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Kompetenz d. Sozialbetreuung: Basale Kommunikation

Unterrichtsfach: Behindertenarbeit

18.12.2025

Das Konzept Basale Kommunikation

Entwickler der Basalen Kommunikation: Winfried Mall
Inspiration: psychosomatischer Therapieansatz der Funktionellen Entspannung nach Marianne Fuchs

Basale Kommunikation ist eine Art des Kommunikationsaufbaus mit Menschen, die nicht über verbale oder sonstige, Symbole benutzende Kommunikationsweisen kommunizieren können und keine Ansätze intentionaler (absichtsvoller) Kommunikation zeigen. Das Ziel ist die Herstellung einer kommunikativen Situation.

Basale Kommunikation eignet sich für Menschen…

  • mit schwerer geistiger Behinderung
  • im ausgeprägten Autismus-Spektrum mit nonverbaler Kommunikationsweise
  • im Wachkoma bzw. apallischem Syndrom
  • mit Demenz
  • für die Worte, Gestik und Mimik keinen erkennbaren Bedeutungsgehalt haben
  • die keinen Zugang zu unserer Welt haben und für sich allein in seiner ist
  • die etwas mitteilen möchten, aber man die Absicht nicht erkennen kann

Die Verhaltensweisen des betroffenen Menschen werden durch das eigene Verhalten aufgegriffen, gespiegelt oder variiert. Es können zur Anregung von Kommunikation auch ähnliche oder andere Verhaltensweisen angeboten werden (ähnlich der Kommunikation in den ersten Lebensmonaten des Säuglings).

Die Vorgehensweise kann von Personen mit pädagogischer, psychologischer oder pflegerischer Ausbildung bzw. von Eltern oder Angehörigen durchgeführt werden.

Ausdrucksmittel

Der Atemrhythmus

Im Atemrhythmus drückt sich mein momentaner Zustand aus, meine Grundstimmung, mein Lebensgefühl, meine Persönlichkeit.

Lautäußerung

Lautäußerungen in engem Zusammenhang mit der Atmung, Töne, Brummen, Lautieren, Sprechen.

Berührung

Berührung mit dem ganzen Körper oder mit den Händen.

Bewegung

Selbstbewegungen, sich mitbewegen.

Durchführung

10–20 Min Zeit nehmen
Störungen fernhalten: ruhigen, reizarmen (möglichst dunklen) Raum wählen
regelmäßig wiederholen (1–2 am Tag)
Körpernähe suchen, hinter oder seitlich sitzen
Klient lehnt sich an die Betreuerin* an
sitzt zwischen den Beinen der Betreuerin*

Sprache

– wenig Sprache einsetzen, leise und ruhig sprechen
– das ansprechen, was gerade geschieht: was ich tue, was ich fühle
– nicht ablenken lassen
– gegenseitiges spüren
– keinen Blickkontakt erzwingen (wenn, dann mit einem Lächeln beantworten)

Atmung

– sich in den Atemrhythmus hineinfühlen und mitatmen
– auf Veränderungen im Rhythmus achten
– kein verkrampftes Atmen
– hörbares ausatmen

Selbst entspannt bleiben

Spiegeln – Körperkontakt – Bewegung

Keinen Leistungsdruck aufkommen lassen: „So wie es ist, ist es gut“

Spiegeln

  • Ausdruckselemente aufnehmen (Ausatmung, Töne, Geräusche, Bewegungen)
  • nachahmen
  • nicht stereotyp werden
  • Veränderungen anbieten

Körperkontakt

  • Leib an Leib sitzen
  • beim Ausatmen Person berühren
  • über Bauch, Rücken, Arme, Beine, Kopf streichen

Bewegung

  • an den Schultern oder Oberkörper herum anfassen
  • sich mit der Person bewegen
  • Bewegungsmöglichkeiten anbieten (vor-zurück, im Kreis, regelmäßig, unregelmäßig, …)
  • mit den Bewegungsimpulsen spielen, variieren (mitgehen, dagegen gehen, bremsen, schneller werden, …)
  • keine mechanischen Bewegungen

„Spielraum“ erfahren:

  • mit allen Gelenken Bewegungsraum erkunden (Finger, Hand, Ellbogen, Knie, Hals, …)
  • Grenzen spüren lassen
  • Erweiterung versuchen
  • Widerstand respektieren

Umgang mit Abwehr

  • Abwehrreaktionen sensibel wahrnehmen
  • kurzfristig Kontakt verringern, sich zurücknehmen
  • eventuell auch nicht gleich aufgeben, sondern dem Partner etwas Zumuten

Abschluss einer Sitzung

  • die Sitzung in einer möglichst ruhigen-gelösten Situation beenden
  • sich behutsam zurückziehen
  • bei Abwehr versuchen das Vorzeitige Ende selbst zu bestimmen (nur kurz weitermachen)
  • „liebevolle sensible Aufdringlichkeit“

Kontakt aus Entfernung

wenn die Person sich der Annäherung sofort entzieht

  • entfernte Stelle im Raum suchen und hinsetzten
  • kein Blickkontakt
  • Rhythmus (Laute) erspüren, kurz 2–3 mal mitlautieren, abwarten
  • Laute, Bewegungen spiegeln – wenn die betroffene Person dies registriert, wird sie vielleicht herschauen, lächeln, sich beruhigen, abbrechen oder weggehen
  • es geht darum eine „zarte“ Brücke zu bauen

Quellen:

Weiterführende Literatur


Beitragsbild: ©pixabay.com, @Pexels