Aufbereiteter Lehrinhalt, Unterrichtsfach: Grundzüge und Prinzipien der Akut- und Langzeitpflege inklusive Pflegetechnik
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Erstellungsdatum: 09.11.24
Letzte Aktualisierung: 01.08.26
Eine verantwortungsvolle Körperpflege trägt dazu bei, Infektionen und Hauterkrankungen vorzubeugen. Sie kann beruhigend oder anregend gestaltet werden und auch Bewegungsübungen einschließen.
Das muss die Pflegeassistenz über Körperpflege wissen/können:
➤ kann grundsätzliche Überlegungen bei der Durchführung der Körperpflege nennen;
➤ kann die Bedeutung der Körperpflege hinsichtlich Berührung/Körperkontakt, Sexualität, Schamgefühl, Körperzonen, Nähe und Distanz und Intimsphäre nennen und das eigene Verhalten reflektieren;
➤ kann das Handlungsschema bei der Ganzkörperwaschung und der Teilwaschung wiedergeben;
➤ kann die Unterstützung bei der Körperpflege am Waschbecken, in der Dusche und beim Baden wiedergeben;
➤ kann die Intimpflege bei Frau und Mann erklären;
➤ kann Auskunft über Zahnpflege, Zahnprothesenpflege und spezielle Mundpflege geben;
➤ nennt exemplarisch Ressourcen und begründet deren Bedeutung für die Gesundheit;
➤ besitzt Kenntnisse in Bezug auf Abweichungen von der Norm – beispielsweise was das Körperbild, die Haut, die Bewegungsabläufe und Vitalfunktionen betrifft;
➤ wirkt bei der kontinuierlichen Beobachtung und Überwachung mit;
➤ entwickelt ein Bewusstsein, dass Faktoren wie beispielsweise Ekel, Scham, Betroffenheit, Aggression auf die Gestaltung der Pflegebeziehung Einfluss nehmen, und zeigt Bereitschaft, sich reflexiv damit auseinanderzusetzen
➤ geht auf die individuellen Wünsche, Bedürfnisse und Interessen der PatientInnen ein
➤ beobachtet den Gesundheitszustand gemäß Handlungsanweisung;
➤ instruiert Pflegeempfänger/-innen sowie pflegende Angehörige und sonstige nahestehende Personen in der selbstständigen Durchführung von Pflegemaßnahmen im Bereich der Lebensaktivitäten (Grundtechniken);
➤ integriert pflegende Angehörige und sonstige nahestehende Personen situativ in die übertragenen Pflegemaßnahmen und erkennt Unterstützungs- bzw. Entlastungsbedarf sowie Veränderungen;
➤ führt übertragene Pflegemaßnahmen im Bereich der Lebensaktivitäten sowie der psychosozialen Alltagsbegleitung und Milieugestaltung durch, kann Bedarfslagen (beeinflussende Faktoren, situative Befindlichkeit) erkennen;
➤ setzt Prinzipien vorgegebener, sich auf Selbstpflegeerfordernisse/Alltagskompetenzen im Bereich der Lebensaktivitäten beziehende Konzepte um (z. B. wahrnehmungs- und körperbezogene Konzepte, verhaltensorientierte Konzepte, Konzepte zur Erhöhung der Selbstkompetenz) und beobachtet beeinflussende Faktoren und Reaktionen;
➤ erläutert berufsadäquate Prinzipien zur Gestaltung eines professionellen Nähe-Distanz-Verhältnisses;
➤ versteht das Wahrnehmen und Beobachten als zentrale Aufgaben der Pflegeassistenz im Rahmen des Pflegeprozesses;
➤ hält die Balance zwischen körperlicher Nähe und professioneller Distanz;
➤ schafft durch achtsame Berührung und angepasste Bewegungsunterstützung eine vertrauensvolle Pflegebeziehung;
➤ kann grundsätzliche Prinzipien der Kinästhetik und Basalen Stimulation beschreiben;
➤ erläutert beispielhaft, wie Ressourcen der pflegebedürftigen Menschen einbezogen werden können und welche Bedeutung das für deren Gesundheit und Wohlbefinden hat;
➤ kann beispielhaft einen ressourcenschonenden Umgang mit pflegerischen Verbrauchsmaterialien erläutern;
➤ demonstriert, wie individuelle Gewohnheiten und Rituale in der Pflege und Alltagsbegleitung berücksichtigt werden können;
➤ stimmt pflegerisches Handeln mit dem Lebensrhythmus und Alltag der Menschen mit Behinderungen ab und bringt unterstützende Pflegeinterventionen in Einklang mit dem Selbstbild der Menschen mit Behinderungen;
➤ wendet Pflegetechniken zur Förderung der Bewegung an;
➤ führt Pflegetechniken im Rahmen der Sexualhygiene durch bzw. leitet Menschen mit Behinderungen zur selbstständigen Durchführung an
➤ führt pflegerische Maßnahmen zur Unterstützung bei der Körperpflege fachgerecht, ressourcenorientiert und unter Berücksichtigung der Prinzipien des ergonomischen Arbeitens durch;
Aus „Curricula für die Ausbildungen Pflegeassistenz und Pflegefachassistenz„, im Auftrag des Bundesministeriums für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz, 2020
Kompensierende Pflege – aktivierende Pflege
Die Pflege kennt zwei Formen der Unterstützung: die kompensierende und die aktivierende Pflege.
Kompensierende Pflege: die Pflegeassistenz übernimmt Tätigkeiten, die die PatientIn nicht selbst durchführen kann.[16]
Aktivierende Pflege: die PatientIn setzt ihre vorhandenen Fähigkeiten möglichst selbst ein und erhält dabei nur so viel Unterstützung wie nötig.[16]
Der Auftrag der Pflegeassistenz ist „Selbständigkeit fördern“ und nicht „Hilflosigkeit fördern“.
| Kompensierende Pflege | Aktivierende Pflege |
|---|---|
| Pflegeassistenz gleicht Einschränkungen aus | Fähigkeiten werden erhalten bzw. trainiert |
| Tätigkeiten werden teilweise oder vollständig übernommen | PatientIn wird zum Mitmachen angeleitet |
| Ziel: Versorgung und Sicherheit gewährleisten | Ziel: Selbstständigkeit erhalten oder wiedererlangen |
| Beispiel: Pflegeperson wäscht eine vollständig gelähmte PatientIn | Beispiel: PatientIn wäscht das Gesicht selbst, die Pflegeperson hilft beim Rücken |
Grundsätzliches zur Körperpflege
Prinzipielles Vorgehen bei der Körperpflege
• von oben nach unten (Ganzkörperwaschung)[4]
• von vorne nach hinten (Ganzkörperwaschung, Intimbereich „von der Symphyse zum Anus“)[4]
• von außen nach innen (Augen)[4]
Ausnahme: von hinten nach vorne (Mundhöhle)
Man beginnt mit der Waschung NIEMALS mit dem Gesicht! Das Gesicht gehört zur Verletzbarkeitszone und sollte ganz zum Schluss mit frischem Wasser gewaschen werden.[16]
Dass der Körper von oben nach unten gewaschen wird, hat zwei Begründungen:
1. Hygiene
2. Basale Stimulation
Die Pflege wäscht den Körper von oben nach unten, weil dadurch das Hygieneprinzip „vom saubereren zum stärker verunreinigten Bereich“ eingehalten wird. Gesicht und Oberkörper werden vor dem Genital- und Analbereich gewaschen.
Aus Sicht der Basalen Stimulation kann das Waschen des Körpers in einer nachvollziehbaren körperlichen Reihenfolge einer bettlägerigen PatientIn dabei helfen, den eigenen Körper und dessen Gliederung bewusst wahrzunehmen. Durch den geordneten Ablauf erhält die PatientIn Orientierung.
🪢 🧩💡Erinnerungsknoten: Kinästhetik: Was besagt das Element Orientierung im Konzept „Funktionale Anatomie?💡🧩 🪢
Dass der Körper von vorne nach hinten gewaschen wird, ist auf den einfachen Umstand zurückzuführen, dass bei einer bettlägerigen PatientIn zunächst die in Rückenlage gut erreichbare Vorderseite und anschließend nach einem Positionswechsel die Rückseite gewaschen wird. Es handelt sich dabei nicht um eine allgemeine hygienische Regel.
Der Intimbereich wird von der Symphyse zum Anus (von vorne nach hinten) gewaschen, weil diese Waschrichtung ein Bestandteil der Zystitisprophylaxe ist. Es verhindert, dass Keime aus der Analregion in Richtung Harnröhrenöffnung verschleppt werden.
Die Augen werden von außen nach innen gewaschen, weil diese Art der Reinigung dem natürlichen Tränenfluss folgt. Für jedes Auge soll eine andere Ecke des Waschlappens bzw eine neue Kompresse verwendet werden.
Die Mundhöhle wird von hinten nach vorne gereinigt, damit Speisereste, gelöste Beläge, Sekrete und Zahnpastareste in Richtung Mundöffnung befördert und entfernt werden. Dadurch wird bei PatientInnen mit Schluckstörungen das Risiko verringert, dass Rückstände in Richtung Rachen gelangen und aspiriert werden.[5]
Aus der Praxis: Die Reihenfolge von oben nach unten stellt bei der Ganzkörperwaschung keine starre Praxis dar, die bei jeder PatientIn unverändert angewendet werden muss. Der Ablauf soll an die Bedürfnisse der Person angepasst werden. Trägt eine PatientIn beispielsweise eine Inkontinenzversorgung und möchte zuerst von der nassen Versorgung befreit werden, ist diesem Wunsch nachzukommen. Das verwendete Waschwasser muss nach der Intimpflege jedoch entsorgt und für die weitere Körperpflege frisches Wasser bereitgestellt werden.
Die drei Gebote der Körperpflege
• Situation individuell an die PatientInnen anpassen[6]
• Hautkontakt so natürlich wie möglich halten, Einmalhandschuhe nur bei entsprechender hygienischer Indikation tragen (s. WHO-Handschuhpyramide)[7]
• Zeit für Kommunikation und Beobachtung nehmen[6]
Voraussetzung für eine individuelle Pflege
• Befinden des Betroffenen einschätzen[6]
• Vitalzeichen messen[6]
• Unterstützungsgrad (aktiv, aktiv assistierend, passiv) erkennen und die notwendige Pflege anpassen[6]
• Ressourcen berücksichtigen[6]
• Gewohnheiten und individuelle Bedürfnisse erfragen und berücksichtigen (Pflegeplanung)[6]
BEACHTE
• Therapeutische Positionierung, Schienen usw. nur nach Rücksprache verändern, entfernen oder verschieben[8]
• Haut nach dem Waschen mit Seife gründlich spülen und abtrocknen[9]
• intime Körperpartien bedecken – P/B nicht mehr als nötig abdecken[10]
• Maß des Waschens dem Zustand und Bedürfnis des P/B anpassen[6]
• Waschung evtl. in mehreren Etappen über den Tag verteilen bzw. zu einem späteren Zeitpunkt nochmals anbieten[11]
Schamkompetentes Verhalten
Pflegeberufe sind Berührungsberufe. Dabei werden häufig auch Schamgrenzen überschritten. In vielen Situationen muss die PatientIn es aushalten, dass ihre Intimzonen berührt werden, um eine angemessene Pflege zu gewährleisten. Für die Pflegeassistenz ist dies ebenso eine Herausforderung. Sie muss diese Intimzonen überschreiten, ohne die Würde der PatientIn zu verletzen – das nennt man Schamkompetenz. Die Kunst in der Pflege liegt darin, eine Balance zwischen notwendiger Nähe und professioneller Distanz zu finden.[6]
🪢 🧩💡Erinnerungsknoten: Was können Krankheiten, Beeinträchtigungen und Kontrollverlust auslösen? Auf welche zwei Dinge ist der Mensch angewiesen, um gesund zu bleiben oder zu werden?💡🧩 🪢
Berührung und Körperkontakt
Körperkontakt kann das Wohlbefinden der Pflegebedürftigen steigern.[12] Bei der Körperpflege ist es besonders wichtig, auf die Wahrung der Privatsphäre und das Schamgefühl der PatientIn Rücksicht zu nehmen.
Sexualität
Die Pflegeassistenz sollte darauf achten, dass die Würde der PatientInnen in jeder Pflegesituation gewahrt wird (Patientencharta: „Ihre Menschenwürde ist unter allen Umständen zu achten und zu wahren.“)[13]
Schamgefühl
Es ist wichtig, dass die PflegeassistentIn einfühlsam vorgeht, um das Schamgefühl der PatientIn so gering wie möglich zu halten. Dies kann durch klare Kommunikation und Abdecken nicht zu pflegender Körperteile geschehen.[10]
Berührungszonen
In der Pflege gibt es zwei Berührungszonen, in denen Berührungen besonders sensibel wahrgenommen werden:
• Verletzbarkeitszone: Bereiche, die nur von engen Bekannten (oder im professionellen Pflegekontext) berührt werden (Gesicht, Hals, Zähne)
• Intimzone: Sehr sensible Bereiche (z.B. Genitalien), deren Berührung nur bei medizinischer oder pflegerischer Notwendigkeit erfolgt.
„Körperzonen“ nach Ebersole und Hess, zit n. Buono, Raffaele Andrea; Nygren, Minna und Bianchi-Berthouze, Nadia (2025)[14]
🪢 🧩💡Erinnerungsknoten: Körperpflege: Welche vier Zonen beschreibt das Modell der Berührungszonen nach Ebersole und Hess?💡🧩 🪢
In der Körperpflege arbeiten Pflegepersonen mit den Berührungszonen nach Ebersole und Hess, in der Kommunikation mit dem Modell der Nähe und Distanz nach Hall.
🪢 🧩💡Erinnerungsknoten: Kommunikation: Welche vier Zonen beschreibt das Modell der Nähe und Distanz nach Hall?💡🧩 🪢
Nähe und Distanz
Eine professionelle Beziehung erfordert eine emotionale Distanz, das gilt besonders bei körperlicher Nähe.[6]
Respekt
Dazu gehören zum Beispiel das Anklopfen vor dem Betreten des Zimmers. Schränke der PatientIn dürfen nur mit Erlaubnis geöffnet und alle Pflegehandlungen müssen angekündigt werden. Bei der Körperpflege sollte immer mit Blickschutz gearbeitet werden, um die Privatsphäre zu schützen.
🪢 🧩💡Erinnerungsknoten: Aus welchem Patientenrecht ergibt sich für die Pflegeassistenz die Verpflichtung, Pflegehandlungen vor ihrer Durchführung anzukündigen?💡🧩 🪢
Intimsphäre
Die Wahrung der Intimsphäre während der Waschung erfordert ein hohes Maß an Respekt. Schamgefühl der PatientIn beachten.
Die Intimpflege sollte nur dann durch das Pflegepersonal übernommen werden, wenn die PatientIn aufgrund eines Selbstpflegedefizits nicht in der Lage ist, diese Aufgabe selbst zu erledigen. Wo immer es möglich ist, sollte dem Patienten die Gelegenheit gegeben werden, die Pflegehandlungen eigenständig durchzuführen. („Ressourcen fördern, Selbstständigkeit erhalten“)
Während der Waschung werden Blickschutz und Abdeckungen verwendet, um der PatientIn das Gefühl von Sicherheit und Diskretion zu geben. Kontinuierliches Ankündigen der einzelnen Pflegeschritte schafft Transparenz und Vertrauen, sodass die PatientIn sich in der Pflegesituation wohler fühlt.
🪢 🧩💡Erinnerungsknoten: Was sind die drei Formen von Scham?💡🧩 🪢
Die 4 Arten der reinigenden Waschung
Für jede Art der Waschung gilt: Die Pflegeassistenz übernimmt so wenig wie möglich und so viel wie nötig.[16]
- Reinigende Ganzkörperwaschung (Bett oder Waschbecken)
- Reinigende Teilwaschung (Bett oder Waschbecken)
- Duschen
- Baden
Weitere Arten der Körperpflege, die die Pflegeassistenz durchführt, sind die Intimpflege, die Haarpflege und die Bartpflege / Rasur.
Wirkungsorientierte Waschungen
Diese 3 Grundformen wirkungsorientierter Waschungen aus dem Angebot der Basalen Stimulation werden von der Pflegeassistenz als pflegerische Maßnahmen durchgeführt:
- belebende Waschung (gegen die Haarwuchsrichtung)
- beruhigende Waschung (in die Haarwuchsrichtung)
- therapeutische Waschung (mit Kosmetik- oder Lebensmittelölen; nicht mit ätherischen Ölen!)
Alle Waschungen sind auch am Waschbecken möglich. Sie können auch als geführte Waschung angeboten werden (Pflegeassistenz führt die Hand der PatientIn).[16]
Diese 8 Waschungen bauen auf den drei Grundformen der wirkungsorientierten Waschungen auf und werden ebenfalls von der Pflegeassistenz als pflegerische Maßnahmen durchgeführt:
- schweißreduzierende Körperwaschung[15]
- fiebersenkende Körperwaschung[15]
- geruchsreduzierende Körperwaschung[15]
- hautstabilisierende Körperwaschung[15]
- basalstimulierende Körperwaschung[16]
- symmetrische Körperwaschung (Basale Stimulation)
- neurophysiologische Körperwaschung (Basale Stimulation)
- diametrale Waschung (Basale Stimulation)
Personenzentriertes Vorgehen: Die PatientIn steht im Mittelpunkt, nicht die Aufgabe.[16]
Beruhigende Waschung
Ziele:[16]
- Sicherheit geben
- Anspannung reduzieren, Entspannung fördern
- Schlaf fördern
- Körperwahrnehmung fördern (Basale Stimulation)
Durchführung: mit der Haarwuchsrichtung
Aktivierende Waschung
Ziele:[16]
- Selbständigkeit zu fördern
- Kreislauf anregen
- Durchblutung fördern
- Aufmerksamkeit und Wachheit zu fördern
- Haut anregen
Durchführung: gegen die Haarwuchsrichtung[16]
Therapeutische Waschung
Ziele:[16]
- eine pflegerische Maßnahme gezielt mit Hautpflege zu verbinden
- die Haut zu stabilisieren, zu pflegen oder zu schützen
- beruhigend oder aktivierend auf den Menschen einzuwirken
Durchführung: mit aktivierenden oder beruhigenden Ölen und Tees
Öle, die im Rahmen einer Waschung verwendet werden können:
- Mandelöl
- Jojobaöl
- Kokosöl
Pflanzenöle sind in erster Linie rückfettend / hautpflegend, können aber mit der richtigen Waschtechnik auch beruhigend auf den Menschen wirken.[17]
Tees, die im Rahmen einer therapeutischen Waschung verwendet werden können:
beruhigend:
- Melisse[19]
- Kamille[21]
- Lindenblüten[22]
- Baldrian[20]
- Lavendel[23]
- Salbei[15]
aktivierend:
- Pfefferminz[15]
- auch eine Waschung mit einer frischen Zitrone ist möglich[18]
Es dürfen keine ätherischen Öle verwendet werden! Möglich sind Waschungen mit Tees – diese enthalten ebenfalls ätherische Öle.
Reinigende Ganzkörperwaschung im Bett – Handlungsschema
Vorbereitung
1. Informationen einholen
• PatientIn über die pflegerische Maßnahme informieren
• Befindlichkeit erfragen
• Vitalzeichen kontrollieren
• Informationen über Selbstständigkeit einholen
2. Angenehme Atmosphäre schaffen
• Fenster schließen
• Sichtschutz anbringen
• Privatsphäre schaffen (Paravent)
• Umgebung gestalten, um Bewegung individuell zu erleichtern (Kinästhetik)
3. Auf Sauberkeit achten
• Schutzschürze
• Handschuhe (Intimpflege, Infektionsgefahr)
• saubere Waschschüssel mit Wasser (Temperatur nach Wunsch der PatientIn)
• Je 2 frische Waschlappen und Handtücher sowie 1 Einmalwaschlappen (bei Inkontinenz)
• Duschgel, Duschcreme
• sauberes Rasierzeug
• Inkontinenzeinlage
• Pflegemittel für Prophylaxen und andere Pflegemaßnahmen (Creme, Öl)
• Haut-, Mund-, Zahn-, Haarpflegemittel
• Nierenschale
• Frische Unterwäsche und Kleidung
• Frische Bettwäsche
4. Patientin vorbereiten
• Bett auf Arbeitshöhe bringen (rückenschonende Arbeitsweise!)
• Persönliche Toilettartikel (z.B. Deodorant, Toilettwasser, Rasierwasser, Handspiegel, Schminkutensilien)
• Oberkörperhochpositionierung (wenn möglich – sonst Positionierung nach Zustand)
• Entfernen von Kissen und Positionierungshilfsmittel
Durchführung
1. Information
• laufende Information an die Patientin während der Körperwäsche 🪢 🧩💡Erinnerungsknoten: Das Recht auf Information und Aufklärung“ – s. Recht💡🧩 🪢
2. Angenehme Atmosphäre schaffen
• Intimsphäre wahren
• schamkompetent handeln
• Waschschüssel so stellen, dass sie leicht erreichbar ist
• kurze, rubbelnde Bewegungen vermeiden
• Zeit für intensive Kontaktaufnahme → Kommunikation, auch nonverbal
• Hautbeobachtung
• Nur den Körperteil entblößen, der gewaschen wird
3. Auf Sauberkeit achten
• vom Gesicht über den Oberkörper zu den Füßen, Intimbereich aussparen
• Bauchnabel inspizieren und ggf. Verkrustungen lösen
• Hautpflege berücksichtigen
• Handtuch unterlegen
• Mund-, Zahn-, Prothesenpflege am Anfang oder Ende
• Finger- und Zehenkontrolle, evtl. anschließende Maniküre und Pediküre am Ende
• Nichts auf den Boden legen!
4. Sicherheitsmaßnahmen beachten
• Gesicht ohne Seife waschen
• Haut gut abtrocknen – feuchtes Milieu im Intimbereich und Zehenzwischenräumen vermeiden
• BEI LOKALEN INFEKTIONEN (z.B. Fußpilz) KÖRPERTEIL ZULETZT WASCHEN, anschließend Waschlappen und Handtuch abwerfen
5. Ressourcen berücksichtigen / Selbständigkeit fördern
• sich immer an den Wünschen der PatientIn orientieren 🪢 🧩💡Erinnerungsknoten: Recht auf Zustimmung oder Verweigerung der Behandlung (Selbstbestimmung) – s. Recht💡🧩 🪢
• anleiten (z.B. die Hände zu waschen, evtl. Waschlappen über Hand von Patientin ziehen)
• Verhalten dem Zustand und der Befindlichkeit anpassen
Nachbereitung
1. Information
2. Angenehme Atmosphäre schaffen
• Patientin in Position bringen (bequem und richtig)
• Erreichbarkeit persönlicher Dinge am Nachtkästchen
• Lüften
3. auf Sauberkeit achten
• versorgen und desinfizieren der Pflegeutensilien und Waschschüssel
• Bett frisch beziehen, so weit wie nötig
• Aufräumen des Zimmers
• persönliche Händedesinfektion
4. Sicherheitsmaßnahmen beachten
• Ruftonanlage in erreichbarer Nähe
5. Ressourcen berücksichtigen / Selbständigkeit fördern
• Getränk in erreichbarer Nähe (sofern Patientin nicht nüchtern bleiben muss)
• Richten von Urinflasche, Leibstuhl
• Erreichbarkeit einer Aufrichthilfe
BLICK ZURÜCK – 3 Ebenen (Deckenhöhe, Mittellinie, Bodenhöhe) kontrollieren, ob auch nichts vergessen wurde
DIE WICHTIGSTEN PUNKTE BEI DER REINIGENDEN GANZKÖRPERWASCHUNG IM BETT (und bei der Waschung am Waschbecken)
• persönliche Hygiene: gewaschene Hände, Handschuhe (Intimpflege, Infektionsgefahr)
• Einmalwaschlappen bei Inkontinenz
• Hautbeobachtung
• Reihenfolge der Ganzkörperwaschung richtet sich nach dem hygienischen Prinzip von „rein zu unrein“. (verhindert, dass Keime von den unreinen Bereichen auf die reinen übertragen werden)
• Bauchnabel inspizieren und ggf. Verkrustungen lösen
• Mund-, Zahn-, Prothesenpflege am Anfang oder Ende
• Nichts auf den Boden legen!
• Gesicht ohne Seife waschen
• Seife nicht ins Waschwasser geben
• Waschen der Augen in Richtung des Tränenflusses (von außen nach innen)
• Haut gut abtrocknen – feuchtes Milieu im Intimbereich und Zehenzwischenräumen vermeiden
BEI LOKALEN INFEKTIONEN (z.B. Fußpilz) KÖRPERTEIL ZULETZT WASCHEN, anschließend Waschlappen und Handtuch entsorgen
BLICK ZURÜCK (3 Ebenen kontrollieren – Boden-Mitte-Decke)
DOKUMENTATION
🎬 Video: Ganzkörperwaschung, Häusliche Pflege, youtube
Reinigende Teilwaschung am Waschbecken – Handlungsschema
Vorbereitung
1. Informationen einholen / informieren
• PatientIn über die pflegerische Maßnahme informieren
• Befindlichkeit erfragen
• Vitalzeichen kontrollieren
• Informationen über Selbstständigkeit einholen
2. Angenehme Atmosphäre schaffen
• Fenster schließen
• Privatsphäre schaffen (Paravent)
• Umgebung gestalten, um Bewegung individuell zu erleichtern (Kinästhetik)
3. Auf Sauberkeit achten
• Schutzschürze
• Handschuhe anziehen
• gewaschene Hände
• Je 2 frische Waschlappen und Handtücher
• Nierenschale mit: Duschgel, Duschcreme, persönliche Toilettenartikel (Zahnpasta, Zahnbürste, Rasierzeug, Deo, Lotion,…)
• Pflegemittel für Prophylaxen und andere Pflegemaßnahmen (Haut-, Mund-, Haarpflegemittel)
• Frische Unterwäsche und Kleidung
4. Sicherheitsmaßnahmen beachten
• Sitzgelegenheit bereitstellen
DURCHFÜHRUNG
1. Information
• PatientIn informieren
2. Angenehme Atmosphäre schaffen
• PatientIn mobilisieren (z.B. mit dem Rollator oder zu Fuß) zum Waschbecken begleiten
• PatientIn auf die Sitzgelegenheit setzen lassen
• Wasser lauwarm aufdrehen – PatientIn die Entscheidung über die richtige Temperatur überlassen
• Zeit für intensive Kontaktaufnahme → Kommunikation, auch nonverbal
3. Auf Sauberkeit achten
• PatientIn den Waschlappen reichen
• PatientIn wäscht sich Gesicht und Oberkörper, führt die Mundpflege, Rasur, Haarpflege am Waschbecken selbstständig durch, ggf. mit Unterstützung der Pflegekraft
• Hautpflege berücksichtigen – beim Eincremen mit einer Lotion unterstützen
• Nichts auf den Boden legen!
4. Sicherheitsmaßnahmen beachten
• Hautbeobachtung
• Gesicht ohne Seife waschen
• Haut gut abtrocknen – feuchtes Milieu in den Achselhöhlen und der Bauchfalte vermeiden – so weit es geht selbständig abtrocknen lassen, ggf. helfen (besonders in den Achselhöhlen, der Bauchfalte und am Rücken)
• BEI LOKALEN INFEKTIONEN (z.B. Hautpilz) KÖRPERTEIL ZULETZT WASCHEN, anschließend Waschlappen und Handtuch abwerfen
5. Ressourcen berücksichtigen / Selbständigkeit fördern
• sich immer an den Wünschen der PatientIn orientieren
• anleiten (z.B. die Hände zu waschen, evtl. Waschlappen über Hand von Patientin ziehen, Bauchnabel inspizieren, Verkrustungen lösen)
• Verhalten dem Zustand und der Befindlichkeit anpassen
Nachbereitung
1. Information
2. Angenehme Atmosphäre schaffen
• Patientin zum Bett zurück begleiten
• Erreichbarkeit persönlicher Dinge am Nachtkästchen
• Lüften
3. auf Sauberkeit achten
• versorgen und desinfizieren der Pflegeutensilien und des Waschbeckens
• Aufräumen des Zimmers
• persönliche Händedesinfektion
4. Sicherheitsmaßnahmen beachten
• Ruftonanlage in erreichbarer Nähe
5. Ressourcen berücksichtigen / Selbständigkeit fördern
• ggf. Getränk in erreichbarer Nähe (sofern Patientin nicht nüchtern bleiben muss)
• ggf. Erreichbarkeit des Rollators
BLICK ZURÜCK – 3 Ebenen (Deckenhöhe, Mittellinie, Bodenhöhe) kontrollieren, ob auch nichts vergessen wurde
DOKUMENTATION
Waschung in der Dusche: Handlungsschema
Vorbereitung
1. Informationen einholen
• PatientIn über die pflegerische Maßnahme informieren
• Befindlichkeit erfragen
• Vitalzeichen kontrollieren
• Informationen über Selbstständigkeit einholen
2. Angenehme Atmosphäre schaffen
• Fenster schließen
• Umgebung gestalten, um Bewegung individuell zu erleichtern (Kinästhetik, z. B. Duschstuhl, Antirutschmatte)
3. Auf Sauberkeit achten
• Schutzschürze
• Handschuhe (Intimpflege, Infektionsgefahr)
• Je 2 frische Waschlappen und Handtücher
• Duschgel, Duschcreme
• sauberes Rasierzeug
• Inkontinenzeinlage
• Pflegemittel für Prophylaxen und andere Pflegemaßnahmen (Creme, Öl)
• Haut-, Mund-, Zahn-, Haarpflegemittel
• Nierenschale
• Frische Unterwäsche und Kleidung
• Frische Bettwäsche
4. Patientin vorbereiten
• Persönliche Toilettartikel (z.B. Deodorant, Toilettwasser, Rasierwasser, Handspiegel, Schminkutensilien)
Durchführung
1. Information
• laufende Information an die Patientin während der Körperpflege
2. Angenehme Atmosphäre schaffen
• Intimsphäre wahren
• schamkompetent handeln
• Zeit für intensive Kontaktaufnahme → Kommunikation, auch nonverbal
• Hautbeobachtung
3. Auf Sauberkeit achten
• vom Gesicht über den Oberkörper zu den Füßen, Intimbereich zuletzt
• Bauchnabel inspizieren und ggf. Verkrustungen lösen
• Hautpflege berücksichtigen
• Mund-, Zahn-, Prothesenpflege am Anfang oder Ende
• Finger- und Zehenkontrolle, evtl. Termin bei der Fußpflege machen
• Nichts auf den Boden legen!
4. Sicherheitsmaßnahmen beachten
• Gesicht ohne Seife waschen
• Haut gut abtrocknen – feuchtes Milieu im Intimbereich und Zehenzwischenräumen vermeiden
• BEI LOKALEN INFEKTIONEN (z.B. Fußpilz) KÖRPERTEIL ZULETZT WASCHEN, anschließend Waschlappen und Handtuch abwerfen
5. Ressourcen berücksichtigen / Selbständigkeit fördern
• sich immer an den Wünschen der PatientIn orientieren
• anleiten (z.B. die Hände zu waschen, evtl. Waschlappen über Hand von Patientin ziehen)
• Verhalten dem Zustand und der Befindlichkeit anpassen
Nachbereitung
1. Information
2. Angenehme Atmosphäre schaffen
• Patientin anziehen und ins Bett bringen bzw. zu einem Stuhl bringen
• Erreichbarkeit persönlicher Dinge
• Lüften
3. auf Sauberkeit achten
• versorgen und desinfizieren der Pflegeutensilien und Waschschüssel
• Bett frisch beziehen
• Aufräumen des Zimmers
• persönliche Händedesinfektion
4. Sicherheitsmaßnahmen beachten
• Ruftonanlage in erreichbarer Nähe
5. Ressourcen berücksichtigen / Selbständigkeit fördern
• Getränk in erreichbarer Nähe (sofern Patientin nicht nüchtern bleiben muss)
• Richten von Urinflasche, Leibstuhl
• Erreichbarkeit einer Aufrichthilfe
BLICK ZURÜCK – 3 Ebenen (Deckenhöhe, Mittellinie, Bodenhöhe) kontrollieren, ob auch nichts vergessen wurde
PatientInnen, die nicht sicher stehen können, benötigen einen Duschhocker. Dieser ist meist so gestaltet, dass er die Intimpflege in sitzender Position ermöglicht. Achtung: Muss über rutschfeste Gumminoppen verfügen! Kontrolle, ob eine rutschfeste Unterlage am Boden der Duschkabine vorhanden ist. Sicherheit: Handgriffe an den Wänden.
Intimpflege
Die Pflegeassistenz führt notwendige hygienische Pflegemaßnahmen im Zusammenhang mit dem Intim- und Sexualbereich durch. Kann die betreffende Person diese Maßnahmen grundsätzlich selbst erlernen, leitet die Pflegeassistenz die einzelnen Schritte an und fördert größtmögliche Selbstständigkeit.
Sexualhygiene in der Pflege von Menschen mit Behinderung
Sexualhygiene in der Pflege umfasst den respektvollen Umgang mit Intimität und sexuellen Bedürfnissen und den sauberen und sicheren Umgang mit Körperpflege. Wichtige Säulen sind dabei die Wahrung der Intimsphäre, die Prävention von Infektionen sowie die Unterstützung zur Selbstbestimmung.
Zur Intimregion gehören (sowohl bei Männern als auch bei Frauen):
Bauch vom Nabel abwärts, Leisten, oberes Drittel der Oberschenkel, Genitalien, Gesäß
Die Intimpflege ist besonders wichtig und mehrmals täglich durchzuführen bei: Inkontinenz, Entzündungen, postoperativen Wunden, Hauterkrankungen, starker Schweißbildung.
Die Intimpflege setzt – noch mehr als andere Verrichtungen am Körper – Takt und Einfühlungsvermögen voraus.
DIE INDIVIDUELLEN BEDÜRFNISSE SIND ZU BEACHTEN:
• Respektieren des Schamgefühls
• Selbständigkeitsgrad abklären
• soweit möglich, die Intimpflege selbständig durchführen lassen
INTIMBEREICH BEOBACHTEN:
• Veränderungen melden, bzw. zweckmäßig behandeln
• Abspülen der Genitalien bei der Frau, wenn eine Waschung nicht möglich, erlaubt oder erwünscht ist
Eine korrekt durchgeführte Intimpflege ist gleichzeitig eine Infektionsprophylaxe.
Prinzipien bei der Intimpflege
- Ein Wasserwechsel vor der Intimpflege ist hygienisch sinnvoll
- Auf Waschzusätze möglichst verzichten
- Einmalhandschuhe tragen
- Von der Symphyse zum Anus waschen (verhindert Keimverschleppung „von oben nach unten“)
Durchführung
1. Informationen einholen
• Abklären der Selbstständigkeit
• Information über Maßnahme
2. Angenehme Atmosphäre schaffen (Privatsphäre beachten)
• Fenster und Türen schließen, für angenehme Raumtemperatur sorgen
• Wahrung der Intimsphäre (Sichtschutz)
• Flachpositionierung
3. Auf Sauberkeit achten
• Die Pflege der Vulva / des Glieds wird vor der Pflege des Rektalbereichs vorgenommen
• Intimpflege immer mit frischem Wasser und sauberem Waschlappen (wenn möglich Einmalwaschlappen)
• persönliche Hygiene: Hände desinfizieren, Handschuhe
• Benötigte Gegenstände auf desinfizierter Arbeitsfläche
• Zunächst Bauch vom Nabel abwärts, die Leisten und Innenseiten der Oberschenkel waschen und abtrocknen (von rein zu unrein, Nabel wurde bereits bei der Ganzkörperwaschung gewaschen)
• Zuletzt Gesäßfalte und Analregion in Richtung Steißbein waschen und trocknen (von vorne nach hinten)
• Das Waschen des Gesäßes erfolgt in Seitenlage – nicht vergessen, nach erneuter Drehung den Teil des Gesäßes waschen, auf dem die Patientin liegt
• Hautpflege wird in die Pflegehandlung integriert
4. Sicherheitsmaßnahmen berücksichtigen
• Bettschutz (frische Inko-Unterlage, Handtuch) unter das Gesäß
• Hautveränderungen und Sekretausscheidungen beobachten
• Auf Hautveränderungen, Rötungen achten
• Bei Übergewichtigen werden dünne Baumwollstreifen in die Hautfalten gelegt („Glegte“) 👉 „Intertrigoprophylaxe“ (Wundsein = Intertrigo)
5. Ressourcen berücksichtigen / Selbständigkeit fördern
GENITALBEREICH WIRD VON DER SYMPHYSE (Schambeinfuge) ZUM ANUS, ALSO VON VORNE NACH HINTEN GEWASCHEN!
Nachbereitung
DOKUMENTATION!
🪢 🧩💡Erinnerungsknoten: Was ist ein Intertrigo?💡🧩 🪢
BESONDERHEITEN BEI DER FRAU:
• Beine aufstellen und spreizen lassen
• Intimregion von vorne nach hinten waschen (Darmbakterien in die Harnröhre 👉 Blasenentzündung)
• Innere Schamlippen spreizen, Harnröhren- und Vaginaleingang waschen
• Äußere Schamlippen spreizen, innere Schamlippen waschen
• Äußere Schamlippen waschen
• Das Waschen von innen nach außen (Abweichung vom prinzipiellen Vorgehen – von außen nach innen!) verhindert das Eindringen von Keimen in den Harnröhren- und Vaginaleingang
• Sorgfältig trocknen/trocken tupfen
• Intimbereich hinsichtlich Hautveränderungen und Sekret beobachten
BESONDERHEITEN BEIM MANN:
• Vorhaut zurückschieben und Eichel von Absonderungen (= Smegma) sowie Harnröhreneingang waschen, gut abtrocknen
• Vorhaut wieder über die Eichel schieben (Paraphimose!)
• Penisschaft zum Körper hin und den Hodensack in Richtung Gesäß waschen und abtrocknen
• Intimbereich hinsichtlich Hautveränderungen und Sekret beobachten
Phimose / Paraphimose
Phimose bedeutet Vorhautverengung: Die Vorhaut kann nur unter Schmerzen über die Eichel zurückgezogen werden. Paraphimose bedeutet, dass die hinter die Eichel zurückgezogene Vorhaut dort festsitzt und nicht mehr nach vorne über die Eichel geschoben werden kann. Paraphimose ist ein akuter Notfall. Durch die zurückgezogene Vorhaut wird die Blutzufuhr zur Eichel eingeschränkt, was zu einer schmerzhaften Schwellung und einer möglichen Gefährdung des Gewebes (Nekrose) führen kann. Die Vorhaut liegt dabei wie ein Schnürring um die Eichel.[24]
Waschen des Rektalbereichs
• mit dem Waschen des Rektalbereichs endet die Körperpflege – er ist immer das Letzte, das gewaschen wird
• auf die Seite drehen
• Anus in Richtung Steißbein (von vorne nach hinten) waschen (Darmbakterien!)
• begonnen wird mit der Waschung beider Gesäßhälften (von außen nach innen), der Anus wird erst zum Schluss gewaschen
Mund- und Zahnpflege
Allgemeine Mund- und Zahnpflege = Maßnahmen der Mundhygiene, die der gesunde Mensch täglich selbst ausführen kann, z.B. Zähne putzen, Zahnprothese reinigen und Mund ausspülen.
Mundgesundheit beeinflust die Lebensqualität. Wenn Beeinträchtigungen unbehandelt bleiben, kann es langfristig zu schwerwiegenden Folgen wie Mangelernährung, Angst, Therapieabbruch und sozialem Rückzug kommen.
Zur Mundhygiene gehören:
- Zahnreinigung
- Mundspülung
- regelmäßige Zahnkontrollen (Zahnstatus)
- Behandlung von Mund- und Zahnerkrankungen
Plaque kann nur durch Putzen entfernt werden.[25] Das Auswischen des Mundes allein, z.B. mit Glycerinstäbchen oder Schaumstoffträger, ist gegen Plaque nicht wirksam.[26] Die Entfernung von Plaque wirkt der Bildung von Zahnstein weitgehend entgegen.[27]
Wichtig ist, die Veränderungen der Mundschleimhaut, Zunge und Lippen frühzeitig zu erkennen und die pflegerischen Maßnahmen anzupassen. Die Beobachtung der Mundhöhle erfolgt mit Unterstützung einer Stablampe und eines Zungenspatels.
Mundhöhle beobachten: Beobachtungskriterien
- Zustand der Zähne
- Zustand des Zahnfleisches
- Beschaffenheit der Mundschleimhaut (Beläge, ausreichend Feuchtigkeit, Aphten, Druckstellen [z.B. Prothesenstomatitis], Schwellungen)
- Beschaffenheit der Zunge
- Zustand des Gebisses bzw. der Zahnprothese
- Mundgeruch, z.B. durch kariöse Zähne oder bakterielle Besiedelung
- Zustand der Lippen (Rauigkeit, Trockenheit, Rhagaden, Herpes labialis, Borken)
Rhagaden
Rhagaden sind tiefe, oft schmerzhafte Einrisse der Haut (z. B.: Mundwinkelrhagaden, „aufgerissene Lippen“). Sie entstehen besonders an trockener oder stark beanspruchter Haut. Rhagaden können typischerweise auch an den Händen, Füßen, Fersen und Brustwarzen auftreten.[28]
Herpes labialis
Herpes labialis (auch: Lippenherpes, Fieberblase), ist eine durch Herpes-simplex-Viren – meist HSV-1 – verursachte Infektion der Haut und Schleimhaut im Mund- und Lippenbereich. Typisch sind kleine, schmerzhafte und mit Flüssigkeit gefüllte Bläschen. Nach der ersten Infektion verbleibt das Virus lebenslang im Körper und kann später erneut aktiviert werden. Besonders bei sichtbaren Bläschen besteht Ansteckungsgefahr.[29]
Borken
Borken sind keine Erkrankung der Mundschleimhaut. Es handelt sich um eingetrocknete Auflagerungen beziehungsweise Krusten auf der Haut. Sie entstehen beispielsweise, wenn Blut, Wundsekret oder Eiter eintrocknen. Borken können bei unterschiedlichen Hauterkrankungen auftreten.
Zahnpflege – Handlungsschema
Zahnpflege mind. 2 x täglich durchführen, besser 3 x.
Wenn möglich immer die PatientIn selbstständig durchführen lassen.
Die Zähne eines anderen Menschen zu putzen erfordert Geschick und Einfühlungsvermögen.
🪢 🧩💡Erinnerungsknoten: Zu welcher Berührungszone gehören die Zähne?💡🧩 🪢
VORBEREITUNG
1. Informationen einholen
• Dysphagie?
2. Angenehme Atmosphäre schaffen
• auf die Wünsche der Patientin eingehen
3. Auf Sauberkeit achten
• Zahnbürste mit kurzem Bürstenkopf und intakten, abgerundeten Kunststoffborsten; Zahnpasta erbsengroß
• (Zungenbürste)
• (Interdentalbürste für die Zahnzwischenräume)
• Zahnputzbecher
• Handtuch
• Mundwasser, Becher für Mundspülflüssigkeit
• (Die elektrische Zahnbürste erleichtert die Zahnpflege und ermöglicht eine gute Massage des Zahnfleisches)
• (Zahnseide eignet sich zur gründlichen Reinigung der einander zugewandten Zahnteile)
4. Sicherheitsmaßnahmen berücksichtigen
• Nierenschale
• Evtl. Lippenpflege
5. Ressourcen berücksichtigen / Selbständigkeit fördern
DURCHFÜHRUNG
1. Informationen einholen
• Probleme mit den Zähnen oder der Prothese?
2. Angehnehme Atmosphäre schaffen
• auf Wünsche der PatientIn eingehen
3. Auf Sauberkeit achten
• Handtuch quer unter das Kinn legen
• beginnend vom Zahnfleischrand von rot nach weiß putzen in einem Winkel von 45°
• von einem Ende des Zahnbogens innen bis zum anderen Ende, außen zurückputzen
• Die Kauflächen der Backenzähne werden mit kräftigeren Bewegungen geputzt
• Dann zum anderen Kiefer wechseln
• Bei gründlicher Durchführung dauert das Zähneputzen ca. 3 Minuten
• Danach wird die Mundhöhle gründlich mit Wasser gespült, Wasser durch die Zahnzwischenräume pressen lassen, evtl. Mundwasser verwenden
• Mundschleimhaut begutachten
4. Sicherheitsmaßnahmen berücksichtigen
• Oberkörperhochlagerung, auch Bettlägrige, bei Dysphagie nur in Seitenlage
5. Ressourcen berücksichtigen / Selbständigkeit fördern
NACHBEREITUNG
DOKUMENTATION!
Zahnprothesenpflege
Eine Zahnprothese/ein Zahnersatz ist ein Wertgegenstand: Sorgfältig handhaben!
Grundsätzlich sollte die Prothese tagsüber immer getragen werden, da sich der Kiefer sonst rasch verändert und die Prothese nicht mehr passt. Die Gewohnheiten bezüglich des nächtlichen Prothesentragens sind unterschiedlich. Einige Menschen verzichten nachts darauf, fühlen sich gleichzeitig aber unsicher und möchten ohne Zahnersatz nicht gesehen werden. Auch die dadurch veränderte, undeutliche Aussprache führt zu Unsicherheiten.
Die regelmäßige Kontrolle der Zahnprothese und der Mundschleimhaut ist notwendig. Prothesenträger sollten bei Veränderungen (lockerer Sitz) oder bei Beschwerden (Druckstelle, Kau Schwierigkeiten) und generell halbjährlich die ZahnärztIn aufsuchen.[31] Sitzt die Prothese nicht fest, sammeln sich häufig Essensreste darunter an. In diesem Fall wird nach jeder Mahlzeit die Prothesenpflege durchgeführt.
Die Zahnprothese sollte in einem Behälter aufbewahrt wrden, der deutlich mit dem Namen der BesitzerIn versehen ist. Geschieht dies nicht, kann es zu Verwechslungen kommen. In einigen Fällen ist es sinnvoll, die Zahnprothese zu kennzeichnen (z. B. bei PatientInnen mit Demenz).
Zahnprotesenpflege Handlungsschema
VORBEREITUNG
s. Ganzkörperwaschung im Bett
zu 3. Ressourcen berücksichtigen / Selbständigkeit fördern
• Prothesen durch leichtes Hin- und Herbewegen aus dem Mund nehmen (lassen)
DURCHFÜHRUNG
zu 1. Auf Sauberkeit achten
• Zahnprothese einer weichen Bürste unter fließendem Wasser reinigen
• Auf Wunsch kann die Prothese kurz in ein spezielles Reinigungsmittel eingelegt werden. Vor dem Einsetzen gründlich spülen.
• Bei Bedarf werden Speise- oder Haftcremereste mit einer weichen Bürste vom Kiefer entfernt
• Mundspülen mit klarem Wasser oder erfrischender Lösung ermöglichen, jedoch nur bei Bewohnern mit vollem Bewusstsein und erhaltenem Schluck- und Hustenreflex (bei Aspirationsgefahr Seitenlage!)
• Mundschleimhaut inspizieren
• Vor dem erneuten Einsetzen der Zahnprothese unter kaltem Wasser gründlich abspülen
zu 2. Sicherheitsmaßnahmen berücksichtigen
• Um Schäden durch das Herunterfallen der Prothese zu vermeiden, immer etwas Wasser ins Waschbecken füllen und einen Waschlappen auf den Abfluss legen
• Beschriftete Prothesenschale mit siebartigem Einsatz bereitstellen
• Reinigungstabletten nach Vorschrift des Herstellers einsetzen
zu 3. Ressourcen berücksichtigen / Selbständigkeit fördern
• Patientin wird die Prothese in der Schale gereicht (Selbständigkeit fördern)
NACHBEREITUNG
DOKUMENTATION!
Mundpflege
Die drei Elemente der Mundpflege
• Zahnpflege
• Mundspülung
• Lippenpflege
Mundspülungen
Sie dienen der Entfernung von Speiseresten und / oder der Anfeuchtung der Mundschleimhaut. Sie werden mit klarem Wasser oder ungesüßtem Tee durchgeführt (Geschmack richtet sich nach den Wünschen der Patientin); keine alkoholhaltigen Mundwasser verwenden (Gefahr der Austrocknung).
Bei Dysphagie Schaumstoffträger statt Mundspülung (ausdrücken, Stabile Seitenlage)!
Lippenpflege
Im Anschluss an die Mund- und Zahnpflege sollte die Lippenpflege durchgeführt werden. Insbesondere bei einer reduzierten Flüssigkeitsaufnahme ist darauf zu achten, dass die Lippen nicht austrocknen.
Spezielle Mundpflege
Definition:
Pflegerische Maßnahmen bei Erkrankungen der Mundhöhle.[16] Man unterscheidet zwischen Maßnahmen und Prophylaxen.
Maßnahmen zur speziellen Mundpflege
• sind dieselben wie bei der klassischen Mundpflege: Zahnpflege, Mundspülung, Lippenpflege
• Unterschied: es kommen noch Lösungen und/oder Mundspülungen dazu (oft antimykotisch, antibakteriell), um eine Erkrankung der Mundhöhle zu behandeln (auf Anordnung der ÄrztIn)
Mundpflege-Set für die Durchführung einer speziellen Mundpflege-Maßnahme[16]
• Diagnostikleuchte und Zungenspatel zur Inspektion
• Kleine Kompressen, Tupfer, Schaumstoffträger
• Saubere Peanklemme oder Plastikklemme
• Handschuhe
• Lösungen (Anordnung der Ärztin)
• Lippenpflegemittel (z.B. eigener Fettstift der Patientin, Wund-und-Heilsalbe)
• Zungenpflegemittel oder Therapeutikum (z.B. antibakterielle oder antimykotische Gele – auf Anordnung der ÄrztIn)
• Zahnpasta, Zahnbürste
• Nierentasse
• Waschlappen
• Handtuch
• Abwurf
Erkrankungen der Mundschleimhaut mit Bedarf an spezieller Mundpflege
• Mukositis / Stomatitis (Mukositisprophylaxe, Stomatitisprophylaxe)[32]
• Soor (Soorprophylaxe)[33]
• Parotitis (Parotitisprophylaxe)(33)
Beispiele spezieller Lösungen und Mundspülungen
Lösungen
Isotonische Kochsalzlösung (NaCl 0,9 %)
• Standardlösung in der Pflege
• dient der milden Reinigung und Reizlinderung
• reinigt die Schleimhaut physiologisch und weicht schmerzfreie Borken oder Verkrustungen sanft auf, ohne Gewebe zu irritieren
• oft in der Palliativpflege verwendet[1]
Salbei- oder Kamillentee
• abgekühlt anwenden
• bei Entzündungen
• auch in der Palliativpflege anwendbar[2]
Panthenol-Lösung
• nach ärztlicher Anordnung
• zur Regeneration der Schleimhäute
• fördert die Zellneubildung bei rissiger Mundhöhle
• lindert Schleimhautentzündungen
• unterstützt die Wundheilung
• auch in der Palliativpflege anwendbar[2]
Mundspülungen
Chlorhexidin
• es gibt unterschiedliche Produkte mit Chlorhexidin
• nach ärztlicher Anordnung
• medizinischer Goldstandard zur Keimreduktion
• wirkt stark antibakteriell
• bestimmte Produkte mit Chlorhexidin werden in der Intensivpflege (z. B. bei beatmeten PatientInnen zur Pneumonieprophylaxe), bei Prothesenstomatitis oder nach oralen Operationen kurzzeitig angewendet[3]
Fluoridhaltige Mundspülungen
• nach ärztlicher Anordnung
• zur intensiven Karies- und Zahnfleischprophylaxe bei bettlägerigen PatientInnen
Der Unterschied zwischen normaler Zahnpflege und spezieller Zahnpflege liegt im Zweck der jeweiligen Maßnahmen:
Normale Mundpflege
• Reinigung der Zähne
• Vorbeugung von Karies und Zahnfleischerkrankungen
Spezielle Mundpflege
• Einmalzahnbürste verwenden
• zusätzlich zur normalen Mundpflege
• z.B. antiseptische oder antimykotische Lösungen, Mundspülungen (für Prothesen gibt es spezielle)
• Feuchthalten der Mundschleimhaut
Anfeuchten der Mundschleimhaut bei bestehender Erkrankung der Mundschleimhaut
- Ziel: Mundtrockenheit entgegenwirken;[55]
- Das regelmäßige Anfeuchten der Mundschleimhaut ist erforderlich bei Pflegebedürftigen, die selbst dazu nicht in der Lage sind, und unter Mundtrockenheit leiden (Schaumstoffträger oder Peanklemme mit Tupfer/Gaze);[55]
- Die Durchführung erfolgt nach jedem Essen und zusätzlich im ca. 2-stündl. Rhythmus, bei Bedarf auch häufiger;[55]
- Die Mundschleimhaut und die Zunge werden entweder mit einer weichen Einmalzahnbüste oder mit Peanklemme und Gaze ausgewischt;
- Um die Zunge feucht und geschmeidig zu halten, kann sie mehrmals täglich mit Rapsöl, Sonnenblumenöl oder frischer Butter bestrichen werden (Schaumstoffträger, behandschuhter Finger)
Achtung Aspirationsgefahr! Schaumstoffköpfe können sich vom Stiel lösen. Die feste Verbindung vor jeder Verwendung kontrollieren und bei Menschen, die darauf beißen könnten, eine weiche Zahnbürste als Alternative verwenden![56]
Achtung Verletzungsgefahr! Die Péan-Klemme ist ein starres chirurgisches Instrument. Ihre Anwendung im Mund kann bei unkontrollierten Bewegungen oder Zubeißen Verletzungen begünstigen. Bei Menschen, die darauf beißen könnten, eine weichere Alternative (Schaumstoffträger, weiche Zahnbürste) verwenden oder mit den behandschuhten Händen arbeiten.[57]
Reinigen und Pflegen von Mundschleimhaut
- Ziel:[57]
- Beläge, Speisereste und eingetrocknete Sekrete entfernen
- dadurch die übermäßige Vermehrung krankheitserregender Mikroorganismen zu vermindern
- natürliches Gleichgewicht der Mundflora erhalten
- dadurch Infektionen, Schmerzen und Schleimhautschädigungen vorbeugen
- Die Mundhöhle wird mit Tupfern bzw. Gaze ausgewischt.[57]
- Ob Peanklemme oder (kleiner) Finger verwendet werden, liegt im Ermessen der Pflegefachkraft – die Führung mit dem Finger ist gefühlvoller und einfacher, birgt aber die Möglichkeit einer Bissverletzung
Spezielle Mundpflege-Maßnahmen: Handlungsschema[16]
VORBEREITUNG
• Aspirationsrisiko abklären
• Information der Patientin
• Angenehme Atmosphäre schaffen
• Sicherheitsmaßnahmen berücksichtigen: Händedesinfektion, Handschuhe anziehen, Oberkörper hoch, bei Aspirationsgefahr Mundpflege in Seitenlage
• Auf Sauberkeit achten: Auflegen des Handtuchs zum Schutz der Kleidung
• Ressourcen berücksichtigen / Selbständigkeit fördern: ggf. einzelne Arbeitsschritte selbständig erledigen lassen
DURCHFÜHRUNG
• Inspektion der Mundhöhle und Lippen mit Diagnostikleuchte und angefeuchtetem Spatel
• Zähne putzen
• Mund spülen
• Tupfer in der Klemme fixieren, Spitze sollte vollständig bedeckt sein (keine Verletzungsgefahr) oder Gaze um behandschuhten Finger wickeln
• Tupfer / Gaze mit gewünschter Lösung (Therapeutikum nach Anordnung der Ärztin) befeuchten
• nach jedem Wischvorgang neuen Tupfer / neue Gaze
• Mundhöhle immer von hinten nach vorne reinigen! (= Ausnahme aus den prizipiellen Regeln der Körperpflege)
NACHBEREITUNG
DOKUMENTATION!
Hygieneregeln bei der speziellen Mundpflege:
• Zahnbürste täglich wechseln
• Tupfer aus verschweißten nehmen
• Mundhöhle von hinten nach vorne reinigen[5]
Spezielle Mundpflege – Prophylaxen
In diesen Fällen wird prophylaktisch eine spezielle Mundpflege durchgeführt:
• Operationen der Mundhöhle(34)
• trockene Mundschleimhaut(35)
• Sauerstofftherapie(36)
• künstliche Beatmung(37)
• enterale und parenterale Ernährung (PEG-Sonde, intravenös)(37)
• verminderte oder fehlende Kautätigkeit, Nahrungskarenz (z.B.: bei parenteraler oder enteraler Ernährung)(33)
• KrebspatientInnen, Strahlen- oder Chemotherapie (Zytostatika) im Kopf-, Hals- oder Brustbereich(32)
• KomapatientInnen(34)
• kortisonhaltige Dosieraerosole[40]
• Antibiotika und schlechter AZ[39]
• Palliativ[38]
Mundpflege-Set für die Durchführung einer speziellen Mundpflege[16]
• Diagnostikleuchte und Zungenspatel zur Inspektion
• Kleine Kompressen, Tupfer, alternativ Schaumstoffträger
• Saubere Peanklemme oder Plastikklemme
• Handschuhe
• Erfrischende Lösungen (z.B. Tee, Mundwasser)
• Lippenpflegemittel (z.B. eigener Fettstift der Patientin, Wund-und-Heilsalbe)
• evtl. Glycerin-Wattestäbchen
• Zungenpflegemittel
• Zahnpasta, Zahnbürste
• ggf. zur Entfernung haftender Zungenbeläge/Borken: mittels Fett (Butter, Margarine, Sahne, Mandelöl) oder Naturjoghurt sowie feuchte Kompressen
• Nierentasse
• Waschlappen
• Handtuch
• Abwurf
Prophylaxen, um Erkrankungen der Mundschleimhaut vorzubeugen
- regelmäßige Beobachtung der Schleimhäute
- Speichelfluss anregen:[45]
- Vermehrte Kautätigkeit, z.B. durch Kauen von Kaugummi, Trockenobst oder Brotrinde[58]
- Speichelanregende Mundspülungen durchführen (verdünnter Zitronensaft, Apfelsaft, Traubensaft, saurer Tee)[15]
- Lutschen von Eiswürfeln oder sauren (zuckerfreien) Bonbons (evtl. Glycerinstick)[15]
- mind. 1 x täglich die Mundhöhle sorgfältig inspizieren (besser 2-3x täglich)[15]
- bei Abwehrschwäche (z.B. bei onkologisch erkrankten Menschen) ggf. prophylaktische Schleimhautdesinfektion (auf Anweisung der ÄrztIn)
- nach kortisonhaltigen Aerosolen Mund ausspülen lassen[40]
- nicht reizende Spüllösungen (Wasser, Aqua-Dest) oder NaCl-Lösung nach ärztlicher Abklärung
- ausreichend Flüssigkeit (Achtung! Herzinsuffizienz, Niereninsuffizienz)
- regelmäßige Prothesenpflege
- Zahnstatus
Beispiel aus der Praxis: Prophylaktische spezielle Mundpflege / Prophylaxe bei Chemotherapie
Wenn die Pflegeassistenz erfährt, dass eine ihrer PatientInnen eine Chemotherapie erhält, führt sie im Rahmen der Körper- bzw. Mundpflege folgende Maßnahmen durch:
• Mundhöhle regelmäßig inspizieren: Sie beobachtet täglich Schleimhaut, Zahnfleisch, Zunge, Lippen und Zähne und dokumentiert den Zustand. Auf diese Weise können Veränderungen frühzeitig erkannt und an den gehobenen Dienst weitergegeben werden.
• Zahn-, Mund- und Lippenpflege durchführen
• Zähne schonend putzen: Die Zähne werden wie gewohnt gereinigt. Bei empfindlicher Mundschleimhaut wird gegebenenfalls eine weichere Zahnbürste verwendet.
• Mundschleimhaut regelmäßig befeuchten: Die PatientIn erhält regelmäßige Mundspülungen (Wasser, saure Tees), um die Schleimhaut feucht zu halten.
• Lippen pflegen: Die Lippen werden regelmäßig mit einem geeigneten Fettstift oder einer Creme gepflegt, damit sie geschmeidig bleiben und keine Rhagaden entstehen.
• Speichelfluss fördern: Sofern keine Kontraindikation wie eine Schluckstörung besteht, können folgende Maßnahmen eingesetzt werden:
– zuckerfreie, xylithaltige Kaugummis kauen lassen
– die Ohrspeicheldrüsen massieren
– Eiswürfel lutschen lassen (muss zum jeweiligen Behandlungsschema, zur Schluckfähigkeit und zum Pflegeplan passen)
• PatientIn zur Selbstbeobachtung anleiten: Die Pflegeassistenz leitet die PatientIn an, die Mundhöhle selbst zu beobachten und Veränderungen sofort mitzuteilen.
Nicht von der Pflegeassistenz selbst durchgeführte Maßnahme
Bereits vor Beginn der Chemotherapie sollte ein Zahnarztbesuch und die Behandlung bestehender Erkrankungen, beispielsweise kariöser Zähne, eingeplant werden. Die Pflegeassistenz kontrolliert, ob ein solcher Zahnarztbesuch vorgesehen beziehungsweise erfolgt ist, und gibt fehlende Informationen weiter.[44]
Spezielle Mundpflege bei enteraler und parenteraler Ernährung
Bei PatientInnen mit enteraler oder parenteraler Ernährung wird die spezielle Mundpflege mit folgenden Lösungen durchgeführt:[16]
- frisch abgekochtes, abgekühltes Wasser
- frisch zubereiteter, abgekühlter Tee
- steriles Aqua Dest
Zusätzliche Mundpflegemittel werden individuell ausgewählt.
Spezielle Mundpflege-Maßnahmen: Handlungsschema[16]
VORBEREITUNG
• Aspirationsrisiko abklären
• Information der PatientIn
• Angenehme Atmosphäre schaffen
• Sicherheitsmaßnahmen berücksichtigen: Händedesinfektion, Handschuhe anziehen, Oberkörper hoch, bei Aspirationsgefahr Mundpflege in Seitenlage
• Auf Sauberkeit achten: Auflegen des Handtuchs zum Schutz der Kleidung
• Ressourcen berücksichtigen / Selbständigkeit fördern: ggf. einzelne Arbeitsschritte selbständig erledigen lassen
DURCHFÜHRUNG
• Inspektion der Mundhöhle und Lippen mit Diagnostikleuchte und angefeuchtetem Spatel
• Zähne putzen
• Mund spülen
• Tupfer in der Klemme fixieren, Spitze sollte vollständig bedeckt sein (keine Verletzungsgefahr) oder Gaze um behandschuhten Finger wickeln
• Tupfer / Gaze mit gewünschter Lösung (Therapeutikum nach Anordnung der Ärztin) befeuchten
• nach jedem Wischvorgang neuen Tupfer / neue Gaze
• Mundhöhle immer von hinten nach vorne reinigen! (= Ausnahme aus den prizipiellen Regeln der Körperpflege)
NACHBEREITUNG
DOKUMENTATION!
Generell sollten für die Mundpflege nur Substanzen verwendet werden, deren Geruch und Geschmack der PatientIn angenehm sind.
Mukositis
Definition
Schleimhautentzündung (nicht nur der Mundschleimhaut).[41] Kann verschiedene Schleimhäute des Verdauungstraktes (Mund, Rachen, Speiseröhre, Magen und Darm) betreffen.[42]
Ursachen:
- oft nach Chemo- oder Strahlentherapie[42]
Symptome:
- typische Entzündungszeichen (Rötung, Schmerzen beim Sprechen, Kauen, Essen und/oder Schlucken)[42]
- Zahnfleischbluten[42]
- Ulzerationen[42]
- Bläschen[43]
- Aphten[45|
- Mundgeruch[42]
- trockener Mund[42]
- ev. Fieber oder allgemeines Krankheitsgefühl bei infektiöser Ursache[45]
- ev. Atemgeruch unangenehm faulig[47]
Stomatitis
Definition
Entzündung der Mundschleimhaut.[45]
Ursachen
- in der Langzeitpflege oft schlecht sitzende Prothesen (Prothesenstomatitis)[46]
Symptome:
- typische Entzündungszeichen (Rötung, Schmerzen beim Sprechen, Kauen, Essen und/oder Schlucken)[45]
- Zahnfleischbluten[45]
- Ulzerationen[45]
- Bläschen (Stomatitis aphthosa)[47]
- Aphten[45]
- Mundgeruch[45]
- trockener Mund[45]
- ev. Fieber oder allgemeines Krankheitsgefühl bei infektiöser Ursache[45]
- ev. Atemgeruch unangenehm faulig[47]
Therapie
- Entfernung von Reizfaktoren (bei Prothesendruckstellen Prothesen kontrollieren)[45]
- Schmerztherapie[45]
- bei Infektionen erfolgt eine gezielte medikamentöse Therapie nach ärztlicher Anordnung[45]
Parotitis
Definition
Entzündung der Ohrspeicheldrüse. Kann einseitig oder beidseitig auftreten.[48]
Mumps ist eine Form der Parotitis, verursacht durch eine virale Entzündung der Ohrspeicheldrüse.[48]
Ursachen:
- Infektionen (Bakterien, Viren)[49]
- Speichelsteine[49]
Symptome:
- klassische Entzündungszeichen:[50]
- Tumor (einseitige oder beidseitige Schwellung der Ohrspeicheldrüse, meist im Bereich vor oder unter dem Ohr)
- Dolor (Wange, Kiefer, vor dem Ohr)
- Functio Laesa (Kauen, Schlucken oder Mundöffnen)
- Calor
- Rubor
- trockener Mund, verminderter Speichelfluss[49]
- ev. Eiteraustritt aus dem Ausführungsgang der Ohrspeicheldrüse bei bakterieller Ursache[51]
- unangenehmer Geschmack im Mund (durch Eiter, der sich in den Mund entleeren kann)[51]
- ev. Fieber, allgemeines Krankheitsgefühl, Müdigkeit bei infektiöser Parotitis (Viren oder Bakterien)[48]
Soor / Mundsoor
Definition
ist eine Pilzinfektion, meist durch Candida albicans verursacht.[52]
Ursachen:
- in der Langzeitpflege häufig nach kortisonhaltigen Aerosolen[40] oder über mehrere Wochen angewendete Antibiotika[53]
Symptome:
- weiße, abstreifbare Beläge[53]
- pelziges Gefühl im Mund[53]
Vergleichsübersicht
| Erkrankung | Kurzdefinition |
|---|---|
| Mukositis | Schleimhautentzündung, oft durch Chemo-/Strahlentherapie |
| Stomatitis | Entzündung der Mundschleimhaut, in der Langzeitpflege häufig durch schlecht sitzende Prothesen |
| Soor | Pilzinfektion der Mundschleimhaut, in der Langzeitpflege häufig durch kortisonhaltige Medikamente oder Antibiotika |
| Parotitis | Entzündung der Ohrspeicheldrüse, häufig durch Infektion |
Mukositis, Parotitis und Stomatitis sind Entzündungen, Soor ist eine Pilzinfektion
Bei allen Pflegebedürftigen muss abgeklärt werden, ob ein ASPIRATIONSRISIKO vorliegt. Zur Erhebung des Pflegebedarfs ist eine sorgfältige Beobachtung der Mundhöhle und der Lippen unerlässlich!
Dokumentation
- eine nachvollziehbare Dokumentation hilft, Auffälligkeiten rechtzeitig zu erkennen:[60]
- Beschreibung der Mundschleimhaut einschließlich Veränderungen[61]
- Häufigkeit und Zeitpunkt der Inspektion[61]
- Verwendete Mundpflegeprodukte und deren Wirksamkeit[61]
- frühere Munderkrankungen bzw. die Neigung dazu (z.B. Soor oder Herpes)[61]
- bekannte Risikofaktoren für Munderkrankungen[61] (z.B. Chemotherapie)
- Mundpflegegewohnheiten (Wünsche, Vorlieben und Abneigungen der PatientIn)[61]
Das Handbuch „Pflegedokumentation stationär“ für die Pflegeleitung (Stand 2007) kritisiert ausdrücklich, dass viele dieser Angaben in der Praxis nicht dokumentiert werden.[61]
Augen-, Ohren- und Nasenpflege
Augen eintropfen: Durchführung
- informieren
- Hände desinfizieren
- P/B hinsetzen oder hinlegen, Kopf rückwärts anlehnen, leicht nach hinten neigen lassen
- P/B nach oben blicken lassen, damit die Augentropfen nicht direkt auf die Hornhaut fallen
- das Unterlid leicht mit einem Tupfer nach unten ziehen
- Hand auf der Stirn des P/B aufstützen
- in die Mitte des Bindehautsackes tropfen (Salbe gleicher Vorgang)
- mit geschlossenen Augen in alle Richtungen blicken lassen (gleichmäßige Verteilung)
- überflüssige Tropfen abtupfen
- Flasche anschließend wieder sofort schließen
- Hände desinfizieren[16]
FACHBEGRIFFE ZUM THEMA KÖRPER- UND MUNDPFLEGE, DIE DIE PFLEGEASSISTENZ KENNEN UND NUTZEN SOLLTE
| Begriff | Erklärung |
|---|---|
| Mukositis | Schleimhautentzündung |
| Parotitis | Entzündung der Ohrspeicheldrüse |
| Selbstpflegedefizit | die PatientIn ist nicht in der Lage, sich selbst zu pflegen |
| Stomatitis | Entzündung der Mundschleimhaut |
| Soor | Pilzinfektion (wenn im Mund, dann „Mundsoor“) |
VIEL GLÜCK BEI DER PRÜFUNG! 🍀
Quellen:
s. Skriptum
Bild: pixabay