Aufbereiteter Lehrinhalt
14.03.2026
Aufbereiteter Lehrinhalt. Menschen zu unterstützen, sich kreativ auszudrücken, kann das Wohlbefinden steigern. Die Sozialbetreuung hilft dabei, das Grundbedürfnis nach Sinnhaftigkeit zu erfüllen.
Aktivität und Beschäftigung
🚶♀️🎨 Aktivität und Beschäftigung sind Grundbedürfnisse des Menschen.
In unserem Leben sind wir ständig von Spannungsfeldern umgeben.
Zwischen folgenden Polen muss eine Balance bestehen, damit der Mensch gesund und zufrieden bleibt:
• Aktivität und Passivität 🚴♂️🛋️
• Beschäftigung und Muße 🧑💻🍃
• Anspannung und Entspannung 💪🧘
• Tun und Lassen 🛠️🚫
Ein gesundes Leben setzt voraus, dass ein Mensch die Fähigkeit entwickelt, zwischen den beiden Gegensätzen zu wechseln und je nach Situation den passenden Zustand zu finden. Ist dieser Ausgleich gestört, zeigen sich negative Folgen wie etwa Unwohlsein, Niedergeschlagenheit, Wut oder Depression.
Was das hermetische Gesetz der Polarität damit zu tun hat, erfährst du hier.
Sinnvolle Freizeitgestaltung können Aktivitäten sein wie Musik, Filme, Ausflüge, Basteln, Handarbeiten oder das Feiern von Festen.
Das individuelle Gleichgewicht des Menschen finden
Für Menschen mit Behinderung ist es oft schwierig, aus eigener Kraft ein Gleichgewicht zu erreichen. Einschränkungen in Mobilität, Gesundheit und sozialen Möglichkeiten erschweren es, die eigene Freizeit sinnstiftend zu gestalten.
Ohne Unterstützung kann das Gleichgewicht oft nicht mehr aufrechterhalten werden. Hier sind äußere Hilfen wichtig.
👩⚕️ Die Pflegeassistenz kümmert sich in erster Linie um die körperlichen Bedürfnisse der Pflege- und Betreuungsbedürftigen. Durch ihre Unterstützung bei alltäglichen Aufgaben trägt sie dazu bei, dass die Menschen ein Gefühl von Sicherheit und Wohlbefinden erleben. Sie ermöglicht ihnen, innerhalb ihrer körperlichen Möglichkeiten aktiv und selbstständig zu bleiben. Für sie spielt das Fach „Aktivierung“ eine wichtigere Rolle.
☂️ Die Fachsozialbetreuung ergänzt diese Unterstützung durch gezielte Aktivierungsmaßnahmen, die nicht nur die körperliche, sondern auch die geistige und emotionale Gesundheit fördern. Sie schafft Angebote zur sozialen Interaktion und zur kreativen Entfaltung und hilft dabei, Freude im Alltag erleben zu können.
🎓 Die Diplom-Sozialbetreuung übernimmt die Planung, Organisation und Evaluation dieser Maßnahmen und leitet die MitarbeiterInnen und HelferInnen an, eine individuell abgestimmte Betreuung zu gewährleisten.
Motivation
Mit Motivation sind alle Einflüsse gemeint, die das menschliche Verhalten aktivieren.
Der Motivationsprozess verläuft in 3 Phasen:
Aktivitätsanregung: Ein Mangelzustand fordert eine Veränderung
Zielgerichtetheit: Ziel ist es das Bedürfnis zu erfüllen bzw. den Mangelzustand zu beseitigen
Befriedigung: Ist das Ziel erreicht, ist das Bedürfnis befriedigt, es besteht wieder ein Gleichgewicht.
Die Grundlage jeder Motivation ist das Bedürfnis. 🔑
Die Bedürfnisse bleiben dabei immer gleich, zeigen sich aber in unterschiedlichen Motivationen.
Die acht Freizeitbedürfnisse nach Markowetz
Univ. Prof. Dr. Reinhard Markowetz beschreibt insgesamt acht menschliche Freizeitbedürfnisse:
| Bedürfnisse | Bedürfnis nach… | Benachteiligung für Menschen mit Behinderungen |
|---|---|---|
| Rekreation | Erholung, sexuelle Befriedigung | Mangelnde Rückzugsmöglichkeiten |
| Kompensation | Ausgleich | ungenügende barrierefreie Angebote |
| Edukation | Lernen | geringe Auswahl an barrierefreien Bildungseinrichtungen |
| Kontemplation | Selbstfindung, -erfahrung | Isolation von Menschen mit Behinderung unter „ihresgleichen“ |
| Kommunikation | soziale Beziehungen | Zugänglichkeit zu Kommunikationsmitteln und assistiven Technologien fehlt |
| Integration | Zugehörigkeit | Soziale Isolation (Vorurteile) |
| Partizipation | Beteiligung, Mitbestimmung | Fremdbestimmung (Personen, Institutionen) |
| Enkulturation | Kreative Entfaltung, Teilhabe am kulturellen Leben | geringe Auswahl an barrierefreien Freizeiteinrichtungen |
Bedeutung von Aktivität und Beschäftigung im Alter (stationäre Betreuungseinrichtungen)
Aktivitäten gestalten den Tagesablauf. Sie vermitteln Sinn und ermöglichen den Teilnehmern Erfahrungen, die ihre Ressourcen fördern und dadurch ihr Selbstwertgefühl stärken. 🪢 🧩💡Erinnerungsknoten: Salutogenese, Kohärenzgefühl, s. Pflegeprozess💡🧩 🪢
Die Bedeutung von Aktivität:
• erfüllen die acht Freizeitbedürfnisse (Markowetz) und zusätzlich:
• Strukturierung von Zeiträumen (Pflegeassistenz) 🕰️
• Wahrnehmung der Sinne (PA, FSB, DSB) 👁️👂
• Förderung der Selbstständigkeit (PA, FSB, DSB) 😊
• Erhalt der Mobilität und Motorik (PA, FSB, DSB) 💃
Aktivitäten in Behinderteneinrichtungen – Freizeitgestaltung
Individuen empfinden verschiedene Freizeitgestaltungen als sinnvoll. Dementsprechend müssen auch Freizeitangebote an pflege- und betreuungsbedürftige Menschen:
• der Persönlichkeit
• der Lebenssituation (Berufstätigkeit, Wohnbereich, soziale Kontakte, Milieu, …)
• den Neigungen und Fähigkeiten
• dem Lebensalter
• der jeweiligen Person angemessen sein.
Grundsätze für geplante Freizeitangebote für Menschen mit Behinderungen:
• Selbstbestimmung 🪢 🧩 Erinnerungsknoten: Grundrecht auf Selbstbestimmung, s. Recht 🧩 🪢
• Menschen mit schwerer Behinderung oder herausforderndem Verhalten sollten nicht ausgeschlossen werden
• Möglichkeiten zu Einzelaktivität ohne Einbindung in eine Gruppe (Individualität)
• Freiwillige, aber kontinuierliche Teilnahme
• Sinnvolle Balance von Aktivierung und Entspannung
• Voraussehbarkeit (feste Zeiten und Räumlichkeiten)
• Individuelle Hilfen
• Offene Handlungssituationen ohne Zwang und Leistungsdruck
Subjektiv sinnvolle Freizeitgestaltung
Freizeit hat eine individuelle, eine kommunikative und eine gesellschaftliche Bedeutung.
„Erfüllte Freizeit“ wird individuell empfunden:
• Selbstständigkeit in Bezug auf die freie Zeit 🕊️
• Spaß und Freude haben 😄
• Selbstentfaltung und Sinn erfahren 🌱
• Genügend Zeit und Muße haben 🕰️
Gruppenarbeit in stationären Einrichtungen
Das Ziel von Grupenarbeiten ist, die Eigeninitiative und Gemeinschaftsfähigkeit zu fördern und Gesprächsanlässe schaffen.
1. VORPLANUNG:
a. Ausgangslage
• Mit wem plane ich eine Freizeitgestaltung? Sammlung von allen Informationen („holistisch“) über die Teilnehmer:
biografische Informationen
Wünsche und Bedürfnisse
medizinische Daten
Informationen über die Selbstständigkeit/Unselbständigkeit (ABEDL)
b. Themenfindung
• entspannend oder aktivierend
• Wissenserweiterung
• Prävention oder Rehabilitation
• Mitbestimmend für das Thema sind auch die Fähigkeiten Person, die die Gruppe leitet.
c. Ziele
• Rekreation
• Kontemplation
• Kompensation
• Kommunikation
• Integration
• Edukation
• Partizipation
2. VORBEREITUNG
a. Ort und Zeit
b. Information und Absprache
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer durch eine persönliche, schriftliche Einladung oder durch ein Plakat einladen.
• Wer muss sonst noch informiert werden?
c. Finanzierung (Sponsor)
d. Praktische Vorbereitung
Material, Hilfsmitteln, Techniken, Medien, Einladungskarten, Plakate, Inserate, ….
3. DURCHFÜHRUNG
a. Arbeitsplatzvorbereitung
Gruppenraum rechtzeitig vorbereiten
b. Sitzordnung
• Platzierung des Mobiliars: Rollstuhlfahrer?
• Wer soll/möchte neben wem sitzen?
• Einschränkungen der Teilnemenden (Seh-, Hörbeeinträchtigung)
• Eigenarten der Teilnehmenden (z.B. besonders unruhige Teilnehmer)
c. Gruppenarbeit: Strukturierung nach dem Drei-Phasen-Modell
c1. Aufwärmphase
• Vorstellung der Gruppenleitung
• Vorstellung der Teilnehmer
• Aufwärmübungen
• Vorstellung des Themas
• Hinweise auf den Verlauf
• Erhebung von Erwartungen und Befürchtungen
• Begrüßungsritual (z.B. ein Lied)
c2. Aktivitätsphase
bis zu 60 Minuten
c3. Ausklangphase
• Gespräch über das Thema
• Ergebnissicherung, z.B. die gefertigten Arbeiten erneut zeigen
• Resümee
• Wünsche und Verbesserungsvorschläge
• Hinweise auf die nächste Gruppenstunde
• Schriftliche Auswertung
• Abschiedsritual
4. Lückenfüller
z.B. Aufgabe wird abgelehnt, Spiel braucht weniger Zeit
5. NACHBEREITUNG
• Aufräumen (gemeinsam?)
• Transport zurück in den Wohnbereich
• gemeinsame Nachbesprechung mit Kollegen (Checkliste)
• zeitnahe Reflexion und Auswertung, Verbesserungsansätze (=qualitätssichernde Maßnahme)
• Dokumentation
Hier findest du die Gestaltung einer Gruppenarbeit „Bastelsationen Winterwichtel“ für die Durchführung im Pflegeheim.
Beschäftigungsangebote: 10-Minuten Aktivierung
Erfunden in den 1990er Jahren von Ute-Schmidt-Hackenberg (Werklehrerin und Maltherapeutin).
Speziell für demenziell erkrankte Menschen zur Aktivierung mit Gegenständen aus ihrer Lebensgeschichte (Anregung / Erinnerung/ Ermunterung zum Gespräch).
Dauer: ca. 10 Minuten (eingeschränkte Konzentrationsfähigkeit)
Basis: Biografie – Lebensgewohnheiten / Hobbys / Alltagsgegenstände
Einsatzmöglichkeiten: Flexibel / zeitunabhängig / ortsunabhängig (Bett / Mahlzeiten / Pflege)
Material: Sammlung von verschiedenen Gegenständen – Erinnerungsschrank, – wagen, -schachtel
Durchführung:
Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit ähnlichen Interessen finden zusammen
Begrüßung
Gegenstand ansehen / befühlen / hören / riechen / ….
Erinnerung anregen mit einfachen Fragen: z. B.
Was ist das für ein Gegenstand?
Aus welchem Material ist er?
Wie fühlt er sich an?
Welche Farbe hat er?
Wozu haben Sie den Gegenstand benutzt?
Auf Antworten eingehen / positive Aspekte unterstreichen
NICHT korrigieren!
Bewegungsübungen mit den Gegenständen einbauen
Dokumentation
Förderung des Wohlbefindens durch motorische Übungen
Bewegungsmangel lässt körperliche, seelische, geistige und soziale Fähigkeiten verkümmern.
Beispiele für bewegungseingeschränkte Personen
• Mehrmals täglich zu Platzwechseln anregen (von Stuhl zu Stuhl; Rollstuhl zu Stuhl) 🪑
• Vom Sessel aufstehen und wieder hinsetzen 🪑
• Im Sitzen: Bein anheben, beugen, strecken, Kreise / 8er beschreiben (rechts u. links im Wechsel) 🦵
• Im Sessel mit Armlehnen Armkraft üben – Armlehnen mit beiden Händen greifen u. stützen gegen das eigene Körpergewicht, den Rumpf leicht anheben, senken 💪
• Treppen steigen… drei Stufen – Geländer festhalten 🏃♂️🪜
• Im Sitzen: Oberkörper vorbeugen, auf Sitzfläche vorrutschen, Gewichtsverlagerung 🔄🧍♂️
• Im Stehen – anhalten – auf möglichst kleiner Fläche stehen – Füße eng beieinander, kurz einen Fuß anheben 🦶🧍♂️
• In der Fortbewegung – kleine Hindernisse übersteigen: Karton, Zeitung, Klebestreifen 🚶♂️📦📰
• Möglichst alle Körperteile abwechslungsreich bewegen (Kopf, Finger, Arme, …) 🤸♂️🖐️
• Erreichbare (Teil-)Ziele setzen: Heute 3 Schritte vom Tisch zum Sessel, morgen 4 🎯🪑
• Unterwegs Gegenstände vom Boden aufheben – aufrichten – weitergehen 📦⬆️🚶♂️
• Alle Arten von Wahrnehmungsübungen: über verschiedene Untergründe gehen: Fliesen, Teppich, Sand, Gras, Kies, … – Gegenstände ertasten lassen 👣🌾
• Hindernisläufe, auch mit Händen am Tisch – Parcours aufbauen und einen kleinen Ball mit den Fingern hindurchrollen 🏐👐
• Reaktionsübungen: auf Ansage möglichst rasch bestimmte Übungen ausführen: z. B. mit Würfel – 1 = rechter Arm hoch, 2 = linkes Bein ausstrecken, usw. 🎲✋🦵
• Auge-Hand-Koordination: Gegenstände aus verschiedenen Materialien in wechselnden Formen u. Gewichten werfen u. fangen – kleiner/großer Ball, Luftballon, Bohnensäckchen, Tennisball usw. 🎾👋
• Verschlüsse schließen – Knöpfe, Zipp, Haken, Reiß-, Klettverschlüsse, Gürtelschnallen 🧵🔗
• Papier-, Serviettenfalten 📄
• Tücher / Wäsche zusammenlegen 🧺
• Knetmasse formen 🍥
• Garn ab-, aufwickeln 🧶
• Schrauben in Muttern eindrehen 🔩
Bedeutung von Spielen in Gruppen
Spiele haben immer einen therapeutischen Wert. Sie stillen die individuellen Bedürfnisse der TeilnehmerInnen und fördern dadurch das Wohlbefinden und die Gesundheit.
Spielesammlung Grundausstattung
• Würfel aller Art in verschiedenen Größen, aus unterschiedlichen Materialien – mit Augen, Zahlen, Farben, Buchstaben, Symbolen… 🎲🔢🔠
• Karten mit Zahlen, Buchstaben, Wörtern, Bildern, Symbolen, Farben… 🃏🔤
• Spielfiguren – möglichst handlich, gut zu greifen und zu unterscheiden ♟️🧩
• Spieleklassiker – Memory, Mensch-ärgere-dich-nicht, Schach, Domino… ♟️🎲
• Alltagsgegenstände – 🔩🥤🧵✂️📄✏️
VIEL GLÜCK BEI DER PRÜFUNG! 🍀
Beitragsbild: pixabay, @Juandisalinas