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Kompetenz der Pflegeassistenz: Das Bewusstsein beurteilen

Aufbereiteter Lehrinhalt, Unterrichtsfach: Grundzüge und Prinzipien der Akut- und Langzeitpflege inklusive Pflegetechnik (GKPF).

07.09.2025

Die Pflegeassistenz arbeitet mit alten Menschen. Sie muss daher in der Lage sein, Anzeichen von Bewusstseinsstörungen wie Verwirrtheit, Desorientierung oder veränderte Reaktionsfähigkeit frühzeitig zu erkennen. Nur dann kann sie gezielt auf die Bedürfnisse der zu betreuenden Personen eingehen. Gerade bei älteren Menschen, die oft an Demenz oder anderen kognitiven Beeinträchtigungen leiden, unterstützt dieses Wissen eine einfühlsame und sichere Pflege.

Die Fachsozialbetreuung begleitet alte und behinderte Menschen sowie Kinder. Auch sie muss in der Lage sein, verschiedene Bewusstseinszustände differenziert einzuschätzen und individuell darauf einzugehen. Sie muss gezielte Unterstützungsmaßnahmen umsetzen und ein Umfeld schaffen, das Sicherheit und Stabilität bietet.

Die Diplom-Sozialbetreuung muss sicherstellen, dass der Umgang mit Bewusstseinsstörungen in der Praxis fachgerecht umgesetzt wird. Nur mit dem nötigen Wissen über veränderte Bewusstseinszustände ist sie in der Lage, Pflege- und Betreuungsmaßnahmen so zu planen und zu gestalten, dass die unterschiedlichen Bedürfnisse der betreuten Menschen berücksichtigt werden.

Das muss die Pflegeassistenz über das Bewusstsein wissen:
➤ Sie kennen die 5 wichtigsten veränderten Bewusstseinszustände, deren mögliche Ursachen und Charakteristika.
➤ Sie wissen, was sie im Umgang mit scheinbar Bewusstlosen berücksichtigen müssen.
➤ Sie wissen, durch welche Fragen sie die Bewusstseinslage des Patienten erkennen und einordnen können.
➤ Sie wissen Bescheid, was Sie außer dem Bewusstsein noch kontrollieren und wie die Kontrolle vorgenommen werden muss.
➤ Sie geben Auskunft über die Verwirrtheitsprophylaxe.
➤ Sie können den Begriff Hospitalismus definieren.

Definition: Komm30c
Gesamtheit aller psychischen Vorgänge (Gedanken, Gefühle, Wahrnehmungen) und das Wissen um das eigene „Ich“.

Bewusstseinsstörungen können mehrere unterschiedliche Bereiche betreffen:

Die Kommunikation
Menschen mit Bewusstseinsstörungen können zum Beispiel Schwierigkeiten haben, sich klar auszudrücken, Bedürfnisse mitzuteilen oder Anweisungen zu verstehen. In der Pflege erfordert dies eine hohe Sensibilität für nonverbale Signale, um Missverständnisse zu vermeiden.

Die Schutzreflexe
Schutzreflexe wie Husten können bei Bewusstseinsstörungen eingeschränkt sein. Dies erhöht das Risiko von Aspiration (Einatmen von Nahrung oder Flüssigkeiten in die Lunge). Die Pflegekraft muss daher präventive Maßnahmen treffen, z. B. stabile Seitenlage beim Zähneputzen oder Aspirationsprophylaxe beim Essen.

Die Mobilität
Auch die Bewegungsfähigkeit kann durch Bewusstseinsstörungen erheblich beeinträchtigt werden. Pflegekräfte müssen bei der Mobilisation unterstützen und auf sichere Transfers achten und die Umgebung so gestalten, damit Verletzungsrisiken minimiert werden.

Die Sensibilität
Die Wahrnehmung von Reizen wie Schmerz, Berührung oder Temperatur kann durch Bewusstseinsstörungen ebenso gestört sein. Dies erhöht die Gefahr von Dekubiti, Verbrennungen oder anderen Verletzungen. In der Pflege ist daher eine regelmäßige Inspektion der Haut sowie eine präventive Dekubitus- und Verletzungsprophylaxe notwendig.

Normalzustand = klares Bewusstsein

Beobachtungskriterien

Bewusstseinszustände bzw. die Bewusstseinslage meint das Gesamtbild des bewussten Erlebens eines Menschen. Es gibt unterschiedliche Dimensionen bzw. Beobachtungskriterien, anhand derer sich das Bewusstsein beschreiben lässt.

Ein Mensch, der bei vollem Bewusstsein ist,

• ist wach (vigilant) und ansprechbar
• ist persönlich, zeitlich, räumlich und situativ orientiert
• agiert sinnhaft von sich aus
• reagiert prompt und adäquat
• kommt Aufforderungen nach

Durch gezieltes Fragen können Pflegepersonen die Bewusstseinslage des Patienten erkennen und einordnen: Komm31c

1. Kontrolle der Vigilanz (Wachheit / Wachheitsstufe)
„Können Sie mir sagen, wie Sie sich gerade fühlen?“
„Bitte öffnen Sie die Augen und schauen Sie mich an.“

2. Persönliche Orientierung
„Wie heißen Sie?“
„Wann haben Sie Geburtstag?“

3. Zeitliche Orientierung
„Können Sie mir sagen, welches Jahr wir haben?“

4. Örtliche Orientierung
„Können Sie mir sagen, wo Sie gerade sind?“

5. Situative Orientierung
„Können Sie mir sagen, warum Sie hier sind?“
„Was ist passiert?“

6. Feststellung sinnhaften Agierens
„Können Sie mir bitte zeigen, wie Sie sich die Haare kämmen würden?“

7. Feststellung der prompten und adäquaten Reaktion
„Wenn ich mit den Fingern schnippe, heben Sie bitte Ihre Hand.“
„Können Sie die rechte Hand heben?“

Zur Bewertung des Bewusstseinszustandes eignet sich die Glasgow-Koma-Skala. DIESE SOLL JEDOCH NUR IM NOTFALL, UND KEINESFALLS BEI LANGFRISTIG PFLEGEBEDÜRFTIGEN UND DESORIENTIERTEN MENSCHEN ANGEWENDET WERDEN.

Glasgow Skala zum Ausdrucken

Die Begriffe „Qualität / qualitativ“ und „Quantität / quantitativ“ in der Pflege

In der pflegerischen Beschreibung von Zuständen bedeutet:

quantitativ: Wie stark? Wie viel? Welches Ausmaß?
z.B.: Schmerzstärke 8/10, Temperatur 39 °C, Atemfrequenz 24/min, quantitative Bewusstseinsstörung Sopor (als Antwort auf die Frage „wie wach ist der Patient?“)

qualitativ: Welche Art? Wie beschaffen?
z.B.: brennender Schmerz, stechender Schmerz, dumpfer Schmerz, qualitative Bewusstseinsstörung Neglect (als Antwort auf die Frage „welche Art von Bewusstseinsstörung?“

„Qualitativ“ beschreibt eher die Art oder inhaltliche Beschreibung. „Quantitativ“ beschreibt eher Mengen, Häufigkeit, Stärken oder Grade.

Qualitativ bezieht sich auf das „Wie“ einer Erscheinung, quantitativ auf das „Wie viel“ oder „Wie stark“.

Quantitative Bewusstseinsstörungen

Quantitative Bewusstseinsstörungen betreffen den Grad der Wachheit. Das Bewusstsein ist vermindert:

Hypervigilanz: allgemeine Aufmerksamkeit gesteigert
Benommenheit: Die Person ist schläfrig, aber ansprechbar
Somnolenz: Die Person ist stark schläfrig, aber durch Ansprache oder Berührung weckbar
Sopor: Die Person ist nur durch Schmerzreize weckbar
Koma: Die Person ist nicht weckbar, auch nicht durch Schmerzreize

Qualitative Bewusstseinsstörungen

Qualitative Bewusstseinsstörungen betreffen die Qualität des Bewusstseins im Wachzustand.
Verwirrtheit: Die Person denkt ungeordnet
Desorientierung: fehlende örtliche, räumliche, zeitliche. persönliche, situative Orientierung
Delir: akuter Verwirrtheitszustand
Halluzinationen: Person nimmt Dinge wahr, die nicht da sind
Neglect: Person nimmt eine Körperhälfte nicht wahr

Neglect

…gehört zu den Qualitativen Bewusstseinsstörungen. Eine Körperhälfte (und damit auch die Raumhälfte) infolge einer Schädigung des Gehirns (häufig Schlaganfall) nicht wahrgenommen. Betroffen ist immer die Seite, die der geschädigten Hirnhälfte gegenüberliegt. Dabei sind die Sinnesqualitäten auf unterschiedliche Weise gestört. Typischerweise geht sie mit einer Hepiplegie / Hemiparese einher.

Sind alle Sinnesqualitäten betroffen, spricht man von einem multimodalen Neglect.

Charakteristisch für das Neglect-Phänomen:
• Reize auf der betroffenen Seite werden nicht wahrgenommen (z.B. nimmt das Essen auf einer Seite des Tellers nicht wahr)
• P/B wendet sich der PP nicht zu
• reagiert verzögert oder gar nicht

Anosognosie: …gehört zu den Qualitativen Bewusstseinsstörungen. Ein Neglect kann gemeinsam mit einer Anosognosie auftreten, muss aber nicht. P/B nimmt die eigene Erkrankung nicht wahr, da er die betroffene Körperhälfte vollständig ausgeblendet hat. Ist sich seiner Defizite nicht bewusst und empfindet sein Verhalten zunächst als normal. Nach Aufforderung ist es P/B möglich, die Aufmerksamkeit gezielt auf die betroffene Körperhälfte zu richten.

Neglect = Nichtbeachten einer Seite
Anosognosie = Nicht-Erkennen der eigenen Krankheit oder Einschränkung

Ursachen für Neglect

meist Schlaganfall, selten Tumore oder Demenzerkrankungen wie Alzheimer

Bei einem P/B mit Neglect sind die Sinnesorgane (Augen, Ohren und Haut) der betroffenen Körperseite vollkommen intakt. Die Nervenbahnen funktionieren normal und senden ihre Signale ans Gehirn, das Gehirn kann diese Signale jedoch nicht verarbeiten. Sie sehen, hören und fühlen auf der betroffenen Seite nichts. Manchmal reagieren sie selbst bei Schmerzen auf dieser Seite nicht oder nur verzögert.

Merke: Menschen mit Neglect dürfen mit dem Pflegebett nicht mit der gesunden Seite an die Wand gestellt werden mit der Idee, dass sie dann ihre Aufmerksamkeit schon auf die betroffene Seite bringen. Ist das Phänomen sehr ausgeprägt, so ist das mit einer Isolationshaft gleichzusetzen, da der Betroffene nicht die Möglichkeit hat, den Kopf und seine Aufmerksamkeit auf die betroffene Seite zu lenken.

Formen von Neglect

  • Visueller Neglect: sehen nichts mehr mit dem Auge der beeinträchtigen Körperhälfte. Gesichtsfeld beschränkt sich auf den Ausschnitt der gesunden Körperhälfte. 
  • Auditorischer oder akustischer Neglect: hören auf der Neglect-Seite nichts, reagieren nicht, wenn man sie aus dieser Richtung anspricht. Können nicht zuordnen, woher Geräusche kommen. 
  • Somatosensibler Neglect: reagieren nicht oder verspätet auf Berührungen oder Schmerzen an der betroffenen Körperhälfte und verorten sie oft auf der nicht betroffenen Seite.
  • Motorischer Neglect: nutzen die Muskeln auf der betroffenen Seite kaum oder gar nicht. Unbewusste Bewegungen wie Blinzeln oder Kauen funktionieren aber meist.
  • Olfaktorischer Neglect: nehmen keine Gerüche in der Umgebung der betroffenen Körperhälfte wahr.

Neglect Pflegemaßnahmen
Pflegeziel: Wahrnehmung fördern
Bewusstmachung der vernachlässigten Seite
• regelmäßige, behutsame Hinweise auf die vernachlässigte Seite geben, z. B.: „Können Sie die andere Hand sehen?“ oder „Schauen Sie bitte nach links/rechts.“
• Gegenstände gezielt in das vernachlässigte Gesichtsfeld legen, um die Wahrnehmung zu fördern.
• Den Patienten ermutigen, die vernachlässigte Seite aktiv einzubeziehen, etwa durch Übungen.
Förderung der Eigenwahrnehmung
• Berührungen auf der vernachlässigten Seite bewusst einsetzen, um die Wahrnehmung zu stimulieren.
Unterstützung bei der Körperpflege
• Die Körperpflege immer auf beiden Seiten ausführen, dabei besonders auf die vernachlässigte Seite achten.
• Den Patienten anleiten, sich bewusst auch um die betroffene Seite zu kümmern, etwa durch Berühren oder Waschen.
Positionierung und Mobilisation
• Den Patienten so positionieren, dass die vernachlässigte Seite nicht dauerhaft belastet oder in einer ungünstigen Position bleibt.
• Sitz- und Liegepositionen so gestalten, dass die betroffene Seite angeregt wird, z. B. durch visuelle Reize im entsprechenden Raumfeld.
Förderung der Aufmerksamkeit
• Sicherheit geben:
– in der ersten Zeit dem Betroffenen – zunächst – über die gesunde Seite nähern (Getränke, Ruftonanlage, Körperpflege, Kommunikation,…)
• später:
– Aktivitäten so gestalten, dass die vernachlässigte Seite nach und nach mehr einbezogen wird, z. B. beim Essen den Teller so drehen, dass die Nahrung auch auf der betroffenen Seite liegt
– während Gesprächen immer öfter gezielt die vernachlässigte Seite ansprechen
– wenn bereits einige Fortschritte sichtbar: Aufstellen des Nachttisches und der Gebrauchsgegenstände auf der betroffenen Seite
– Pflegebett so stellen, dass die Türe und das Eintreten von Personen über die betroffene Seite wahrgenommen werden müssen
– Ausführen immer mehr Aktivitäten von der betroffenen Seite, um sie dem Betroffenen oft bewusst zu machen
– zum Schluss werden alle Pflegemaßnahmen über die betroffene Seite ausgeführt, um eine Verbesserung der Raumwahrnehmung und der Bewegungsmöglichkeiten zu erzielen
– Dekubitusprophylaxe
– Kontrakturprophylaxe

ZUSÄTZLICH:
Einbeziehung von Angehörigen
• Angehörige informieren, wie sie den Betroffenen bei der Förderung der vernachlässigten Seite unterstützen können, etwa durch gezielte Ansprache oder Hilfestellung.
Zusammenarbeit mit TherapeutInnen
• enge Zusammenarbeit mit ErgotherapeutInnen, PhysiotherapeutInnen und LogopädInnen
• Spiegeltherapie
• sensorische Wahrnehmung fördern:
– vibratorisch: Vibrationen auf die Extremitäten der betroffenen Seite (= Basale Stimulation)
– taktil: bewusst Druck ausüben / Berühren / Streichen, um damit die betroffene Seite zu stimulieren

🪢 🧩💡 Erinnerungsknoten: Kann bei Neglect mit dem Bobath Konzept gearbeitet werden?💡🧩 🪢

⚠️ ACHTUNG! HOHES STURZRISIKO! ⚠️

Unterschied zwischen Neglect und Pusher-Symptomatik

NeglectPusher-Symptomatic
ist eine Qualitative Bewusstseinsstörungist eine Bewegungseinschränkung
ist eine Wahrnehmungsstörungist eine Störung der Haltungskontrolle
nimmt Körperhälfte nicht wahrsubjektive Verschiebung der Körpermittellinie (sozusagen der Körperlängsachse)
PP arbeitet auf der gelähmten Seite (Pflege, Mobilisation, Ansprache)PP arbeitet auf der gesunden Seite (Pflege, Mobilisation, Ansprache)
Pflegeziel: Wahrnehmung fördernPflegeziel: Wiedererlernen der Mittellinie

🪢 🧩💡 Erinnerungsknoten: Bewegungseinschränkung erkennen: Was ist die Pusher-Symptomatik?💡🧩 🪢

Gemeinsamkeiten Neglect und Pusher-Symptomatik
• Sowohl dem Neglect als auch der Pusher-Symptomatik liegt eine Störung der Hirnfunktion zugrunde.
• Bei beiden Störungen liegt typischerweise eine Hemiparese oder Hemiplegie vor, also eine Schwäche oder vollständige Lähmung einer Körperseite.
• Beide Störungen treten oft nach einem Schlaganfall auf.
• Bei beiden Störungen kann mit dem Bobath-Konzept sehr erfolgreich gearbeitet werden.

🪢 🧩💡 Erinnerungsknoten: s. Was ist der Unterschied zwischen Parese und Plegie? Was bedeutet der Zusatz „Hemi-„?💡🧩 🪢

Die 5 wichtigsten veränderten Wachheitszustände (Vigilanz) Komm32c

„Vigilanz“ bezeichnet die Wachheit eines Menschen – also den Grad der Reaktionsbereitschaft. Das ist eine einzelne Dimension bei der Beobachtung des Bewusstseins. Eine herabgesetzte Vigilanz heißt Vigilanzstörung. In der Klinik wird der Wachheitsgrad oft mit der Glasgow Coma Scale (GCS) festgestellt. 

Die hier genannten 5 veränderten Bewusstseinszustände werden zu den Quantitativen Bewusstseinsstörungen gezählt.

1. Hypervigilität / Hypervigilanz = Überwachheit
• allgemeine Aufmerksamkeit gesteigert
• Erleben einer besonders klaren Wirklichkeit
Ursachen: z.B. Einnahme von Amphetaminen
2. Benommenheit = leichteste Form der Bewusstseinsstörung
• Person ist schläfrig, aber ansprechbar
• verlangsamtes Denken und Handeln
• Person ist orientiert
Ursachen: z.B. Einnahme von Beruhigungs- und Schlafmitteln
3. Somnolenz = abnorme Schläfrigkeit
• Person ist stark schläfrig, aber durch Ansprache oder Berührung weckbar
Ursache: z.B. bei hohem Fieber, schwerer Erkrankung
4. Sopor = tiefer Schlaf
• Person ist nur durch Schmerzreize weckbar
Ursachen: z.B. Schlafmittelvergiftung, Ketoazidose
5. Koma = tiefe Bewusstlosigkeit
• nicht weckbar, auch nicht durch Schmerzreize
Ursachen: z.B. fortschreitende Ketoazidose

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Umgang mit scheinbar Bewusstlosen

Menschen können auch in tiefer Bewusstlosigkeit über ein elementares Bewusstsein verfügen. Selbst bei einer scheinbar tiefen Bewusstlosigkeit kann es sein, dass ein Patient Unterhaltungen, die im Zimmer stattfinden, nicht nur hört, sondern auch versteht. Pflegende behandeln Patienten daher unabhängig von deren Bewusstseinslage (Pflegemaßnahmen ankündigen und erklären).

🪢 🧩💡Erinnerungsknoten: nur im Notfall muss nicht informiert werden, s. Recht 💡🧩 🪢

Bewusstseinskontrolle im Notfall

🪢 🧩💡Erinnerungsknoten: s. Notfallcheck💡🧩 🪢

Störungen in der Orientierung

persönlich, zeitlich, örtlich und situativ

Das Delir komm33c

Delirium, Definition:
akute Verwirrtheit, qualitative Bewusstseinsstörung, vorübergehend. Auch „exogene Psychose“ und „Durchgangssyndrom“ (veraltet).

Dauer:
IdR ist die Dauer eines Deliriums auf maximal 8 Tage beschränkt, danach entwickeln sich die Symptome zurück.

Ein Delir kann sich in hyperaktiven Symptomen (z.B. Halluzinationen, erhöhte Reizbarkeit), in hypoaktiven Symptomen (z.B. Bewegungsarmut, Teilnahmslosigkeit) und in einer Mischform äußern.

Betroffene:
Rund 70% der Betroffenen sind älter als 65 Jahre.

Häufige Auslöser des Delirs:

  • Fieber (Fieberdelir)
  • Infektionen (Sepsis-assoziiertes Delir)
  • Operationen (Postoperatives Delir)
  • Narkosen
  • Intensivstationsdelirium (ICU-Delir)
  • Intoxikationen (medikamentenassoziiertes Delir)
  • Schlafentzug
  • chronische Schmerzen
  • Exsikkose
  • Stoffwechselentgleisung (metabolisches Delir, Hypoglykämie, Hyperglykämie)
  • Sauerstoffmangel (Hypoxisches Delir, z.B. aufgrund von Herzinsuffizienz oder schwerer Ateminsuffizienz)
  • Elektrolytstörungen (z.B. aufgrund von Herzinsuffizienz)
  • Alkoholentzug (Delirium tremens)
  • Benzodiazepin-Entzug (z.B. Psychopax)
  • Medikamente

Das Delir verläuft meist in zwei Hauptphasen, bevor es sich zurückentwickelt: das Prodromalstadium und das Vollbild.

Prodromalstadium

Im Prodromalstadium treten erste, oft subtile Anzeichen auf, die auf einen sich entwickelnden Verwirrtheitszustand hinweisen könnten. Diese Anzeichen können Stunden bis Tage vor dem eigentlichen Ausbruch des Delirs auftreten und umfassen typischerweise:

Unruhe oder Reizbarkeit
Leichte Desorientierung
Verändertes Schlafmuster
• Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen
Stimmungsschwankungen

Diese frühen Anzeichen werden oft übersehen oder als normale Alterserscheinungen abgetan, was besonders bei älteren Patienten zu einer verzögerten Reaktion führen kann.

Vollbild

Ist der Verwirrtheitszustand voll ausgeprägt, sind die Symptome deutlich schwerwiegender und beeinträchtigen die Betroffenen massiv:

Bewusstseinsveränderungen
Starke Desorientierung
Halluzinationen und Wahnvorstellungen
Schwere Aufmerksamkeitsstörungen
Agitation oder Lethargie
Veränderungen in Wahrnehmung und Reaktion
Schwankungen der Symptome

Metabolisches Delir

Ein metabolisches Delir ist ein akuter Verwirrtheitszustand, der durch eine Stoffwechselentgleisung entsteht. Typisch sind eine plötzlich auftretende Störung von Aufmerksamkeit, Bewusstsein, Orientierung und Denken. Ein Delir verläuft oft schwankend und ist bei rechtzeitiger Behandlung der Ursache rückbildungsfähig. Auslöser können zum Beispiel Flüssigkeitsmangel, Elektrolytstörungen, Blutzuckerentgleisungen, Sauerstoffmangel, Infektionen, Nieren- oder Leberfunktionsstörungen sein.

Die Pflege erkennt das metabolische Delir vor allem an plötzlicher Verwirrtheit, Aufmerksamkeitsstörung, Bewusstseinsveränderung und schwankendem Verlauf und unterstützt durch engmaschige Beobachtung und Vitalzeichenkontrolle, Sicherheit, Verwirrtheitsprophylaxe, Flüssigkeitsmanagement, Blutzuckerkontrolle und rasche Weitergabe von Veränderungen.

Pathogenese, Pathophysiologie

Stoffwechsel gerät aus dem Gleichgewicht → Gehirn wird nicht mehr ausreichend stabil mit Sauerstoff, Glukose, Flüssigkeit und Elektrolyten versorgt → Gehirn reagiert darauf sehr empfindlich → akute Gehirnfunktionsstörung mit Verwirrtheit, Aufmerksamkeitsstörung und Bewusstseinsveränderung

Kompetenz der Pflegeassistenz: Verwirrtheitsprophylaxe

Zur Verwirrtheitsprophylaxe gehören alle Maßnahmen zur Behandlung der Vorerkrankung, zum Beispiel das Einstellen des Blutzuckerspiegels bei einem Diabetiker.

Ziel: Zustand stabilisieren

Orientierung und Information geben
– in einfacher Sprache über die Behandlung informieren
– Informationen „portionieren“ und wiederholen
– räumliche Orientierung im Gebäude bieten
– zeitliche Orientierung durch Uhren und Kalender bieten
– keine komplexen Anweisungen

Sicherheit und Vertrauen geben
– Sicherheit vermitteln
– Ängste und Unsicherheiten erkennen und konkret erfragen
– gefährliche Gegenstände entfernen

Tag-Nacht-Rhythmus und Ruhephasen gewährleisten
– durch Beleuchtung, Aktivitäten und Ansprache

Reizüberflutung vermeiden
– ruhiges Zimmer

• Sturzprophylaxe

• Angehörige miteinbeziehen

• Interdisziplinäre Zusammenarbeit

• Einsatz einer Bezugspflege (eine Pflegeperson, die für die Betroffene zuständig ist)

Risikofaktoren für das Auftreten von Verwirrtheitszuständen, wie z.B. das eines Delirs, sind:

  • das Alter
  • kognitive Beeinträchtigung
  • verminderte Hirndurchblutung
  • chirurgische Eingriffe
  • Fieber
  • Schilddrüsenerkrankungen
  • Exsikkose
  • Hypoglykämie
  • Hyperglykämie
  • Herzinsuffizienz
  • Alkoholmissbrauch und allgemein Demenz
  • Leber- und Niereninsuffizienz

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Unterscheidung Delir und Demenz

Die wichtigsten Unterscheidungsmerkmale liegen im zeitlichen Beginn und in der auslösenden Ursache der Symptomatik. Entwickelt eine Patientin die Symptome beispielsweise im Rahmen eines fieberhaften Infekts oder unmittelbar nach einem operativen Eingriff, spricht dies mit hoher Wahrscheinlichkeit für ein Delir.

Weitere Unterscheidungsmerkmale:

DelirDemenz (Alzheimer)
Beginnakutschleichend
Verlaufschwankendstabil, chronisch fortschreitend
Dauermax. 8 TageJahre
Bewusstseingestört (zentrales Symptom!)
qualitative Bewusstseinsstörung
nicht gestört
kognitive Störung
Sprachegesteigerter oder verminderter Redeflussverarmt, Wortfindungsstörungen, Haftenbleiben, Wiederholung
Psychomotorikhyperaktiv/hypoaktiv/gemischtmeist unauffällig

🪢 🧩💡Erinnerungsknoten: So kannst du die Orientiertheit einer PatientIn testen💡🧩 🪢

Demenzielles Syndrom (Demenz)

• chronisch-progredienter Symptomkomplex: Symptome betreffen die kognitiven Fähigkeiten (Gedächtnis, Denk- und Urteilsvermögen, Affektkontrolle, Sprache)
• meist neurodegenerativ (Verschlechterung bis zum vollständigen Verlust der kognitiven Leistungsfähigkeit)

🪢 🧩💡Erinnerungsknoten: Pathologie: Demenz💡🧩 🪢

Die Unterscheidung zwischen einem demenziellen Syndrom und einem akuten Verwirrtheitszustand erfolgt anhand der Dauer der Störung. Im Vergleich zu einem akuten Verwirrtheitszustand steht beim demenziellen Syndrom nicht die Aufmerksamkeitsstörung im Vordergrund, sondern die Gedächtnis- und Orientierungsstörungen.

Unterschiedliche Demenz-Typen: Demenz vom Alzheimer-Typ, Lewy-Body-Demenz, Parkinson-Demenz, Frontotemporale Demenz, Vaskuläre Demenz (das Gefäß betreffend), Metabolische Demenz (Leberfunktionsstörungen), Alkoholdemenz (Korsakow-Syndrom)

🪢 🧩💡Erinnerungsknoten: Was ist eine Parkinson-Demenz?💡🧩 🪢

Die Alzheimer-Demenz

Die Alzheimer-Demenz, auch als Morbus Alzheimer bezeichnet, ist die häufigste Form der Demenz und macht etwa 60 bis 70 Prozent aller Demenzerkrankungen aus. Sie ist eine neurodegenerative Erkrankung, die durch den fortschreitenden Verlust von Nervenzellen im Gehirn gekennzeichnet ist.

Ursachen und Risikofaktoren
Die genauen Ursachen der Alzheimer-Demenz sind noch nicht vollständig geklärt.

Alter: Das Risiko steigt mit zunehmendem Alter, insbesondere ab 65 Jahren.
Genetische Veranlagung: Bestimmte genetische Faktoren können das Risiko erhöhen.

Symptome:
Frühstadium: Leichte Gedächtnisprobleme, Schwierigkeiten bei der Wortfindung und Orientierungsschwierigkeiten.
Mittleres Stadium: Deutliche Gedächtnisverluste, Verhaltensänderungen, Schwierigkeiten bei alltäglichen Aufgaben.
Spätstadium: Schwere kognitive Beeinträchtigungen, Verlust der Sprachfähigkeit, vollständige Pflegebedürftigkeit. 

🪢 🧩💡Erinnerungsknoten: Was ist der Unterschied zwischen Alzheimer Demenz und Vaskulärer Demenz?💡🧩 🪢

Postoperative Überwachungsparameter

  • Bewusstheit, Ansprechbarkeit, Orientierung
  • Postoperatives Delir
  • Blutdruck, Puls
  • Atmung
  • Körpertemperatur
  • Urinausscheidung, spätestens nach 8 h
  • Abdomen Stuhlausscheidung abhängig von OP, spätestens am 3. postop. Tag
  • Wundverband, Wunde
  • Drainagen
  • Gipsverband
  • Schmerzen
  • Laborkontrollen nch ärztlicher Anordnung, vor allem BB, Gerinnung, Elektrolyte, Blutgase, Blutzucker
  • weitere Kontrollen nach ärztlicher Anordnung, z.B. Röntgen, Sonografie, EKG

Hospitalismus

körperliche oder psychische Störungen, die durch längeren Krankenhaus- oder Heimaufenthalt und aufgrund von Reizarmut oder sozialer Isolation entstehen können.

BegriffErklärung
sun-downingSymptome verstärken sich gegen Abend oder in der Nacht
Qualität / qualitativAntwort auf die Frage nach dem „Wie?“
Quantität / quantitativAntwort auf die Frage nach dem „Wie viel?“ oder „Wie stark?“

Beitragsbild: @imagii, https://pixabay.com