Aufbereiteter Lehrinhalt
Erstellungsdatum: 22.02.2026
Letzte Aktualisierung: 03.06.2026
Die Pflegeassistenz muss ßber die Grundlagen der Pharmakologie Bescheid wissen, um die verordneten Medikamente korrekt verabreichen zu kÜnnen. Sie muss die Wirkungen und mÜglichen Nebenwirkungen der gängigen Medikamente verstehen und frßhzeitig Gefahren oder unerwßnschte Reaktionen erkennen kÜnnen.
Das muss die Pflegeassistenz Ăźber Pharmakologie wissen:
⤠Die wichtigsten Definitionen in Bezug auf Pharmakologie
⤠Kompetenzen in Bezug auf die Gabe von Medikamenten
⤠Die gängigsten Arzneimittelformen (Darreichungsformen), Wirkungen und Nebenwirkungen
⤠6-R-Regel
⤠Die Anwendung der Arzneimittelformen nennen.
⤠Die gängigsten Verabreichungsformen nennen.
⤠Die rechtlichen Hintergrßnde zur Anwendung von parenteralen LÜsungen (Injektionen) kennen.
⤠Die Anforderungen an parenterale LÜsungen (Injektionen) kennen.
⤠Den Begriff „Subkutane Injektion“ definieren und Injektionsorte nennen.
⤠Die einzelnen Schritte zur Durchfßhrung einer subkutanen Injektion nennen.
⤠MÜgliche Komplikationen durch eine s.c. Injektion nennen.
⤠Die einzelnen Schritte zur sachgerechten Applikation von Augentropfen benennen.
⤠Die korrekte Anwendung von Dosieraerosolen nennen.
⤠Die korrekte Anwendung von Nasentropfen nennen.
⤠Die korrekte Anwendung von Ohrentropfen nennen.
⤠Den Verabreichungszeitpunkt von Arzneimitteln nennen.
⤠Den Weg eines Arzneimittels im Organismus und die verschiedenen Phasen kennen (Pharmakokinetik / Pharmakodynamik).
⤠Die therapeutische Breite definieren.
⤠Die Begriffe ArzneimittelgewÜhnung und Toleranzentwicklung definieren und voneinander abgrenzen.
⤠Die gängigsten Arzneimittelgruppen definieren
⤠Die Wege der Ausscheidung von Arzneimitteln nennen.
⤠Die richtige Lagerung von Arzneimitteln nennen.
⤠Den Begriff „Placebo“ definieren.
⤠Fertigarzneimittel (Fertigspritzen) erkennen.
⤠Arzneimittelgruppen mit Suchtpotenzial kennen.
⤠Definition „VerweilkanĂźle“
Pharmakologie
Lehre von der Wirkung von Arzneistoffen auf den Organismus.
ist abzugrenzen von:
Galenik: Wissenschaft von der Herstellung von Arzneimitteln
Pharmazie: Wissenschaft von der Prßfung (Qualitätskontrolle), Beschaffenheit, Herstellung, Lagerung und Abgabe von Arzneimitteln
Rezept
eine ärztliche Verordnung eines Arzneimittels. Enthält Angaben zu Wirkstoff, Dosierung, Darreichungsform und Anwendung. Erst das Rezept ermÜglicht (in Europa) die Abgabe in der Apotheke.
Arzneistoff
Substanz mit natĂźrlicher „biologischer“ Wirkung (Gegensatz: Gift).
Gegenteil: Toxikologie
die Lehre von den Giften und schädlichen Wirkungen von Stoffen (Giften) auf den Organismus.
Arzneimittel
Arzneistoff oder eine Zubereitung aus Arzneistoffen, die zur Vorbeugung, Diagnose, Linderung oder Heilung von Krankheiten eingesetzt wird.
Wirkstoff
eine chemische Substanz, die im KĂśrper eine gezielte pharmakologische Wirkung hervorruft.
Droge
⢠Wirkstoffe oder Zubereitungen aus Wirkstoffen, die keine Nahrungsmittel sind (sowohl pflanzlich als auch synthetisch)
⢠Substanzen, die in einem lebenden Organismus Funktionen verändern
⢠betrifft nicht nur die Funktionen der Psyche sondern auch andere KÜrperfunktionen
HomĂśopathie
alternativmedizinische Therapieform, die nach dem Prinzip âĂhnliches mit Ăhnlichem heilenâ arbeitet und stark verdĂźnnte Substanzen verwendet
Phytotherapie
Behandlung von Krankheiten mit Arzneimitteln pflanzlichen Ursprungs.
Generika
Arzneimittel mit dem gleichen Wirkstoff und gleicher Wirkung wie ein Originalpräparat, die nach Ablauf des Patentschutzes preisgßnstiger hergestellt werden.
Synergismus
gegenseitige Wirkungsverstärkung mehrerer Arzneimittel.
Therapeutische Breite
Abstand zwischen wirksamer und toxischer Dosis eines Arzneimittels.
Toleranzentwicklung
Verminderte Reaktion auf ein Arzneimittel bei längerer Anwendung, sodass eine hÜhere Dosis nÜtig wird.
UnerwĂźnschte Nebenwirkungen
nicht beabsichtigte, schädliche oder belastende Wirkungen eines Arzneimittels bei bestimmungsgemäĂer Anwendung.
Arzneimittelmissbrauch
nicht bestimmungsgemäĂe Anwendung eines Medikaments, z. B. in zu hoher Dosis oder ohne medizinische Indikation.
Arzneimittelabhängigkeit
Zustand psychischer oder kÜrperlicher Abhängigkeit von einem Medikament, häufig mit Entzugssymptomen bei Absetzen.
Placebo
Scheinmedikation ohne pharmakologisch wirksamen Stoff, die durch Erwartungshaltung eine Wirkung entfaltet.
Symptomatische vs. kausale Therapie
symptomatische Therapie: Symptome werden behandelt
kausale Therapie: Ursache wird behandelt
Substitutionstherapie
ZufĂźhren von Substanzen, die der KĂśrper natĂźrlich benĂśtigt, aber nicht mehr selbst herstellen kann (z.B. Insulin). Auch Ersatztzerapie, in der illegale Drogen durch Medikamente ersetzt werden, um Entzugssymptome zu lindern.
Kompetenzen der Pflegeassistenz in Bezug auf die Gabe von Medikamenten
ergeben sich aus § 83 Abs. 4 GuKG, „Mitwirkung bei Diagnostik und Therapie“. In Bezug auf die Gabe von Medikamenten heiĂt das:
1. Verabreichung von lokal, transdermal sowie Ăźber Gastrointestinal- (Anm.: „oral“) und/oder Respirationstrakt (Anm.: „inhalativ“) zu verabreichenden Arzneimitteln,
2. Verabreichung von subkutanen Insulininjektionen und subkutanen Injektionen von blutgerinnungshemmenden Arzneimitteln,
3. Ab- und AnschlieĂen laufender Infusionen ausgenommen Zytostatika und Transfusionen mit Vollblut und/oder Blutbestandteilen, bei liegendem periphervenĂśsen GefäĂzugang, die Aufrechterhaltung dessen Durchgängigkeit sowie gegebenenfalls die Entfernung desselben,
4. Entfernung von subkutanen und periphervenĂśsen VerweilkanĂźlen,
7. DurchfĂźhrung von Mikro- und Einmalklistieren.
Die DurchfĂźhrung der Tätigkeiten darf nur nach ärztlicher Anordnung und unter Aufsicht von Ărzten oder AngehĂśrigen des gehobenen Dienstes fĂźr Gesundheits- und Krankenpflege erfolgen. Nach MaĂgabe des § 15 Abs. 4 Z 2 kann die Anordnung auch durch AngehĂśrige des gehobenen Dienstes fĂźr Gesundheits- und Krankenpflege erfolgen.
𪢠đ§ŠđĄErinnerungsknoten: Welche Kompetenzen hat die Pflegeassistenz lt. Gesetz?đĄđ§Š đŞ˘
Arbeiterkammer 2025: Was darf die Pflegeassistenz?
Arzneimittelformen (Darreichungsformen)
Art der Zubereitung eines Arzneimittels
Darreichungsformen:
⢠fest (z.B. Kapseln, Tablette)
⢠halbfest (z.B. Salben, Zäpfchen)
⢠flßssig (z.B. Tropfen, Injektionen)
⢠gasfÜrmig (z.B. Aerosole, Inhalate)
⢠therapeutische Systeme (TTS=transdermales therapeutisches System, IUP = Intrauterinpessar, auch Spirale genannt)
Pulver (Pulvis)
⢠feste Darreichungsform
⢠mehr od. weniger fein zermahlene Arzneimittelstoffe
⢠je feiner das Pulver desto schneller die Wirkung
𪢠đ§ŠđĄErinnerungsknoten: Wie ist die Vorgehensweise bei bei der Gabe von Pulverpräparaten durch eine PEG-Sonde?đĄđ§Š đŞ˘
Tablette (Compressa)
⢠feste Darreichungsform
⢠Pressen einer Mischung von pulverisierten Arzneimittelstoffen mit Hilfsstoffen
⢠einfach zu verabreichen
⢠gut dosierbar
⢠gut zu unterscheiden (Form, Farbe)
Arten von Tabletten:
⢠nicht ßberzogene Tabletten, einfach gepresst
⢠ßberzogene Tabletten (Dragees)
⢠Filmtablette (geringer Ăberzug)
⢠Magensaftresistent ßberzogene Tabletten
⢠Brausetabletten
⢠Tabletten zur Anwendung in der MundhÜhle (Lutschtabletten, Sublingualtabletten, Buccaltabletten)
⢠Tabletten mit verzÜgerter Arzneimittelfreigabe (Retardtabletten)
𪢠đ§ŠđĄErinnerungsknoten: Was ist bei der Gabe von Retardtabletten durch eine PEG-Sonde zu beachten?đĄđ§Š đŞ˘
Kapsel (Capsula)
⢠feste Darreichungsform
⢠enthält Pulver, Granulate od. Ülige Flßssigkeiten
⢠Weichkapseln (z.B. Üliger Inhalt)
⢠Steckkapseln (PulverâŚ)
Vorteile
⢠einfache Einnehmbarkeit
⢠schlechte Geschmacksstoffe werden isoliert
⢠gute Dosierbarkeit
⢠Barriere gegen die Magensäure
Nachteil
⢠werden durch Feuchtigkeit klebrig oder brßchig
Zäpfchen (Suppositorium)
⢠halbfeste Darreichungsform
⢠feste Arzneiform zur rektalen, gelegentlich vaginalen Anwendung
Vorteile
⢠lokale oder systemische Wirkung
⢠einfache Anwendung bei Kindern
⢠Umgehung des Magen-Darmtrakts
Nachteile
⢠unsichere Aufnahme des Wirkstoffes
⢠Temperaturempfindlichkeit (schmilzt bei KÜrpertemperatur)
Anwendung
⢠Arzneimittel verbleibt im Rektum
⢠Verletzungen vermeiden
⢠Ausscheidungen beobachten
LĂśsung (Solutio)
flĂźssige klare Zubereitung, die aus mindestens zwei Stoffen besteht. Die Einnahme erfolgt Ăźber einen LĂśffel.
Vorteil
⢠bereits gelĂśst – schnellere Aufnahme
Nachteil
⢠empfindlich gegen Licht, Sauerstoff und mikrobielle Verunreinigungen
Arten von LĂśsungen (Solutiones):
⢠Sirup (sirup): hoher Anteil an Zucker / SĂźĂstoffe
⢠Tropfen (guttae): wässrig, alkoholisch oder Ülig
⢠Mixtur (mixtura): wässrig, gesĂźĂt
⢠Elixier (elixier): stark gesĂźĂt, meist aromatisiert
Abmessung
⢠Ess- oder SuppenlĂśffelââ= 15 ml
⢠Dessert oder KinderlĂśffelâ= 10 ml
⢠Tee oder KaffeelĂśffelââ = 5 ml
SpĂźl und GurgellĂśsungen
⢠wiederholtes Spßlen notwendig
⢠nach dem Spßlen nicht essen oder trinken
Emulsion (Emulsum)
ist eine feine Verteilung von zwei ineinander nicht lĂśsbaren FlĂźssigkeiten
- Wasser in Ăl (Salbe)
- Ăl in Wasser (Creme)
Suspensionen
⢠flßssige Darreichungsform
⢠muss vor Gebrauch geschßttelt werden
⢠wenn sich der Bodensatz nicht aufschßtteln lässt muss die Suspension verworfen werden
𪢠đ§ŠđĄErinnerungsknoten: Was ist bei der Gabe von Suspensionen durch eine PEG-Sonde zu beachten?đĄđ§Š đŞ˘
Verabreichungsformen (Applikationsformen)
der Weg, Ăźber den ein Arzneimittel in den KĂśrper eingebracht wird
oral: Tabletten, Kapseln, Säfte („Ăźber den Gastrointestinaltrakt“)
parenteral: Injektionen, Infusionen, VerweilkanĂźlen
topisch: Salben, Cremes (lokal wirkend)
inhalativ: Sprays, Pulverinhalatoren („Ăźber den Respirationstrakt“)
rektal: Zäpfchen (Suppositorien), Mikroklistier (lokal wirkend)
vaginal: Vaginaltabletten/-zäpfchen (lokal wirkend)
transdermal: Pflaster
lokal: am Ort der Anwendung wirkend
Applikation auf die Haut – cutan
⢠LÜsungen
⢠Suspensionen
⢠Emulsionen
⢠Schaum
⢠Pflaster
⢠Paste
Applikation auf Schleimhaut – mukosal
⢠Mund und Zungenschleimhaut: lingual, sublingual, bukkal (Tabletten, Dragees, Pastillen, Gurgelwässer)
⢠Magen â Darmschleimhaut: enteral, (per)oral (Tabletten, Dragees, Kapseln, LĂśsungen, Suspensionen, Emulsionen)
⢠Rektum -Schleimhaut: rektal (Suppositorien, Rektalkapseln, Salben)
⢠Nasenschleimhaut: nasal (Tropfen Salben Gele, Sprays)
⢠Bronchial- u. Alveolarepithel: pulmonal (Aerosole, Inhalate)
⢠Augen -Bindehaut: konjunktival (Augentropfen, Salben)
⢠Schleimhäute d. Genitalorgane: intravaginal (Salben, Suppositorien)
⢠ableitende Harnwege: intraurethral (InfusionslÜsung, InjektionslÜsung)
Applikation in das KĂśrperinnere – parenteral
⢠in das Herz (intrakardial)
⢠in eine Arterie (intraarteriell)
⢠in eine Vene (intravenÜs, i.V.)
⢠in die Haut (intracutan)
⢠unter die Haut (subcutan)
⢠in den Muskel (intramuskulär)
⢠in die BauchhÜhle (intraperitoneal)
⢠in den Lumbalsack (intralumbal)
⢠in den Liquorraum (intrathekal)
Applikation in die oberste Hautsicht – intracutan (i.c.)
⢠sehr langsam
Applikation in das Unterhautfettgewebe – subcutan (s.c.)
⢠langsam
Applikation in das Muskelgewebe – intramuskulär (i.m.)
⢠schnell
⢠verzÜgert bei Üligen LÜsungen
Applikation in die Vene – intravenĂśs (i.v.)
⢠sofort
⢠Arzt, DGKP
Applikation in die Arterie – intraarteriell (i.a.)
⢠sofort
⢠immer vom Arzt
Die 6-R-Regel: Regel fĂźr sichere Medikamentengabe
Medikamentenkontrolle auf Ăbereinstimmung mit der Verordnung im Dokumentationssystem
- richtiger Patient
- richtiges Medikament
- richtige Dosierung
- richtige Applikation
- richtiger Zeitpunkt
- richtige Dokumentation
Parenterale LĂśsungen / Injektionen
parenterale LĂśsungen = Parenteralia
Arzneizubereitungen, die unter Umgehung des Magen-Darm-Traktes in den KĂśrper verabreicht werden (idR durch Injektion oder Infusion)
Rechtliche HintergrĂźnde
Kompetenz und Verantwortung
Anordnungsverantwortung: alleinige Verantwortung des Arztes fĂźr die Anordnung und Auswirkung eines Medikaments.
Anordnung = hat schriftlich zu erfolgen (Medikament, Dosis, Verabreichungsart)
DurchfĂźhrungsverantwortung: alleinige Verantwortung der Schwester/des Pflegers fĂźr die DurchfĂźhrung einer Injektion
= Injektionstechnik hat fachgerecht zu erfolgen
Pflegepersonal (z.B. SchĂźlerInnen) haben das Recht und die Pflicht das Spritzen zu unterlassen, wenn sie die Technik nicht beherrschen!
Anforderungen an parenterale LĂśsungen / Injektionen
⢠absolute Freiheit von lebenden Mikroorganismen (Sterilität)
⢠Abwesenheit von fiebererzeugenden Stoffen (Pyrogene)
⢠absolute Dichtheit des Behälters
⢠Abwesenheit von unlÜslichen Partikeln (Schwebstoffen)
⢠weitgehende Blutisotonie und Einhaltung des Blut-pH-Wertes (Säuerungswert)
⢠keine Veränderung wie Trßbung, Flocken, Verfärbung (ansonsten sofort verwerfen)
GrĂźnde fĂźr eine parenterale Verabreichung
⢠sofortige Wirkung
⢠gleichmäĂige Konzentration im KĂśrper
⢠Regulation des Elektrolythaushalts
⢠Regulation des Säure-Basen-Haushalts
⢠AuffĂźllen des GefäĂsystems nach groĂen Blutverlusten
⢠parenterale Ernährung
⢠zeitgenaue Anwendung (Infusiomat, Motorspritze)
⢠Umgehung des Magen-Darmtrakts
VerweilkanĂźle
gehĂśrt zu den parenteralen Applikationsformen. Ist ein dĂźnner Kunststoffkatheter, der in ein Gefäà oder Gewebe eingefĂźhrt wird und dort Ăźber einen längeren Zeitraum verbleibt, um wiederholte Injektionen oder Infusionen zu ermĂśglichen. Die zwei gängigsten Arten von VerweilkanĂźlen sind subkutane (ins Unterhautfettgewebe, z.B. Palliativversorgung) und periphervenĂśse VerweilkanĂźlen (PVK, auch „periphervenĂśser GefäĂzugang“, in eine oberflächliche periphere Vene). Werden Medikamente Ăźber eine PVK verabreicht, spricht man oft von intravenĂśser Verabreichung (i.v.).
Augentropfen / Ophthalmika
⢠zur Behandlung und fßr diagnostische Zwecke
⢠reizlos
⢠vor Verabreichung auf KÜrpertemperatur erwärmen
⢠steril! keine FremdkÜrper!
⢠nach dem Ăffnen 4-6 Wochen verwenden
Verabreichungszeitpunkt Augentropfen:
⢠nach ärztlicher Verordnung (z. B. mehrmals täglich)
⢠mĂśglichst gleichmäĂig Ăźber den Tag verteilt
⢠unabhängig von Mahlzeiten
⢠Praktisch sinnvoll: vor dem Schlafengehen (längere Einwirkzeit, weniger Ausspßlen durch Blinzeln)
⢠bei mehreren Augentropfen: Abstand von ca. 5â10 Minuten einhalten
𪢠đ§ŠđĄErinnerungsknoten: Augen eintropfenđĄđ§Š đŞ˘
Aerosole
fein verteilte feste oder flĂźssige Teilchen in einem Gas, meist zur Inhalation bestimmt.
⢠vor Sonnenbestrahlung schßtzen (ßber 50 °C Explosionsgefahr!)
⢠meist als Inhalationsaerosol zur Bekämpfung von Atemwegserkrankungen
Dosieraerosole
Inhalationsgeräte, die bei Betätigung eine exakt dosierte Wirkstoffmenge freisetzen.
Verabreichungszeitpunkt:
⢠nach ärztlicher Verordnung (z. B. 1â2Ă täglich oder bei Bedarf)
⢠Dauertherapie: regelmäĂig und gleichmäĂig Ăźber den Tag verteilt
⢠Bedarfsmedikation (z. B. Bronchodilatatoren): bei akuter Atemnot
⢠oft morgens und abends bei Dauermedikation
Wichtig:
⢠nach kortisonhaltigen Sprays Mund ausspßlen (oft bei Sprays gegen Asthma und COPD)
Antiasthmatika
wirken bronchienerweiternd und entzĂźndungshemmend
𪢠đ§ŠđĄErinnerungsknoten: Wie verabreichst du ein Dosieraerosol: Schritt-fĂźr-Schritt?đĄđ§Š đŞ˘
Nasentropfen / Rhinologika
flĂźssige Arzneimittel zur Anwendung auf der Nasenschleimhaut, meist abschwellend oder befeuchtend. Sind gefäĂkontrahierende Substanzen â Abschwellung der Nasenschleimhaut, die Sekretion wird vermindert
⢠abschwellend
⢠befeuchtend/pflegend
⢠kortisonhaltig (mĂśgliche Nebenwirkung: Nasenbluten – Kortison kann die Nasenschleimhaut austrocknen)
⢠antihistaminikahaltig
⢠antibiotikahaltig (nicht vorzeitig abbrechen)
Verabreichungszeitpunkt
⢠nach ärztlicher Verordnung (z. B. mehrmals täglich)
⢠mĂśglichst gleichmäĂig Ăźber den Tag verteilt
⢠unabhängig von Mahlzeiten
⢠praktisch sinnvoll vor Mahlzeiten (erleichtert das Trinken)
𪢠đ§ŠđĄErinnerungsknoten: Nasentropfen anwendenđĄđ§Š đŞ˘
Ohrentropfen
⢠z.B. bei Otitis (GehÜrgangentzßndung)
⢠Arztanordnung
⢠Kontraindikation: Trommelfellperforation
⢠Ohrentropfen mit Kortison: erhÜhtes Risiko fßr Pilzinfektionen
⢠Ohrentropfen mit Antibiotika: unregelmäĂige oder zu kurze Anwendung fĂśrdert Resistenzen
⢠pflegende / befeuchtende Ohrentropfen halten den GehĂśrgang geschmeidig (z. B. Ălpräparate)
Verabreichungszeitpunkt
⢠nach ärztlicher Verordnung (z. B. 1â3Ă täglich)
⢠mĂśglichst gleichmäĂig Ăźber den Tag verteilt
⢠unabhängig von Mahlzeiten
⢠praktisch sinnvoll: vor dem Schlafengehen (Tropfen kÜnnen länger im Ohr bleiben)
Die Phasen der Arznei im Organismus
Pharmazeutische Phase
von der Applikation bis zur AuflĂśsung der Wirkstoffe in KĂśrperflĂźssigkeiten
Applikation – Zerfall – Freisetzung des Wirkstoffs – AuflĂśsung
Pharmakokinetische Phase
Der Weg eines Arzneimittels im Organismus.
- Resorption
Aufnahme des Wirkstoffs in das Blut. - Distribution (Verteilung)
Verteilung des Wirkstoffs im KĂśrper, also in Organe, Gewebe und KĂśrperflĂźssigkeiten. - Metabolismus (Biotransformation)
Chemische Umwandlung des Wirkstoffs, vor allem in der Leber. - Exkretion / Elimination (Ausscheidung)
Ausscheidung des Wirkstoffs oder seiner Abbauprodukte, hauptsächlich ßber Niere (Urin), aber auch ßber Galle, Stuhl, Lunge, Haut oder Muttermilch.
Diese vier Schritte werden häufig mit dem Begriff ADME zusammengefasst (Absorption, Distribution, Metabolism, Excretion).
Pharmakodynamische Phase
Die Wirkung eines Arzneimittels (Pharmakokdynamik).
⢠pharmakologischer Effekt (Blockieren, chemische Prozesse bewirken âŚ)
⢠es kommt zur Wirkung: Die Pharmakodynamik beschreibt die Wirkungen, die ein Arzneimittel im Organismus auslÜst.
Halbwertszeit
Dauer, nach der nur noch die Hälfte des Wirkstoffs im KÜrper ist.
Kumulation
Anreicherung des Wirkstoffs im KÜrper (bei Zufßhren des Arzneistoffs in kßrzeren Abständen oder bei verringerter Ausscheidung).
Ausscheidung von Arzneistoffen
⢠Niere (mit dem Urin â renal)
⢠Leber und die Galle (mit dem Stuhl = biliär)
⢠Lunge (mit Atemluft = pulmonal)
weiters Ăźber:
⢠die Haut
⢠die Muttermilch
Verabreichungszeitpunkt von Arzneimitteln
viele Medikamente zu den Mahlzeiten
Vor den Mahlzeiten:
⢠Insulin (Normal-(Alt-)Insulin, VerzÜgerungsinsulin, Mischinsulin)
⢠Protonenpumpenhemmer
⢠kÜnnen nur so ihre Wirkung entfalten
Nicht nĂźchtern:
⢠Analgetika â âAnalgetika sollen nicht nĂźchtern eingenommen werden!â
Arzneimittelgruppen
Kategorien von Medikamenten mit ähnlichem Wirkmechanismus oder Anwendungsgebiet.
Aus der Praxis
Kommentar, Claudia Felbermayer: Pflegefachlich korrekt sollte auch die Pflegeassistenz in der Lage sein, Ăźber die wichtigsten Wirkungen, Risiken, Nebenwirkungen sowie das Verhalten im Alltag in verständlicher Sprache (angepasst an die Person) informieren zu kĂśnnen. Doch nicht jede ist gleichermaĂen mit diesen Informationen vertraut. Das gilt besonders dann, wenn noch wenig Berufserfahrung vorhanden ist. Ich konnte in meinen Praktika beobachten, dass aus diesem Grund mehrere Pflegepersonen im Pflegeheim dazu Ăźbergegangen sind, vor der ersten Einnahme eines neuen Medikaments gemeinsam mit der betroffenen Person die Packungsbeilage durchzulesen. Auf diese Weise kĂśnnen sie sich selbst einen Ăberblick verschaffen und gleichzeitig wichtige Informationen verständlich weitergeben. Das schafft Transparenz und erhĂśht die Sicherheit im Umgang mit dem Medikament. Dieses Vorgehen erfordert natĂźrlich Eigeninitiative, aber aber gerade fĂźr unerfahrene Pflegepersonen eine intelligente Strategie, um sich das notwendige Wissen mit der Zeit anzueignen, und irgendwann gezielt und verständlich mĂźndlich erklären zu kĂśnnen.
AbfĂźhrmittel (Laxantien)
⢠zur FÜrderung der Darmentleerung (z.B. Mikroklistier)
⢠Element der Obstipationsprophylaxe (bei Opioidtherapie)
Wirkung
⢠Quellstoffe: milde Laxantien, z.B.: Leinsamen, Flohsamen đ quellen im Darm â erhĂśhen das Stuhlvolumen
⢠stimulierende Laxantien: z.B.: RizinusĂśl, Extrakte aus Pflanzen wie Aloe đ regen die Darmbewegung an
⢠osmotische Laxantien: Salze, Zucker (z.B. Bittersalz, Glaubersalz, Lactulose, Macrogol) đ ziehen Wasser in den Darm â Stuhl wird weicher
⢠rektale Laxantien: Zäpfchen (z. B. Glycerin), Klistiere / Einläufe đ wirken lokal und schnell
𪢠đ§ŠđĄErinnerungsknoten: Ist Leinsamen blutzuckererhĂśhend?đĄđ§Š đŞ˘
Osmotische Laxantien: Mechanismus
⢠ist ein physikalischer Mechanismus
⢠die Darmwand ist eine teildurchlässige Membran (fßr Wasser durchlässig)
⢠der Wirkstoff bleibt im Darm (gelÜste Stoffe wie Lactulose, Macrogol bleiben im Darm)
⢠erhÜht dort die Konzentration gelÜster Teilchen
⢠Wasser wird in den Darm âgezogenâ (durch Osmose)
⢠Stuhl wird weicher
⢠Stuhlvolumen nimmt zu
⢠Darmbewegung wird angeregt
𪢠đ§ŠđĄErinnerungsknoten: Was ist Osmose?đĄđ§Š đŞ˘
Indikationen
⢠RÜntgenuntersuchungen oder OP-Vorbereitung
⢠schmerzhafte Stuhlentleerung (Analfissur)
⢠versehentliche Einnahme von toxischen Stoffen
⢠medikamentÜs bedingte Obstipation (Opiate werden oft gemeinsam mit Laxantien verordnet)
𪢠đ§ŠđĄErinnerungsknoten: Was sind stuhlfĂśrdernde Lebensmittel? Wann dĂźrfen sie nicht gegeben werden?đĄđ§Š đŞ˘
UnerwĂźnschte Wirkungen
⢠bei einer kurzfristigen Anwendung nur selten wesentliche unerwßnschte Wirkungen
⢠Dehydratation
Mikroklistier
⢠Einmalklistier
⢠„kleiner Einlauf“
⢠rektale Applikation (ßber den Enddarm)
⢠gehÜrt zu den parenteralen / nicht-oralen Applikationsformen, aber lokale Wirkung
⢠weicht den Stuhl auf
⢠Anwendung bei Obstipation
⢠schnelle Wirkung (meist nach wenigen Minuten)
Laxantien: Das muss die Pflege beachten
⢠Wichtig: bei Diabetikern keine Laxantien mit Zucker verwenden!
⢠Wichtig: bei Herz- und Niereninsuffizienz nur gezielte Auswahl an Laxantien
⢠Stuhlbeobachtung
⢠Flßssigkeitszufuhr (ggf. Flßssigkeitsbilanz)
⢠Mßdigkeit, Krämpfe, HerzrhythmusstÜrungen = Kontrolle der Elektrolyte veranlassen
⢠Ursachen der Obstipation mitdenken: Bewegung, ballaststoffreiche Ernährung, Trinkmenge, Laxantien ersetzen keine Ursachenbehandlung
⢠keine Daueranwendung ohne ärztliche Kontrolle (Opioidtherapie)
Antibiotika
đ wirken gegen bakterielle Infektionen.
⢠hemmen das Wachstum von Bakterien oder tÜten sie ab
Verabreichungszeitpunkt
⢠genau nach ärztlicher Verordnung
⢠Einnahmezeiten konsequent einhalten: regelmäĂige Einnahme in festen Abständen (z. B. alle 8 oder 12 Stunden) â gleichmäĂiger Wirkspiegel
Nebenwirkungen (allgemein)
⢠Allergische Reaktionen (Anaphylaxie, besonders bei Penicillinen beachten)
⢠Photosensibilität â erhĂśhte Lichtempfindlichkeit
⢠Diarrhoe oder Obstipation
⢠Emesis / Nausea
⢠Hautausschläge
⢠Pilzinfektionen
⢠StÜrungen der Darmflora
Antibiotika bekämpfen Bakterien, kÜnnen aber auch die gesunde Flora und Organe beeinflussen.
Antibiotika: Das muss die Pflege beachten
⢠6-R-Regel
⢠Therapie vollständig durchfßhren (nicht vorzeitig absetzen)
⢠zu geringe Gabe oder Einnahme fßr zu kurze Zeit: Resistenz (z.B. MRSA)
⢠Stuhlausscheidung beobachten
⢠MÜgliche Anzeichen einer Allergie sofort melden
⢠auf Pilzinfektionen achten
⢠wenn Medikament innerhalb von 3â4 Tagen nicht anschlägt: Information an den Arzt weitergeben
⢠immer derselbe Einnahmezeitpunkt (gleichmäĂiger Wirkstoffspiegel im Blut, wenn Wirkstoffspiegel zu stark absinkt, kĂśnnen sich Bakterien wieder vermehren und Resistenzen bilden
𪢠đ§ŠđĄErinnerungsknoten: Was bedeutet Resistenz?đĄđ§Š đŞ˘
Virostatika / Antivirale Arzneimittel
đ wirken gegen Virusinfektionen
Verabreichungszeitpunkt:
⢠so frßh wie mÜglich im Krankheitsverlauf (besonders wichtig!)
Virostatika: Das muss die Pflege beachten
⢠Resistenzbildung (groĂes Problem bei Viren), Einnahmeintervalle genau beachten (z. B. alle 8 oder 12 Stunden)
⢠Nebenwirkungen frßh erkennen und melden
⢠Harnbeobachtung (wichtig, weil viele Virostatika renal ausgeschieden werden und die Niere belasten kÜnnen)
BlutverdĂźnner: Antikoagulanzien + Thrombozytenaggregationshemmer
hemmen die Blutgerinnung.
đ wirken gegen Blutgerinnsel (Thrombosen), werden zur Embolieprophylaxe eingesetzt
⢠Antikoagulanzien: Heparin, Fragmin, Marcomar (hemmen die Fibrinbildung, wirken auf die sekundäre Hämostase)
⢠Thrombozytenaggregationshemmer: Acetylsalicylsäure (ASS), Handelsnamen Aspirin, Thrombo Ass (hemmen das Zusammenkleben der Thrombozyten, wirken auf die primäre Hämostase)
𪢠đ§ŠđĄErinnerungsknoten: Was passiert in der sekundären Hämostase?đĄđ§Š đŞ˘
Gefahr
⢠Blutungen (wichtigste Nebenwirkung!)
Heparine
Wirkungsgebiet: sekundäre Hämostase (verhindern die Bildung von Fibrin đ verhindert, dass sich ein Fibrinnetz bilden kann)
⢠ist ein Antikoagulans
⢠kann auch die Bildung von schon vorhandenem Thromben aufheben (in hohen Dosierungen sogar Hemmung der Plättchenaggregation)
⢠eher Kurzzeittherapie
𪢠đ§ŠđĄErinnerungsknoten: Was passiert bei der Plättchenaggregation?đĄđ§Š đŞ˘
Indikationen
⢠Prophylaxe / Therapie von venÜsen Thrombosen / Lungenembolien, z.B.:
⢠bei Immobilität
⢠nach Operationen
⢠bei akuten Erkrankungen mit eingeschränkter Mobilität
⢠bei bestehender Thrombose
⢠Reduktion thromboembolischer Komplikationen im Rahmen eines Herzinfarkts (Akutphase), Lungenembolie (Akuttherapie)
UnerwĂźnschte Wirkungen
⢠Blutungen im KÜrper
Heparine: Das muss die Pflege beachten
⢠kĂśnnen eine kĂźnstliche Blutungsneigung verursachen („kĂźnstlicher Bluter“) – Hautbeobachtung, Ausscheidungen beobachten
⢠Blutungsrisiko beachten (z. B. Verletzungen, Operationen)
⢠P/B ßber Verletzungsgefahr und Blutungszeichen informieren:
„Dieses Medikament (Heparin) macht das Blut dĂźnner und verhindert Blutgerinnsel. Dadurch kĂśnnen Sie leichter bluten. Anhaltende Blutungen bitte sofort melden. Auch bei Schwindel, Schwäche oder Blässe Bescheid geben.“
⢠blaue Flecken (Hämatome) treten schneller auf
⢠Nasenbluten oder Zahnfleischbluten
⢠Wunden bluten länger als sonst
⢠rote oder dunkle Verfärbung im Urin oder Stuhl
⢠ungewÜhnlich starke oder lange Menstruationsblutung
⢠Verletzungen vermeiden
⢠Blutungszeichen beobachten
⢠bei Kontrollen oder Behandlungen ßber Antikoagulantien informieren
⢠keine Selbstmedikation ohne Rßcksprache
⢠regelmäĂige Gerinnungskontrollen
𪢠đ§ŠđĄErinnerungsknoten: Subcutan spritzen Schritt-fĂźr-SchrittđĄđ§Š đŞ˘
Cumarine
Wirkungsgebiet: sekundäre Hämostase (verhindern die Bildung von Fibrin đ verhindert, dass sich ein Fibrinnetz bilden kann)
⢠ist ein Antikoagulans
⢠Wird NICHT injiziert, sondern oral eingenommen â Pflegeassistenz verabreicht auch Cumarine, nicht nur Heparin!
⢠eher Langzeittherapie
Indikation
⢠Prophylaxe / Therapie von venÜsen Thrombosen / Lungenembolien
⢠z.B. bei Vorhofflimmern
Cumarine: Das muss die Pflege beachten
⢠Gefahr des Verblutens bei Verletzungen
⢠P/B ßber Verletzungsgefahr und Blutungszeichen informieren:
„Dieses Medikament (Cumarine) verhindert Blutgerinnsel. Dadurch kĂśnnen Sie leichter und länger bluten. Bitte melden Sie sich sofort, wenn
⢠Blutungen nicht aufhÜren oder ungewÜhnlich stark sind (auch Monatsblutung)
⢠Nasen- oder Zahnfleischbluten häufig oder länger auftritt
⢠blaue Flecken sehr groà sind
⢠Blut im Urin (rot/braun) oder Stuhl (schwarz/blutig) auffällt
⢠Erbrechen blutig oder kaffeesatzartig ist“
⢠Therapie Ăźberwachen durch regelmäĂige Blutabnahmen veranlassen, anfangs Ăśfters, um die therapeutische Breite festzustellen
⢠Bluterpass (INR-Ausweis) sollte immer mitgetragen werden
⢠Blutungszeichen beobachten
⢠bei Kontrollen oder Behandlungen Bluterpass zeigen
⢠keine Selbstmedikation ohne Rßcksprache
⢠regelmäĂige Gerinnungskontrollen
Thrombozytenaggregationshemmer
Acetylsalizylsäure, z.B. Thrombo AssŽ
Wirkungsgebiet: primäre Hämostase
⢠hindern die Thrombozyten daran, sich zu einem Pfropf zu verkleben (Thrombo ASS)
Acetylsalicylsäure (ASS): Das muss die Pflege beachten
⢠Vor operativen Eingriffen darf keine Acetylsalizylsäure eingenommen werden – Arzt informieren (Blutungsgefahr)
⢠erhÜhte Blutungsneigung (v. a. Schleimhäute, Magen-Darm-Trakt, Nasenbluten, Hirnblutungen)
⢠Magenreizung / Ulkusrisiko beachten (nach dem Essen einnehmen, ggf. Magenschutz)
⢠Magenverträglichkeit beobachten (z. B. Dolor, Nausea)
⢠Vorsicht bei Kombination mit anderen blutverdĂźnnenden Medikamenten (Blutungsrisiko â)
⢠P/B ßber Verletzungsgefahr und Blutungszeichen informieren:
âDieses Medikament (Acetylsalicylsäure) macht das Blut dĂźnner. Dadurch kĂśnnen Sie leichter und länger bluten. Sie sind damit zwar kein kĂźnstlicher Bluter, aber melden Sie, wenn:
⢠Blutungen nicht aufhÜren oder ungewÜhnlich stark sind (auch Monatsblutung)
⢠Nasen- oder Zahnfleischbluten häufig oder länger auftritt
⢠sehr groĂe blaue Flecken entstehen
⢠Blut im Urin (rot/braun) oder Stuhl (schwarz/blutig) auffällt
⢠Erbrechen blutig oder kaffeesatzartig ist
⢠starke Magenschmerzen auftretenâ
⢠Medikamente regelmäĂig einnehmen
⢠Verletzungen vermeiden
⢠Blutungszeichen beobachten
⢠bei allen Kontrollen und Behandlungen ßber Antikoagulantien informieren
⢠keine Selbstmedikation ohne Rßcksprache
⢠regelmäĂige Gerinnungskontrollen
Herz-Kreislaufmittel
Arzneimittel zur Behandlung von Erkrankungen des Herzens und der BlutgefäĂe, z.B. bei Hypertonie, Herzinsuffizienz, koronaren Herzerkrankungen oder HerzrhythmusstĂśrungen. KĂśnnen auf Blutdruck, Herzfrequenz, GefäĂweite, Blutgerinnung oder Herzleistung wirken.
⢠Koronarmittel
⢠Herzinsuffizienztherapie
Koronarmittel
⢠Calciumkanalblocker/Calciumantagonisten
⢠Betablocker
⢠Nitrate
Unterschied Calciumkanalblocker / Nitrate / Betablocker
Calciumkanalblocker = Dauermedikation, blutdrucksenkend
Betablocker = Dauermedikation, Herz arbeitet langsamer und schwächer
Nitrate = Notfallstandard
Calciumkanalblocker / Calciumantagonisten
đ senken den Blutdruck
đ Wirkungsgebiet: v. a. GefäĂe
⢠„Calciumkanalblocker“ und „Calciumantagonist“ sind Synonyme
⢠erweitern die BlutgefäĂe (Vasodilatation)
⢠entlasten das Herz (Sauerstoffbedarf â)
⢠hemmen den Calcium-Einstrom in der GefäĂmuskulatur â GefäĂe entspannen sich â Blutdruck sinkt
⢠Einsatz bei Bluthochdruck, Angina pectoris, HerzrhythmusstÜrungen
⢠Dauermedikation – regelmäĂige Einnahme wichtig fĂźr gleichmäĂige Wirkung
⢠kÜnnen auch rasch wirken, heute aber nicht mehr Standard im akuten Notfall (Bluthochdruckkrise), v. a. Nifedipin zurßckhaltender
Agonist: Wirkstoff, der an einen Rezeptor bindet und ihn aktiviert. Dadurch wird eine Wirkung ausgelĂśst.
Antagonist: Wirkstoff, der an einen Rezeptor bindet, und ihn blockiert. Dadurch wird die Wirkung eines Agonisten gehemmt.
Darreichungsformen:
⢠Tabletten
⢠Spray
Calciumkanalblocker / Calciumantagonisten: Das muss die Pflege beachten
⢠Ădeme beobachten â häufig KnĂśchelĂśdeme (v. a. bei Dihydropyridinen)
⢠Flush (plĂśtzliches WärmegefĂźhl) â typische Nebenwirkungen durch GefäĂerweiterung
⢠P/B informieren: âDieses Medikament erweitert die BlutgefäĂe und senkt den Blutdruck. Dadurch kann es zu einem Flush, Schwindel oder Kreislaufproblemen kommen â bitte langsam aufstehen. Bitte melden Sie sich, wenn Schwellungen an den Beinen entstehen.“
⢠Sturzprophylaxe (Sturzrisiko bei Blutdruckabfall)
⢠Wechselwirkungen beachten (z. B. mit Grapefruitsaft)
⢠regelmäĂige Vitalzeichenkontrolle
Betablocker
đ verlangsamt den Herzschlag (und senkt den Blutdruck)
đ Wirkungsgebiet: v. a. Herz
⢠setzt die Kontraktionskraft des Herzens herab
⢠Sauerstoffbedarf des Herzens â
⢠Langzeittherapie
Betablocker: Das muss die Pflege beachten
⢠nicht abrupt absetzen! (fßhrt zu Rebound-Effekt, Blutdruckanstieg, Tachykardie, Arryhtmien, Angina Pectoris, Myokardinfarkt)
⢠P/B informieren: âDieses Medikament verlangsamt den Herzschlag und senkt den Blutdruck. Dadurch wird das Herz entlastet. Es kann zu Schwindel oder Benommenheit (v. a. beim Aufstehen), langsamem Puls, MĂźdigkeit und Leistungsabfall sowie zu kalten Händen und FĂźĂen kommen. Melden Sie sich, wenn der Puls sehr langsam ist oder unregelmäĂig wirkt. Setzen Sie das Medikament niemals abrupt ab, da dies zu einem Rebound-Effekt fĂźhren kann.“
⢠Sturzprophylaxe (Sturzrisiko bei Blutdruckabfall)
⢠Wechselwirkungen beachten (z. B. zusätzliche blutdrucksenkende Mittel wie Diuretika, ACE-Hemmer, Calciumkanalblocker)
⢠regelmäĂige Vitalzeichenkontrolle
Nitrate
z. B. Nitroglycerin
đ klassische Akutmedikation
đ wirken stark gefäĂerweiternd
đ Wirkungsgebiet: v.a. Venen und KoronargefäĂe
⢠wirken sehr schnell (Minuten)
⢠bei akutem Angina-pectoris-Anfall
⢠kurzfristige Behandlung
⢠Standard beim Angina-pectoris-Anfall
⢠gezielt fßr den Notfall entwickelt
Nitrate: Das muss die Pflege beachten
⢠nicht abrupt absetzen! (Wiederauftreten von Angina pectoris mÜglich)
⢠keine Kombination mit bestimmten Potenzmitteln (Viagra) â Gefahr eines massiven Blutdruckabfalls
⢠Blutdruckabfall beachten
⢠Toleranzentwicklung mĂśglich â Nitratpause einhalten (z.B. Pflaster am Morgen â abends abnehmen, Retardtablette â so dosieren, dass nachts Pause entsteht)
⢠P/B informieren: âDieses Medikament erweitert die BlutgefäĂe und verbessert die Durchblutung des Herzens. Dadurch kann es zu häufig v.a. am Anfang der Therapie zu Kopfschmerzen kommen. Auch Schwindel oder ein WärmegefĂźhl (Flush) kann vorkommen. Bitte stehen Sie langsam auf, um Kreislaufprobleme zu vermeiden.
Melden Sie sich, wenn:
⢠starker Schwindel oder Ohnmacht auftrit
⢠starke Kopfschmerzen bestehen
⢠Brustschmerzen trotz Einnahme nicht besser werdenâ
⢠Sturzprophylaxe (besonders hohes Risiko zu Therapiebeginn)
⢠regelmäĂige Vitalzeichenkontrolle
𪢠đ§ŠđĄErinnerungsknoten: Bei welchen Indikationen wirst du den Blutdruck regelmäĂig messen?đĄđ§Š đŞ˘
Herzinsuffizienz Therapie
Herzglykoside
đ steigert die Kontraktionskraft des Herzmuskels
đ Wirkungsgebiet: Herz
⢠Verlangsamung der Schlagfrequenz
⢠bei chronischer Herzinsuffizienz
⢠Einsatz auch bei Tachykardien, Vorhofflattern und Vorhofflimmern
Herzglykoside: Das muss die Pflege berĂźcksichtigen
⢠geringe therapeutische Breite (Digitalis)! Dosierung genau einhalten – es kann sehr rasch zur Ăberdosierung kommen!
⢠nicht abrupt absetzen! (rasche Verschlechterung der Herzinsuffizienz mÜglich)
⢠Puls kontrollieren vor Gabe â bei Bradykardie (z. B. < 60/min) RĂźcksprache halten
⢠Symptome bei Ăberdosierung
⢠Arrhythmien
⢠Benommenheit
⢠Kopfschmerzen
⢠SehstÜrungen (gelbsehen)
⢠Emesis/Nausea
⢠Verwirrtheitszustände und Halluzinationen (oft bei älteren Menschen)
⢠Elektrolyte beachten (v. a. Kalium!) â Hypokaliämie erhĂśht Intoxikationsrisiko (regelmäĂige Blutkontrollen veranlassen / einhalten)
⢠kaliumreiche Ernährung fÜrdern (nach ärztlicher Rßcksprache)
⢠ggf. Kaliumsubstitution notwendig (ärztlich verordnet)
⢠Wechselwirkungen beachten (z. B. Diuretika â Kaliumverlust!)
⢠P/B informieren: âDieses Medikament stärkt die Schlagkraft des Herzens und verlangsamt den Puls. Dadurch kann es zu Schwindel oder Ăbelkeit kommen.
Melden Sie sich, wenn
⢠starker Schwindel oder Ohnmacht auftritt
⢠der Puls sehr langsam oder unregelmäĂig ist
⢠Ăbelkeit, Erbrechen oder Appetitlosigkeit auftreten
⢠SehstÜrungen (z. B. Gelbsehen, verschwommenes Sehen) auftreten.
Medikament nicht eigenmächtig absetzen oder doppelt einnehmen!“
⢠regelmäĂige Kontrolle von Puls
⢠Sturzprophylaxe (besonders hohes Risiko zu Therapiebeginn)
⢠regelmäĂige Vitalzeichenkontrolle
Antiarrhythmika
đ zur Behandlung von HerzrhythmusstĂśrungen
Antiarrhythmika: Das muss die Pflege berĂźcksichtigen
⢠Antiarrhythmika kĂśnnen selbst Arrhythmien auslĂśsen â Puls, Rhythmus und Elektrolyte engmaschig Ăźberwachen.
⢠nicht abrupt absetzen! (rasche Verschlechterung von HerzrhythmusstÜrungen mÜglich)
⢠Puls und Herzrhythmus kontrollieren vor Gabe â bei Bradykardie oder UnregelmäĂigkeiten RĂźcksprache halten
⢠Blutdruck beachten (Gefahr von Hypotonie)
⢠bei Ăberdosierung:
⢠neue oder verstärkte Arrhythmien
⢠Schwindel, Benommenheit
⢠Synkopen (Ohnmacht)
⢠Bradykardie oder Tachykardie
⢠ggf. SehstÜrungen, Verwirrtheit (je nach Wirkstoff)
⢠Elektrolyte beachten (v. a. Kalium und Magnesium!) Abweichungen erhĂśhen das Arrhythmierisiko â regelmäĂige Blutkontrollen veranlassen / einhalten
⢠kalium- und magnesiumreiche Ernährung fÜrdern (nach ärztlicher Rßcksprache)
⢠ggf. Kalium- oder Magnesiumsubstitution notwendig (ärztlich verordnet)
⢠Vorsicht! Bei Niereninsuffizienz Risiko fßr Hyperkaliämie / Hypermagnesiämie. Daher keine eigenständigen Ernährungsumstellungen!
⢠P/B informieren: âDieses Medikament stabilisiert Ihren Herzrhythmus. Melden Sie sich, wenn:
⢠starker Schwindel oder Ohnmacht auftritt
⢠Herzstolpern, sehr schneller oder sehr langsamer Puls auffällt
⢠Brustschmerzen oder Atemnot auftreten. Medikament nicht eigenmächtig absetzen oder doppelt einnehmen! Keine eigenständige Dosisänderung!“
⢠regelmäĂige Kontrolle von Puls und Herzrhythmus (EKG veranlassen / einhalten)
⢠Wechselwirkungen beachten (v. a. mit anderen herzwirksamen oder blutdrucksenkenden Medikamenten)
⢠Sturzprophylaxe
⢠regelmäĂige Vitalzeichenkontrolle
⢠Herzrhythmus ßberwachen
⢠Puls kontrollieren
⢠auf Symptome achten:
â Schwindel
â Herzstolpern
â Ohnmacht
đ sofort melden
Entwässerungsmittel / Diuretika
fĂśrdern die Ausscheidung von Wasser Ăźber die Niere.
đ Ziel: Ausschwemmung von Wasser (und Salz)
đ Wirkungsgebiet: Niere
⢠bei Ădemen, Herzinsuffizienz, Hypertonie (wirken auch blutdrucksenkend)
⢠Osmotische Diuretika: mittel bis stark wirksam
⢠Schleifendiuretika: starke Wirkung
⢠Thiaziddiuretika: mittlere Wirkung
⢠Kaliumsparende Diuretika: schwache Wirkung
Osmotische Diuretika
⢠Wasser wird âmitgezogenâ durch osmotischen Effekt
⢠mßssen intravenÜs appliziert werden
⢠bindet groĂe Wassermengen bei geringem Elektrolytverlust
⢠Anwendung oft bei Vergiftungen
⢠Einsatz bei Hirndruck / Ădemen
UnerwĂźnschte Nebenwirkungen
⢠Polyurie
⢠Ăberwässerung (initial) â später Dehydratation
⢠Elektrolytverschiebungen
⢠Vorsicht bei Herzinsuffizienz
Schleifendiuretika
⢠sehr stark, schnell â viel Wasser + Naâş, Kâş, Clâť werden ausgeschieden
⢠sehr wirksame Methode, um Flßssigkeit auszuschwemmen, jedoch hoher Natrium-Kalium-Verlust
⢠auch bei Niereninsuffizienz wirksam
⢠Notfallmedikament (z. B. LungenÜdem)
UnerwĂźnschte Nebenwirkungen
⢠Polyurie
⢠starker Elektrolytverlust (v. a. Kalium, Natrium)
⢠Dehydratation
⢠Hypotonie
Thiaziddiuretika
⢠mittelstark, länger anhaltend
⢠Elektrolytverlust nicht ganz so hoch wie die Schleifendiuretika
⢠Standard bei Bluthochdruck
⢠weniger wirksam bei schwerer Niereninsuffizienz
UnerwĂźnschte Nebenwirkungen:
⢠Polyurie
⢠hoher Natrium- und Kaliumverlust
⢠Hyperglykämie (Thiaziddiuretika kÜnnen den Blutzucker erhÜhen, daher vermehrt Blutzuckerkontrollen bei Menschen mit Diabetes)
⢠kann langfristig die Entstehung von Gicht begßnstigen
Kaliumsparende Diuretika
⢠schwach, aber â Kalium bleibt im KĂśrper
⢠schonende Vorgangsweise
⢠geringere Wirksamkeit
⢠oft als Kombinationstherapie mit anderen Diuretika
UnerwĂźnschte Nebenwirkungen:
⢠Polyurie
⢠Hyperkaliämie (gefährlich!)
⢠bei Spironolacton â hormonelle Nebenwirkungen
Diuretika: Das muss die Pflege beachten
⢠Hauptprobleme / alle Diuretika:
⢠Dehydratation
⢠ElektrolytstÜrungen
⢠Kreislaufprobleme
⢠Flßssigkeitsbilanz
⢠tägliche Gewichtskontrolle (mÜglichst gleiche Zeit)
⢠Elektrolyte ßberwachen (Blutabnahmen veranlassen / ermÜglichen)
⢠Kreislauf beobachten
⢠Beobachtung auf Wirkung
⢠nimmt Ădem ab
⢠verbessert sich die Atmung? (z. B. bei Lungenstauung)
Analgetika
Schmerzmittel. Arzneimittel zur Linderung oder Ausschaltung von Schmerzen, ohne dabei das Bewusstsein wesentlich zu beeinflussen.
⢠Schmerz ist eine subjektive und persÜnliche Empfindung (ein biopsychosoziales Phänomen)
⢠Schmerzskala: Patient gibt die persÜnlich empfundene Schmerzintensität an
WHO-Stufenschema: stufenweiser Ansatz zur medikamentĂśsen Schmerztherapie
1. nichtâopioide Analgetika, bei leichten bis mäĂigen Schmerzen (z.B. Paracetamol, Ibuprofen, Novalgin)
2. niederpotente Opioide, bei mittelstarken Schmerzen (z.B. Tramadol, Codein)
3. hochpotente Opioide, bei starken, oft tumorbedingten Schmerzen (z.B. Morphin, Oxycodon, Fentanyl)
Wenn normale Schmerzmedikamente nicht ausreichend wirken, kĂśnnen Schmerzmittel auch invasiv rĂźckenmarksnah verabreicht werden.
⢠peripher wirkend (am Ort der Schmerzentstehung)
⢠zentral wirkend (im Gehirn und Rßckenmark)
Nicht-opioid-Analgetika: Peripher wirkende Analgetika
Prostaglandine stehen in engem Zusammenhang mit den Nicht-Opioid-Analgetika. Diese Medikamente hemmen die Bildung von Prostaglandinen. Dadurch wirken sie:
⢠schmerzlindernd: weil Prostaglandine Schmerzrezeptoren empfindlicher machen
⢠entzßndungshemmend: weil Prostaglandine Entzßndungsreaktionen fÜrdern
⢠fiebersenkend: weil Prostaglandine im Gehirn auf das Temperaturzentrum wirken
Da Prostaglandine aber auch wichtige Schutzfunktionen im KĂśrper haben, kann ihre Hemmung auch Nebenwirkungen verursachen. Wird ihre Bildung gehemmt, ist die Magenschleimhaut schlechter geschĂźtzt. Dadurch steigt das Risiko fĂźr Magenschmerzen, Gastritis, MagengeschwĂźre und Blutungen. Auch die Durchblutung der Niere kann beeinträchtigt werden, wodurch das Risiko fĂźr Nierenprobleme steigt. Zusätzlich kĂśnnen NSAR die Blutdruckregulation beeinflussen, weil Prostaglandine auch an der GefäĂweite beteiligt sind. Durch die Hemmung der Prostaglandine kann es zu Wassereinlagerung und Blutdruckanstieg kommen.
𪢠đ§ŠđĄErinnerungsknoten: Anatomie: Was sind Prostaglandine?đĄđ§Š đŞ˘
MĂśgliche Nebenwirkungen von NSAR:
⢠Magenschmerzen
⢠Nausea
⢠Emesis
⢠Magenschleimhautschäden (Gastritis, Ulcus ventriculi, Mukositis)
⢠Magenblutungen
⢠Gastritis
⢠Ulcus ventriculi
⢠bei Menschen mit Herz-Kreislauf-Problemen, Bluthochdruck und eingeschränkter Nierenfunktion: Blutdruckanstieg, Nierenschäden
⢠allergische Reaktionen (z.B. Hautausschlag, Juckreiz, Quaddeln)
Opioide: Zentral wirksame Analgetika
⢠alle Opiode wirken zentral z. B. Morphin, Tramadol (klassische zentral wirksame Analgetika)
⢠haben ihren Wirkungsort im Gehirn und im Rßckenmark
⢠wirken in kleineren Dosen analgetisch, in hohen Dosen narkotisch â Lähmung des Atemzentrums â Tod
⢠Einsatz zentral wirkender Analgetika sollte auf sehr starke Schmerzen beschränkt bleiben
⢠Dämpfung des ZNS (Schmerzlosigkeit, Beruhigung, Euphorie)
Auch einige Nicht-Opioide, z.B. Novalgin und Paracetamol, wirken zentral – beeinflussen das kĂśrpereigene Cannabinoid-System, jedoch ohne Abhängigkeitspotenzial.[3]
Opioide: Das muss die Pflege beachten
⢠nicht abrupt absetzen! (Entzugssymptome mÜglich: Unruhe, Schwitzen, Schmerzen)
⢠Suchtgefahr! (sollen nicht länger als 14 Tage eingenommen werden – Ausnahmefälle: chronische Schmerzen, Tumorschmerzen und palliative Situationen )
⢠fĂźr chronische, nichtâtumorbedingte Schmerzen gilt eine eigene Leitlinie zur engmaschigen Ăberwachung bei längerfristiger Anwendung
⢠Blutdruck beachten (Gefahr von Hypotonie)
⢠Nebenwirkungen / Risiken bei Ăberdosierung:
⢠Atemdepression â Atmung beobachten (= Bradypnoe + Hypoventilation)
⢠Euphorie oder Sedierung
⢠Benommenheit / Somnolenz / Sopor / Bewusstlosigkeit â Bewusstsein beobachten
Hypoventilation)
⢠Pupillenverengung
⢠Nausea, Emesis, Vertigo
⢠Verwirrtheit
⢠häufig Obstipation als Nebenwirkung â Laxantien (Standard bei Opioidtherapie)
⢠Ileus
⢠Flßssigkeit, Bewegung und Ernährung unterstßtzen
⢠P/B informieren: âDieses Medikament lindert starke Schmerzen. Es kann aber auch zu MĂźdigkeit, Schwindel, Ăbelkeit und Verstopfung kommen.
Melden Sie sich, wenn Sie eine Nebenwirkung an sich bemerken. Bei Ăberdosierung kann es zu Atemproblemen oder Bewusstlosigkeit fĂźhren. Setzen Sie das Medikament nicht eigenmächtig ab, nehmen Sie es nicht doppelt ein! Achten Sie darauf, es nicht Ăźberzudosieren! Keine eigenständige Dosisänderung! Bei zu langer Einnahme besteht Suchtgefahr!“
⢠Wechselwirkungen beachten (z. B. mit Sedativa / Alkohol â verstärkte Dämpfung)
⢠Sturzprophylaxe
⢠regelmäĂige Vitalzeichenkontrolle
⢠Analgetika sollen generell nicht nßchtern eingenommen werden!
Atemdepression:
Atemdepression â Hypoventilation â Blutgase â COâ im Blut â â pH-Wert (ab 7,1 kritisch) â respiratorische Azidose; zusätzlich: â Oâ im Blut â Hypoxämie/Hypoxie
Je hĂśher der COâ-Gehalt im Blut, desto saurer wird es (pH-Wert sinkt).
𪢠đ§ŠđĄErinnerungsknoten: pH-Wert-Tabelle đĄđ§Š đŞ˘
Transdermale Pflaster
= TTS (transdermales therapeutisches System)
⢠Medikamente, die auf die Haut aufgeklebt werden
⢠geben die enthaltenen Wirkstoffe kontinuierlich in den Blutkreislauf ab
⢠Dauertherapie
⢠Umgehung des Verdauungstrakts
⢠typische Wirkstoffe: Fentanyl, Nicotin, Nitroglycerin
Anwendung:
– Parkinson-Krankheit
– EmpfängnisverhĂźtung
– Alzheimer
– Angina pectoris, Herzinsuffizienz, Bluthochdruck
– Schmerzen
– RaucherentwĂśhnung
Aufkleben des Pflasters:
⢠auf eine saubere, vollkommen trockene, unverletzte Hautstelle aufkleben
⢠Nicht auf geschädigter oder gereizter Haut anwenden
⢠auf eine relativ unbehaarte Stelle aufkleben – NICHT direkt vor der Anwendung rasieren (Zeitabstand mindestens drei Tage).
⢠geeignete Hautstellen: GesäĂ, die Aussenseite des Oberarms, RĂźcken
⢠Nicht auf die Brßste aufkleben
⢠Klebefläche nicht berßhren
⢠Nach dem Aufkleben ca. 30 Sekunden mit der flachen Hand auf die Haut drßcken
⢠nicht mit einem Stift anschreiben
⢠nicht zerschneiden
Andere Analgetika
Salizylate (Wirkstoff Acetylsalizylsäure)
⢠werden zur Schmerz- und Fieberbekämpfung eingesetzt (Aspirin)
⢠in niedriger Dosierung hemmen sie das Zusammenlagern von Blutplättchen (Thrombo ASS)
⢠Vor operativen Eingriffen darf keine Acetylsalizylsäure eingenommen werden
Anilinderivate (Wirkstoff Paracetamol)
⢠wirken fiebersenkend, z.B. Mexalen
Pyrazolderivate (Wirkstoff Pyrazolon)
⢠Sie wirken fiebersenkend, analgetisch und entzßndungshemmend, z.B. Parkemed, Novalgin
Nebenwirkungen:
⢠Reizung der Magen-Darm-Schleimhaut
⢠Magengeschwßre
⢠Magenblutungen
⢠Leberschäden
⢠Blutbildschäden
Glucokortikoide
⢠gehÜren zur Arzneimittelgruppe der Kortikosteroide
⢠wirken indirekt schmerzlindernd
⢠Cortison
⢠ist kein Analgetikum, wirkt aber ebenfalls schmerzlindernd
⢠Cortisol ist ein lebenswichtiges, kÜrpereigenes Hormon, das in der Nebennierenrinde produziert wird
⢠ist als Medikament der stärkste Entzßndungshemmer
⢠bei Asthmaanfall, allergischen Schock oder bei rheumatischen oder immunologischen Erkrankungen
⢠gehÜrt zu den steroidalen Antirheumatika
⢠starke Nebenwirkungen:
⢠Immunsuppression â erhĂśhte Infektanfälligkeit
⢠Hyperglykämie â Diabetesrisiko (Blutzuckeranstieg)
⢠Hypertonie (Blutruckanstieg)
⢠Osteoporose (Knochenabbau)
⢠Muskelabbau, Muskelschwäche
⢠Gewichtszunahme / Fettumverteilung (âStammfettsuchtâ, Vollmondgesicht „Cushing-Syndrom“)
⢠Hypertonie
⢠Ădeme
⢠Magenprobleme â Ulkusrisiko
⢠Hautveränderungen â dĂźnne, rissige Haut, schlechte Wundheilung, Hämatome
⢠psychische Veränderungen â Unruhe, Stimmungsschwankungen, Depression, Psychosen, SchlafstĂśrungen
⢠Katarakt (grauer Star)
pflegerisch von besonderer Bedeutung:
⢠Magenreizungen / Ulkusrisiko â oft Magenschutz / nicht auf nĂźchternen Magen einnehmen
⢠mÜglichst morgens verabreichen (kÜrpereigener Rhythmus, imitieren der natßrlichen Produktion des Hormons Cortisol)
⢠nicht abrupt absetzen! Ausschleichen lassen!
𪢠đ§ŠđĄErinnerungsknoten: Was ist die Wirkweise von Cortison und wie lässt sich dadurch erklären, dass die Einnahme die Infektanfälligkeit erhĂśht?đĄđ§Š đŞ˘
Antidiabetika
Insuline
𪢠đ§ŠđĄErinnerungsknoten: s. „Kompetenz der Pflegeassistenz: Umgang mit Insulin„đĄđ§Š đŞ˘
Orale Antidiabetika
⢠v.a. bei Typ-2-Diabetes (wenn noch eigenes Insulin vorhanden ist)
⢠Hypoglykämie mÜglich
⢠regelmäĂig Blutzucker kontrollieren
⢠Ernährung & Bewegung bleiben zentral
Orale Antidiabetika: Das muss die Pflege beachten
⢠Blutzucker regelmäĂig kontrollieren
⢠Einnahmezeitpunkt beachten
⢠regelmäĂige Einnahme sicherstellen
⢠Nieren- und Leberfunktion beachten
⢠Ernährung beachten (regelmäĂige Kohlenhydratzufuhr wichtig)
⢠Alkoholkonsum berĂźcksichtigen (â kann Hypoglykämie verstärken!)
⢠bei Infekten / Stress Blutzucker engmaschiger kontrollieren
⢠P/B informieren: âDiese Medikamente senken den Blutzucker. Achten Sie auf eine regelmäĂige Einnahme und darauf, Mahlzeiten nicht auszulassen. Eine Unterzuckerung kann sich durch Zittern, Schwitzen oder Schwindel bemerkbar machen. Melden Sie Nebenwirkungen wie Magen-Darm-Beschwerden oder ungewĂśhnliche Schwäche.â
⢠Notfallmanagement kennen (Hypoglykämie sofort behandeln â schnelle Zuckerzufuhr!)
Weitere Arzneimittelgruppen
Antiparkinsonmittel / Parkinson-Medikamente
Arzneimittel zur Behandlung der Parkinson-Erkrankung. Zielen darauf ab, das Gleichgewicht der Botenstoffe im Gehirn (Dopamin) zu verbessern. Lindern typische Symptome von Parkinson-Patienten (z.B. Tremor, Rigor, Bradykinesie).
đ wirken auf den Dopaminstoffwechsel im Gehirn
EntzĂźndungshemmende Arzneimittel / Antiphlogistika
Man unterscheidet:
- steroidale Antirheumatika: Kortikosteroide (z. B. Glukokortikoide wie Cortison)
- nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR): z. B. Ibuprofen, Diclofenac
Beide wirken sowohl entzĂźndungshemmend als auch schmerzlindernd, aber Ăźber unterschiedliche Mechanismen.
Steroidale Antirheumatika
⢠stark entzĂźndungshemmend und immunsuppressiv (s. unter „Cortison„)
⢠nicht abrupt absetzen (Ausschleichen!)
⢠erhÜhtes Infektionsrisiko (immunsuppressiv)
⢠Blutzuckeranstieg mÜglich
⢠Magenreizungen / Ulkusrisiko â oft Magenschutz
⢠mÜglichst morgens verabreichen (kÜrpereigener Rhythmus)
NSAR / nicht-steroidale Antirheumatika
⢠= nicht-opioide Analgetika
⢠z.B. Paracetamol, Ibuprofen, Diclofenac
⢠häufig nicht nur entzßndungshemmend und schmerzlindernd (ohne opioide Wirkung), sondern auch fiebersenkend
⢠Blutungsneigung erhÜht, Ulkus-, Blutungsrisiko (ggf. Magenschutz, nicht nßchtern einnehmen!)
⢠Nierenfunktion beachten (Harnbeobachtung)
⢠Vorsicht bei älteren Menschen
MĂśgliche Nebenwirkungen von NSAR:
⢠Magenschmerzen, -schleimhautschäden, -blutungen
⢠Nausea
⢠Nierenschäden
⢠Blutdruckanstieg
⢠allergische Reaktionen
Thyreostatika
SchilddrĂźsenhormone
Statine
Cholesterinsenker
Magen-Darm-Mittel
⢠wirken auf das Verdauungssystem (Magen)
⢠Antiemetika – wirken gegen Nausea/Emesis (erhĂśhtes Sturzrisiko, Sturzprophylaxe)
⢠H2-Rezeptorblocker – verringern die Säureproduktion im Magen
Protonenpumpenhemmer (PPI)
⢠hemmen die Bildung von Magensäure und schßtzen dadurch die Schleimhaut, was die Heilung fÜrdert
⢠vor dem Essen einnehmen, nicht unnÜtig lange geben
Indikation
⢠Gastritis
⢠Ulcus ventriculi
⢠Ulcus duodeni
⢠Refluxkrankheit
Antazida
⢠neutralisieren die vorhandene ßberschßssige Magensäure und bildet eine Schutzschicht auf der Schleimhaut (Sucralfat)
⢠andere Medikamente werden schlechter aufgenommen: mind. 2 Stunden Abstand zwischen der Gabe von anderen Medikamenten
Unterschied Protonenpumpenhemmer – Antazida – H2-Rezeptorblocker:
hemmen Säureproduktion – neutralisieren ĂźberschĂźssige Säure – reduzieren Säureproduktion
Immunsuppressiva
unterdrĂźcken das Immunsystem (Infektionsgefahr stark erhĂśht!, auf Hygiene und Infektzeichen achten)
Antihistaminika
Medikament gegen Allergien (erhĂśhtes Sturzrisiko / Sturzprophylaxe)
Antitussiva
wirken hustenreizdämpfend (nicht bei produktivem Husten! Sekretstau)
Expektoranzien
wirken schleimlĂśsend und sekretfĂśrdernd (viel trinken! – verbessert die Wirkung, nicht abends – vermehrter Hustenreiz nachts)
Dermatika
wirken auf die Haut (lokal)
Zytostatika
wirken wachstumshemmend auf sich schnell teilende Zellen, greifen jedoch auch gesunde Zellen an
Chemotherapie
Der Pflegeassistenz ist die Verabreichung von Zytostatika nicht gestattet![2]
Spasmolytika
= KrampflĂśser
Antidementiva
Es gibt zwei Gruppen von Antidementiva:
⢠Acetylcholinesterase-Hemmer
⢠Glutamat-Antagonisten
Antikonvulsiva
Antiepileptika. Verhindern Krampfanfälle.
Einnahme:
⢠regelmäĂig und genau nach Verordnung einnehmen. Ausgelassene Dosen kĂśnnen Anfälle auslĂśsen; vergessene Anfallsmedikamente ist die häufige Ursache fĂźr Anfälle
⢠nicht plÜtzlich absetzen. Ein abruptes Absetzen kann Anfälle auslÜsen.
⢠bei vergessener Einnahme nicht doppelt einnehmen
⢠Nebenwirkungen beobachten. Mßdigkeit, Schwindel, Konzentrationsprobleme, Stimmungsschwankungen, Hautausschlag, Veränderungen von Gewicht, Appetit oder Verhalten sollten ärztlich rßckgemeldet werden.
⢠Wechselwirkungen beachten. Antikonvulsiva kÜnnen mit anderen Medikamenten, Alkohol oder hormonellen Verhßtungsmitteln wechselwirken.
Antimykotika / Anti-Pilz-Arzneimittel
wirken pilzhemmend bzw. pilzabtĂśtend (Therapie konsequent durchfĂźhren, nicht zu frĂźh abbrechen!)
Psychopharmaka
wirken auf das zentrale Nervensystem
beeinflussen Stimmung, Denken, Wahrnehmung, Antrieb oder Verhalten
u.a. bei Depressionen, AngststĂśrungen oder Psychosen
Sedativa – Beruhigungsmittel
Hypnotika – Schlafmittel, vor allem bei Insomnie
Tranquilizer – angstlĂśsende Medikamente
⢠nicht abrupt absetzen
⢠Sturzgefahr! Sturzprophylaxe
⢠Abhängigkeitsrisiko
Benzodiazepine:
starke Schlafmittel wirken atemdepressiv und blutdrucksenkend (vor allem nach intravenÜser Verabreichung und in Kombination mit anderen zentral dämpfenden Arzneimitteln). Die Pflegenden beobachten daher nach Gabe solcher Arzneimittel den Blutdruck und die Atmung des Patienten. Bei häufiger oder dauerhafter Einnahme von Schlafmitteln besteht die Gefahr der GewÜhnung.
Impfstoffe
wirken immunisierend (Aufbau von Schutz vor Krankheitserregern)
Fertigspritzen / Spritzampullen
enthalten die applikationsfertige LĂśsung in einer Einmalspritze
Einmalgebrauch
bei Fertigspritzen fĂźr die subcutane Verabreichung NICHT aspirieren â nicht notwendig!
FACHWĂRTER ZUM THEMA PHARMAKOLOGIE, DIE DIE PFLEGEASSISTENZ KENNEN UND NUTZEN SOLLTE
fett = besonders wichtig
| Bezeichnung | Beschreibung |
|---|---|
| Analgetika | Schmerzmittel |
| Antikoagulanzien | Gerinnungshemmer |
| peripher wirkend | an Ort und Stelle wirkend |
| zentral wirkend | auf das Zentralnervensystem wirkend |
Quellen:
[1] „Long-acting insulin is a type of insulin that you inject once or twice a day. It works throughout the day and night to provide you with low levels of insulin all the time. Long-acting insulin is sometimes also known as basal insulin.“
About long-acting insulin, nhs.uk, Staatliches Gesundheitssystem in UK
[2] Gehobener Dienst fĂźr Gesundheits- und Krankenpflege: „Die Kompetenzen bei medizinischer Diagnostik und Therapie umfassen gem § 15 insbesondere: Verabreichung von Arzneimitteln, einschlieĂlich Zytostatika und Kontrastmitteln.“
GUKG NOVELLE 2016, infofueraerzte.at, LINZER INSTITUT FĂR GESUNDHEITSSYSTEM â FORSCHUNG (LIG)
[3] Hircin et al. (2025) Metamizol. DocCheck Flexikon. VerfĂźgbar unter: https://flexikon.doccheck.com/de/Metamizol (Zugriff: 31. Mai 2026)