Aufbereiteter Lehrinhalt, Unterrichtsfach: Grundzüge und Prinzipien der Akut- und Langzeitpflege inklusive Pflegetechnik (GKPF)
30.04.2026
Veränderungen der Körpertemperatur können auf Infektionen, Entzündungen oder andere gesundheitliche Probleme hinweisen. Werden diese rechtzeitig erkannt, ermöglicht das eine schnelle Intervention.
Das muss die Pflegeassistenz über die Körpertemperatur wissen:
➤ Wissen, welche Pflegemaßnahmen bei Patienten mit Hitzekollaps, Hitzschlag, Sonnenstich und Durstfieber zu setzen sind.
➤ Temperaturhöhe bei subfebriler Temperatur, leichtem Fieber, mäßigem Fieber, hohem Fieber und sehr hohem Fieber angeben.
➤ Die subjektiven und objektiven Begleitsymptome von Fieber kennen.
➤ Die drei Fieberphasen nennen und beschreiben.
➤ Die Begriffe Lysis und Krisis definieren.
➤ Umfassend Auskunft über die Pflege bei Fieber geben.
➤ Wissen, wann eine veränderte Schweißsekretion ein Alarmzeichen ist.
➤ Stellen nennen, an denen die Körpertemperatur gemessen werden kann.
➤ Unterschiedliche Thermometerarten kennen.
➤ Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung der axillären, sublingualen und rektalen Temperaturmessung beschreiben.
Körpertemperatur
Definition:
Die Körpertemperatur ist die Temperatur eines lebenden Körpers. Unter der Körpertemperatur versteht man idR die Körperkerntemperatur.
Die Vorgänge im Körper funktionieren nur in einem bestimmten Temperaturbereich richtig. Die Voraussetzung für den normalen Ablauf aller Lebensvorgänge ist die Temperatur.[4]
Definition Körperkerntemperatur:
Temperatur im Inneren des Rumpfs und des Kopfs. Liegt bei ca. 37°C.
Definition Körperschalentemperatur:
Temperatur an der Haut und den Gliedmaßen, die je nach Körperregion zwischen 28°C (z.B. Zehen, Finger) und 33°C (z.B. Stirn, Nacken) beträgt. Hängt stark von Außentemperatur ab und unterliegt daher größeren Schwankungen als die Kerntemperatur.
Die Regulierung der Körpertemperatur wird hauptsächlich durch den Hypothalamus, ein Steuerzentrum im Gehirn, kontrolliert. Er fungiert als eine Art „Thermostat“ des Körpers und sorgt dafür, dass die Körpertemperatur in einem physiologisch optimalen Bereich bleibt. An der Regulierung der Körpertemperatur beteiligt sind die Blutgefäße, die Schweißdrüsen, die Muskulatur, der Stoffwechsel und das Fettgewebe.
ℹ️ Mehr Infos zum Thema (Kommentar): Der Hypothalamus: Das Temperaturregulationszentrum ℹ️
Körpertemperatur Normwerte
Die physiologische Körperkerntemperatur liegt bei ca. 37 °C (bei rektaler Messung etwas höher als bei axillärer Messung). Ab einer Körperkerntemperatur über 38,0°C spricht man von Fieber (= ab 38,1°C bei rektaler Messung). Ab einer Kerntemperatur unter 35°C spricht man von Unterkühlung (= ab 34,9°C, bei rektaler Messung).
Schwankungen der Körpertemperatur
• Hypothermie
• Hyperthermie
• Fieber
Hypothermie: Unterkühlung
Definition:
Senkung der Kerntemperatur unter 35°C. Keine angestrebte Sollwertveränderung durch den Hypothalamus.
Achtung! Bei einer Körpertemperatur unter 30°C besteht Lebensgefahr!
🪢 🧩💡Erinnerungsknoten: Was ist eine künstlich herbeigeführte Hypothermie und wann wird sie als Maßnahme eingesetzt?💡🧩 🪢
Ursachen einer Hypothermie
• Langer Aufenthalt in kalter Umgebung, (z.B. in eisiges Wasser eingebrochen)
• Schwere Verbrennungen und Verbrühungen (Haut als Wärmeschutzbarriere fehlt)
• Große Flüssigkeitsverluste (z. B. bei einer schweren Magen-Darm-Blutung oder starkem Blutverlust nach einem schweren Unfall [Schock])
• Schlaganfall im Hypothalamus
• Künstlich erzeugte Hypothermie bei Herzoperationen (kontrollierte Hypothermie), z. B. bei einer Bypass-Operation
🪢 🧩💡Erinnerungsknoten: Welches System ist für die Regulation der Körpertemperatur mitverantwortlich?💡🧩 🪢
Interventionen und Beobachtungsmerkmale bei Hypothermie:
Ziel: Wiederherstellung der physiologischen Körpertemperatur
Erwärmung pro Stunde: max. 1°C (um eine Belastung des Kreislaufs zu vermeiden)
Notfall: Bei Veränderungen des Bewusstseins und Störungen der Vitalfunktion werden Patienten intensivmedizinisch betreut.
Erfrierungen Schweregrade
| Phase | Temp. rektal | Schweregrad | Beobachtungsmerkmale | Interventionen |
|---|---|---|---|---|
| I | 37-34°C („Erregung / Abwehr“) | Leichte Hypothermie | erhöhte Kälteabwehr durch: • Vasokonstriktion der Hautgefäße • Steigerung von Sauerstoffverbrauch, Puls und Blutdruck • Vermehrte Wärmeproduktion (Kältezittern) | Passives, externes Erwärmen durch: • Erhöhen der Raumtemperatur auf 26-29°C • Warme Decken • Warme Getränke |
| II | 34-27°C („Erschöpfung“) | Mäßige Hypothermie | • Fortschreitende Schmerzunempfindlichkeit • Puls- und Atemverlangsamung • Muskelstarre • Reflexabschwächung • Absinken des Energiestoffwechsels • Ab ca. 32°C Bewusstlosigkeit | Aktive, externe Erwärmung durch: • Intensivmedizinische Überwachung • Warme Infusionslösungen • Wärmematten, Heizdecken • Inkubator oder Wärmebett für Frühgeborene, Neugeborene und Säuglinge • Zentrale Wiedererwärmung mittels Hämodialyse- oder Hämofiltrationsgeräten (eigentlich zur Nierenersatztherapie) |
| III | 27-22°C („Lähmung“) | Schwere Hypothermie | Allmähliches Erlöschen aller autonomer Körperfunktionen bis hin zum Kältetod | s. Phase II (dieselben möglichen Maßnahmen) |
Kein aktives Erwärmen mit heißen Wärmequellen wie Heizstrahlern oder Wärmeflaschen bei Patienten mit Hypothermie! → oberflächliche Gefäßerweiterung mit Blutdruckabfall → Schock und Herz-Kreislauf-Versagen!
Im Alter kann es schon vor Erreichen der kritischen Körpertemperatur zu Herzversagen kommen. Besonders gefährdet sind herzkranke, alte, alleinstehende Menschen und Kinder.
Verhütung von Hypothermie: Raumtemperatur von 21°C
Kleidung: mehrere Schichten
Bei feuchter Kleidung: Wärme wird vom Körper weggeleitet – nach dem Bad gut abtrocknen, das Bad wärmen, Bettsocken, Kopfbedeckung, trockene Kleidung, Wärme
Erfrierungen
Definition:
Erfrierung = akuter Gewebsschaden durch Kälteeinwirkung infolge einer Mangeldurchblutung.
Die Körperwärme schützt lebenswichtige Organe. Bei einer Hypothermie wird weniger warmes Blut in die äußeren Körperregionen transportiert, um die Wärme im Körperinneren zu halten. Kühlen die Haut und die darunterliegenden Gewebe aus, steigt das Risiko für Erfrierungen. Bereits in einem frühen Stadium der Hypothermie ist das Risiko für Erfrierungen deutlich erhöht.
Die 4 Schweregrade von Erfrierungen
Erfrierung 1. Grades: Starke Rötung
Erfrierung 2. Grades: Ödem- und Blasenbildung (Gefäßschädigung)
Erfrierung 3. Grades: Nekrosen (Mangeldurchblutung)
Erfrierung 4. Grades: Koagulationsnekrosen („Gefrieren“ des Blutes)
Interventionen bei Patienten mit Erfrierungen lt. den Maßnahmen bei Hypothermie.
3.2. Hyperthermie: Erhöhte Körpertemperatur
Hyperthermie Defintion:
Hyperthermie ist eine erhöhte Körpertemperatur bei fehlender Möglichkeit zur Wärmeabgabe. Die Körpertemperatur steigt an, weil mehr Wärme zugeführt oder produziert wird, als abgegeben werden kann. Der Sollwert im Hypothalamus bleibt physiologisch normal: er verändert sich nicht wie bei Fieber.
Hyperthermie ≠ Fieber: Bei Hyperthermie sind fiebersenkende Maßnahmen sinnlos, da es sich nicht um Fieber handelt!
🪢 🧩💡Erinnerungsknoten: Welche Funktionen erfüllen die Blutgefäße? Welche Funktionen erfüllt das das Blut?💡🧩 🪢
Merke:
Keine Veränderung des Sollwerts im Hypothalamus: Hypothermie, Hyperthermie
Veränderter Sollwert im Hypothalamus: Fieber (≠ Hyperthermie!)
Das Temperaturregulationszentrum befindet sich im Hypothalamus.
ℹ️ Mehr Infos zum Thema: Der Hypothalamus: Das Temperaturregulationszentrum ℹ️
Die Ursachen einer Hyperthermie
• reduzierte oder fehlende Fähigkeit zu schwitzen
• hohe Umgebungstemperaturen, Hitze
• starke körperliche Aktivität
• erhöhter Stoffwechsel
• Nebenwirkung einer Narkose (maligne Hyperthermie)
Je nach Ursache werden unterschiedliche Formen der Hyperthermie unterteilt:
• Hotzekollaps
• Hitzschlag
• Sonnenstich
• Durstfieber
• Maligne Hyperthermie
Regulationsmechanismen:
Haut – Wärmeabgabe durch Schweiß
Schleimhaut – registriert und meldet Temperaturreize
Blutgefäße – Wärmeleitung durch Blutverteilung
Blut – Transport von Wärme von wärmeren zu kälteren Körperregionen
Skelettmuskulatur – Wärmeerzeugung durch Muskelzittern
endokrines System – Stoffwechselsteigerung durch Hormone
Sonnenstich
Ein Sonnenstich ist eine leichte Form der Hyperthermie. Es handelt sich um ein Krankheitsbild, das durch intensive Sonneneinstrahlung auf Kopf und Nacken entsteht. Es kommt zu einer Reizung der Hirnhäute, was bis zu einer Schwellung führen kann. Die Beschwerden treten nicht immer sofort auf, sondern können sich auch erst einige Stunden nach dem Sonnenaufenthalt bemerkbar machen.
Sonnenstich Symptome: heißer, geröteter Kopf, Kopf- und Nackenschmerzen bzw. Nackensteifigkeit, Schwindel, hochroter, kühle Körperhaut, Unruhe, Übelkeit, Erbrechen, Durst
🔗 Externer Link: Erste Hilfe Maßnahmen bei Sonnenstich, gesundheit.gv.at (Bundesministerium für Gesundheit) 🔗
Hitzekollaps
Ein Hitzekollaps ist eine Art der Hyperthermie. Er entsteht durch Dehydration aufgrund von starkem Schwitzen. Dadurch verliert der Körper Blutflüssigkeit, was die Durchblutung des Gehirns beeinträchtigt. Der Körper kann aber noch eine wirksame Kühlung betreiben.
Hitzekollaps Symptome: zu den oben genannten Symptomen bei Sonnenstich kommt hinzu gerötete, verschwitzte Körperhaut, Tachykardie, Schwäche
⚠️🚑 ERSTE HILFE MAßNAHME NOTWENDIG! Welche Maßnahmen setzt du bei einem Hitzenotfall? ⚠️🚑
Hitzschlag
Verglichen mit Sonnenstich und Hitzekollaps ist der Hitzschlag die schwerste Form der Hyperthermie. Es handelt sich um einen akuten, lebensbedrohlichen Notfall, der durch eine extreme Überhitzung des Körpers entsteht und zu Exsikkose führt. Ein Hitzschlag tritt auf, wenn die Körpertemperatur auf über 40 °C ansteigt und der Körper nicht mehr in der Lage ist, eine wirksame Wärmeregulation durch Schwitzen zu betreiben (der Körper stellt das Schwitzen ein). In schweren Fällen kann ein Hitzschlag infolge der Exsikkose in einen hypovolämischen Schock übergehen, der bis zum Koma führen kann. Unbehandelt kann ein Hitzschlag rasch zu Multiorganversagen und Tod führen.
Hitzschlag Symptome: zu den oben genannten Symptomen bei Hitzekollaps kommt hinzu Erhöhung der Körpertemperatur, heiße und trockene Haut, Schweißproduktion setzt aus, Krämpfe und Erbrechen, Müdigkeit und Erschöpfung, getrübtes Bewusstein, Halluzinationen, Koma
Ein Hitzschlag und ein Hitzekollaps unterscheiden sich vor allem in der Beeinträchtigung des Bewusstseins.
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Durstfieber
Durstfieber ist eine Art der Hyperthermie. Beim Durstfieber ist der Körper aufgrund von Flüssigkeitsmangel nicht in der Lage, überschüssige Wärme durch Schwitzen abzugeben. Dadurch steigt die Körpertemperatur an. Besonders gefährdet sind Säuglinge.
Maligne Hyperthermie
Die maligne Hyperthermie ist eine lebensbedrohliche Komplikation während einer Narkose, bei der die Körpertemperatur unkontrolliert ansteigt und Werte von über 42 °C erreichen kann.
🔗 Externer Link: Diese Sofortmaßnahmen setzt der Anästhesist bei Auftreten einer malignen Hyperthermie während der Narkose, doccheck.com
Pflegemaßnahmen bei Sonnenstich, Hitzekollaps und Hitzschlag:
• kühle Umgebung schaffen
• auf lockere, schweißdurchlässige Kleidung achten, ggf. Kleidung entfernen
• Bewusstsein kontrollieren
• Vitalzeichen überprüfen
• Oberkörper 30° hochlagern (reduziert den Druck im Kopf)
• kühle Getränke anbieten
• Kühlung durch feucht-kalte Umschläge oder Coldpacks (nicht direkt auf die Haut!)
• Flüssigkeitsbilanz anlegen
• bei Ohnmacht Beine hochlagern (Hitzekollaps = Blutdruckabfall infolge starker Vasodilatation. Fördert den Rückfluss zum Herzen.)
Pflegemaßnahmen bei Hitzschlag:
• bei Bewusstlosigkeit mit Atmung Stabile Seitenlage
• bei Bewusstlosigkeit ohne Atmung Reanimation
• bei starker Bewusstseinstrübung NICHTS zu trinken geben! Aspirationsgefahr!
Fieber
Definition:
Überschreitung der Körperkerntemperatur ab 38,1°C (bei rektaler Messung, darunter = subfebrile Temperatur). Ist eine Folge einer Veränderung des Soll-Werts im Temperaturregulationszentrum (Hypothalamus).
Fieber (lat. febris, griech. pyrexia) ist ein sinnvoller physiologischer Abwehrmechanismus des Körpers. Durch die Erhöhung der Körpertemperatur werden Abwehrprozesse beschleunigt und Erreger daran gehindert, sich auszubreiten. Fieber ist oft Symptom eines Infektes.
Fieber ≠ Hyperthermie
Fieber wird in verschiedene Schweregrade unterteilt (bei rektaler Messung):
• Subfebrile Temperatur: bis 38,0°C
• Leichtes Fieber: 38,1-38,5°C (Spanne 0,4°)
• Mäßiges Fieber: 38,6-39,0°C (Spanne 0,4°)
• Hohes Fieber: 39,1-39,9°C (Spanne 0,8°)
• Sehr hohes Fieber: ab 40,0°C
🔗 Externer Link: Einteilung – Fieber nach Thieme 🔗
Eine Körperkerntemperatur über 42°C führt zur Eiweißgerinnung im Körper ⇒ Tod.
Ursachen von Fieber:
Infektiöses Fieber: bei Infektionen (z.b. durch Bakterien oder Viren oder deren Giftstoffe). Wenn diese Giftstoffe (Toxine) in das Blut gelangen, spricht man von septischem Fieber. Typische Zeichen sind: Schüttelfrost, hohes Fieber bis etwa 40 °C.
Resorptionsfieber (aseptisches Fieber): nach Operationen, größeren Verletzungen oder Verbrennungen. Reaktion des Körpers auf die Aufnahme (Resorption) von Gewebetrümmern, Wundsekret oder Blutergüssen in die Blutbahn.
Respirationsfieber: nach Operationen, zwischen dem Operationstag und dem 10. postoperativen Tag kann auf eine postoperative Komplikation hinweisen, Ursachen: flache Atmung bedingt durch Schmerzen, Schonatmung oder die Nachwirkungen einer Narkose.
Zentrales Fieber: bei Schädigung des Temperaturregulationszentrums im Hypothalamus. Schädel-Hirn-Trauma, Schädeloperation oder Gehirnentzündung.
Toxisches Fieber: Reaktion des Organismus auf körperfremdes Eiweiß infolge von Bluttransfusionen und Impfungen. Wird auch durch Stoffe ausgelöst, die von maligen Tumoren gebildet werden.
Fieber unbekannter Ursache: Temperaturerhöhung über 37,5°C, die mindestens 3 Wochen anhält und nach einwöchiger stationärer Diagnostik weiterhin ungeklärt bleibt.
Begleitsymptome von Fieber:
Subjektiv:
• Allgemeines Krankheitsgefühl (Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Schwäche)
• Kopf- und Gliederschmerzen
• Empfindlichkeit gegenüber Licht und Geräuschen (veränderte Reizverarbeitung im zentralen Nervensystem)
• Durst
Objektiv:
• erhöhte Körpertemperatur
• beschleunigte Atemfrequenz (Tachypnoe) (erhöhter Sauerstoffbedarf, Atemfrequenz steigt um ca. 7 Atemzüge/min pro 1°C Temperaturanstieg)
• Tachykardie (pro 1°C – Pulsantieg um 8-12 bpm) zur Beschleunigung des Stoffwechsels
• trockene, belegte Zunge
• Obstipation
• Oligurie (verminderte Harnausscheidung)
• Schwitzen (500 ml pro 1°C Temperaturanstieg)
• Unruhe
• Schlafstörungen
• Appetitlosigkeit
Die Fieberphasen
Fieber verläuft in drei Phasen:
Phase 1: Fieberanstieg
Phase 2: Fieberhöhe
Phase 3: Fieberabfall
Fieberanstieg
• In dieser Phase erkennt der Körper Krankheitserreger (z. B. Viren oder Bakterien) – Immunzellen setzen Botenstoffe frei
• Temperaturregulationszentrum (Hypothalamus) erhöht Soll-Wert
Symptome
• Frösteln, Muskelzittern, Zähneklappern oder Schüttelfrost zur Wärmeproduktion
• Verstärkte Muskelarbeit und Stoffwechselaktivität steigern die Wärmebildung
• Kreislauf und Atmung sind beschleunigt (beschleunigte Atemfrequenz [Tachypnoe] – erh. Sauerstoffbedarf)
• Kalte, blasse Haut durch Gefäßengstellung (Vasokonstriktion)
• wichtiger Merksatz: siehe gelbe Box!
Fieberanstieg: hoher Energie- und Sauerstoffbedarf!
Pflege bei Fieberanstieg
• gehobenen Dienst benachrichtigen
• Flüssigkeitsbilanz anlegen
• Raumtemperatur erhöhen
• Patienten zudecken, evtl. Socken anziehen, Wärmflasche oder Heizdecke anbieten
• heiße Getränke anbieten
• regelmäßig Vitalzeichen kontrollieren
Fieberhöhe
• der Körper hat jetzt die neue Soll-Temperatur erreicht
Symptome
• Weitstellung der Gefäße (Vasodilatation)
• Haut: heiß, stark gerötet (= Vasodilatation), trocken (kein Schwitzen, weil hohe Solltemperatur nicht als „zu hoch“ erkannt wird)
• glasige Augen
• stark geschwächt
• Appetitlosigkeit
• Der Stoffwechsel bleibt erhöht, ebenso Puls- und Atemfrequenz (Wärmeproduktion)
• Erschöpfung
• Energiebedarf bleibt hoch
• hoher Energiebedarf und Immobilität erhöhen das Risiko für Komplikationen: z. B. Thrombose, Pneumonie, Dekubitus, Obstipation steigt
🪢 🧩💡Erinnerungsknoten: Was ist Exsikkose?💡🧩 🪢
Pflege bei Fieberhöhe
• Raumtemperatur senken
• Frischluftzufuhr ermöglichen, aber Zugluft vermeiden
• lockere Kleidung
• Decken entfernen
• kühlende Waschungen
• heiße und zimmerwarme Getränke anbieten
• fiebersenkende Wadenwickel
• fiebersenkende Körperwaschung
• fiebersenkende Arzneimittel nach Arztanordnung
• regelmäíge Vitalzeichenkontrolle (bei Diabetes regelmäßige Blutzuckerkontrolle)
• Exsikkosegefahr – ausreichende Flüssigkeitszufuhr
• Flüssigkeitsbilanz weiterführen
• auf Anzeichen einer Exsikkose achten und ggf. Arzt informieren
• Thromboseprophylaxe (Flüssigkeitszufuhr, passives Bewegen, ggf. medikamentöse Maßnahmen lt. ärztl. Verordnung)
• Obstipationsprophylaxe (Flüssigkeitszufuhr, passives Bewegen, ein Glas lauwarmes Wasser auf nüchternen Magen)
• Dekubitusprophylaxe (passives Bewegen, Positionierungen)
• Pneumonieprophylaxe (Hygiene, frische Luft, ASE)
• ggf. beim Positionieren helfen
• bei Fieber wird eine leicht verdauliche Kost empfohlen, die sich an den Prinzipien der leichten Vollkost orientiert. Zur Deckung des Energiebedarfs leicht verdauliche, fettarme, vitaminreiche, mineralstoffreiche und energiereiche Kost: z. B. leicht gesalzene Suppe (= auch ein zusätzlicher Flüssigkeits- und Mineralienlieferant, gleicht den Verlust von Mineralien durch Schwitzen aus), Zwieback, Honig, Reis- oder Kartoffelgerichte wie Kartoffelpüree. Eisenreiche Lebensmittel (z. B. Rindfleisch) helfen bei der Bildung von Hämoglobin, das Sauerstoff im Blut transportiert, Kohlenhydrate (z. B. Porridge) liefern Energie für den erhöhten Zellstoffwechsel bei Fieber.
• wichtiger Merksatz: siehe gelbe Box!
Exsikkosegefahr! Alte Menschen neigen bei Fieberhöhe zu Entgleisung des Wasserhaushalts.
Menschen mit Behinderungen können bei Fieberhöhe ebenfalls ein erhöhtes Exsikkose- bzw. Dehydratationsrisiko haben, wenn zusätzliche Risikofaktoren bestehen, zum Beispiel Schluckstörungen, eingeschränkte Mobilität, kognitive Einschränkungen, fehlende Möglichkeit, Durst mitzuteilen, Abhängigkeit von Assistenz beim Trinken, Medikamente.
🔗 Externer Link: Fiebersenkende Körperwaschung, draco.de 🔗
Fieberabfall
• In dieser Phase sinkt der Soll-Wert im Temperaturregulationszentrum (Hypothalamus) wieder auf ein physiologisches Niveau
• Zur Anpassung des Ist-Werts reagiert der Körper mit vermehrter Wärmeabgabe und Schwitzen:
– entweder langsam über mehrere Tage (Lysis) – wird in der Regel gut vertragen
– oder schnell innerhalb weniger Stunden (Krisis), geht mit Schweißausbrüchen und hoher Kreislaufbelastung einher (Kollapsgefahr!)
Fieberabfall Symptome
• Weitstellung der Gefäße (Vasodilatation)
• Haut: weiterhin heiß und gerötet (Vasodilatation) aber der Körper fängt an zu Schwitzen (Körper senkt Solltemperatur wieder und erkennt hohe Körpertemperatur jetzt als „zu hoch“ – Schwitzen ist ein Hinweis, dass der Körper weniger Wärme braucht)
Pflege bei Fieberabfall
• Flüssigkeitsbilanz weiterführen
• engmaschige Vitalzeichenkontrolle
• Bettwäsche und Kleidung bei Bedarf wechseln
• weiterhin kühle und warme Getränke anbieten
• bei starkem Schwitzen kühle Waschungen
• Haut gut abtrocknen (Hautfalten besonders berücksichtigen – Schwitzen!)
• zu den Prophylaxen kommt nun die Intertrigophylaxe dazu (Schwitzen)
• wichtiger Merksatz: siehe gelbe Box!
Kollapsgefahr! Die Mobilisation des Patienten nach dem Fieberabfall erfolgt zunächst nur in Begleitung der Pflegekraft.
🔗 Externer Link: Kühlende, fiebersenkende Waschung, praktischarzt.de 🔗
Schweiß
Definition:
farbloses, warmes, dünnflüssiges, großperliges Sekret der Schweißdrüsen in der Haut. Besteht zu 99% aus Wasser und zu 1% aus Natriumchlorid, Harnstoff, Milchsäure, Ammoniak, flüchtigen Fettsäuren, Kalium und sehr geringen Mengen Cholesterin.
Schweiß ist geruchsneutral. Eine unangenehme Geruchsbildung entsteht erst im Zuge von bakteriellen Zersetzungsprozessen, die oft in schlecht belüfteten Körperregionen (z.B. Achselhöhlen oder Leistenbeugen) oder unter luftundurchlässiger Kleidung ablaufen.
Kalter, klebriger, kleinperliger Schweiß ist ein sicheres Zeichen für eine hohe Kreislaufbelastung und weist auf eine akute Erkrankung hin. Kreislaufzustand kontrollieren und Arzt informieren!
Die Funktionen des Schweißes:
• Wärmeabgabe des Körpers
• Bildung eines Hydrolipidfilms (Wasser-Fett-Film) auf der Haut
• Ausscheidung von Stoffwechselendprodukten (Toxine)
Der pH-Wert von Schweiß:
4,2 – 7,0 (von deutlich sauer bis neutral)
Die Schweißbildung wird hauptsächlich vom vegetativen Nervensystem gesteuert. Sie ist nicht willentlich beeinflussbar und dient der Thermoregulation. Der wichtigste Reiz für die Schweißproduktion ist „Temperatur zu hoch“. Temperaturrezeptoren in der Haut und im Körperinneren melden die Erwärmung an den Hypothalamus (der den Sollwert vorgibt). Dieser aktiviert dann die Schweißdrüsen (wenn die Körpertemperatur vom Sollwert abweicht, also zu hoch ist).
Faktoren, die die Schweißproduktion beeinflussen:
• körperliche Anstrengung (z.B. Sport, Sex)
• Nahrungsaufnahme
• Flüssigkeitshaushalt
• emotionaler Stress
• Hormonhaushalt (Klimakterium)
• Medikamente
• Außentemperatur
• Luftfeuchtigkeit
Veränderung der Schweißsekretion
| Schweißveränderung | Definition | Physiologische Ursachen | Pathologische Ursachen |
|---|---|---|---|
| Hyperhidrosis | Gesteigerte Schweißsekretion | Angst, hohe Außentemperaturen, körperliche Anstrengung | z. B. Fieberabfall (warm und großperlig) |
| Hemihyperhidrosis | Gesteigerte Schweißsekretion einer Körperseite | – | Gelähmte Seite bei Hemiplegie, Enzephalitis |
| Hypohidrosis | Verminderte Schweißbildung | – | z. B. Exsikkose, Medikamente |
| Anhidrosis | Fehlende Schweißbildung | – | Erbkrankheit, Verbrennung |
| Bromhidrosis | Übel riechender Schweiß (bedingt durch bakterielle Zersetzung seiner Bestandteile) | Schlecht belüftete Körperstellen, Nahrungsmittel (z. B. Knoblauch) | Nierenerkrankungen (urinöser Geruch), Stoffwechselerkrankungen (fruchtähnlicher Geruch), Lungenerkrankungen (säuerlicher Geruch) |
| Nachtschweiß | Nächtlich-frühmorgendliche Schweißsekretion | – | Fortgeschrittene Lungentuberkulose, Klimakterium, Medikamente |
| Kaltschweißigkeit | Kalter, klebriger, kleinperliger Schweiß | – | Schock, schwere Kreislaufprobleme, akuter Schmerz (weist auf beginnenden Kollaps hin) |
Pflege bei stark schwitzenden Patienten:
• Flüssigkeitszufuhr, ggf. Infusionstherapie
• kühle Teilwaschungen oder lauwarme Ganzkörperwaschungen
• feuchte Lappen zum Abtupfen des Schweißes
• Intertrigoprophylaxe (Hautbeobachtung, Haut trocken halten, evtl. Kompressen)
• schweißreduzierende Waschung mit Salbeitee
🔗 Externer Link: Schweißreduzierende Waschung mit Salbeitee, primaveralife.com 🔗
Ermittlung der Körpertemperatur
Temperaturmessung immer unter gleichen Bedingungen durchführen:
• Gleiche Tageszeit
• Gleicher Messort
• Gleiche Messtechnik
Beachte:
• Keine Kälte- oder Wärmeanwendungen innerhalb 30 Minuten vor der Messung
• Keine Messung nach Aufregung oder Anstrengung (10-20 Min)
• Bei starken Abweichungen gehobenen Dienst informieren
5.1. Geeignete Körperstellen zur Temperaturmessung
• Gehörgang (tympanal)
• Mastdarm (rektal)
• unter der Zunge (sublingual)
• Mund (oral)
• Achselhöhle (axillär)
• Leistenbeuge (inguinal)
• Scheide (vaginal)
• Haut (dermal)
Die rektale Temperaturmessung gilt als Goldstandard, wenn es um die genaue Bestimmung der Körperkerntemperatur geht. Andere Messmethoden wie oral (unter der Zunge) oder axillär (unter der Achsel) weichen davon ab: Oral etwa um 0,3 bis 0,5 °C niedriger, axillär sogar bis zu 1 °C oder mehr. Tympanal-Messungen (im Ohr) können zuverlässig sein, wenn korrekt durchgeführt und das Thermometer gut positioniert ist, da sie die Temperatur des Trommelfells und damit der Nähe zum Hypothalamus erfassen.
Der höchste Temperaturwert wird bei rektaler Messung erreicht, die niedrigsten Werte treten typischerweise bei sublingualer oder axillärer Messung auf (um die 0,5°C weniger).
5.2. Techniken zur Temperaturmessung
Infrarot-Ohrtermometer: Messung erfolgt innerhalb von 1–3 Sekunden. Temperatur wird im äußeren Gehörgang gemessen. Die Temperatur ergibt sich aus der vom Trommelfell abgegebenen Infrarotstrahlung, welche der Temperatur im Körperinneren entspricht. Messhülle vor dem Messen auf den Messkonus aufsetzen!
🪢 🧩💡Erinnerungsknoten: Welche Art von Strahlung gibt jede Körperoberfläche mit Temperatur ab?💡🧩 🪢
Infrarot-Stirnthermometer: Das Messergebnis kann durch Schweißbildung, schlechte Durchblutung oder eine dickere Haut verfälscht werden.
Digitalthermometer: Quecksilberfreier, bruchsicher und wasserdichter Thermometer. Messung dauert 30–60 Sekunden.
Temperatursonde: elektronisches Thermometer zur kontinuierlichen Überwachung der Körpertemperatur. Findet Anwendung in der Intensivpflege oder während Operationen.
Fieber messen: Handlungsschema
Vorbereitung
- Funktionstüchtigkeit des Thermometers prüfen
- P/B informieren, ggf. Intimsphäre schützen
- Thermometer in Einmalschutzhüllen stecken
- nach Gebrauchsanweisung arbeiten
Durchführung
Axillare Messung:
- Achselhöhle trocknen
- Thermometerspitze in die trockene Achselhöhle legen
- Oberarm muss dicht am Oberkörper bleiben
- Unterarm über die Brust legen
Die axillare Messung ist ungeeignet, wenn P/B nicht kooperativ ist. Die Messung erfordert eine Aufmerksamkeitsdauer von 8–10 Minuten und liefert dazu ungenaue Werte. Wenn möglich auf andere Messmethode zurückgreifen.
Rektale Messung:
- Thermometer mit abgerundeter Spitze
- Thermometer mit Schutzhülle versehen
- Bauch- oder Seitenposition, notfalls Rückenposition
- Thermometerspitze mit leicht drehender Bewegung in den Darm einführen
- Messung erfolgt 3–5 Minuten lang
Bei unruhigen, verwirrten P/B das Thermometer festhalten – es besteht Verletzungsgefahr. Die rektale Messung verletzt die Intimsphäre. Es besteht die Gefahr der Keimverschleppung.
P/B mit Problemen im Enddarmbereich nicht rektal messen!
Gerne, hier ist der Text wortgetreu abgeschrieben:Sublinguale Messung
- Thermometer unter die Zunge legen
- Mund schließen lassen
- Messung erfolgt 5–8 Minuten lang
Verwirrte P/B nicht sublingual messen. Verletzungs- und Vergiftungsgefahr (wenn das Thermometer zerbissen wird). Vor der sublingualen Temperaturmessung keine heißen oder kalten Getränke geben (verfälscht den Wert). Eignet sich nicht für Menschen mit Fazialisparese.
Im-Ohr-Messung:
Messung innerhalb von 1 Sekunde.
Nachbereitung
- Temperatur ablesen
- Messwert und Besonderheiten dokumentieren
- P/B positionieren, evtl. beim Ankleiden unterstützen
- Desinfektion und Reinigung
Dokumentation
Messergebnisse an entsprechender Stelle im Dokumentationssystem dokumentieren. Besonderheiten wie Schwitzen oder Schüttelfrost werden ebenfalls notiert. Deutliche Abweichungen von der Norm sind auch dem gehobenen Dienst bzw. dem Arzt zu melden.
Bildquellennachweis: pixabay.com, @Gadini