Aufbereiteter Lehrinhalt
22.02.2026
Die Pflegeassistenz muss über die Grundlagen der Pharmakologie Bescheid wissen, um die verordneten Medikamente korrekt verabreichen zu können. Sie muss die Wirkungen und möglichen Nebenwirkungen der gängigen Medikamente verstehen und frühzeitig Gefahren oder unerwünschte Reaktionen erkennen können.
Das muss die Pflegeassistenz über Pharmakologie wissen:
➤ Die Kompetenzen in Bezug auf die Gabe von Medikamenten kennen.
➤ Den Begriff Rezept definieren.
➤ Den Begriff Pharmakologie definieren.
➤ Den Begriff Pharmazie definieren.
➤ Den Begriff Toxikologie definieren.
➤ Den Begriff Wirkstoff definieren.
➤ Den Begriff Arzneimittel definieren.
➤ Den Begriff Drogen definieren.
➤ Den Begriff Homöopathie definieren.
➤ Den Begriff Phytotherapie definieren.
➤ Den Begriff Generika definieren.
➤ Die gängigsten Arzneimittelformen (Darreichungsformen) nennen.
➤ Die Anwendung der Arzneimittelformen nennen.
➤ Die gängigsten Verabreichungsformen nennen.
➤ Die rechtlichen Hintergründe zur Anwendung von parenteralen Lösungen (Injektionen) kennen.
➤ Die Anforderungen an parenterale Lösungen (Injektionen) kennen.
➤ Die 6-R-Regel nennen.
➤ Den Begriff „Subkutane Injektion“ definieren und Injektionsorte nennen.
➤ Die einzelnen Schritte zur Durchführung einer subkutanen Injektion nennen.
➤ Mögliche Komplikationen durch eine s.c. Injektion nennen.
➤ Die einzelnen Schritte zur sachgerechten Applikation von Augentropfen benennen.
➤ Den Begriff Suspension definieren.
➤ Die Anwendung von Suspensionen nennen.
➤Die Arten Salben kennen.
➤ Den Begriff Aerosole definieren.
➤ Die korrekte Anwendung von Dosieraerosolen nennen.
➤ Die korrekte Anwendung von Nasentropfen nennen.
➤ Die korrekte Anwendung von Ohrentropfen nennen.
➤ Den Verabreichungszeitpunkt von Arzneimitteln nennen.
➤ Den Weg eines Arzneimittels im Organismus und die verschiedenen Phasen kennen.
➤ Agonist von Antagonist unterscheiden können.
➤Die Begriffe Synergismus, Addition und Potenzierung definieren und voneinander abgrenzen.
➤ Die therapeutische Breite definieren.
➤ Die Begriffe Arzneimittelgewöhnung und Toleranzentwicklung definieren und voneinander abgrenzen.
➤ Den Begriff „Unerwünschte Nebenwirkungen“ kennen.
➤Den Begriff „Arzneimittelmissbrauch“ definieren.
➤Den Begriff „Arzneimittelabhängigkeit“ definieren.
➤ Die gängigsten Arzneimittelgruppen definieren:
▸ Laxantien
▸ Antibiotika
▸ Antazida / Protonenpumpenhemmer
▸ Antikoagulanzien
▸ Herz-Kreislauf-Medikamente
▸ Diuretika
▸ Antidiabetika
▸ Analgetika
▸ Psychopharmaka
▸ Hypnotika
▸ Zytostatika
➤ Die Wege der Ausscheidung von Arzneimitteln nennen.
➤ Die richtige Lagerung von Arzneimitteln nennen.
➤ Den Begriff „Placebo“ definieren.
➤ Fertigarzneimittel (Fertigspritzen) erkennen.
➤ Arzneimittelgruppen mit Suchtpotenzial kennen.
Definitionen
Rezept
eine ärztliche Verordnung eines Arzneimittels. Enthält Angaben zu Wirkstoff, Dosierung, Darreichungsform und Anwendung. Erst das Rezept ermöglicht (in Europa) die Abgabe in der Apotheke.
Pharmakologie
die Lehre von der Wirkung von Arzneistoffen auf den Organismus.
Pharmazie
die Wissenschaft von der Herstellung, Prüfung, Lagerung und Abgabe von Arzneimitteln.
Toxikologie
die Lehre von den schädlichen Wirkungen von Stoffen (Giften) auf den Organismus.
Wirkstoff
eine chemische Substanz, die im Körper eine gezielte pharmakologische Wirkung hervorruft.
Arzneimittel
ein Stoff oder eine Zubereitung aus Stoffen, die zur Vorbeugung, Diagnose, Linderung oder Heilung von Krankheiten eingesetzt wird.
Drogen
• getrocknete pflanzliche Ausgangsstoffe für Arzneimittel
• pflanzliche oder synthetische Stoffe mit Wirkung auf das zentrale Nervensystem
Homöopathie
alternativmedizinische Therapieform, die nach dem Prinzip „Ähnliches mit Ähnlichem heilen“ arbeitet und stark verdünnte Substanzen verwendet
Phytotherapie
Behandlung von Krankheiten mit Arzneimitteln pflanzlichen Ursprungs.
Generika
Arzneimittel mit dem gleichen Wirkstoff und gleicher Wirkung wie ein Originalpräparat, die nach Ablauf des Patentschutzes preisgünstiger hergestellt werden.
Arzneimittelformen
Darreichungsformen. Die Art der Zubereitung eines Arzneimittels (z. B. Tablette, Kapsel, Salbe).
Verabreichungsformen (Applikationsformen)
der Weg, über den ein Arzneimittel in den Körper eingebracht wird (z. B. oral, rektal, subcutan).
Parenteralia
sterile Arzneizubereitungen, die unter Umgehung des Magen-Darm-Traktes, meist durch Injektion oder Infusion, in den Körper verabreicht werden.
6-R-Regel in der Pflege
Regel, die der sicheren Medikamentengabe dient.
Subkutane Injektion (s.c.)
Einspritzen eines Arzneimittels in das Unterhautfettgewebe (Subkutis).
Ophthalmika
Augentropfen. Sterile flüssige Arzneizubereitungen zur Anwendung am Auge, meist zur lokalen Behandlung.
Suspension
Feine Verteilung unlöslicher Feststoffteilchen in einer Flüssigkeit. Muss vor Gebrauch geschüttelt werden.
Unguentum
Salbe. Halbfeste Zubereitung auf Fettbasis zur Anwendung auf der Haut oder Schleimhaut.
Creme
Halbfeste Zubereitung auf Wasserbasis, die zur Anwendung auf der Haut bestimmt ist.
Aerosole
fein verteilte feste oder flüssige Teilchen in einem Gas, meist zur Inhalation bestimmt.
Dosieraerosole
Inhalationsgeräte, die bei Betätigung eine exakt dosierte Wirkstoffmenge freisetzen.
Rhinologika
Nasentropfen. Flüssige Arzneimittel zur Anwendung auf der Nasenschleimhaut, meist abschwellend oder befeuchtend.
Agonist
Wirkstoff, der an einen Rezeptor bindet und ihn aktiviert, wodurch eine Wirkung ausgelöst wird.
Antagonist
Wirkstoff, der an einen Rezeptor bindet, ihn jedoch blockiert und dadurch die Wirkung eines Agonisten hemmt.
Synergismus
Gegenseitige Wirkungsverstärkung mehrerer Arzneimittel.
Addition
Summierung der Einzelwirkungen mehrerer Arzneimittel.
Potenzierung
liegt vor, wenn die Gesamtwirkung stärker ist als die Summe der Einzelwirkungen.
Therapeutische Breite
Abstand zwischen wirksamer Dosis und toxischer Dosis eines Arzneimittels.
Tachyphylaxie
Arzneimittelgewöhnung. Rasch einsetzende Wirkungsabschwächung bei wiederholter Gabe eines Arzneimittels.
Toleranzentwicklung
Verminderte Reaktion auf ein Arzneimittel bei längerer Anwendung, sodass eine höhere Dosis nötig wird.
Unerwünschte Nebenwirkungen
Nicht beabsichtigte, schädliche oder belastende Wirkungen eines Arzneimittels bei bestimmungsgemäßer Anwendung.
Arzneimittelmissbrauch
Nicht bestimmungsgemäße Anwendung eines Medikaments, z. B. in zu hoher Dosis oder ohne medizinische Indikation.
Arzneimittelabhängigkeit
Zustand psychischer oder körperlicher Abhängigkeit von einem Medikament, häufig mit Entzugssymptomen bei Absetzen.
Arzneimittelgruppen
Kategorien von Medikamenten mit ähnlichem Wirkmechanismus oder Anwendungsgebiet (z. B. Antibiotika, Hypnotika).
Laxantien
Abführmittel zur Förderung der Darmentleerung.
Psychopharmaka
Arzneimittel, die auf das zentrale Nervensystem wirken und gezielt Stimmung, Denken, Wahrnehmung, Antrieb oder Verhalten beeinflussen. Werden unter anderem bei Depressionen, Angststörungen oder Psychosen eingesetzt.
Herz-Kreislauf-Medikamente
Arzneimittel zur Behandlung von Erkrankungen des Herzens und der Blutgefäße, z.B. bei Hypertonie, Herzinsuffizienz, koronaren Herzerkrankungen oder Herzrhythmusstörungen. Können auf Blutdruck, Herzfrequenz, Gefäßweite, Blutgerinnung oder Herzleistung wirken.
Parkinson-Medikamente
Arzneimittel zur Behandlung der Parkinson-Erkrankung. Zielen darauf ab, das Gleichgewicht der Botenstoffe im Gehirn (Dopamin) zu verbessern. Lindern typische Symptome von Parkinson-Patienten (z.B. Tremor, Rigor, Bradykinesie).
Analgetika
Schmerzmittel. Arzneimittel zur Linderung oder Ausschaltung von Schmerzen, ohne dabei das Bewusstsein wesentlich zu beeinflussen. Wirken entweder peripher (am Ort der Schmerzentstehung) oder zentral (im Gehirn und Rückenmark).
Sedativa
Beruhigungsmittel. Arzneimittel mit beruhigender und dämpfender Wirkung auf das zentrale Nervensystem. Vermindern Unruhe, Angst und Anspannung, fördern die Entspannung und können in höherer Dosierung schlaffördernd wirken.
Hypnotika
Schlafmittel. Arzneimittel, die den Schlaf fördern oder auslösen. Wirken dämpfend auf das zentrale Nervensystem und werden vor allem bei Insomnie eingesetzt.
Antazida
neutralisieren die überschüssige Magensäure chemisch. Wirken lokal im Magen und erhöhen dort den pH-Wert, wodurch Beschwerden wie Sodbrennen oder Magenschmerzen gelindert werden.
Antikoagulanzien
Blutverdünner. Blutgerinnungshemmende Medikamente zur Thrombose- und Embolieprophylaxe sowie zur Therapie bestehender Gerinnsel.
Antibiotika
Wirken gegen bakterielle Infektionen.
Antimykotika
Wirken gegen Pilzinfektionen.
Virostatika
Wirken gegen Virusinfektionen.
Antiphlogistika / NSAR
Entzündungshemmende Medikamente (häufig auch schmerzlindernd und fiebersenkend).
Antidiabetika
Zur Behandlung des Diabetes mellitus (z. B. Insulin, orale Antidiabetika).
Bronchodilatatoren
Erweitern die Bronchien (z. B. bei Asthma oder COPD).
Diuretika
Fördern die Ausscheidung von Wasser über die Niere.
Kortikosteroide (Glukokortikoide)
Stark entzündungshemmend und immunsuppressiv.
Antihistaminika
Wirken gegen allergische Reaktionen.
Zytostatika
Arzneimittel, die das Wachstum und die Vermehrung von Zellen hemmen oder verhindern. Werden vor allem in der Chemotherapie eingesetzt.
Placebo
Scheinmedikation ohne pharmakologisch wirksamen Stoff, die durch Erwartungshaltung eine Wirkung entfaltet.
Kompetenzen der Pflegeassistenz in Bezug auf die Gabe von Medikamenten
ergeben sich aus § 83 Abs. 4 GuKG, „Mitwirkung bei Diagnostik und Therapie“. In Bezug auf die Gabe von Medikamenten heißt das:
1. Verabreichung von lokal, transdermal sowie über Gastrointestinal– und/oder Respirationstrakt zu verabreichenden Arzneimitteln,
2. Verabreichung von subkutanen Insulininjektionen und subkutanen Injektionen von blutgerinnungshemmenden Arzneimitteln,
3. Ab- und Anschließen laufender Infusionen ausgenommen Zytostatika und Transfusionen mit Vollblut und/oder Blutbestandteilen, bei liegendem periphervenösen Gefäßzugang, die Aufrechterhaltung dessen Durchgängigkeit sowie gegebenenfalls die Entfernung desselben,
4. Entfernung von subkutanen und periphervenösen Verweilkanülen,
7. Durchführung von Mikro- und Einmalklistieren.
Die Durchführung der Tätigkeiten darf nur nach ärztlicher Anordnung und unter Aufsicht von Ärzten oder Angehörigen des gehobenen Dienstes für Gesundheits- und Krankenpflege erfolgen. Nach Maßgabe des § 15 Abs. 4 Z 2 kann die Anordnung auch durch Angehörige des gehobenen Dienstes für Gesundheits- und Krankenpflege erfolgen.
Arzneimittelformen (Darreichungsformen)
Pulver (Pulvis)
• mehr od. weniger fein zermahlene Arzneimittelstoffe
• je feiner das Pulver desto schneller die Wirkung
Tablette (Compressa)
• Pressen einer Mischung von pulverisierten Arzneimittelstoffen mit Hilfsstoffen
• einfach zu verabreichen
• gut dosierbar
• gut zu unterscheiden (Form, Farbe)
Arten von Tabletten:
• nicht überzogene Tabletten, einfach gepresst
• überzogene Tabletten (Dragees)
• Filmtablette -ein geringer Überzug
• Magensaftresistent überzogene Tabletten
• Brausetabletten
• Tabletten zur Anwendung in der Mundhöhle (Lutschtabletten, Sublingualtabletten, Buccaltabletten)
• Tabletten mit verzögerter Arzneimittelfreigabe (Retardtabletten)
Kapsel (Capsula)
• enthält Pulver, Granulate od. ölige Flüssigkeiten
• Weichkapseln (z.B. öliger Inhalt)
• Steckkapseln (Pulver…)
Vorteile
• einfache Einnehmbarkeit
• schlechte Geschmacksstoffe werden isoliert
• gute Dosierbarkeit
• Barriere gegen die Magensäure
Nachteil
• werden durch Feuchtigkeit klebrig oder brüchig
Zäpfchen (Suppositorium)
• feste Arzneiform zur rektalen, gelegentlich vaginalen Anwendung
Vorteile
• lokale oder systemische Wirkung
• einfache Anwendung bei Kindern
• Umgehung des Magen-Darmtrakts
Nachteile
• unsichere Aufnahme des Wirkstoffes
• Temperaturempfindlichkeit (schmilzt bei Körpertemperatur)
Anwendung
• Arzneimittel verbleibt im Rektum
• Verletzungen vermeiden
• Ausscheidungen beobachten
Lösung (Solutio)
flüssige klare Zubereitung, die aus mindestens zwei Stoffen besteht. Die Einnahme erfolgt über einen Löffel.
Vorteil
• bereits gelöst – schnellere Aufnahme
Nachteil
• empfindlich gegen Licht, Sauerstoff und mikrobielle Verunreinigungen
Arten von Lösungen (Solutiones):
• Sirup (sirup): hoher Anteil an Zucker / Süßstoffe
• Tropfen (guttae): wässrig, alkoholisch oder ölig
• Mixtur (mixtura): wässrig, gesüßt
• Elixier (elixier): stark gesüßt, meist aromatisiert
Abmessung
• Ess- oder Suppenlöffel = 15 ml
• Dessert oder Kinderlöffel = 10 ml
• Tee oder Kaffeelöffel = 5 ml
Spül und Gurgellösungen
• wiederholtes Spülen notwendig
• nach dem Spülen nicht essen oder trinken
Emulsion (Emulsum)
ist eine feine Verteilung von zwei ineinander nicht lösbaren Flüssigkeiten
- Wasser in Öl
- Öl in Wasser
Verabreichungsformen
Applikation auf Haut (cutan)
• Lösungen
• Suspensionen
• Emulsionen
• Schaum
• Pflaster
• Paste
Applikation auf Schleimhäute (mukosal)
• Mund und Zungenschleimhaut: lingual, sublingual, bukkal (Tabletten, Dragees, Pastillen, Gurgelwässer)
• Magen – Darmschleimhaut: enteral, (per)oral (Tabletten, Dragees, Kapseln, Lösungen, Suspensionen, Emulsionen)
• Rektum -Schleimhaut: rektal (Suppositorien, Rektalkapseln, Salben)
• Nasenschleimhaut: nasal (Tropfen Salben Gele, Sprays)
• Bronchial- u. Alveolarepithel: pulmonal (Aerosole, Inhalate)
• Augen -Bindehaut: konjunktival (Augentropfen, Salben)
• Schleimhäute d. Genitalorgane: intravaginal (Salben, Suppositorien)
• ableitende Harnwege: intraurethral (Infusionslösung, Injektionslösung)
Applikation in das Körperinnere, parenteral
• in das Herz (intrakardial)
• in eine Arterie (intraarteriell)
• in eine Vene (intravenös, i.V.)
• in die Haut (intracutan)
• unter die Haut (subcutan)
• in den Muskel (intramuskulär)
• in die Bauchhöhle (intraperitoneal)
• in den Lumbalsack (intralumbal)
• in den Liquorraum (intrathekal)
Applikation in die oberste Hautsicht, intracutan (i.c.)
• sehr langsam
Applikation in das Unterhautfettgewebe, subcutan (s.c.)
• langsam
Applikation in das Muskelgewebe, intramuskulär (i.m.)
• schnell
• verzögert bei öligen Lösungen
Applikation in die Vene, intravenös (i.v.)
• sofort
• Arzt, DGKP
Applikation in die Arterie, intraarteriell (i.a.)
• sofort
• immer vom Arzt
Rechtliche Hintergründe zur Anwendung von parenteralen Lösungen / Injektionen
parenterale Lösungen = Parenteralia
Kompetenz und Verantwortung
Anordnungsverantwortung: alleinige Verantwortung des Arztes für die Anordnung und Auswirkung eines Medikaments.
Anordnung = hat schriftlich zu erfolgen (Medikament, Dosis, Verabreichungsart)
Durchführungsverantwortung: alleinige Verantwortung der Schwester/des Pflegers für die Durchführung einer Injektion
= Injektionstechnik hat fachgerecht zu erfolgen
Pflegepersonal (z.B. SchülerInnen) haben das Recht und die Pflicht das Spritzen zu unterlassen, wenn sie die Technik nicht beherrschen!
Anforderungen an parenterale Lösungen / Injektionen
• absolute Freiheit von lebenden Mikroorganismen (Sterilität)
• Abwesenheit von fiebererzeugenden Stoffen (Pyrogene)
• absolute Dichtheit des Behälters
• Abwesenheit von unlöslichen Partikel (Schwebstoffen)
• weitgehende Blutisotonie und Einhaltung des Blut-PH Wertes (Säuerungswert)
• keine Veränderung wie Trübung, Flocken, Verfärbung, (ansonsten sofort verwerfen)
Gründe für eine parenterale Verabreichung
• sofortige Wirkung
• gleichmäßige Konzentration im Körper
• Regulation des Elektrolythaushalts
• Regulation des Säure-Basen-Haushalts
• Auffüllen des Gefäßsystems nach großen Blutverlusten
• parenterale Ernährung
• zeitgenaue Anwendung (Infusiomat, Motorspritze)
• Umgehung des Magen-Darmtrakts
Die 6-R-Regel: Medikamentenkontrolle auf Übereinstimmung mit der Verordnung im Dokumentationssystem
- richtiger Patient
- richtiges Medikament
- richtige Dosierung
- richtige Applikation
- richtiger Zeitpunkt
- richtige Dokumentation
Subcutane Injektion (s.c.)
Subcutane Injektion (s.c.), Definition:
Einspritzen eines Arzneimittels in das Unterhautfettgewebe (Subcutis). Wird angewendet, wenn ein Wirkstoff langsam und gleichmäßig resorbiert werden soll (z.B bei Insulin oder Heparin).
Kontraindikationen
• Ödeme
• Hauterkrankungen im Injektionsgebiet
• Schockzustände, unzureichende Durchblutung
• Entzündungen
• Störungen der Hautdurchblutung
Injektionsorte
Alle Körperregionen mit ausgeprägter Unterhaut (Fett). Bevorzugt werden:
• Die Bauchdecke links und rechts sowie unterhalb und oberhalb des Bauchnabels
• Die seitlichen und vorderen Flächen beider Oberschenkel
• Die seitlichen Flächen beider Oberarme
Subcutan spritzen Schritt für Schritt
Material und Vorbereitung
• Injektionskanülen: Kanülen mit geringem Außendurchmesser
• Die Länge der Kanüle hängt vom Körperbau des Patienten ab
Durchführung
• Hände desinfizieren
• Hautdesinfektion durchführen
• Einwirkzeit abwarten (im KH üblich, zu Hause oder in der ambulanten Pflege nicht nötig)
• 12 mm Kanülen werden senkrecht, längere Kanülen schräg im Winkel von ca. 45° eingestochen.
• Bei kachektischen Patienten ist ein gerader Einstichwinkel zu wählen
• NICHT aspirieren!
• Medikament langsam injizieren (ca. 2 ml/Min.)
• Kanüle zügig entfernen, Hautfalte loslassen und Einstichstelle mit einem trockenen Tupfer komprimieren
• Durch kreisende Bewegungen mit einem trockenen Tupfer das Medikament im Gewebe verteilen (Ausnahme: Antikoagulanzien wie Heparin → Hämatom)
Subkutane Injektionen werden oft mehrmals täglich und über längere Zeiträume verabreicht. Um Schäden der Haut und des subkutanen Gewebes zu vermeiden, wird die Einstichstelle bei jeder Injektion systematisch gewechselt (sog. Spritzenkalender).
Nachsorge
• Einstichstelle auf Infektionszeichen und Hämatome kontrollieren
• ggf. heparinhältige Salbe auftragen, um Hämatome und oberflächliche Thrombosen vorzubeugen bzw. zu behandeln (Arztanordnung! Beschleunigt die Resorption.)
Mögliche Komplikationen durch eine s.c. Injektion
Hämatombildung
• Anstechen eines Gefäßes
• Kompression mit Tupfer, evtl. Pflasterstreifen
Abbrechen der Kanüle
• Materialfehler
• zu tiefe Injektion
• chirurgische Entfernung
allergische Reaktion
• Unverträglichkeit (Medikament)
• Arztinfo
• Medikamentwechsel
Abszess
• unsteriles Arbeiten
• Entzündungszeichen
• aseptische Arbeitsweise
• evtl. chirurgische Therapie
Verhärtung
• Injektionen an der selben Stelle
• Medikamentenunverträglichkeit
• Wechsel der Injektionsstelle
Augentropfen (Ophthalmika)
• zur Behandlung und für diagnostische Zwecke
• reizlos
• vor Verabreichung auf Körpertemperatur erwärmen
• steril! keine Fremdkörper!
• nach dem Öffnen 4-6 Wochen verwenden
Augen eintropfen: Durchführung
• informieren
• Hände desinfizieren
• P/B hinsetzen oder hinlegen, Kopf rückwärts anlehnen, leicht nach hinten neigen lassen
• P/B nach oben blicken lassen, damit die Augentropfen nicht direkt auf die Hornhaut fallen
• das Unterlid leicht mit einem Tupfer nach unten ziehen
• Hand auf der Stirn des P/B aufstützen
• in die Mitte des Bindehautsackes tropfen (Salbe gleicher Vorgang)
• Augen schließen lassen (gleichmäßige Verteilung)
• überflüssige Tropfen abtupfen
• Flasche anschließend wieder sofort schließen
• Hände desinfizieren
Suspensionen
Anwendung
• vor Gebrauch schütteln
• wenn sich der Bodensatz nicht aufschütteln lässt muss die Suspension verworfen werden
Salben
Arten von Salben
Cremen
• Salben mit hohem Anteil an Wasser
• Emulsion
• Öl-in-Wasser: Kühleffekt
• Wasser-in-Öl hinterlässt einen Fettfilm auf der Haut
Gelees
• rein wässrige Zubereitungen, Zusatz von Geliermittel halbfeste Konsistenz
• durchsichtig bis leicht trüb
Pasten
• Salben mit hohem Anteil pulverförmiger, unlöslicher Stoffe – feste Konsistenz
• bei wiederholter Anwendung vor dem Auftragen die Pastenreste entfernen – z.B. mit Babyöl
Augensalbe
• sehr weiche Salben
• sehr feine Pulverpartikelchen (reizlos)
• Die Salbentube darf nicht kontaminiert werden und jeweils nur für einen Patienten verwendet werden (Keimfreiheit)
Aerosole
- vor Sonnenbestrahlung schützen (über 50 °C Explosionsgefahr!)
- meist als Inhalationsaerosol zur Bekämpfung von Atemwegserkrankungen
Dosieraerosole
- Schutzkappe entfernen
- Ansatzstück konnektieren
- Mundstück mit den Lippen umschließen
- Während langsam tiefer Einatmung Druck auf den Kanister ausüben
- (Medikament wird freigesetzt)
- ca. 5 sek. Luft anhalten
- langsam wieder ausatmen
Nasentropfen
- die Nase durch Schnäuzen vom Sekret befreien
- Kopf nach hinten beugen, die Tropfen einsaugen
- Sind gefäßkontrahierende Substanzen – Abschwellung der Nasenschleimhaut, die Sekretion wird vermindert
- Bei zu häufiger Anwendung – Gewöhnungseffekt
- durchgehende Anwendung soll 4 Wochen nicht überschreiten
Ohrentropfen
- Arztanordnung
- bei Trommelfellperforation verboten!
Anwendung
- körperwarm bei Anwendung
- in liegender Seitenlage
Verabreichungszeitpunkt von Arzneimitteln
• die meisten Medikamente zu den Mahlzeiten
• manche Arzneistoffe vor dem Essen (verlieren sonst ihre Wirkung)
Der Weg eines Arzneimittels im Organismus
Pharmazeutische Phase
Von der Applikation über den Zerfall der Arzneiform und Freisetzung des Wirkstoffs bis zur Auflösung der Wirkstoffe in Körperflüssigeiten.
Pharmakokinetische Phase
Die pharmakokinetische Phase beschreibt, was der Körper mit dem Arzneimittel macht. Sie umfasst alle Vorgänge von der Aufnahme des Wirkstoffs bis zu seiner Ausscheidung.
- Resorption
Aufnahme des Wirkstoffs in das Blut. - Distribution (Verteilung)
Verteilung des Wirkstoffs im Körper, also in Organe, Gewebe und Körperflüssigkeiten. - Metabolismus (Biotransformation)
Chemische Umwandlung des Wirkstoffs, vor allem in der Leber. - Exkretion (Ausscheidung)
Ausscheidung des Wirkstoffs oder seiner Abbauprodukte, hauptsächlich über Niere (Urin), aber auch über Galle, Stuhl oder Lunge.
Diese vier Schritte werden häufig mit dem Begriff ADME zusammengefasst (Absorption, Distribution, Metabolism, Excretion).
Die pharmakokinetische Phase bestimmt unter anderem, wie schnell ein Medikament wirkt, wie lange es im Körper bleibt und wie hoch seine Konzentration im Blut ist.
Pharmakodynamische Phase
• pharmakologischer Effekt (Blockieren, chemische Prozesse bewirken …)
• es kommt zur Wirkung: Die Pharmakodynamik beschreibt die Wirkungen, die ein Arzneimittel im Organismus auslöst.
Pharmakodynamik
Von welchen Faktoren ist die Wirkung abhängig?
• Art der Wirkung
• Ort der Wirkung
• Wirkstärke
• Wirkmechanismus
Ausscheidung von Arzneistoffen
• Niere (mit dem Urin – renal)
• Leber und die Galle (mit dem Stuhl = biliär)
• Lunge (mit Atemluft = pulmonal)
weiters über:
• die Haut
• die Muttermilch
Arzneimittelgruppen
Abführmittel (Laxantien)
Missbrauch
• Laxantien werden viel zu oft und unkritisch verwendet.
• Die übermäßige Einnahme von Laxantien wird oft ausgelöst durch die immer ballaststoffärmere Ernährung sowie mangelhafte körperliche Bewegung.
Wirkung
• Quellung der Arzneistoffe unter Wasseraufnahme (Quellstoffe) zählen zu den milden Laxantien (z.B.: Leinsamen, Flohsamen)
• Beeinflussung der Wasserresorption und Sekretion, Wassereinstrom aus dem Gewebe ins Darminnere (z.B.: Rizinusöl, Extrakte aus Pflanzen wie Aloe)
• Zurückhaltung von Wasser (osmotisch wirkende Laxantien), Salze, Zucker (z.B. Bittersalz, Glaubersalz, Lactulose)
• Verminderung des mechanischen Widerstandes durch Defäkationsreflex
• Auslösung des Defäkationsreflexes (Erhöhung des Innendrucks im Darm löst Reiz auf die Darmmuskulatur aus)
Indikationen
• Röntgenuntersuchungen oder OP-Vorbereitung
• schmerzhafte Stuhlentleerung (Analfissur)
• versehentliche Einnahme von toxischen Stoffen
• medikamentös bedingte Obstipation
Unerwünschte Wirkungen
• Bei einer kurzfristigen Anwendung sind nur selten wesentlich unerwünschte Wirkungen zu erwarten.
• Vorsicht bei Diabetikern, keine Laxantien mit Zucker verwenden.
Bei längerer Anwendung
Erhöhter Elektrolytverlust, führt zu gefährlichen Elektrolytentgleisungen. Durch den Verlust, vor allem von Kalium, welches unter anderem für die Muskeltätigkeit von Erfordernis ist, kann es wiederum zur Obstipation kommen.
Antibiotika
• hemmen das Wachstum von Bakterien oder töten sie ab
• Bakteriostatika (= wachstumhemmend)
• Bakterizide (= Bakterien tötend)
• Strenge Indikationsstellung (Fieber allein ist keine Indikation)
• Im Krankenhaus sollte vor jeder Antibiotikatherapie eine bakteriologische Abklärung durchgeführt werden
• Die AB müssen in genügender Konzentration an den Ort der Infektion gelangen
• Die Dosierung muss ausreichend hoch, die Behandlungsdauer ausreichend lange sein
• Anstatt lokaler Gabe besser Desinfektionsmittel verwenden
Wenn die Antibiotikatherapie nicht anspricht
innerhalb von 3–4 Tagen:
• Erreger tatsächlich für das infektiöse Geschehen verantwortlich?
• Abszessbildung?
• Abwehrschwäche?
• Substanzwahl die Richtige?
• Erreichen die Substanzen den Infektionsort?
• Fremdkörper?
Gefahren bei falscher Anwendung
• zu geringe Gabe oder Einnahme zu kurze Zeit: Resistenz
• Resistenz: Unempfindlichkeit der Erreger einer Art gegenüber einer bestimmten Substanz
• Resistenz kann erworben oder natürlich sein
Gefahren bei falscher Anwendung
• Nebenwirkungen: allergische Reaktionen, Nierenschädigungen, Blutbildveränderungen, Leberschäden
Antikoagulantien
• Gerinnungshemmer
• Arixtra®, Fragmin®, Lovenox®, Marcomar®
• Herabsetzung der primären Blutgerinnung
• Acetylsalicylsäure, Handelsnamen Aspirin®, Aspro®, Thrombo Ass®…
Heparine / Cumarine
• Wirkstoffe treten direkt mit den Gerinnungsfaktoren in Konkurrenz (Heparine)
• sind körpereigene Substanzen
• kann auch die Bildung von schon vorhandenem Thromben aufheben (in hohen Dosierungen sogar Hemmung der Plätchenaggregation)
Heparine
Indikation
• Prophylaxe / Therapie von venösen Thrombosen / Lungenembolien
• Reduktion thromboembolischer Komplikationen im Rahmen eines Herzinfarkts
Unerwünschte Wirkungen
• Blutungen im Körper (z.B. Magengeschwür)
Beispiele
• Lovenox®, Sandoparin®, Fragmin®
Cumarine
hemmen die Wirkung von Vitamin K und dadurch den Aufbau von funktionsfähigem Prothrombin, sowie verschiedenen Gerinnungsfaktoren (V, VII, IX, und X) in der Leber = indirekte Wirkung auf die Gerinnungsfaktoren
Indikation
• Prophylaxe von Thromboembolien, vor allem bei Langzeittherapie (können oral eingenommen werden)
Unerwünschte Wirkungen
• Blutungen (s. Heparine)
• „künstlicher Bluter“
• Gefahr des Verblutens bei Verletzungen
• Erfordernis: Therapie überwachen durch regelmäßige Blutabnahmen, Anfangs öfters, um die therapeutische Breite festzustellen
• Bluterpass sollte immer mitgetragen werden
• z.B.: Marcomar®
Herz-Kreislaufmittel
Koronarmittel
• bei Koronarer Herzkrankheit
• Ziel: verengte Gefäße erweitern (kann auch durch operativen Eingriff erreicht werden)
• Nitrolingualspray®, Nitrothermpflaster®
Betablocker
• wirken herzschlagvermindernd
• setzt die Kontraktionskraft des Herzens herab
• = verminderter Sauerstoffverbrauch des Herzens
• = Langzeittherapie
• Beispiel: Beloc®
Calciumantagonisten
• greifen in den Zellstoffwechsel ein
• wirkt dem Kalziumeinstrom im Zellinneren entgegen – führt zur Abnahme der Kontraktionskraft des Herzens und dadurch zum verminderten Sauerstoffverbrauch
• bewirken eine Erschlaffung der glatten Muskulatur = senken sie die Wandspannung der Gefäße
• = Blutdruck sinkt, Herz muss gegen einen geringeren Gefäßwiderstand arbeiten
Herzinsuffizienz Therapie
• erhöht Kontraktionskraft der Herzmuskelfasern
• verringert die Herzarbeit
• steigert die Kontraktionskraft der Herzmuskelfasern — Entlastung der Herzkammern (Erhöhung des Schlagvolumens), bessere Durchblutung des gesamten Organismus, Senkung des Venendrucks
• durch die bessere Nierendurchblutung kommt es zur Ausschwemmung der durch die Herzschwäche entstandenen Ödeme
Herzglykoside
• Steigerung der Kontraktionskraft des Herzmuskels
• Verlangsamung der Schlagfrequenz
• Erschwerung der Erregungsleitung
• Begünstigung einer Erregungsbildung durch Senkung der Reizschwelle
• Herzglykoside sind vor allem indiziert bei einer chronischen Herzinsuffizienz
• Sie können auch bei Tachykardien, Vorhofflattern und Vorhofflimmern eingesetzt werden können
• Die Dosierung erfolgt individuell und muss regelmäßig kontrolliert werden
• Sie besitzen eine geringe therapeutische Breite
• Es kann daher sehr rasch zur Überdosierung kommen
• Die Symptome können von Arrhythmien, Benommenheit, Kopfschmerzen, Sehstörungen (gelbsehen), Übelkeit, Erbrechen, bei älteren Menschen kann es auch zu Verwirrtheitszuständen, oder Halluzinationen kommen.
Unerwünschte Nebenwirkungen
• Arrhythmien
• Benommenheit
• Kopfschmerzen
• Sehstörungen (gelbsehen)
• Übelkeit
• Erbrechen
• bei älteren Menschen kann es auch zu Verwirrtheitszuständen, oder Halluzinationen kommen
Diuretika
• führen zu vermehrter Harnausscheidung
• bei Bluthochdruck, Ödemen, akuter Herzinsuffizienz
Osmotische Diuretika
• müssen intravenös appliziert werden
• bindet große Wassermengen bei geringem Elektrolytverlust
• Anwendung oft bei Vergiftungen
Schleifendiuretika
• sehr wirksame Methode, um Flüssigkeit auszuschwemmen, jedoch hoher Natrium-Kalium-Chloridverlust
Thiaziddiuretika
• Elektrolytverlust nicht ganz so hoch wie die Schleifendiuretika
Kaliumsparende Diuretika
• wirken Kalium sparend
• greifen am letzten Teil des Harnbildungssystems in der Niere an
• schonende Vorgangsweise
• geringere Wirksamkeit
• oft als Kombinationstherapie
Insulin
🪢 🧩💡Erinnerungsknoten: Was ist Insulin? Wie wird Insulin gespritzt?💡🧩 🪢
• beeinflusst die Aufnahme von Kohlenhydraten (auch von Eiweiß)
• Früher wurde Insulin aus Schweinen und Rindern gewonnen, heute haben sich zunehmend Humaninsuline durchgesetzt.
Insulin senkt den Blutzuckerspiegel
• Ohne Insulin verhungern die Körperzellen – Kohlenhydrate würden nicht mehr in die Körperzellen aufgenommen werden
• Insulin ist ein lebenswichtiges Hormon
• etwa 40 bis 50 Einheiten/Tag
Für eine Insulinbehandlung stehen zur Verfügung
Kurz wirkende Insuline
• sofort wirkend (10 Minuten nach Injektion)
• stärkste Wirksamkeit nach 30 bis 90 Minuten
• gesamte Wirkung hält etwa drei Stunden an
Normal-(Alt-)Insulin
• Flüssigkeit ist klar
• Wirkung nach 15 bis 30 Minuten
• deshalb 10 bis 20 Minuten vor dem Essen spritzen
• stärkste Wirksamkeit nach 2 Stunden
• Wirkdauer 4 bis 6 Stunden
NPH-Verzögerungsinsulin
• neutrales Protamin Hagedorn
• wird langsam ins Blut aufgenommen
• Wirkdauer 8 bis 12 Stunden, kann aber auch auf 24 Stunden ausgedehnt werden
• Spritzabstand zu den Mahlzeiten 30 bis 45 Minuten – Wirkung setzt erst nach 1 bis 2 Stunden ein
• maximale Wirkung nach 4 bis 6 Stunden
NPH-Mischinsulin
• Normalinsuline + NPH-Verzögerungsinsuline = Mischinsulin
• Wirkablauf beider Komponenten bleibt erhalten
• Ess-Spritz-Abstand verkürzt
Die Zeit bis zum Wirkeintritt hängt von verschiedenen Faktoren ab
• Ort der Injektion: am schnellsten Bauch, langsamster Wirkeintritt bei Injektion in den Oberschenkel
• Injektion in den Oberarm ist zu vermeiden – wird sonst intramuskulär gespritzt (dünne Fettschicht kann verfehlt werden – beschleunigt bzw. verstärkt die Wirkung des Insulins deutlich)
• Außentemperatur: Wärme (z. B. Sonnenstrahlung, heißes Bad) beschleunigt den Wirkeintritt, Kälte verzögert ihn.
• Massage: beschleunigt den Wirkeintritt
• Muskelarbeit: (z. B. beim Sport) Beschleunigung der Insulinwirkung.
Wann muss ein Diabetiker Insulin zuführen?
• Typ-I-Diabetes
• Typ-II-Diabetes kann unter Umständen ausreichend durch eine Diät sowie oralen Antidiabetika erfolgreich therapiert werden, wird Insulinproduktion jedoch unzureichend, muss auch Typ-II Insulin spritzen
• Um dem Diabetiker eine größere Freiheit im Lebensrhytmus zu ermöglichen, bevorzugt man heute immer mehr die intensivierte Insulintherapie
• Diese Therapie wird oft Basis-Bolus oder auch NISS System genannt
• Der Pat. spritzt sich ein Basis Insulin in der Form eines Depotinsulin welches über den ganzen Tag wirkt
• Der Pat. spritzt sich dann, Normalinsulin zu jeder Mahlzeit
• Um die richtige Menge Insulin zu spritzen ist es von Erfordernis einerseits den Blutzucker zu bestimmen andererseits die Nahrungseinfuhr zu berechnen sowie die z.B. sportliche Leistung welche einzubeziehen ist
Unerwünschte Wirkungen
• Insulin darf nur parenteral verabreicht werden – zerstört die Verdauungssäfte
• Bei jeder Insulintherapie besteht die Gefahr einer Entgleisung des Blutzuckers – Hypoglykämie (bei Überdosierung)
Depotinsuline
• geringe Zahl von Injektionen notwendig
Basis-Bolus
• modernes Konzept des Insulinersatzes
• zur „Grundversorgung“ spritzt man „Basis-Insulin“ („Bolus“), das durch Zusatzstoffe beeinflusst wurde und langfristig wirksam ist (Wirkdauer 24 Stunden)
• dazu kommt kurzwirkendes Normalinsulin vor jeder Mahlzeit spritzt
Insulindosierung
• internationale Einheiten (IE)
• Es gibt heute nur mehr 1 ml Lösung = 100 IE
Verabreichung
• Insulinspritzen eher selten heutzutage
• Spezialspritze mit eingeschweißter Kanüle und spezieller Graduierung nach Einheiten
Insulinlagerung
• Insulinflaschen, die nicht in Gebrauch sind, sollten im Kühlschrank gelagert werden.
• Insulin nicht tief kühlen!
• In Gebrauch befindliche Insulinflasche kann man bei Raumtemperatur aufbewahren, allerdings vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt.
• Verfallsdatum beachten.
• Anbruchdatum auf die Ampulle schreiben.
Spritz-Essabstand
• Die Zeit zwischen Insulinspritze und Mahlzeit muss genau eingehalten werden
• Beachte Hinweise des Herstellers
• Wenn die Insulinspritze gleichzeitig mit dem 1. Frühstück gesetzt wird und das Insulin einige Zeit braucht, um in die Blutbahn zu gelangen, kann der Blutzuckeranstieg nach dem Frühstück nicht abgefangen werden
• Die Folge ist ein zu hoher Blutzuckerspiegel (Hyperglykämie), der unter Umständen den ganzen Tag anhält
• Eine Unterzuckerung (Hypoglykämie) tritt auf, wenn der Spritz-Essabstand zu groß ist
• Das Insulin wirkt dann schon blutzuckersenkend, bevor Zucker aus dem Darm aufgenommen wird
Analgetika
• schmerzstillende Medikamente
• Schmerzen sind im Allgemeinen ein Signal für eine Schädigung des Organismus
• Durch eine Störung (mechanische oder chemische Reize, Kälte, Hitze oder Entzündungen) kommt es zu einer Freisetzung von Schmerzstoffen (körpereigene Substanzen, z. B. Serotonin, Histamin oder Prostaglandin)
Allgemeines
• Schmerz ist eine subjektive und persönliche Empfindung
• Schmerzskala zu erfassen, auf denen der Patient (z. B. auf einer Skala zwischen 0 und 10) die persönlich empfundene Schmerzintensität angeben kann
• Im Prinzip kann man leichte und schwere Schmerzmittel voneinander unterscheiden
Leichte Schmerzmittel
• Da Prostaglandine bei der Entzündungsreaktion im Allgemeinen eine wichtige Rolle spielen, haben viele Schmerzmittel auch entzündungshemmende (antiphlogistische) und fiebersenkende Eigenschaft
• sie werden daher auch als „nicht steroidale Antirheumatika“ (NSAR) bezeichnet
Cortison
• Cortison (Cortisol) ist ein lebenswichtiges, körpereigenes Hormon, das in der Nebennierenrinde produziert wird
• Cortison ist als Medikament der stärkste Entzündungshemmer
• Asthmaanfall, beim allergischen Schock oder bei Organbeteiligungen rheumatischer oder immunologischer Erkrankungen
• Gehört zu den steroidalen Antirheumatika
• Stark entzündungshemmend
• Starke NW
Zentral wirksame:
• Sie haben ihren Wirkungsort im Gehirn und im Rückenmark.
• In kleineren Dosen wirken sie analgetisch, hohe Dosen wirken narkotisch, Lähmung des Atemzentrums führt zum Tod.
• Viele zentralwirksame Analgetika sind Morphinabkömmlinge.
• Der Einsatz zentral wirkender Analgetika sollte auf sehr starke Schmerzen beschränkt bleiben
Wirkung:
• Dämpfung des ZNS (Schmerzlosigkeit, Unterdrückung des Hustenreizes, Beruhigung, Euphorie)
• Dämpfung des Atemzentrums
• können Übelkeit und Erbrechen verursachen
• Pupillenverengung
• erhöhte Spannung der glatten Muskulatur (Obstipation, Miktionsprobleme)
• Suchtgefahr! (Sie sollen nicht länger als 14 Tage eingenommen werden)
Nebenwirkungen
• Obstipation
• Miktionsstörungen
• Atemdepression
Peripher wirkende Analgetika
Werden bei Schmerzen, Fieber, Muskelschmerzen, Kopfschmerzen, rheumatischen Beschwerden, Entzündungen angewendet.
Wirkung:
• Schmerzlindernd
• fiebersenkend
• entzündungshemmend
Salizylate (Wirkstoff Acetylsalizylsäure)
Werden zur Schmerz- und Fieberbekämpfung eingesetzt (Aspirin)
• In niedriger Dosierung hemmen sie das Zusammenlagern von Blutplättchen (Thrombo ASS)
• Vor operativen Eingriffen darf keine Acetylsalizylsäure eingenommen werden
Anilinderivate (Wirkstoff Paracetamol)
• Sie wirken fiebersenkend, z.B. Mexalen
Pyrazolderivate (Wirkstoff Pyrazolon)
• Sie wirken fiebersenkend, analgetisch und entzündungshemmend, z.B. Parkemed, Novalgin
Nebenwirkungen:
• Reizung der Magen-Darm-Schleimhaut
• Magengeschwüre
• Magenblutungen
• Leberschäden
• Blutbildschäden
Analgetika sollen nicht nüchtern eingenommen werden!
Fertigspritzen / Spritzampullen
• enthalten die applikationsfertige Lösung in einer Einmalspritze