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Pathologie: Erkrankungen des Bewegungsapparats

Aufbereiteter Lehrinhalt


26.02.2026


Arthrose

Definition
degenerative Gelenkserkrankung, bei der der Gelenkknorpel im Laufe der Zeit abgebaut wird, was zu dolor, Steifigkeit und eingeschränkter Beweglichkeit führt. 

Pathophysiologie, Pathogenese  

• Knorpelabbau
• Knochenveränderungen
• knöcherne Auswüchse

Symptome

• dolor
• Steifheit
• Anlaufschmerzen
• Bewegungseinschränkung
• tumor
• Reibungsgeräusche 

Diagnostik

• Anamnese (Belastungsschmerz, Morgensteifigkeit < 30 Min.)
• Röntgen
• ggf. MRT bei unklaren Befunden

Therapie

• Physiotherapie
• medikamentös: NSAR zur Schmerz- und Entzündungshemmung, Paracetamol, topische NSAR (Salben, Gele), Kortikosteroid-Injektionen bei akuter Entzündung, ggf. kurzzeitig Opioide bei starken Schmerzen
• Ergotherapie
• Gewichtsreduktion
• operative Therapie

Arthritis

Definition
Entzündung eines oder mehrerer Gelenke, die oft mit dolor, tumor und rubor einhergeht

Pathophysiologie, Pathogenese

Bei einer Arthritis, insbesondere der rheumatoiden Arthritis, handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung. Das Immunsystem greift dabei fälschlicherweise die eigene Gelenkschleimhaut an. Dadurch werden Entzündungsmediatoren freigesetzt, die eine chronische Entzündung im Gelenk auslösen. Diese anhaltende Entzündung führt zur fortschreitenden Zerstörung von Knorpel und Knochen. Zusätzlich können extraartikuläre Manifestationen auftreten, das heißt, auch Organe außerhalb der Gelenke können betroffen sein.

Symptome

• dolor
• tumor
• rubor
• Einschränkung der Beweglichkeit
• Gelenkerguss 

Diagnostik

• Anamnese (Morgensteifigkeit > 60 Min., symmetrischer Befall)
• Labor: CRP, BSG, Rheumafaktor, Anti-CCP-Antikörper
• Gelenkpunktion (bei Erguss)
• Röntgen oder MRT (Erosionen, Gelenkdestruktion)

Therapie

• Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR)
• Cortison
• physikalische Therapie (z.B. Kälte- oder Wärmetherapie, Elektrotherapie)
• Lebensstiländerung  

Gicht

Definition:
Schmerzhafte Gelenkentzündung durch Harnsäure. Stoffwechselerkrankung.

Pathophysiologie, Pathogenese    

Bei der Gicht liegt eine erhöhte Harnsäurekonzentration im Blut (Hyperurikämie) vor. Wenn die Löslichkeitsgrenze überschritten wird, bilden sich Kristalle. Diese lagern sich bevorzugt in Gelenken ab. Das Immunsystem erkennt die Kristalle als fremd und löst eine akute Entzündungsreaktion aus. Dadurch kommt es zum typischen schmerzhaften Gichtanfall.

Symptome

• dolor
• tumor
• rubor
• calor
• Bewegungseinschränkung
• chronische Symptome 

Diagnostik

• Anamnese (plötzlicher Beginn, häufig Großzehengrundgelenk)
• Serum-Harnsäure erhöht
• Gelenkpunktion mit Nachweis von Mononatriumurat-Kristallen (Goldstandard)
• Ultraschall (Doppelkonturzeichen)
• Röntgen bei chronischer Gicht (Knochendefekte)

Therapie

• schnelle Entzündungs- und Schmerzhemmung mit NSAR (z. B. Ibuprofen, Diclofenac) und Glukokortikoide (z. B. Prednisolon)
• Harnsäurespiegel senken mit Urikostatika und Urikosurika
• Lebensstil ändern 

Hier ist die Transkription des Dokuments:

Osteoporose

Definition:
Knochenschwund. Chronische Erkrankung des Skelettsystems, bei der die Knochen an Festigkeit und Stabilität verlieren („poröse Knochen“). Sie wird als „stille Erkrankung“ bezeichnet, da der Knochenabbau oft über viele Jahre hinweg unbemerkt und schmerzfrei verläuft.

Pathophysiologie / Pathogenese

• Unser Skelett erneuert sich ein Leben lang komplett.
• Bei Osteoporose ist das Gleichgewicht zwischen knochenabbauenden und -aufbauenden Zellen gestört.
• Es entsteht eine negative Bilanz: Es wird mehr Knochen abgebaut, als nachgebaut werden kann.
• Folge: Das feine Gitterwerk im Inneren des Knochens wird dünner und reißt ab. Der Knochen wird innerlich hohl, instabil und brüchig.
• Hauptauslöser:
– Östrogenmangel (die natürliche „Bremse“ für den Knochenabbau fällt weg)
– Alterungsprozesse
– Cortison-Therapien

Symptome

• Brüche durch harmlose Alltagssituationen, häufig an Wirbelkörpern, Oberschenkelhals, Oberarm oder Handgelenk.
• Rückenschmerzen: akut (durch Wirbeleinbrüche) oder chronisch (durch Fehlhaltungen und Muskelverspannungen).
• Verlust an Körpergröße: Eine Abnahme von mehr als 4 cm gilt als Warnzeichen (durch in sich zusammensackende Wirbelkörper).
• Haltungsänderungen: Krümmung der Wirbelsäule nach vorn mit Entstehung eines „Witwenbuckels“ (Rundrücken) und typischen Hautfalten am Rücken („Tannenbaum-Phänomen“).

Diagnostik

• Anamnese & körperliche Untersuchung: Prüfung von Risikofaktoren, Sturzrisiko und Körpergröße
• Labordiagnostik: Blut- und Urinproben (Calcium, Vitamin D, Phosphat, Schilddrüsenwerte)
• Knochendichtemessung: Mittels DXA-Scan (digitales Röntgen mit niedriger Strahlendosis) an Lendenwirbelsäule und Hüfte
• Röntgen: Wird bei Verdacht auf Wirbelkörperfrakturen eingesetzt

Therapie

• Ziele: Knochensubstanz erhalten oder aufbauen, Knochenbrüche verhindern, Schmerzen reduzieren und Mobilität sichern.
• Basistherapie: Ausreichende Versorgung mit Calcium (als Baustoff) und Vitamin D (fördert die Aufnahme aus dem Darm).
• Medikamente: Einsatz von Bisphosphonaten, Denosumab oder Romosozumab (hemmen den Abbau, fördern teils den Aufbau), Östrogenen/Raloxifen (knochenschützend) oder Teriparatid (stimuliert Knochenneubildung).
• Lebensstil: Gezieltes Kraft- und Ausdauertraining, eine kalzium- und eiweißreiche Ernährung sowie Verzicht auf Rauchen und zu viel Alkohol.

Wirbelsäulenerkrankungen

Definition:
Krankheiten oder Schädigungen der Wirbelsäule. Sie können betreffen:
• Wirbelkörper (Knochen)
• Bandscheiben
• Nervenwurzeln
• Rückenmark
Folgen sind häufig Schmerzen, neurologische Störungen und Bewegungseinschränkungen.

Pathophysiologie / Pathogenese

Je nach Ursache entstehen Erkrankungen durch:
• Degeneration → Alterung, Überlastung der Bandscheiben
• Fehlstellungen → veränderte Statik der Wirbelsäule
• Entzündungen → Autoimmunreaktionen
• Trauma → Unfälle, Stürze
• Tumoren → Raumforderung mit Druck auf Nervenstrukturen

Einteilung

A) Degenerative Erkrankungen

Skoliose
• Seitliche Verkrümmung mit Verdrehung der Wirbelkörper

Bandscheibenvorfall
• Riss des Faserrings
• Austritt von Bandscheibenmaterial
• Reizung oder Kompression von Nerven

Bandscheibenprotrusion
Vorwölbung der Bandscheibe, Faserring bleibt intakt

Spinalkanalstenose
• Verengung des Wirbelkanals
• Nervenkompression
• Gangunsicherheit, Schmerzen, Sensibilitätsstörungen

Risikofaktoren

• Alter
• Bewegungsmangel
• Übergewicht
• Fehlbelastung
• Schwere körperliche Arbeit
• Genetische Faktoren

B) Fehlstellungen & Deformitäten

Kyphose
• Nach hinten gerichtete Krümmung

Lordose
• Nach vorne gerichtete Krümmung

Morbus Scheuermann
• Wachstumsstörung der Wirbelsäule
• Auftreten im Jugendalter

Mögliche Folgen

• Schmerzen
• Bewegungseinschränkungen
• Muskelverspannungen
• Organbeeinträchtigungen

Therapie

• Physiotherapie
• Haltungsschulung
• Korsettversorgung
• Schmerztherapie
Operation bei:
• starker Verkrümmung
• rascher Verschlechterung
• neurologischen Ausfällen

C) Entzündliche Erkrankungen

Morbus Bechterew (Ankylosierende Spondylitis)
• chronisch-entzündliche Erkrankung der Wirbelsäule
• betroffen: Kreuzbein, LWS, BWS

Typische Symptome
• Rückenschmerzen
• Morgensteifigkeit
• Besserung durch Bewegung
• Bewegungseinschränkung

Diagnostik
• Anamnese
• Blutuntersuchung
• Röntgen
• MRT

Therapie
• NSAR
• Kortison
• Biologika
• Bewegungstherapie

Komplikationen
• Versteifung der Wirbelsäule
• Fehlhaltung
• Eingeschränkte Lungenfunktion

D) Traumatische Erkrankungen

Ursachen
• Stürze
• Verkehrsunfälle
• Osteoporose
• Sportverletzungen

Beispiel: Wirbelkörperfraktur
• Starke Schmerzen
• Bewegungseinschränkung
• Eventuell Lähmungen

Querschnitt
• Schädigung des Rückenmarks
• Vollständig oder unvollständig

Sofortmaßnahmen
• Ruhigstellung
• Keine unnötige Bewegung
• Notruf
• Achsengerechte Lagerung

Langzeitfolgen
• Chronische Schmerzen
• Lähmungen
• Blasen- und Darmstörungen

E) Tumoren & Raumforderungen

Arten
• Primäre Tumoren (Entstehung in der Wirbelsäule)
• Metastasen (Tochtergeschwülste anderer Organe)

Beispiele
• Neurinome (Nerventumoren)
• Meningeome (Tumoren der Hirnhäute)

Symptome
• Rückenschmerzen
• Neurologische Ausfälle
• Lähmungen

Diagnostik
• MRT
• CT
• Röntgen
• Biopsie

F) Neurologisch bedingte Erkrankungen

Radikulopathie
• Reizung oder Schädigung einer Nervenwurzel
• Ausstrahlende Schmerzen

Myelopathie
• Schädigung des Rückenmarks
• Ursache: Druck, Entzündung, Durchblutungsstörung

Cauda-equina-Syndrom (Notfall!)
• Kompression der Nerven im Lendenbereich
• Gefahr von:
o Lähmungen
o Sensibilitätsverlust im Genitalbereich
o Blasen- und Darminkontinenz
o Sofortige Operation notwendig

Allgemeine Symptome von Wirbelsäulenerkrankungen

• Rückenschmerzen
• Ausstrahlende Schmerzen in Arme oder Beine
• Taubheitsgefühle, Kribbeln
• Muskelschwäche
• Lähmungen
• Gangunsicherheit
• Bewegungseinschränkung

Diagnostik

• Anamnese
• Körperliche Untersuchung
• Neurologischer Status
• Bildgebung:
o Röntgen
o CT
o MRT
• Blutuntersuchungen (bei entzündlichen Erkrankungen)

Therapie

Konservativ
• Physiotherapie
• Bewegungstherapie
• Schmerzmedikation
• Entzündungshemmende Medikamente
• Orthopädische Hilfsmittel (z. B. Korsett)
Operativ
• schweren Verläufen
• neurologischen Ausfällen
• Tumoren
• Cauda-equina-Syndrom

BandscheibenvorfallAustritt von Bandscheibenmaterial
degenerativAbnutzung
HomöostaseBalance, Gleichgewicht in physiologischen Körperfunktionen
idiopathischunbekannte Ursache
Kyphoseausgeprägter Rundrücken („Witwenbuckel“)
NSARNicht-steroidale-Antirheumatika, schmerz- und entzündungshemmend
SkolioseVerkrümmung der Wirbelsäule
StenoseVerengung
topische NSARNSAR als Salbe oder Gel

Bild: ©pixabay, @Taokinesis