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Pathologie: Neurologische Krankheitsbilder

Aufbereiteter Lehrinhalt, Unterrichtsfach: Pathologie fĂĽr die Pflegeassistenz


03.05.2026


Demenz (Demenzielles Syndrom)

Definition

Das Demenzielle Syndrom ist ein Symptomkomplex, der durch eine Verschlechterung bzw. den Verlust der vorhandenen Leistungsfähigkeit des Gehirns gekennzeichnet ist. Die Symptome betreffen vor allem die komplexen kognitiven Fähigkeiten des Gehirns (Gedächtnis, Denk- und Urteilsvermögen, Affektkontrolle, Sprache).

Pathologie, Pathogenese

• es kommt zu fortschreitendem Verlust geistiger Funktionen wie Denken, Orientierung und Lernfähigkeit
• kognitive und soziale Fähigkeiten nehmen ab
• je nach Form kann das Kurzzeitgedächtnis, das Denkvermögen, die Sprache, die Persönlichkeit sowie die Motorik betroffen sein
• genauen Ursachen bis heute noch nicht zur Gänze geklärt

Demenz Formen

Man unterscheidet zwischen:
• neurodegenerativen und vaskulären Demenzen (Nervenzellabbau vs. Durchblutungsstörung)
• primären und sekundären Demenzen (direkte Schädigung vs. Folge einer anderen Erkrankung)

Gängiste Formen:
• Alzheimer-Demenz (60-70%)
• vaskuläre Demenz (20%)
• Frontotemporale Demenz (Stirn- und Schläfenlappen betroffen)
• Lewy-Körperchen-Demenz
• Parkinson-Demenz
• Metabolische Demenz (Leberfunktionsstörungen)
• Alkoholdemenz (Korsakow-Syndrom)

🪢 🧩💡Erinnerungsknoten: Was ist der Unterschied zwischen Demenz und Delir?💡🧩 🪢

Alzheimer Demenz

• beginnt schleichend
• Ursache ungeklärt
• abnormale Proteinablagerungen​ im Gehirn (bestimmte Eiweiße werden nicht mehr richtig verarbeitet oder abgebaut) 
• Zelltod (Untergang von Nervenzellen im Gehirn
• nach dem deutschen Nervenarzt Alois Alzheimer benannt

Frühstadium: Leichte Gedächtnisprobleme, Schwierigkeiten bei der Wortfindung und Orientierungsschwierigkeiten, wenig Hilfe notwendig
Mittleres Stadium: Deutliche Gedächtnisverluste, Verhaltensänderungen, Schwierigkeiten bei alltäglichen Aufgaben
Spätstadium: Schwere kognitive Beeinträchtigungen, Verlust der Sprachfähigkeit, vollständige Pflegebedürftigkeit

Der Unterschied zwischen Alzheimer-und vaskulärer Demenz:
vaskuläre Demenz beginnt plötzlich – Alzheimer-Demenz schleichend

Symptome

• Gedächtnisverlust ​
• Orientierungsprobleme​
• Verlegen von Dingen​
• Vergesslichkeit​
• Sprachstörungen​
• Wesensveränderungen​
• Reizbarkeit​
• Sozialer Rückzug
• Ängstlichkeit
• Depression

Verlauf

• Beginn 10 Jahre vor ersten Symptomen
• von Beginn der Symptome über die Diagnose und bis zum Tod ca. 10 Jahre
• ca. 20 Jahre

Diagnose

• Neurologe
• Mini-Mental-Status-Test (MMST) oder der Demenz-Detektions-Test (DemTect), Uhrentest
• CT, MR
• Differenzialdiagnosen (Depression, Blutabnahme, Liquor Untersuchung)

Therapie

• medikamentös
• nicht-medikamentös

medikamentös
• Antidementiva
• ggf. Antidepressiva
• Neuroleptika (antipsychotisch)
• Ginkgo biloba (pflanzlich, Krankheitsstadium: Leicht bis mittelschwer, auch zur Therapie von vaskulärer Demenz geeignet)

nicht medikamentös
• Validation
• Physiotherapie
• Logopädie
• Ergotherapie

Schlaganfall

Definition 

Ein Schlaganfall (Hirnschlag, Apoplex, Gehirnschlag, zerebraler Insult, Stroke) ist ein akuter Verschluss eines Gefäßes im Gehirn, der zu einer plötzlichen Sauerstoffunterversorgung und dem Absterben von Nervengewebe fĂĽhrt. 

Ein Schlaganfall fĂĽhrt zu dauerhaften neurologischen Schäden, weil er eine Unterbrechung der Blutversorgung im Gehirn verursacht, die zum Absterben von Nervenzellen fĂĽhrt, welche sich im Gegensatz zu anderen Körperzellen nicht regenerieren können. Die Zeitspanne zwischen dem Auftreten eines Schlaganfalls und dem Beginn der Behandlung spielt eine entscheidende Rolle dafĂĽr, wie gut sich die PatientIn anschlieĂźend regeneriert. Jede Minute zählt, da bei einem akuten Schlaganfall pro Minute bis zu 2 Millionen Nervenzellen absterben.

🪢 🧩💡Erinnerungsknoten: Nice to know: Wie viele Nervenzellen besitzt ein menschliches Gehirn in etwa?💡🧩 🪢

Man unterscheidet zwei Hauptformen des Schlaganfalls: 
• ischämischer Schlaganfall (Hirninfarkt) 
• hämorrhagischer Schlaganfall (Hirnblutung) 

Risikofaktoren: 
• Hypertonie 
• Rauchen 
• Vorhofflimmern
• Diabetes mellitus 
• hohes Cholesterin
• Bewegungsmangel
• Adipositas 
• ĂĽbermäßiger Alkoholkonsum 
• Alter 
• familiäre Vorbelastung 
• Geschlecht – Männer häufiger als Frauen betroffen
• Transitorische ischämische Attacke (Mini-Schlaganfall)

Transitorische ischämische Attacke
Eine transitorische ischämische Attacke (TIA), auch als „Mini-Schlaganfall“ bezeichnet, ist eine vorübergehende Durchblutungsstörung im Gehirn, die typische Schlaganfallsymptome verursacht. Diese Symptome bilden sich meist innerhalb einer Stunde, spätestens nach 24 Stunden, vollständig zurück und sind ein ernstes Warnsignal für einen drohenden Schlaganfall. Auch eine TIA ist ein medizinischer Notfall.

Pathophysiologie Ischämischer Schlaganfall

Der ischämische Schlaganfall (Hirninfarkt), wird durch einen Gefäßverschluss im Gehirn verursacht, wodurch es zu einer plötzlichen Minderdurchblutung von betroffenen Hirnarealen kommt. (ca. 80-85% der Fälle) 

Dies fĂĽhrt zu Sauerstoff- und Nährstoffmangel, wodurch Hirnzellen bereits nach wenigen Minuten absterben können. Nervenzellen sterben bei Sauerstoffmangel innerhalb weniger Minuten ab, weil sie extrem viel Energie fĂĽr ihre Funktionen benötigen, aber kaum Reserven speichern. 

Hauptursachen Ischämischer Schlaganfall
• Arteriosklerose (Gefäßverkalkung) – ist die häufigste Ursache
• Blutgerinnsel (Thromben oder Embolien) 

Pathophysiologie Hämorrhagischer Schlaganfall

Ein hämorrhagischer Schlaganfall (Hirnblutung) entsteht, wenn ein geschwächtes Blutgefäß im Gehirn platzt, und Blut in das Hirngewebe austritt. (ca. 15-20% der Fälle) 

Ausgetretenes Blut zerstört Nervenzellen im Gehirn und unterbricht neuronale Verbindungen. Das Blut sammelt sich an und drĂĽckt das umliegende gesunde Hirngewebe zusammen, was zu einer Quetschung fĂĽhrt. Durch den Druck werden feinste Blutgefäße abgedrĂĽckt, was die Durchblutung umliegender Areale verhindert und zu deren Absterben fĂĽhren kann. Häufig kommt es auch zu Hirnödemen, welche den Druck weiter steigern. 

Hauptursachen Hämorrhagischer Schlaganfall
• Hypertonie 
• Aneurysma
• Antikoagulanzien 
• Drogenkonsum 

Symptome

• Plötzliche Schwäche oder Lähmung, häufig auf einer Körperseite, z. B. Arm, Bein oder Gesicht (Hemiparese)
• hängendes Augenlid oder auffällige Augenstellung
• TaubheitsgefĂĽhl 
• herabhängender Mundwinkel auf einer Seite (Fazialparese)
• plötzliche Sprach- oder Verständnisschwierigkeiten (Aphasie)
• plötzliche Sehprobleme
• plötzlicher Schwindel
• Gleichgewichtverlust oder Koordinationsstörungen
• plötzlich ungewöhnlich starke Kopfschmerzen – kann auf eine akute Hirnblutung hindeuten
• plötzliche Verwirrtheit oder Bewusstseinsstörungen
• Krampfanfall
• Sehstörungen: Gesichtsfeldausfälle (Hemianopsie), Doppelbilder, verschwommenes Sehen oder ein plötzlicher, meist einseitiger Sehverlust 

Diagnostik 

• CT
• MRT

🪢 🧩💡Erinnerungsknoten: Was ist der Vorteil des CTs im Vergleich zum herkömmlichen Röntgenbild? Mit welchem Medium arbeitet das MRT und geht damit eine Strahlenbelastung einher? 💡🧩 🪢

Akutdiagnostik:
• FAST-Schema
• keine Zeit verlieren (time is brain!)
• eine Blutzuckermessung zum Ausschluss einer Hypoglykämie ist empfehlenswert 

🪢 🧩💡Erinnerungsknoten: Welche Erste Hilfe Maßnahmen setzt du bei einem Schlaganfall?💡🧩 🪢

Präventiv:
EKG (Vorhofflimmern)

Laborwerte:  
Blutzucker: sowohl Hypoglykämie (Unterzuckerung) als auch Hyperglykämie (Überzuckerung) können Symptome hervorrufen, die einem Schlaganfall ähneln

Therapie

Thrombolyse: beim ischämischen Schlaganfall kann durch eine Thrombolyse die Durchblutung wiederhergestellt werden
Thrombektomie: Thrombus wird mechanisch entfernt 

Rehabilitation 
• Physiotherapie
• Ergotherapie
• Logopädie

Ziel: Verbesserung der Symptome und Vermeidung von Folgeschäden

Prävention

• Primärprävention
• Sekundärprävention

🪢 🧩💡Erinnerungsknoten: Was ist der Unterschied zwischen Primärprävention und Sekundärprävention? 💡🧩 🪢

Primärprävention 
• Nikotinverzicht und reduzierten Alkoholkonsum
• Gesunde Ernährung und Gewichtsnormalisierung  
• Regelmäßige körperliche Aktivität  
• Kontrolle von Blutdruck, Blutzucker und Cholesterin  

Sekundärprävention 
• Gerinnungshemmung (Thrombozytenaggregationshemmer [ASS] oder Antikoagulation [oral, s.c.])
• Therapie bei erhöhtem LDL-Cholesterin (Statine)
• Blutdrucksenkung (ACE-Hemmer, Calciumantagonisten)

Relevant fĂĽr die Pflege

Schlaganfallpatienten haben ein deutlich erhöhtes Risiko fĂĽr eine Pneumonie. HauptgrĂĽnde dafĂĽr sind Dysphagien, Aspiration, ein geschwächtes Immunsystem, Bettlägerigkeit und Bewegungsmangel. Zu den Prophylaxen fĂĽr Schlaganfallpatienten gehört daher auch die Pneumonieprophylaxe.

Sehr wichtig: fett markiert

FachbegriffBeschreibung
ACE-HemmerBlutdrucksenker 
Aneurysmagefährliche, ballonartige Erweiterung einer geschwächten Arterienwand 
Antihypertensiva (= ACE-Hemmer)Blutdrucksenker
Antikoagulantien Blutgerinnungshemmer (z.B. Heparin)
ArterioskleroseAblagerung von Cholesterin und Fetten in den Arterienwänden, fĂĽhrt zu Verhärtung und Verengung 
ASS – AcetylsalicylsäureThrombozytenaggregationshemmer (verhindert die Verklumpung von Blutplättchen)
nicht steroidales Antirheumatika (NSAR, schmerzlindernd, entzĂĽndungshemmend, fiebersenkend)
D-DimereAbbauprodukte von Blutgerinnseln 
Hämorrhagischer Stroke Hirnblutung 
hämorrhagisch zu Blutungen fĂĽhrend 
IschämieMinderdurchblutung eines Organs infolge mangelnder arterieller Zufuhr von Blut (fĂĽhrt zu Sauerstoffmangel – Hypoxie)
Ischämisch schlecht bzw. nicht durchblutet 
Ischämischer Stroke Durchblutungsstörung durch Thrombus 
Lyse / ThrombolyseMedikamentöse Gerinnselauflösung
Thrombektomie Mechanische Entfernung eines Thrombus 
Thrombolyse Medikamentöse Auflösung eines Thrombus 
Thrombozytenaggregationshemmerverhindert das Verklumpen von Blutblättchen (ASS)
ThrombusBlutgerinnsel 

Bild: ©pixabay, @TyliJura, weiterbearbeitet