dann musst du ĂĽber sie sagen: Das ist eine Verstopfung aus Blut auf ihrer Gebärmutter. Dann musst du fĂĽr sie zubereiten: Frucht/Samen, Ă–l/Fett, sĂĽĂźes Bier. Es werde gekocht; es werde getrunken an 4 Tagen. Und du musst fĂĽr sie etwas, das das Blut abgehen lässt, zubereiten: Koniferenharz, KreuzkĂĽmmel, Bleiglanz, sĂĽĂźe Myrrhe. Es werde zu einer einzigen Masse gemacht; die Schamgegend werde damit sehr oft gesalbt. Dann musst du die Pflanze namens Ohr-der-Wildsau(?)/WĂĽstenspringmaus(?) in Ă–l/Fett geben. Nachdem es verfault ist, musst du es verreiben und ihre beiden Leistenbereiche(?) sehr oft damit salben/eincremen. Dann musst du Myrrhe und Weihrauch zwischen ihren Schenkeln verbrennen fĂĽr eine Räucherbehandlung. Es werde veranlasst, dass der zugehörige Rauch in ihr Fleisch (d.h. ihre Vagina) eintritt.„
Papyrus Edwin Smith[13]
Pflege im antiken Griechenland
ANTIKES GRIECHENLAND: DAS WICHTIGSTE IN STICHPUNKTEN
zwei Konzepte von Pflege und Heilung: Asklepioskult – hippokratische Medizin
ca. 800 v. Chr. – 600 n. Chr.
Asklepiostempel: Krankheit wurde spirituell gedeutet
Hippokrates: Krankheit erfährt eine Verschiebung hin zur Rationalisierung
Ärzte: erste Ansätze der Dokumentation
Theorien: Vier-Säfte-Lehre, Temperamentelehre, Planeten, Elemente
Konzepte: Hygiene, Diätetik, geordnete Lebensweise (diaita)
Therapien: Bewegung, Fasten, Diät, aber auch Gott Asklepios um Heilung bitten
Pflege: eigener Bereich neben der ärztlichen Tätigkeit, Sklavinnen, Dienerinnen, im Privatbereich vor allem Frauen
Pflegerische Handlungen: Wundversorgung, waschen, Diätkontrolle
WICHTIGE NAMEN
• Hippokrates
• Galen
• Asklepios
FĂĽr Heilung beten und fasten
Asklepioskult: Spirituelle Heilung
In den Tempeln des Gottes der Heilung, Asklepios, suchten Kranke spirituelle Heilung durch Rituale, Opfer und Traumbotschaften. Es wurde gefastet, gebetet und geschlafen. Wer im Traum Asklepios begegnet, wird gesund. Von diesem antiken Kult ist heute noch der Asklepiosstab als Symbol der Heilkunst geblieben.
Aber schon zur Zeit, in der die Menschen noch ins Asklepieion („Asklepiostempel“)11) gingen, um fĂĽr Heilung zu beten, hatte die Diätetik medizinisch-therapeutische Bedeutung. Neben dem Beten gehörte auch das Fasten zu den rituellen und therapeutischen MaĂźnahmen, die in den griechischen Tempeln praktiziert und empfohlen wurden. Fasten war ein fester Bestandteil der antiken Gesundheitslehre. Durch Nahrungsentzug sollte der Körper entlastet und die „krank machenden Säfte“ ausgeleitet werden. Besonders bei fieberhaften Erkrankungen oder Verdauungsproblemen wurde gezieltes Fasten empfohlen.
„120 Tage lang habe ich am frühen Morgen nichts getrunken, sondern fünfzehn Körner weißen Pfeffers und eine halbe Zwiebel gegessen, wie der Gott es angeordnet hatte, und so bin ich eindeutig vor vielen und großen Gefahren gerettet worden.“
Inschrift des P. Aelius Theon von Rhodos, die im Asklepieion von Pergamon gefunden wurde
Hippokrates: Der Vater der modernen Medizin
Als einer der ersten, der das Fasten nicht nur als rituelle Reinigung, sondern als medizinische Therapie verstand, gilt der griechische Arzt und Lehrer Hippokrates (ca. 370 v. Chr) 1). Er legte großen Wert darauf, Krankheiten nicht auf göttliche Strafen zurückzuführen, sondern auf natürliche Ursachen – sichtbar im Körper und erklärbar durch logisches Denken. Deshalb wird er bis heute als Vater der wissenschaftlichen Medizin angesehen.
Doch nicht nur seine ersten Ansätze zu einer systematisch begrĂĽndeten Medizin machen Hippokrates bis heute bedeutsam. Neben seinen medizinischen Erkenntnissen ist er vor allem auch fĂĽr seine ethischen Grundsätze (z.B. die Pflicht zur Hilfeleistung) bekannt, die mit dem „hippokratischen Eid“12) das Fundament der ärztlichen Berufsethik legten.
Auch nach vielen Jahrhunderten ebbte Hippokrates’ Popularität nicht ab. Rund 500-600 Jahre nach Hippokrates ĂĽbernahm der griechische Arzt und Anatom Galen von Pergamon (2. Jh. n. Chr. – noch immer Antike)2) noch hippokratische Prinzipien. Er arbeitete nach den vier hippokratischen Körpersäften (Blut, Schleim, gelbe Galle, schwarze Galle) und fĂĽhrte zusätzlich eine Unterscheidung nach Konstitution ein (sanguinisch, cholerisch, melancholisch und phlegmatisch – Temperamentelehre)3).
Die Vier-Säfte-Lehre, die Temperamentelehre und die Elementelehre waren Konzepte der Humoralpathologie5), wie sie von Hippokrates begründet wurde. Krankheit galt in diesem medizinischen Modell als Ausdruck eines gestörten Gleichgewichts der vier Körpersäfte (Blut, Schleim, gelbe Galle, schwarze Galle)4). Ziel der Behandlung war es, dieses Gleichgewicht durch diätetische Maßnahmen, Aderlass oder andere ausleitende Verfahren, zu denen das Schröpfen, die Einnahme von pflanzlichen Laxantien, Diuretika oder Emetika, die Gabe von Einläufen (= alles Therapien, die heute von Pflegepersonen durchgeführt werden) wiederherzustellen. Bereits in dieser Zeit beobachteten Ärzte Krankheitsverläufe systematisch, dokumentierten Symptome und bewerteten den Erfolg ihrer Behandlungen auf empirischer Grundlage. Die Ursprünge der Pflegedokumentation reichen also bis in die Antike zurück.
Das holistische Menschenbild – Grundlage aller Heilkunde
Die medizinischen Konzepte, die Hippokrates entwickelte, basierten im Kern auf einem holistischen Menschenbild, das Körper, Geist, Seele und Umwelt als untrennbare Einheit versteht. Die Therapien zielten nicht auf die Bekämpfung einzelner Symptome ab, sondern auf die Harmonisierung des gesamten Organismus. Erreicht werden sollte dieses Gleichgewicht durch eine „geordnete Lebensweise“ (griechisch: diaita), die weit über unsere heutige Vorstellung von „Diät“ hinausging. Gemeint war ein Konzept, das Ernährung, Fasten, regelmäßigen Schlaf, körperliche Bewegung, Umweltanpassung, eine saubere Umgebung sowie seelische Balance miteinander verband. Hippokrates verstand die diaita als eine Form ganzheitlicher Gesundheitspflege – nicht nur im körperlichen, sondern auch im seelischen Sinn. In diesem Zusammenhang kann sie als eine frühe Form unseres heutigen Konzepts der Psychohygiene betrachtet werden.
Pflanzen, Mineralien, tierische Substanzen
Auch die Natur spielte in der antiken Medizin eine Rolle. Heilpflanzen, Mineralien und tierische Substanzen wurden sorgfältig beschrieben und systematisiert. Besonders bedeutend war die Materia Medica10) des griechischen Arztes Dioskurides (1. Jahrhundert n. Chr.)9). In ihr beschrieb er rund 600 Heilpflanzen sowie zahlreiche tierische und mineralische Substanzen, ihre Eigenschaften, Anwendungsgebiete und Zubereitungsformen. Das Werk galt über Jahrhunderte als Standardwerk der Arzneimittelkunde und bildete die Grundlage für die europäische Pharmakologie des Mittelalters.
Erste Ansätze eines Hygieneverständnisses
Nicht zuletzt spielte in der Antike auch Hygiene bereits eine wichtige Rolle – wenn auch auf eine andere Weise und mit anderen Mitteln als in der heutigen Zeit. Das antike Verständnis von Sauberkeit und Krankheitsvermeidung entsprach noch nicht dem modernen Konzept von Mikroben, Desinfektion oder Sterilität, doch es existierten bereits klare Vorstellungen davon, dass Reinheit, Frischluft, Wasser und Ordnung wesentlich zur Gesundheit beitragen konnten.
Besonders im Römischen Reich entwickelte sich ein bemerkenswert ausgeklügeltes System öffentlicher Hygiene, das seiner Zeit weit voraus war. Große Städte wie Rom, Pompeji oder Trier verfügten über ein dichtes Netz an Aquädukten, die sauberes Wasser aus entfernten Quellen in die Stadt leiteten – für Haushalte, Brunnen, Thermen und öffentliche Latrinen. Die öffentlichen Badehäuser (Thermen) waren nicht nur Orte der Körperpflege, sondern auch des sozialen Austauschs, der Entspannung und, in gewissem Sinne, der Gesundheitsvorsorge. Auch eine Kanalisation war vielerorts vorhanden und sorgte dafür, dass Abwässer aus den Städten geleitet wurden – eine Maßnahme, die zumindest indirekt zur Eindämmung von Seuchen beitrug.
Selbst im römischen Militär wurde auf Hygiene geachtet. Die Legionen verfügten über ein eigenes, gut organisiertes Sanitätswesen, das sich unter anderem in den sogenannten Valetudinaria zeigte – fest eingerichtete Feldlazarette für verwundete oder kranke Soldaten. Diese Einrichtungen verfügten über getrennte Schlafräume, Behandlungsbereiche, Wasserleitungen und oft sogar über primitive Formen von Desinfektion mit Wein oder Essig.
Die Pflege in der Antike war weiblich
Die Pflege in der Antike war informell organisiert und wurde vor allem von Frauen im häuslichen Bereich oder von Sklavinnen und Dienerinnen übernommen. Eine eigenständige Pflegeprofession gab es noch nicht, dennoch verfügten viele Frauen über ein beachtliches praktisches Wissen, das sich aus Tradition, Erfahrung und mündlicher Überlieferung speiste. Ihr Wissen beruhte auf Beobachtung und Weitergabe über Generationen. Frauen kannten sich mit Heilpflanzen, Salben, Wickeln und Hausmitteln aus. Sie sammelten, verarbeiteten und verabreichten Heilkräuter bei Fieber, Wunden, Frauenleiden oder Magenbeschwerden, verfügten über umfangreiche praktische Kenntnisse in Schwangerschaftsbetreuung, Geburtsbegleitung, Wochenbettpflege und Kinderheilkunde, wussten, wie man Fieber erkennt, wie man Betroffene lagert, wäscht, ernährt und tröstet – alles Tätigkeiten, die im Frühmittelalter mit aufkommenden Christentum in Klöstern institutionalisiert wurden (Caritas) und von PflegerInnen bis heute in ähnlicher Form ausgeführt werden.
Pflege im antiken Rom
ANTIKES ROM – DAS WICHTIGSTE IN STICHPUNKTEN:
Pflege war militärisch ausgerichtet und gut organisiert
Pragmatische statt theoretische Modelle
Institutionen: Militärlazarette, die am besten organisierten Pflegeeinrichtungen der Antike
Pflege: Sklaven, Militärdiener oder untergeordneten medizinische Hilfskräften
Ärzte: operative Eingriffe, Diagnosen
Zugang zur Pflege und Medizin: Zivilisten hatten deutlich eingeschränkten Zugang zu Pflege, familiär geprägt, meist durch Frauen erbracht, wohlhabende Römer bezahlten Hausärzte und Diener, die pflegerische Tätigkeiten übernahmen
Während die Medizin in der Antike bereits systematisiert und schriftlich dokumentiert wurde, agierte die Pflege weitgehend im Verborgenen. Sie fand im häuslichen Umfeld statt – meist ausgeübt von Frauen, deren praktisches Wissen zwar in medizinischen Texten überliefert wurde, deren Namen jedoch ungenannt blieben. Im Kern waren es jedoch die Frauen, die maßgeblich zur Entwicklung der Heilkunde beitrugen.
Quellen:
[1] Hippokrates, wikipedia
[2] Galenos, wikipedia
[3] Temperamentenlehre, wikipedia
[4] Vier-Säfte-Lehre, thieme-connect.de
[5] Humoralpathologie, doccheck.com
[6] Avicenna, wikipedia
[7] Rhazes. wikipedia
[8] Äskulapstab, wikipedia
[9] Dioskurides, uni-regensburg.de
[10] Materia Medica, pharmawiki.ch
[11] Asklepieion, wikipedia
[12] Hippokratischer Eid, wikipedia
[13] Sächsische Akademie der Wissenschaften zu Leipzig (SAW), Dils, P. und Stegbauer, K. (2025): Papyrus Edwin Smith. In: Science in Ancient Egypt. Version 98, 20.02.2025. Verfügbar unter: https://sae.saw-leipzig.de/de/dokumente/papyrus-edwin-smith (Zugriff: 04.09.2026);
[14] University of California, Austin, Anne Eliese (2014), Contending with illness in ancient Egypt: A textual and osteological study of health care at Deir el-Medina, Dissertation, Los Angeles. Verfügbar unter: https://escholarship.org/uc/item/4rw1m0cz (Zugriff am: 04.09.26);
[15] Wikipedia (o. J.): Geschichte der Krankenpflege. In: Wikipedia – Die freie Enzyklopädie. https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_der_Krankenpflege (Zugriff: 04.09.2026);
[16] Sächsische Akademie der Wissenschaften zu Leipzig (o. J.): Papyrus Ebers, Eb 1, Kol. 1. Verfügbar unter: https://sae.saw-leipzig.de/de/dokumente/papyrus-ebers?set_language=de&version=445 (Zugriff: 04.09.2026);
[17] University College London (o. J.): Healing papyri – Manuscripts for good health 2000–1000 BC. Digital Egypt for Universities, Verfügbar unter: https://www.ucl.ac.uk/museums-static/digitalegypt/med/healingpapyri.html, (Zugriff: 04.09.2026);
[18] Liverpool University Press, David, R. und Forshaw, R. (2023):Â Medicine and Healing Practices in Ancient Egypt. VerfĂĽgbar unter:Â https://academic.oup.com/liverpool-scholarship-online/book/58305 (Zugriff: 04.09.2026);
[19] University of Cambridge, Miller, R.L. (1991): Palaeoepidemiology, literacy, and medical tradition among necropolis workmen in New Kingdom Egypt. Medical History, 35, S. 1–24. https://www.cambridge.org/core/services/aop-cambridge-core/content/view/76B70322EF42DE7601D16111BEDE81B4/S0025727300053102a.pdf/palaeoepidemiology-literacy-and-medical-tradition-among-necropolis-workmen-in-new-kingdom-egypt.pdf (Zugriff: 04.09.2026);
[20] University College London (o. J.): Healing titles – Titles of healers in Ancient Egypt. Digital Egypt for Universities. Verfügbar unter: https://www.ucl.ac.uk/museums-static/digitalegypt/med/healingtitles.html (Zugriff am: 04.09.2026);
[21] British Museum (o. J.):Â Serqet. Collections Online. VerfĂĽgbar unter:Â https://www.britishmuseum.org/collection/term/BIOG55814Â (Zugriff am: 04.09.2026);
[22] British Museum (o. J.): Ancient Egyptian gods and goddesses. Verfügbar unter: https://www.britishmuseum.org/learn/schools/ages-7-11/ancient-egypt/ancient-egyptian-gods-and-goddesses (Zugriff am: 04.09.2026);
[23] PubMed, National Library of Medicine, USA, Harer, W.B. Jr. und El-Dawakhly, Z. (1989): Peseshet – The First Female Physician? Obstetrics & Gynecology, Verfügbar unter: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/2685681/ (Zugriff am: 04.09.2026);
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