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Kompetenz d. Pflegeassistenz: Positionierungs- und Transfertechniken

Lehrinhalte der Unterrichtsfächer: Aktivierung & Grundzüge und Prinzipien der Akut- und Langzeitpflege inklusive Pflegetechnik


Positionierungstechniken muss die Pflegeassistenz aus dem Effeff beherrschen. Sie spielen eine Hauptrolle, wenn es um Prophylaxen, Atemstimulation und Wahrnehmungsförderung geht. Fachsozialbetreuer wenden Positionierungstechniken ebenfalls an – fĂĽr sie ist dieses Wissen besonders in der Arbeit mit Menschen mit Schwer- oder Mehrfachbehinderungen relevant.

Dekubitus: Einer der wichtigsten GrĂĽnde fĂĽr oftmalige Positionierungen

Ein Dekubitus[1] ist ein Pflegefehler. Er ist durch fachgerechte Positionierung, regelmäßige Umpositionierung und sorgfältige Beobachtung vollständig vermeidbar.

Ansätze zur Anwendung von Positionierungstechniken: aktiv – assistierend – passiv

In der Pflege unterscheidet man drei Arten der Anwendung von Positionierungstechniken:

  • Aktive Positionierung: Die Patientin kann nahezu alle Bewegungen selbstständig ausfĂĽhren, ohne auf fremde Hilfe angewiesen zu sein. Sie benötigt lediglich Motivation, Aktivierung und Anleitung.
  • Assistierende Positionierung: Die Patientin ist in der Lage, die meisten Bewegungen selbst auszufĂĽhren, benötigt jedoch gelegentlich etwas Hilfe.
  • Passive Positionierung: Die Patientin benötigt viel Hilfe.

Je nach Anwendungs-Art werden die Positionierungstechniken unterschiedlich ausgefĂĽhrt.

Zentrale Körperpunkte bei der Positionierung

Beim Positionieren greifen Pflegassistenten häufig an bestimmten Körperpunkten zu, die sich besonders gut für sicheren Halt und effizientes Heben eignen, ohne dabei empfindliche Druckstellen zu belasten.

  • Schulterbereich: stabilisiert den Oberkörper der Patientin
  • HĂĽfte/Becken: bietet eine gute Hebelwirkung, um den unteren Teil des Körpers zu bewegen oder zu drehen
  • Knie: stabilisiert die Beine
  • Unterarme/Hände: gibt Sicherheit

🪢 🧩💡Verknüpfungsknoten: Kinästhetik💡🧩 🪢

Beine eines bettlägrigen Patienten aufstellen

  1. Bett auf Arbeitshöhe stellen
  2. Die Beine werden dermaĂźen aufgestellt, dass die Knie gebeugt sind und die FĂĽĂźe flach auf dem Bett stehen.
  3. Position der PA: seitlich der Patientin.
  4. „Ich werde Ihnen jetzt helfen, die Beine aufzustellen.“
  5. Beinbeugung im Kniegelenk – dabei nicht direkt in die Kniekehle greifen, sondern etwas darĂĽber. Zuerst das Bein, das weiter entfernt ist.
  6. Griff an den FuĂźrĂĽcken. Daumen liegt gegenĂĽber.
  7. Mittels Hebelwirkung FuĂź aufstellen.

🎬 Video: Beine aufstellen und stabilisieren, KUBIVENT GmbH, youtube 🎬

Von Rückenlage in 90° Seitenlage

Entlastet Druckpunkte (Fersen, Kreuzbein, Schulterblätter). Die Last wird auf Hüfte und Schultern (= weniger sensible Stellen) verteilt.

AusfĂĽhrung

Der Patient wird immer zur Pflegeperson hingedreht. So steht diese „vor dem Patienten“ und kann ihm die Angst vor dem Herausfallen aus dem Bett nehmen.

  1. Patient ĂĽber den geplanten Vorgang informieren: „Ich werde Ihnen jetzt helfen, sich auf die Seite zu drehen.“
  2. Pflegeassistenz steht neben dem Patienten seitlich am Bett
  3. Bett auf Arbeitshöhe stellen
  4. Auf Nässe und Brösel im Bett achten. Wegwischen.
  5. Arm vom Körper weg positionieren (auf diese Seite wird gedreht)
  6. Information geben: „Zuerst stellen wir die Beine auf.“
  7. Beine aufstellen (s. vorhergehende Technik)
  8. Arm auf den Brustkorb ablegen
  9. Information: „Ich werde Sie jetzt drehen.“
  10. Griff an den HĂĽftknochen + vorsichtige Drehbewegung

🎬 Video: „Anleitung zur Lagerung von PflegebedĂĽrftigen“, PfiFf, youtube 🎬

🎬 Video: Positionierung in Seitenlage: 90° Seitenlage, I Care Thieme, youtube 🎬

Kontraindikationen und Herausforderungen

In einigen Fällen kann die Seitenlagerung schwierig oder sogar kontraindiziert sein:

  • Frakturen im Bereich der HĂĽfte, des Beckens oder der Wirbelsäule → Schmerzen und Instabilität
  • RippenbrĂĽche → Atembeschwerden und Schmerzen
  • HĂĽft- oder Kniegelenkersatz → Schmerzen
  • Fehlstellungen der Wirbelsäule (z.B.: Skoliose oder Kyphose) → manchmal keine bequeme Positionierung in Seitenlage möglich
  • Lähmung (Hemiplegie) auf einer Körperseite nach einem Schlaganfall → betroffene Seite kann schmerzempfindlich sein oder gar kein GefĂĽhl mehr haben → Patient kann nicht auf Druck reagieren → erhöhtes Risiko von DruckgeschwĂĽren
  • Muskelspastiken oder Kontrakturen (VerkĂĽrzungen von Muskeln und Sehnen) aufgrund von neurologischen Erkrankungen: erschwert die Seitenlage durch unkontrollierte Muskelverkrampfungen → sorgfältige Polsterung und Stabilisierung erforderlich
  • chronischen Atemwegserkrankungen (z.B. COPD) → Lungen geraten unter Druck (besser: Oberkörper hoch)
  • Herzinsuffizienz (Herzschwäche) → Atemnot fĂĽhren (besser: Oberkörper hoch)

Hochziehen im Bett mit Durchzug: Passive Ausführung durch zwei Pflegekräfte

Diese Ausführungs-Art eignet sich für die Positionierung von Patientinnen, die viel Hilfe benötigen. Das Hochziehen sollte so schonend wie möglich durchgeführt werden, um die Patientin vor Verletzungen zu schützen. Es sind bei dieser Variante des Hochziehens zwei Pflegekräfte nötig.

DurchfĂĽhrung:

• Patientin informieren
• Bett auf Arbeitshöhe
• Patientin liegt auf einem Durchzug
• auf beiden Seiten des Bettes, nahe am Becken der Patientin, stehen
• Hände der Patientin am Körper positionieren
• Bettschutzunterlage nahe am Körper der Patientin greifen
• auf ein vereinbartes Kommando Patientin sanft nach oben heben
• die Patientin wird nur leicht angehoben, sodass der Druck auf die Haut und die Knochen minimal ist
• Bettposition der Patientin anpassen
• diese Technik kann auch zum Hinunterziehen der Patientin genutzt werden

Die Vorteile dieser Technik

  • Schonend fĂĽr die Patientin: Durch den Einsatz der Bettschutzunterlage wird die Haut der Patientin nicht unnötig belastet.
  • Erleichterung fĂĽr die Pflegekräfte: Die Methode reduziert den Kraftaufwand, da die Pflegekräfte die Patientin nur indirekt anheben.

Laut Kinästhetik[2] können auch Patientinnen, die viel Hilfe benötigen, ohne Kraftaufwand im Bett nach oben bewegt werden. Pflegekräfte, die in der Lage sind, kinästhetische Methoden anzuwenden, reduzieren ihren körperlichen Kraftaufwand noch einmal um ein Vielfaches. Kinästhetik schützt Bewegungsapparat und damit die Gesundheit der Pflegeperson (und gibt der Patientin Orientierung, Sicherheit, Selbstwirksamkeit und Vertrauen). Sogar bewusstseinsgetrübte, narkotisierte und teilweise komatöse Patientinnen können unter kinästhetischen Gesichtspunkten bewegt werden.

Kontraindikationen und Herausforderungen

  • frische Frakturen → beeinträchtigt den Heilungsprozess von Frakturen im Becken- oder Wirbelsäulenbereich bzw. verschlimmert die Fraktur
  • schwere Osteoporose → selbst leichte mechanische Kräfte können zu KnochenbrĂĽchen fĂĽhren
  • Dekubitus (DruckgeschwĂĽre) → Reibung beeinträchtigt die Wundheilung, Schmerzen
  • schwere Herz- oder Atemwegserkrankungen → Atemnot
  • starke Kontrakturen oder Spastiken → Hochziehen kann zu unkontrollierten Muskelkrämpfen fĂĽhren

Von RĂĽckenlage ins Querbett (an die Bettkante)

Querbett Definition: Sitzen am Bettrand, Beine ragen aus dem Bett.

Diese Technik ermöglicht es der Patientin, sich in eine aufrechte Position zu bringen, sei es für den nächsten Schritt des Aufstehens oder zur Durchführung von pflegerischen Maßnahmen.

Variante 1, passiv: 
• informieren
• Bett auf Arbeitshöhe (Hüfthöhe) bringen
• Patientin in die Seitenlage bringen (s. oben)
• Fersen vorsichtig über die Bettkante führen
• Rückenteil des Bettes anheben, bis die Patientin nahezu eine Fowler-Position (sitzende Position) erreicht
• die Patientin drückt sich mit der Hand am Bett ab, um sich vollständig aufzusetzen
• das Bett absenken, bis die Patientin mit den Fersen den Boden berührt

đź”— Externer Link: Fowler-Position, Wikipedia đź”—

Variante 2, passiv: 
• informieren
• sicherstellen, dass alle Seiten des Bettes zugänglich sind
• Bett auf Arbeitshöhe (Hüfthöhe)
• Rückenteil des Bettes absenken
• der Patientin noch in Rückenlage die Schuhe anziehen
• auf die entgegengesetzte Seite des Bettes gehen (die Seite, auf der die Patientin nicht aufgesetzt wird) 
• mit beiden Händen unter das Becken der Patientin greifen und sie mit den Unterarmen zu sich heranziehen – Patientin dreht sich auf die entgegengesetzte Seite
• Oberkörper heranziehen
• zur anderen Seite zurückkehren (die Seite, auf die die Patientin aufgesetzt wird)
• die Fersen der Patientin langsam über die Bettkante führen
• das Bett absenken, bis die Patientin mit den Füßen den Boden berührt
• eine Hand auf das Schulterblatt legen
• die andere Hand an die Hüfte legen (Patientin informieren)
• Oberkörper in eine aufrechte Sitzposition bringen

🎬 Video: „Mobilisation an die Bettkante mit viel Hilfe“, TABLU-die Pflege-App, youtube 🎬

Variante 3, assistierend 

• informieren
• Bett auf Arbeitshöhe (Hüfthöhe) bringen
• Patientin noch in RĂĽckenlage die Schuhe anziehen 
• Bett absenken bis die Füße den Boden berühren
• Seitengitter (wenn vorhanden) am Bettrand aufstellen (ansonsten andere Möglichkeit eines “Haltegriffs” suchen)
• Patientin anleiten, die Fersen langsam über die Bettkante zu schieben, evtl. an den Waden berühren und dadurch eine Initialbewegung auslösen
• Eine Hand auf die HĂĽfte und die andere Hand auf die Schulter legen (die Patientin informieren) und Patientin anleiten, sich aufzurichten. 

Variante 4, aktiv

• informieren
• Bett absenken, damit Patientin die Füße leicht auf den Boden stellen kann
• Seitengitter am Bettrand aufstellen (wenn vorhanden, ansonsten andere Möglichkeit eines “Haltegriffs” suchen) 
• Patientin anleiten, die Fersen langsam über die Bettkante zu schieben, evtl. an den Waden berühren und dadurch eine Initialbewegung auslösen
• Patientin anleiten, sich am Seitengitter abzustützen
• beim Anziehen der Schuhe helfen

Kontraindikationen

  • Frakturen oder Verletzungen der Wirbelsäule, der HĂĽfte oder des Beckens → gefährdet den Heilungsprozess oder verschlimmert die Verletzung
  • schwere Osteoporose → selbst leichte mechanische Kräfte können zu KnochenbrĂĽchen fĂĽhren
  • Dekubitus → reizt die betroffenen Stellen
  • schwere Herzinsuffizienz → Atemnot
  • neurologische Störungen wie Lähmungen oder Spastiken → erschweren die Positionierung, unkontrollierte Muskelkrämpfe
  • Gelenksteifigkeit (Kontrakturen) → Schmerzen

Erforderliche MaĂźnahmen vor dem Sitzen im Querbett

• Pulswerte
• RR-Werte
• Hautdurchblutung beobachten
= objektives momentanes Befinden

Wenn Werte im Normbereich, kann mit der Mobilisation begonnen werden.

VORGEHEN
vor der Mobilisation:
• Puls, Blutdruck, Hautfarbe kontrollieren
• Information des P/B
• Befinden erfragen
• Beine bandagieren / Kompressionsstrümpfe anlegen (aktiviert die Venenpumpe)
• Niveau des Bettes einstellen
Mobilisation:
• P/B legt sich an den Bettrand
• bei Wohlbefinden wird der P/B zum Querbettsitzen gedreht
nach der Mobilisation:
• Beine zudecken
• P/B wird angehalten, Zehen und Füße zu bewegen, ruhig und tief zu atmen, im Raum umherschauen
• Hausschuhe anziehen
• ggf. Brille, Handy, ev. Lesestoff reichen, ggf. Frühstück vorschneiden
• bequeme Sitzposition
• Glocke in Reichweite legen

POSTOPERATIV ZUSÄTZLICH:
• Schmerzmittel vor der Mobilisation (nach ärztlicher Anordnung) verabreichen
• Katheter und Drainagen sichern
• schrittweises Mobilisieren und Beobachten
• Mobilisieren en bloc (im Ganzen) nach Abdomen und Thorax-OP notwendig, um Zug auf die OP-Wunde zu vermeiden; dabei soll der P/B ganz leicht einen Gegendruck auf die Wunde ausüben
• nach der Mobilisation Vitalwerte kontrollieren, um den Grad der Belastung einzuschätzen

Transfer Bett – Stuhl mit Kniestabilisierung

In manchen Fällen ist beim Transfer von Bett zu Stuhl eine Kniestabilisierung (der „Knieblock“) von Vorteil. Der Knieblock gewährleistet die Sicherheit von Patienten, die UnterstĂĽtzung beim Transfer benötigen und eine eingeschränkte Stabilität in den Knien haben. Durch die Kniestabilisierung schafft die Pflegekraft eine feste, stabile Basis, die der Patientin hilft, ihr Gleichgewicht zu halten.

AusfĂĽhrung passiv:

• informieren
• Bremsen am Rollstuhl anziehen
• Armlehne nach oben klappen oder herausziehen und weglegen
• Fußstützen nach oben klappen oder herausziehen und weglegen
• Patientin die Schuhe anziehen
• Bett so einstellen, dass die Patientin mit den Füßen den Boden berührt
• Knie der Patientin mit den eigenen Knien stabilisieren
• Patientin bitten, sich mit ihrem Brustbein anzulehnen – ihr Kopf kann seitlich auf Schulter der Pflegeassistenz liegen
• eine Hand unter das Sitzbein schieben, andere Hand fährt unter den Arm durch und greift den Rücken (oder: beide Hände umgreifen den Oberkörper der Patientin)
• Transfer geschieht ab dem Zeitpunkt, an dem sich der Griff sicher anfühlt

🎬 Video: „Patiententransfer vom Bett in den Rollstuhl mit Kniestabilisierung“, TZMO Group, youtube 🎬

Kontraindikationen und Herausforderungen

  • frische Knie- oder HĂĽftoperationen → Belastung kann die Heilung beeinträchtigen
  • schwere GelenkentzĂĽndungen (Arthritis) → verstärkte Schmerzen im Kniegelenk durch Knieblock
  • schwache oder schmerzhafte Beinmuskulatur → Kontrollverlust ĂĽber die Beine trotz Knieblock
  • neurologische Störungen oder Lähmungen → Knieblock unterstĂĽtzt nicht
  • starke Spastiken → plötzliche unkontrollierbare Bewegungen
  • schwere Osteoporose → selbst leichte mechanische Kräfte können zu KnochenbrĂĽchen fĂĽhren
  • Herz- und Atemwegserkrankungen (z. B. COPD) → Atembeschwerden, Kreislaufprobleme, Atemnot

Quellen:
[1] Kompetenz der Pflegeassistenz: Dekubitus erkennen und Dekubitusprophylaxe durchfĂĽhren, fachsozialbetreuer.co.at
[2] Kompetenz der Pflegeassistenz: Kinästhetik, fachsozialbetreuer.co.at


Bild: https://pixabay.com, @geralt