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Palliativpflege

Unterrichtsfach: Grundzüge und Prinzipien der Akut- und Langzeitpflege inklusive Pflegetechnik (GKPF)


03.12.2025

Seit jeher setzt sich die Menschheit mit dem Tod auseinander und verbindet ihn mit der Vorstellung eines Weiterlebens. Archäologische Funde belegen bereits vor 100.000 bis 40.000 Jahren bewusst gestaltete Begräbnisse, die auf frühe Deutungen von Sterben und Jenseits hinweisen. Im Alten Ägypten galt der Tod nicht als das Ende, sondern als Übergang in eine neue, machtvolle Existenz, sichtbar in aufwendigen Totenritualen wie Grablegungen, Reinigungen, Einbalsamierungen und Opfergaben. Das ägyptische Totenbuch bündelt Gebete, Beschwörungen, Mythen und magische Formeln, die den Tod und die Reise ins Jenseits begleiten. Diese jahrtausendealte Auseinandersetzung mit dem Sterben bildet den historischen Hintergrund für die Frage, wie wir heute Menschen am Lebensende begleiten.

Palliativpflege / Palliativmedizin Definition

Palliativpflege = ganzheitliche pflegerische Begleitung, um Lebensqualität zu erhalten und Symptome zu lindern
Palliativmedizin = medizinische Versorgung mit dem Ziel, maximale Lebensqualität bei unheilbarer Erkrankung zu gewährleisten

Die Geschichte der Palliativpflege

Die Hospizbewegung ist ein wesentlicher Teil der Geschichte der Palliativpflege leitet sich vom lateinischen Begriff „hospitum“ ab, der für Gastfreundschaft und Herberge steht, und versteht sich sinnbildlich als eine Raststätte für Menschen auf ihrer letzten Reise. Ziel der Hospizarbeit ist die Erhaltung der Würde und Selbstbestimmung sterbender Menschen unter besonderer Beachtung ihrer individuellen Bedürfnisse sowie die umfassende Unterstützung von Patientinnen und Patienten und deren Angehörigen in der letzten Lebensphase.

Historisch ist das Hospizkonzept bereits zur Zeit der Römer bekannt, als Orte geschaffen wurden, an denen Kranke, Sterbende und Bedürftige Aufnahme und Versorgung fanden. Im Christentum wurde diese Tradition durch Orden weitergeführt, insbesondere durch die Hospitalorden des Mittelalters, in denen Hospize als Herbergen und Raststätten für Reisende, Arme und Sterbende dienten. Vor der Entwicklung der modernen Medizin war Pflege grundsätzlich palliativ orientiert, da heilende Möglichkeiten begrenzt waren und die Linderung von Leid im Vordergrund stand. Mit dem Fortschritt der Medizin kam es schließlich zu einem Paradigmenwechsel, der den Fokus zunehmend auf Heilung und Lebensverlängerung legte und damit neue Herausforderungen für den Umgang mit Sterben und Tod mit sich brachte.

Die Palliativpflege bzw. Palliative Care entwickelte sich später als fachlich-medizinisches und pflegerisches Konzept, das auf der Hospizidee aufbaut und erweitert. Sie umfasst die professionelle Behandlung von Schmerzen und anderen belastenden Symptomen sowie psychosoziale, spirituelle und ethische Aspekte – und richtet sich nicht ausschließlich an Sterbende, sondern auch an Menschen mit schweren, lebenslimitierenden Erkrankungen.

🪢 🧩💡Erinnerungsknoten: Pflege im Mittelalter💡🧩 🪢

Palliative Care Definition

„Palliative Care ist ein Ansatz zur Verbesserung der Lebensqualität von Patient/innen und ihren Familien, die mit Problemen konfrontiert sind, welche mit einer lebensbedrohlichen Erkrankung einhergehen – und zwar durch Vorbeugen und Lindern von Leiden, durch frühzeitiges Erkennen, die Einschätzung und Behandlung von Schmerzen sowie anderen belastenden Beschwerden körperlicher, psychosozialer und spiritueller Art.“
WHO
, 2002

• umfasst die Teildisziplinen Palliativpflege und Palliativmedizin
• ergänzen einander
• Behandlung, Pflege und Begleitung von Patienten ab dem Zeitpunkt, da ihre Krankheit nicht mehr auf eine kurative Behandlung anspricht (z.B. Tumorerkrankungen, Parkinson, ALS)
• Ziel: Lebensqualität schwerkranker u. sterbender Menschen erhalten

Der Beginn von Palliative Care

Nicht erst beim Sterbeprozess, sondern wenn:
• Patient eine Diagnose bekommt, die als unheilbar gilt
• nicht die Heilung, sondern die Lebensqualität im Mittelpunkt steht

z.B.: Tumorerkrankungen, Parkinson, ALS, CNI, dementielle Erkrankungen, Hepatitis-Folgeerkrankungen, AIDS,…

Die 5 Ziele der Palliativpflege

• bestmögliche Lebensqualität
• Leiden lindern (physisch, psychisch, spirituell, sozial)
• möglichst aktives Leben bis zum Schlusss
• Angehörige miteinbeziehen
• Bedürfnisse und Autonomie achten

6 Rechte der Kranken und Sterbenden

Die 6 Rechte der Kranken und Sterbenden gründen sich auf den Patientenrechten (Österreich).

Recht auf Selbstbestimmung (Annahme oder Ablehnung einer medizinischen Behandlung)
Recht auf persönliche Würde und Integrität (Diskretion)
Recht auf Information (Diagnose, Therapie)
Recht auf angemessene Betreuung
Recht, nicht leiden zu müssen
Recht, nicht allein sterben zu müssen

Organisatorische Varianten in der Palliativmedizin in Österreich

Einfache Situation
Grundversorgung
Komplexe Situation
Unterstützende Angebote
Betreuende Angebote

Grundversorgung
• Akutbereich – Krankenhäuser
• Langzeitbereich – Alten- und Pflegeheime
• Familienbereich, Zuhause – Hausarzt, Mobile Dienste, Therapeuten

Unterstützende Angebote
• Hospizteams
• mobile Palliativteams

Betreuende Angebote
• Palliativkonsiliardienst (beratende Dienste)
• Palliativstationen
• stationäre Hospize
• Tageshospiz 

Die 5 Sterbephasen nach Kübler-Ross

„Sobald wir alle unsere Arbeit auf dieser Erde erledigt haben, ist es uns erlaubt, unseren Leib abzuwerfen, welcher unsere Seele, wie ein Kokon den Schmetterling, gefangen hält. Wenn die Zeit reif ist, können wir unseren Körper gehen lassen, und wir werden frei sein von Schmerzen, frei von Ängsten und Sorgen frei wie ein wunderschöner Schmetterling, der heimkehrt zu Gott.“ Dr. E. Kübler-Ross

Nicht-wahrhabenwollen: Schock, Leugnen, Verdrängen
• Zorn: Wut, Aggression, Schuldzuweisungen
Verhandeln: Hoffnung, Kompromisse, innere „Abmachungen“
Depression: Trauer, Rückzug, Angst, Lebensbilanz
Zustimmung: Akzeptanz, Ruhe, Gelöstheit

Geschichtlicher Hintergrund:
Die Weiterentwicklung der Hospizbewegung wurde Mitte der 1960er-Jahre maßgeblich durch zwei Frauen angestoßen. Cicely Saunders und Elisabeth Kübler-Ross. Cicely Saunders war als Krankenschwester, Sozialarbeiterin und später als Ärztin tätig. Sie prägte ein neues Verständnis von ganzheitlicher Begleitung am Lebensende, bei dem die Linderung von Schmerzen sowie die Berücksichtigung psychosozialer und spiritueller Bedürfnisse im Mittelpunkt standen. Parallel dazu trug die Psychiaterin Elisabeth Kübler-Ross dazu bei, das Thema Sterben aus dem gesellschaftlichen Tabu zu holen, indem sie sich intensiv mit den Erfahrungen, Bedürfnissen und emotionalen Prozessen sterbender Menschen auseinandersetzte.

Die Sterbephasen nach Monika Renz

Davor
• Sterbende sind noch bewusst im Hier
• Angst vor dem Loslassen
• innerer Kampf, Festhalten

Hindurch
• Übergang
• starke Ängste und Unruhe möglich
• innere Auseinandersetzung, „durch die Dunkelheit gehen“

Danach
• innere Ruhe, Frieden
• Bewusstsein „drüben“
• Loslassen, kein Kampf mehr

Saunders prägte die strukturell-klinische Grundlage und das Versorgungskonzept der modernen Hospiz- und Palliativarbeit, Kübler-Ross das Sprechen über das Sterben. Monika Renz ergänzt diese Linie in der heutigen Palliative Care durch eine klinisch fundierte Auseinandersetzung mit dem Thema. 

Definition des Sterbeprozesses

• Sterben ist ein Teil des Lebens
• der Tod steht am Ende des Sterbeprozesses
• Sterben ist ein länger dauernder Prozess

Einteilung der Bedürfnisse sterbender Menschen

• körperlich
• psychisch
• sozial
• spirituell

Der Unterschied zwischen Terminal- und Finalphase

Terminalphase
• letzte Tage bis wenige Wochen
• Rückzug, zunehmende Schwäche

Finalphase
• eigentliche Sterbephase (Die letzten 72 Stunden des Lebens )
• Atmung verändert, Bewusstsein sinkt

Wann beginnt der Sterbeprozess?

Definition in der Medizin:
• wenn elementare Körperfunktionen unaufhaltsam versagen
• wenn medizinische Maßnahmen nicht mehr fruchten

Definition in der Biologie:
• durch stetes Absterben von Zellen bereits mit der Geburt beginnend

Definition in der Psychologie:
• wenn ein Mensch vom Tod bedroht ist und sich dessen bewusst ist, so dass sein Erleben und Verhalten davon bestimmt werden

Grundsätze der Symptombehandlung

• Symptomkontrolle
• Linderung
• Ganzheitlichkeit
• Orientierung an individuellen Bedürfnissen
• multiprofessionelle Betreuung

Die 10 Schwerpunkte der Symptomkontrolle im Bereich Palliative Care

• Schmerz
• Atmung (Dyspnoe)
• Bewusstsein (Unruhe/Verwirrtheit/Angst)
• Ernährung (Anorexie)
• Mundschleimhaut (Xerostomie)
• Dehydration
• Nausea / Emesis
• Ausscheidung (Obstipation)
• Fatigue (= ausgeprägte körperliche und geistige Erschöpfung die durch Schlaf nicht ausreichend gebessert werden kann)
• Juckreiz (Pruritus)

Symptomkontrolle Xerostomie: Ursachen und pflegerische Interventionen (Palliative Care)

Xerostomie = trockene Mundschleimhaut, Mundtrockenheit, die die Lebensqualität beeinträchtigt

• sorgfältige und vor allem kreative Mundpflege äußerst wichtig (Eingabe mit Teelöffel, Pipette, Eiswürfel, Spray)
• lindernder Effekt hält nur kurzfristig an
• Linderung von Mundtrockenheit hängt nicht ausschließlich von der zugeführten Flüssigkeitsmenge ab, sondern wird auch durch regelmäßige Mundpflege und häufiges Anfeuchten des Mundes wirksam unterstützt

Ursachen:
• verminderte Speichelproduktion durch Medikamente (Multimedikation / Polypharmazie)
• verminderte Flüssigkeitsaufnahme/Dehydration
• Durstgefühl nimmt ab
• lokale Strahlentherapie
• offene Mundatmung
• Sauerstoffgabe

Pflegerische Interventionen:
• häufiges Anfeuchten mit Tee (Salbei, Pfefferminz, …), Coca Cola, Eiswürfel oder Eisstäbchen
• Ansprühen der Mundschleimhaut
• Massagen im Kieferbereich
• für gute Luftfeuchtigkeit sorgen
• Lippenpflege: Labello, Mandelöl, Vaseline, Butter, brausehaltige Lutscher (Vit C löst Beläge von der Zunge)

Die genannten Maßnahmen sind klassische pflegerische Basisinterventionen zur Mund- und Symptompflege. Die Pflegeassistenz darf sie durchführen, aber nicht eigenständig festlegen, sondern im Rahmen des Pflegeprozesses und der Vorgaben des gehobenen Dienstes. Heißt: Die Pflegeassistenz darf diese Maßnahmen durchführen, wenn sie im Rahmen der laufenden Betreuung als situativ notwendige pflegerische Handlung erfolgen (z. B. trockene Lippen, Mundtrockenheit), sie im Pflegeplan vorgesehen oder Teil eines gültigen Pflegestandards der Einrichtung sind.

Lokalanästhetika:
• muss vom Arzt angeordnet werden
• 20-30 min vor der Nahrungsaufnahme:
Anästhetische Lutschtabletten
Lidocain in Joghurt
Reisschleim mit 30ml Xylocain 4%
Lidocain Spray oder Lösung

Komplementäre Maßnahmen:
• Kamille
• Salbei
• Ringelblume

Weitere Möglichkeiten (nicht in der Finalphase):
• zuckerfreien Kaugummi kauen
• Gabe von synthetischem Speichel
• brausehaltige Lutscher (Vit C löst Beläge von der Zunge)
• Zuckerl lutschen
• Eiswürfel oder Honigwürfel zum Lutschen anbieten (können auch aus Säften oder Tee bestehen, „Pralinenschachtel“)

Symptomkontrolle Anorexie: Ursachen und pflegerische Interventionen in der Palliativpflege

Anorexie = Appetitlosigkeit

Ziel der Ernährungstherapie liegt in der Bewahrung oder Verbesserung der Lebensqualität.
• Anorexie ist oftmals nur ein Problem für die Angehörigen
• Wenn der Patient zur Nahrungsaufnahme nicht mehr fähig ist, erreichen wir mit Gewalt nur das Gegenteil, d. h. Übelkeit und Erbrechen

Ursachen:
tumorbedingt / therapiebedingt
Schmerzen
Dysphagie
Ungenügende Mundpflege
Obstipation
Übelkeit / Erbrechen / Geschmacksveränderungen
Xerostomie

Pflegerische Interventionen:
• Wunschkost
• gute Positionierung beim Essen
• Aperitif anbieten
• häufig kleine Mahlzeiten
• keine negative Bewertung
• Essen immer wenn Patient Lust hat
• Bewegung (= gute Darmtätigkeit)
• Beobachtung der Ausscheidung, Flüssigkeitszufuhr
• Schmerzmedikation 30 Min. vor Essen einnehmen

Symptomkontrolle Nausea und Emesis: Ursachen und pflegerische Interventionen in der Palliativpflege

Übelkeit = Nausea
Erbrechen = Emesis

Allgemein: für Ruhe und Entspannung sorgen, für gute Raumluft sorgen, Ablenkung

Ursachen:
• Medikamente / Multimedikation / Polypharmazie
• Angst
• ungepflegter Mund
• Husten
• Reiz durch Lagewechsel
• starke Gerüche
• tumorbedingt: Stauung, Stoffwechselentgleisung, Stenosen (Verengung), Metastasen,…

Pflegerische Interventionen:
• Medikamentöse Therapie: Antiemetika (Mittel gegen Nausea und Emesis)
• unangenehme Essensgerüche vermeiden
• keinen Druck ausüben
• sehr kleine Mahlzeiten
• nach den Mahlzeiten ruhen
• Entspannung und Ablenkung
• sorgfältige Mundpflege
komplementäre Maßnahmen: in der terminalen Phase Pfefferminz-Melissentee, saure Zuckerl, Akupressur „Sea Band“, Akupunktur, in der finalen Phase Raumbeduftung

Definition Endlichkeit

Das menschliche Leben endet mit dem Tod – es ist endlich. Das ist das Schicksal eines jeden Menschen und es ist der Grund, warum man sich mit dem Lebenssinn auseinandersetzt. Die Auseinandersetzung mit dieser Tatsache birgt daher auch enorme Chancen für die persönliche Entwicklung.

Definition „chronisch“

🪢 🧩💡Erinnerungsknoten: Was sind die Verlaufsformen von Erkrankungen? Was ist die Definition für „chronisch“?💡🧩 🪢

Defininion Zytostatika

Medikamente, die das Wachstum von Zellen hemmen. Werden v.a. zur Behandlung von Tumorerkrankungen eingesetzt.

Definition „reduzierter AZ“

= reduzierter Allgemeinzustand, deutlich eingeschränkte körperliche und psychische Leistungsfähigkeit

Definition „antimykotisch“

🪢 🧩💡Erinnerungsknoten: Antimykotika 💡🧩 🪢

Definition „analgetisch“

schmezlindernd

Definition „Lokalanästhetika“

örtliche Betäubung (z.B. in Form von Lutschtabletten, Spray, Salben, Tropfen, Injektionslösungen)

Definition „komplementär“

ergänzend (z.B. ergänzende Behandlung zur Schulmedizin)

Definition „invasiv“

in den Körper eindringend, in vielen (aber nicht in allen) Fällen Gewebe oder Körperstrukturen verletzend

Definition „Intervention“

= Maßnahme

🪢 🧩💡Erinnerungsknoten: Definition Pflegeintervention💡🧩 🪢

Definition Fatigue

krankheitsbedingte, ausgeprägte körperliche, geistige und psychische Erschöpfung, die durch Schlaf nicht ausreichend gebessert wird

Definition Pruritus

Juckreiz

Dehydration: Ursachen, Nachteile (und „Vorteile“) in der Palliativpflege

Ursachen:
• Emesis und Nausea
• Diarrhoe
• Blutungen/Wunden/Fisteln (Gänge) (= es geht kontinuierlich Flüssigkeit aus dem Körper verloren)
• Fieber
• Stenosen (Verengungen)
• Terminale Dehydration

Vorteile:
• Anstieg körpereigener Endorphine – Schmerzlinderung
• weniger Bronchialsekret – weniger Husten, Schleimbildung, Lungenödem
• geringere Harnausscheidung – kein Harnkatheter notwendig
• weniger Magensekretion – weniger Erbrechen
• Reduktion von Aszites (Bauchwassersucht) und Ödemen (Wassereinlagerungen)

Nachteile (palliativ):
• Mundtrockenheit, Durst
• Verwirrung
• Obstipation
• Dekubitusgefahr
• Niereninsuffizienz

Maßnahme, wenn orales Zuführen von Nahrung und Wasser nicht mehr möglich ist…

• enterale (PEG) /parenterale Ernährung (i.v.) / Nasogastralsonde
• mit Betroffenen und Angehörigen besprechen und entscheiden
• Ziel genau definieren
• individuell – da abhängig vom Ausmaß und Fortschritt der Erkrankung

🪢 🧩💡Erinnerungsknoten: Was ist enterale / parenterale Ernährung? Darf die Pflegeassistenz Nahrung über die Nasogastralsonde verabreichen?💡🧩 🪢

Obstipation: Ursachen (palliativ)

• unzureichende Obstipationsprophylaxe
• mechanisch – tumorbedingt (z.B. Verengung im Darmlumen)
• Immobilität
• geringe Nahrungsaufnahme, zu wenig Ballaststoffe, Dehydration
• Schmerzen
• Schwäche, fehlende Bauchpresse
• Medikamente z.B.: Opioide/Sedativa/Diuretika

🪢 🧩💡Erinnerungsknoten: Welche Obstipationsprophylaxen kennst du?💡🧩 🪢

Obstipation: Symptome

🪢 🧩💡Erinnerungsknoten: Ausscheidung beobachten: Obstipation Symptome💡🧩 🪢

Obstipation: Folgen / Komplikationen (palliativ)

• Hämorrhoiden / Analfissuren durch starkes Pressen
• Prolaps (Vorfall eines Organs durch eine Öffnung)
• Hernie (Bruch)
Komplikation:
• Ileus und Miserere (Koterbrechen)
• sterkorale Kolitis (verhärteter Stuhl löst eine Entzündung und Schwellung im Dickdarm aus – muss rasch behandelt werden)

🪢 🧩💡Erinnerungsknoten: Was ist ein Ileus?💡🧩 🪢

Obstipation: Präventive Maßnahmen (palliativ)

🪢 🧩💡Erinnerungsknoten: Obstipationsprophylaxe💡🧩 🪢

Wenn Patient noch ausreichend essen und trinken kann:
• Ballaststoffreiche Kost
• Genügend Flüssigkeit
andere Maßnahmen:
• Osmotische Laxantien (Lactulose)
• Begleittherapie zu den Opioiden (Movicol)
• aktives oder passives Bewegen, schon allein das Bewegen der Beine im Bett fördert die Darmperistaltik

Obstipation: Mögliche pflegerisch-komplementäre, medikamentöse, invasive Interventionen

pflegerisch-komplementär
unterstützende Maßnahmen, die keiner ärztlichen Anordnung, aber einer Delegation durch den gehobenen Dienst erfordern:
• aktives oder passives Bewegen, schon allein das Bewegen der Beine im Bett fördert die Darmperistaltik
• Kolonmassage nach Vogler
• feucht-warme Bauchauflage (Bauchwickel)
• stimulierende Tees (Apfel-Orangen-Schlehenblüten)
• Sauerkrautsaft

medikamentös
vom Arzt verordnet
• Obstipation verursachende Medikamente absetzten
• Natriumpicosulfat (Agaffin, Guttalax)
• Lactulose (Laevolac) – osmotisch
• Magrogol (Movicolpulver) – osmotisch
• Suppositorien: (Glycerin, Dulcolax)
• Begleittherapie zu Opioiden (Movicol)

invasiv
vom Arzt verordnet
• rektales Abführmittel (Mikroklist)
• Einlauf (Klysmol)
• hoher Einlauf (Einlauf, bei dem Flüssigkeit weiter in den Dickdarm eingebracht wird)
• Digitale Stimulation (“Digitale Ausräumung“, auch die digitale Stimulation muss vom Arzt angeordnet werden, der gehobene Dienst darf medizinisch-diagnostische und medizinisch-therapeutische Maßnahmen „nach ärztlicher Anordnung durchführen bzw. daran mitwirken“[1])

🪢 🧩💡Erinnerungsknoten: Erkläre die Pflegemaßnahmen Kolonmassage nach Vogler, Feucht-warme Bauchauflage, digitale Stimulation💡🧩 🪢   

Dyspnoe: Symptome

🪢 🧩💡Erinnerungsknoten: Dyspnoe Symptome💡🧩 🪢   

Der Regelkreis von Dyspnoe

Atemnot → Angst → mehr Atemarbeit (Tachypnoe) → mehr Sauerstoffbedarf → verstärkte Atemnot
Folge: Erschöpfung, Kontrollverlust, Panik

Präventive Maßnahmen, um Dyspnoe vorzubeugen

• Oberkörperhochlagerung
• Beruhigende Umgebung
• Frische Luft / Fenster öffnen
• Beengende Kleidung öffnen
• Auslöser vermeiden (z. B. Belastung, Hitze, Stress)

Dyspnoe: Pflegerische Maßnahmen

🪢 🧩💡Erinnerungsknoten: Dyspnoe pflegerische Maßnahmen💡🧩 🪢   

Möglichkeiten zur Linderung der Atemnot

• Papier wegblasen lassen
• Kerzen ausblasen lassen
• mit einem Strohhalm Wasser zum Sprudeln bringen
• Inhalation
• Massagen (z.B. ASE)
• absaugen
• medikamentöse Therapie

Schmerztherapie nach dem WHO-Stufenschema

Stufe 1: Nicht-Opioide (Paracetamol, Ibuprofen,…)
Stufe 2: Mittelstarke Opioide (Tramadol, Dihydrocodein,…)
Stufe 3: Starke Opioide (Morphin, Fentanyl,…)

Definition Schmerzpumpe

• Gerät zur kontrollierten Schmerzmittelabgabe (bei Bedarf oder kontinuierlich)
• individuell programmierbar
• gleichmäßige Schmerzlinderung

Definition Verwirrtheit (Palliativ)

• Trübung der Gedanken
• Desorientiertheit
• Verständnisstörungen
• Gedächtnisstörungen

Verwirrtheit in der Sterbephase ist nicht unbedingt behandlungsbedürftig. Es kann durchaus einen produktiven Aspekt haben.

Definition Delir (Palliativ)

• Anzeichen des nahen Todes („terminales Delirium“)
• akuter Beginn („akuter Verwirrtheitszustand“)
• Leitsymptom akut einsetzende Verwirrung
• Bewusstseinsstörung / Wahrnehmungsstörung
• schwankender Verlauf
• hat eine organische Ursache
• auch „exogene Psychose“ („Durchgangssyndrom“ – veraltet)

Das Delir in der Sterbephase ist nicht unbedingt behandlungsbedürftig. Es kann durchaus einen produktiven Aspekt haben.

Ursachen: 🪢 🧩💡Erinnerungsknoten: Bewusstsein beurteilen: Das Delir 💡🧩 🪢

Interventionen:
• Angehörige aufklären
• nicht alleine lassen
• Lavendelöl
• Medikamente
• Ja/Nein Fragen stellen
• sanfte Berührung
• leises Summen oder singen
• angenehmes Licht
* wiegen, Hängematte
• Aufmerksamkeit auf angenehme Erinnerungen lenken

Palliative Sedierung:
Die palliative Sedierung ist eine anerkannte Maßnahme in der Palliative Care und wurde unter anderem von Univ.-Prof. Dr. Herbert Watzke am AKH Wien fachlich beschrieben und eingeordnet. Sie kommt dann zum Einsatz, wenn bei schwerstkranken Menschen ein terminales Delirium, ausgeprägtes physisches Leid wie starke Schmerzen oder Atemnot oder ein unerträgliches existenzielles Leid vorliegt, das mit anderen Maßnahmen nicht ausreichend gelindert werden kann. Voraussetzung für die Durchführung ist die Zustimmung der Patientin, sofern diese noch entscheidungsfähig ist, beziehungsweise eine entsprechende Willensbekundung. Die palliative Sedierung wird grundsätzlich zunächst zeitlich begrenzt eingesetzt und regelmäßig überprüft, um das Ausmaß der Sedierung an das individuelle Leid und das therapeutische Ziel anzupassen[3].

🪢 🧩💡Erinnerungsknoten: Bewusstsein beurteilen: Das Delir 💡🧩 🪢

 Schnappatmung Definition (Palliativ)

• abnormale, vereinzelte Atemzüge
• tritt in lebensbedrohlichen Situationen auf (bei Herzstillstand oder kurz vor dem Tod)
• Zeichen letzter Lebensphase
• unmittelbar bevorstehender Tod
• „biologischer Abschaltprozess“

🪢 🧩💡Erinnerungsknoten: Erste Hilfe: Schnappatmung (nicht palliativ)💡🧩 🪢

Anzeichen des nahen Todes

• Reduzierung von Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme
• Reduzierte Wahrnehmung der Außenwelt, zunehmende Bewusstseinstrübung
• Präfinales Rasseln
• Blick ins “Leere”
• Kommunikation mit dem Unsichtbaren, Abschiede, “Reisevorbereitungen”
• verbale Äußerungen reduziert
• Teilnahmslosigkeit
• vermehrte Müdigkeit, längere Schlafphasen bis hin zum Koma
• Schwacher Puls
• Blutdruckabfall
• Schwäche
• Reduzierung der Urinausscheidung
• Kalte Extremitäten oder übermäßiges Schwitzen
• veränderter Atemrhythmus (Cheyne-Stokes-Atmung)

Definition Schmerz

Schmerz ist ein Warnsignal des Körpers. Der Körper setzt unangenehme Sinnes- und Gefühlserlebnisse zum Selbstschutz ein. Schmerz kann auf einen Gewebeschaden hinweisen, muss es aber nicht. Er kann auch durch eine eine veränderte nervale Schmerzverarbeitung oder psychosoziale Belastungsfaktoren ausgelöst werden. Schmerz ist immer ein subjektives Empfinden.

Einteilung von Schmerz (zeitlich)

  • Akuter Schmerz: Schmerzen, die plötzlich auftreten und weniger als drei Monate andauern.
  • Chronischer Schmerz: Schmerzen, die länger als drei Monate anhalten bzw. wiederkehren. Sie haben keine Warnfunktion (mehr) – der Schmerz hat sich vom ursprünglichen Auslöser gelöst. Oft ist chronischer Schmerz ursprünglich aus einem Warnsignal entstanden.

Abgrenzung Schmerzschwelle und Schmerztoleranz

  • Schmerzschwelle: physiologische Komponente. Die Intensität eines Reizes, der nötig ist, um bei einem Menschen Schmerz zu erzeugen.
  • Schmerztoleranz: psychologische Komponente. Die Dauer und Intensität des Schmerzes, die eine Person erleiden kann, bevor sie etwas dagegen unternimmt. Die Schwelle, ab der man einen Schmerz nicht mehr erträgt, ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich.

Schmerzgedächtnis Auswirkungen

Bei Schmerzpatienten haben sich die Schmerzen ins Langzeitgedächtnis eingeprägt → Schmerzschwelle sinkt.
Um das zu verhindern, müssen Schmerzen frühzeitig mit Medikamenten behandelt werden.

Das hat Einfluss auf das Schmerzempfinden

• Sozialer/kultureller Hintergrund
• Persönliche Einstellung zu Schmerzen
• Fortschreiten der Erkrankung
• Einstellung (Schmerz als Strafe)
• Tagesverfassung
• Angst

Begleitreaktionen auf Schmerzen

Akut:
Schwitzen
Tachykardie
Tachypnoe
Schlafstörung

Chronisch:
Depression
Appetitlosigkeit
Obstipation
Suizidgefahr

Schmerzformen

Nozizeptiver Schmerz
somatischer Schmerz (Stammt aus dem Knochen, Gelenken, Haut oder Bindegewebe)
viszeraler Schmerz (Stammt aus inneren Organen, oft schlecht lokalisierbar)

Neuropathischer Schmerz
Nervenschäden führen zu einer pathologischen Reizverarbeitung.
können sich attackenhaft (einschießend, schneidend, stechend) oder als Dauerschmerz (brennend und bohrend) äußern

Die 4 Schmerzdimensionen


Abb.: eigene Darstellung

Kriterien zur Schmerzeinschätzung

Kann nur der Betroffene selbst beurteilen → Schmerzstärke wird mit einer Schmerzskala erfasst (immer gleiches Messinstrument verwenden) → Dokumentation (Schmerztagebuch, Protokoll, Schmerzdauer, Uhrzeit, Auswirkungen auf das tägliche Leben, Dinge die den Schmerz lindern)

Skalen zur Einschätzung von Schmerz

  • NRS (Numerische Ratingskala)
  • VAS (Visuelle Analogskala)
  • Gesichter Skala
  • VRS (Verbale Ratingskala)

Schmerzassessment: Fragen in Bezug zum Schmerz

  • Lokalisation: Wo tut es weh? Wo tritt der Schmerz auf?
  • Intensität: Wie massiv sind die Schmerzen? (Schmerzskalen)
  • Qualität: Wie fühlt sich der Schmerz an?
  • Zeitliche Aspekte: Dauer, wie lange hält der Schmerz an?
  • Modifizierende Faktoren: Was verstärkt, was lindert den Schmerz?
  • Beeinträchtigung im Alltag: Woran hindert Sie der Schmerz?

Schmerzbeobachtung: Wie können Schmerzen erkannt werden (nonverbal)?

  • Gesichtsausdruck
  • Abwehrreaktion bei Pflegehandlungen
  • Unruhe
  • Körperhaltung
  • Verbale Äußerung: stöhnen, wimmern, schreien
  • Atmung

Das Schmerztagebuch

dient der Dokumentation

Darin wird festgehalten:

  • Schmerzverlauf
  • Medikamentenbedarf
  • Befindlichkeit
  • Nebenwirkungen
  • Begleitmedikation
  • Bedarfsschmerzmittel

Definition Tod

Klinischer Tod:
• 3 min nach Atem-Kreislaufstillstand
• Erlöschen der Herz- und Atemfunktion
• unsichere Todeszeichen

Definition nach dem Gesetz:
• Erlöschen der Hirnströme (irreversibler Funktionsausfall des Gesamtgehirns = Hirntod, siehe Empfehlungen zur Todesfeststellung[5])
• Organe können zur Transplantation entnommen werden (in Österreich muss der Organspende widersprochen werden[4])

Definition aus der Biologie:
• Erlöschen aller Organfunktionen
• sichere Todeszeichen
• Wiederbelebung nicht mehr möglich

Definition aus der Psychiatrie:
• Ende psychologischer Lebensvorgänge wie Gedanken und Verhalten

Unsichere Todeszeichen

• Eintritt von Bewusstlosigkeit
• Atemstillstand
• kein Puls tastbar
• fehlender Blutdruck
• schlaffe Muskulatur
• fehlende Reflexe

Die 3 sicheren Todeszeichen

• Totenflecke – Livor mortis
• Totenstarre – Rigor mortis
• Fäulnis- und Auflöseprozesse

Bürokratische Maßnahmen nach Eintritt des Todes

• diensthabenden Arzt verständigen
• Feststellung des Todes durch einen Arzt
• Angehörige informieren
• genaue Uhrzeit auf Fieberkurve vermerken
• Wertgegenstände werden von 2 PP aufgelistet und an die Aufnahme geschickt
• alle anderen persönlichen Dinge werden ebenfalls aufgelistet, aber den Angehörigen übergeben
• religiöse Sitten und Gebräuche berücksichtigen
• am Körper des Verstorbenen wird ein Zettel mit Name, Geburts- und Sterbedatum, Sterbezeit sowie der Station angebracht (Hand- und Fußpass)

Versorgung des Verstorbenen

• flache Lagerung mit leicht erhöhten OK (wegen Totenflecken)
• Katheter etc. je nach SOP belassen oder entfernen
• evtl. Verstorbenen waschen, Haare kämmen, Bart rasieren, frisches Nachthemd anziehen bzw. mit sauberem Tuch bedecken
• Hände auf den Bauch auflegen (bei Obduktion seitlich auflegen)
• Augenlider schließen
• Zahnprothese einsetzen
• Kinn wird nicht mehr hochgebunden
• wenn möglich in einen eigenen, dafür vorgesehenene Raum verlegen
• Verstorbenen so legen, dass die Angehörigen Abschied nehmen können

Es gelten dieselben hygienischen Richtlinien wie bei lebenden Menschen.


Quellen:
[1] § 15 Abs. 1, GuKG „Kompetenzen des gehobenen Dienstes“, RIS
[2] Sicherstellung der Patientenrechte, Landesgesetzblatt für Wien, wien.gv.at
[3] Leitlinie zur Palliativen Sedierungstherapie, Dietmar Weixler et al., Springer, hospiz.at
[4] Widerspruch Organspende Österreich, Formular, oesterreich.gv.at
[5] Empfehlungen zur Todesfeststellung, Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz, transplant.goeg.at
[6] Tod, Lexikon der Psychologie, spektrum.de


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