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Behindertenarbeit: Lebenswelt Freizeit

Aufbereiteter Lehrinhalt


12.03.2026

Freizeit kann mehr sein als bloße Zeit ohne Verpflichtungen. Dieser aufbereitete Lehrinhalt zeigt, welche Bedeutung selbstbestimmte Freizeitgestaltung besonders für Menschen mit Behinderung hat.

Was ist erfüllte Freizeit?

🪢 🧩💡Erinnerungsknoten: Erfüllte Freizeit hält gesund💡🧩 🪢

Angebote für Menschen mit Behinderung

🪢 🧩💡Erinnerungsknoten: Freizeit trägt zur Salutogenese bei💡🧩 🪢

Damit Freizeitgestaltung als sinnvoll erlebt werden kann, müssen sich die Angebote für Menschen mit Behinderung individuell an

  1. die Persönlichkeit (aktiv, ruhig, Rückzugstendenz, offen, verschlossen, braucht Kontinuität)
  2. die Interessen (Was interessiert die Person?)
  3. die Lebenssituation (vorhandene Möglichkeiten)
  4. die Fähigkeiten (Worin ist die Person gut? Was kann sie? Was kann sie nicht?)
  5. sowie das Lebensalter (Aktivität für das Lebensalter passend?)

anpassen.

Weitere Fragestellungen, um das Freizeitverhalten einzuschätzen

  1. Wie sieht die Tagesstruktur aus? (Arbeit, Freizeit, Wohnen)
  2. Macht die Person immer das gleiche?
  3. Hat sie mehrere Möglichkeiten?
  4. Was stärkt die Selbstbestimmung, das Selbstvertrauen der Person?
  5. Welche Erfahrungen hat die Person bisher mit Freizeit gemacht?

Prinzipien der Freizeitarbeit

  1. Prinzip der Animation
  2. Prinzip der Freiwilligkeit
  3. Prinzip der Individualisierung (Lebenssituationsanalyse)
  4. Prinzip der Selbstorganisation
  5. Prinzip des sozialen Lernens
  6. Prinzip der Normalisierung
  7. Prinzip der Inklusion
  8. Prinzip der Unterstützung zur Selbständigkeit

Anforderungen an die Begleiter (nach den Prinzipien der Freizeitarbeit)

  1. Prinizip der Animation: stellt auf Basis individueller Ziele der Person ein Aktivitätsprogramm innerhalb oder außerhalb der Institution zusammen, schafft eine Atmosphäre, in der sich der Klient sicher fühlt und die ihn motiviert, eigene Möglichkeiten zu entdecken und Initiative zu ergreifen
  2. Prinzip der Freiwilligkeit: bietet Wahlmöglichkeiten an, freiwillige, aber kontinuierliche Teilnahme
  3. Prinzip der Individualisierung: passt ggf. Aktivitäten an veränderte Voraussetzungen in Bezug auf die Person an, Möglichkeiten für Einzelaktivität bieten, altersadäquate Aktivitäten anbieten, „individuelle Unterstützung“ statt „Förderung“
  4. Prinzip der Selbstorganisation: wählt zusammen mit der Person die Aktivitäten
  5. Prinzip des sozialen Lernens (Alltagspädagogik): beobachtet Entwicklungen und Veränderungen
  6. Prinzip der Normalisierung: stimmt die Tagesstruktur mit dem Team ab
  7. Prinzip der Inklusion: Menschen mit schwerer Behinderung oder herausforderndem Verhalten werden nicht ausgeschlossen
  8. Prinzip der Unterstützung von Selbständigkeit: bietet der Person Struktur, bereitet Aktivitäten vor (Strukturierung), demonstriert, falls nötig, die Aktivitäten (Strukturierung), gibt Anweisungen

Fragestellungen, die Hinweise auf das Freizeitverhalten der Person geben

Was tun Sie gerne in Ihrer Freizeit?
In welchen Freizeitaktivitäten sind Sie richtig gut?
Welche neue Freizeitaktivität möchten Sie lernen?
Bringen Ihnen die aktuellen Freizeitaktivitäten Freude oder wünschen Sie sich etwas anderes? Was genau?
Möchten Sie heute Ihre Freizeit alleine oder in der Gruppe verbringen?
In welchen Freizeitaktivitäten sind Sie in letzter Zeit besser geworden, weil Sie sie oft ausgeführt haben?
Mit welchen Menschen möchten Sie heute Ihre Freizeit verbringen?
Wo würden Sie gerne hingehen?
Haben Sie alles, was Sie für Ihre Freizeitaktivität benötigen?
Wollen Sie heute eher entspannen oder aktiv sein?

Die Bedeutung von Freizeit für Menschen mit Behinderung

Freizeitgestaltung ermöglicht Menschen mit Behinderung Erfahrungen außerhalb von Arbeit, Therapie oder Betreuung und eröffnet Chancen zur Entwicklung persönlicher Fähigkeiten, sozialer Kontakte und individueller Interessen.

Freizeitangebote sollen daher:
– an den Fähigkeiten und Interessen der Personen orientiert sein
– Selbstbestimmung ermöglichen
– soziale Kontakte fördern
– Integration in die Gesellschaft unterstützen
– neue Erfahrungen und Lernmöglichkeiten bieten

Bereiche der Freizeitgestaltung können sein:
– Sport und Bewegung
– kreative Tätigkeiten (z. B. Malen, Basteln, Musik)
– kulturelle Aktivitäten (z. B. Theater, Kino, Museen)
– soziale Aktivitäten (z. B. Treffen mit Freunden, Vereinsleben)
– Erholung und Entspannung

Das Ziel einer inklusiven Freizeitgestaltung ist es, Menschen mit Behinderung die gleichen Möglichkeiten der Freizeitnutzung zu eröffnen wie Menschen ohne Behinderung. Dazu müssen bauliche Barrieren abgebaut, Transportmöglichkeiten geschaffen, Information über Angebote weitergegeben und finanzielle Möglichkeiten geboten werden.

Einige etablierte Freizeiteinrichtungen bzw. -organisationen für Menschen mit Behinderung

Das langfristige Ziel ist laut UNO-Behindertenrechtskonvention, dass alle Freizeiteinrichtungen so barrierefrei gestaltet werden,d ass sie von allen Menschen genutzt werden können. Bis dahin haben sich unter anderem folgende Freizeiteinrichtungen für Menschen mit Behinderungen etabliert:

  1. Freizeit‑PSO
    Organisiert barrierefreie Freizeit-, Outdoor- und Sportangebote wie Wandern, Skifahren oder Schwimmen für Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen.
  2. Österreichischer Behindertensportverband
    Der Verband organisiert Sportwochen, Camps und Freizeitaktivitäten für Menschen mit Behinderungen in ganz Österreich.
  3. MHSC – Multisportclub für Menschen mit Behinderung
    Der Verein bietet Sport-, Bewegungs- und Kulturangebote, die eine erlebnisreiche Freizeitgestaltung für Menschen mit geistiger oder mehrfacher Behinderung ermöglichen.
  4. Integration Wien – Freizeitassistenz
    Das Angebot begleitet Menschen mit Behinderung bei Freizeitaktivitäten wie Ausflügen, Sport, Kino oder kulturellen Veranstaltungen.
  5. SFBK – Sport, Freizeit, Bildung, Kultur
    Die Organisation bietet ein ganzjähriges Programm mit inklusiven Sport- und Freizeitaktivitäten für Menschen mit und ohne Behinderung..

Der Beitrag verdeutlicht die Bedeutung von Freizeit für Selbstbestimmung, soziale Teilhabe und Lebensqualität. Gleichzeitig zeigt er, welche Voraussetzungen und Angebote notwendig sind, damit Freizeit für Menschen mit Behinderung sinnvoll und inklusiv gestaltet werden kann.



Bild: ©pixabay, @Pexels