Zum Inhalt springen
Startseite » Methoden zur Arbeit mit dem Spiralmodell zur Krisenbewältigung

Methoden zur Arbeit mit dem Spiralmodell zur Krisenbewältigung

Angebote und Methoden der Sozialbetreuung

07.11..2025

Methode 1: Standortbestimmung und Ausblick

Diese Methode eignet sich besonders zur Gruppenarbeit

Standortbestimmung und Ausblick durch visuellen Zugang

  1. Zunächst wird die Gruppe mithilfe einer Informationstafel über das Spiralmodell zur Krisenbewältigung nach Erika Schuchardt informiert. Die Tafel dient als Orientierung und macht den Ablauf von Krisen sichtbar.
  2. Anschließend wird eine Vorlage ausgegeben, auf der das Spiralmodell in Form einer beschriftbaren Grafik dargestellt ist. Die Personen markieren darauf jenen Punkt, an dem sie glauben, aktuell zu stehen.
  3. Im Anschluss erhält jede Person zwei Informationsblätter: Eines, auf dem die jeweils nächste Phase des Spiralmodells ausführlich erklärt wird und eines, das ihre aktuelle Position im Modell zum Thema macht. Darauf finden sich konkrete Hinweise, wie der Übergang in die nächste Phase gelingen kann.
  4. Mit der Übergabe dieser Informationsblätter ist das Angebot vorerst abgeschlossen. Es steht den betroffenen Personen nun frei, das Gelesene für sich alleine zu reflektieren oder bei Bedarf das Gespräch zu suchen – mit dir, mit der Gruppe oder mit einzelnen Personen der Gruppe. An dieser Stelle ziehst du dich bewusst zurück und überlässt es der Eigeninitiative der Betroffenen, ob und wie sie die erhaltenen Informationen weiter für sich nutzen wollen.
krisenspirale

Standortbestimmung mittels Phasenblatt

Diese Methode eignet sich besonders für Menschen, die sprachlich zurückhaltend sind, sich schämen, Angst haben „falsch“ zu antworten oder ihre Gefühle schwer strukturieren können. Das Ankreuzen ersetzt zunächst das Sprechen und senkt die Hemmschwelle. Es wird von der betroffenen Person selbstständig bearbeitet, sie behält alle Angaben für sich.

Das Phasenblatt ist eine niedrigschwellige Reflexionshilfe für Menschen, die sich schwer damit tun, ihre aktuelle Position im Spiralmodell selbst zu benennen. Es ist kein Test, sondern ein Werkzeug zur Orientierung. Auf dem Blatt sind die acht Phasen der Krisenbewältigung nach Erika Schuchardt jeweils mit mehreren einfachen, alltagsnah formulierten Aussagen hinterlegt, die typische Gedanken, Gefühle und Reaktionen dieser Phase widerspiegeln. Die betroffene Person braucht die Fachbegriffe der Phasen nicht zu kennen, sondern liest in Ruhe die Aussagen und markiert jene Sätze, in denen sie sich wiedererkennt: „So fühle ich mich“, „Das denke ich gerade“, „Das passt zu mir“.

Dadurch entsteht eine indirekte, geschützte Form der Selbsteinschätzung. Aus der Häufung der angekreuzten Aussagen kann anschließend vorsichtig abgeleitet werden, in welchem Bereich der Spirale sie sich im Moment überwiegend befindet. Das Phasenblatt hilft der betroffenen Person nur dann weiter, wenn sie auch Informationen über die nächste Phase erhält.


Methode 2: Komplementär-Spirale mit Angehörigen

Diese Methode sensibilisiert Angehörige dafür, dass nicht nur die betroffene Person, sondern auch sie selbst durch einen Lernprozess gehen. Sie stärkt ihre Handlungskompetenz, ohne sie in die Rolle der „Helfenden“ zu drängen, die alles richtig machen müssen.

Die Angehörigen werden über das Spiralmodell zur Krisenbewältigung informiert, indem man ihnen eine Grafik des Spiralmodells aushändigt, bei der die Abwärtsbewegung – also der Lern- und Verantwortungsprozess der Gesellschaft bzw. des Umfelds – im Mittelpunkt steht. Zusätzlich erhalten die Angehörigen ein Informationsblatt, das die acht Phasen des Modells in kurzen, anwendungsbezogenen Texten erklärt. Zu jeder Phase werden konkrete Beispiele für hilfreiche Sätze, Verhaltensweisen und passende Unterstützungsangebote aufgeführt. Diese Formulierungshilfen und Impulse verstehen sich nicht als Vorgaben, sondern als Anregungen, wie eine einfühlsame und situationsgerechte Begleitung gelingen kann – zum Beispiel: „Ich höre dir zu, ohne zu urteilen“ (in der Phase der Aggression) oder „Es ist in Ordnung, wenn du gerade nichts leisten kannst“ (in der Depression).

Wichtig ist, auf dem Informationsblatt auch auf den Selbstschutz der Angehörigen einzugehen. Die Informationen betonen ausdrücklich, dass Unterstützung immer an die eigene Kräfte und Grenzen angepasst werden muss. Angehörige sollen nicht in die Überforderung geraten oder das Gefühl haben, „alles richtig machen zu müssen“. Vielmehr geht es darum, ein Bewusstsein dafür zu schaffen, wie sich ihre Haltung und Reaktionen auf den Verlauf der Krise auswirken können und welche Art von Präsenz oder Rückzug in welcher Phase hilfreich sein kann – für die Betroffenen wie für sie selbst. So lernen Angehörige mit der Zeit, wie befreiend es sich anfühlt, im Kopf barrierefrei sein zu dürfen.

Methode 3: Peer-gestützte Solidaritätsrunde

Menschen, die sich in Aktivität oder Solidarität erleben, werden eingeladen (z. B. Peers, Selbsthilfe). Sie erzählen, in welchen Phasen sie steckengeblieben waren und welche Schritte ihnen geholfen haben, weiterzugehen. Die Fachkraft rahmt mit dem Spiralmodell, betont, dass nicht jede* alle Phasen „ideal“ erreicht, und formuliert realistische Hoffnungsbotschaften. So wird Solidarität erfahrbar, ohne Druck aufzubauen. 

Methode 4: Spiralmodell im Hilfeplan / in der Dokumentation

Im Einzelsetting wird das Spiralmodell explizit als Struktur in der Dokumentation und im Hilfeplan genutzt. Zu Beginn wird festgehalten: aktuelle Phase, typische Anzeichen, passende Unterstützungsformen (z. B. in Aggression: Validierung, Halt, keine vorschnellen Lösungen; in Annahme: Stärkung von Autonomie und Entscheidungen). Das Modell wird regelmäßig wieder aufgegriffen und aktualisiert. So wird der Krisenverlauf fachlich eingeordnet, ohne starres Schema.

Quellen:

Weiterführende Literatur zum Thema Krisenbewältigungsspirale nach Schuchardt:
Phasen der Krisenbewältigung, Bundesverband der Elternkreise suchtgefährdeter und suchtkranker
Söhne & Töchter e.V., bvek.org


Beitragsbild: ©pixabay.com, @silviarita