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Kompetenz der Pflegeassistenz: Thromboembolieprophylaxe

Aufbereiteter Lehrinhalt, Unterrichtsfach: Grundzüge und Prinzipien der Akut- und Langzeitpflege inklusive Pflegetechnik (GKPF)


26.03.2026

Blutgerinnsel können schwerwiegende Folgen haben – von einer tiefen Venenthrombose bis hin zu einer potenziell lebensbedrohlichen Lungenembolie. Doch mit den richtigen Maßnahmen lassen sich solche Risiken gezielt minimieren.


Das muss die Pflegeassistenz über Thromboembolieprophylaxe wissen:
➤ Den Begriff Thrombose definieren und das individuelle Thromboserisiko einschätzen können.
➤ Die Tiefe Beinvenenthrombose (TVT) erkennen und deren Folgen einschätzen können.
➤ Das Postthrombotische Syndrom und die Chronisch-venöse Insuffizienz als Folge einer unbehandelten TVT verstehen.
➤ Die Ursachen und Risikofaktoren für eine Thrombose verstehen.
➤ Maßnahmen zur Thromboseprophylaxe anwenden können.
➤ Den Begriff „Verweilkanüle“ definieren.

Thrombose

🪢 🧩💡Erinnerungsknoten:Was ist eine Thrombose?„💡🧩 🪢

Tiefe Beinvenenthrombose (TVT)

🪢 🧩💡Erinnerungsknoten:Was ist eine Tiefe Venenthrombose (TVT) und wie wird sie noch genannt?„💡🧩 🪢

Thrombophlebitis komm44e

Definition:
Eine Thrombophlebitis ist eine Entzündung einer oberflächlichen Vene, die mit der Bildung eines Blutgerinnsels (Thrombus) einhergeht. Häufig bei langer Liegezeit einer peripheren Verweilkanüle, z.B. auf dem Handrücken.

🪢 🧩💡Erinnerungsknoten:Was sind die 5 Entzündungzeichen?„💡🧩 🪢

Verweilkanüle Definition
ein dünner Kunststoffkatheter, der in ein Gefäß oder Gewebe eingeführt wird und dort über einen längeren Zeitraum verbleibt, um wiederholte Injektionen oder Infusionen zu ermöglichen. Die zwei gängigsten Arten von Verweilkanülen sind subkutane (ins Unterhautfettgewebe, z.B. Palliativversorgung) und periphervenöse Verweilkanülen (PVK, auch „periphervenöser Gefäßzugang“, in eine oberflächliche periphere Vene). Werden Medikamente über eine PVK verabreicht, spricht man von intravenöser Verabreichung (i.v.).

Postthrombotisches Syndrom und Chronisch venöse Insuffizienz

Wenn eine TVT nicht rechtzeitig erkannt wird, zeigen sich chronische Stauungserscheinungen. Das gesamte Krankheitsbild des Postthrombotischen Syndroms wird unter dem Begriff Chronisch-venöse Insuffizienz (CVI) zusammengefasst.

4.1 Ulcus cruris

Ein Ulcus cruris ist die Folge einer langjährigen venösen Insuffizienz. Es handelt sich um ein chronisches, schlecht heilendes Geschwür am Unterschenkel, das durch eine unzureichende Durchblutung des Gewebes entsteht.

Ein Ulcus cruris wird in zwei Hauptformen unterteilt:
Ulcus cruris venosum: Dies ist die häufigste Form und entsteht durch eine chronisch-venöse Insuffizienz (CVI). Der gestörte venöse Rückfluss führt zu einem erhöhten Druck in den Venen, wodurch das Gewebe schlecht mit Sauerstoff versorgt wird. Dadurch entstehen schlecht heilende Wunden, meist im Bereich des Innenknöchels.
Ulcus cruris arteriosum: Diese Form entsteht durch eine arterielle Durchblutungsstörung, häufig aufgrund von Arteriosklerose. Die Minderversorgung des Gewebes mit Sauerstoff führt zu Nekrosen und schmerzhaften Geschwüren, die oft an den Zehen oder dem äußeren Unterschenkel auftreten.

Ulcus cruris Symptome

  • Chronische, tiefe, schlecht heilende Wunden mit oft nässendem Belag
  • Häufig umgebende Hautveränderungen wie Verhärtungen oder Pigmentierungen
  • Schmerzen, insbesondere bei der arteriellen Form
  • Schwellungen bei venöser Ursache

Die Wundbehandlung eines Ulcus cruris ist nur mit einer entsprechenden Kompressionstherapie effektiv und erfolgreich.

📸 Foto: Ulcus cruris, doccheck.com 📸

Thrombose: Ursachen und Risikofaktoren

📸 Bild: Virchow Trias, die-zwei-in-reflexstreifen.blog 📸

Ein gesunder Mensch nutzt seine Muskel-Venen-Pumpe. Die Wadenmuskulatur wird durch Aktivitäten wie Gehen, Treppensteigen oder Radfahren aktiviert, wodurch sie sich zusammenzieht und so den Bewegungsablauf unterstützt. Bei jeder aktiven Bewegung drückt der Muskel gegen die Venenwand, wodurch das Gefäß verengt wird. Das beschleunigt den Blutfluss und verbessert den venöse Rückstrom. 

🪢 🧩💡Erinnerungsknoten:Die Ursachen einer Thrombose„💡🧩 🪢

Symptome einer Thrombose

🪢 🧩💡Erinnerungsknoten:Die Symptome einer TVT„💡🧩 🪢

Thromboseprophylaxe

Ziel:
Verhinderung einer TVT und einer möglichen Lungenembolie durch Verbesserung des venösen Blutrückflusses.  

Die Prophylaxe wird interdisziplinär durchgeführt: 
• venösen Rückfluss steigern
• Schäden an den Venenwänden vermeiden
• Blutgerinnungsneigung senken

Die 3 Säulen der Thromboseprophylaxe

• Basismaßnahmen
• Physikalische Maßnahmen
• Medikamentöse Maßnahmen

Bei Patienten mit einem niedrigen Thromboserisiko reichen die Basismaßnahmen. In manchen Fällen werden diese durch das Tragen medizinischer Thromboseprophylaxestrümpfe (MTPS, MTS) ergänzt (z.B. nach einer OP). Personen mit einem mittleren oder hohen Risiko benötigen zusätzlich blutverdünnende Medikamente (Antikoagulanzien), um die Gerinnungsfähigkeit des Blutes zu reduzieren.

Basismaßnahmen

• Mobilisation / Bewegung
• Flüssigkeitszufuhr (Achtung bei Kontraindikationen wie z. B. Nieren- oder Herzinsuffizienz Rücksprache mit dem Arzt!)

Mobilisation
Die frühzeitige Mobilisation ist ein wesentlicher Bestandteil der Thromboseprophylaxe. Die Pflegeassistenz informiert den Patienten über die Bedeutung der Bewegung und unterstützt ihn dabei, so früh wie möglich aufzustehen. Falls das nicht möglich ist, sollte zumindest eine Bewegung der Beine oder eine Mobilisation im Bett erfolgen. Die Aktivierung der Muskel-Venen-Pumpe durch Bewegung fördert den venösen Rückfluss und verbessert die Durchblutung. Dies kann durch zusätzlich unterstützende Maßnahmen wie physikalische Anwendungen weiter verstärkt werden.

Bewegung
Regelmäßige Bewegungsübungen aktivieren die Muskel-Venen-Pumpe und helfen, den venösen Blutstrom in Richtung Herz aufrechtzuerhalten. Neben gezielten Übungen, die von Physiotherapeuten angeleitet werden, sollten bettlägerige Patienten nach Möglichkeit selbst aktiv bleiben. Dazu gehören das Anwinkeln und Strecken der Beine, das Kreisen der Füße, das Heben und Senken der Beine sowie Bewegungen wie „Fahrradfahren“ im Liegen. Auch das bewusste Anspannen und Entspannen der Zehen trägt zur Durchblutungsförderung bei.

Falls der Patient sich nicht eigenständig bewegen kann oder bei Patienten mit kognitiven Beeinträchtigungen kann die Pflegeassistenz unterstützend passive Bewegungsübungen durchführen, z.B. Beine mehrfach aufstellen oder Arme über den Kopf bewegen (Vorsicht bei Patienten mit Frakturen oder Gelenkersatz!).

Flüssigkeitszufuhr
Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr verhindert eine zu hohe Blutviskosität. Ist zu wenig Flüssigkeit im Körper, steigt die Konzentration der festen Blutbestandteile, was das Thromboserisiko erhöht. Ein verringerter Hautturgor oder trockene Haut können Anzeichen für eine unzureichende Flüssigkeitsaufnahme sein. Die Pflegeassistenz sollte Patienten aktiv zum Trinken ermutigen, insbesondere auch bei kognitiven Einschränkungen. Achtung bei Kontraindikationen wie z. B. Nieren- oder Herzinsuffizienz Rücksprache mit dem Arzt!

Physikalische Maßnahmen komm49e

• Medizinische Kompressionsstrümpfe (MKS)
• Medizinische Thromboseprophylaxestrümpfe (MTPS, MTS)
• Intermittierende pneumatische Kompression (IPK)
• Bandagen / Phlebologischer Kompressionsverband (PKV)
• Stützstrümpfe

Medizinische Kompressionsstrümpfe (MKS):
Venen- oder Lympherkrankungen
– erfordern eine ärztliche Verordnung
– sind individuell an den Patienten angepasst
– sind in 4 Kompressionsklassen (“Druckstärken”) unterteilt
– MKS werden über Nacht ausgezogen

Indikationen für die Anwendung von MKS:
• Chronisch-venöse Insuffizienz
• Tiefe Venenthrombose (TVT)
• Lymphödem

📸 Foto: Wikipedia 📸

Medizinische Thromboseprophylaxestrümpfe (MTPS, MTS):
Vermeidung von Thrombosen
– wird bei immobilen Patienten, z.B. nach OPs angewandt
– beschleunigen den Blutfluss in den tiefen Venen
– werden oft als „Liegestrümpfe“ bezeichnet
– sind während der Nacht effektiv (beeinflussen den Ruhedruck)
– im Unterschied zu den MKS werden MTPS Tag und Nacht getragen
– ärztlichen Verordnung

Indikationen für die Anwendung von MTPS/MTS: komm48e
• Längere Immobilisation im Krankenhaus oder Pflegeheim
• nach Operationen

Handhabung von MTPS/MTS:
• Strümpfe sollten morgens vor dem Aufstehen angezogen werden, wenn die Beine noch nicht geschwollen sind
• Das Material muss glatt auf der Haut anliegen, ohne Falten oder Einschnürungen
• Regelmäßige Hautkontrolle 
• Strümpfe gehören gewaschen, verlieren davon jedoch ihre Kompressionskraft 

MPTS/MTS anziehen:
• Patient in Rückenlage mit hochgelagerten Beinen vorbereiten
• Strümpfe zunächst auf links drehen, bis zur Ferse umklappen und von der Zehenspitze aus vorsichtig über den Fuß und das Bein ziehen
• Gleichmäßiges Verteilen, ohne Falten oder Verdrehungen, um Druckstellen zu vermeiden
• Kontrolle der Durchblutung und des Hautzustands nach dem Anziehen

MTPS/MTS Kontraindikationen:
• periphere-arterielle Verschlusserkrankungen
• dekompensierte Herzinsuffiziez
• massive Beinödeme
• lokale Infektionen
• Polyneuropathien
• Materialunverträglichkeit

📸 Foto: Wikipedia 📸

Intermittierende pneumatische Kompression (IPK):
– spezielle Manschetten um die Beine
– weren in regelmäßigen Abständen mit Luft gefüllt und entleert
– erzeugt eine wellenförmige Druckbewegung
– verbessert den venösen Rückstrom
– bedarf einer ärztlichen Verordnung

Indikationen für die Anwendung der IPK-Therapie:
– Patienten mit hohem Thromboserisiko
– nach Operationen

📸 Foto: Wikipedia 📸

Bandagen / Phlebologischer Kompressionsverband (PKV):
– wird kaum noch zur Thromboseprophylaxe genutzt
– MTPS sind effektiver und einfacher in der Anwendung
– als Alternative zu Strümpfen werden sie angewendet, z.B. wenn diese nicht verfügbar sind oder nicht vertragen werden
– bedarf einer ärztlichen Verordnung

Der phlebologische Kompressionsverband (PKV) dient als Ersatz für MTPS und nicht für MKS, weil sich Indikation, Drucksystem und Therapieziel unterscheiden.

MTPS → reine Thromboseprophylaxe bei Immobilität
MKS → Therapie bestehender Venenerkrankungen oder Lymphödeme

Der PKV kann – wenn korrekt angelegt – ebenfalls zur Thromboseprophylaxe im Liegen eingesetzt werden. Deshalb ist er funktionell näher an den MTPS.

Indikationen für den Phlebologischen Kompressionsverband:
• anstatt MTPS
• fehlende passende Strümpe
• Unverträglichkeit gegenüber Strumpfmaterialien
• vorübergehende Versorgung nach Operationen oder Verletzungen

Anwendung des phlebologischen Kompressionsverbands:
• kann als Wechselverband oder als Dauerverband angelegt werden
• Wechselverband wird abends abgewickelt und täglich neu angelegt
• Dauerverband wird 24 Stunden getragen
• Bindenmaterialien Kurzzugbinde oder Mittelzugbinde
• Bandage nach Fischer = Kurzzugbinde
• Beine bis knapp 2 cm unterhalb der Kniekehle bandagierten
• Kompressionsstärke muss von distal nach proximal kontinuierlich abnehmen
• nicht zu viel Druck ausüben (Fingertest) – Druck auch nach dem Anlegen kontinuierlich kontrollieren
• über die Ferste bandagieren und wieder zurück
• entweder ährenförmig oder spiralförmig binden

Phlebologischer Kompressionsverband – Kontraindikationen:
• lokale Defekte, Nekrosen, Verletzungen
• peripher arterielle Durchblutungsstörungen
• schwere Neuropathien

📸 Foto: Wikipedia 📸

Stützstrümpfe:
Sind keine medizinischen Produkte
– werden nicht im klinischen Bereich eingesetzt

📸 Foto: bauerfeind.at*1) 📸

Medikamentöse Maßnahmen

• gerinnungshemmende Medikamente (Antikoagulanzien)

Ein wesentlicher Faktor bei der Entstehung von Thrombosen ist die Blutgerinnungsneigung, die medikamentös reduziert werden kann. Hierbei kommen gerinnungshemmende Medikamente (Antikoagulanzien) zum Einsatz (z.B. Heparin).

In der Thromboseprophylaxe werden vor allem Heparine über einen begrenzten Zeitraum verabreicht. Diese Medikamente wirken schnell und werden idR subkutan injiziert. Die Verabreichung kann durch die Pflegeassistenz erfolgen. Einstichstelle auf mögliche Nebenwirkungen wie Hämatome oder Entzündungen überwachen!

Venenpflege

• regelmäßige Bewegung zur Aktivierung der Muskel-Venen-Pumpe
• ausreichende Flüssigkeitszufuhr (Achtung bei Kontraindikationen wie z. B. Nieren- oder Herzinsuffizienz Rücksprache mit dem Arzt!)
• Hochlagern der Beine zur Entlastung (kein nachgewiesener Prophylaxe-Effekt, aber fördert das Wohlbefinden) 
• Vermeidung von langem Stehen oder Sitzen 
• Kompressionsstrümpfe oder medizinische Maßnahmen bei bestehenden Venenerkrankungen 

Info:
*1) bauernfeind.at ist ein deutscher Hersteller medizinischer Hilfsmittel wie Bandagen, Orthesen, medizinischen Kompressionsstrümpfen und orthopädischen Einlagen.



Bildquellennachweis: https://pixabay.com,@sabinevanerp