Zum Inhalt springen
Startseite » ALT Pflegetechnik 2 für die Pflegeassistenz » Kompetenz der Pflegeassistenz: Verbandswechsel

Kompetenz der Pflegeassistenz: Verbandswechsel

Aufbereiteter Lehrinhalt, Unterrichtsfach: GrundzĂĽge und Prinzipien der Akut- und Langzeitpflege inklusive Pflegetechnik (GKPF)


07.05.2026

Das muss die Pflegeassistenz ĂĽber Verbandswechsel wissen:
TF 4/2: Unterstützung der Lebensaktivitäten von Menschen mit chronischen Wunden
spezifische und unspezifische Zeichen/Symptome bei der Entstehung und im Verlauf chronischer Wunden
➤ Beobachtung und Beschreibung
➤ Erleben und Bedeutung
➤ Verbandmaterialien und Entsorgung
➤ Hygienerichtlinien (u. a. Händedesinfektion, Eigenschutz)
➤ Pflegestandards (kennen)
➤ mögliche Pflegediagnosen (kennen) wie z. B. SelbstfĂĽrsorgedefizit Waschen
➤ Hautschädigung
TF 5/1 Haut- und Hautanhangsgebilde & Regulation des Wärmehaushalts
TF 5/2 der Haut und chronische Wunden inklusive Symptomatik, Diagnostik und Therapie

Erkrankungen der Haut und chronische Wunden inklusive Symptomatik, Diagnostik und Therapie
➤ medizinische Pflegetechnik
➤ septischer/aseptischer Verbandwechsel (Grundzüge)
➤ einfacher Wundverband
➤ Grundzüge der Wundbeschreibung

Verbandswechsel: Was darf die Pflegeassistenz?

§ 83 Abs. 4 Z 6 GuKG, „Tätigkeitsbereich der Pflegeassistenz“[1]:
„Die Mitwirkung bei Diagnostik und Therapie gemäß Abs. 1 Z 3 umfasst: DurchfĂĽhrung einfacher Wundversorgung, einschlieĂźlich Anlegen von Verbänden, Wickeln und Bandagen.“

• einfache Wundversorgung
• Verbandwechsel
• nach ärztlicher Anweisung
• in stabilen Pflegesituationen

Gemäß § 83 Abs. 4 Z 6 GuKG umfasst der Tätigkeitsbereich der Pflegeassistenz die Mitwirkung bei Diagnostik und Therapie, wozu auch die Durchführung einer einfachen Wundversorgung zählt. Sie darf nach ärztlicher Anordnung und in stabilen Pflegesituationen Verbände, Wickel und Bandagen anlegen. Dabei ist stets sicherzustellen, dass es sich um eine einfache Maßnahme handelt, die keine besonderen medizinischen Kompetenzen erfordert.

🪢 🧩💡Erinnerungsknoten: In welchen Pflegesituationen darf die Pflegeassistenz tätig werden? Welche Ausnahme besteht?💡🧩 🪢

Die Haut

🪢 🧩💡Erinnerungsknoten: Anatomie: Aus welchen Schichten besteht die Haut? 💡🧩 🪢

Blutversorgung der Haut

🪢 🧩💡Erinnerungsknoten: Anatomie: Wie wird die Haut mit Blut versorgt und was durchzieht die Haut?💡🧩 🪢

Weiterleitung von Sinnesreizen ĂĽber die Haut

🪢 🧩💡Erinnerungsknoten: Anatomie: Was befindet sich in der Haut, das Sinnesreize weiterleitet?💡🧩 🪢

Definition:
Eine Wunde ist ein Barriereverlust zwischen Körper und Umgebung. Sie entsteht durch eine Schädigung oder Zerstörung von Körpergewebe, wodurch Keime in den Körper eindringen und Infektionen verursachen können.[2]

Wunden gehen oft mit Schmerzen (dolor) und Funktionseinschränkungen (functio laesa), bei einer Infektion mit den klassischen 5 Entzündungszeichen einher.

Klassifizierung von Wunden

  1. Nach Art der Entstehung
  2. Nach Heilungsverlauf
  3. Nach der Keimbesiedelung
  4. Nach Kontaminationsklasse
  5. Nach Tiefe und Ausdehnung des Defekts
  6. Nach Verletzungshergang

Ursache einer Infektion ist nie das Eindringen eines Keimes allein. Ob es zu einer Infektion kommt, hängt von der Anzahl der Erreger und der Stärke der körpereigenen Abwehr (Immunsystem) ab. 

Nach Art der Entstehung

  • mechanische (z.B. Platz und Risswunden, Intertrigo „durch Reibung und Mazeration“, Dekubitus „durch Druck- und Scherkräfte“, Rhagaden „durch Einriss, Trockenheit oder Spannung“)
  • thermische (durch Strom, Hitze oder Kälte)
  • chemische (z.B. durch Säuren und Laugen)
  • strahlenbedingte (z.B. durch Strahlentherapie, ähneln Brandwunden und heilen eher problematisch)

Streng genommen ist ein Dekubitus Grad 1 noch keine Wunde, ab Grad 2 kann er als (oberflächliche) Wunde eingeordnet werden.

🪢 🧩💡Erinnerungsknoten: Definition Dekubitus: Was ist ein Dekubitus? Wie zeigt sich ein Dekubitus Grad 2 im Wundbild?💡🧩 🪢

Nach Heilungsverlauf

  • Primäre Wundheilung
  • Sekundäre Wundheilung
  • akute (z.B. Stichverletzung) und chronische Wunden (z.B. Dekubitus)

Primäre Wundheilung (verschlossene Wunde)
• meist nach einem chirurgischen Schnitt
• Wunde wird verschlossen – Klammern, Naht
• ist nicht infektiös (= aseptische Wunde)
• eine primäre Wundheilung gelingt meist bei aseptischen Wunden und frischen Verletzungen
• Wundränder sind glatt begrenzt und liegen dicht beieinander
• verheilen idR innerhalb von 6-8 Tagen
• ist nur möglich, wenn die Wundversorgung max. 6h nach der Verletzung durchgeführt wird

Sekundäre Wundheilung (offene Wunde)
• Wunde wird nicht verschlossen sondern heilt von unten nach oben ab
• ist idR bei infizierten und chronischen Wunden (Ulcus cruris, Dekubitus,…) der Fall
• größere Narbenbildung
• verzögerte Wundheilung
• höhere Gefahr einer Sekundärinfektion

Akute Wunden
Eine Wunde, die in spätestens 8 Wochen abgeheilt ist.

Chronische Wunden
• Eine Wunde, die nach 8 Wochen nicht abgeheilt ist oder immer wieder auftritt wird als chronisch bezeichnet.
• Unabhängig von dieser zeitlich orientierten Definition, gibt es Wunden, die von Beginn an als chronisch anzusehen sind, da ihre Behandlung eine Therapie der weiterhin bestehenden Ursache erfordert (z.B. Diabetischer Fußulcus, PAVK, Ulcus cruris venosum oder Dekubitus).

Feuchte Wundbehandlung fĂĽr chronische Wunden: die Wunde wird mit geeigneten Wundauflagen so versorgt, dass ein feuchtes, aber nicht zu nasses Wundmilieu entsteht. Das unterstĂĽtzt die Wundheilung.

Nach der Keimbesiedelung

• aseptisch (keimfrei)
• kontaminiert (verunreinigt, aber keine Entzündungszeichen, Keime sind vorhanden, vermehren sich aber [noch] nicht)
• kolonisiert (verunreinigt, mit Entzündungszeichen, niedrige Keimzahlen)
• septisch (infiziert, 5 EntzĂĽndungszeichen, hohe Keimzahlen)

Aseptische Wunden
• keimfrei
• frei von Entzündungszeichen
• Entstehung unter sterilen Bedingungen (z.B. Operationen)
• auch kleinere, saubere Verletzungen, die keiner Keimbesiedelung ausgesetzt sind, können als aseptisch gelten
• Wundränder sind glatt durchtrennt, liegen dicht aneinander
• heilen primär ab
• Verschluss durch Nähte, Klammern, Kleber, Steristrips (spezielle Pflasterstreifen)
• sehr gute Heilungsprognose, selten Komplikationen (solange Sterilität gewährleistet)
• Störungen können sein Durchblutungsstörungen, mechanische Belastung, bestimmte Grunderkrankungen (z.B. Diabetes) oder unzureichende Pflege

Kontaminierte Wunden
• keine Entzündungszeichen
• Besiedlung von sich nicht vermehrenden Bakterien vorhanden
• heilen sekundär
Beispiele:
• Verbrennungen
• Chronische Wunden (Dekubitus, Ulcus cruris venosum, Diabetische Fußulcus)
• bewusst offen gehaltene Wunden – z.B. Tracheostoma

Kolonisierte und kritisch kolonisierte Wunden
• vermehrungsfähige Bakterien vorhanden, Wundheilung jedoch nicht nachhaltig beeinflusst
• kritisch kolonisiert: Infektionsrisiko! Übergangsstadium zur septischen Wunde
• heilen sekundär

Septische (infizierte) Wunde
• hohen Keimzahlen im Gewebe
• 5 Entzündungszeichen
Weitere typische Symptome:
• Große Mengen an Exsudat
• Unangenehmer Geruch
• Eitrige Sekrete

🪢 🧩💡Erinnerungsknoten: Wie lauten die klassischen 5 Entzündungszeichen?💡🧩 🪢

Eine septische (also eine infizierte) Wunde ist eine gefürchtete Komplikation im Heilungsprozess. Sie entsteht, wenn Krankheitserreger in die Wunde eindringen und dort eine Entzündungsreaktion hervorrufen. Begünstigt wird eine Infektion durch mangelnde Wundhygiene, schlechte Durchblutung, ein geschwächtes Immunsystem, chronische Erkrankungen wie Diabetes mellitus oder durch eine unzureichende Sauerstoffversorgung des Gewebes.

Die Wundheilung verläuft bei einer septischen Wunde erheblich verzögert, da der Körper seine Energie auf die Bekämpfung der Erreger anstatt auf die Wundheilung konzentrieren muss. Die Entzündung führt zu einer Schädigung des umliegenden Gewebes, was die Bildung von Granulationsgewebe behindert. Oft ist die Wunde neben den typischen Entzündungszeichen schmierig (große Mengen an Exsudat, eitrige Sekrete), unangenehm-faulich riechend, verfärbt und mit Belägen bedeckt. Bei einer mikrobiologischen Gewebeuntersuchung lassen sich häufig sehr hohe Keimzahlen nachweisen.

🪢 🧩💡Erinnerungsknoten: Wundabstrich: Nach welchem Schema gehst du vor?💡🧩 🪢

Wird eine septische Wunde nicht rechtzeitig erkannt und behandelt, kann sich die Infektion ausbreiten und im schlimmsten Fall zu einer Sepsis (Blutvergiftung, akut!) fĂĽhren.

Nach Kontaminationsklasse

Eine wichtige Rolle beim Risiko des Auftretens einer Wundinfektion spielt die Kontamination. Je nach AusmaĂź und Grad der Kontamination werden Wunden in unterschiedliche Kontaminationsklassen eingeteilt :

  1. Klinisch sauber: OP-Wunden (z.B. direkter Verschluss durch Naht): keine erkennbare Kontamination, sehr geringes Infektionsrisiko
  2. Klinisch sauber, kontaminiert (z.B. frisch traumatisierte Wunden): geringe Kontamination, Keime können vorhanden sein, aber noch ohne deutliche Infektionszeichen
  3. Kontaminierte Wunden (z.B. Biss-, Schuss- oder Quetschwunde): deutliche Kontamination, erhöhte Keimzahl und erhöhtes Infektionsrisiko
  4. Infizierte Wunden (z.B. verzögerte Versorgung, alte Verletzungswunde, fäkale Kontamination [Dekubitus im Sakralbereich], MRSA, …): starke Kontamination bis Infektion, oft Eiter, ĂĽbler Geruch (5 klassische EntzĂĽndungszeichen)

Nach Tiefe und Ausdehnung des Defekts

  • offene Wunden: oberflächliche, perforierende, komplexe Wunden (z.B. Dekubitus Grad IV) inkl. tiefe Hautschichten oder Organe (sekundäre Wundheilung)
  • geschlossene Wunden: tiefe, unter intakter Haut entstandene Wunden wie z.B. Frakturen, Hämatome, Quetschungen

Nach Verletzungshergang

• akut (z.B. Stichverletzung)
• chronische Wunden (z.B. Dekubitus)

Andere Einteilungen

• oberflächlich (z.B. SchĂĽrfwunde am Knie)
• perforiert (z.B. Schnittwunde)
• komplex (z.B. tiefe Stichwunde)
• iatrogen (z.B. Punktionswunde [Blutabnahme], Operationswunde)

Die 3 Phasen der Wundheilung

Damit sich zerstörtes Körpergewebe überhaupt wieder regenerieren kann, beginnt schon wenige Minuten nach der Verletzung ein komplexer Wundheilungsprozess:

1. Exsudationsphase (= Reinigungsphase, erste Stunden)
2. Proliferationsphase (= Granulationsphase, 3. – 10. Tag)
3. Epithelisierungsphase (= Regenerationsphase, 7. Tag bis Monate)

🪢 🧩💡Erinnerungsknoten: Welche Blutzellen sind an der Wundheilung beteiligt und welche Aufgaben übernehmen sie dabei?💡🧩 🪢

📸 Foto: Exsudationsphase, draco.de 📸
📸 Foto: Proliferationsphase, draco.de 📸
📸 Foto: Epithelisierungsphase, convatec.com 📸

Exsudationsphase (Reinigungsphase)
• durch die Verletzung ziehen sich die Gefäße zusammen (Vasokonstriktion)
• die initiale Blutung leitet die Heilung ein = Voraussetzung für die Wundreinigung und die Steigerung des Zellwachstums 
• Thrombozyten heften sich an verletzte Blutgefäße und bilden einen Pfropf zur Blutstillung (primäre Hämostase)
• Blutgerinnung setzt ein (Gerinnungskaskade): ein Fibrinnetz stabilisiert das Gerinnsel (sekundäre Hämostase)
• es entsteht ein Thrombus (Blutgerinnsel), der die Blutung stoppt und die Wunde vorläufig verschließt
• EntzĂĽndungsreaktion: Wundödem/Schwellung (FlĂĽssigkeitsansammlung) – Abbau von nekrotischem Gewebe (Wundreinigung)
• Makrophagen (Fresszellen): Aufnahme fester Partikel (z.B. Gewebetrümmer) + Auflösung von Mikroorganismen (Infektabwehr)
• Wundexsudat schwemmt Zelltrümmer, Fremdkörper und Keime aus der Wunde 

🪢 đź§©đź’ˇErinnerungsknoten: Anatomie – Das Blut: Was ist Fibrinogen?💡🧩 🪢

Proliferationsphase/Granulationsphase
• Abbau des Fibringerüstes
• Bildung von Granulationsgewebe (rötlich, glänzend, gefäß-, zell- und kollagenreich)
• Neubildung von Gefäßen
 
Epithelisierungsphase (Regenerationsphase) 
• Herstellung von Bindegewebe (Kollagenbildung)
• Wundkontraktion – Wunde zieht sich zusammen (eine sauber granulierende Wunde verkleinert sich im Durchmesser täglich um rund 1 – 2 mm)
• Wundödem/Schwellung geht zurück
• Haut (Epithelzellen) wächst von den Wundrändern her ĂĽber den Wundgrund – Epithelisierung (Neubildung von Haut)
• Narbe

🪢 🧩💡Erinnerungsknoten: Diätetik: Woraus besteht Kollagen, und wie kann man Menschen mit Wunden durch geeignete Nahrungsmittel bei der Kollagenbildung unterstützen?💡🧩 🪢

Beeinflussung der Wundheilung

Systemische Faktoren: hohes Lebensalter, Begleiterkrankungen (z. B. Diabetes mellitus), Vitaminmangel, Ernährungszustand (Adipositas, Kachexie), Medikamente (z. B. Cortison)

Lokale Faktoren: Hämatome, Infektionen, Wundrandnekrosen

Wunde: Beobachtungskriterien

  • Ausscheidung: Wundsekret kann klar (serös), blutig oder eitrig (purulent) sein. Sekret deutet auf eine Infektion hin.
  • Wundbeläge: Es können gelbliche (fibrinöse) oder schwarze (nekrotische) Beläge entstehen.
  • Geruch: Ein unangenehmer fauliger Geruch weist häufig auf eine bakterielle Infektion oder Gewebezerfall hin.

Wundbeurteilung

Wundgrund

Der Wundgrund ist der vom Wundrand umgebene Gewebedefekt. Er kann von Wundbelägen bedeckt sein.[3] Die Begriffe „Wundgrund“ und „Wundfläche“ werden oft synonym verwendet.

Wundrand

Der Wundrand ist die Grenze zwischen Wundfläche und Wundumgebung.[3] Ein gesunder Wundrand ist leicht rosig und zeigt beginnende Neubildung von Haut.

z.B. scharf begrenzt, regelmäßig

Wundexsudat

Alle FlĂĽssigkeiten, die von einer Wunde freigesetzt werden (Lymphe, Blut, Proteine, Keime, Zellen, Zellreste).[3]

Wundumgebung

Das Hautareal, das die Wunde umgibt.[3]

z.B. unauffällig, Bläschen, Erythem

Wundbelag

Bedeckt den Wundgrund. Besteht aus abgestorbenem Gewebe und/oder körpereigenen Substanzen und ggf. Biofilm.[3]

Farbe und Geruch Wundbelag:
• weißlich, schwach gelb, neutral (Fibringerüste, Leukozyten, keine Infektion vorhanden)
• gelblich braun mit orange (Infektion)
• bläulich grün, süßlich (Infektion)
• schwarz, faulig (Gangrän)

Gefahr einer Wundinfektion: Erkennungsmerkmale

Eine Wundinfektion ist immer eine iatrogene Infektion.

Mangelnde Hygiene

Ein Wundinfektion entsteht häufig durch mangelnde Beachtung hygienischer Grundsätze. Wird unsteril gearbeitet, besteht eine erhöhte Gefahr der Keimverschleppung. Auch das Nichttragen von Schutzkleidung wie Einmalhandschuhen oder Einmalschürzen begünstigt eine Kontamination der Wunde. Eine weitere Ursache ist die Vernachlässigung der Händedesinfektion.

In der häuslichen Pflege kann eine mangelnde Körperhygiene das Risiko einer Infektion weiter verstärken.

Nekrosen und Fibrinbeläge

Nekrosen oder Fibrinbeläge stellen einen idealen Nährboden für Bakterien dar. Auf der Wundoberfläche begünstigen sie daher eine Infektion.

Mazeration

Mazeration ist ein Zeichen für unzureichendes Exsudatmanagement. Kommt es zu einer Mazeration der Haut durch zu viel Feuchtigkeit, erhöht dies das Risiko einer Keimansiedelung.

Lokalisation der Wunde

Ein Dekubitus in der Sakralregion oder Bauchwunden in direkter Nähe zu Stomaanlagen sind besonders infektionsgefährdet, da sie in hygienisch schwierigen Körperregionen liegen und mit Sekreten in Kontakt kommen können.

Ein Keimnachweis durch einen Wundabstrich bestätigt den Verdacht auf eine Infektion und dient als Grundlage für die gezielte Auswahl eines geeigneten antiseptischen oder antibiotischen Behandlungsverfahrens.

Wundabstrich

Ein Wundabstrich ist eine mikrobiologische Probenentnahme an Wunden. Er sollte bei Verdacht einer Wundinfektion abgenommen werden. Liefert Ergebnisse zu Art und Menge der Erreger sowie deren Resistenzen.

Essener Wundkreisel

  1. reinigen (mit Natriumchloridlösung) – NICHT DESINFIZIEREN!
  2. kreisende Bewegungen von außen nach innen (innerhalb der Wundfläche) mit Stäbchen
  3. nicht am Wundrand ankommen!

Hygiene am Verbandswagen

  1. Ausstattung: Händedesinfektionsmittelspender, Handschuhspender, geschlossene Fächer, Laden für Sterilgut, Schleimhautdesinfektionsmittel, Abwurfbehälter für Instrumente, Abfallsack
  2. glatte, wischdesinfizierbare Oberflächen
  3. ausreichend Arbeitsfläche
  4. Lade: Sterilgut, NaCl, Ringerlösung, Scheren, Pinzetten, ausreichend Verbandmaterial, Tupfer, Gaze, Einmal-Sets
  5. Die VW-Materialien sind auf einem Tablett zurechtstellen
  6. Die Verbindende darf während des VW nicht auf den Verbandswagen greifen
  7. mit Verbandswagen nicht ins Zimmer fahren

Sterilgut

Anforderungen an die Verpackung und Entnahme:
🪢 🧩💡Erinnerungsknoten: Sterilgut, Hygiene💡🧩 🪢

Verbände: Unterscheidung nach Funktion

Wundverband:
Aufsaugen von Wundsekreten und Schutz vor UmwelteinflĂĽssen

Druckverband:
Blutstillung

StĂĽtzverband:
Ruhigstellung verletzter Körperteile

Funktioneller Verband:
Schutz, Entlastung geschädigter oder gestörter Abschnitte des Bewegungsapparates

Ziel des Verbandswechsels

• Wundkontrolle
• Wundbeurteilung und Therapieanpassung
• Verhinderung der Einschleppung von Keimen und Bakterien (nosokomiale Keime)
• Bekämpfung einer bereits bestehenden oder beginnenden Infektion

Wundreinigung

erfolgt in den Phasen der:
• Regeneration
• Reparation

Die Wundreinigung wird mit Natriumchloridlösung durchgeführt. Antiseptikum wird zur Wundreinigung NUR NACH ÄRZTLICHER ANWEISUNG verwendet.

Mehrere Wunden versorgen: Die richtige Reihenfolge

1. aseptisch
2. kontaminiert
3. infiziert Wunden

Die klare Trennung zwischen unterschiedlichen Wundarten ist sowohl beim selben Patienten als auch beim Wechsel zwischen den Patienten zu achten.

Bei der Versorgung mehrerer Wunden ist die richtige Reihenfolge deshalb von groĂźer Bedeutung, da dadurch eine Keimverschleppung vermieden werden kann. Es gilt die Reihenfolge: zuerst aseptisch, danach kontaminiert, zuletzt infiziert.

Diese Reihenfolge ist deshalb wichtig, da bei aseptischen Wunden kein Keimeintrag erfolgen darf. Würde man zuerst eine infizierte oder kontaminierte Wunde versorgen, könnten Bakterien über Hände, Instrumente oder Verbandsmaterialien in die aseptische Wunde übertragen werden. Das Risiko einer sekundären Infektion wäre dadurch erhöht.

Nach jeder Wundversorgung müssen die Hände nach dem allgemein gültigen Hygienestandard desinfiziert werden, ebenso wie alle verwendeten Instrumente und Flächen (Vermeidung von Kreuzkontamination). Sterile Materialien und Einmalinstrumente (dazu gehört z.B. auch die Verbandschere) müssen verworfen werden. Ein frisches Paar Handschuhe ist für jeden Patienten obligatorisch.

Vorbereitung

Infektionsschutz (Eigen- und Fremdschutz):
• Händedesinfektion
• Haarschutz und Mundschutz bei großflächigen Wunden tragen
• Schutzkleidung
• Einmalhandschuhe (idR sind unsterile Handschuhe ausreichend)

Raum und Umfeld:
• Fenster und Türen schließen
• Besucher aus dem Zimmer bitten
• es werden keine sonstigen Tätigkeiten durchgeführt

Patientenbezogen:
• Information
• Bett auf Arbeitshöhe
• positionieren
• Schmerztherapie 20 Minuten vorher

Material:
• Verbandsmaterial und Einmalmaterial (inkl. Pinzette) steril
• Pinzette steril (Non-Touch-Technik)
• Handschuhe

Anlegen des Verbandes: Darauf ist zu achten

Beim Anlegen eines Verbandes muss darauf geachtet werden, dass er zwar straff genug sitzt, um die Wunde zu schützen, aber nicht zu fest, um Kontraktionen (Einschnürung) zu vermeiden. Ein zu fester Verband verhindert den Blutfluss und führt zu Schwellungen und Schmerzen. Bei längerem Bestehen führt dies durch die Minderdurchblutung zu Schädigungen des umliegenden Gewebes.

Non-Touch-Technik

Die Non-Touch-Technik bezeichnet eine Vorgehensweise in der Wundversorgung, bei der die direkte BerĂĽhrung mit der Wunde oder dem Wundbereich vermieden wird (sterile Arbeitsweise), um eine Keimverschleppung (Infektion) zu verhindern.

Verbandswechsel durchfĂĽhren: Reihenfolge

  1. Hände desinfizieren
  2. Handschuhe anziehen (unsteril ist ausreichend)
  3. alten Verband entfernen
  4. Inspektion des alten Verbandes (Art und Menge des Exsudats, Blutmenge, Geruch) – rein und unrein darf nicht vermischt werden (Ablage)
  5. Handschuhe verwerfen
  6. Händedesinfektion
  7. neue Handschuhe anziehen (unsteril ist ausreichend)
  8. Wundreinigung laut ärztlicher Anweisung (Non-Touch-Technik)
  9. Gereinigte Wunde inspizieren, Wundränder versorgen, eventuell Wundrandschutz
  10. Fixierung des Verbandes
  11. Hautpflege der umliegenden Hautareale
  12. Handschuhe verwerfen
  13. Händedesinfektion
  14. Wunddokumentation

Wunde reinigen

Wie:
Wunddebridement – das Entfernen von Schmutzpartikeln, Fremdkörpern, nekrotischem Gewebe oder Biofilm ist nicht Aufgabe der Pflegeassistenz (“einfache Wundversorgung in stabilen Pflegesituationen”)
Wundantiseptika – evtl. in Verbindung mit systemischen Antibiotika (keine lokale AB-Therapie), nur auf ärztliche Anordnung

Die Wundreinigung erfolgt mit dem Ziel, mögliche Schadstoffe (z.B. Verunreinigungen, Noxen, Toxine, Mikroorganismen) aus der Wunde zu entfernen.

Womit:
mit steriler Natriumchloridlösung oder Ringerlösung, ggf. Schleimhautdesinfektionsmittel wie Octenidin oder Jod – nach ärztlicher Anweisung

Keine Kombination unterschiedlicher Antiseptika! Kann zur Bildung toxischer Abbauprodukte, Wirkungsabschwächung oder Wirkungsverstärkung führen. ℹ️ Mehr Infos zum Thema (Kommentarliteratur): Octenisept und Jod ist dem Profi sein Tod! ℹ️

Wunddesinfektion: Wischrichtung beim Verbandswechsel

Veraltet: Wischrichtung bei aseptischen Wunden von innen nach auĂźen, bei septischen Wunden von auĂźen nach innen.
z.B. Hygienerichtlinien MedUni Wien.

moderne Sichtweise: Wischrichtung beim Reinigen und Desinfizieren ist immer von innen nach auĂźen. Pro Wischgang wird ein neuer steriler Tupfer verwendet. MaĂźgeblich sind immer die hausinternen SOPs (Standard Operating Procedures). z.B. Wundzentrum Hamburg: „Jede Wunde ist aseptisch zu behandeln“.

Vergleiche:
Wischrichtung Wundabstrich: von auĂźen nach innen (Essener Wundkreisel)
Wischrichtung Wunddesinfektion: von innen nach auĂźen

Dokumentation der Wundversorgung

Wundbeschreibung nach GREIS:
G – Wundgrund
R – Wundrand (grenzt an die Wundumgebung)
E – Exsudat
I – Inflammation
S – Subjektive Symptomatik

G – Wundgrund
Zustand der Wundfläche: Größe, Tiefe, Wundheilungsphase, Infektionszeichen, Blutungen, Beläge, Farbe, Beschaffenheit des Gewebes. siehe Wundbeurteilung

R – Wundrand
= Ăśbergang zwischen Wundgrund und gesunder Haut. siehe Wundbeurteilung

E – Wundexsudat
Art, Menge, Farbe und Geruch des Wundsekrets. Dokumentation der Austrittsstelle von Drainagen und Exsudat. siehe Wundbeurteilung

I – Wundumgebung / Inflammation
Dokumentation der Wundumgebung bzgl. Infektionszeichen, Nekrosen, Mazeration, Hämatome, allergische Hautreaktionen und Hautdefekte.siehe Wundbeurteilung

S – Subjektive Symptomatik
Schmerzen (Art, Intensität, Zeitpunkt), Juckreiz, Spannungsgefühl, psychische Belastung, etc.

AUĂźERDEM:
• Veränderungen melden (Vorbeugung schwerwiegender Komplikationen)
• Pulsstatus (gibt Hinweise auf die Durchblutungssituation)
• Fotodokumentation (nachvollziehbare und objektive Verlaufsbeurteilung)
• Schmerzdokumentation (um ggf. die Schmerztherapie anzupassen)

Drainage

Definition:
Ein Schlauch- oder Saug-System, das Wundsekret, Blut, Eiter oder Luft nach einer Operation oder bei einer Entzündung ableitet (z. B. Wunddrainage, Thoraxdrainage).

Therapeutische Intervention

Allgemeine Definition:
Therapeutische Interventionen sind geplante Maßnahmen zur Wiederherstellung der Selbstständigkeit, die über die bloße Kompensation von Defiziten hinausgehen.

Definition im Rahmen des Wundmanagements:
Im Rahmen des Wundmanagements spricht man von einer therapeutischen Intervention, wenn es sich um
• pharmakologische
• chirurgische oder
• supportive Maßnahmen
handelt, welche
• die Förderung des Wundverschlusses
• die Abheilung der chronischen Wunde
• den Erhalt der Lebensqualität oder
• die Verbesserung der Lebensqualität
zum Ziel haben.

Quellen:
[1] § 83 Abs. 4 Z 6 GuKG, „Tätigkeitsbereich der Pflegeassistenz“, RIS
[2] Protz, K. und Timm, J.H. (2022), S12: Moderne Wundversorgung. 10. Auflage. MĂĽnchen: Elsevier. VerfĂĽgbar unter: https://shop.elsevier.de/media/s3/Germany/extrait/9783437278877_protz_wunden_.pdf (Zugriff am: 6. Mai 2026).
[3] vgl. Diagnostik und Therapie chronischer Wunden, S. 7, Initiative Chronische Wunden, medizinische Fachgemeinschaft, Deutschland

Literaturempfehlungen:
Initiative chronische Wunden – Anerkennungs- und Zertifizierungsstelle fĂĽr Bildungsträger
Diagnostik und Therapie chronischer Wunden – Standards der ICW, 01/2026


Bildquellennachweis: ©pixabay.com @stux