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Anatomie für die Pflegeassistenz: Die Atmungsorgane

Aufbereiteter Lehrinhalt

03.02.2026

Die Anatomie der Atmungsorgane kein reines Theoriethema, sondern die Grundlage professioneller Pflegetätigkeiten, zu denen zum Beispiel die Atembeobachtung, die Sauerstofftherapie und die Durchführung von Pneumonieprophylaxen gehören. Die Inhalte dieser Seite schlagen bewusst die Brücke zwischen Anatomie und Pflegetechnik, denn nur wenn klar ist, wo und wie der Gasaustausch stattfindet, können Abweichungen sicher erkannt und korrekt weitergegeben werden.

Sauerstoff – Der Schlüssel zur Zellenergie

Warum braucht der Körper Sauerstoff?
Der Körper braucht Sauerstoff, um Energie zu gewinnen und dadurch lebenswichtige Funktionen aufrechtzuerhalten.

Welche Substanz benötigt der Körper gemeinsam mit Sauerstoff, um Energie zu gewinnen?
Neben Sauerstoff benötigt der Körper Glucose, um Energie zu gewinnen.

In welcher Form gewinnt der Körper Energie?
Der Körper gewinnt Energie in Form von ATP.

Wofür ist ATP zuständig?
ATP speichert Energie und setzt sie bei Bedarf in der Zelle frei, um damit z.B. den Stoffwechsel zu ermöglichen.

Welches System sorgt durch ständiges Zirkulieren des Blutes in den Gefäßen dafür, dass der Körper mit Sauerstoff versorgt wird?
Das Herz-Kreislauf-System.

Wie nennt man die Umwandlung von Glucose in Energie? Was benötigt der Körper zur Umwandlung von Glucose in Energie?
Die Umwandlung von Energie in Glucose nennt man Zellatmung (Zellstoffwechsel). Um Glucose in Energie umwandeln zu können, benötigt der Körper Sauerstoff.

Wo passiert die Zellatmung?
In den Mitochondrien.

Die Atmung

Die Atmung ist ein lebensnotwendiger Vorgang, der dem Austausch von Atemgasen dient. Dabei wird Sauerstoff (O₂) aufgenommen und Kohlendioxid (CO₂) abgegeben.

Hypoxämie / Hypoxie:
Wenn der Austausch von Atemgasen nicht mehr ausreichend funktioniert, kommt es zu Sauerstoffmangel (Hypoxämie / Hypoxie) und zu einem Anstieg an Kohlendioxid.

🪢 🧩💡Erinnerungsknoten: Welche Sauerstoffkonzentration weist auf eine akute Hypoxie hin? Was sind die Normalwerte? Was erkennt das Pulsoximeter – Hypoxie oder Hypoxämie?💡🧩 🪢

Das passiert bei „Ersticken“
akut: Eine Gasaustauschstörung löst eine pathophysiologische Kettenreaktion aus: Die Person atmet schneller (Tachypnoe) und hat einen erhöhten Puls (Tachykardie) – auf diese Weise versucht der Körper, die Sauerstoffversorgung der Organe aufrechtzuerhalten. chronisch: Bleibt die Gasaustauschstörung bestehen, wird der Energiestoffwechsel der Zellen eingeschränkt. Wenn nicht mehr genug Energie zur Verfügung steht, fährt das Gehirn seine Denkprozesse herunter, wird das zentrale Nervensystem zunehmend gedämpft und verlieren die Muskeln an Kraft. Langfristig belastet ein gestörter Gasaustausch auch das Herz. Der Druck im Lungenkreislauf steigt, wogegen das rechte Herz anpumpen muss, was wiederum langfristig zu einer Rechtsherzbelastung und in weiterer Folge zu einer Rechtsherzinsuffizienz führt (z.B. bei COPD).

🪢 🧩💡Erinnerungsknoten: Was passiert in weiterer Folge bei Rechtsherzinsuffizienz?💡🧩 🪢

Sauerstofftherapie
Die Sauerstofftherapie ist eine unterstützende Maßnahme bei gestörtem Gasaustausch. Sie kommt dann zum Einsatz, wenn die körpereigene Atmung nicht mehr ausreichend Sauerstoff ins Blut aufnehmen kann und eine Hypoxämie entsteht. Sie dient dazu, die oben beschriebene Kettenreaktion zu unterbrechen oder abzumildern. Sie ist daher nicht nur eine „allgemeine Atemhilfe“, sondern eine gezielte therapeutische Maßnahme zur Behandlung einer Hypoxämie. Wenn die Gasaustauschstörung nicht auf einer Hypoxämie oder einer Störung der Lungenfunktion beruht (z.B. mitochondriale Erkrankungen) macht die Sauerstofftherapie keinen Sinn; dann ist ausreichend Sauerstoff im Blut vorhanden, wird aber nicht in ausreichendem Maß zu den Geweben transportiert oder von den Zellen verwertet.

🪢 🧩💡Erinnerungsknoten: Was ist der Unterschied zwischen Hypoxie und Hypoxämie?💡🧩 🪢

Der Unterschied zwischen Kohlendioxid CO2, Kohlenmonoxid CO, und Kohlenstoff C
Kohlenstoff (C)
ist ein Nichtmetall. Er gehört zu den chemischen Elementen und bildet in der Natur verschiedene Formen wie etwa Diamant oder Graphit. Kohlenstoff ist ein wesentlicher Bestandteil aller bekannten Lebensformen. Er ist die Grundlage für die Bildung komplexer Moleküle wie Kohlenhydrate, Fette und Proteine.

Kohlenstoff ist ein Grundelement, das sich mit Sauerstoff (O) verbinden kann:
Kohlenmonoxid (CO) ist ein giftiges Gas, das zum Beispiel bei unvollständiger Verbrennung von Kohlenstoff entsteht, etwa in Abgasen oder bei Bränden. Kohlenmonoxid im Körper blockiert den Sauerstofftransport.
Kohlendioxid (CO₂) ist ein natürliches Gas, das im Körper beim Zellstoffwechsel entsteht – also bei der Energiegewinnung in den Zellen. Es wird mit dem Blut zur Lunge transportiert und dann abgeatmet.

Innere und äußere Atmung

Zum Atmungssystem gehören die äußere (Lungenatmung) und die innere Atmung (findet im Gewebe und im Blut statt).

Bei der inneren Atmung spielt Diffusion eine Rolle. In den Kapillaren wird Sauerstoff und Kohlendioxid durch Diffusion ausgetauscht.

🪢 🧩💡Erinnerungsknoten: Was ist Diffusion?💡🧩 🪢

Ein anderer Prozess, der zur inneren Atmung gehört, ist die Zellatmung.

🪢 🧩💡Erinnerungsknoten: Was ist die Zellatmung?💡🧩 🪢

Die Aufgabe der Atmung

Mit der Einatmung wird Sauerstoff aufgenommen und über das Blut in die Körperzellen transportiert. In den Zellen findet ein „Verbrennungsprozess“ statt, bei der Glucose durch Sauerstoff zu ATP umgebaut wird. ATP ist die Energie der Zelle. Bei diesem „Verbrennungsprozess“ entsteht Kohlendioxid als Abfallprodukt. Dieses wird über das Blut zur Lunge transportiert und schließlich mit der Ausatmung aus dem Körper ausgeschieden.

🪢 🧩💡Erinnerungsknoten: Wenn im Körper keine Glucose verfügbar ist – worauf greift der Körper dann zurück, um weiterhin ATP zu produzieren – und wo befindet sich dieser „Energiereservestoff“? 🧩 🪢

Zu viel Kohlendioxid im Körper kann im Extremfall zu einer CO₂-Narkose führen. Zu viel CO₂ wirkt narkotisierend auf das Gehirn: es kommt erst zu Unruhe und Benommenheit, dann zu Bewusstseinsverlust.

Die oberen Atemwege

Mund/Nase mit Nasenhöhlen – Rachen

Die Atemluft strömt über Mund und Nase in den Rachen. Um die eingeatmete Luft auf ihrem Weg in den Körper von Staubpartikeln zu reinigen, sind die luftleitenden Abschnitte der oberen Atemwege mit einer Schleimhaut und winzigen Härchen (Flimmerepithel) ausgekleidet. Diese Strukturen sind gleichzeitig dafür da, um die Luft anzufeuchten und zu erwärmen, bevor sie weiter in die tieferen Atemwege gelangen.

🪢 🧩💡Erinnerungsknoten: Absaugen: Was darf die Pflegeassistenz?💡🧩 🪢

Zwischen den oberen und den unteren Atemwegen befindet sich der Kehlkopf.

Die unteren Atemwege

Trachea – Bronchien – Lungengewebe (inkl. Lungenbläschen = Alveolen)

Die unteren Atemwege bilden ein röhrenförmiges System, das an einen „auf den Kopf gestellten Baum“ erinnert. Sie beginnen mit der Luftröhre (Trachea). Auf Höhe des vierten/fünften Brustwirbels teilt sich die Trachea in einen linken und einen rechten Bronchialast. Anschließend verzweigen sich die Atemwege in beiden Lungenflügeln noch etwa 22 weitere Male und werden dabei immer feiner. Schließlich enden sie in den kleinsten Lungenbläschen (Alveolen) die aus einer sehr dünnen Membran bestehen. Würde man alle Alveolenflächen aneinanderlegen, ergäbe sich eine Oberfläche von etwa 70 bis 100 m2. In den Alveolen findet schließlich der Gasaustausch statt (Diffusion): Sauerstoff wird ins Blut aufgenommen, während das beim Stoffwechsel entstandene Kohlendioxid in die Alveolen übertritt und anschließend ausgeatmet wird.

Die Nase: Die erste Verteidigungslinie der Atemwege

Die drei Aufgaben der Nase:
• Riechorgan
• Erwärmung der Einatmungsluft
• Reinigung der Einatmungsluft

Durch die Nase gelangt die Atemluft mit Sauerstoff in den Körper und Kohlendioxid strömt beim Ausatmen wieder hinaus. Die eigentliche Funktion der Nase ist dabei nur die Leitung der Luft, die Aufnahme von Sauerstoff und die Abgabe von Kohlendioxid findet nicht in der Nase, sondern erst in den Alveolen der Lunge statt.

Die Nase besteht aus zwei Nasenhöhlen, durch die die eingeatmete Luft einströmt und die durch die Nasenscheidewand voneinander getrennt sind. An den seitlichen Wänden der rechten und linken Nasenhöhle befinden sich jeweils drei Nasenmuscheln. Zwischen den Nasenmuscheln verlaufen die drei Nasengänge. In die Nasengänge mündet auch der Tränennasengang, der als Abflusskanal der Tränendrüsen dient. Deshalb läuft beim Weinen die Nase.

Die Schleimhaut in der Nase ist sehr reich an Blutgefäßen. Diese spielen eine wichtige Rolle bei der Erwärmung der eingeatmeten Luft. Die vielen Blutgefäße sind auch der Grund, warum wir so schnell Nasenbluten haben. Schon kleine Reize wie trockene Luft, Schnäuzen, Nasebohren, Infekte oder mechanische Belastungen führen dazu, dass diese Gefäße einreißen. Bei Entzündungen wird die Schleimhaut stärker durchblutet, was die Blutungsneigung weiter erhöht.

Der Rachen: Die Kreuzung von Atem- und Speisewegen

Der Rachen (Pharynx) ist der gemeinsame Raum von Nasen- und Mundhöhle. In diesem Bereich kreuzen sich die Wege von Atemluft und Nahrung. In den Nasen-Rachen-Raum mündet zudem die Ohrtrompete, die eine Verbindung zwischen der Paukenhöhle im Mittelohr und der Rachenhöhle herstellt. Diese Verbindung ermöglicht den notwendigen Druckausgleich zwischen beiden Hohlräumen. Am Rachendach befinden sich die Rachenmandeln, die aus lymphatischem Gewebe bestehen und eine wichtige Rolle bei der Abwehr von Infektionen spielen.

Der Kehlkopf: Die Schleuse zwischen Luft und Leben

Der Kehlkopf ist der Zwischenabschnitt zwischen oberen und unteren Atemwegen.

📸 Foto: 3D-Foto eines Kehlkopfs, DocCheck 📸

Aufbau:
Kehldeckel (Epiglottis)
Zungenbein
Kehlkopfknorpel:
– Schildknorpel
– Ringknorpel
– Stellknorpel
Stimmuskeln

📸 Foto: Die Knorpel des Kehlkopfes, DocCheck 📸

Der Kehlkopf (Larynx) ist das Stimmorgan des Menschen. Der Kehlkopf besteht aus mehreren Knorpelstrukturen, die gemeinsam seine Form und Funktion ermöglichen, darunter Ringknorpel, Schildknorpel, Stellknorpel und Kehldeckelknorpel. Eine der wichtigsten Aufgaben übernimmt der Kehldeckel, der dafür sorgt, dass Nahrung und Luft getrennt werden: Beim Schlucken verschließt er wie ein Ventil die Luftröhre, damit keine Nahrung in die Atemwege gelangt.

Töne entstehen durch Schwingungen der Stimmbänder bzw. Stimmlippen im Kehlkopf.

Aspiration
Die Luftröhre verläuft direkt vor der Speiseröhre. Beide Strukturen liegen eng beieinander und teilen sich im Rachenraum einen gemeinsamen Weg. Normalerweise sorgt der Kehlkopf mit dem Kehldeckel (Epiglottis) dafür, dass sich beim Schlucken die Atemwege verschließen und Nahrung in die Speiseröhre gelangt. Bei einer Dysphagie ist dieser Schutzmechanismus gestört. Die Schluckkoordination funktioniert nicht ausreichend, die Muskeln arbeiten verzögert oder unkoordiniert, oder der Kehldeckel schließt die Trachea nicht vollständig. Dadurch können Speichel, Nahrung oder Flüssigkeiten in die Trachea statt in die Speiseröhre gelangen – durch die Aspirationsprophylaxe schützt die Pflegeassistenz die Atemwege vor dem Eindringen von Fremdstoffen und damit vor einem gestörten Gasaustauch und vor Aspirationspneumonien.

Die Luftröhre: Die Pipeline zur Lunge

Aufbau:
• Bindegewebe
• Muskelschichten (glatte Muskulatur)
• Knorpelspangen
• Übergang in die Bronchien

Die Luftröhre (Trachea) ist der erste Abschnitt der unteren Luftwege. Sie verläuft vor der Speiseröhre und liegt zum Teil im Halsbereich sowie im Brustraum. Ihre Wand besteht aus Bindegewebe und Muskelschichten, die der Stabilität und Beweglichkeit dienen. Zusätzlich wird die Luftröhre durch eingearbeitete Knorpelspangen verstärkt, welche die Lichtung der Trachea offenhalten, um eine ungehinderte Luftzufuhr zu den Lungen zu gewährleisten. Die Luftröhre hat eine Länge von etwa zehn bis fünfzehn Zentimetern und einen Durchmesser von meist mehr als zwei Zentimetern.

Der Bronchialraum: Der Atembaum des Lebens

Der Bronchialraum beginnt an der Stelle, an der sich die Trachea in zwei Haupt- oder Stammbronchien aufteilt (Bifurkation, linker und rechter Ast), ungefähr in Höhe des vierten/fünften Brustwirbels.

Der rechte Stammbronchus verzweigt sich in drei Hauptäste, der linke in zwei Hauptäste (weil auf der linken Seite das Herz liegt und dadurch weniger Platz für die Lunge vorhanden ist). Das ist ähnlich wie bei der Leber, die auf der linken Seite ebenfalls kleiner ist als auf der rechten, weil das Herz links mehr Platz beansprucht.

Die Hauptäste teilen sich anschließend immer weiter auf, bis sie schließlich die feinen Endbronchien erreichen, die in die Lungenbläschen übergehen.

Die Lunge: Die Gastauschanlage im Körper

Die Lungen sind paarig angelegt, das heißt, es gibt eine rechte und eine linke Lunge. Im Brustraum liegen die beiden Lungenflügel nebeneinander und sind durch den Mittelfellraum (Mediastinum) voneinander getrennt.

Wie auch die Leber und die Stammbronchien haben auch die Lungen im rechten Bauchraum mehr Platz zur Verfügung als im linken. Das Herz nimmt auf der linken Seite einen großen Teil des Platzes für sich in Anspruch. Deshalb besteht der rechte Lungenflügel aus drei Lappen (Oberlappen, Mittellappen, Unterlappen) und der linke aus zwei (Oberlappen, Unterlappen).

Von der Mittelfellseite her treten die Hauptbronchien sowie Blutgefäße, Lymphgefäße und Nerven in die Lungen ein. In diesem Bereich befinden sich zahlreiche Lymphknoten. Das luftleitende Bronchialsystem verzweigt sich weiter und geht schließlich mit den Endbronchien in das System der Lungenbläschen, der sogenannten Alveolen, über. In den Alveolen findet der lebenswichtige Gasaustausch statt.

Das Brustfell: Die schützende Haut der Lunge

Das Brustfell (Pleura) besteht aus zwei Schichten: dem Lungenfell und dem Rippenfell. Zwischen diesen beiden Schichten befindet sich der Pleuraspalt, der von einem dünnen Flüssigkeitsfilm ausgekleidet ist. Dieser Flüssigkeitsfilm (Pleuraflüssigkeit) ermöglicht es, dass die beiden Schichten nahezu reibungslos aneinander entlanggleiten.

Atmung beobachten heißt auch Brustfell in Aktion beobachten
Das Brustfell übernimmt beim Atmen eine wichtige mechanische Funktion. Es sorgt dafür, dass sich die Lunge reibungslos, kraftsparend und synchron mit dem Brustkorb bewegen kann. Beim Einatmen erweitert sich der Brustkorb durch die Atembewegungen. Über den flüssigkeitsgefüllten Pleuraspalt haften Lungenfell und Rippenfell aneinander, ohne fest miteinander verwachsen zu sein. Dadurch folgt die Lunge den Bewegungen des Brustkorbs und dehnt sich mit ihm aus. So kann Luft in die Lunge einströmen. Beim Ausatmen verkleinert sich der Brustkorb wieder. Die elastische Lunge zieht sich zusammen und gibt die Luft ab. Auch hier ermöglicht das Brustfell ein gleitendes Zurückziehen der Lunge, ohne Reibung oder Verletzung.


Bild: https://pixabay.com, @satheeshsankaran