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Grundsätze der professionellen Pflege & Sozialbetreuung als Beruf

Aufbereiteter Lehrinhalt


25.03.2026


Pflege und Betreuung von Menschen mit körperlichen oder geistigen Einschränkungen setzt eine menschenwürdige und ethisch fundierte Betreuung voraus. Indem Menschenbilder, Grundrechte und ethische Werte sowie kulturelle, soziale und religiöse Unterschiede zur inneren Haltung werden, können Sozialbetreuer jedem Menschen mit dem gleichem Respekt begegnen und ihn individuell betreuen.

Das Fach Grundsätze der professionellen Pflege ist das Fundament der pflegerischen Arbeit. Es vermittelt die Kompetenzbereiche und -grenzen der Sozialbetreuung und ermöglicht eine moralisch-ethische Herangehensweise.

Der Berufsausweis

Alle Vetrter von Gesundheitsberufen benötigen für ihre Approbation einen gültigen Berufsausweis. Der Berufsausweis weist die Qualifikationen zur Ausübung des jeweiligen Gesundheitsberufs nach.

Die Pflegeassistenz erhält den Berufsausweis für Pflegeassistenzberufe, ausgestellt durch das Gesundheitsberuferegister (GBR). Die Grundlage dafür ist das Gesundheits- und Krankenpflegegesetz (GuKG). Der Berufsausweis bestätigt die Berechtigung zur Ausübung der Pflegeassistenz im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben.

Die FachsozialbetreuerIn erhält keinen eigenen Berufsausweis über das Gesundheitsberuferegister, da dieser Beruf nicht unter das GuKG fällt. Stattdessen erfolgt die Anerkennung über das jeweilige Sozialbetreuungsberufegesetz SozBB und landesrechtliche Vorschriften. Sie hat jedoch aufgrund ihrer Ausbildung den Berufsausweis für Pflegeassistenzberufe.

Die Diplom-SozialbetreuerIn erhält ebenfalls keinen eigenen Berufsausweis durch das Gesundheitsberuferegister, sondern ein Diplom laut Qualifikation über das SozBB.

Pflegeethik

Die Pflegeethik ist ein Bereich der angewandten Ethik, der sich mit moralischen Fragestellungen (Werten und Normen) in der Pflegepraxis befasst.

Sie beschäftigt sich mit den Rechten, Pflichten und Verantwortlichkeiten von Pflegekräften gegenüber Patienten, Angehörigen, Kollegen und der Gesellschaft. Dabei steht das Wohl des Pflegebedürftigen im Mittelpunkt.

Die vier ethischen Grundprinzipien nach Beauchamp und Childress:

• Fürsorge (Benefizienz)
• Autonomie
• Nicht-schaden (Non-Malefizienz)
• Gerechtigkeit

🫏 Eselsbrücke: FANG 🫏

Gerne beschreibe ich die vier ethischen Grundprinzipien der Pflege und gebe zu jedem Prinzip ein Beispiel:

Fürsorge (Benefizienz)
Die Pflegende fördert und hilft PatientInnen. Sie handelt mitfühlend, lindert Leiden und verbessert die Lebensqualität der Betroffenen.
Beispiel: Eine Pflegekraft nimmt sich Zeit, um einer demenzkranken Bewohnerin täglich in Ruhe bei der Körperpflege zu helfen, auch wenn es länger dauert, weil sie dadurch Sicherheit und Vertrauen erfährt.

Autonomie
Die Pflegende achtet und unterstützt die Selbstbestimmung der betreuten Menschen. Pflegebedürftige sollen über ihre Pflege und Behandlung informiert entscheiden können.
Beispiel: Ein Patient mit fortgeschrittener Erkrankung entscheidet sich gegen eine künstliche Ernährung. Die Pflegekraft respektiert diese Entscheidung, obwohl sie persönlich anderer Meinung ist.

Nicht-Schaden (Non-Malefizienz)
Die Pflegende wählt bei Maßnahmen das gelindere Mittel, das den wenigsten Schaden zufügt.
Beispiel: Eine Pflegeperson verzichtet auf die Gabe eines starken Schmerzmittels, das zwar kurzfristig Linderung bringt, aber beim betagten Patienten gefährliche Nebenwirkungen wie Atemdepression verursachen könnte.

Gerechtigkeit
Die Pflegende teilt die Ressourcen unter allen Bedürftigen gerecht auf. Merkmale wie Alter, Geschlecht, Nationalität, Sexualität, sozialer Status spielen dabei keine Rolle.
Beispiel: Zwei Patientinnen benötigen gleichzeitig Hilfe beim Waschen. Die Pflegekraft beurteilt den Bedarf sachlich und unterstützt zuerst diejenige, die sich aktuell gar nicht allein helfen kann, unabhängig von Sympathie oder Dringlichkeitsgefühl der anderen.

8.1. Die Handlungsfelder der Pflegeethik

  • Pflegepraxis
  • Pflegepädagogik
  • Pflegemanagement
  • Pflegewissenschaft

8.2. Verantwortung in der Pflege

Verantwortung bedeutet, dass die Pflegeperson nicht nur für etwas (z.B. ihr Handeln), sondern auch gegenüber jemandem (z.B. dem Patienten) verantwortlich ist und sich vor einer urteilenden Instanz zu rechtfertigen hat. Die Schnittstellen, die den Verantwortungsbegriff definieren, sind der Patient und das Recht.

9. Der ICN-Ethikkodex für Pflegende

Berufskodex Definition:
Ein Berufskodex ist ein schriftlich formulierter Orientierungsrahmen für berufliches Handeln. Er ist nicht rechtlich bindend wie ein Gesetz, hat aber eine hohe berufsethische Verbindlichkeit.

ICN = International Council of Nurses (Weltbund der Pflegenden)

Der „ICN-Ethikkodex“ ist der bekannteste Berufskodex für Pflegepersonen, der vom International Council of Nurses herausgegeben wird.

Die vier grundlegenden Aufgaben von Pflegepersonen laut ICN-Ethikkodex

• Gesundheit fördern
• Krankheit verhüten
• Gesundheit wiederherstellen
• Leiden lindern

Die vier Grundelemente ethischen Verhaltens laut ICN-Ethikkodex

Der ICN-Ethikkodex für Pflegepersonen umfasst vier Hauptelemente, die einen Rahmen für ethisches Verhalten bilden:

Pflegeperson und …
1. Pflegebedürftige
2. Praxis
3. Profession
4. Globale Gesundheit

Laut dem aktuellen ICN-Ethikkodex für Pflegefachpersonen umfasst dieser vier Grundelemente, die den Rahmen für ethisches Verhalten bilden.

  1. Pflegebedürftige – Pflegende fördern ein Umfeld, in dem Menschenwürde, Menschenrechte, kulturelle Werte, Religion und Tradition respektiert werden1). Informationen werden verständlich an die Pflegebedürftigen weitergegeben, damit diese informierte Entscheidungen (Einwilligung) treffen können. Pflegende wahren die Privatsphäre persönlicher Informationen2).
  2. Praxis – Jede Pflegefachperson trägt persönlich die Verantwortung dafür, dass sie ethisch einwandfrei praktiziert3). Dazu gehört auch die kontinuierliche Fortbildung zur Weiterentwicklung der fachlichen Kompetenz. Pflegekräfte treten als FürsprecherInnen ihrer PatientInnen und deren Angehörigen auf und sorgen aktiv für Sicherheit in der Versorgung – beispielsweise indem sie Fehler oder Risiken in der Pflege offen ansprechen und melden4).
  3. Profession – Hier geht es um die Verantwortung gegenüber dem Berufsstand und der Weiterentwicklung der Pflege als Profession. Pflege basiert auf evidenzbasierten Standards. Der Ethikkodex fordert Pflegende auf, die fachlichen Standards zu bewahren und an deren Weiterentwicklung mitzuwirken5). Pflegende tragen zu einem positiven, ethischen Arbeitsumfeld und einen respektvollen Umgang mit Kolleginnen und Kollegen bei 6).
  4. Globale Gesundheit – Gesundheit ist ein Menschenrecht, und Pflegefachpersonen tragen laut Kodex Mitverantwortung dafür, dieses Recht weltweit zu verwirklichen7). Entsprechend setzen sie sich für eine solide Gesundheitspolitik und für die Erreichung der Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen (SDGs) ein. Dies schließt beispielsweise Engagement gegen den Klimawandel und die Minderung seiner gesundheitlichen Folgen ein8). Der ICN-Kodex betont, dass globale Gesundheit länderübergreifend in Zusammenarbeit entwickelt und erhalten werden soll9).

Ethische Dilemata

Ethische Dilemmata entstehen, wenn zwei oder mehr moralische Prinzipien oder Werte in Konflikt geraten und eine Entscheidung getroffen werden muss, die unweigerlich eine dieser Normen verletzt. In solchen Situationen gibt es keine einfache oder eindeutige Lösung, sondern nur eine Abwägung zwischen verschiedenen moralischen Verpflichtungen.

Ein klassisches Beispiel für ein ethisches Dilemma in der Pflege:

Eine bewusstseinsklare, krebskranke Patientin im Endstadium möchte keine lebensverlängernden Maßnahmen mehr und bittet darum, auf weitere Therapien zu verzichten. Gleichzeitig drängt die Familie darauf, alles medizinisch Mögliche zu tun, um das Leben der Patientin zu verlängern – auch gegen deren Willen.

Hier stehen zwei zentrale ethische Prinzipien in Konflikt:
– Autonomie der Patientin (ihr Recht auf Selbstbestimmung),
– Fürsorge im Sinne der Familie (die das Leben der Patientin erhalten möchte und emotional belastet ist).

Egal wie sich das Pflegepersonal oder das Team entscheidet – ein ethisches Prinzip wird in gewisser Weise verletzt. Die Lösung erfordert eine sorgfältige ethische Abwägung, klare Kommunikation mit allen Beteiligten und oft auch interdisziplinäre Beratung, etwa durch ein Ethikkomitee.

Angehörigenpflege

Angehörigenpflege ist informelle Pflege. Es handelt sich um Pflege durch einen Familienangehörigen bzw. durch eine Bezugsperson ohne professionellen Hintergrund.

Informelle Pflege und formelle Pflege

Der Unterschied zwischen informeller Pflege und formeller Pflege ist die Professionalisierung:

• Ausbildung / Qualifikation
• Erfahrung
• rechtliche Bindung
• Bezahlung

13.2. Die Bedeutung von Angehörigen im Genesungs- und Pflegeprozess

Angehörige bieten emotionale Unterstützung, kennen die Lebensgewohnheiten, bringen Kontinuität in den Lebensalltag, sind erster Ansprechpartner für die Patientin. Im Pflegeprozess sind sie wichtige Informations- und Kooperationspartner.

Quellen:
1) ICN Ethikkodex für Pflegende | Medi-Karriere


Bild: pixabay, @pontinsu