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Erfüllte Freizeit hält gesund

Kommentar zum Thema des Fachs „Kreativer Ausdruck“

14.03.2026

Kommentar. Aus salutogenetischer Sicht stellt Freizeit eine wichtige Ressource für die Gesundheit dar. Die Sozialbetreuung macht sich auf die Suche nach den Freizeitbedürfnissen eines Menschen und findet Wege, diese trotz Einschränkungen zu verwirklichen.

Nur eine erfüllte Freizeit führt zu einem erfüllten Leben. Und obwohl Maslow die Dimension „Freiheit“ in seiner Bedürfnispyramide vergisst, ist diese Dimension DER zentrale Aspekt schlechthin für ein erfülltes Leben. Ob ein Spaziergang in der Natur, ein Treffen mit Freunden oder ein entspanntes Lesen auf der Couch – nur die Freiheit, seine Freizeit individuell sinnvoll zu gestalten, macht sie erst wirklich erholsam.

Freude ist gesundheitsfördernd

Freizeit soll Freude machen. Denn Spaß ist nicht nur angenehm, sondern auch gesundheitsfördernd. Dies lässt sich gut aus der Sicht der Salutogenese erklären.

Das salutogenetische Modell des Medizinsoziologen Aaron Antonovsky beschäftigt sich mit der Frage, wodurch Gesundheit entsteht und erhalten bleibt. Zentral ist dabei das Kohärenzgefühl. Es beschreibt, dass ein Mensch gesund bleibt, wenn das Leben für ihn verstehbar, handhabbar und sinnvoll ist.

Freizeitaktivitäten können dieses Kohärenzgefühl stärken. Verstehbarkeit entsteht, wenn Menschen Aktivitäten ausüben, die sie kennen und deren Ablauf sie nachvollziehen können. Regelmäßige Freizeitbeschäftigungen geben dem Alltag Struktur und Orientierung. Handhabbarkeit wird gefördert, wenn Menschen erleben, dass sie selbst etwas tun und gestalten können. Wenn jemand ein Hobby ausübt, ein Spiel spielt, kreativ arbeitet oder sich bewegt, entsteht das Gefühl, über eigene Fähigkeiten zu verfügen und Herausforderungen bewältigen zu können. Sinnhaftigkeit entsteht, wenn Tätigkeiten Freude machen und persönlich bedeutsam sind. Freizeit, die Spaß bereitet, wird als wertvoll erlebt und motiviert dazu, sich aktiv mit dem eigenen Leben auseinanderzusetzen. Freude und positive Emotionen wirken zudem stressreduzierend.

Aus salutogenetischer Sicht stellt Freizeit also eine wichtige Ressource für Gesundheit dar. Sie unterstützt Menschen dabei, Belastungen auszugleichen und ihre psychische und soziale Stabilität zu erhalten.

Jeder begeistert sich für etwas anderes

Dabei kann Freude in vielfältigen Formen erlebt werden: durch soziale Kontakte, kreative Tätigkeiten oder körperliche Bewegung. Entscheidend ist einfach nur, die eigene Freizeit so zu gestalten, dass sie den eigenen Bedürfnissen entspricht, ohne sich dabei von gesellschaftlichen Zwängen oder den neuesten Trends aus Social Media beeinflussen zu lassen.

Unsere Motivation beeinflusst, welche Aktivitäten oder Erlebnisse wir als bereichernd und erfüllend wahrnehmen. Diese entspringt immer dem Wunsch, persönliche Bedürfnisse zu erfüllen. Bedürfnisse wiederum entstehen immer aus einem empfundenen Mangel heraus. Wenn ein Maler längere Zeit nicht malt, dann fehlt ihm etwas – das kann zum Beispiel der kreative Ausdruck, die Konzentration oder die Möglichkeit zur gestalterischen Selbstverwirklichung sein. Das Malen bietet ihn den Raum, den er braucht, um diesen empfundenen Mangel auszugleichen. Wenn eine Tänzerin nicht tanzt, fehlt ihr ebenfalls etwas – das kann die Bewegung, der Körperausdruck oder die emotionale Entladung sein. Der Tanz ermöglicht ihr, ihren empfundenen Mangel auszugleichen.

Freizeitaktivitäten erfüllen somit eine wichtige Funktion für das Gleichgewicht zwischen den Anforderungen des Alltags und den persönlichen Bedürfnissen. Sie stellen eine Möglichkeit dar, die eigenen Ressourcen zu aktivieren und Freude und Sinn zu erleben.

Sozialbetreuung heißt auch, sich auf die Suche nach unerkannten Bedürfnissen machen

Für Menschen mit Behinderungen und ältere Menschen kann es eine besondere Herausforderung sein, ihre Bedürfnisse zu stillen. Einschränkungen in der Wahrnehmung, Kognition, Kommunikation oder Mobilität erschweren es, diese klar zu benennen und umzusetzen. Dennoch bleiben sie grundlegende menschliche Antriebe, bis an unser Lebensende. Der Maler mit einem Tremor in den Händen wird bis zum Schluss Trauer darüber empfinden, dass er sich nicht mehr gestalterisch selbstverwirklichen kann. Die Tänzerin im Rollstuhl wird Trauer darüber empfinden, dass sie sich nicht mehr über Bewegung emotional entladen kann. Für SozialbetreuerInnen ist es wichtig, ein unterstützendes Umfeld für diese Menschen zu schaffen, das dabei hilft, ihre Bedürfnisse zu identifizieren und Wege zu finden, um diese zu verwirklichen.

Freizeit ist mehr als Zeitvertreib – sie bietet den Raum für Lebensqualität und Gesundheit. In der Sozialbetreuung bedeutet dies, Menschen dabei zu unterstützen, ihre unerkannten Bedürfnisse zu entdecken und Wege zu finden, diese trotz Einschränkungen zu verwirklichen. Eine ressourcenorientierte Begleitung trägt dazu bei, dass kleine Momente der Freude zu bedeutenden salutogenetischen Quellen werden.


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