Aufbereiteter Lehrinhalt
24.02.2026
ERKRANKUNGEN DES OBEREN GASTROINTESTINALTRAKTS
Oberer Gastronintestinaltrakt:
• Mundhöhle
• Rachen (Pharynx)
• Speiseröhre (Ösophagus)
• Magen
• Zwölffingerdarm (Duodenum)
Gastritis
Definition
Entzündliche Veränderung der Magenschleimhaut
Pathogenese / Pathophysiologie
akut: durch Alkohol, NSAR, Stress, Infektionen
chronisch: Umbau der Schleimhaut (Atrophie)
Einteilung nach Ursache
- Typ A (autoimmun): Antikörper gegen Belegzellen → Verlust von Säure & Intrinsic-Faktor → Vitamin-B12-Mangel (perniziöse Anämie), Risiko für Magenkarzinom. Therapie = Vit. B12 lebenslang, Kontrollen.
- Typ B (bakteriell): Helicobacter pylori (Urease → Ammoniak → Schutzschild). Führt zu chron. aktiver Gastritis, Ulkus, Karzinomrisiko. Diagnose = Atemtest, Stuhlantigen, Biopsie. Therapie= Eradikation (PPI + 2 Antibiotika für 10-14 Tage).
- Typ C (chemisch-toxisch): NSAR (Ibuprofen, ASS), Alkohol, Gallereflux. Schädigung der Schleimhautschutzschicht.
Symptome
- Oberbauchschmerz
- Nausea
- Völlegefühl
Diagnose
- Anamnese (Schmerzcharakter, Medikamenteneinnahme, Alkohol)
- körperliche Untersuchung
- Gastroskopie (Endoskopie des Magens) mit Biopsie
- Helicobacter-Nachweis (Atemtest, Stuhltest, Biopsie)
- Blutuntersuchung (Vitamin B12, ggf. Antikörper bei Typ A)
Therapie
- Protonenpumpenhemmer (PPI) zur Säurereduktion
- Auslöser meiden (NSAR-Stopp, Alkoholverzicht)
- Eradikationstherapie bei Helicobacter pylori
- Vitamin-B12-Substitution bei Typ A
- magenschonende Ernährung
- Stressreduktion
Gastroösophageale Refluxkrankheit (GERD)
Definition
Chron. Rückfluss von Mageninhalt in die Speiseröhre → Entzündung (Refluxösophagitis)
Pathogenese / Pathophysiologie
Schwäche des Schließmuskels, Übergewicht, Selbstreinigung der Speiseröhre funktioniert nicht.
Symptome
Leitsymptom: Sodbrennen, saures Aufstoßen
atypisch: Husten, Heiserkeit
Diagnose
• Gastroskopie
• 24h-pH-Metrie
Therapie
• Lebensstil (Gewicht, kleinere Mahlzeiten)
• PPI (Protonenpumpenhemmer)
• ggf. Fundoplicatio
Hiatushernie (Zwerchfellbruch)
Definition
Verlagerung von Magenanteilen durch Zwerchfelllücke in den Brustkorb
Pathogenese / Pathophysiologie
Schwäche des Zwerchfells, erhöhter intraabdomineller Druck
Symptome
• Sodbrennen
• Druckgefühl hinter dem Sternum
• Dysphagie
• Dyspnoe
Diagnose
• Gastroskopie
• Röntgen-Breischluck
• CT
Therapie
• Lebensstil (Gewicht, kleinere Mahlzeiten)
• PPI (Protonenpumpenhemmer)
• ggf. Fundoplicatio
Magenperforation
Akuter Notfall!
Definition
Durchbruch der Magenwand mit Austritt von Mageninhalt in die Bauchhöhle.
Pathogenese / Pathophysiologie
Ursache tiefes Ulkus, Tumor, Nekrose
Symptome
Vernichtungsschmerz, brettharter Bauch (Abwehrspannung), Schock
Diagnose
• Röntgen
• CT
Therapie
Notfall-OP
Magentumor
Definition
Magenkarzinom (Adenokarzinom). Bösartiger Tumor der Schleimhaut. Risikofaktoren: H. pylori, chron. Gastritis. Symptome: Früh= unspezifisch (Völlegefühl). Spät: Gewichtsverlust, Oberbauchschmerz, Blutung (Teerstuhl), Anämie
Diagnose
• Gastroskopie mit Biopsie (Goldstandard)
• CT (Metastasen)
Therapie
• Gastrektomie
• Chemotherapie (kurativ)
• oder palliative Therapie (Palliation)
FUNKTIONELLE & MOTILITÄTSSTÖRUNGEN DES MAGENS
Funktionelle Dyspepsie
Definition:
Reizmagen. Chron. Oberbauchbeschwerden ohne organischen Befund.
Pathogenese / Pathophysiologie
• gestörte Magenmotilität
• Überempfindlichkeit der Organe
• Stress
Symptome
• Völlegefühl
• frühe Sättigung
• epigastrische Schmerzen
• Nausea (≥3 Monate)
Diagnose
- Anamnese (Dauer ≥ 3 Monate, typische Beschwerden)
- Ausschluss organischer Ursachen
- Gastroskopie ohne pathologischen Befund
- ggf. Laboruntersuchungen zum Ausschluss anderer Erkrankungen
Therapie
• PPI (Protonenpumpenhemmer, 4-8 Wo.)
• ggf. niedrigdosierte Antidepressiva
• Psychotherapie
Gastroparese
Definition
Magenlähmung. Verzögerte Magenentleerung ohne mechanisches Hindernis.
Pathogenese / Pathophysiologie
Hauptursache: Diabetes mellitus (autonome Neuropathie)
Symptome
• Nausea
• Emesis
• frühe Sättigung
• schwankender Blutzucker
Diagnose
• Magenentleerungstest
Therapie
• kleine, fettarme Mahlzeiten
• Medikamente, die die Magen-Darm-Bewegung fördern (Prokinetika)
• Medikamente gegen Nausea und Emesis (Antiemetika)
• Magenschrittmacher
ULCUSERKRANKUNGEN DES MAGENS
Ulcus ventriculi
Definition:
Magengeschwür. Tiefer Schleimhautdefekt.
Pathogenese / Pathophysiologie
Es besteht ein Ungleichgewicht zwischen aggressiven und schützenden Faktoren der Magenschleimhaut. Aggressive Faktoren wie Magensäure, Pepsin, Helicobacter pylori oder NSAR greifen die Schleimhaut an. Wenn die Schutzmechanismen (Schleim, Bikarbonat, Durchblutung) nicht mehr ausreichen, entsteht ein tiefer Schleimhautdefekt (Ulcus).
Symptome
• dumpf-brennender Oberbauchschmerz (oft nahrungsabhängig)
• Völlegefühl
• Nausea
Diagnose
• Anamnese (Schmerzcharakter, Medikamenteneinnahme)
• Gastroskopie mit Biopsie
• Helicobacter-pylori-Nachweis (Atemtest, Stuhltest, Biopsie)
• Ausschluss von Komplikationen (Blutung, Perforation)
Therapie
• ggf. endoskopische Blutstillung bei Blutung
• PPI (Protonenpumpenhemmer, 4–8 Wochen)
• NSAR-Stopp
• H.-pylori-Eradikation
Stressulkus
Definition:
Akute erosive oder ulzerierende Schleimhautschädigung des Magens oder Duodenums bei schwerkranken Patienten. Tritt typischerweise bei Schock, Sepsis, Polytrauma, Verbrennungen oder nach großen Operationen auf. Häufig zunächst symptomlos, oft Erstmanifestation durch Blutung (Hämatemesis, Meläna).
Pathogenese / Pathophysiologie
Durch schwere Belastungssituationen kommt es zu einer Minderdurchblutung (Ischämie) der Magenschleimhaut. Die verminderte Schleimhautdurchblutung schwächt die Schutzmechanismen (Schleim, Bikarbonat). Magensäure kann die geschädigte Schleimhaut angreifen → Erosionen oder Ulzera entstehen.
Symptome
- häufig zunächst symptomlos
- Hämatemesis (Bluterbrechen)
- Meläna (Teerstuhl)
- Anämiezeichen bei Blutverlust
- ggf. Kreislaufinstabilität
Diagnostik
- Anämie im Blutbild
- Gastroskopie mit Nachweis von Erosionen oder Ulzera
- Überwachung bei Intensivpatienten mit Risikofaktoren
Therapie
- Protonenpumpenhemmer (PPI)
- endoskopische Blutstillung bei aktiver Blutung
- Stabilisierung des Kreislaufs (Flüssigkeit, ggf. Transfusion)
- Behandlung der Grunderkrankung
Prophylaxe
• frühzeitige enterale Ernährung zur Stabilisierung der Schleimhaut
• PPI bei Risikopatienten auf Intensivstation
ERKRANKUNGEN DES UNTEREN GASTROINTESTINALTRAKTS
Unterer Gastrointestinaltrakt:
• Darm
• Analkanal
• Rektum
Morbus Crohn
Definition
chronisch-entzündliche Darmerkrankung mit schubweisem Verlauf.
Pathogenese / Pathophysiologie
• chronisch, nicht heilbar
• schubweiser Verlauf mit Remissionen
• diskontinuierlicher
• einzelne Abschnitte sind befallen
• Entzündung durch alle Schichten der Organwand
• kann den gesamten Verdauungstrakt von der Mundhöhle bis zum After betreffen
Die Erkrankung entsteht multifaktoriell durch genetische Prädisposition, Umweltfaktoren, eine gestörte Darmbarriere („leaky gut“) und eine überschießende Immunantwort. Dies führt zu einer chronischen, tiefen Entzündung mit Ulzera, Verengung der Blutgefäße (Stenosen) und Fisteln.
Symptome
Leitsymptome (Trias):
• chronische Diarrhoe
• krampfartige Bauchschmerzen (häufig rechter Unterbauch)
• ungewollter Gewichtsverlust
Weitere Symptome:
• Fatigue, Fieber
• Appetitlosigkeit, Nausea
• Anämie
Manifestationen außerhalb des Intestinaltrakts:
• Gelenkentzündungen (Arthritis)
• Hautveränderungen (Erythema nodosum)
• Augenentzündungen (Uveitis)
• Mundaphthen
Diagnostik
• Anamnese und klinische Untersuchung
• Koloskopie mit Biopsie (Goldstandard)
• MRT / Ultraschall
• Labor: CRP, Blutbild, Mangelzustände
• Stuhlmarker
Therapie
• intensive Therapie zu Beginn, um möglichst rasch eine deutliche Besserung oder Remission zu erreichen.
• Erhaltungstherapie zur Schubprävention
• Kortikosteroide im akuten Schub
• Immunsuppressiva
• biotechnologisch hergestellte Medikamente
• enterale Ernährung
• chirurgische Therapie bei Komplikationen
Häufige Komplikationen
• Verengung der Blutgefäße (Stenosen)
• Fisteln
• Abszesse
• Ileus
• Malabsorption
Darmpolypen
Definition:
benigne Tumore. Polypen können neben dem Darm auch in anderen Organen auftreten (z.B. Magen, Nase, Gebärmutter,…)
Pathogenese / Pathophysiologie
Darmpolypen entstehen durch eine vermehrte Zellteilung der Darmschleimhaut. Häufig liegt eine genetische Veränderung der Schleimhautzellen zugrunde (Adenom-Karzinom-Sequenz). Risikofaktoren sind höheres Lebensalter, familiäre Belastung, ballaststoffarme Ernährung, Adipositas und chronische Entzündungen. Ein Teil der Polypen (v. a. Adenome) kann sich über Jahre zu einem Kolonkarzinom entwickeln.
Symptome
- häufig lange symptomlos
- Blut im Stuhl
- okkulte Blutung → Eisenmangelanämie
- Veränderung der Stuhlgewohnheiten
- selten Bauchschmerzen
Diagnostik
- Koloskopie (Goldstandard) mit direkter Sicht und Abtragung
- Biopsie und histologische Untersuchung
- Test auf okkultes Blut im Stuhl
- ggf. CT
Therapie
- endoskopische Polypektomie während der Koloskopie
- chirurgische Entfernung bei großen oder ungünstig gelegenen Polypen
- regelmäßige Kontrollkoloskopien (Nachsorge)
- Lebensstilmodifikation (Ernährung, Bewegung, Gewichtsreduktion)
- Frühe Entfernung verhindert die Entwicklung eines Darmkarzinoms
Fachwörter zum Thema Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts, die die Pflegeassistenz kennen und (bestenfalls) benutzen soll
Sehr wichtig = fett
| Fachbegriff | Erklärung |
|---|---|
| Abszess | Eiteransammlung im Gewebe |
| Anämie | Blutarmut |
| Anamnese | Krankengeschichte |
| Atrophie | Gewebeschwund (z.B. Drüsenverlust) |
| Biopsie | Entnahme einer Gewebeprobe zur Untersuchung |
| chronisch | lang andauernd |
| CRP | Entzündungswert im Blut (C-reaktives Protein) |
| Diarrhoe | Durchfall |
| Dysphagie | Schluckbeschwerden |
| entzündlich | mit Entzündung verbunden |
| Endoskopie | Untersuchung mit Kamera im Körper |
| Emesis | Erbrechen |
| Erosion | Oberflächlicher Schleimhautdefekt |
| Fatigue | ausgeprägte, krankheitsbedingte Erschöpfung |
| Fistel | krankhafter Verbindungsgang zwischen Organen oder zur Haut |
| gaster | Magen |
| Hämatemesis | Bluterbrechen |
| Ileus | Darmverschluss |
| Kachexie | starker, krankhafter Gewichtsverlust |
| Malabsorption | gestörte Aufnahme von Nährstoffen im Darm |
| Meläna | Teerstuhl (Blut im Stuhl) |
| multifaktoriell | durch mehrere Ursachen oder Faktoren bedingt |
| Nausea | Übelkeit |
| NSAR | Nicht steroidale Medikamente wie Ibuprofen (schmerzlindernd, entzündungshemmend, fiebersenkend) |
| Ösophagus | Speiseröhre |
| Perforation | Durchbruch eines Organs |
| Remission | Zurückdrängung oder vorübergehendes Verschwinden der Krankheit |
| remittierend | schubweise verlaufend mit Besserungsphasen |
| rezidivierend | wiederkehrend |
| ulcus | tiefer Gewebedefekt (Geschwür) |
Bild: ©pixabay, @Abdullah195