Aufbereiteter Lehrinhalt, Unterrichtsfach: Grundzüge und Prinzipien der Akut- und Langzeitpflege inklusive Pflegetechnik (GKPF)
Die Ausscheidung ist ein zentrales Thema im pflegerischen Alltag und zählt zu den sensibelsten Bereichen der Versorgung. Die Beobachtung, Begleitung und Dokumentation der Harn- und Stuhlausscheidung sowie pflegerische Maßnahmen und Prophylaxen bei Ausscheidungsstörungen zählen zum Kern der beruflichen Verantwortung der Pflegeassistenz. Jene, die bei pathologischen Abweichungen, Inkontinenzformen und Stomaversorgung Fachwissen zeigen, beweisen hohe pflegerische Kompetenz.
Gerne. Hier ist die überarbeitete Formulierung mit einem alternativen Begriff:
Die Beobachtung, Begleitung und Dokumentation der Harn- und Stuhlausscheidung sowie die pflegerischen Maßnahmen und Prophylaxen bei Ausscheidungsstörungen zählen zum zentralen Aufgabenbereich der Pflegeassistenz.
23.03.2025
Das muss die Pflegeassistenz über Ausscheidung wissen:
➤ Die normale Harnausscheidung sowie pathologische Abweichungen erkennen, dokumentieren und weiterleiten.
➤ Strategien im Umgang mit Ekel anwenden.
➤ Beobachtungskriterien der Harnausscheidung und Stuhlausscheidung nennen.
➤ Normale Harn- und Stuhlausscheidung sowie pathologische Abweichungen erkennen, dokumentieren und weiterleiten.
➤ Die Arten der Uringewinnung kennen und beschreiben können.
➤ Die Methoden zur Urinuntersuchung kennen und beschreiben.
➤ Umfassend Auskunft über die Flüssigkeitsbilanz geben.
➤ Prophylaktische Maßnahmen von Harnwegsinfektionen kennen.
➤ Maßnahmen und Verhaltensweisen im Umgang mit transurethralen Blasenkatheter kennen.
➤ Die pflegerischen Maßnahmen bei Diarrhö kennen.
➤ Umfassend über die Obstipationsprophylaxe Bescheid geben können.
➤ Methoden zur Stuhlgewinnung kennen und beschreiben.
➤ Pflegemaßnahmen zur Unterstützung bei Miktion und Defäkation.
➤ Die Anwendung von Hilfsmitteln für die Harn-/Stuhlentleerung beschreiben.
➤ Die Begriffe Kontinenz und Inkontinenz gegenüberstellen
➤ Auswirkungen und belastende Faktoren von inkontinenten Personen nennen.
➤ Risikofaktoren der Harninkontinenz nennen.
➤ Formen der Harninkontinenz beschreiben.
➤ Beobachtungen nennen, die auf die Inkontinenz hinweisen können.
➤ Instrumente zur Einschätzung der Harninkontinenz beschreiben.
➤ Ausführlich Auskunft über die Maßnahmen der Kontinenzförderung geben.
➤ Unterschiedlichen Hilfsmittel kennen, die bei Harninkontinenz eingesetzt werden.
➤ Die Grade der Stuhlinkontinenz benennen können.
➤ Die Ursachen der Stuhlinkontinenz nennen.
➤ Die Stuhlinkontinenzsituation einschätzen können.
➤ Konservative Behandlungsmethoden der Stuhlinkontinenz beschreiben.
➤ Verschiedene Enterostomaarten kennen und beschreiben.
➤ Auswirkungen und belastende Faktoren von Personen mit Enterostoma kennen.
➤ Stoma-Versorgungssysteme beschreiben.
➤ Handlungsschema Stomapflege beschreiben.
➤ Die Versorgungsprobleme und Komplikationen von Enterostomata und mögliche Maßnahmen benennen.
➤ Häufige Wirkungen bestimmter Nahrungsmittel auf die Stuhlbeschaffenheit bei Stomaträgern nennen.
Ein gesunder Darm ist die Grundlage für ein starkes Immunsystem
Ein gesunder Darm ist der Schlüssel zu einem gesunden Leben – denn er spielt eine Hauptrolle, wenn es um unsere Gesundheit geht. Der Darm ist nicht nur der Hauptakteur bei der Verdauung, sondern auch bei der Abwehr. Etwa 80 % unseres Immunsystems befindet sich im Darm.
Es sind in erster Linie nicht die äußeren Barrieren, die uns vor Krankheiten schützen – sondern die inneren Schutzmechanismen des Darms! Der Darm beherbergt Milliarden von Bakterien, die die sogenannte Darmflora bilden und neben der Verdauung auch vor Krankheitserregern schützen. In der Fachsprache spricht man hier vom darm-assoziierten Immunsystem (GALT – gut-associated lymphoid tissue), einem weit verzweigten Netzwerk von Immunzellen, das Infektionen erkennt, abwehrt und die Immunantwort steuert.
Zu den bekanntesten Mikroorganismen im Darm gehören Bifidobakterien und Laktobazillen. Sie fördern ein gesundes Milieu, hemmen das Wachstum schädlicher Keime und tragen zur Stabilisierung der Darmschleimhaut bei. Darüber hinaus existieren zahlreiche weitere Bakterienstämme, die gezielt Entzündungsprozesse regulieren und zum immunologischen Gleichgewicht beitragen.
Eine weitere Komponente ist das enterische Nervensystem – auch bekannt als das Bauchhirn. Es besteht aus über 100 Millionen Nervenzellen, die eigenständig agieren, aber auch in enger Verbindung mit dem zentralen Nervensystem stehen. Dieses Netzwerk erklärt, warum psychische Belastungen wie Angst oder chronischer Stress häufig mit Verdauungsproblemen einhergehen. Viele Menschen reagieren in solchen Situationen mit Symptomen wie Reizdarmsyndrom, Durchfall, Verstopfung oder Bauchschmerzen – ein direktes Zusammenspiel von Psyche und Darm. Man könnte daher auch sagen, dass die Pflegeassistenz den Psychiater verhindert – denn sie kümmert sich um den Darm. Und wer den Darm pflegt, der pflegt die Seele. Durch gezielte Pflege und wirksame Prophylaxe hilft sie also nicht nur, körperliches Leiden zu vermeiden, sondern leistet auch einen Beitrag zur seelischen Stabilität. Das ist eine holistische Form der präventiven Gesundheitsförderung auf mehreren Ebenen.
Artikel: „Scheiße lügt nicht: Die Pflegeassistenz als Pissprophetin“
Miktion: Definiton
Miktion Definition:
Physiologische (schmerzlose und willkürliche) Entleerung der Blase.
Ausscheidung pro Strahl beim Erwachsenen:
200-400 ml
Urinausscheidung: Beobachtungskriterien
Beobachtungskriterien:
* Miktionshäufigkeit und -menge
* Farbe und -transparenz
* Geruch
* pH-Wert
Der pH-Wert
Der pH-Wert ist ein Maß dafür, wie sauer oder basisch (alkalisch) eine Lösung ist. Die Skala reicht von 0 bis 14. Je niedriger der Wert, desto stärker die Säure. sowohl stark saure als auch stark basische Stoffe sind ätzend.
Der pH-Wert hängt von der Konzentration an Wasserstoffionen (H⁺) in der Lösung ab. Je mehr Wasserstoffionen in einer Lösung vorhanden sind, desto niedriger ist der pH-Wert – also saurer ist die Lösung.
| Einordnung | pH-Wert | Vergleichsstoffe |
|---|---|---|
| SAUER | 0-2 | Säure |
| 2-3 | Essig | |
| 3-4 | Sauerkraut | |
| 4-5 | Joghurt | |
| 6 | schwarzer Kaffee | |
| NEUTRAL | 7 | Wasser |
| ALKALISCH/BASISCH | 8 | Meerwasser |
| 9-10 | Backpulver-Lösung | |
| 10-11 | Glasreiniger | |
| 11-12 | Seifenlauge, Ammoniak | |
| 13-14 | Ätznatron, Kalilauge |
pH-Wert von Urin:
je nach Tageszeit zwischen 5,0 – 7,5 (leicht sauer bis minimal basisch)
Physiologische Beschaffenheit von Urin
Beschaffenheit:
• hell- bis dunkelgelb
• klar
• nahezu geruchlos
Je mehr Flüssigkeit zugeführt wird, desto heller und klarer ist der Urin. Je konzentrierter er ist, desto dunkler ist er auch.
Tägliche Miktionsmenge und Miktionshäufigkeit bei gesunden Erwachsenen:
1500-2000 ml / 24h (ca. 4-6-mal am Tag)
Die physiologische Miktion erfolgt willkürlich und schmerzlos.
Die Urinmenge ist abhängig von:
• Flüssigkeitszufuhr (Getränke, Infusionen, Nahrungsmittel)
• Flüssigkeitsausfuhr (Haut, Atmung, Schwitzen)
• Funktionsfähigkeit der Niere
Infusion Definition:
langsame, kontrollierte Verabreichung von Flüssigkeit oder Medikamenten in den Körper, meistens über eine Vene.
Abweichungen von der physiologischen Urinausscheidung
• Polyurie
• Oligurie
• Anurie
Polyurie
>3000 ml / 24h
Physiologisch: erhöhte Flüssigkeitszufuhr, Überdosierung von Diuretika
Pathologisch: Hyperglykämie
Achtung: Es besteht die Gefahr der Dehydration!
⚠️🚑 An welchen Symptomen erkennst du Hyperglykämie und wie handelst du im Notfall? ⚠️🚑
Oligurie
< 500 ml / 24 h
Kann ein Anzeichen eines akuten Nierenversagens sein!
Physiologisch: Bei geringer Flüssigkeitsaufnahme, bei großen Flüssigkeitsverlusten z.B. starkes Schwitzen durch schwere Arbeit ohne zu trinken
Pathologisch: Dehydration, Fieber, akutes Nierenversagen, chronische Niereninsuffizienz, Verlegung der Harnwege, ggf. verstopfter Blasenkatheter, Erbrechen, Durchfall, Blutverlust
Achtung: wenn der Patient normal trinkt, aber wenig oder gar nicht ausscheidet kann es zum Flüssigkeitsüberschuss im Gewebe kommen! → Ödeme!
Alten Menschen leiden oft an Oligurie infolge eines verminderten Durstgefühls. → Immer wieder zum Trinken auffordern!
Anurie
< 100 ml / 24 h
Leitsymptom akuten Nierenversagens, urologische Notfall!
Unterschieden wird:
– Echte Anurie: Nierenschädigung mit der Gefahr des akuten Nierenversagens
– Falsche Anurie: Harnsperre z.B. durch einen Harnröhrenverschluss
⚠️🚑 Achtung: Eine Anurie ist ein Notfall, der sofort behandelt werden muss, da es ansonsten zur Urämie (Harnvergiftung) kommt. ⚠️🚑
Restharn:
unvollständige Entleerung der Blase. Bezeichnet den Harn, der nach dem Ablassen des Harns noch in der Blase verbleibt. Nur eine geringe Menge (ca. <50 ml) wird als unproblematisch angesehen. Eine Abweichung vom normalen Harnverhalten liegt vor, wenn die Restharnmenge deutlich erhöht ist.
Abweichungen in der Urinfarbe
Abweichungen:
• farbverändert
• milchig
• schlierig-flockig, trüb
• rötlich bis fleischfarben, trüb
• bierbraun bis grünlich-schwarz, schaumig
Artikel: Scheiße lügt nicht: Die Pflegeassistenz als PissprophetIn
Farbveränderungen:
durch Medikamente, z.B. goldgelb durch Vitamin B – Präparate, aber auch rot-orange, grün, blau möglich
Milchige Trübung:
Bei Störungen des Kalziumstoffwechsels
Schlierig-flockige Trübung (Eiterharn – Pyurie):
Durch Eiterbeimengungen bei Entzündungen im Urogenitalbereich
Rötlich bis fleischfarbener, getrübter Urin (Makrohämaturie):
Durch Blutbeimengung, sichtbares Blut im Urin, z.B. Entzündungen, Nierensteinen, Tumoren im Urogenitaltrakt
Bierbrauner bis grünlich-schwarzer Urin mit gelbem Schüttelschaum (Bilirubinurie):
Durch Beimengungen des Gallenfarbstoffs Bilirubin, z.B. bei Erkrankungen der Leber (Hepatitis, Leberzirrhose)
Abweichungen im Uringeruch
physiologisch:
• nach Genuss von Spargel
• Einnahme verschiedener Medikamente (Vit. B, Antibiotika, …)
• wenn Urin für längere Zeit in der Harnflasche bleibt, kommt es zur Zersetzung der Inhaltsstoffe und es entsteht Ammoniakgeruch
Übelriechender Urin weist meist auf eine Krankheit hin.
Faulig riechend:
bösartige Tumorerkrankungen der ableitenden Harnwege
Obstartig (Azetongeruch):
Durch Azeton im Urin durch Entgleisung des Stoffwechsels, z.B. bei Diabetes mellitus, langandauerndem Erbrechen, Hunger
Übelriechend:
Bakterielle Entzündung der ableitenden Harnwege
Störungen in der Miktionshäufigkeit
physiologich:
• im Alter nimmt die Miktionshäufigkeit meist zu
pathologisch:
• Nykturie: vermehrtes nächtliches Wasserlassen
• Pollakisurie: Häufiges Wasserlassen in nur kleinen Mengen, Harndrang bei bereits geringer Blasenfüllung (z.B. Blasenentzündung)
• Dysurie: erschwertes oder unangenehmes Wasserlassen
• Harnverhalt (Harnretention): zurückhalten des Harns. Kann mechanisch oder psychisch bedingt sein.
Die Miktion kann gestört sein durch:
• Schmerzen, z.B. bei Zystitis
• Harnverhalt (erschwertes oder fehlendes Wasserlassen)
• Kontrollverlust über die Blasenfunktion
• Schwellungen (z.B. Prostataerkrankungen)
Beim unbehandeltem Harnverhalten kann Urin aus der Harnblase in die Niere zurück gestaut werden (Reflux) → Nierenschädigung!
Eine Sonderform des Harnverhaltens stellt die Überlaufblase dar. Kleine Urinmengen können entleert werden oder gehen unwillkürlich ab. Die Harnblase bleibt jedoch schmerzhaft gefüllt. Katheterisieren wird hier erforderlich.
Anregungen zum spontanen Wasserlassen
- sitzende Position
- einige Schritte gehen
- Intimsphäre wahren
- Wasserhahn aufdrehen
- Getränk anbieten (z.B. Blasentee)
- kalten Waschlappen auf den Unterbauch legen
- an einen Wasserfall denken
Methoden zur Uringewinnung
Vor der Uringewinnung Intimpflege durchführen.
Die 6 Methoden der Uringewinnung:
• Spontanurin
• Mittelstrahlurin
• Sammelurin
• Katheterurin
• Blasenpunktion
• Urin aus dem Steckbecken
Für bakteriologische Untersuchungen müssen sterile Gefäße verwendet werden! Auffanggefäß mit Vor- und Nachnamen sowie dem Geburtsdatum beschriften.
Spontanurin
In ein sauberes oder steriles Gefäß. Ist für die meisten Untersuchungen ausreichend. Gewinnung als Mittelstrahlurin oder als (konzentrierter) Morgenurin.
Mittelstrahlurin
Nur die mittlere Harnportion wird aufgefangen. Dadurch wird das Risiko einer Kontamination reduziert.
(Konzentrierter) Morgenurin
der erste Urin nach dem Aufstehen am Morgen.
Sammelurin
Über 12 bis 24 Stunden gesammelter Harn. Der erste Harngang wird verworfen, jede weitere Miktion wird in einem Gefäß gesammelt. Urin während des Sammelns kühl aufbewahren. Nach Ablauf der Sammelzeit wird die Gesamtmenge des Urins gemessen und dokumentiert.
Katheterurin
Bei liegendem Blasenverweilkatheter. Wird mit einer Spritze und einer Kanüle aus der Silikonmembran des Katheters entnommen. Katheter ca. 10 Minuten vor der Entnahme abklemmen, damit sich der Urin staut. Soll der Urin bakteriologisch untersucht werden, wird die Kathetermembran vor der Entnahme desinfiziert. Nachdem Entnahme der Probe Klemme wieder lösen.
Wird die Klemme am Katheter vergessen, kommt es zu einem Harnstau!
Die Entnahme einer Urinprobe kann in speziellen Fällen auch per Einmalkatheterisierung erfolgen.
Methoden zur Urinuntersuchung
Streifen-Schnelltests (Point-of-Care-Test)
Zur raschen Untersuchung von Urin mittels Urin-Stix; Teststreifen, die mit dem Urin reagieren und sich dabei verfärben.
Gibt orientierende diagnostische Hinweise auf:
• Leukozyten
• pH-Wert
• Eiweiß
• Glukose
• Keton
• Bilirubin
• Urobilinogen
• Blut
• Hämoglobin im Urin
Durchführung:
- Frischen Urin verwenden
- Teststreifen kurz tauchen – alle Testfelder müssen benetzt sein
- Beim Herausnehmen überschüssigen Harn am Gefäßrand abstreifen
- Teststreifen gerade halten bzw. auf einem Becher ablegen, damit der Urin auf den Farbfeldern verbleibt
- Nach 60 Sek. (Leukozytentestfeld nach 120 Sek.) Reaktionsfarbe mit der Farbskala des Behälters vergleichen
- Ablesen des Teststreifens, ohne den Behälter zu berühren
Achtung:
– trocken Aufbewahren
– kurzes Öffnen zur Entnahme eines Teststreifens → Luftfeuchtigkeit verändert die Reagenzien
– Die Testfelder dürfen nicht mit den Fingern berührt werden → verfälschtes Ergebnis
Ergebnis
Urinkultur
Die Plättchen mit den Nährböden werden in einen steril aufgefangenen Mittelstrahl- oder Katheterurin getaucht.
Liefert Informationen zu Krankheitserregern im Urin und Resistenzen auf Antibiotika.
Spezifisches Gewicht
Feststellung des spezifischen Gewichts des Urins (Urinosmolarität, Dichte der gelösten Teilchen). Kann im Labor oder im stationären Bereich per Streifenschnelltest sowie mittels Urometer (Harnwaage) und Messzylinder bestimmt werden.
Pathologische Urinbestandteile:
- Zucker
- Eiweiß
- Blut
- Bakterien
- Ketonkörper
- Bilirubin
- Hämoglobin
- Leukozyten
Flüssigkeitsbilanzierung
Definition Flüssigkeitsbilanz:
Vergleich der Einfuhr im Verhältnis zur Ausfuhr. In der Pflege das wichtigste Instrument zur Beobachtung der Urinproduktion.
Definition Einfuhr:
Dem Körper oral, parenteral oder enteral zugeführte Flüssigkeiten (Getränke, Infusionen, Speisen).
Definition Ausfuhr:
Vom Körper ausgeschiedene Flüssigkeiten (z.B. Urin, Schweiß, Erbrochenes, Blut, Wundsekret, Punktat, Abfluss über Sonden,…)
Die Differenz zwischen Ein- und Ausfuhr führt entweder zu einer:
• positiven Bilanz
• negativen Bilanz
• ausgeglichenen Bilanz
Die Flüssigkeitsbilanzierung wird weiter unterteilt in:
• registrierbar (nur die registrierbare Ein- und Ausfuhr wird registriert)
• effektiv (auch Oxidationswasser, Verlust über Haut und Atmung, Schwitzen – 500ml/1°Temperaturerhöhung)
Zystitisprophylaxe
Zystitis Definition:
Harnwegsinfektion. Meist eine bakteriell verursachte Entzündung der Harnblase (Vesica urinaria).
Eine bakterielle Infektion der Harnwege erfolgt zumeist aufsteigend, von der Harnröhrenöffnung in die Blase (Blasenentzündung). In einigen Fällen kann sie bis zu den Nieren vordringen (Harnwegsinfekt). Frauen und Mädchen erkranken häufiger an einer Zystitis, da sie eine kürzere Harnröhre haben.
Fachbegriffe:
Entzündung der Harnröhre:
Urethritis
Entzündung der Harnblase:
Zystitis
Prophylaxe gegen Harnwegsinfektion:
Die beste Zystitisprophylaxe ist Trinken. Durch die natürliche Ausscheidung werden die Harnwege auf natürliche Weise gespült. Weitere prophylaktische Maßnahmen:
• sorgfältige Intimpflege (von der Symphyse zum Anus, nach jedem Wischen Stelle des Waschlappens wechseln)
• gut abtrocknen, um ein feuchtes Milieu zu vermeiden
• sorgfältige Pflege des transurethralen Blasenkatheters (Katheter und Harnröhrenöffnung mit Wasser und pH-neutraler Seife von der Harnröhre weg reinigen, Verkrustungen entfernen, die Katheterpflege erfolgt vor der Intimpflege)
• regelmäßiger Toilettengang
• regelmäßige Inkontinenzversorgung
• warme Kleidung, um eine Unterkühlung zu vermeiden
• Blase vollständig entleeren
• Kälte und Nässe im Intimbereich vermeiden
• 1 Glas Cranberrysaft täglich kann das Zystitisrisiko senken
Umgang bei liegendem transurethralen Blasenkatheter
Blasenkatheter Definition
auch Blasenverweilkatheter. Ein steriler Schlauch, der über die Harnröhre oder über die Bauchdecke in die Harnblase eingeführt wird, um Urin abzuleiten.
• hygienische Händedesinfektion
• Tragen von Handschuhen
• 1-2 x tgl. Katheter und Harnröhrenöffnung mit Wasser und pH-neutraler Seife reinigen, Verkrustungen entfernen
• keine speziellen Desinfektions- oder Reinigungsmittel verwenden (zerstört die natürliche Keimflora)
• Beobachtung des Urins auf Veränderungen
• Motivation zu ausreichender Flüssigkeitszufuhr (Infektionsprävention)
• Durchgängigkeit des Katheters kontinuierlich überprüfen, der ableitende Schlauch muss stets ohne Knicke und Schlaufen sein
• Katheter und Harnableitungssystem nicht voneinander trennen (diskonnektieren). Bei versehentlicher Trennung Kontaktstelle vor dem Zusammenfügen gründlich desinfizieren
• Zug auf den Katheter vermeiden
• Katheterbeutel stets unter Blasenniveau anbringen
• Zum Entleeren des Beutels separates Auffanggefäß benutzen
• Ablassstutzen darf nicht in Kontakt mit Gefäß kommen, anschließend desinfizieren und wieder in Vorrichtung stecken
• Ablassstutzen nach dem Ausleeren in die Lasche zurückstecken
• P/B darf nicht auf dem Schlauch liegen (Harnstauung, Druckstellen)
• Urinauffangbeutel muss sicher fixiert sein und gerade hängen
Pflege bei einem liegenden transurethralen Blasenkatheter
• hygienische Händedesinfektion
• Tragen von Handschuhen
• 1-2 x tgl. Katheter und Harnröhrenöffnung mit Wasser und pH-neutraler Seife reinigen, Verkrustungen entfernen
• keine speziellen Desinfektions- oder Reinigungsmittel verwenden (zerstört die natürliche Keimflora)
• Reinigung des Katheters von proximal zu distal
• schon kleine Ausflussmengen aus der Harnröhrenöffnung können eine Reaktion des Organismus auf den Fremdkörper sein
• auffällige Beimengungen (z.B. Eiter oder Blut) oder Geruchsbildung müssen dokumentiert bzw. die Information an den gehobenen Dienst / behandelnden Arzt weitergegeben werden
• sterile, eingeschnittene Kompresse bei bettlägerigen P/B zum Aufsaugen von Sekreten
Informationspflicht:
Infektionsgefahr, Prophylaxen, Befestigung des Auffangbeutels, Symptome einer Zystitis
Beobachtungskriterien der Stuhlausscheidung
Stuhl Definition:
Endprodukt der Verdauung.
Stuhl Fremdworte:
Fäzes, Kot
Vorgang der Stuhlentleerung Fremdwort:
Defäkatation
Beobachtungskriterien:
• Defäkation (z.B. schmerzhaft, mit starkem Pressen verbunden)
• Menge
• Häufigkeit (Defäkationsfrequenz)
• Zeitpunkt
• Konsistenz
• Farbe
• Geruch
• Beimengungen
• Blähungen
Pathologische Veränderungen
- Schmerzen
- Verstärkte Anstrengung, übermäßiges Pressen
- Unwillkürlicher Abgang zu einem nicht gewünschten Zeitpunkt
- Unterdrücken des Stuhlgangs nicht möglich
Menge
ist abhängig vom Entwicklungsstand und der Art der Ernährung
- Ballaststoffarme Ernährung, während des Fastens: < 100g/Tag
- Ausgewogene Mischkost: 100-500 g/Tag
- Ballaststoffreiche Ernährung: < 1000g/Tag
Pathologische Veränderungen:
- Niedrige Stuhlmenge:
– Verstopfung
– Hungerstuhl: schwarz-grünlich, besteht lediglich aus Schleim und Darmzellen - Hohe Stuhlmenge:
– ballaststoffreiche Ernährung
– Maldigestion (unzureichende Verdauung): z.B. Laktoseintoleranz
– Malabsorption (Aufnahmestörung): z.B. chronisch-entzündlichen Erkrankungen des Darms - Ausbleiben des Stuhls: Obstipation oder Darmverschluss (Ileus)
Häufigkeit
Normale Häufigkeit: 3-4 x wöchentlich bis zu 2-3 x täglich.
Pathologische Veränderungen:
• Durchfall / Diarrhö
– > 3 Stuhlentleerungen / 24 Stunden mit einem übermäßig hohen Wasseranteil. Breiig-flüssiger bis flüssig-schleimiger Stuhl.
– Begleitsymptome: Fieber, Erbrechen, Übelkeit, Appetitlosigkeit, Bauchschmerzen, Blähungen, Kopfschmerzen, Gliederschmerzen, Blut oder Schleim im Stuhl
– Akut auftretende Diarrhö: z.B. bei Vergiftungen, Darminfektionen, psychische Belastungssituationen
– Chronisch verlaufende Diarrhö: z.B. chronische Erkrankungen des Dick- und Dünndarms
– Reizkolon (= Colon irritabile, Reizdarmsyndrom) ist eine funktionelle Störung des Darms ohne nachweisbare organische Ursache.
Stuhlverstopfung / Obstipation
– Entleerung < 3 x / Woche. Stuhl ist fest und hart. Defäkation ist schmerzhaft und mit starkem Pressen verbunden.
– Organische Obstipation: Erkrankungen wie Divertikulitis, neurologische Störungen (z.B. Schlaganfall, Querschnittslähmung)
– Funktionelle Obstipation: verlangsamte Stuhlausscheidung aufgrund ungünstiger Ernährungsgewohnheiten
Symptome:
- erschwerter Stuhlgang
- harter, klumpiger Stuhl
- niedrige Mengen an Stuhl
- Schmerzen bei der Darmentleerung
- Gefühl einer unvollständigen Entleerung
- Unwohlsein, Übelkeit, Erbrechen
- geblähtes Abdomen, Blähungen
- Bauchschmerzen, Bauchkrämpfe
- Völlegefühl
- Appetitlosigkeit
- Unruhe
- Paradoxe Durchfälle
Ursachen:
- Diuretika
- Diabetes mellitus
- Veränderungen des Darms, der Analregion (mechanisch – tumorbedingt)
- Zeitnot, Hektik, Störung der Intimsphäre
- Adipositas
- langjähriger Missbrauch von Abführmitteln
- Störungen der Darmmotilität
- Flüssigkeits- und Bewegungsmangel
Darmverschluss / Ileus
Mechanischer Ileus:
- krampfartige Schmerzen
- Erbrechen, Koterbrechen
- laute und klingende Darmgeräusche
- Stuhl- und Windverhalten
- geblähtes Abdomen
Paralytischer Ileus:
- druckempfindlicher Leib
- Erbrechen, Koterbrechen
- „Totenstille“ im Abdomen (keine Darmgeräusche)
- Stuhl- und Windverhalten
- geblähtes Abdomen
Konsistenz
normaler Stuhl = homogen breiig bis fest. Eiweißreiche Ernährung macht ihn fester, kohlenhydratreiche weicher. Viel Flüssigkeit macht Stuhl weicher, wenig Flüssigkeit verfestigt.
Pathologische Veränderungen:
- Breiig-wässrig: z.B. Magen-Darminfektione, Nahrungsunverträglichkeit
- Fest-hart: Flüssigkeitsmangel (wenig Flüssigkeit, ballaststoffarme Ernährung)
- Extrem hart und eingedickt: Kotsteine (Fekalom) durch chronische Obstipation
- Bleistiffförmig: Verengung des Enddarms
- Blutig-schleimig, eitrig: Colitis ulcerosa, Morbus Crohn
Farbe
normale Farbe: hell- bis dunkelbraun (Bilirubin färbt den Kot braun)
Nahrungsmittel und Medikamente können die Farbe des Kots verändern. Schwarzer Stuhl kann bei Gabe von Kohle- oder Eisenpräparaten auftreten, weißer Stuhl nach Untersuchungen mit Bariumsulfat (Röntgenkontrastmittel, weißes Pulver, färbt den Stuhl mechanisch.
Pathologische Veränderungen:
- Grünlich: schwere Durchfallerkrankungen
- Grau und lehmfarben (acholisch): Fehlen des Gallenfarbstoffes (z.B. Gallensteine, Pankreastumore, Hepatitis)
- Rotbraun marmoriert: Blutungen im unteren Dickdarmabschnitt
- Rotbraun bis dunkelrot: Blutungen im oberen Dickdarmabschnitt
- Hellrote Auflagen: Blutungen im Enddarm (z.B. Hämorrhoiden, Fissuren oder Dickdarmpolypen)
- schwarz (Teerstuhl oder Melaena): Blutungen aus dem oberen Verdauungstrakt (z.B. Magengeschwüre)
Geruch
normaler Stuhlgeruch: nicht besonders unangenehm. Verantwortlich für den typischen Geruch sind die Abbauprodukte unverdaulicher Eiweiße und Aminosäuren.
Pathologische Veränderungen:
- faulig, stinkend: Krebserkrankungen
- säuerlich stechend: Störung der Kohlenhydratverdauung
- jauchig, faulig: Störung der Eiweißverdauung
Beimengungen
normaler Stuhl enthält keine Beimengungen oder Auflagerungen. Bei ballaststoffreicher Ernährung werden oft unverdaute Körner und Maisreste ausgeschieden.
Pathologische Veränderungen:
- Blutauflagerungen: Hämorrhoiden, Entzündungen, Tumore
- Schleim: Reizdarmsyndrom, Tumore
- Blut-, Schleim-, Eiterauflagerungen: Colitis ulcerosa, Morbus Crohn
- Unverdaute Nahrung: zu wenig gekaut, Verdauungsstörungen
- Parasiten (Schmarotzer): z.B. über Haustiere oder Nahrung, verursachen Juckreiz am After
– Madenwürmer (fadenförmig, 4-12 mm lang, hohe Zahl)
– Spulwürmer (grau, regenwurmähnlich, 15-40 cm lang)
– Rinder- oder Schweinebandwurmglieder (weiß, glatt, fingernagelgroß) - Okultes Blut: z.B. Darmkrebs, Polypen
- Pathogene Keime: z.B. Salmonellen, Enterobakterien
Blähungen
Blähungen Fachbegriff:
Meteorismus
Luft- bzw. Gasansammlung in Magen-Darm-Trakt mit Abgang von Darmgasen.
normale Flatusfrequenz: bis zu 20 Flatulenzen
Pathologische Veränderungen:
Erhöhte Flautsfrequenz (> 20 Winde/Tag) mit quälendem Gefühl des Aufgeblähtseins
Ursachen:
- Entzündungen im Magen-Darm-Trakt
- Medikamentennebenwirkungen
- Reizdarmsyndrom
Pflegemaßnahmen bei Diarrhö
• Beobachtung lt. Beobachtungskriterien + Hautturgor + Haut in der Analgegend
• Vitalzeichen im Blick behalten
• bei Bauchschmerzen: Knierolle, Wärmeflasche, warmer Bauchwickel
• Flüssigkeitsverlust: Flüssigkeit bereitstellen, Einfuhrkontrolle
• weiches Toilettenpapier benutzen
• nicht reiben, sondern tupfen
• Zystitisprophylaxe (von der Symphyse zum Anus)
• Waschen mit klarem Wasser und milder Seife
• Öltücher
• Elektrolytverlust: Ausgleich lt. ärztlicher Anweisung, eine isotone Trinklösung = 1 L Kamillentee + 3 EL Zucker + 1/2 TL Salz + 1/2 TL Speisesoda
• Schwarztee
• Nahrungskarenz
• stopfende Nahrungsmittel: Weißbrot, Banane, trockener Reis (außer bei schlechter Kohlenhydratverdauung)
• Vermeiden von blähenden, fettreichen Speisen
• Infektionsgefahr: Zystitis, Infektion von Wunden
• Intertrigoprophylaxe (Hautbeobachtung)
• fettfreie Creme zum Hautschutz
• persönliche Hygiene beachten: Handschuhe, Plastikschürze, Händedesinfektion, Wäschewechsel bei Bedarf
• Lüften
Alte Menschen können den Elektrolythaushalt schlecht kompensieren!
ℹ️ Mehr Infos zum Thema (Diätetik): Kostaufbau bei Enteritis ℹ️
Obstipationsprophylaxe – Pflegemaßnahmen bei Obstipation
Ernährung
• in Ruhe essen und gründlich kauen
• mehrere kleine Mahlzeiten
• ballaststoffreiche Ernährung (ca. 35–40 g/Tag mit reichlich Flüssigkeit – Darm kann sonst „verkleben“ und Ileus begünstigen)
• fermentierte Nahrungsmittel anbieten (Sauermilch, Buttermilch, Joghurt, Kefir, Sauerkraut)
• darmanregende Nahrungsmittel, z.B. Zwetschgen, Milchzucker
• stimulierende Tees (Apfel-Orangen-Schlehenblüten)
• stopfende Nahrungsmittel vermeiden, z. B. Schokolade, Banane, Kakao, Schwarztee
• ein Glas lauwarmes Wasser auf nüchternen Magen
Therapien
• Begleittherapie zu den Opioiden (Movicol)
• Osmotische Laxantien (Lactulose)
Flüssigkeitszufuhr
• mind. 2 l / Tag, bei Kontraindikationen wie z. B. Nieren- oder Herzinsuffizienz Rücksprache mit dem Arzt
• vorwiegend Mineralwasser, Kräutertee, Obst- bzw. Gemüsesaft trinken (Zwetschgen- und Sauerkrautsaft)
Bewegung
• aktives und passives Bewegen, schon allein das Bewegen der Beine im Bett fördert die Darmperistaltik
Ausscheidung
• Gewöhnung an feste Ausscheidungszeiten
• Zeit lassen
• Stuhldrang nie unterdrücken
• Hocksitzhaltung
Kolonmassage nach Vogler
• Dickdarm in Verlaufsrichtung von rechts unten nach links unten massieren, Lotion verwenden
• große oder spiralförmig kreisende Bewegungen im Uhrzeigersinn
• leichten Druck während der Ausatmung, Druck bei der Einatmung reduzieren
• Dauer: mind. 5 Min
🎬 Video: Colon Massage bei Verstopfung, Visna Stief 🎬
Feucht-warme Bauchauflage
• 15-20 min vor dem Essen
• Handtuch befeuchten (warm)
• auf den Bauch legen
• Wärmflasche oder warmes Kirschkernkissen sowie trockenes Handtuch darüberlegen
• 15–20 min belassen
🎬 Video: Feucht-warme Bauchauflage, Petra Büeler 🎬
Leibwaschung nach Kneipp
• Rückenlage mit angezogenen Beinen
• mit kaltem, nassen Waschlappen 20-30 x Dickdarmverlauf im Uhrzeigersinn nachfahren
• leichter Druck mit den Fingerkuppen
🎬 Video: Leibwaschung nach Kneipp, Salzgrotte Sondernau 🎬
Digitale Stimulation
• wird als sehr unangenehm empfunden, daher zuvor andere Maßnahmen auswählen
• Seitenlage mit angewinkelten Beinen
• ruhiges Ein- und Ausatmen
• fetthaltige Creme auf Finger auftragen
• Schließmuskel locker lassen
• Zeigefinger langsam und vorsichtig ca. 3–5 cm in den Mastdarm einführen und für ca. 15 Sekunden kreisende Bewegungen entlang der Darmwand ausführen
• Vorgang bis zur Entleerung wiederholen
• Kontraindikationen: Hämorrhoiden, Fissuren, Operationen im Bereich des Anus, Rektalkarzinom digitale Stimulation nicht durchführen
🎬 Video: How to Perform Digital Stimulation 🎬
Evaluation
führen die prophylaktischen Maßnahmen nicht zum Erfolg, kann bei akuter Obstipation nach ärztlicher Anweisung ein Klistier oder ein Einlauf verabreicht werden.
Dokumentation
Inkontinenzprophylaxe
Inkontinenz Definition:
jeder unwillkürliche Abgang von Urin und/oder Stuhl bei Menschen ab dem 6. Lebensjahr wird als Inkontinenz bezeichnet. Kann physische, psychische und soziale Ursachen haben.
Risikofaktoren:
• ab 50. Lebensjahr, z. B. Veränderung der Blase
• kognitive Einschränkungen, z. B. Demenz
• Immobilität
• Erkrankungen, z. B. Schlaganfall, Multiple Sklerose, Morbus Parkinson, Diabetes
• Harnwegsinfektionen
• Medikamente, z. B. Diuretika, Neuroleptika
• Obstipation
Spezielle Risikofaktoren bei Frauen:
• starke Belastung des Beckenbodens durch viele Schwangerschaften und vaginale Entbindungen
• Verletzungen bei der Geburt, z. B. Dammschnitt
• Wechseljahre (Klimakterium)
• Übergewicht
• Gebärmutterentfernung (Hysterektomie) und Prolaps-Operationen (Vorfall eines Organs durch eine Öffnung)
• Einnässen nach dem 5. Geburtstag in der Kindheit
• sexuelle Gewalt
Formen von Inkontinenz:
• Stress- bzw. Belastungsinkontinenz (Druckverlust, z.B. beim Husten)
• Dranginkontinenz (plötzlicher, kaum unterdrückbarer Harndrang)
• Mischinkontinenz
• Extraurethrale Inkontinenz (Umgehungsverlust, z.B. über eine Fistel anstatt über die Harnröhre)
• Inkontinenz bei chronischer Harnretention (tröpfelnder Harnverlust bei voller Blast)
• Unkategorisierbre Inkontinenz
Maßnahmen zur Inkontinenzprophylaxe
das Ziel ist entweder präventiv oder kontinenzfördernd.
• Toilettentraining / Motivation zum Toilettengang
• ausreichende Flüssigkeitszufuhr (konzentrierter Urin verstärkt die Inkontinenz) – Achtung bei Niereninsuffizienz und Herzinsuffizienz!
• Gewichtsreduktion
• Darmmanagement (in Verbindung mit Obstipation; Ernährungsanpassung, Obstipationsprophylaxe, medikamentöse Therapie)
• Förderung einer kontinenzfördernden Umgebung:
– Weg zur Toilette zeigen
– kurze Wege zur Toilette
– Hilfsmittel und Rufglocke in Griffnähe
– leicht Handhabbarkeit von Türen
– Barrierefreiheit (z.B. Haltegriffe)
– ausreichende Beleuchtung
– Wahrung der Intimsphäre
• kontinenzfördernde Kleidung:
– leicht zu öffnen (Reißverschlüsse, Klettverschlüsse statt Knöpfen)
– weite Kleidung
– Kleidung, die bei 60 °C waschbar ist
– geschlossene Schuhe
Hautpflege bei Inkontinenz
• Haut trockentupfen – Feuchtigkeit führt zur Mazeration und Urin reizt die Haut (Ammoniak besitzt alkalischen pH-Wert von ca. 11,5)
• saugende und atmende Bekleidung tragen lassen – Wärme begünstigt ebenso eine Inkontinenz-assoziierte Dermatitis
• weiche Öltücher oder Einmalwaschlappen mit Wasser benutzen – häufiges Waschen mit Seife schädigt die Haut
• wenn Reinigungsmittel verwendet werden müssen, dann schwach saure (pH-Wert 5,5–6) Waschsubstanzen verwenden
• Haut beobachten und auf Rötungen, Risse, Schwellungen, Blasenbildung und Irritationen achten
• bei Nässe unverzüglich Einlage tauschen
• zum Hautschutz fettfreie Cremes verwenden – nur dünn auftragen
• keine Pasten, kein Puder verwenden (Wärmestau)
Grade der Stuhlinkontinenz
Grad 1: Leichte Form
Teilinkontinenz mit Stuhlschmieren bei Belastung und Diarrhö, unkontrollierter Abgang von Darmgasen. Unterwäsche ist gelegentlich verschmutzt.
Grad 2: Mittlere Form
Teilinkontinenz mit gelegentlichem Abgang von dünnem Stuhl und Darmgasen. Unterwäsche ist häufig verschmutzt.
Grad 3: Schwere Form
Totalinkontinenz mit vollständig unkontrolliertem Abgang von Stuhl und Darmgasen.
Hinweise auf eine mögliche Inkontinenz
• Häufige Toilettengänge
• Hautsymptome wie Juckreiz oder Brennen (perianal) durch Benetzung der Haut mit Sekret und vermehrtes Kratzen
• Ablehnung notwendiger Unterstützung bei der Körperpflege, oft vehement oder aggressiv
• plötzlicher Wunsch, das Bett selbst zu beziehen
• Wegwerfen bzw. vermehrtes Fehlen von Wäsche
• „Heimlicher“ Gebrauch von Inkontinenzhilfsmitteln
• Aufgabe sozialer Aktivitäten
Arten von Stomata
Gastrostoma: künstlicher Magenausgang
Enterostoma: künstlicher Darmausgang
Urostoma: künstlicher Blasenausgang
Tracheostoma: künstlicher Luftröhrenausgang
Stomapflege Handlungsschema
Der Beutelwechsel wird bei Bettlägerigen in Rückenlage vorgenommen, mobile Patienten können den Wechsel im Stehen vor einem Spiegel durchführen.
Vorbereitung
Material
- Kompressen (steril und unsteril)
- wasserfeste Unterlage
- Pflasterentferner (nur wenn anders nicht möglich – schädigt die Haut)
- Einmalrasierer
- Watteträger
- Nierenschale
- Papier
- warmes Wasser
- Hautschutz
- Stomasystem
- Schablone für die Basisplatte
- gebogene Schere
- unsterile Handschuhe
- Stomapaste, Modellierstreifen oder Modellierringe
- Abwurf
- Sichtschutz
Durchführung
System entfernen, Enterostoma reinigen
• Handschuhe anziehen
• gebrauchter Beutel und die Hautschutzplatte (Basisplatte) entfernen
• Pflasterentferner sollte nur im Notfall benutzt werden, da er auch gesunde Haut empfindlich schädigen kann (er trocknet sie stark aus)
• Sekret sollte nicht mit der Haut in Kontakt kommen
• Haut um das Stoma herum (peristomal) mit angefeuchteten Kompressen zum Stoma hin reinigen, abtrocknen mit Kompressen.
Die Schleimhaut des nach außen gelegten Darmes ist empfindlich und muss sehr vorsichtig behandelt werden.
Kontrolle des Enterostomas
• Hautläsionen (Hautveränderungen)
• Entzündungen
Bei Auffälligkeiten Fotodokumentation anlegen (Einwilligung des Patienten einholen).
Neues System anbringen
• Handschuhe verwerfen
• Hände desinfizieren
• neue Handschuhe anziehen
• ggf. peristomale Haut vom Stoma weg rasieren (Einwegrasierer)
• ggf. Hautschutz auftragen
• Schablone für die Basisplatte mithilfe mitgelieferter Messschablone anfertigen und mit Datum und Namen des Patienten versehen – die Schleimhaut (=Darmausgang) liegt frei.
Der Darmausgang darf durch die Plattenöffnung nicht eingeengt sein – Nekrosen, Ödeme oder Blutungen können die Folge sein.
• Narben und Unebenheiten mit Stomapaste ausgleichen (mit angefeuchtetem Watteträger)
• Hautschutzplatte vorsichtig von unten nach oben anbringen und mit leichtem Druck andrücken (starker Druck kann Schmerzen auslösen)
• bei zweiteiligen System wird nach Anbringen der Basisplatte der Beutel durch Anheben des Rasterrings mit beiden Händen angebracht (verhindert schmerzhaften Druck auf den Bauch)
Nachsorge
• Material entsorgen
• Hände desinfizieren
• Material wegräumen
• Arbeitsplatz reinigen
• Pflegemaßnahme dokumentieren
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