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Pathologie: Erkrankungen des Urogenitaltraktes

Aufbereiteter Lehrinhalt


16.02.2026


PROSTATAERKRANKUNGEN

Definition:
Prostataerkrankungen sind Erkrankungen des Urogenitaltraktes und betreffen die Prostata (Vorsteherdrüse). Es handelt sich um krankhafte Veränderungen, die das Harn- und Fortpflanzungssystem beeinflussen.

Funktion der Prostata

🪢 🧩💡Erinnerungsknoten: Anatomie / Prostata💡🧩 🪢

Symptome, die bei allen Prostataerkrankungen auftreten

  • Miktionsprobleme:
    • Nykturie (nächtliches Wasserlassen)
    • Dysurie (erschwertes oder schmerzhaftes Wasserlassen)
    • Pollakisurie (häufiges Wasserlassen kleiner Mengen)
    • abgeschwächter Harnstrahl
  • Ejakulationsstörungen

Die Ursache dieser Beschwerden ist häufig eine Schwellung der Prostata, die zu einer Einengung der Harnröhre führt.

🪢 🧩💡Erinnerungsknoten: Störungen der Miktionshäufigkeit💡🧩 🪢

BENIGNE PROSTATAHYPERPLASIE

Pathogenese / Pathophysiologie

Die benigne Prostatahyperplasie (BPH) ist eine gutartige Vergrößerung der Prostata. Ursache ist ein vermehrtes Zellwachstum, das vor allem durch ein verändertes hormonelles Verhältnis zwischen Testosteron und Östrogen begünstigt wird. Mit zunehmendem Alter – dem wichtigsten Risikofaktor – kommt es zu hormonellen Veränderungen, die das Wachstum des Prostatagewebes stimulieren. Auch genetische Prädispositionen spielen eine Rolle.

Die Vergrößerung führt zur Einengung der Harnröhre und dadurch zu einer erschwerten Harnentleerung.

Symptome

  • Miktionsprobleme
  • Ejakulationsstörungen

Beides verursacht durch eine Schwellung der Prostata.

Im Spätstadium können Komplikationen auftreten, wie:

  • Harnwegsinfekte
  • Harnretention
  • Restharn
  • Blasensteine
  • Nierenfunktionsstörungen bis hin zur chronischen Niereninsuffizienz

Diagnostik

  • Anamnese
  • digitale rektale Untersuchung, bei der Größe und mögliche Knoten ertastet werden. Knoten können einen Tumorverdacht anzeigen.
  • Blutuntersuchung, umfasst die Bestimmung des PSA-Wertes. Dieser ist jedoch nicht spezifisch, da er auch bei Prostatitis oder Prostatakarzinom erhöht sein kann.
  • Sonografie
  • Restharnmessung

Therapie

konservativ / physikalisch / pflegerisch

  • Trinkmengenanpassung (abends weniger bei Nykturie)
  • kein Alkohol und kein Nikotin
  • keine harntreibenden Getränke
  • keine harntreibenden Medikamente
  • Katheter bei Harnretention

Bei akuter Prostatitis darf keine Prostatamassage erfolgen, da es zur Keimverschleppung kommen kann.

medikamentös

  • Alphablocker (muskuläre Entspannung des Harntrakts)
  • 5-Alpha-Reduktase-Hemmer (hemmen die Umwandlung von Testosteron)

operativ

Bei Therapieversagen erfolgt die Transurethrale Resektion der Prostata (TUR-P) als Goldstandard. Dabei wird über die Harnröhre Prostatagewebe mittels elektrischer Schlinge abgetragen.

Zunehmend werden auch Lasertherapien eingesetzt, bei denen das Gewebe ausgeschält oder verdampft wird.

PROSTATITIS

Pathogenese / Pathophysiologie

Die Prostatitis ist eine Entzündung der Prostata. Sie kann akut oder chronisch verlaufen. Man unterscheidet bakterielle und nicht bakterielle Formen. Bei der bakteriellen Prostatitis dringen Bakterien in das Prostatagewebe ein und vermehren sich. Häufige Erreger sind Escherichia coli und Enterokokken. Es kommt zu einer Entzündungsreaktion mit Vasodilatation, Einwanderung von Immunzellen, Schwellung und Druckanstieg der Drüse. Die nicht bakterielle Form ist meist multifaktoriell bedingt und kann neurogene, immunologische oder psychosoziale Ursachen haben (Stress).

Symptome

  • Miktionsbeschwerden
  • Ejakulationsstörungen
  • Schwellung
  • Schmerzen
  • Rezidive bei chronischem Verlauf

Diagnostik

  • Anamnese
  • digitale Untersuchung (Druckschmerz, Schwellung)
  • Temperaturkontrolle (bei akuter Form erhöht)
  • Blut: Entzündungszeichen, PSA-Wert
  • Urin: Leukozyten, Bakterien, Nitrit
  • Sonografie
  • Schmerzskala

🪢 🧩💡Erinnerungsknoten: Was sind Leukozyten?💡🧩 🪢

Therapie

bakteriell

  • Antibiotika
  • Schmerzmittel
  • ausreichende Flüssigkeit (bei Herz- oder Niereninsuffizienz Vorsicht)
  • Fiebersenkung
  • Katheter bei Harnretention
  • Wärmeanwendungen
  • Stressreduktion

nicht bakteriell

  • Schmerzmittel
  • Entzündungshemmer
  • Alphablocker bei Miktionsbeschwerden

PROSTATAKREBS

Pathogenese / Pathophysiologie

Das Prostatakarzinom entsteht durch zelluläre Entartung mit gesteigerter Zellteilung und verminderter Apoptose. Genetische Veränderungen spielen eine Rolle. Der Tumor entwickelt sich meist langsam aus den Drüsenepithelzellen der Prostata und ist häufig hormonabhängig. Es kann zur Ausbreitung auf umliegende Strukturen und zur Bildung von Metastasen kommen, beispielsweise in Samenblasen oder über die Lymphe.

Risikofaktoren

  • Alter
  • genetische Prädisposition
  • hormonelle Einflüsse
  • Lebensstil (Adipositas, Bewegungsmangel, Ernährung)

Symptome

Im Frühstadium ist das Prostatakarzinom häufig symptomlos. Später treten Schwellung, Miktionsbeschwerden und Ejakulationsstörungen auf.

Diagnostik

  • Anamnese
  • digitale Untersuchung (Knoten)
  • PSA-Wert
  • MRT
  • Transrektaler Ultraschall
  • Biopsie

🪢 🧩💡Erinnerungsknoten: Was ist ein MRT?💡🧩 🪢

Therapie

Die Therapie richtet sich nach Stadium, Aggressivität und Metastasierung.

operativ

  • vollständige Entfernung der Prostata ggf. mit Lymphknoten
  • laparoskopisch möglich

Weitere Therapieformen

  • Strahlentherapie
  • Hormontherapie
  • Chemotherapie
  • ggf. palliative Therapie

Die Pflege umfasst unter anderem Katheterversorgung bei Harnretention.

Niereninsuffizienz

Definition
eingeschränkte Funktion der Nieren, die zu einer verminderten Ausscheidung harnpflichtiger Substanzen sowie zu Störungen im Elektrolyt- und Säure-Basen-Haushalt führt. Zudem kann es zu endokrinen Dysfunktionen kommen und einer Reduktion der glomerulären Filtrationsrate.

Pathogenese / Pathophysiologie

akut: plötzlicher Abfall der Nierenfunktion (potenziell reversibel)
chronisch: langsame, irreversible Verschlechterung der Nierenfunktion, progredient fortschreitend, unbehandelt bis zur terminalen Niereninsuffizienz.

Ursachen:
häufig:
• Diabetes mellitus
• arterielle Hypertonie
weitere:
• Herzinsuffizienz
• nierenschädigende Medikamente
• Tumore
• Prostatahyperplasie

Symptome

akute Niereninsuffizienz:
• rasche Akkumulation harnpflichtiger Substanzen (Azotämie)
• Elektrolytstörungen
• Plötzlicher Abfall der Nierenfunktion

🪢 🧩💡Erinnerungsknoten: Was sind Elektrolyte und wofür braucht sie der Mensch?💡🧩 🪢

chronische Niereninsuffizienz:
• Ödeme
• Hypertonie
• Pruritus
• Muskelkrämpfe
• Störungen des Wasser- und Elektrolythaushalts
• metabolische Azidose

👉 Ein azetonartiger Atemgeruch spricht typisch für eine diabetische Ketoazidose bei starker Hyperglykämie. Er ist nicht typisch für eine Niereninsuffizienz. Bei Niereninsuffizienz riecht der Atem der Patientin eher urinartig oder ammoniakartig, manchmal fischig.

Durch die gestörte endokrine Funktion der Niere kommt es zu einer renalen Anämie infolge eines Erythropoetinmangels, was Fatigue verursacht.

📌 Merksatz
Fruchtig-süßlicher Atem → an Ketoazidose denken (Hyperglykämie)
Ammoniak-/urinartiger Atem → an Urämie denken (Niereninsuffizienz)

Diagnostik

Laborwerte:
• Serum-Kreatinin
• Harnstoff
• GFR-Bestimmung (glomeruläre Filtrationsrate, Untersuchung zur Einschätzung der Filterleistung der Niere)
• Elektrolyte
• Blutgasanalyse

Bildgebende Verfahren:
• Sonographie
• Doppler-Ultraschall
• CT/MRT bei unklarer Genese

Therapie

Akute Niereninsuffizienz:
• Korrektur von Volumenmangel oder Volumenüberladung (zu viel oder zu wenig Flüssigkeit im Körper?)
• Absetzen nephrotoxischer Medikamente

Chronische Niereninsuffizienz (konservativ):
• Behandlung der Grunderkrankungen (z. B. Diabetes, Hypertonie)
• Diuretika
• Phosphatbinder (phosphat-senkende Medikamente)
• Hormontherapie
• Korrektur des Säure-Basen-Haushalts

Dialyse:
• indiziert bei Urämie oder GFR < 15 ml/min

Ernährung:
• gesunde Ernährung mit moderater Proteinzufuhr

Pyelonephritis

Definition:
Entzündung des Nierenbeckens

Pathogenese / Pathophysiologie

  • entsteht sie durch eine bakterielle Infektion, bei der Keime aus der Blase über die Harnleiter ins Nierenbecken gelangen
  • seltener kommen Bakterien über das Blut in die Nieren

Symptome

akute Pyelonephritis: Fieber und Schüttelfrost, Dysurie/Pollakisurie, Flankenschmerzen/Rückenschmerzen
• chronische Pyelonephritis: Müdigkeit/Abgeschlagenheit, subfebrile Temperatur, Nausea/Emesis, Gewichtsabnahme, Pollakisurie, progrediente Niereninsuffizienz

Diagnostik

• klinisch: Anamnese (z.B.: Fieber, Flankenschmerzen, Nausea/Emesis) und körperliche Untersuchung (Abtasten des Abdomens)
• Labor: Urinstatus (Leukozyten, Nitrit), Urinkultur mit Erreger- und Resistenztestung, Blutkulturen bei schweren Verläufen
• Bildgebung: Sonographie der Niere/Urogenitaltrakt, Kontrastmittel, gestütztes CT bei Verdacht auf Abszess

Therapie

In der Regel antibiotische Therapie. In schweren Fällen intravenöse Breitspektrumantibiose inkl. Dauerkatheter.

Nephrolithiasis

Definition:
– Auftreten von Harnsteinen (Konkrementen) im Nierenhohlsystem
– Unterform der Urolithiasis

Pathophysiologie / Pathogenese

Multifaktorielle Kristallbildung durch Übersättigung des Urins mit steinbildenden Substanzen.
Risikofaktoren:
• geringe Trinkmenge
• genetische Prädisposition
• Infekte
• Hyperkalziurie
• oxalatreiche Ernährung (z.B. Kakao, dunkle Schokolade, Schwarzer Tee)

Symptome

• oft asymptomatisch
• bei Steinabgang: kolikartige Flankenschmerzen, Harndrang, Blut im Urin

Diagnostik

• Sonographie
• CT
• Labor: Nierenwerte, Entzündungsparameter, Elektrolyte, Urinstatus, ggf. 24-h-Sammelurin und Steinanalyse

Therapie

endoskopische Steinentfernung

Nierenzellkarzinom

Definition
Maligner Tumor der Nierenzellen; häufigster bösartiger Nierentumor.

Pathogenese / Pathophysiologie

• meist sporadisch
• Risikofaktoren: Rauchen, Adipositas, Hypertonie
• defektes VHL-Gen; dadurch fehlt eine wichtige Wachstumsbremse – der Tumor kann schneller wachsen

Symptome

• lange symptomlos
spät:
• Blut im Urin
• Flankenschmerz
• Gewichtsverlust
• Anämie
• Krampfadern am Hoden

Diagnostik

• Sonographie
• CT/MRT
• Labor: Blutbild, Calcium, Nierenwerte

Therapie

• operative Tumorentfernung (einzige kurative Option), ggf. systemische

Zystitis

Definition:
Entzündung der Harnblase.

Pathogenese, Pathophysiologie

Hauptsächlich entsteht sie durch eine bakterielle Infektion über die Harnröhre, vor allem Bakterien aus der eigenen Darmflora (E. coli). Die Infektion erfolgt selten auch über das Blut. Nicht-infektiöse Ursachen können radiogene/chemische Reize (Bestrahlung, Toxine) sein.

Symptome

Leitsymptome: Algurie (mit Schmerzen oberhalb der Symphyse während der Miktion).
Weiters: Nykturie, Pollakisurie, schmerzhafte Krämpfe der Blasenmuskulatur, Blut im Urin, Dranginkontinenz

Diagnostik

• Anamnese
• Urinschnelltest
• Urinkultur
• Antibiogramm bei wiederkehrenden Entzündungen

Therapie

• Antibiotika
• ausreichende Flüssigkeitszufuhr
• regelmäßige Blasenentleerung
• Wärmetherapie

Wird die Zystitis nicht behandelt, können die Bakterien von der Blase über die Harnleiter nach oben in die Nieren wandern und zu einer Pyelonephritis führen.

Urothelkarzinom

Definition
Maligner Tumor des Urothels, meist der Harnblase.

Pathogenese / Pathophysiologie

• multifaktoriell
Hauptrisikofaktor: Rauchen, außerdem chronische Reizung/Entzündung

Symptome

• Leitsymptom: Blut im Urin
• später Dysurie

Diagnostik

• Urinstatus
• Untersuchung des Urins auf auffällige oder entartete Zellen (Urinzytologie)
• Sonographie
• Blasenspiegelung (Zystoskopie)
• CT-Urographie

Therapie

• nicht invasiv: Entfernung des kranken Gewebes
• invasiv: Entfernung der Harnblase (Zystektomie), Chemotherapie, Immuntherapie

Inkontinenz

Definition

ist eine Funktionsstörung des Urogenitaltraktes. Jeder unwillkürliche Abgang von Urin und/oder Stuhl bei Menschen ab dem 6. Lebensjahr wird als Inkontinenz bezeichnet. Kann physische, neurologische, psychische und soziale Ursachen haben. Soziale deshalb, da Inkontinenz auch durch die Lebensumstände verursacht werden kann (z.B. keine Toilette in der Nähe oder Zeitdruck bzw. Arbeitsbedingungen).

Pathogenese / Pathophysiologie

entsteht durch Störungen im Zusammenspiel von Blase, Schließmuskel, Beckenboden und nervaler Steuerung.

Für Kontinenz müssen drei Systeme funktionieren:

  • Blasenfunktion (Speicherung & Entleerung)
  • Verschlussmechanismus (u.a. Beckenboden)
  • Nervale Kontrolle

👉 Kommt es hier zu einer Störung → unwillkürlicher Harnverlust

Risikofaktoren

• ab 50. Lebensjahr, z. B. Veränderung der Blase
• kognitive Einschränkungen, z. B. Demenz
• Immobilität
• Erkrankungen, z. B. Schlaganfall, Multiple Sklerose, Morbus Parkinson, Diabetes
• Harnwegsinfektionen
• Medikamente, z. B. Diuretika, Neuroleptika
• Obstipation

Auch Obstipation kann eine Rolle bei Inkontinenz spielen.

Spezielle Risikofaktoren bei Frauen

• starke Belastung des Beckenbodens durch viele Schwangerschaften und vaginale Entbindungen
• Verletzungen bei der Geburt, z. B. Dammschnitt
• Wechseljahre (Klimakterium)
• Übergewicht
• Gebärmutterentfernung (Hysterektomie) und Prolaps-Operationen (Vorfall eines Organs durch eine Öffnung)
• sexuelle Gewalt

Diagnostik

• Miktionsprotokoll
• körperliche Untersuchung
• Urinstatus
• Sonographie (Restharnbestimmung)
• Stresstest (Hustentest)
• Blasenspiegelung (Zystoskopie)

Formen von Inkontinenz:
• Stress- bzw. Belastungsinkontinenz (Druckverlust, z.B. beim Husten, Fokus: gestörte Verschlussfunktion)
• Dranginkontinenz (plötzlicher, kaum unterdrückbarer Harndrang, Fokus: Blasenüberfunktion)
• Mischinkontinenz
• Extraurethrale Inkontinenz (Umgehungsverlust, z.B. über eine Fistel anstatt über die Harnröhre)
• Inkontinenz bei chronischer Harnretention (tröpfelnder Harnverlust bei voller Blase)

Stress- oder Belastungsinkontinenz

Definition
Unwillkürlicher Harnabgang aufgrund einer eingeschränkten Funktionsfähigkeit des Verschlussapparats der Harnblase (z.B. beim Husten).

Pathogenese / Pathophysiologie

Der Verschluss der Harnröhre funktioniert nicht ausreichend.
Ursachen:
• Schwäche des Beckenbodens
• verminderte Funktion des Schließmuskels

Stressinkontinenz Grade

• richtet sich nach der körperlichen Belastung
• offizielle EAU Klassifikation von Stressinkontinenz nach Stamey und Ingelman-Sundberg (European Association of Urology)

Stressinkontinenz Grad I: unwillkürlicher Urinverlust bei schwerer körperlicher bzw. abdomineller Belastung, z.B. Heben, Husten
Stressinkontinenz Grad II: unwillkürlicher Urinabgang bei leichter körperlicher Belastung (z.B. Aufstehen)
Stressinkontinenz Grad III: unwillkürlicher Urinabgang ohne Abhängigkeit von körperlichen Belastungen, kann auch im Liegen auftreten

Diagnose

Fokus: mechanische Schwäche

• Hustentest (Urinverlust bei Druckanstieg)
• Untersuchung Beckenboden
• Pad Test
👉 Ziel: Schwäche des Verschlussmechanismus nachweisen

Der Pad-Test ist keine rein pflegerische Maßnahme, sondern wird auch diagnostisch in der Medizin verwendet (nicht Goldstandard). Er dient der Messung des Urinverlusts → also zur Objektivierung. In der Pflege kann er beobachtend eingesetzt werden.

🪢 🧩💡Erinnerungsknoten: Wie läuft der Pad-Test ab und welche Klassifikation wird verwendet?💡🧩 🪢

Spezielle Risikofaktoren für Stressinkontinenz

• Schwangerschaft und Geburt
• erhöhter Bauchdruck (auch Obstipation kann eine Rolle spielen, Operationen)
• ansonsten siehe Risikofaktoren Inkontinenz

Symptome

• Urinverlust bei Druck auf den Bauchraum (Niesen, Husten, Lachen, Heben)
• unwillkürlicher Harnabgang

Therapie

Fokus: Stabilisierung des Verschlusses

  • konservativ: Beckenbodentraining (Goldstandard)
  • medikamentös: Antidepressiva, SNRI Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (können den Verschlussdruck der Harnröhre erhöhen)
  • operativ: bei Versagen konservativer Therapie, Band – Harnröhre wird mit einem Band oder Tape stabilisiert

Dranginkontinenz

Definition
plötzlicher, kaum unterdrückbarer Harndrang.

Pathogenese / Pathophysiologie

Motorische Dranginkontinenz: Häufig bei neurologischen Erkrankungen wie z.B.: Morbus Parkinson.
Sensorische Dranginkontinenz: Nicht unterdrückbarer Harndrang bei kleinem Urinvolumen. Oft durch Tumore, Steine oder Entzündungen verursacht.

Symptome

• plötzlicher Harndrang
• unkontrollierter Urinverlust
• Pollakisurie
• Nykturie

Diagnose

Fokus: Blasenüberaktivität

• Miktionsprotokoll (häufiges Wasserlassen, kleine Mengen)
• Urinuntersuchung (Infekt ausschließen)
👉 Ziel: überaktive Blase erkennen

Therapie

Fokus: Beruhigung der Blase

• konservativ: Blasentraining
• Medikamente: Anticholinergika (hemmen die Wirkung des Neurotransmitters Acetylcholin, wirkt beruhigend auf die Blase)
• ggf. Botulinumtoxin (hilft, den Blasenmuskel zu entspannen und ungewollte Blasenkontraktionen zu verringern)
• ggf. Neuromodulation (hilft, die Nerven, die die Blase steuern, durch elektrische Impulse zu beruhigen)

Mischinkontinenz

Definition:
Ist eine Form der Inkontinenz, bei der sowohl Merkmale der Stressinkontinenz als auch der Dranginkontinenz auftreten.

Diagnose

Fokus: Kombination beider Mechanismen

• Diagnostik wie oben kombiniert
• Gewichtung: welcher Anteil dominiert?
👉 Ziel: führende Komponente identifizieren

Therapie

Fokus: Behandlung der dominanten Komponente

🪢 🧩💡Erinnerungsknoten: Nenne Maßnahmen der Inkontinenzprophylaxe💡🧩 🪢

Urethritis

Definition:
Entzündung der Urethra.

Pathophysiologie, Pathogenese

Es kommt zur Entzündung der Harnröhrenschleimhaut und führt zu brennenden Schmerzen bei der Miktion.

Die häufigste Form ist die infektiöse Urethritis durch sexuell übertragbare Erreger. Die häufigsten Erreger sind:
• Chlamydia trachomatis (Chlamydien)
• Neisseria gonorrhoeae (Gonorrhö-Bakterien)
Nicht-infektiöse Ursachen:
• Blasenkatheter
• Irritation durch Seifen oder Gels

Symptome

• Pruritus
• Algurie
• Ausfluss
• Rötung des Harnröhreneingangs
• Pollakisurie

Diagnostik

• Anamnese nach typischen Symptomen
• Inspektion der Harnröhrenöffnung auf Rötung
• Abstrichnahme bei Ausfluss
• Urinstatus

5. Therapie

• Antibiotika
• viel Wasser oder ungesüßte Tees trinken (um die Keime auszuspülen)
• Verzicht auf Geschlechtsverkehr bis zur vollständigen Ausheilung

Urolithiasis

Definition:
Vorkommen von Harnsteinen in den gesamten ableitenden Harnwegen (Ren bis Urethra).

Pathogenese / Pathophysiologie

Kristallisation überschüssiger Substanzen im Urin (z. B. Calcium, Harnsäure, Oxalat). Begünstigt durch metabolische Störungen, Infekte, Harnstau, anatomische Anomalien und Dehydratation.

Symptome

• symptomatisch bis zur Obstruktion
• Leitsymptom: Harnleiterkolik mit stärksten, wellenartigen Schmerzen, oft mit Nausea/Emesis
• häufig Blut im Urin (Hämaturie)

Diagnostik

• Urinstatus
• Untersuchung des Urins unter dem Mikroskop, um feste Bestandteile zu erkennen (Sediment)
• Labor (Calcium, Harnsäure)
• Bildgebung: Sonographie oder CT
• Steinanalyse bei Abgang

Therapie

akut: Analgesie (v. a. Metamizol, NSAR). Spontanabgang bei < 5 mm möglich. Bei Komplikationen Harnableitung (Schiene, Nephrostomie)
Definitiv: Zertrümmerung des Steins durch Stoßwellen (Stoßwellentherapie, ESWL), bei kleinen Steinen endoskopische Untersuchung von Blase, Harnleiter und Niere über die Harnröhre (Ureterorenoskopie), bei großen Steinen kleiner Schnitt in die Flanke und Zertrümmerung direkt in der Niere (PNL)

Harnabflussstörungen (obstruktive Uropathie)

Definition
gestörter Harnabfluss durch mechanische oder funktionelle Obstruktion der ableitenden Harnwege.

Pathophysiologie / Pathogenese

Ursachen u. a. Steine (v. a. bei Urolithiasis), Tumoren, Prostatahyperplasie, Verengung. Führt zu Harnstau, aufgedehntem Nierenbecken und Nierenversagen.

Symptome

• Miktionsstörungen (Oligurie bis Anurie)
• Flanken- oder Leistenschmerz
• rezidivierende Harnwegsinfekte

Diagnostik

• Anamnese
• Sonographie von Nieren und Blase
• ggf. CT/MRT oder Röntgenuntersuchung der Harnwege mit Kontrastmittel (Urogramm)

Therapie

ursachenbezogen: endoskopische oder chirurgische Entlastung, Stent, Katheter oder Urostoma

Definition
Durch sexuellen Kontakt übertragene Infektionskrankheiten, häufig asymptomatisch

Pathogenese / Pathophysiologie

Übertragung bakterieller, viraler oder parasitärer Erreger über Schleimhäute und Körperflüssigkeiten.

Symptome

• Ausfluss
• Ulzera
• Entzündungen
• oder fehlende Symptome

Diagnostik

erregerabhängig: Bluttests, Abstriche, PCR

Therapie

erregerspezifisch: Antibiotika oder Virostatika, ggf. Partnerbehandlung

Sehr wichtig: fett markiert

BegriffErklärung in einfacher Sprache
afferentzum Organ oder zum Gehirn hinführend
AkkumulationAnsammlung von Stoffen
Alguriebrennender Schmerz beim Wasserlassen
AlphablockerMedikament zur Entspannung der Harnwegs-Muskulatur
AnalgesieSchmerzbehandlung
AnämieBlutarmut
AnamneseKrankengeschichte eines Patienten
Anuriekeine Urinproduktion
AntibiotikumMedikament gegen Bakterien
Apoptosenatürlicher programmierter Zelltod
asymptomatischohne Beschwerden
Azidose (metabolische)Übersäuerung des Blutes
Benigngutartig
BiopsieEntnahme einer Gewebeprobe
ChemotherapieKrebsbehandlung mit Medikamenten
Dialysekünstliche Blutreinigung
digitale UntersuchungAbtasten
Diuretikaharntreibende Medikamente
Doppler-UltraschallUltraschall zur Durchblutungsmessung
DysfunktionFehlfunktion
Dysurieschmerzhaftes Wasserlassen
ElektrolytMineralstoff im Blut
EndokrinHormone betreffend
EnterokokkenDarmbakterien
Escherichia coli (E. coli)Darmbakterium
GeneseEntstehung
HämaturieBlut im Urin
HarnretentionHarnverhalt
Hypovolämievermindertes Blutvolumen
ImmunzellenAbwehrzellen
indiziertmedizinisch notwendig
InsuffizienzFunktionsschwäche
kardiovaskulärHerz und Gefäße betreffend
KatheterSchlauch zur Ableitung
laparoskopischminimalinvasive Operation
Leukozytenweiße Blutkörperchen
LympheGewebsflüssigkeit
malignebösartig
metabolischden Stoffwechsel betreffend
Metastasenmehrere Tochtergeschwülste
MiktionWasserlassen
MRTMagnetresonanztomografie
multifaktoriellmehrere Ursachen
Niereninsuffizienzeingeschränkte Nierenfunktion
NitritHinweis auf Bakterien im Urin
NSARbestimmte Schmerzmittel ohne Kortison, Nicht-steroidale-Antirheumatika
Nykturienächtliches Wasserlassen
ObstruktionVerschluss
Oligurieverminderte Urinmenge
palliativlindernd, nicht heilend
PathogeneseKrankheitsentstehung
Pathophysiologiekrankhafte Funktionsabläufe
PCRgenetischer Erregernachweis
Pollakisuriehäufiges Wasserlassen kleiner Mengen
progredientfortschreitend
Prostatahyperplasiegutartige Prostatavergrößerung
ProstatasekretFlüssigkeit der Prostata
pruritusJuckreiz
PSAProstata-Blutwert
Reizblaseüberaktive Blase
renaldie Niere betreffend
Restharnverbleibender Urin
rezidivWiederauftreten
SonografieUltraschall
SpermienSamenzellen
StentRöhrchen zur Offenhaltung
StrahlentherapieBestrahlungsbehandlung
systemischden ganzen Körper betreffend
terminalEndstadium
UlkusGeschwür
UrämieVergiftung durch harnpflichtige Stoffe
UreterHarnleiter
UrethraHarnröhre
UrogenitaltraktHarn- und Geschlechtsorgane
VasodilatationGefäßerweiterung
vesica urinariaHarnblase
VirostatikumMedikament gegen Viren
ZystektomieEntfernung der Harnblase
ZystoskopieBlasenspiegelung

Bild: ©pixabay, @VSRao